seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Abenteuer

Zum Erinnern

Über’s Schreiben und Offenbaren

selfie-mal-andersHeute schreibe ich darüber, weshalb ich schreibe – hier, in diesem Blog, über meine Themen.

Mir wird wieder einmal bewusst, dass dieser Schritt mutig war und ist, dass ein solches Teilen, Sich-Mitteilen natürlich nicht jeder gutheißt – nicht jeder applaudiert. Kurzum: Es ist nicht jedermanns Sache.

Im Internet tümmeln sich die irrsten Selbstdarstellungen und –offenbarungen, die tatsächlich Fragen aufwerfen: Was um Himmels Willen soll das? Wer will das alles wissen und sehen?

Ich habe schon immer gern geschrieben: früher Tagebuch, heute Briefe, Karten, Mails. Das was mich bewegt bringe ich gern zu Papier. Und teile es mit Freude.  Sprache ist mir wichtig. Ich habe Spaß daran, Worte bedacht und mit voller Absicht zu wählen. Vor ungefähr eineinhalb Jahren habe ich angefangen, Familie, Freunden und Bekannten via Rundmails selbstverfasste Texte zu schicken. Irgendwann hatte ich Lust auf mehr: mehr Reichweite, Resonanz, ja, auch mehr Abenteuer. Nicht zu wissen, was kommt, wie was ankommt, was es auslöst. Auch fand ich es schön, Leute nicht mehr mit Mails zu „behelligen“, sondern sie selbst entscheiden zu lassen, ob sie meine Zeilen lesen, ob sie teilhaben wollen oder nicht. Das erlebe ich als souveräner meinerseits, auch als freilassender für den anderen.

Es ist, als fließt es direkt aus mir heraus. Es macht tierisch Spaß, etwas zu erschaffen – Worte, Sinn, Bilder. Dieses Fließen ist etwas Wunderbares, wir können es auf vielen Wegen erleben. Dazu möchte ich auch anregen: Immer wieder genau unsere Tätigkeiten zu suchen, die uns ins Fließen bringen und uns Freude machen. Wozu ich auch immer wieder ermutigen möchte: Wirklich seinen inneren Impulsen zu folgen. Seinen ureigenen Weg tatsächlich zu gehen, auch wenn die Richtung nicht immer der der Mehrheit oder des Umfelds entspricht. Ich möchte weiß Gott nicht alles von mir öffentlich preisgeben, auch meine Liebsten lasse ich aus dem (Blog-)Spiel – meine Inhalte sind eher sehr elementare, die meisten Sinn-Suchenden beschäftigende Themen.

Natürlich ist es auch so: Es wird immer Menschen geben, die dich oder das was du machst kritisieren, aus verschiedensten Gründen. Je mehr du von dir selbst zeigst, je mehr Aufmerksamkeit du auf dich ziehst und Veränderungen in dein Leben bringst, umso mehr wirst du auch kritisiert werden. Ich möchte gerne offen und berührbar bleiben für das, was andere mir aufzeigen, mir spiegeln. Gleichzeitig möchte ich auch zu mir stehen, weitergehen und unterscheiden lernen, wann eine Reaktion wirklich mit mir zu tun hat, ich etwas lernen soll, und wann es doch mit dem So-Sein des anderen zu tun hat, er etwas lernen darf. Veränderungen, die ich initiiere, rütteln auch stets an den Grenzen des anderen, an seinem Lebensmodell.

Mit dem Phänomen „Selbstdarstellerei im Internet“ beschäftige auch ich mich. Wie gesagt, tausend banale Dinge zu posten und mein Umfeld über jeden kleinen Schritt zu unterrichten ist nicht mein Ding. Interessant auch, dass sich etwas bei mir zusammenzieht, wenn ich das Wort „selbst-darstellerisch“ in den Mund nehme – so will ich nicht sein  (so sollte man nicht sein?!).  Und muss mir eingestehen: Natürlich wohnt da auch ein Mensch in mir, der gerne eine Bühne betritt, der Lust hat, etwas nach draußen zu geben, auch wenn ich in anderen Momenten sehr zurückhaltend, ruhig sein kann.

Neulich fragte ich meine Schwester, worin aus ihrer Sicht der Unterschied besteht, in seine natürliche Größe hineinzuwachsen, sprich immer mehr sein volles Potential zu leben, und sich im Gegensatz dazu größer zu machen, sich aufzublasen? Sie sagte sinngemäß, Menschen in ihrer natürlichen Größe können einen Raum einnehmen, diesen mit ihrer Kraft, ihren Ideen füllen und sich gleichzeitig auch total zurücknehmen, erspüren, wann es angezeigt ist, demütig zu werden, zuzuhören, anderen Raum zu geben. Das fand ich sehr treffend. Und ich ergänze: Menschen, die freier, großzügiger, kühner denken, kennen ihre Stärken und respektieren ihre Schwächen, so meine Erfahrung.

Es ist mir eine große Freude, andere mit meinen Zeilen zu berühren. Momentan ist es diese Seite, dieser Blog (auch wenn ich mich mit dem Wort „Blog“ immer noch nicht so ganz anfreunden kann), der mir dafür eine Form bietet. Mal schauen, was sich daraus entwickelt. In anderen Momenten ist es die „Musik-Bühne“, die ich mit meiner Schwester betrete. Auch in meinem Musiktherapieraum finden solche berührenden Momente statt, im Grunde: Im Leben selbst können wir immer wieder andere berühren – lächelnd, Komplimente machend, zustimmend, und auch anregend, aufweckend.

Es grüßt ganz herzlich

Carolin

Seelenruhe im Schonwald

Trollinger & Landjäger - KopieGestern war ich mit meinem Mann per pedes im Wald unterwegs, genauer: auf dem Anstieg zur Gipfelburg Teck, südlich der Stadt Kirchheim unter Teck im schönen Schwabenland. A propos schön, es wird vermutet, dass der Name Teck aus dem keltischen Wort “tec” gleich schön oder einem Felsvorsprung “die Eck” entstanden ist.

Nach einer langen Regennacht und einem Fall der Temperaturen zeigte sich der dieser Lande sog. Schonwald mit seinen seltenen Baum- und Pflanzenarten von einer besonderen Seite: Das satte Grün wirkte dank der hohen Luftfeuchtigkeit verschleiert. Mir war trotz Schwitzen und der mit dem Anstieg verbundenen Anstrengung ganz wunderbar zumute – ich empfand die Welt als dermaßen schön, dass mir Tränen kamen. Der ganze Irrsinn, der einen sonst umtreibt, war weit weg. Wilde Orchideen konnte ich leider nicht entdecken, meine Mutter wäre begeistert gewesen.

Hin und wieder versuchte ich innezuhalten und einfach nur zu schauen, ohne etwas zu fixieren. Das machen wir manchmal im Yoga nach einer Meditation, wenn wir sehr fein wahrnehmen und innerlich ruhig sind. Gar nicht leicht, doch für kurze Momente möglich.

Wir erreichten die Burg über eine kleine Abkürzung und kraxelten steil aufwärts über Wurzeln und allerlei Gestrüpp, zuletzt schwangen wir uns über einen Mauervorsprung. Eine für mich typische Aktion, so mein Mann: potentiell strapaziös und nicht ganz ungefährlich. Ich finde, ein bisschen verwegen Abenteuer Leben darf sein. Frei nach dem Motto: Tue immer wieder dich selbst überraschende Dinge.
(Und ich ergänze: auch andere überraschende Dinge…)

Das Burg-Restaurant hatte leider Ruhetag, doch wir genehmigten uns Landjäger, Bier und Trollinger, die am Burg-Kiosk verkauft wurden. Es regnete erneut, das störte uns nicht. Ich genoss diesen Moment und rief mir wieder einmal ins Bewusstsein, wie sinnvoll, wie befriedigend es ist, das Leben auszukosten und Momente in sich aufzusaugen. Für die Freuden des Lebens empfänglich zu sein. “Einmal am Tag schwitzen und lachen” – so heißt es im Yoga.

Der Trollinger lief mir gut rein und erleichterte den Abstieg. Dieser Tag schenkte mir tiefe Seelenruhe. Ich sage “danke”.

Wann oder wo erlebt Ihr Seelenruhe im Sinne von tiefem inneren Frieden?

 

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén