seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Covid 19

Kleine Bestandsaufnahme

Vor einer Woche teilte ich im Facebook diese Zeilen, die sehr viel Resonanz auslösten. Ich möchte sie auch hier auf meiner Blog-Seite – leicht abgeändert – hinterlassen:

Zur Zeit geht vieles in mir vor, wofür mir Worte fehlen. Ich versuch’s mal: Wenn ich ehrlich bin, strengt mich Social Media, die vielen Meinungen, der Eindruck, dass es so viele Menschen gibt, die momentan meinen, journalistisch tätig werden zu können, auch an.Weshalb ich zur Zeit auch wenig scrolle und in der einen oder anderen FB-Freundschaft eine Pause eingelegt habe.

Mir hilft es eher, mit Menschen in meinem direkten Umfeld zu sprechen, mich auszutauschen: Mein Mann, enge Freunde und andere sind mir hier gute Gesprächspartner. Neulich kam in einem Gespräch die Idee auf, dass es vielleicht oft klüger wäre, über das Denken, die Werte und Konstrukte hinter den Gedanken zu sprechen. In einer Aussage wie „Covid 19 gibt es nicht/ ist ein Virus wie jeder andere auch“, steckt sicher ein ganzes Weltbild. Darüber denk ich gerad viel nach.

Auch ich weiß nicht, was wahr ist, doch oft habe ich den Eindruck – mich nehme ich da nicht aus – dass es einfacher ist, im Facebook zu scrollen, als sich „Die Zeit“ vorzunehmen. Letzteres ist viel anstrengender. Schwierig find ich‘s, wenn‘s mir zu abstrus wird oder es auf ein „Wir werden alle betrogen und belogen“ hinausläuft. Auch misstrauisch werde ich bei einfachen Lösungen, denn das gesellschaftliche Zusammenleben ist so komplex: Eine Lösung zieht oft ein neues Problem nach sich.

Hier die schlafenden Schafe, die blind der (Mainstream-) Presse folgen, dort die „Erwachten“, die ihre (geheimen) Quellen haben bzw. zu haben scheinen. Dieses Spiel ist glaube ich uralt. Das Spaltende, auch die Impulsivität, mit der die eine oder andere „Wahrheit“ ausgespuckt wird, behagt mir nicht. Das ist nicht meins, da nehme ich Abstand.

Ich arbeite als Musiktherapeutin in einer sog. Hochrisikoschule: Eine kleine Erkältung haut den einen oder anderen Klienten bereits um! Ich weiß auch nicht, wie sinnvoll das Tragen einer “(PP2-) Maske” ist, doch im Zusammensein mit bestimmten Klienten trage ich sie.

Ein letztes: Ich glaube, dass die Aktivität auf FB zum großen Thema „Corona“ – News hin und her schicken, sich viel viel reinziehen, Unstimmigkeiten aufdecken („Wieviele waren es denn gestern in Berlin, wo werde ich (wieder) betrogen?“) – unglaublich viel Energie zieht.

Ehrlich gesprochen möchte ich diese lieber anderweitig einsetzen und mich auf das konzentrieren, womit ich anderen dienen kann. Das ist gerad meine kleine Bestandsaufnahme.

Was war und was ist

Ihr lieben Menschen hier, ich freue mich, wenn meine Seite immer mal wieder aufgesucht wird, auch wenn ich mich in den vergangenen Wochen selten mit einem längeren Artikel zu Wort gemeldet habe.

Morgen vor genau sechs Jahren habe ich mir selbst in einem schönen, besonderen Ritual im Wald das Ja-Wort gegeben. Seit dem trage ich zwei Eheringe – den mit meinem Mann und den mit mir selbst (letzterer ist Oma Ernas Ring, den ich nun bei mir trage). Seit dieser Zeit mache ich tatsächlich kontinuierlich immer mehr von dem, was mich stärkt. Was mich ruft und mich mit Freude erfüllt.

Mein seisofrei-Blog ist Teil und zugleich Ausdruck dieses Weges: hinein in eine innere Freiheit, das nach außen tragend, was ich für mitteilungswert halte.

Auch mich haben die vergangenen Wochen und Monate sehr bewegt. Ich habe viel beobachtet, nachgedacht, mich ausgetauscht. Das Mich-öffentlich-Mitteilen über Politisches – gerade die Geschehnisse der jüngsten Zeit – ist nicht Teil meines Weges. Oder anders: Ich teile eher meine Beobachtungen, die natürlich auch eine gewisse gesellschaftliche, gesellschaftskritische Komponente beinhalten. Und: Ich tausche mich lieber von Aug‘ zu Aug‘ mit Menschen in meinem engeren Umfeld hierüber aus. Es gab und gibt wahrlich viele kritikwürdige Tendenzen  – Impfzwang, Maskenpflicht, Regularien die mich aufhorchen ließen, negative Auswirkungen auf das soziale Gefüge, dadurch dass Menschen andere Menschen als potentielle Bedrohung wahrnehmen – und gerade jetzt gilt es, gut auf sich Acht zu geben und zugleich den anderen im Blick zu haben.

Ich lächle Menschen nun noch bewusster an, versuche sie auch unter ihrer Maske wahrzunehmen. Die Energie zu erspüren, Kraftvolles – sofern ich selbst in meiner Kraft bin – nach außen zu schicken. In der vergangenen Zeit ist mir das überwiegend sehr gut gelungen: Ich fühlte Aufbruchsstimmung, Entschleunigung, innere Freiheit und fühle es immer noch – trotz der sich einschleichenden „Gefahr“, wieder in alte Muster und Strukturen zurückzufallen. Trotz der äußeren Limitierungen ist da etwas sehr sehr wach und neugierig in mir geworden. Und ist es immer noch. Denn ich glaube nicht daran, dass nach dieser Covid 19-Zeit – was & wann auch immer das ist – wieder alles komplett beim alten sein wird.

Mein Mann stellte schon nach kurzer Zeit Ende März Anfang April fest, dass die Luft viel besser geworden sei. Wir haben innerhalb unserer kleinen Familie wunderbare Rituale entwickelt und uns überwiegend sehr gut verstanden. Unser Sohn wird älter, er verändert sich, Konflikte sind seltener bzw. gestalten sich anders. Meine Gedanken gingen gleichzeitig immer wieder zu den Familien meiner Musiktherapie-Klientinnen: Manchmal wollte ich gar nicht wissen, wie schwer die eine oder andere Familie, die eh schon oft an Belastungsgrenzen ist, diese Zeit des Einkokonierens erlebt haben muss und immer noch erlebt!

Ich habe viel Angst und in den jüngsten Wochen viel Dünnhäutigkeit im Feld wahrgenommen – neben der Ruhe, die auch zu spüren war. Viel Gereizt Sein, Druck. Ein innerer Druck, der oft in Form von Aggressivität, lautem Hinausposaunen der eigenen Wahrheit offenbar ein Ventil finden musste. Einerseits habe ich Verständnis, andererseits ist mir ein freundlicher, wohlwollender Kontakt untereinander wichtig, so dass ich mich auch immer wieder zurückgezogen habe, um aufzutanken.

Auch ich habe selbstverständlich Ups und Downs erlebt, doch konnte mich meist wieder sehr gut zu mir zurückholen. Atmen, meine ätherischen Öle nutzen – mehr denn je – und für mich Yoga praktizieren. Zugegebenermaßen waren da auch keine Existenzängste und –nöte in mir: Als Angestellte im öffentlichen Dienst erhielt ich weiterhin mein Gehalt und habe aus Selbstständigen- und Künstlerkreisen natürlich etwas ganz anderes mitbekommen.

Was ich auch wahrgenommen habe und wahrnehme: In dieser Zeit hat sich ganz klar heraus kristallisiert, was wirklich zählt. Was uns in der Tiefe ruft, was wir wirklich wollen, was uns brennen lässt, wovon unsere Sehnsucht flüstert. Und auch: Was wir interessanterweise gar nicht vermissen, wen wir endlich wieder sehen wollten, und auf welchen Kontakt wir auch verzichten konnten.

In dieser Zeit halte ich Klarheit und Fokus-Halten für so wichtig: immer wieder zu wählen, aus welcher Quelle wir schöpfen und uns informieren wollen. Welchen (Informations-) Kanälen wir uns widmen, mit wem wir in Austausch kommen wollen.

Alles Liebe zu euch,

eure Carolin

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