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Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Angst Seite 1 von 2

Größer als meine Angst

Egal was im Außen und auch im Innen geschieht: Dies ist schlussendlich immer wieder meine Erkenntnis. Wenn ich ruhig in mir selbst bin, mir meinen Inhalt ganz tief anschauen und auf ihn hören kann, wenn ich mir erlaube, zum Vorschein zu springen, fühle ich mich frei. Ich liebe es, mich für die tiefen, frohen Kräfte zu öffnen, die nach oben sprudeln wollen. Herrlich frei und ungehindert.

Vom Lästern und sich erheben

Heute vor drei Jahren habe ich innerhalb meiner Ausbildung zur Kundalini-Yoga-Lehrerin eine Präsentierstunde gegeben. Aufgeregt war ich damals. Gleichzeitig selig, freudig erregt, wissend: das wird. Es hat mich schon immer fasziniert – ob musizierend, Yoga praktizierend oder einfach seiend mit Menschen einen Raum der gemeinsamen Erfahrung zu teilen. Selbstverständlich macht jeder dabei seine ganz eigene Erfahrung, und gleichzeitig wird etwas geteilt und gemeinsam gestaltet.

Für mich gibt es nichts Schöneres, als alleine zu sein, den Dingen nachzugehen, die mich gerade rufen. Genauso liebe ich es, mit Menschen zu sein und Zeit zu verbringen, denen auch daran gelegen ist, eine schöne, entspannte Zeit zu haben. Da ich schon immer mir sehr unterschiedlichen Menschen in Kontakt war, da meine Familie ein unkonventioneller Haufen ist und ich wiederum sehr offen, wurde und werde ich auch gerne zu dritten, nicht anwesenden Personen befragt. Höflich wie ich lange Zeit war, habe ich fast reflexartig geantwortet. Mittlerweile habe ich eher Lust, mit den Anwesenden über das, was uns verbindet, was denjenigen selbst gerade umtreibt, zu sprechen. Ich spüre nun sehr genau hin: Will ich antworten, was ist meine Intention? Gerade, wenn’s etwas tratschiger, sensationsgeiler zugeht frage ich mich: Ist es wirklich notwendig, das jetzt zu teilen?

Vielleicht ergeht es dem einen oder anderen ähnlich. Natürlich kann es dem besseren Verständnis dienen, sich hin und wieder auch über andere auszutauschen. Das machen wir alle. Entscheidend ist für mich: Wie fühlt es sich an? Was macht es mit meiner Energie, mit der Energie im Raum? Erhebt es mich und uns, oder fängt es an, unruhig, eng, nervig zu werden? Das spür ich sehr genau. Und während ich früher um der (Schein-) Harmonie willen dennoch Rede und Antwort stand, wahre ich nun immer öfter meine Integrität und sage – je nachdem wie gut ich den anderen kenne – ach komm, es gibt Spannenderes. Lass uns über etwas anderes reden.

Auch im Internet-Äther – und hier besonders, da die Hemmschwelle sinkt – beobachte ich, wie schnell andere eine negative Bewertung raushauen. Wie schnell Frauen andere Frauen, die sich etwas Ungewöhnliches trauen oder erlauben zu teilen, diskreditieren. Viele scheinen es immer noch nicht auszuhalten, wenn andere sich aufrichten und sich trauen, sich groß zu zeigen. Dabei haben wir alle am meisten davon, wenn wir uns gegenseitig erheben, weder uns selbst noch andere deckeln. Worte haben eine starke Macht – es lohnt sich, sehr genau darauf zu achten, was du denkst, sprichst und was du hörst!

Anstelle also mit deinem Fokus, deiner Energie vermehrt nach außen zu gehen, prüfe doch lieber öfter, was genau sich gerade in dir abspielt! Wie sagte Bahar Yilmaz neulich so treffend in einem Video zum Lästern und zur Missgunst? Wir lästern, da wir nicht den Arsch in der Hose haben, mal Tacheles mit uns selbst zu reden.  Als Übung empfiehlt sie, eine Runde ordentlich über sich selbst und sein wohlmöglich langweiliges Leben zu lästern. Da ich weiß, dass schlecht über andere reden auch viel mit Angst zu tun hat, finde ich auch immer wieder schnell in mein Mitgefühl zurück.

Und an dieser Stelle zurück zum Anfang meines Textes: Mir ist es wichtig, dass Menschen sich in meiner Gegenwart in sich selbst hineinentspannen können – sowohl beruflich als auch privat ist das immer wieder Thema für mich. Ich liebe es, Räume von Geborgenheit und Nestwärme zu schaffen – mit viel Humor, so sein lassen, auch die Tiefen und Abgründe auslotend, sprich nichts ausklammernd. Bis ich jemanden mal so richtig ätzend finde, muss schon viel passiert sein. Da ich mich oft und stark mit meinen unterdrückten Aspekten auseinander setze, begegnen mir diese auch nicht mehr so oft – und vor allem mich nicht störend – im Außen.

Ich schließe meine Zeilen mit einem weiteren Zitat von Bahar aus besagtem Video:

„Lass dich selbst wieder in dein Herz hinein!“

Verletzen und verletzt werden

Die Autorin und Körperforscherin Ilan Stephanie hat mich mit ihrem Beitrag über die Frage “Können wir kommunizieren, ohne zu verletzen?” voll geflasht.

“Warum interessiert uns, unsere Wahrheit so auszudrücken, dass wir niemanden verletzen?”
Wir wollen nicht angegangen, nicht kritisiert werden für unsere Wahrheit. Ein “Wir wollen aber den anderen nicht verletzen” klingt nach einem hehren Ziel, doch dadrunter liegt meist eine Motivation von Angst. Wir kommen um die Punkte Verwundung, Verletztheit und jemanden verletzen können, verletzt werden können, nicht drum herum. Es ist nicht möglich, niemanden zu verletzen.

Und was ich auch mitgenommen habe aus dem Beitrag (siehe Video):

“Was viel unterschätzt wird, ist die Energie, mit der wir Dinge sagen” so Ilan. Wir kommunizieren hauptsächlich unterhalb von Worten. Stimmt total! So erspüren wir auch sehr deutlich die Energie, die manchmal – das meine ich auch schon hin und wieder erlebt zu haben – nicht zum Gesagten passt: Manch in der Tiefe passiv-aggressives Sein, manche Feindlichkeit wird unter Umständen geschickt mit Zucker übergossen. Wenn wir feinfühlig sind, enttarnen wir dies schnell und können dann entscheiden, ob und welche Energie wir in die Kommunikation stecken. Spannendes Thema!

Gerad sehr glücklich

Ich bin gerad sehr glücklich: In den letzten Wochen erreichten mich zwei Komplimente, die mir Gänsehaut bescherten: Jemand schrieb mir, ich sei eine Heilerin des gesprochenen und geschriebenen Wortes. In einer weiteren Rückmeldung hieß es, meine Worte seien Medizin für die besagte Person. Das freut mich ungemein und berührt mich.

Heut möchte ich noch etwas teilen – diese Frage wurde mir gestern gestellt:

Wie konkret kann ich mich neu ausrichten – größer, kühner denken und fühlen?
Zunächst find ich’s wichtig, sich so oft wie möglich in Ruh zu lassen, seine Angst vor Zurückweisung, seine Unsicherheit hier und da schlicht zu akzeptieren.
Gleichzeitig nutze ich immer öfter Situationen, die ich sehr intensiv mit allen Sinnen wahrnehme, um neue Gedanken – und mit ihnen ein neues Erleben – in mein System zu pflanzen: in der Wasserrutsche, während ich mit beiden Beinen im kühlen Nass eines Baches stehe rufe ich neue Sätze hinaus – das macht Spaß. Während herausfordernder Yoga-Übungen richte ich meine Gedanken sehr klar und konstruktiv aus.
Und ich trau mich auch, das Neue zu teilen, selbst wenn ich auf Irritation und oder Widerstand stoße.

Sein Herz in die Hand nehmen*

(* Redewendung “das Herz in die Hand nehmen” stammt aus einem persönlichen, mündlichen Austausch im April 2019 mit Heidi Weiss, karmischer Astrologin und Rückführungsleiterin).

Hin und wieder spür ich Widerstände und tu mich schwer, einen Text zu schreiben. Das hat auch damit zu tun, dass ich in meinen Zeilen immer ehrlicher werde, dadurch auch anecke oder jemanden in seiner “streng gehüteten “Truhe der Schatten” berühre” (Heidi Weiss, s.o.). Oder aber ich öffne selbst meine Truhe, was mir Angst macht.

Wieder einmal waren Heidi Weiss‘ Impulse mir in den vergangenen Wochen sehr dienlich. Überhaupt habe ich derzeit viele wunderbare Lehrer und Mentoren Harry, Ute, Ulrike, Regula, Sarah, Laura, Andrea, Bernarda, Tanja, Lidia, Eckhard, Karo, Olli, Tata – fühlt Euch angesprochen, ich danke Euch.

Manchmal berühren wir wie gesagt einen anderen in seiner gut gehüteten “Truhe der Schatten”. Das wiederum will der andere meist nicht, da dort all das Unbearbeitete liegt, das nicht gerne gezeigt wird. Derjenige, den ich in seiner Schattentruhe berührt habe, kann dies als Geschenk betrachten: Nähe und Intimität, der Mut, sich auch in den tiefsten Tiefen berühren zu lassen, fruchtbare Gespräche können folgen. Wenn jedoch aus dem Ego regaiert wird, kann es rasant in die Rechtfertigung, die Verteidigung, die Ablehnung gehen. Wie sagt Harry so treffend?

Jemand, der IN seinen Emotionen ist, ist oft unerreichbar. Das kenne ich auch: Es gibt Situationen, da treffen mich Menschen, oft sehr nahstehende, so unerwartet tief und schmerzhaft, dass ich sofort zurückschlage. Mittlerweile habe ich immer weniger Angst vor meinen dunklen Seiten, so dass ich mir die Zeit nehme, innzuhalten, zu atmen und vor allem: zu fühlen. Die Angst zu fühlen. Die Wut. Die Scham.

Die ultimative Herausforderung für Wachstum wartet in genau solchen Situationen, in denen der andere nicht erreichbar ist: Das und ihn so anzunehmen, wie er ist, nicht wie ich ihn mir wünsche, ist nicht leicht. Wenn wir uns wirklich begegnen wollen – in einer (Paar-) Beziehung, einer engen Freundschaft, so ist es unerlässlich, sich auch und gerade mit seinen Schattenseiten zu zeigen. Mit der eigenen Verletzlichkeit nach draußen zu gehen.

Gleichzeitig dürfen wir – und auch das finde ich wichtig – entscheiden, wem wir die Erlaubnis geben, in unserer “Truhe der Schatten” herumzustochern. Hier helfen uns Achtsamkeit mit uns selbst und Selbstverantwortung. Mein Körper-Geist-Seele-System ist sehr sensibel, wie mir immer mehr auffällt. Je mehr ich mich zeige, umso mehr spiegeln mir dies auch andere Menschen. Mit meiner hohen Sensibilität geht auch eine große Verletzlichkeit einher: Etwas in mir fühlt sich getroffen, vielleicht sogar gekränkt, wenn es sich nicht gesehen fühlt – in seiner Vewundbarkeit, seiner Tiefgründigkeit.

Heidi machte mir deutlich, dass nur das Ego, die Persönlichkeit – das wo wir Identität und Sicherheit erfahren – verletzt werden kann. Die Seele wiederum ist unberührt davon, kann nicht verletzt werden. Dieses Bild finde ich äußerst schön und hilfreich. So gelingt es mir in aufrührenden, emotionalen Momenten auch immer wieder, zu dem Teil in mir zurückkehren, der ruhig und liebevoll ist. Dann werde ich plötzlich ganz weich, leise, manchmal auch traurig. Doch im aufrichtigen Austausch sind unsere “schwachen”, weichen Gefühle genau die Qualitäten, die beide Kommunikationspartner zusammenführen, die Verbindung schenken.

Zurück zur hohen Sensibilität: Ich reagiere auch auf kritische Äußerungen sehr differenziert, gleichzeitig nehme ich alle Zwischentöne einer Botschaft fein wahr und muss dies alles zuerst stimmig sortieren und für mich einordnen. Da kann es vorkommen, dass ich entscheide, eine mir auffallende Unstimmigkeit nicht sofort verbal zum Ausdruck zu bringen. Auch dies ist möglich und in Ordnung: sich selbst Zeit zu geben zwischen wahrnehmen und handeln. Sich seiner selbst und der Situation bewusst zu werden. Zu wählen: Ich lasse das jetzt zunächst so. Früher habe ich Dinge und Themen in mir angestaut, bis sie sich manches Mal voller Ärgerenergie entluden – ganz zum Erstaunen und wiederum Ärger meiner Mitmenschen. Mittlerweile kann ich Dinge so klar für mich wahrnehmen, meinem Instinkt folgend, dass ich sie zu einem Zeitpunkt meiner Wahl auch ruhig und besonnen zur Sprache bringen kann, selbst wenn der andere dann dennoch ent-täuscht oder gar ärgerlich auf meine Worte reagieren mag.

Im Miteinander ist es wichtig, sich seiner Werte immer wieder bewusst zu werden und diese auch zu kommunizieren: Wenn ich auf Herzlichkeit und “Den-anderen-Erheben” stehe, so kann ich mir Menschen und Szenen suchen, die diese meine Werte teilen. Wenn der Ton, der bekanntlich die Musik macht, mir wiederum nicht zusagt, so kann ich mich auch aus diesem Kontakt lösen. Wie sagt Yogi Bahjan so schön? Wenn deine Gegenwart nichts bewirkt, bewirkt dein Wort auch nichts. Ich lerne mir immer mehr selbst zu vertrauen – meinen Gefühlen, meinen Körperreaktionen – und an das zu glauben, was sich für mich richtig anfühlt.

 Wie sich ein Mensch mir gegenüber verhält, sagt immer etwas über ihn aus, nicht über mich. Die Art, wie ich emotional darauf reagiere, das Gefühl, das dieses Verhalten in mir weckt, hat immer etwas mit mir zu tun, nicht mit dem anderen. Hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen und zu spüren, was gerade geschieht: Ob ich wohlmöglich auf einen anderen projiziere, oder ob ein anderer seine Thematik auf mich projiziert. Wenn letzteres der Fall ist, deute ich dies als Aufforderung an mich, diesen Menschen weiterhin mit den Augen der Liebe zu betrachten, sprich ihm Liebe im Geiste zu schenken. Was wir nicht tun brauchen: Uns einen verbalen Schlagabtausch liefern, uns in “Diskussionen” begeben, in denen wir uns gegenseitig die Worte im Munde verdrehen – dies führt meist zu nichts. Manchmal dürfen Dinge so stehen bleiben und (nach)wirken. Wenn Rechthaberei im Spiel ist, wird intimer Austausch schwierig, so meine Erfahrung. Das “Liebe-im-Geiste-Schenken”gelingt mir immer mehr, was mich sehr froh und dankbar stimmt – auch wenn es eine Herausforderung ist.

Das Schöne und Wertvolle an diesen Situationen, in denen es bei dem einen oder anderen heiß hergeht, ist: Wir wachsen buchstäblich über uns hinaus. Welcher mich treffende Satz begegnete mir kürzlich? ” Wahres Licht leuchtet da, wo wir unsere Dunkelheiten ins Herz schließen.” Wenn wir uns trauen, unser Herz im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand zu nehmen, werden wir vom Leben reich beschenkt.

Deinen Neid willkommen heißen

Heute möchte ich erneut auf meine Artikel, die einmal monatlich regelmäßig im Online-Magazin compassioner erscheinen, aufmerksam machen. Diesen Monat ging es um das spannende und delikate Thema Neid: Wann taucht er auf? Was macht er mit uns? Und sollten wir ihn nicht einfach willkommen heißen?

Hier geht es zum Artikel!

Auf diese Zeilen habe ich schon zahlreiche Reaktionen, u.a. bei facebook, erhalten. Wenn Ihr mir hier noch ein paar Rückmeldungen, Impulse, Erfahrungen hinterlassen wollt, freu ich mich sehr! Auch freu ich mich über das persönliche Anschreiben:-)!

Fühlen ist okay

Hallelujah. Ein transformierendes, konkurrenzloses und einfach wunderbares Seminar liegt hinter mir: “Alte Wunden heilen lassen, auf dem Weg durch die Schatten” beim Schamanen Harry Hömpler. “Niemand kann dir Frieden geben, außer du dir selbst.” So lauteten die Eingangsworte der Seminarbeschreibung.

Ich spürte neben Freude auch Schiss im Vorfeld: Was wird da kommen und aus mir heraus strömen? Was ich wusste: Ich wollte vor allem mit meiner Wut in Kontakt kommen. Dass da viel Wut in mir ist – ob der Überforderung und der gefühlt zahlreichen Grenzüberschreitungen bereits in sehr frühen Jahren – spürte ich deutlich. Insbesondere in den vergangenen Wochen, in denen durch die Dynamik in der Herkunftsfamilie alte Emotionen getriggert wurden, wurde mir dies bewusst. Aus meinem Erleben stand ich anderen sehr oft zur Verfügung: In meiner Familie war ich das Nesthäckchen, die Unkomplizierte, der Sonnenschein – und auch die Kraft-Schenkende, Zuhörende, Helfende. Hier stecken auch viele meiner Kompetenzen: im Zuhören, im Da-Sein und Raum-Schaffen, wertschätzend und ermutigend. Doch was mir auch immer bewusster wurde und wird: Ich möchte all dies auch einfach nicht sein (müssen).

Ich möchte frei sein, mich glücklich fühlen, auch dann, wenn eine mir nahstehende Person gerade schwierige Zeiten durchmacht. Ich möchte klar für mich, meine Bedürfnisse und Werte einstehen. Die Verantwortung für meine – oft lange durchdachten und durchfühlten – Entscheidungen tragen, zu diesen stehen, und gleichzeitig Dinge, die nicht in meinen Verantwortungsbereich fallen, beim anderen lassen. Wenn es sich richtig anfühlt und sogar notwendig ist, will ich sagen: “Lasst mich in Ruhe”. Mich abgrenzen. Auch mal aus dem Kontakt gehen. Ich will so “Nein” sagen, dass das Nein auch ankommt und keine weitere Fragen oder Diskussionen nach sich zieht. Harrys Ansatz, einen geschützten Raum zu eröffnen – außerhalb aller kulturellen Bezüge, Regeln und Konventionen – diesen zu halten und alles da sein zu lassen, was sich zeigen will, hat mir enorm in meinem Klärungs- und Abgrenzungsprozess geholfen.

Harry bedient sich verschiedenster Technicken und Handwerkszeuge, viele seiner Impulse stammen aus dem sog. Possibility Management. Es ist, als würde Harry dir beim Klettern helfen, dir eine 8-spurige Autobahn an Möglichkeiten – sich (neu) zu entscheiden, zu handeln, zu kreieren – anbieten. Meist haben wir das Gefühl, uns in einer Einbahnstraße zu befinden und sehr eingeschränkt zu sein in unseren Möglichkeiten. Wenn sich eine Szene aus der Vergangenheit, ein “Problem” herauskristallisiert, erhälst du hier die Gelegenheit, ein dominierendes Gefühl wie Wut oder Angst, frei von jeglicher Wertung zu fühlen. Du darfst fühlen! Wie wohltuend. Denn die meisten von uns haben sich in der Regel eine hohe Taubheitsschwelle zugelegt.

Mit Harrys Begleitung kannst du rein gehen in das Gefühl, mit Hilfe von Utensilien z. B. deine Wut herausschreien und -schlagen, auch mit derben Ausdrücken, ganz egal – du kannst das Gefühl größer werden lassen, mit ihm spielen. Plötzlich spürst du auch wie dein Körper, der sehr weise ist, antwortet, wie deine Selbstheilungskräfte zu arbeiten beginnen. Mein Wut-Kloß auf Solarplexushöhe rutschte zunächst auf Herzhöhe, als säße mir jemand auf der Brust. Dann fing es an in mir zu vibrieren, Töne entwichen mir, ein wohltuendes Brummen machte sich breit. Ich spürte ein Kribbeln in Händen und Füßen und schüttelte mich unweigerlich. Da ging was.

Die meisten von uns haben in der Vergangenheit etwas erlebt und gefühlt, das sehr unangenehm oder schier nicht auszuhalten war. Wir haben damals eine Entscheidung getroffen, das Gefühl eingeschlossen, uns gedeckelt. Wenn wir nun – als verantwortungsvolle Erwachsene – erneut in dieses Gefühl gehen, es prozentual größer werden lassen und uns dann neu entscheiden, wie wir uns fortan in bestimmten Lebenssituationen verhalten wollen, kann das ungemein befreiend sein: Emotionen, welche im Gegensatz zu Gefühlen stets darauf hinweisen, dass es etwas zu heilen gibt, können von dannen ziehen. Die zu den Emotionen gehörenden Geschichten, die wir uns oft wiederholt und wiederholt erzählen, dürfen sich auflösen. Das Schöne ist auch: Wir können neue Entscheidungen treffen. Und dies jederzeit. Wir können uns selbst autorisieren, uns erlauben, von nun an völlig anders über eine Situation, einen Charakterzug oder einen Menschen zu denken. Ich bestimme, wie ich fühle. Und: Fühlen ist ok. Wir können etwas für uns deklarieren: “Ich darf glücklich sein, unabhängig von äußeren Umständen.” “Ich bin frei, so ist es.”

Was wir brauchen ist Klarheit. Klarheit zu unterscheiden. Ich erkenne: Es gibt viele Möglichkeiten, ich habe die Freiheit, zu unterscheiden, zu wählen, wie ich mich zu einer Situation, einem mir nah stehenden Menschen ausrichten will. Die meisten von uns laufen mit unzähligen unbestätigten Annahmen herum. Wir glauben, der andere könnte denken, dass wir denken, dass… Klarheit schafft Bewusstheit. Ich kann jederzeit korrigieren. Das Leben als Spielfeld betrachten. Und was ich total spannend finde: Ich kann grundlos handeln, ohne Auslöser von außen. Ich kann die Ursache von der Wirkung entkoppeln, den Auslöser vom Gefühl. Wenn ich will, kann ich mit meinen Möglichkeiten experimentieren und je nach Experimentierfreude und Mut dies meinem Umfeld vorher mitteilen. Wenn der Postbote klingelt, kann ich das Fenster aufmachen und die Musik aufdrehen;-).

Es mag abstrus klingen, doch ich finde, es hat auch was. Unabhängig von Gründen zu entscheiden. Sich zu sagen: Ich habe die Wahl. Genauso wie ich einst beschlossen habe, mir etwas zu verbieten, so kann ich heute entscheiden, es mir zu erlauben. Ich kann sagen: “Ich will das.” Oder: “So bin ich jetzt!” Wenn ich große Ängste ausspreche, so wie hier in der kleinen Seminargruppe – “Ich könnte mal nicht warmherzig und offen, sondern egoistisch, hart, kalt wahrgenommen werden”, und von außen plötzlich kommt “Na und, dann biste das. Und? Ich mag dich auch so” – es ist unglaublich, was dann mit dir geschieht, wie sich etwas in dir öffnet und freilegt. Es ist gar nicht so schlimm, wie ich dachte.

Gefühls- und Schattenarbeit bewegt auch das jeweilige Umfeld. Daheim liegt gerade eine besondere Stimmung in der Luft. Es kribbelt und brizzelt. Und es ist schön. Natürlich meldet sich die Wut auch immer wieder. Soll sie.

Ich kann nur sagen: Danke, Harry – du bist der Knaller:-)!

Neulich waren wir noch jung

Mich beschäftigt das Älterwerden. Schon eine Weile. Insbesondere seitdem letztes und vorletztes Jahr meine Eltern verstorben sind und ich vergangenen Sommer die 40 erreicht habe. Mein Mann und meine Geschwister sind (um die) 50. Auch das spielt sicher eine Rolle, denn aus meiner heutigen Wahrnehmung ist 50 definitiv nicht mehr jung. Ich gestehe: Das gefühlt schnelle Verstreichen der Zeit macht mir auch Angst. Menschen jenseits der 70 denken sicher: Ich bin mit meinen 40 Jahren doch noch jung. Gleichzeitig betiteln mich 20-Jährige vermutlich als “mittelalt”.

Wenn junge Menschen – FSJlerinnen und “Buftis” – in meinen Musiktherapiestunden hospitieren, spüre ich die Altersdifferenz nun deutlich: Einerseits kann ich mich wunderbar in sie hineinfühlen, auch in diese Vielfalt der Optionen, die das Leben für einen mit knapp 20 Jahren bereithält. Alles ist oder erscheint offen. Diese Offenheit vermisse ich manchmal. Vielleicht mag jemand erwidern: Ich kann mich ja jeden Tag neu entscheiden, doch gefühlt schränken sich die Möglichkeiten mit der Vereinbarung von Familie und Beruf ein. Das kennen sicher die meisten von Euch, die in der Lebensphase stecken, in welcher Kinder – sofern vorhanden – noch daheim in unserer Obhut, sprich nicht erwachsen sind.

Im Zusammensein mit meinen Hospitantinnen muss ich aufpassen, keine – wenn auch gut gemeinten – Ratschläge zu erteilen, wenn es um die Frage geht: “Was soll ich (als nächstes) tun?” Je älter ich werde, umso öfter denkt es in mir: “Entspann dich.” Im Grunde ist es unerheblich, ob ich a oder b wähle, denn das was Leben aus- und interessant macht, sind die Kapriolen, die es schlägt, Um- und Abwege. Oder auch Irrwege, die sich im Nachhinein als besonders wertvoll herausstellen.

Meine Schwester fragte mich hier auf Teneriffa, ob ich nochmal 27 sein möchte. (Wir haben auf der Insel eine tolle, unsere Dreierkonstellation bereichernde junge Frau kennen gelernt). Ich bin mir nicht sicher. Mit dem Wissen von heute vielleicht. Gleichzeitig war ich mit Ende 20 deutlich unsicherer. Heute bin ich mir meiner selbst und meines Wertes schlicht sicherer. Insofern stimmt die These: Älterwerden bringt auch wachsende Gelassenheit mit sich.

Was ich ebenfalls sehr schätze: Heute habe ich mit Menschen ganz unterschiedlicher Generation zu tun, sowohl privat als auch beruflich. Ich liebe es Geschichten zu hören – von früher, von heute – und erzähle selbst auch gerne Anekdoten. Manch ein Gespräch ist so tief und lebendig, dass es keine Rolle spielt, ob mein Gegenüber 20 oder 70 ist.

A propos Gespräch: Es macht mir unheimlich viel Spaß, fremden Geprächen zu lauschen (ja, ich weiß: Macht man nicht). Möglichst unauffällig, wenn mir das auch nicht immer gelingt. Letzten Herbst verbrachte ich mit meinem Mann ein Wochenende in einem Kloster im Harz. Wunderschön und wiederholungsbedürftig war das. Beim Frühstück beobachtete ich eine Gruppe von Theologie-Studenten, wie sich herausstellte: ein bunter Haufen von wild diskutierenden jungen Leuten. Wir fragten uns, was sie umtreibt, welche Themen und Fragen sie haben. Zwischen meinem Mann und mir entwickelte sich ein interessantes Gespräch. “Neulich waren wir noch jung”, hörte ich ihn sagen und musste lachen. Ja, manchmal kommt es mir auch so vor, als sei es gar nicht lange her, dass Dinge noch anders waren.

Auch wenn da Ängste und Widerstände in mir sind, was das Älterwerden angeht, so liebe ich mein Leben immer mehr. In Momenten, in denen es mich so packt, wie kürzlich am Atlantik (siehe Foto oben), bin ich echt ergriffen und den Tränen nicht nur nah. “Magnifico”, kann ich da nur sagen.

Wie ergeht es Euch mit Eurem Alter und dem unterschiedlich empfundenen Verstreichen der Zeit?

 

 

Domestizierter Hund oder wilder Wolf?

Ich glaube, die meisten Menschen halten sich sehr zurück, wenn es darum geht, ihr Inneres nach Außen zu kehren. Ich frage mich oft, weshalb dem so ist – es muss mit Konditionierungen, ggf. in sehr frühen Zeiten zu tun haben. Wir deckeln uns alle ungemein. Warum? Vermutlich aus Angst.

Ich wage zu behaupten: Wir leben große Teile unseres Lebens unter einer Käseglocke. Wir verlieren – zumindest in unserer Kultur – die Reinheit, das Unschuldige, Spielerische, ja, auch das Wilde auf unserem Weg ins Erwachsenendasein. Wie schade. Und wie erfrischend gleichzeitig, Kinder in ihrer meist ungezügelten Art zu beobachten. Dies heißt keineswegs, dass aus introvertierten Zeitgenossen plötzlich expressive Extrovertierte werden sollen. Ich kann mein Introvertiert-Sein, mein Bedürfnis nach Einkehr und Zeit für mich ja wunderbar leben und gleichzeitig den inneren Regungen in mir neugierig begegnen ohne etwas zu unterdrücken.

An diesem Wochenende – während einer astrologischen Beratung bei “Navigator” Harry und einem weiteren Ausbildungswochenende im Rahmen meiner Kundaliniyoga-Lehrerausbildung – habe ich sehr viel über mich und zwischenmenschliches Verhalten gelernt. Mir ist klar geworden, wie sehr ich mich selbst noch zurückhalte, wie schwer es mir fällt, mich zu trauen, ganz nah an mich heran zu treten und zu schauen, was da noch alles so in mir schlummert. Da ist immer noch Angst in mir – vor Selbstausdruck, vor Ablehnung durch andere, davor zu entdecken, wie machtvoll ich bin, wieviel Kraft und Energie in mir steckt. Verrückt. Doch wahr. Und ich bin der festen Überzeugung, dass ich damit nicht allein bin.

Es ist eine ungeheuerliche und gleichzeitig tief befreiende Entdeckung, eigenen blinden Flecken auf die Spur zu kommen. Auf einmal verstehe ich auch, weshalb ich einer Weggefährtin vor Jahren wiederholt vorgeworfen habe, sie sei so kontrolliert und hätte Angst, Farbe zu bekennen: Ich bin meiner eigenen Tendenz, Kontrolle ausüben zu wollen, meiner Angst, mich mit Angst und Unzulänglichkeit zu zeigen, auf die Schliche gekommen. Angst wiederum hält mich von bestimmten Gefühlen, beispielsweise Scham, fern, bzw. sie schützt mich vor Gefühlen wie Scham. Ich fühle nicht, doch ich lebe auch nicht. Scham ist das Gefühl, falsch zu sein – im Grunde der Knackpunkt, der uns vom Leben fernhält.

Ich sehne mich nach tiefem Vertrauen. Vertrauen in mich, dieses Leben, eine höhere Macht. Wahnsinnig gerne möchte ich mich hingeben, meinen Kopf ablegen – die ganzen Kopfgespenster und Sorgen Mutter Erde übergeben. (Im Übrigen ist die sog. „Baby Pose“ aus dem Yoga eine schöne Möglichkeit, das Herz über den Kopf „zu stellen“: Auf den Fersen sitzend beugen wir uns nach vorne und legen die Stirn auf den Boden). Das Bekannte für das Unbekannte aufgeben – wie oft trauen wir uns das wirklich?

Sicher können wir auch im Alltag viel spielerischer sein als wir’s oft sind: mit Worten, Bewegungen, Begegnungen und Situationen jonglieren. Eine alltägliche Verrichtung wie das Wasser-Einschenken und Trinken mal im Schneckentempo vollziehen, ganz achtsam. Grundlos Grimassen schneiden. Einem Gegenüber einen ungewöhnlichen Gedanken zuwerfen. Tanzen wenn uns danach ist. Seit diesem Wochenende übe ich mich in Folgendem: Wenn’s in mir denkt „Das ist jetzt aber beknackt“ tu ich’s trotzdem. Oder gerade. Herrlich.

Ich behaupte: Der Blick auf den sog. Ernst des Lebens geht uns dennoch nicht verloren. Da bin ich mir sicher. Die meisten von uns sind mehr als pflichtbewusst. Dinge, die aus selbst gewählter, uns auf unserem Herzensweg unterstützender Disziplin geschehen, sind sinnvoll und wunderbar, doch die von außen auferlegte, mitunter auch unreflektierte Pflichterfüllung darf meines Erachtens immer wieder hinterfragt werden. Dinge aus „innerer Einsicht“, resultierend aus den eigenen Wertmaßstäben heraus zu tun ist etwas anderes, als besinnungslos im Hamsterrad zu laufen, überspitzt formuliert.

Unseren inneren Kritiker können wir immer wenn er zu laut und dominant wird besten Gewissens liebevoll doch deutlich in die Schranken weisen. Wie sagte unser Yogalehrerausbilder Atma Singh kürzlich so treffend: „Gott segne dich, innerer Kritiker – doch ich unterrichte  jetzt Kundalini-Yoga.“ (Sollte unser Verstand beispielsweise während einer Unterrichtsstunde mal wieder zu sehr ins „Rödeln“ geraten und sich in den Vordergrund drängen).

Woran ich uns heute alle erinnern möchte: Lasst uns trauen, unsere Schleier nach und nach zu lüften, immer klarer zu werden und dabei zu denken:

„Das Leben passiert FÜR mich!“

 

Sich erheben und dabei berührbar bleiben

Skorpion der lächelt (Origami, gefaltet)Im Kontakt zueinander wird es meistens an den Grenzen spannend: an den Punkten, in den Momenten, in welchen wir stark durch die Worte oder das Verhalten des anderen berührt, bewegt oder auch verletzt werden. „Kontakt findet an Grenzen statt“, heißt es in der Gestalttherapie. Wir werden berührt, wenn wir in unserer Gänze gesehen werden, wenn das Gegenüber uns wirklich erkennt – manchmal vielleicht sogar, bevor wir selbst jenen Zug an uns entdeckt haben. Wir alle wünschen uns, so gesehen zu werden, wie wir wirklich sind. Ich glaube, dies ist unser tiefstes Bedürfnis und auch das, was uns am meisten Angst macht.

Wir fühlen uns aufgebrochen und gleichzeitig höchst verletzbar, wenn ein anderer unsere Scham – das Gefühl nicht liebenswert und nicht gut genug zu sein – wahrnimmt; gleichzeitig kann hier eine Nähe entstehen, ein tiefes Verständnis füreinander, welches uns bereichern, unsere Beziehung reifen lassen kann.

Unsere Verletzlichkeit ist der Weg zueinander“

sagt Autorin Brené Brown (Psychologie Heute, März 2017, Heft 3). Das denke ich auch. Immer mehr. Natürlich kann und möchte ich nicht jedem mein Herz ausschütten. Wir dürfen bewusst wählen, wen wir wann an welcher Thematik, an welchem Punkt unseres Lebens und dem was uns in der Tiefe beschäftigt teilhaben lassen. Viele Menschen gestehen sich nur schwer eigene Schwächen zu: Ihre Angst davor, was andere über sie denken könnten, ist so groß, dass sie auch nicht gut mit der Verletzlichkeit oder der Fehler-Toleranz anderer sich selbst gegenüber umgehen können. Brown rät dazu, uns zu fragen, ob die Beziehung das Gewicht der Geschichte aushält, bevor wir jemandem unser Herz ausschütten.

Wie sollen andere mir etwas zugestehen, was sie sich selbst nicht erlauben können? Oftmals fahren Menschen ihre Krallen aus oder senden Pfeile auf’s Gegenüber, die eigentlich ihnen selbst gelten: Unter Umständen triggert ein Verhalten den anderen an einem Punkt, an einem wunden Punkt. Bin ich auf dem Weg der Selbstfürsorge und –liebe, stelle ich mein Wohlergehen mehr und mehr ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit, so stößt das nicht überall auf Gegenliebe: Die Fürsorge sich selbst gegenüber ist wohlmöglich im System des anderen, sich stark kritisierenden Menschen (noch) gar nicht präsent. Daher fehlt hier vermutlich auch das Vermögen sich einzufühlen. Ein Mensch auf dem Weg in die innere Freiheit, in einen gesunden Egoismus kann zur Projektionsfläche, zur Zielscheibe unausgegorener Gedanken und unverarbeiteter Emotionen werden. Insofern würde es uns alle in unserer Entwicklung weiterbringen, wenn wir uns mehr und mehr trauen würden, uns „unseren Dämonen“ zu stellen, uns  unsere Schattenseiten anzuschauen und uns gleichzeitig darin zu üben, immer mehr unser Licht nach außen zu tragen.

Wenn wir uns erheben – ohne uns über andere zu erheben – wenn wir in unsere Kraft kommen, unsere Wahrheit kennen und nach außen tragen, halten wir unserem Umfeld einen klaren Spiegel vor: Wir strahlen aus, dass Veränderung ansteht, wir nicht mehr bereit sind, gewisse Glaubenssätze zu akzeptieren, oder wir zeigen, dass wir nicht weiter in selbst oder gesellschaftlich auferlegten Grenzen leben wollen und nicht mehr bereit sind, eine Art von „Kleinheit“ hinzunehmen. Dadurch irritieren wir den einen oder anderen, ruckeln an seinem Lebensmodell und sind auch weniger manipulierbar – unser Verhalten kann Unbehagen und Angst beim anderen auslösen.

Hier berührbar und offen zu bleiben, offen auch für konstruktive Kritik, kann meines Erachtens alle Beteiligten wachsen lassen; sich nicht angegriffen zu fühlen und sofort zurückzuschießen, gleichzeitig bewusst seine eigene Spur weiter aufzunehmen, ist eine Kunst. Klarheit zu transportieren, sich klar auszudrücken muss man üben und sich auch erlauben, denn: Klarheit bringt Präsenz und Sichtbarkeit mit sich, und nicht jeder in meinem Umfeld ist für (meine) Klarheit bereit.

Ich beobachte, dass viele von uns ihr Licht unter den Scheffel stellen. Vor Jahren habe ich mich beispielweise nicht getraut, für unser Schwesternduo Bluetwos – meine Schwester Kati & ich treten unter diesem Namen auf – verstärkt Werbung zu machen. „Verrückt“, denke ich heute. Oder aber ich war mir unsicher, wie Menschen in meinem nahen Umfeld auf diese Seite, seisofrei-lebenskunst und mein neues Sein als Schreiberling reagieren würden. Mittlerweile denke ich: Es muss ja nicht jede(r) etwas damit anfangen können. Dass ich viel Freude dabei habe, ist sicher niemandem entgangen. Das viele Schöne, das auch durch diesen Blog Einzug in mein Leben erhält, spricht für sich. Zurück zum Licht: Ich möchte dazu ermutigen, kühner zu denken, sich Großes zu wünschen und zu einer warmen, gütigen, selbstbewussten Sonne zu werden, die ihre Mitmenschen dazu inspiriert, sich auch zu ihrer Größe zu bekennen.

Ich bin mir sicher: Tief im Innern ist ein Ort in uns, der stets voller Vertrauen ist und nicht müde wird, Vertrauen in die Welt zu tragen. Deshalb: Trauen wir uns, unseren ganz eigenen Weg zu gehen.

 

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