seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Mut (Seite 1 von 3)

Ab in die Freude

Ich kann dieses Video von Veit Lindau wirklich jedem sehr ans Herz legen: Es geht um die Macht deiner Frequenz.
Unsere Energie(wolke) kann sich in verschiedenen Frequenzbereichen aufhalten. Ihr kennt sicher dieses “Modell”, diese Skala (im unteren Bereich z. B. Schuld, Scham, Kummer, Angst, dann Neid, Groll…, den neutralen Bereich, Langeweile, über Zufriedenheit, in die oberen Bereiche, hin zu Mut, Optimismus, Vertrauen, Dankbarkeit, Freude, Liebe, Frieden).
Wir können am Tag einmal komplett auf dieser Skala wechslen. Gleichzeitig haben wir einen Frequenzschwerpunkt: da, wo wir uns am häufigsten einpendeln. Wir fühlen uns wohler – und sicher entspricht unser “wahrer Zustand” auch der der Glückseligkeit – wenn wir uns in Richtung der oberen Frequenzen bewegen. Wenn wir anfangen, uns in diese Bereiche zu bewegen, werden wir zu einer Quelle der Kraft für andere: Menschen, die sich in Richtung der oberen Frequenzen bewegen, fangen an, andere zu inspirieren, das Feld anzuheben.
Und jetzt kommt’s: “Je höher ich steige, je feiner meine Energie wird, umso mächtiger wird mein Wirkungshebel, ohne dass ich mich anstrengen muss.”Dies waren Veits Worte. Genial.
Wie dieses Frequenzfeld mit dem Gesetz der Resonanz zusammenhängt, und wie ich meine Frequenz wechseln kann, dies und mehr erfahrt ihr in diesem Video.
“Du bist frei. Du kannst grundlos die Frequenz wechseln. ”  (Veit Lindau)

Who cares

Inspiriert von Guru Jagat. Und von den vielen Menschen und wertvollen Erfahrungen der vergangenen Wochen:
Je mehr wir alles, wirklich alles in uns nach Hause holen, umso weiter können wir unser Herz öffnen.
Es ist völlig gleichgültig, ob andere uns widersprechen, kritisieren, herausfordern, in Frage stellen. Wenn wir in uns verankert und gleichzeitig weich, offen und liebevoll mit uns und anderen sind, kann uns nichts wirklich umhauen.
Auch müssen wir nicht ständig auf äußere Reize – Kommentare, Meinungen etc. – reagieren, sondern können auch einfach Dinge so stehen lassen, weit werden, unsere Präsenz und unsere Aura für uns sprechen lassen.
Nur Mut.

Sein Herz in die Hand nehmen*

(* Redewendung “das Herz in die Hand nehmen” stammt aus einem persönlichen, mündlichen Austausch im April 2019 mit Heidi Weiss, karmischer Astrologin und Rückführungsleiterin).

Hin und wieder spür ich Widerstände und tu mich schwer, einen Text zu schreiben. Das hat auch damit zu tun, dass ich in meinen Zeilen immer ehrlicher werde, dadurch auch anecke oder jemanden in seiner “streng gehüteten “Truhe der Schatten” berühre” (Heidi Weiss, s.o.). Oder aber ich öffne selbst meine Truhe, was mir Angst macht.

Wieder einmal waren Heidi Weiss‘ Impulse mir in den vergangenen Wochen sehr dienlich. Überhaupt habe ich derzeit viele wunderbare Lehrer und Mentoren Harry, Ute, Ulrike, Regula, Sarah, Laura, Andrea, Bernarda, Tanja, Lidia, Eckhard, Karo, Olli, Tata – fühlt Euch angesprochen, ich danke Euch.

Manchmal berühren wir wie gesagt einen anderen in seiner gut gehüteten “Truhe der Schatten”. Das wiederum will der andere meist nicht, da dort all das Unbearbeitete liegt, das nicht gerne gezeigt wird. Derjenige, den ich in seiner Schattentruhe berührt habe, kann dies als Geschenk betrachten: Nähe und Intimität, der Mut, sich auch in den tiefsten Tiefen berühren zu lassen, fruchtbare Gespräche können folgen. Wenn jedoch aus dem Ego regaiert wird, kann es rasant in die Rechtfertigung, die Verteidigung, die Ablehnung gehen. Wie sagt Harry so treffend?

Jemand, der IN seinen Emotionen ist, ist oft unerreichbar. Das kenne ich auch: Es gibt Situationen, da treffen mich Menschen, oft sehr nahstehende, so unerwartet tief und schmerzhaft, dass ich sofort zurückschlage. Mittlerweile habe ich immer weniger Angst vor meinen dunklen Seiten, so dass ich mir die Zeit nehme, innzuhalten, zu atmen und vor allem: zu fühlen. Die Angst zu fühlen. Die Wut. Die Scham.

Die ultimative Herausforderung für Wachstum wartet in genau solchen Situationen, in denen der andere nicht erreichbar ist: Das und ihn so anzunehmen, wie er ist, nicht wie ich ihn mir wünsche, ist nicht leicht. Wenn wir uns wirklich begegnen wollen – in einer (Paar-) Beziehung, einer engen Freundschaft, so ist es unerlässlich, sich auch und gerade mit seinen Schattenseiten zu zeigen. Mit der eigenen Verletzlichkeit nach draußen zu gehen.

Gleichzeitig dürfen wir – und auch das finde ich wichtig – entscheiden, wem wir die Erlaubnis geben, in unserer “Truhe der Schatten” herumzustochern. Hier helfen uns Achtsamkeit mit uns selbst und Selbstverantwortung. Mein Körper-Geist-Seele-System ist sehr sensibel, wie mir immer mehr auffällt. Je mehr ich mich zeige, umso mehr spiegeln mir dies auch andere Menschen. Mit meiner hohen Sensibilität geht auch eine große Verletzlichkeit einher: Etwas in mir fühlt sich getroffen, vielleicht sogar gekränkt, wenn es sich nicht gesehen fühlt – in seiner Vewundbarkeit, seiner Tiefgründigkeit.

Heidi machte mir deutlich, dass nur das Ego, die Persönlichkeit – das wo wir Identität und Sicherheit erfahren – verletzt werden kann. Die Seele wiederum ist unberührt davon, kann nicht verletzt werden. Dieses Bild finde ich äußerst schön und hilfreich. So gelingt es mir in aufrührenden, emotionalen Momenten auch immer wieder, zu dem Teil in mir zurückkehren, der ruhig und liebevoll ist. Dann werde ich plötzlich ganz weich, leise, manchmal auch traurig. Doch im aufrichtigen Austausch sind unsere “schwachen”, weichen Gefühle genau die Qualitäten, die beide Kommunikationspartner zusammenführen, die Verbindung schenken.

Zurück zur hohen Sensibilität: Ich reagiere auch auf kritische Äußerungen sehr differenziert, gleichzeitig nehme ich alle Zwischentöne einer Botschaft fein wahr und muss dies alles zuerst stimmig sortieren und für mich einordnen. Da kann es vorkommen, dass ich entscheide, eine mir auffallende Unstimmigkeit nicht sofort verbal zum Ausdruck zu bringen. Auch dies ist möglich und in Ordnung: sich selbst Zeit zu geben zwischen wahrnehmen und handeln. Sich seiner selbst und der Situation bewusst zu werden. Zu wählen: Ich lasse das jetzt zunächst so. Früher habe ich Dinge und Themen in mir angestaut, bis sie sich manches Mal voller Ärgerenergie entluden – ganz zum Erstaunen und wiederum Ärger meiner Mitmenschen. Mittlerweile kann ich Dinge so klar für mich wahrnehmen, meinem Instinkt folgend, dass ich sie zu einem Zeitpunkt meiner Wahl auch ruhig und besonnen zur Sprache bringen kann, selbst wenn der andere dann dennoch ent-täuscht oder gar ärgerlich auf meine Worte reagieren mag.

Im Miteinander ist es wichtig, sich seiner Werte immer wieder bewusst zu werden und diese auch zu kommunizieren: Wenn ich auf Herzlichkeit und “Den-anderen-Erheben” stehe, so kann ich mir Menschen und Szenen suchen, die diese meine Werte teilen. Wenn der Ton, der bekanntlich die Musik macht, mir wiederum nicht zusagt, so kann ich mich auch aus diesem Kontakt lösen. Wie sagt Yogi Bahjan so schön? Wenn deine Gegenwart nichts bewirkt, bewirkt dein Wort auch nichts. Ich lerne mir immer mehr selbst zu vertrauen – meinen Gefühlen, meinen Körperreaktionen – und an das zu glauben, was sich für mich richtig anfühlt.

 Wie sich ein Mensch mir gegenüber verhält, sagt immer etwas über ihn aus, nicht über mich. Die Art, wie ich emotional darauf reagiere, das Gefühl, das dieses Verhalten in mir weckt, hat immer etwas mit mir zu tun, nicht mit dem anderen. Hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen und zu spüren, was gerade geschieht: Ob ich wohlmöglich auf einen anderen projiziere, oder ob ein anderer seine Thematik auf mich projiziert. Wenn letzteres der Fall ist, deute ich dies als Aufforderung an mich, diesen Menschen weiterhin mit den Augen der Liebe zu betrachten, sprich ihm Liebe im Geiste zu schenken. Was wir nicht tun brauchen: Uns einen verbalen Schlagabtausch liefern, uns in “Diskussionen” begeben, in denen wir uns gegenseitig die Worte im Munde verdrehen – dies führt meist zu nichts. Manchmal dürfen Dinge so stehen bleiben und (nach)wirken. Wenn Rechthaberei im Spiel ist, wird intimer Austausch schwierig, so meine Erfahrung. Das “Liebe-im-Geiste-Schenken”gelingt mir immer mehr, was mich sehr froh und dankbar stimmt – auch wenn es eine Herausforderung ist.

Das Schöne und Wertvolle an diesen Situationen, in denen es bei dem einen oder anderen heiß hergeht, ist: Wir wachsen buchstäblich über uns hinaus. Welcher mich treffende Satz begegnete mir kürzlich? ” Wahres Licht leuchtet da, wo wir unsere Dunkelheiten ins Herz schließen.” Wenn wir uns trauen, unser Herz im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand zu nehmen, werden wir vom Leben reich beschenkt.

Zur Ehrlichkeit und zum Loslassen

In den letzten Wochen durfte ich nochmal ein paar Ebenen tiefer gehen und mir erneut auf die Schliche kommen.
Ich danke insbesondere Heidi Weiss, die mir zahlreiche wertvolle Impulse schenkte und bei diesem Tieftauchen behilflich war.
In meinem neuesten compassioner-Artikel geht es um das Thema Ehrlichkeit und dem unterschiedlichen Umgang mit dieser.
“Wie umgehen mit Menschen, die mit den Werten Ehrlichkeit und Offenheit anders umgehen?” – u.a. dieser Frage bin ich auf den Grund gegangen.

Hier geht es zum Artikel.

“Ich fühle mich frei”

Heute erwartet Euch seit langem mal wieder ein Interview: Die wunderbare Yoga-Lehrerin und Yoga-Komikerin Patricia Jagatpal Kaur Legrand hat meine Fragen beantwortet, worüber ich mich irre freue.

Ich habe sie einfach so gern – als Mensch, Frau, Schwester, Wegbegleiterin, Inspirationspersönlichkeit. Für mich verkörpert Patricia eine Frau, die ich als stark, kraftvoll, echt und gleichzeitig fein, zärtlich und sehr hingebungsvoll erlebe. Genug der einleitenden Worte, lasst uns starten!

Liebe Jagatpal, liebe Patricia, mit welcher Anrede fühlst du dich gerad wohler?

Am wohlsten fühle ich mich, wenn Du mich mit dem Namen anredest mit dem DU Dich am wohlsten fühlst. Ich bin mit beiden Namen ins Reine gekommen. In der Öffentlichkeit bevorzuge ich PATRICIA, weil das für die meisten Menschen hier leichter ist zu merken, zu sagen und zu schreiben. Es ist mir unangenehm, wenn sich Leute nicht trauen mich direkt anzusprechen, weil sie nicht wissen, wie sie meinen Namen (also Jagatpal) aussprechen sollen… Sprache sollte dienen in Kontakt zu kommen.

Wer und wie bist du?

Ich bin.

Und ich bin Yogalehrerin und Yoga-Komikerin.

Wie: Ich fühle mich frei. Um in diesem angenehmen Zustand zu kommen und zu bleiben, ist es notwendig, dass ich mich täglich aufs Neue von den verrückten Affen in meinem Verstand befreie. Da hilft mir mein Talent für Comedy sehr.

Das glaube ich. Wir haben uns auf dem Frauen-Kundalini-Yoga-Camp im Herbst 2015 in der Lüneburger Heide kennen gelernt. Du bist mir gleich ins Herz gefallen. Ich fand dich auf eine wunderschöne Art direkt, geradeaus, echt, selbstbewusst und gleichzeitig unprätentiös. Sowohl deine Art, Yoga und Meditation anzuleiten als auch dein erfrischendes, so herrlich komisches Sein auf der Bühne haben mich tief berührt. Kannst du sagen, was dir derzeit mehr Freude macht: Yoga zu unterrichten oder als Comedian auf der Bühne zu stehen?

Beides ist für mich wichtig. Nach dem letzten Auftritt am 14.2 in der CD-Kaserne, hatte ich gleich am nächsten Tag am Vormittag ein Yogakurs für Senioren und es tat sehr gut dadurch auf dem Boden zu bleiben bzw. zu kommen. Und anders herum ist es genauso. Das Spüren der inneren Quelle durchs Yoga ist himmlisch und dann möchte ich diese Erfahrung auch auf die Erde bringen und die Freude verteilen.

Wie konkret bist du zur Yoga Comedy gekommen? Ehrlich gesprochen kannte ich den Begriff bis dato nicht.

Yoga-Comedy ist während der speziellen Yogaausbildung Karam Kriya entstanden. Dort geht es darum, die 5 Stimmen in einem wahrzunehmen und die entsprechenden 10 Energiekörper zu erkennen und zu trainieren. Das hat mir unheimlich geholfen mit den vielen Aspekten des Lebens klar zu kommen und sie positiv zu nutzen. Ein Surfbrett um auf den Wellen des Lebens zu schwimmen anstatt darin zu ertrinken. Und dadurch konnte ich klarer sehen, für was ich hier bin und dass da etwas in mir ist, das rauswollte und immer wieder raus will. Das Konzept von Yoga-Comedy ist ganz einfach: Ich habe ein Problem. Dieses mache ich richtig groß in dem ich alle Emotionen dazu fühle und mich da ganz hingebe, es auch übertreibe. Dann spüre und meditiere ich in mich hinein und warte. Und dann nehme ich den Laptop und fange an einen Sketch darüber zu schreiben. Und wenn ich ins Stocken komme, geht es wieder von vorne los. Und der rote Faden sind die Weisheiten aus dem Karam Kriya an denen ich mich orientiere und die ich fein dosiert auch auf die Bühne bringe.

Sehr spannende Herangehensweise. Ich find’s irre, deine Entwicklung zu beobachten: Ein paar deiner Auftritte habe ich ja nun auch begeistert verfolgt. Dein neues Programm, das du am Valentinstag in Celles CD-Kaserne dargeboten hast, hat mich nochmal schwer beeindruckt: Fand dich krass cool, ja auch professionell, authentisch, so voll da und präsent. Was bedeutet für dich Erfolg, auch wenn du deine eigene Entwicklung der letzten 5-10 Jahre anschaust?

Am Anfang, also vor 5 Jahren, habe ich mich selbst noch viel versteckt, bin mehr in verschiedene Rollen geschlüpft. Im letzten Jahr im Mai kam dann der entscheidende Hinweis von Willem Wittstamm auf dem Kundalini-Yoga-Festival in Oberlethe. Es ging um authentisch sein und die eigene Stimme finden und zeigen. Und dann habe ich mich endlich getraut pur auf die Bühne zu gehen. Und das ist etwas ganz anderes. Da habe ich viel mehr Herzklopfen. Es erfordert viel mehr Mut. Gleichzeitig ist es viel leichter, weil ich keine Rollen mehr üben muss, was sehr viel Arbeit macht und ich ziehe meinen Hut vor jeder Schauspielerin, die das kann. Ich persönlich bin mit meinem pure auf der Bühne sein bisher am erfolgreichsten.

Neulich schrieb mir eine liebgewonnene Bekannte, wir Frauen hätten um „Gleichberechtigung“ zu erreichen, dies lange Zeit leider in einer sehr männlichen Energie getan. Nun sei es Zeit, in ein Gleichgewicht vom Männlichen und Weiblichen in uns allen, Männern wie Frauen, zu kommen. Aus Sicht einer Frau: Was glaubst du, brauchen wir Frauen heute mehr denn je, was tut uns gut?

Unsere Bedürfnisse ernster nehmen (egal ob Mann oder Frau) und genau fühlen, was will ich wirklich. Und damit lernen zu unterscheiden, was tut mir gut und wo erfülle ich nur irgendwelche Vorstellungen oder folge einem Muster. Das ist eine tägliche Herausforderung und ich persönlich schaffe das ohne regelmäßiges Kundalini-Yoga nicht so gut.

Das versteh ich – auch ich brauche meine regelmäßige Praxis. Verrätst du uns einen deiner großen Träume?

Mit meinem Yoga-Comedy tausende von Menschen zu erreichen und sie zu unterstützen, sich selbst zu initiieren.

Ich danke dir von Herzen für diesen wunderbaren Austausch!

Ich danke Dir für Deine wunderbaren Fragen, sie haben mich sehr zu positiver Selbstreflexion angeregt. Danke DIR!

Und hier geht’s zu Jagatpal:

https://www.yoga-comedy.de/

Sich selbst sein dürfen

Dieser kürzlich veröffentlichte Facebook-Beitrag von mir rief viel Resonanz hervor – offenbar ein fettes Thema für viele. Ich möchte ihn auch hier teilen:

Komischerweise habe ich viele Jahre, Jahrzehnte, damit zugebracht, möglichst von vielen gemocht zu werden. Vermutlich ist das „normal“: Das „Dazugehören-Wollen“, der Mensch als Herdentier.
Glücklicherweise hat sich das gedreht: Nun erlebe ich es als „normal“, auch anzuecken, zu irritieren, nicht gemocht zu werden. Und merke, dass dieses Anstupsen, -ecken, -stoßen total zu meiner Natur gehört: Ich bin gar nicht so lieb, wie ich lange dachte. Meine Herzlichkeit, die einen großen Platz in mir einnimmt, bekommt mit dem Zeigen von Ecken & Kanten auch ein viel schöneres, echteres Gewand.
Veit Lindau sagte einmal,

„wenn du den Kopf aus der Herde hebst, werden wesentlich mehr Menschen auf dich aufmerksam. Viele werden dich mögen und einige nicht. Das ist gesund. Es ist unmöglich, allen zu gefallen.

In diesem Sinn: Mut zum Mut.

 

 

Potentialentfaltung und Umgebung

Dank eines Eckart von Hirschhausen-Videos stieß ich kürzlich auf das “Pinguin-Prinzip”: Im Kern ging es darum, dass die Umgebung wichtig ist, damit das, was du kannst, überhaupt zum Vorschein kommt. Ein Pinguin wird auch auch nach etlichen Jahren Psychotherapie keine Giraffe werden. Hirschhausen meinte, wir würden permanent Urteile fällen und könnten damit komplett danebenliegen, gerade wenn wir Menschen nur in einer bestimmten Situation gesehen haben.

Und ich ergänze: Umgekehrt ist es schon verrückt, dass wir uns unseren (Selbst-)Wert auch als autonome Erwachsene ständig durch andere Menschen spiegeln lassen und uns viel zu oft davon abhängig machen, was andere uns zurückspiegeln.

Auf dem Weg zum Erkenne-dich-selbst geht es doch im Kern immer um die Fragen: “Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Was sind meine Stärken?” Aus mir wird sicher nie eine beflissene Finanzbuchhalterin werden, auch keine Top-Managerin in einem Chemiekonzern. Ich bin eher ein kreativer Chaot, und meine Stärken liegen in anderen Bereichen. Auch bin ich definitiv kein Workaholic im “klassischen” Sinne, dafür genieße ich zu gern und habe furchtbar gern möglichst viel Freizeit. Doch wenn ich für etwas brenne oder spüre, dass etwas – auch Unangenehmes – wirklich getan werden muss, kann ich zum Arbeitstier werden.

Diese meine Stärken und auch Schwachstellen zu erkennen, zu akzeptieren und sich gleichzeitig nicht selbst in Stein zu meißeln, halte ich für erstrebenswert. Sich selbst Schicht für Schicht freizulegen, sich zu häuten und zu dem vorzudringen, was ich meine Essenz, meine Seele nenne, ist ein solch’ schöner Weg, den ich mit immer mehr Lust und Hingabe gehe. Potential, von lateinisch “Stärke, Macht”, ist die Fähigkeit zur Entwicklung – es beinhaltet noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten. Diese Idee, dass da immer noch viel mehr geht, dass noch vieles mehr in mir schlummert, ich auch Wunder erleben und für Wunder offen sein darf, beflügelt mich.

Es stärkt den Selbstwert ungemein, sich Stück für Stück aus dieser oft schon in Kindheitstagen antrainierten Spiegelung – Wie komme ich an? Werde ich gemocht? Bin ich (gut) genug? – zu lösen. Dies ist nicht einfach, doch möglich. Sich tatsächlich auf seine eigenen Gedanken und Gefühle, auf das, was einen ausmacht, zu besinnen, erfordert den bewussten Prozess der Reflektion. Ich muss mich hinsetzen, es wirklich tun: reflektieren, Dinge notieren, neue Leitgedanken deklarieren. Es reicht nicht, wenn ich es mal gehört habe, wie es geht, nein, ich muss es machen, in den Alltag integrieren, wenn ich den Boden für etwas Neues säen möchte.

Unsere Potentialentfaltung ist also abhängig von unserer Umgebung. Wenn ich Menschen dabei unterstützen möchte, dass ihr Potential aufgeht, anstelle sich zu verschließen, kann ich sie z. B. ermutigen, etwas zu wagen: Etwas zu tun, das sie am anderen bewundern. Sich nicht zurückzuhalten, sondern ihre ganze Kraft zu entfalten. Meine Stärke ist es, Besonderheiten im anderen zu erkennen, außerdem Mut zu machen, sich zu zeigen, zu sich zu stehen und auch immer mal wieder im eigenen Dreck zu wühlen – sprich seine Schatten eizuladen.

Jetzt da ich es weiß, wie sehr meine Entwicklung von meiner Umgebung abhängt, suche ich immer öfter Felder auf, in denen ich erblühen kann: In meinem Umfeld gibt es einige Menschen, die sich sehr frei denken können: Die um die Ecke denken. Gemeinsam schwingen wir uns empor, kreieren neue Ideen und Projekte. Ich brauche Freigeister mit Tiefgang, humorvolle und auch mutige Menschen um mich, um weiter zu kommen, um die nächste Zone der (geistigen) Entwicklung zu erklimmen. Da ich gerne schreibe, suche ich auch hier Menschen auf, die diesen Kanal ebenso lieben und sich mit mir austauschen wollen.

Spannend ist es auch, sich in Felder zu begeben, in denen Menschen etwas leben, wovon man selbst träumt: Autoren, die an ihrem Buch sitzen, Reisende, die Yoga-Retreats aufsuchen, große Wanderungen auf sich nehmen oder sich eine längere Zeit aus dem Alltag lösen. Sprich Menschen, die einen Weg bereits gegangen sind, den man sich selbst für sich vorstellen kann. Gleichzeitig finde ich es wichtig, auch immer mal wieder mit Leuten in Kontakt zu kommen und sich wirklich auf ein Gespräch, eine Szene einzulassen, die einem normalerweise fremd sind: Neulich tobte ich mich gemeinsam mit anderen Müttern während eines Fußball-Punktspiels unserer Söhne auf dem Platz aus – eine höchst interessante Erfahrung! Auch hier kann man sich neu entdecken, in Rollen schlüpfen, die man für gewöhnlich meidet.

Zu guter Letzt: Wenn unsere Angst vor Ablehnung oder unsicherem Terrain zu groß wird, kann es helfen, sich auf eine gesunde Art und Weise selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen. Auf einer Party z. B. fühlt sich die eine oder andere unbehaglich, doch die eigene Person wird von anderen Menschen überhaupt nicht so fokussiert wahrgenommen, wie man sich selbst wahrnimmt.

Also: Auf zu neuen Ufern und neuen Fehlern;-)!

Mich interessiert brennend, in welcher Umgebung, unter welchen Bedingungen Euer Potential aufgeht? Was braucht es, damit Ihr Euch in für Euch wünschenswerte Richtungen entfalten könnt?

 

Fühlen ist okay

Hallelujah. Ein transformierendes, konkurrenzloses und einfach wunderbares Seminar liegt hinter mir: “Alte Wunden heilen lassen, auf dem Weg durch die Schatten” beim Schamanen Harry Hömpler. “Niemand kann dir Frieden geben, außer du dir selbst.” So lauteten die Eingangsworte der Seminarbeschreibung.

Ich spürte neben Freude auch Schiss im Vorfeld: Was wird da kommen und aus mir heraus strömen? Was ich wusste: Ich wollte vor allem mit meiner Wut in Kontakt kommen. Dass da viel Wut in mir ist – ob der Überforderung und der gefühlt zahlreichen Grenzüberschreitungen bereits in sehr frühen Jahren – spürte ich deutlich. Insbesondere in den vergangenen Wochen, in denen durch die Dynamik in der Herkunftsfamilie alte Emotionen getriggert wurden, wurde mir dies bewusst. Aus meinem Erleben stand ich anderen sehr oft zur Verfügung: In meiner Familie war ich das Nesthäckchen, die Unkomplizierte, der Sonnenschein – und auch die Kraft-Schenkende, Zuhörende, Helfende. Hier stecken auch viele meiner Kompetenzen: im Zuhören, im Da-Sein und Raum-Schaffen, wertschätzend und ermutigend. Doch was mir auch immer bewusster wurde und wird: Ich möchte all dies auch einfach nicht sein (müssen).

Ich möchte frei sein, mich glücklich fühlen, auch dann, wenn eine mir nahstehende Person gerade schwierige Zeiten durchmacht. Ich möchte klar für mich, meine Bedürfnisse und Werte einstehen. Die Verantwortung für meine – oft lange durchdachten und durchfühlten – Entscheidungen tragen, zu diesen stehen, und gleichzeitig Dinge, die nicht in meinen Verantwortungsbereich fallen, beim anderen lassen. Wenn es sich richtig anfühlt und sogar notwendig ist, will ich sagen: “Lasst mich in Ruhe”. Mich abgrenzen. Auch mal aus dem Kontakt gehen. Ich will so “Nein” sagen, dass das Nein auch ankommt und keine weitere Fragen oder Diskussionen nach sich zieht. Harrys Ansatz, einen geschützten Raum zu eröffnen – außerhalb aller kulturellen Bezüge, Regeln und Konventionen – diesen zu halten und alles da sein zu lassen, was sich zeigen will, hat mir enorm in meinem Klärungs- und Abgrenzungsprozess geholfen.

Harry bedient sich verschiedenster Technicken und Handwerkszeuge, viele seiner Impulse stammen aus dem sog. Possibility Management. Es ist, als würde Harry dir beim Klettern helfen, dir eine 8-spurige Autobahn an Möglichkeiten – sich (neu) zu entscheiden, zu handeln, zu kreieren – anbieten. Meist haben wir das Gefühl, uns in einer Einbahnstraße zu befinden und sehr eingeschränkt zu sein in unseren Möglichkeiten. Wenn sich eine Szene aus der Vergangenheit, ein “Problem” herauskristallisiert, erhälst du hier die Gelegenheit, ein dominierendes Gefühl wie Wut oder Angst, frei von jeglicher Wertung zu fühlen. Du darfst fühlen! Wie wohltuend. Denn die meisten von uns haben sich in der Regel eine hohe Taubheitsschwelle zugelegt.

Mit Harrys Begleitung kannst du rein gehen in das Gefühl, mit Hilfe von Utensilien z. B. deine Wut herausschreien und -schlagen, auch mit derben Ausdrücken, ganz egal – du kannst das Gefühl größer werden lassen, mit ihm spielen. Plötzlich spürst du auch wie dein Körper, der sehr weise ist, antwortet, wie deine Selbstheilungskräfte zu arbeiten beginnen. Mein Wut-Kloß auf Solarplexushöhe rutschte zunächst auf Herzhöhe, als säße mir jemand auf der Brust. Dann fing es an in mir zu vibrieren, Töne entwichen mir, ein wohltuendes Brummen machte sich breit. Ich spürte ein Kribbeln in Händen und Füßen und schüttelte mich unweigerlich. Da ging was.

Die meisten von uns haben in der Vergangenheit etwas erlebt und gefühlt, das sehr unangenehm oder schier nicht auszuhalten war. Wir haben damals eine Entscheidung getroffen, das Gefühl eingeschlossen, uns gedeckelt. Wenn wir nun – als verantwortungsvolle Erwachsene – erneut in dieses Gefühl gehen, es prozentual größer werden lassen und uns dann neu entscheiden, wie wir uns fortan in bestimmten Lebenssituationen verhalten wollen, kann das ungemein befreiend sein: Emotionen, welche im Gegensatz zu Gefühlen stets darauf hinweisen, dass es etwas zu heilen gibt, können von dannen ziehen. Die zu den Emotionen gehörenden Geschichten, die wir uns oft wiederholt und wiederholt erzählen, dürfen sich auflösen. Das Schöne ist auch: Wir können neue Entscheidungen treffen. Und dies jederzeit. Wir können uns selbst autorisieren, uns erlauben, von nun an völlig anders über eine Situation, einen Charakterzug oder einen Menschen zu denken. Ich bestimme, wie ich fühle. Und: Fühlen ist ok. Wir können etwas für uns deklarieren: “Ich darf glücklich sein, unabhängig von äußeren Umständen.” “Ich bin frei, so ist es.”

Was wir brauchen ist Klarheit. Klarheit zu unterscheiden. Ich erkenne: Es gibt viele Möglichkeiten, ich habe die Freiheit, zu unterscheiden, zu wählen, wie ich mich zu einer Situation, einem mir nah stehenden Menschen ausrichten will. Die meisten von uns laufen mit unzähligen unbestätigten Annahmen herum. Wir glauben, der andere könnte denken, dass wir denken, dass… Klarheit schafft Bewusstheit. Ich kann jederzeit korrigieren. Das Leben als Spielfeld betrachten. Und was ich total spannend finde: Ich kann grundlos handeln, ohne Auslöser von außen. Ich kann die Ursache von der Wirkung entkoppeln, den Auslöser vom Gefühl. Wenn ich will, kann ich mit meinen Möglichkeiten experimentieren und je nach Experimentierfreude und Mut dies meinem Umfeld vorher mitteilen. Wenn der Postbote klingelt, kann ich das Fenster aufmachen und die Musik aufdrehen;-).

Es mag abstrus klingen, doch ich finde, es hat auch was. Unabhängig von Gründen zu entscheiden. Sich zu sagen: Ich habe die Wahl. Genauso wie ich einst beschlossen habe, mir etwas zu verbieten, so kann ich heute entscheiden, es mir zu erlauben. Ich kann sagen: “Ich will das.” Oder: “So bin ich jetzt!” Wenn ich große Ängste ausspreche, so wie hier in der kleinen Seminargruppe – “Ich könnte mal nicht warmherzig und offen, sondern egoistisch, hart, kalt wahrgenommen werden”, und von außen plötzlich kommt “Na und, dann biste das. Und? Ich mag dich auch so” – es ist unglaublich, was dann mit dir geschieht, wie sich etwas in dir öffnet und freilegt. Es ist gar nicht so schlimm, wie ich dachte.

Gefühls- und Schattenarbeit bewegt auch das jeweilige Umfeld. Daheim liegt gerade eine besondere Stimmung in der Luft. Es kribbelt und brizzelt. Und es ist schön. Natürlich meldet sich die Wut auch immer wieder. Soll sie.

Ich kann nur sagen: Danke, Harry – du bist der Knaller:-)!

Allen Gefühlen Raum geben

allen Gefühlen Raum gebenNimmst du dir Zeit, deine Gefühle zu leben, sie wirklich wahrzunehmen, mit und aus ihnen zu lernen? Wie gut gelingt es dir, deine Gefühlspalette zu zeigen und zu teilen? In den vergangenen 96 Stunden war ich in sehr nahem Kontakt mit meinen Gefühlen, allen voran den unangenehmen. Mir fällt auf, dass es zwei für mich typische emotionale Schwerpunkte gibt – Zustände, die immer wieder kehren, emotionale Frequenzfelder, die ich mit meinen Emotionen um mich herum erzeuge: Ganz oft fühle ich mich freudig-energetisiert. Es sind Momente, in denen ich vieles aufnehme, in mir bewege, mich inspirieren lasse, mich auch ein wenig hektisch oder aufgeladen fühle. Dieses Befinden ist meist angenehm; manchmal ist es auch ein nervöses Wachsein, wenn ich mich zu “kribbelig” fühle.

Ein weiterer für mich typischer Zustand ist ein Empfinden von Frust-Stagnation-Unzufriedenheit. Was erst einmal unschön und wenig erstrebenswert klingt, hat wiederum auch seine ganz eigene Qualität und wirkt wie ein Triebwerk: Meistens säe ich in Zeiten, die überwiegend von diesem Zustand geprägt sind, neue Ideen, Impulse, Projekte, die dann zu einem späteren Zeitpunkt zum Leben erweckt und manifestiert werden. In der Tat empfinde ich oft so etwas wie Schöpfungsstau, wenn meine kreative Kraft keinen Kanal findet, sich auszudrücken: Ich brauche das Schreiben, mich Schriftlich-Sortieren, das „Etwas-ins-Bild-Rücken“, beispielweise während des Fotografierens, und auch das Stimmlich-Musikalisch-Aktiv-Sein. Ich suche das (Selbst-) Gespräch genauso wie ich mich immer wieder mit essentiellen, philosophischen Fragen beschäftigen muss.

Zurück zu den Erkenntnissen der vergangenen Tage: Mir wurden Dinge bewusst, die mir zuvor nicht so klar waren wie zu jenen Stunden. Ich ertappte mich dabei, dass ich in den vergangenen Wochen gekämpft habe an verschiedenen Fronten. Das große Reizthema dieser Tage ist der Tablet-Gebrauch unseres Sohnes. Sicher können hier einige Eltern diverse Lieder singen: Wie oft, wie lange, was konkret darf gespielt, gezockt werden? Ich kämpfte den Tablet-Kampf, und kämpfe ihn immer noch, wenn momentan auch etwas entspannter.

Mir ist einmal mehr bewusst geworden, dass ich, die mir Freiheit, Freilassen und Freigelassen-Werden so wichtig sind, sehr wohl dazu neige, andere beeinflussen, sie zu etwas bringen zu wollen, was ich für richtig halte. Während ich das schreibe, kommt Scham in mir hoch. Übrigens eins der unangenehmsten, negativsten Emotionen, neben Schuld. Und dennoch zu uns gehörend und uns Verschiedenes lehrend.

Ein Beispiel: Wie gerne würde ich mit meinem Mann Kundalini-Yoga-Kriyas  teilen, die Übungsreihen inklusive gemeinsamem Ein- und Ausstimmen mit einem Mantra, entspannen, meditieren an ihn weitergeben, so wie sie mir nahegebracht wurden? Es ist nicht so, dass ihn Lehre und Praxis nicht interessieren; darüber hinaus ist er auch alles andere als blutiger Anfänger, doch bestimmte Aspekte irritieren, missfallen ihm. Oder anders: Er möchte selbst frei entscheiden dürfen, was er machen will und was nicht. Logo. Und doch für mich manchmal schwer zu verdauen, gerade wenn ich das Gefühl habe: Es tät ihm gut. Am Sonntag, als ich auch mit dem Vorschlag einer gemeinsamen Familien-Radtour bei kaiserlichstem Oktoberwetter nicht landen konnte und letztendlich allein losfuhr, wurde es plötzlich sehr still in mir. Ich spürte Müdigkeit ob dieses Kämpfens, auch: Frust, Traurigkeit. Und dahinter: Schmerz und Ohnmacht. Erinnerungen an meinen verstorbenen Bruder, den ich nicht habe „retten“ können, der schlicht seine ganz eigenen Erfahrungen machen musste, kamen hoch.

Unter dieser ganzen „kampf-betonten Betriebsamkeit“ lagen sie nun also: Schichten von Traurigkeit und Ohnmacht, von altem Schmerz. Im Wahr- und Annehmen dieser Gefühle kam plötzlich auch ein starker Frieden zu mir, eine Ruhe, die mich ausfüllte. Das ist das Schöne: Wenn ein Gefühl seinen ihm gebührenden Raum erhält, wenn es sein darf, kann es auch losgelassen werden. Und es kann wieder Platz entstehen für andere, nach oben ausgerichtete Emotionen – wie Mut, Hingabe, Liebe. Plötzlich kann eine Kraft in uns entfacht werden, die uns wieder in neue Höhen katapultiert: Gerade indem ich mich durch dunkle Ecken meiner selbst navigiere und nicht innerlich kämpfe, komme ich wieder mit meiner Stärke in Kontakt; es ist, als hätte ein Reinigungsprozess auf emotionaler und mentaler Ebene stattgefunden, der wieder Platz für Neues schafft. Ich ahne, warum es heißt, ein Großteil deiner Kraft liegt im Schatten. Spannend.

Lasst uns trauen, zu fühlen, uns zu fühlen – all das zu spüren, was in unserem schnelltaktigen, leistungsbetonten Alltag oft keinen Raum erhält.

Potential und Berufung

Unser Sohn besucht ein Montessori Bildungshaus in Hannover, mittlerweile die 4. Klasse. Ich glaube weder, dass dieser pädagogische Ansatz für jeden Heranwachsenden der richtige, noch dass die „Staatsschule“ das Nonplusultra ist. Sicher kommt es auf den Schüler, die Schüler-Lehrer-Situation und vieles mehr an, ob ein Kind oder Jugendlicher in seiner schulischen Laufbahn „gut gedeiht“ oder nicht. Was uns betrifft: Es passt.

Was mir auffällt, wenn ich unseren Sohn und sein Schulleben beobachte: Er wird in seiner Persönlichkeit erkannt, entsprechend seiner Art zu ticken behandelt und gefördert. Die Lehrkräfte sorgen sowohl dafür, dass elementarer Schulstoff vermittelt, als auch, dass eine Lernumgebung geschaffen wird, die es dem Schüler ermöglicht, sich selbstständig Unterrichtsinhalte zu erschließen, die für diesen von Bedeutung, sprich intrinsisch sind. Ferner sind die Lehrer in der Lage, die Marotten unseres Sohnes wie beispielsweise sein permanentes “In-Bewegung-Sein” aufzufangen.

Ein taktiles Be-Greifen mit Hilfe der Montessori-Materialien und auch das Origami-Falten legten bei unserem Sohn die Grundsteine für das Erkennen von Mustern: Mittlerweile ist er sehr “analytisch”, stark in Mathe und Schach. Auch ein individualisiertes Lernsetting – alleine arbeiten, zu zweit, zu zweit im Klassenkontext, mitunter auch in benachbarten Räumlichkeiten – und die Möglichkeit, Unterrichtsgegenstand plus die Art der Auseinandersetzung mit diesem selbst zu wählen, kommem unserem Sohn entgegen. Gut finde ich‘s ebenso, dass die Kinder lernen, ihre eigene Arbeitsweise zu reflektieren und, gegebenenfalls mit Hilfe des Lehrers, Strategien zur Verbesserung zu entwickeln.

Ich achte sehr genau auf die Atmosphäre, die von Häusern und Räumen ausgeht. In der Montessori-Schule hatte ich sogleich das Gefühl, hier würde auch ich gerne lernen: Die Stimmung, das Treiben dort sind lebendig, gleichzeitig entspannt; Gebäude und Räumlichkeiten verströmen keinen Schulmief. Schule ist in unserer Gesellschaft sicher ein Auslese-Instrument, auch die Montessori-Schule; doch zeichnet es diese Schule meines Erachtens aus, dass Kontrolle abgegeben und dadurch gleichzeitig die Lernbereitschaft erhöht wird. Für sehr leistungsorientierte, sicherheitsbetonte Eltern mag das eventuell nicht passend oder unbefriedigend sein.

Mein Mann und ich sind von der Pike auf Grund- und Hauptschullehrer, so dass uns das ganze große Feld „Schule und Lernen“ nicht fremd ist. Wir wünschen uns Lehrer, die auch „um die Ecke denken“ können: Menschen mit Feingefühl, differenziertem Denken und einem breiten Horizont. Wenn ich mich umhöre in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind es nur wenige, die ihre eigene Schulzeit als schön und angenehm in Erinnerung haben. Mir selbst ergeht es da nicht anders. Natürlich hatte ich auch gute, charismatische Lehrer, doch habe ich heute nicht den Eindruck, dass mich das Gros meiner Lehrer dazu bestärkt hat, mein Potential zu entdecken geschweige denn zu entfalten. Einen guten Lehrer zeichnet meines Erachtens aus, dass er die Interessen eines Kindes erkennt und es schafft – neben dem “Stoff”, der transportiert werden muss – diese in welcher Form auch immer zu berücksichtigen.

Statt uns zu ermutigen, unser Potential von innen nach außen zu leben, wurden viele – so mein Eindruck – in Schubladen gesteckt: Wir alle haben uns mit demselben Zensurenspiegel auseinander setzen müssen und wurden an demselben Maßstab gemessen. So haben die meisten meiner Erfahrung nach nicht gelernt, ein feines Gefühl, ein Wissen darüber zu erlangen, wer sie sind und wie sie ticken. Dies hatte zur Folge, dass wir eher von der Frage „Wo passe ich rein?“ motiviert wurden, anstelle uns zu fragen:

„Was bin ich für ein System? Was sind die Rollen in meinem Leben, und bin ich mir bewusst, wie ich diese am besten ausfüllen kann?“

Heute weiß ich: Wir finden dieses ganz tiefe Seelenglück nur, wenn wir den Mut haben, immer wieder neu auf uns zu schauen und breitgetrampelte Wege zu verlassen. Wenn wir unseren Alltag daraufhin untersuchen, wer oder was uns Kraft, Freude und Anerkennung schenkt. So kommen wir auch dem was sich Berufung nennt auf die Schliche. Berufung ist meiner Vorstellung nach nicht deckungsgleich mit dem Job, der mir meinen Lebensunterhalt sichert: Berufung bezieht sich auch auf meine ganz unterschiedlichen Rollen und Aufgaben, die ich aus- und erfülle.

Ich zum Beispiel erfahre ein Mehr an Kraft, Freude und Anerkennung, wenn ich aufschreibe, was mich bewegt und dieses teile, wenn ich Menschen durch meine Worte oder meine Präsenz – vorausgesetzt ich bin entspannt und offen – Mut mache und sie inspiriere. Wenn ich für eine humorvolle, heitere Atmosphäre sorge, die andere als einladend erleben und sich so wertgeschätzt fühlen. Wenn ich musikalisch in Aktion trete, meine eigene Spielfreude transportiere und einen Raum auf diese Weise erhelle.

Gelingt es uns herauszufinden – und dies wünsche ich der jetzigen Schülergeneration von Herzen – wie wir unsere Kräfte, die wir in uns tragen, auch wirklich einsetzen können, erlangen wir tiefe Zufriedenheit. Ferner rutschen wir nicht mehr so schnell in die Muster des Vergleichens, des „Auf-den-andern-Schielens“. Dieses „Schauen, wie’s die anderen machen“ wird meiner Erfahrung nach weniger und unwichtiger.  Ich gehe sogar so weit zu behaupten: Auf der Suche nach unserem Potential können wir gleichermaßen dem Frieden in unserem Umfeld als auch dem Frieden in uns selbst dienlich sein.

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