seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Widerstände

Sein Herz in die Hand nehmen*

(* Redewendung “das Herz in die Hand nehmen” stammt aus einem persönlichen, mündlichen Austausch im April 2019 mit Heidi Weiss, karmischer Astrologin und Rückführungsleiterin).

Hin und wieder spür ich Widerstände und tu mich schwer, einen Text zu schreiben. Das hat auch damit zu tun, dass ich in meinen Zeilen immer ehrlicher werde, dadurch auch anecke oder jemanden in seiner “streng gehüteten “Truhe der Schatten” berühre” (Heidi Weiss, s.o.). Oder aber ich öffne selbst meine Truhe, was mir Angst macht.

Wieder einmal waren Heidi Weiss‘ Impulse mir in den vergangenen Wochen sehr dienlich. Überhaupt habe ich derzeit viele wunderbare Lehrer und Mentoren Harry, Ute, Ulrike, Regula, Sarah, Laura, Andrea, Bernarda, Tanja, Lidia, Eckhard, Karo, Olli, Tata – fühlt Euch angesprochen, ich danke Euch.

Manchmal berühren wir wie gesagt einen anderen in seiner gut gehüteten “Truhe der Schatten”. Das wiederum will der andere meist nicht, da dort all das Unbearbeitete liegt, das nicht gerne gezeigt wird. Derjenige, den ich in seiner Schattentruhe berührt habe, kann dies als Geschenk betrachten: Nähe und Intimität, der Mut, sich auch in den tiefsten Tiefen berühren zu lassen, fruchtbare Gespräche können folgen. Wenn jedoch aus dem Ego regaiert wird, kann es rasant in die Rechtfertigung, die Verteidigung, die Ablehnung gehen. Wie sagt Harry so treffend?

Jemand, der IN seinen Emotionen ist, ist oft unerreichbar. Das kenne ich auch: Es gibt Situationen, da treffen mich Menschen, oft sehr nahstehende, so unerwartet tief und schmerzhaft, dass ich sofort zurückschlage. Mittlerweile habe ich immer weniger Angst vor meinen dunklen Seiten, so dass ich mir die Zeit nehme, innzuhalten, zu atmen und vor allem: zu fühlen. Die Angst zu fühlen. Die Wut. Die Scham.

Die ultimative Herausforderung für Wachstum wartet in genau solchen Situationen, in denen der andere nicht erreichbar ist: Das und ihn so anzunehmen, wie er ist, nicht wie ich ihn mir wünsche, ist nicht leicht. Wenn wir uns wirklich begegnen wollen – in einer (Paar-) Beziehung, einer engen Freundschaft, so ist es unerlässlich, sich auch und gerade mit seinen Schattenseiten zu zeigen. Mit der eigenen Verletzlichkeit nach draußen zu gehen.

Gleichzeitig dürfen wir – und auch das finde ich wichtig – entscheiden, wem wir die Erlaubnis geben, in unserer “Truhe der Schatten” herumzustochern. Hier helfen uns Achtsamkeit mit uns selbst und Selbstverantwortung. Mein Körper-Geist-Seele-System ist sehr sensibel, wie mir immer mehr auffällt. Je mehr ich mich zeige, umso mehr spiegeln mir dies auch andere Menschen. Mit meiner hohen Sensibilität geht auch eine große Verletzlichkeit einher: Etwas in mir fühlt sich getroffen, vielleicht sogar gekränkt, wenn es sich nicht gesehen fühlt – in seiner Vewundbarkeit, seiner Tiefgründigkeit.

Heidi machte mir deutlich, dass nur das Ego, die Persönlichkeit – das wo wir Identität und Sicherheit erfahren – verletzt werden kann. Die Seele wiederum ist unberührt davon, kann nicht verletzt werden. Dieses Bild finde ich äußerst schön und hilfreich. So gelingt es mir in aufrührenden, emotionalen Momenten auch immer wieder, zu dem Teil in mir zurückkehren, der ruhig und liebevoll ist. Dann werde ich plötzlich ganz weich, leise, manchmal auch traurig. Doch im aufrichtigen Austausch sind unsere “schwachen”, weichen Gefühle genau die Qualitäten, die beide Kommunikationspartner zusammenführen, die Verbindung schenken.

Zurück zur hohen Sensibilität: Ich reagiere auch auf kritische Äußerungen sehr differenziert, gleichzeitig nehme ich alle Zwischentöne einer Botschaft fein wahr und muss dies alles zuerst stimmig sortieren und für mich einordnen. Da kann es vorkommen, dass ich entscheide, eine mir auffallende Unstimmigkeit nicht sofort verbal zum Ausdruck zu bringen. Auch dies ist möglich und in Ordnung: sich selbst Zeit zu geben zwischen wahrnehmen und handeln. Sich seiner selbst und der Situation bewusst zu werden. Zu wählen: Ich lasse das jetzt zunächst so. Früher habe ich Dinge und Themen in mir angestaut, bis sie sich manches Mal voller Ärgerenergie entluden – ganz zum Erstaunen und wiederum Ärger meiner Mitmenschen. Mittlerweile kann ich Dinge so klar für mich wahrnehmen, meinem Instinkt folgend, dass ich sie zu einem Zeitpunkt meiner Wahl auch ruhig und besonnen zur Sprache bringen kann, selbst wenn der andere dann dennoch ent-täuscht oder gar ärgerlich auf meine Worte reagieren mag.

Im Miteinander ist es wichtig, sich seiner Werte immer wieder bewusst zu werden und diese auch zu kommunizieren: Wenn ich auf Herzlichkeit und “Den-anderen-Erheben” stehe, so kann ich mir Menschen und Szenen suchen, die diese meine Werte teilen. Wenn der Ton, der bekanntlich die Musik macht, mir wiederum nicht zusagt, so kann ich mich auch aus diesem Kontakt lösen. Wie sagt Yogi Bahjan so schön? Wenn deine Gegenwart nichts bewirkt, bewirkt dein Wort auch nichts. Ich lerne mir immer mehr selbst zu vertrauen – meinen Gefühlen, meinen Körperreaktionen – und an das zu glauben, was sich für mich richtig anfühlt.

 Wie sich ein Mensch mir gegenüber verhält, sagt immer etwas über ihn aus, nicht über mich. Die Art, wie ich emotional darauf reagiere, das Gefühl, das dieses Verhalten in mir weckt, hat immer etwas mit mir zu tun, nicht mit dem anderen. Hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen und zu spüren, was gerade geschieht: Ob ich wohlmöglich auf einen anderen projiziere, oder ob ein anderer seine Thematik auf mich projiziert. Wenn letzteres der Fall ist, deute ich dies als Aufforderung an mich, diesen Menschen weiterhin mit den Augen der Liebe zu betrachten, sprich ihm Liebe im Geiste zu schenken. Was wir nicht tun brauchen: Uns einen verbalen Schlagabtausch liefern, uns in “Diskussionen” begeben, in denen wir uns gegenseitig die Worte im Munde verdrehen – dies führt meist zu nichts. Manchmal dürfen Dinge so stehen bleiben und (nach)wirken. Wenn Rechthaberei im Spiel ist, wird intimer Austausch schwierig, so meine Erfahrung. Das “Liebe-im-Geiste-Schenken”gelingt mir immer mehr, was mich sehr froh und dankbar stimmt – auch wenn es eine Herausforderung ist.

Das Schöne und Wertvolle an diesen Situationen, in denen es bei dem einen oder anderen heiß hergeht, ist: Wir wachsen buchstäblich über uns hinaus. Welcher mich treffende Satz begegnete mir kürzlich? ” Wahres Licht leuchtet da, wo wir unsere Dunkelheiten ins Herz schließen.” Wenn wir uns trauen, unser Herz im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand zu nehmen, werden wir vom Leben reich beschenkt.

Von Lebenszyklen, Krisen und Veränderungen

Viele Menschen haben Angst vor Veränderung. Ich vermute, wir alle fürchten bestimmte Umbrüche im Leben: Trennungen, Verluste, hormonell und zyklisch bedingte Veränderungen, den Tod.

Heute möchte ich mit Euch Erkenntnisse, die ich in meiner Yoga-Ausbildung sammle, teilen. Gleich zu Beginn eine kühne These: Aus yogischer Sicht ändert sich nach 7 Jahren dein Bewusstsein, nach 11 Jahren deine Intelligenz und nach 18 Jahren dein ganzes Leben. Wie konkret diese Zahlen und Intervalle zustande kommen, vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen – ich schmeiße sie einfach in den Raum. Denn entscheidend ist, dass das Leben Veränderungen unterliegt – wie heißt es so schön?

Veränderung ist die einzige Konstante im Leben, das einzige, auf das du dich wirklich verlassen kannst.

Demnach gibt es Lebenszyklen & -rhythmen, die unser aller Leben gestalten.

Oft gehen Übergänge in etwas Neues mit Krisen einher – der neue Bewusstseinsschritt will vorbereitet werden. Krisen sind Transformationsprozesse, die in der Regel schmerzhaft ablaufen und uns am Ende – gesund überstanden – mit mehr Stärke ausrüsten und uns weiser machen können. Bei den Yogis heißt es, Krisen sollten weder vermieden noch krampfhaft aufgesucht werden. Ein manches Mal erleben wir auch nur ein leichtes “Geruckel”, keine handfeste Krise. In dem einen oder anderen Fall darf ich mich fragen:

Welche Themen habe ich mir noch nicht angeguckt?

Das Anschauen der eigenen Themen ist eine großartige Chance, doch oft blockieren wir hier, sind nicht dafür bereit.

Viele Menschen versuchen die Veränderung zu vermeiden. Wir alle haben Widerstände und Vermeidungsstrategien, um uns nicht zu konfrontieren. Unsere Yoga-Ausbilderin benutzte kürzlich folgendes Bild: Es ist als würden wir einen Gullideckel herunterhalten und unsere gesamte Energie darauf verwenden, diesen unten zu lassen.

Es gibt viele Methoden, sich unbewusst zu machen: rauchen, trinken, Drogen, wenig Schlaf, auch streiten. Wenn ich mir ein bestimmtes Thema über längere Zeit nicht angeguckt habe, kommt die Krise auch oft in Form einer Krankheit.

Jetzt wird’s noch mal spannend und für den einen oder anderen wohlmöglich befremdlich: Weiterentwicklung und Bewusstwerdung bedürfen eines durchlässigen Unterbewusstseins. In der Regel hat sich in unserem System viel Ungeklärtes aufgestaut: innere Muster, veraltete Glaubenssätze und Konditionierungen. Das Unterbewusstsein ist bildlich gesprochen verstopft. Um dieses durchlässiger zu machen, zu reinigen und somit immer bewusster zu werden, können verschiedene Methoden angewandt werden: Meditation ist eine wunderbare Möglichkeit, um sich vom Alltags-Bewusstsein immer mehr in Richtung unseres höheren Bewusstseins zu bewegen; das nächtliche Träumen gehört dazu, möglicherweise – und je nach Geschichte & Situation –  macht auch Psychotherapie Sinn, um unserem System Luft zu verschaffen; durch das  Älter-Werden, das Leben in und durch meinen Lebensrhythmus, wird unser System automatisch gereinigt.

An dieser Stelle noch ein paar abschließende Worte zur Krise: Im Krisenmodus ist es wichtig, sich zu erden: kochen, gut und bewusst essen, aufräumen, spazieren-gehen, Gartenarbeit – all dies kann helfen, um durch eine Krise nicht “weggepustet” zu werden. Wenn du jemandem in der Krise helfen willst, muss ein Bein festen Boden haben – dieses Bild kannst du auch auf dich selbst anwenden.

Ich wünsche uns allen einen wachen Geist und ein weites Herz, um auch stürmischen Zeiten mit Wohlwollen, Weitsicht, einer gewissen Gelassenheit und Liebe zu begegnen.

 

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