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Erlebtes & Belebendes

Kategorie: Lebenskunst-Texte (Seite 1 von 10)

Ausdrücken was da ist

Immer mal wieder besucht mich mein Schatten. Auch auf die Gefahr hin, dass es in dem einen oder anderen nun denkt: „Jetzt schreibt sie schon wieder über Schatten!“ – das Thema ist so essentiell, für mich, für andere. Und ich glaube, es ist wesentlich für uns alle: Wir kommen nicht drum herum, uns ehrlich zu begegnen. Vor allem nicht, uns selbst in unseren Kellerräumen zu besuchen.

Soziale Medien sind eine äußerst interessante Spielwiese. Wir können uns hier auf mannigfache Weise begegnen: Wir können der Welt ein ganz bestimmtes Gesicht hinhalten, wir können uns jedoch auch sehr offen und verletzlich zeigen, wenn wir das wollen und den Mut dazu haben.

Mir sagte kürzlich ein sehr liebgewonnener Mensch, ich hätte eine starke Persönlichkeit, im positivsten Sinne“, und dadurch könne ich auch schnell angegriffen werden (Danke, Heidi!). Im Laufe der Jahre des Sich-mehr-Zeigens, Sich-und-seine-Stärken-Ausdehnens und auch des Selbstbestimmt-Lebens – hin und wieder auch Regeln, Konventionen, Tabus brechend – konnte ich feststellen, dass ich viel positive Resonanz erhalte, jedoch mir auch immer wieder Gegenwind entgegenbläst.

Veit Lindau spricht davon, dass die Angst vor Wirk-Kraft eine der Hauptblockaden auf dem Weg zum Erfolg darstellt: Es mag leichter und bekömmlicher erscheinen, sich, seine Meinung und auch sein Potenzial zurückzuhalten, als sichtbar und selbstbestimmt zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Denn Erfolg – in welchem Bereich auch immer – bedeutet auch, mehr Macht anzunehmen.

Wenn ich nun also stark und für mich einstehend auftrete, kann es passieren, dass manch einer mein Licht und meine Kraft verkleinern möchte – vielleicht, da er Verunsicherung spürt. Je mehr ich jedoch in die Selbstliebe komme und dadurch insgesamt viel Liebe in mir trage, umso weniger macht Gegenwind mir auch etwas aus. Verletzlich bin ich natürlich dennoch, bzw. meine Persönlichkeit, mein Ego, wenn man so will. Doch je öfter ich meine Gefühlswahrheiten (Danke, Harry!) ausdrücke, sprich dass was es in mir fühlt – gerade Angst ist so unangenehm! – umso besser lerne ich mich kennen. Ausdrücken was da ist – unabhängig der Konsequenzen, das ist der Schlüssel für wahrhaftige Kommunikation und Intimität. Meine Wahrheit kann so ans Licht kommen und tiefe Begegnung stattfinden.

Wie antwortet Ilan Stephanie, Autorin und Körperforscherin, so treffend auf die Frage: „Können wir kommunizieren, ohne zu verletzen?“ Dem Sinn nach sagt sie, nein, denn wir seien ja alle bereits verletzt – was uns davon abhält, unsere Wahrheit auszusprechen, sei die Angst, für diese angegangen, kritisiert zu werden. Weniger die Angst, den anderen zu verletzen. Wir kommen um die Punkte Verwundung, Verletztheit und jemanden verletzen können, verletzt werden können, nicht drum herum. Es ist nicht möglich, niemanden zu verletzen.

Und wenn wir uns nun also – ob analog oder digital – wirklich begegnen, kann es natürlich vorkommen, dass sich unser Schatten meldet. Es ist sogar mehr als wahrscheinlich. Ich spürte neulich Scham in mir aufkommen, als mir bewusst wurde, dass ich in einer Facebook-Korrespondenz, die dazu auch noch für alle sichtbar war, die „goldene Regel der Kommunikation“ missachtete und nicht mit einer Person, sondern gewissermaßen über diese sprach: Als ich Dinge zum Ausdruck brachte, die noch, ausgelöst durch unseren Austausch, in mir nachhallten und verarbeitet werden wollten – jedoch Dritten gegenüber. Auf die direkte Konfrontation mit der entsprechenden Person hingegen hatte ich keine Lust. Letzen Endes ist genau das mir klar geworden – ich ließ die Angst, als „falsch“, hinterlistig wahrgenommen werden zu können, Angst sein und fasste mir ein Herz: Ich nahm Kontakt auf und sagte alles, was es in mir dazu zu sagen gab. Das war gut. Befreiend uns sehr bereinigend, sicher für beide. Im Anschluss dachte ich: Wir haben alle Angst davor, mit diesen ganzen „unschönen“ und gleichzeitig so total menschlichen Eigenschaften gesehen zu werden. Lästern, tratschen, meckern, sich nicht mit Ruhm zu bekleckern – all dies ist nicht immer leicht in sich selbst zu erkennen und zu bejahen, oder anders: Wir lieben unsere Schokoladenseiten und das Zeigen selbiger. Verständlich. Doch ist das halt nur die halbe Wahrheit.

Noch ein wichtiger Hinweis zur Kommunikation – auch als Musiktherapeutin mache ich immer wieder diese Erfahrung: Wir kommunizieren hauptsächlich unterhalb von Worten. Entscheidend ist die Energie, mit der wir Dinge sagen. Wir erspüren sehr deutlich die Energie, die manchmal nicht zum Gesagten passt: So wird manch in der Tiefe passiv-aggressiver Ausdruck, manche Feindlichkeit unter Umständen geschickt mit Zucker übergossen. Wenn wir feinfühlig sind, enttarnen wir dies schnell und können dann entscheiden, ob und welche Energie wir in die Kommunikation stecken.

Vom Teilen und Heilen

Ihr Lieben, ein neuer compassioner-Artikel von mir ist online:

Es geht um den Zusammenhang von Teilen und Heilen: Wir können auf so vielen verschiedenen Wegen und Kanälen zur Genesung anderer beitragen: “Vom Helfen zum Dienen” , so brachte ein guter Freund und Astrologe (m)einen Weg, zu dem mich das Universum einlädt, auf einen Nenner. Ich spüre auch deutlich: Ja, passt.

Es macht mir zunehmend Freude, meine Gaben und meine Qualitätenenergetisch, über Musik, Worte, Kundalini-Yoga, ätherische Öle – zu teilen und andere dabei zu unterstützen, in ihre Kraft zu kommen und mutig ihres Weges zu gehen.

Mehr erfahrt Ihr hier:

Sein Herz in die Hand nehmen*

(* Redewendung “das Herz in die Hand nehmen” stammt aus einem persönlichen, mündlichen Austausch im April 2019 mit Heidi Weiss, karmischer Astrologin und Rückführungsleiterin).

Hin und wieder spür ich Widerstände und tu mich schwer, einen Text zu schreiben. Das hat auch damit zu tun, dass ich in meinen Zeilen immer ehrlicher werde, dadurch auch anecke oder jemanden in seiner “streng gehüteten “Truhe der Schatten” berühre” (Heidi Weiss, s.o.). Oder aber ich öffne selbst meine Truhe, was mir Angst macht.

Wieder einmal waren Heidi Weiss‘ Impulse mir in den vergangenen Wochen sehr dienlich. Überhaupt habe ich derzeit viele wunderbare Lehrer und Mentoren Harry, Ute, Ulrike, Regula, Sarah, Laura, Andrea, Bernarda, Tanja, Lidia, Eckhard, Karo, Olli, Tata – fühlt Euch angesprochen, ich danke Euch.

Manchmal berühren wir wie gesagt einen anderen in seiner gut gehüteten “Truhe der Schatten”. Das wiederum will der andere meist nicht, da dort all das Unbearbeitete liegt, das nicht gerne gezeigt wird. Derjenige, den ich in seiner Schattentruhe berührt habe, kann dies als Geschenk betrachten: Nähe und Intimität, der Mut, sich auch in den tiefsten Tiefen berühren zu lassen, fruchtbare Gespräche können folgen. Wenn jedoch aus dem Ego regaiert wird, kann es rasant in die Rechtfertigung, die Verteidigung, die Ablehnung gehen. Wie sagt Harry so treffend?

Jemand, der IN seinen Emotionen ist, ist oft unerreichbar. Das kenne ich auch: Es gibt Situationen, da treffen mich Menschen, oft sehr nahstehende, so unerwartet tief und schmerzhaft, dass ich sofort zurückschlage. Mittlerweile habe ich immer weniger Angst vor meinen dunklen Seiten, so dass ich mir die Zeit nehme, innzuhalten, zu atmen und vor allem: zu fühlen. Die Angst zu fühlen. Die Wut. Die Scham.

Die ultimative Herausforderung für Wachstum wartet in genau solchen Situationen, in denen der andere nicht erreichbar ist: Das und ihn so anzunehmen, wie er ist, nicht wie ich ihn mir wünsche, ist nicht leicht. Wenn wir uns wirklich begegnen wollen – in einer (Paar-) Beziehung, einer engen Freundschaft, so ist es unerlässlich, sich auch und gerade mit seinen Schattenseiten zu zeigen. Mit der eigenen Verletzlichkeit nach draußen zu gehen.

Gleichzeitig dürfen wir – und auch das finde ich wichtig – entscheiden, wem wir die Erlaubnis geben, in unserer “Truhe der Schatten” herumzustochern. Hier helfen uns Achtsamkeit mit uns selbst und Selbstverantwortung. Mein Körper-Geist-Seele-System ist sehr sensibel, wie mir immer mehr auffällt. Je mehr ich mich zeige, umso mehr spiegeln mir dies auch andere Menschen. Mit meiner hohen Sensibilität geht auch eine große Verletzlichkeit einher: Etwas in mir fühlt sich getroffen, vielleicht sogar gekränkt, wenn es sich nicht gesehen fühlt – in seiner Vewundbarkeit, seiner Tiefgründigkeit.

Heidi machte mir deutlich, dass nur das Ego, die Persönlichkeit – das wo wir Identität und Sicherheit erfahren – verletzt werden kann. Die Seele wiederum ist unberührt davon, kann nicht verletzt werden. Dieses Bild finde ich äußerst schön und hilfreich. So gelingt es mir in aufrührenden, emotionalen Momenten auch immer wieder, zu dem Teil in mir zurückkehren, der ruhig und liebevoll ist. Dann werde ich plötzlich ganz weich, leise, manchmal auch traurig. Doch im aufrichtigen Austausch sind unsere “schwachen”, weichen Gefühle genau die Qualitäten, die beide Kommunikationspartner zusammenführen, die Verbindung schenken.

Zurück zur hohen Sensibilität: Ich reagiere auch auf kritische Äußerungen sehr differenziert, gleichzeitig nehme ich alle Zwischentöne einer Botschaft fein wahr und muss dies alles zuerst stimmig sortieren und für mich einordnen. Da kann es vorkommen, dass ich entscheide, eine mir auffallende Unstimmigkeit nicht sofort verbal zum Ausdruck zu bringen. Auch dies ist möglich und in Ordnung: sich selbst Zeit zu geben zwischen wahrnehmen und handeln. Sich seiner selbst und der Situation bewusst zu werden. Zu wählen: Ich lasse das jetzt zunächst so. Früher habe ich Dinge und Themen in mir angestaut, bis sie sich manches Mal voller Ärgerenergie entluden – ganz zum Erstaunen und wiederum Ärger meiner Mitmenschen. Mittlerweile kann ich Dinge so klar für mich wahrnehmen, meinem Instinkt folgend, dass ich sie zu einem Zeitpunkt meiner Wahl auch ruhig und besonnen zur Sprache bringen kann, selbst wenn der andere dann dennoch ent-täuscht oder gar ärgerlich auf meine Worte reagieren mag.

Im Miteinander ist es wichtig, sich seiner Werte immer wieder bewusst zu werden und diese auch zu kommunizieren: Wenn ich auf Herzlichkeit und “Den-anderen-Erheben” stehe, so kann ich mir Menschen und Szenen suchen, die diese meine Werte teilen. Wenn der Ton, der bekanntlich die Musik macht, mir wiederum nicht zusagt, so kann ich mich auch aus diesem Kontakt lösen. Wie sagt Yogi Bahjan so schön? Wenn deine Gegenwart nichts bewirkt, bewirkt dein Wort auch nichts. Ich lerne mir immer mehr selbst zu vertrauen – meinen Gefühlen, meinen Körperreaktionen – und an das zu glauben, was sich für mich richtig anfühlt.

 Wie sich ein Mensch mir gegenüber verhält, sagt immer etwas über ihn aus, nicht über mich. Die Art, wie ich emotional darauf reagiere, das Gefühl, das dieses Verhalten in mir weckt, hat immer etwas mit mir zu tun, nicht mit dem anderen. Hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen und zu spüren, was gerade geschieht: Ob ich wohlmöglich auf einen anderen projiziere, oder ob ein anderer seine Thematik auf mich projiziert. Wenn letzteres der Fall ist, deute ich dies als Aufforderung an mich, diesen Menschen weiterhin mit den Augen der Liebe zu betrachten, sprich ihm Liebe im Geiste zu schenken. Was wir nicht tun brauchen: Uns einen verbalen Schlagabtausch liefern, uns in “Diskussionen” begeben, in denen wir uns gegenseitig die Worte im Munde verdrehen – dies führt meist zu nichts. Manchmal dürfen Dinge so stehen bleiben und (nach)wirken. Wenn Rechthaberei im Spiel ist, wird intimer Austausch schwierig, so meine Erfahrung. Das “Liebe-im-Geiste-Schenken”gelingt mir immer mehr, was mich sehr froh und dankbar stimmt – auch wenn es eine Herausforderung ist.

Das Schöne und Wertvolle an diesen Situationen, in denen es bei dem einen oder anderen heiß hergeht, ist: Wir wachsen buchstäblich über uns hinaus. Welcher mich treffende Satz begegnete mir kürzlich? ” Wahres Licht leuchtet da, wo wir unsere Dunkelheiten ins Herz schließen.” Wenn wir uns trauen, unser Herz im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand zu nehmen, werden wir vom Leben reich beschenkt.

Zur Ehrlichkeit und zum Loslassen

In den letzten Wochen durfte ich nochmal ein paar Ebenen tiefer gehen und mir erneut auf die Schliche kommen.
Ich danke insbesondere Heidi Weiss, die mir zahlreiche wertvolle Impulse schenkte und bei diesem Tieftauchen behilflich war.
In meinem neuesten compassioner-Artikel geht es um das Thema Ehrlichkeit und dem unterschiedlichen Umgang mit dieser.
“Wie umgehen mit Menschen, die mit den Werten Ehrlichkeit und Offenheit anders umgehen?” – u.a. dieser Frage bin ich auf den Grund gegangen.

Hier geht es zum Artikel.

Was wir zu tun und zu lassen haben

Wisst Ihr, was mich tierisch nervt? Wenn andere mich damit behelligen – und dies auf eine insistierende, dogmatische Art – was ich zu tun und zu lassen habe. Sicher habe auch ich einen kleinen Missionierer in mir sitzen, einen Weltverbesserer, eine Besser-Wisserin. Mein Mann spiegelt mir das ab und an – wiederum humorvoll und sehr differenziert, so dass ich es meistens gut nehmen kann.

Doch was ich höchstwahrscheinlich nicht oder selten mache: In schwarz-weiß-getönter Stammtisch-Manier anderen erzählen, wie sie doch besser und sinnvoller ihre Kinder erziehen sollten. Meine Mitmenschen davon überzeugen, warum es Sinn macht, ein, zwei oder drei Kinder zu haben. Oder keins. Ich halte mich insbesondere beim Thema Erziehung sehr zurück, da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie verdammt schwer das sein kann – insbesondere als jemand, der noch in internetfreien Zeiten groß geworden ist und Digitalisierung auch kritisch sieht. Was ich auch möglichst vermeide: Einem anderen verklickern, dass er doch bitteschön sein Kind auf diese oder jene Schule schicken sollte, die Vielfliegerei unterlassen oder seinen Fleischkonsum reduzieren oder möglichst gänzlich canceln darf. Problematisch ist auch die Kombination aus „gute Ratschläge verteilen“ und „wenig Empathie aufbringen, keinen Perspektivwechsel einnehmen können“. Da wird’s dann obernervig.

Natürlich macht vieles, was wir in uns denken, wie wir – ethisch – handeln, durchaus Sinn. Auch dürfen wir immer wieder Vorbild sein, liebevoll anstupsen, uns immer wieder neu entscheiden, uns der Umwelt möglichst zuträglich und ihr dienend zu verhalten. Doch es gibt so viele Themen, die den ganz individuellen Lebensstil, die Lebensmethode eines einzelnen oder eines Systems betreffen, wo wir uns meines Erachtens schlicht heraushalten sollten. Leben ist furchtbar komplex, und schnelle, sehr einfache Lösungen gibt es leider nicht immer, eher selten – je nach Kontext.

Ich bin davon nicht frei: Meinen zu wissen, was für mein Gegenüber oder ein System gut ist. In meinem Schatten sitzt ein Teil, der sehr hart und ungefragt auch mal Lebensstil und Verhaltensweisen eines anderen verurteilen kann. Zum Glück reflektiere ich sehr tief und gründlich, auch bin ich mir nicht zu schade, mich zu entschuldigen. Brenzligen, unangenehmen Situationen – sowohl jenen, in denen ich selbst jemanden vor den Kopf gestoßen habe, als auch jenen, in denen mir ein anderer etwas vor die Füße geworfen hat – spüre ich sehr genau nach.

Social Media ist voll von dummem Geschwätz und guten Ratschlägen. Sicher ist hier die Hemmschwelle, seinen Standpunkt in den Äther zu werfen, bei vielen herabgesetzt. Umso wichtiger, finde ich ist es, Worte sehr bedacht und bewusst zu wählen und genau zu schauen, was will ich sagen. Mich zu fragen: Kann ich mit meinen Worten, meinen Impulsen etwas Gutes tun, andere erheben, inspirieren? Oder gebe ich Mitmenschen und -lesenden eher ein schlechtes Gefühl oder Gewissen? Letzteres hilft meines Erachtens niemandem.

Ich gehe immer mehr dazu über, wirklich mein Leben zu leben. Unser Leben als Familie. Radikal zu leben. Mit den ganz eigenen Entscheidungen, einem eigenen Kodex. Es wird mir zunehmend gleich-gültig, ob andere das nun gutheißen oder nicht. Es muss für uns passen, für niemanden sonst. Wenn die eigenen Eltern sterben, ist neben der nicht enden wollenden Trauer, dem Vermissen auch ein Stück Befreiung eine mögliche Konsequenz: Die alten Rollen und Muster dürfen nun noch einmal mehr hinterfragt und abgelegt werden.

Im selben Zuge versuche ich möglichst, auch andere zu lassen. Sie ihr Leben – solange sie mir oder anderen nicht bewusst schaden – leben zu lassen. „Jedem Tierchen sein Plaisierchen“, wie meine Schwester so schön sagt. A propos Schwester: An ihr schätze und bewundere ich mitunter, wie mühelos es ihr gelingt, andere wirklich zu lassen. Ich glaub sie macht sich auch wenig negativen Kopp‘ um andere. Es juckt sie schlicht nicht, wenn ein anderer anders lebt als sie; ich habe sie sich so gut wie nie über andere auslassen, echauffieren oder gar lästern hören. Find ich großartig.

Kürzlich habe ich mit meinem Mann einen Wandertag in Nienburg an der Weser verbracht. Wir haben unseren Sohn so gut wie erstmals einige Stunden allein gelassen – in dem Wissen oder dem Glauben, dass er viel Zeit am PC verbringen wird. Etwas, wogegen wir gefühlt schon lange ankämpfen. Meistens richten wir uns nach ihm, gehen schwimmen, in die Trampolinhalle, drängen ihm einen Museumsbesuch auf und, und. Doch gestern wollten wir schlicht mal wieder genau das tun, was wir, als Paar, irre gerne tun, und was wir uns selten erlauben. Nicht immer lassen sich Kompromisse finden: Zu dritt loszuziehen hätte bedeutet, mit einem stinkstiefeligen, boykottierenden Jungen durch die Lande zu ziehen. Schon tausendfach erlebt. Nein, nun wollten wir es mal anders. Und ehrlich gesprochen: Es tat saugut.  Was wir uns wirklich wünschen: mehr Unterstützung – meistens sind wir diejenigen, die andere Kinder daheim aufnehmen – doch Tipps und gute Ratschläge können andere herzlich gern behalten.

In diesem Sinne: Lebt wirklich Euer Leben (jetzt habe ich auch einen Tipp;-)) und lasst andere.

“Ich fühle mich frei”

Heute erwartet Euch seit langem mal wieder ein Interview: Die wunderbare Yoga-Lehrerin und Yoga-Komikerin Patricia Jagatpal Kaur Legrand hat meine Fragen beantwortet, worüber ich mich irre freue.

Ich habe sie einfach so gern – als Mensch, Frau, Schwester, Wegbegleiterin, Inspirationspersönlichkeit. Für mich verkörpert Patricia eine Frau, die ich als stark, kraftvoll, echt und gleichzeitig fein, zärtlich und sehr hingebungsvoll erlebe. Genug der einleitenden Worte, lasst uns starten!

Liebe Jagatpal, liebe Patricia, mit welcher Anrede fühlst du dich gerad wohler?

Am wohlsten fühle ich mich, wenn Du mich mit dem Namen anredest mit dem DU Dich am wohlsten fühlst. Ich bin mit beiden Namen ins Reine gekommen. In der Öffentlichkeit bevorzuge ich PATRICIA, weil das für die meisten Menschen hier leichter ist zu merken, zu sagen und zu schreiben. Es ist mir unangenehm, wenn sich Leute nicht trauen mich direkt anzusprechen, weil sie nicht wissen, wie sie meinen Namen (also Jagatpal) aussprechen sollen… Sprache sollte dienen in Kontakt zu kommen.

Wer und wie bist du?

Ich bin.

Und ich bin Yogalehrerin und Yoga-Komikerin.

Wie: Ich fühle mich frei. Um in diesem angenehmen Zustand zu kommen und zu bleiben, ist es notwendig, dass ich mich täglich aufs Neue von den verrückten Affen in meinem Verstand befreie. Da hilft mir mein Talent für Comedy sehr.

Das glaube ich. Wir haben uns auf dem Frauen-Kundalini-Yoga-Camp im Herbst 2015 in der Lüneburger Heide kennen gelernt. Du bist mir gleich ins Herz gefallen. Ich fand dich auf eine wunderschöne Art direkt, geradeaus, echt, selbstbewusst und gleichzeitig unprätentiös. Sowohl deine Art, Yoga und Meditation anzuleiten als auch dein erfrischendes, so herrlich komisches Sein auf der Bühne haben mich tief berührt. Kannst du sagen, was dir derzeit mehr Freude macht: Yoga zu unterrichten oder als Comedian auf der Bühne zu stehen?

Beides ist für mich wichtig. Nach dem letzten Auftritt am 14.2 in der CD-Kaserne, hatte ich gleich am nächsten Tag am Vormittag ein Yogakurs für Senioren und es tat sehr gut dadurch auf dem Boden zu bleiben bzw. zu kommen. Und anders herum ist es genauso. Das Spüren der inneren Quelle durchs Yoga ist himmlisch und dann möchte ich diese Erfahrung auch auf die Erde bringen und die Freude verteilen.

Wie konkret bist du zur Yoga Comedy gekommen? Ehrlich gesprochen kannte ich den Begriff bis dato nicht.

Yoga-Comedy ist während der speziellen Yogaausbildung Karam Kriya entstanden. Dort geht es darum, die 5 Stimmen in einem wahrzunehmen und die entsprechenden 10 Energiekörper zu erkennen und zu trainieren. Das hat mir unheimlich geholfen mit den vielen Aspekten des Lebens klar zu kommen und sie positiv zu nutzen. Ein Surfbrett um auf den Wellen des Lebens zu schwimmen anstatt darin zu ertrinken. Und dadurch konnte ich klarer sehen, für was ich hier bin und dass da etwas in mir ist, das rauswollte und immer wieder raus will. Das Konzept von Yoga-Comedy ist ganz einfach: Ich habe ein Problem. Dieses mache ich richtig groß in dem ich alle Emotionen dazu fühle und mich da ganz hingebe, es auch übertreibe. Dann spüre und meditiere ich in mich hinein und warte. Und dann nehme ich den Laptop und fange an einen Sketch darüber zu schreiben. Und wenn ich ins Stocken komme, geht es wieder von vorne los. Und der rote Faden sind die Weisheiten aus dem Karam Kriya an denen ich mich orientiere und die ich fein dosiert auch auf die Bühne bringe.

Sehr spannende Herangehensweise. Ich find’s irre, deine Entwicklung zu beobachten: Ein paar deiner Auftritte habe ich ja nun auch begeistert verfolgt. Dein neues Programm, das du am Valentinstag in Celles CD-Kaserne dargeboten hast, hat mich nochmal schwer beeindruckt: Fand dich krass cool, ja auch professionell, authentisch, so voll da und präsent. Was bedeutet für dich Erfolg, auch wenn du deine eigene Entwicklung der letzten 5-10 Jahre anschaust?

Am Anfang, also vor 5 Jahren, habe ich mich selbst noch viel versteckt, bin mehr in verschiedene Rollen geschlüpft. Im letzten Jahr im Mai kam dann der entscheidende Hinweis von Willem Wittstamm auf dem Kundalini-Yoga-Festival in Oberlethe. Es ging um authentisch sein und die eigene Stimme finden und zeigen. Und dann habe ich mich endlich getraut pur auf die Bühne zu gehen. Und das ist etwas ganz anderes. Da habe ich viel mehr Herzklopfen. Es erfordert viel mehr Mut. Gleichzeitig ist es viel leichter, weil ich keine Rollen mehr üben muss, was sehr viel Arbeit macht und ich ziehe meinen Hut vor jeder Schauspielerin, die das kann. Ich persönlich bin mit meinem pure auf der Bühne sein bisher am erfolgreichsten.

Neulich schrieb mir eine liebgewonnene Bekannte, wir Frauen hätten um „Gleichberechtigung“ zu erreichen, dies lange Zeit leider in einer sehr männlichen Energie getan. Nun sei es Zeit, in ein Gleichgewicht vom Männlichen und Weiblichen in uns allen, Männern wie Frauen, zu kommen. Aus Sicht einer Frau: Was glaubst du, brauchen wir Frauen heute mehr denn je, was tut uns gut?

Unsere Bedürfnisse ernster nehmen (egal ob Mann oder Frau) und genau fühlen, was will ich wirklich. Und damit lernen zu unterscheiden, was tut mir gut und wo erfülle ich nur irgendwelche Vorstellungen oder folge einem Muster. Das ist eine tägliche Herausforderung und ich persönlich schaffe das ohne regelmäßiges Kundalini-Yoga nicht so gut.

Das versteh ich – auch ich brauche meine regelmäßige Praxis. Verrätst du uns einen deiner großen Träume?

Mit meinem Yoga-Comedy tausende von Menschen zu erreichen und sie zu unterstützen, sich selbst zu initiieren.

Ich danke dir von Herzen für diesen wunderbaren Austausch!

Ich danke Dir für Deine wunderbaren Fragen, sie haben mich sehr zu positiver Selbstreflexion angeregt. Danke DIR!

Und hier geht’s zu Jagatpal:

https://www.yoga-comedy.de/

Mich um meine Angelegenheiten kümmern


Die fremde Baustelle ist unglaublich attraktiv: Das, was der andere alles falsch macht – bitte besser, grundsätzlich anders, im besten Fall meinen Vorstellungen entsprechend machen könnte, lässt sich schnell benennen. Ich glaube, die meisten von uns sind sehr pfiffig darin zu erkennen, was beim anderen schlicht schief läuft. Da nehme ich mich nicht aus.

Gleichzeitig bin ich ein großer Freund der Selbstreflexion: Ich werde nicht müde, mir meine Baustellen sehr genau anzuschauen. Für mich heißt das, in meine Unterwelten abzutauchen, mir all das Unerwünschte, Unangenehme, Kleingeistige, Beschämte genauso anzuschauen wie meine lichtvollen Seiten. Alles kommen und da sein zu lassen. Ich liebe es, Menschen anzustecken, sich auch in der Tiefe zu begegnen. Und natürlich darf ich auch aufpassen, hier nicht missionarisch zu werden.

Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich mir das genaue Hinschauen auch von meinem Gegenüber wünsche, insbesondere von Menschen, die mir nah stehen. Dann denkt es in mir – und manchmal spreche ich es auch aus: „Ich will, dass du das jetzt endlich mal siehst.“ Einem anderen Teil von mir ist vollkommen klar, dass das Ganze so nicht funktioniert: Ich kann vom anderen schlicht nicht erwarten und schon gar nicht fordern, dass dieser bitte auch an sich arbeiten möge, in welcher Form auch immer. Auch ist und bleibt meine Sicht der Dinge eben meine Sicht der Dinge, nicht mehr und nicht weniger. Ich kann nur meine eigenen Themen bearbeiten und mit meinem liebenden Beispiel vorangehen bzw. meinen Weg fortsetzen.

Was kann ich noch tun? An dieser Stelle möchte ich sehr herzlich Gestalttherapeutin Andrea Löffler danken, deren Fragen und sehr feines Hinspüren mich immer wieder lehren, mein eigenes Gewahrsein feiner und feiner zu schulen. Auch mein Austausch mit Astrologin Bernarda Schmid und Emotionshebamme Lidia Schladt hat mich tief und nachhaltig bewegt. Danke Euch! Ja, was kann ich also tun? Meistens: nichts. Im Sinne von: mich hingeben, mich dort hineinentspannen, wo es sich gut anfühlt. Geduld haben, mit mir und anderen. Sanft sein und bleiben.

Was mir auch hilft (danke, Andrea!): Immer wieder zu mir zurückkehren, mich zu fragen: Was genau macht es mit mir, wenn der andere sich – aus meiner Sicht – seine Themen nicht anschaut, sich nicht ganz zeigen oder sich nur von seinen Schokoladenseiten zeigen mag? Was geht da in mir vor? Erinnert mich dieses Erleben an eine alte Ohnmacht, die ich nicht nochmal fühlen will? Oder habe ich vielleicht Verlustängste, wenn ich weiter ziehe, den anderen auf meinem Weg nicht mehr mitnehmen kann? Für uns beide eventuell unterschiedliche Wege vorgesehen sind?

Was mir persönlich wichtig ist – und ich weiß mit meiner Klarheit mache ich mir nicht nur Freunde: keine Feigheit vor dem Freund zu haben. Ein schwieriger Grad: meinen Werten Ehrlichkeit und Klarheit treu zu bleiben und gleichzeitig den anderen so zu lassen, wie er ist: Unter Umständen möchte mein Gegenüber, dass alles „beim Alten bleibt“, sowohl sich selbst als auch unsere Beziehung betreffend. Mein Wunsch nach Mich-Entwickeln und Verändern – nicht weil das im Außen so erwartet wird, sondern weil ich es will – kann sich also sehr wohl beißen mit der Art und Weise, wie der andere tickt.

Auch wenn es für viele sicher ein alter Hut ist: Mir bleibt nur, meiner eigenen inneren Stimme zu trauen und dieser zu folgen. Wie Gabby Bernstein so schön sagt: „Kümmere dich um deine Angelegenheiten und sei das Licht!“ (aus: Judgement Detox). Im Yoga heißt es, wir brauchen nur 9 Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen. In den meisten Fällen wissen wir sehr genau, was wir wollen und brauchen, was uns gut tut und was nicht. Die Antwort schmeckt uns selbstverständlich nicht immer, doch wenn wir ehrlich sind, ist uns sehr wohl bewusst, was gerade ansteht. Das „In-9-Sekunden-Entscheiden“ gilt natürlich nicht für die Frage, wie genau wir mit langjährigen Verbindungen umgehen können, doch was ich sagen will:

Wir können jeden Tag Integrität und Uns-Stärken kultivieren. Wir können unseren Weg jeden Tag, Schritt für Schritt, in unsere Richtung fortsetzen. Ob gemeinsame Wege dann weiter führen, kurz- oder mittelfristig ausgesetzt werden oder sich  ganz trennen, das wird sich meines Erachtens zeigen, wenn wir uns treu bleiben und unserer Spur folgen. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Auch ist es in Ordnung, wenn einst sehr enge Kontakte auch mal weniger eng sind: Wenn es beiden gelingt, sich so zu lassen, kann auch die nun kleinere Schnittmenge geteilt werden.

So lerne ich also immer wieder von neuem: Lieben bedeutet für mich, das für den anderen zu wollen, was dieser für sich will. Ihn sein zu lassen, wer er wirklich ist – selbst wenn das bedeutet, ihn frei zu geben. Es geht nicht darum, den anderen nach unseren Vorstellungen zu formen. Manchmal, wenn ich nicht weiter weiß, hilft es auch, meine Angelegenheiten einer höheren Macht zu übergeben.

Ent-Wickeln, wie bei einer Garnspule

Ihr Lieben da draußen, ich wünsche Euch einen wunderbaren, klaren Start in dieses noch so frische Jahr! Möget Ihr es in Eurem Sinne beginnen. Ich selbst starte mit Neugier und Freude, spüre ich.

Lange habe ich hier keinen Text mehr in Artikel-Länge veröffentlicht. Mir war eher danach, im “wahren” Analog-Leben und auch auf Facebook in einen lebendigen, mich weiterbringenden Austausch zu kommen. Oft verhält es sich ja auch so, dass sich in äußerlich stilleren, mal anders als sonst gestalteten Phasen sehrwohl einiges tut.

So habe ich für mich noch klarer feststellen können, dass ich nicht “nur” mit Schriftzeilen zum bewussteren, mutigen Leben anstecken, sondern auch weitere “Seins-Formen” und Kanäle nutzen kann, um mich auszudrücken und zu verschenken: Im Herbst habe ich angefangen, Kundalini Yoga zu unterrichten, was mir erstaunlich viel Freude macht und mich zutiefst erfüllt. Seitdem kommt es gehäuft zu Situationen, in denen mein Wissen und meine Erfahrung zu dieser Technologie immer öfter erfragt werden.

“Das Universum lauscht”, sprich es antwortet, wenn wir uns neu hinauswagen und wirklich unseren Weg gehen. Wir können auch sagen: Unser Unterbewusstsein oder unser Beweisführer hört uns und unseren Wünschen zu und wird uns in entsprechende Richtungen lenken. Der Sinn offenbart sich, so meine Erfahrung, mit jedem mutigen Schritt, den wir gehen – gerne auch sanft und sachte. Gelenkt von dem, was uns anspricht, können wir langsame und behutsame Veränderung bewirken. Ent-Wickeln ist vergleichbar mit einer Garnspule, bei der am Schluss nur der Kern, das Herz, übrigbleibt. Danke, Harry, für dieses wunderschöne und hilfreiche Bild!

Meine ätherische-Öle-Leidenschaft will auch immer mehr gelebt und geteilt werden. Hier Verbindungen zu schaffen – zur Yoga- und Meditationspraxis, zum Schreiben, zur bewussten Alltagsgestaltung – wird mir immer mehr zum Anliegen und zur Aufgabe.

Musik ist und bleibt mein mir und anderen dienliches Medium, durch welches Selbstwirksamkeit und –wert und tiefe Verbindung untereinander erfahren werden können. Immer öfter spüre ich: Es reicht auch, einfach da zu sein, präsent im jeweiligen Moment, lang und tief atmend, sich selbst in eine höhere Schwingung bringend, um andere zu erreichen und zu erheben. Letztere ist eine der für mich kostbarsten Erfahrungen, die ich im vergangenen Jahr machen konnte. In mir ist viel Optimismus, eine sehr positive Einstellung zum Leben. Mit dieser Haltung möchte ich sein und leben und liebend gern auch für andere da sein. Vorausgesetzt, ich finde mich in Situationen wieder, in denen ich einfach ich selbst sein kann, in denen niemand versucht, Kontrolle über mich zu haben. Als freier Geist, der es liebt, im Fluss des Lebens zu sein, ist mir dies besonders wichtig.

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, noch stärker als bisher zu den richtigen Dingen “ja” zu sagen und weiter meinem Bauchgefühl zu folgen. Was auch meins ist und sicher immer mehr werden wird: ganz unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, on- & offline, um ein starkes Feld zu schaffen, in welchem sich ehrlich und tiefgehend ausgetauscht werden kann.

Sicher werde ich mich noch “schonungslos ehrlicher” ausdrücken und meinem Instinkt auch für delikate persönliche und gesellschaftliche Themen folgen. Die Vergangenheit zeigte mir, dass ich einen ganz guten Riecher für Tabu- und Triggerthemen und auch neue Themen habe, in die ich andere immer wieder gerne einführe. Falls jemand schon einmal etwas vom Human Design System gehört hat – aufgepasst, jetzt wird’s abgefahren: Mir wohnt das sog. “Tor des Erregenden” inne, sprich die Gabe, Überraschungen zu bewirken.

Na dann, ich bin selbst gespannt.

Immer schöner lieben

Woher weiß ich, dass ich gerade liebevoll mit mir selbst umgehe? Ich spüre es. Mich macht es weit, frei, wohlig. Und ich es spüre es, wenn ich ehrlich bin, auch genau, wann dies nicht der Fall ist: Wenn ich über einen allerersten, körperlichen Impuls, ein klares Ja oder Nein, “drüber bürste” und mir mein Verstand etwas anderes einbläuen will.

Liebevoll mit mir selbst umgehen hat für mich damit zu tun, dass ich mich nicht schuldig fühle, wenn es mir gut geht oder ich Freude am Leben habe. Es zeigt sich dann, wenn ich mir das Recht zugestehe, glücklich zu sein, auch wenn die Menschen in meiner Umgebung gerade nicht so gut dran sind oder sich unglücklich fühlen. Wenn ich es schaffe, um Hilfe zu bitten – was mir nicht immer leicht fällt, so weiß ich: Dies ist ein Moment, in dem ich mir Liebe schenke.

Mein Bruder sagt, ich baue ihn immer so schön auf. Das mache ich von Herzen gern, und gleichzeitig erlaube ich mir auch, wenn er sich ein Telefonat mit mir wünscht, „Nein, heute nicht, doch gerne ein andermal“ zu erwidern. Das hätte ich mir vor einigen Jahren noch nicht zugestanden. Seine eigenen Bedürfnisse hin und wieder hintan zu stellen, sich in den Dienst für den anderen zu stellen, können wunderbare und wichtige Erfahrungen sein.

Ich finde, es wird dann unangemessen und sowohl für mich als auch den anderen schwierig, wenn ich aus einem Pflicht- oder Schuldgefühl heraus agiere oder weil mich jemand entsprechend beeinflusst hat. Wenn ich hingegen das, was ich für andere tue, freiwillig und freudig tue – aus einer liebevollen Haltung zu mir selbst heraus, nimmt Liebe exponentiell zu. Ich lerne: Ich kann nur geben, wenn ich aufgefüllt bin. Alles was ich an Überfüllung habe, kann ich dann rausgeben. So stelle ich mir immer wieder die Frage: „Was würde ich jetzt tun, in diesem Augenblick, wenn ich mich selbst wirklich lieben würde?“

Schöne, nackte Liebe erfahre ich, wenn ich mich aufrichtig für andere freue, wenn diese neue Seiten an sich entdecken oder in irgendeiner Form wachsen – und ich keine Angst habe, wie sich das auf mich auswirken könnte. Manchmal schäme ich mich im Nachhinein, wenn ich einer mir nahstehenden Person gegenüber missionarisch aufgetreten bin („Dieser oder jener Schritt könnte dir auch gut tun!“) – meist dann, wenn ich selbst noch am Einüben neuer Muster war und dabei eher mich als den anderen im Fokus hatte. Oder es tut mir im Nachhinein leid, wenn ich zu hart, zu kritisch, verletzend war oder bin.

Doch sich wirklich selbst lieben heißt: Erkennen, dass offenbar genau dieses Verhalten zum jeweiligen Zeitpunkt das richtige war. Dass es meistens – auch wenn oft erst zu einem späteren Zeitpunkt erkennbar – aus einer Haltung von Liebe heraus geschah. Es musste so sein! Entwicklung läuft keinesfalls linear, hin und wieder stoßen wir eine geliebte Person vor den Kopf. Während wir uns neu erproben, schlägt das Pendel manchmal zu stark in eine Richtung aus, was auch für das Umfeld irritierend oder unangenehm sein kann.

Lieben, sich und andere heißt: Immer weicher werden, mit mir und anderen. Verletzlichkeit zulassen. Tränen lassen. Etwas lösen. Im Kern heißt Lieben für mich: immer mehr lassen. Für den anderen das zu wollen, was dieser für sich will, und ihn sein lassen, wer er wirklich ist – selbst wenn das bedeutet, ihn frei zu geben. Es heißt nicht, dass wir versuchen, ihn nach unseren Vorstellungen zu formen. Je mehr ich dies erkenne und lebe, umso schöner und reicher werden meine Tage. Ich kann aus mir heraus, unabhängig der äußeren Irrungen und Wirrungen, glückselig sein. Diese Erfahrung ist Gold wert. Und auch wenn’s pathetisch klingt: Je offener ich bin, um zu empfangen, umso stärker schüttet das Leben sein Füllhorn über mich aus.

Wenn jemand anders dich drängen will, zu tun, was er sagt, dann mache dir klar, dass dahinter vor allem seine Ängste stehen. Wenn ich in der Vergangenheit den Rat erhielt, „Geh damit doch mal zum Arzt“, ich tief in mir jedoch wusste, dass dies nicht der passende Schritt für mich war, so ließ ich mich entweder überreden oder ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich den Besuch beim Arzt vermied. Heute könnte ich in entsprechender Situation den Rat beim andern lassen, mich bedanken, dass er sich um mich sorgt, und gleichzeitig mit reinem Gewissen den für mich passenden Schritt wählen.

Eine für mich wichtige Voraussetzung einer lebendigen Beziehung ist die Haltung von: „Ich habe bereits alles, was ich brauche.“ Ich mache mir immer wieder bewusst: Ich bin nicht für die Gefühle und das seelische Wohlbefinden anderer verantwortlich. Je freier, unabhängiger und zentrierter ich werde, desto einfacher wird es für mich auch, immer tiefer und schöner zu lieben.

Ich schließe mit einem Zitat von Yogi Bhajan, das aus meiner Sicht nochmal betont, dass wir auch Fehler machen (dürfen), wenn und während wir lieben:

Es gibt drei Dinge im Leben zu tun: Lieben, Lernen und Leben. Nur zu lieben reicht nicht  – Liebe ist nicht alles. Wenn du nicht lernst, kannst du nicht lieben – du wirst Fehler über Fehler machen und durch eine Neurose nach der anderen gehen. Liebe, lerne und lebe!”

An den Ergebnissen erkennst du deine Absicht

Heute möchte ich “außer der Reihe” auf meinen aktuellen compassioner-Artikel aufmerksam machen: Die Welt gibt dir Feedback. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Thema bei vielen Resonanz findet, daher teile ich ihn hier.

Das Leben schenkt uns unentwegt Feedback. Die Welt kann zu einem großen, lehrreichen Spiegel werden, wenn wir uns trauen, hineinzublicken und wenn wir bereit sind, niemanden außer uns selbst für die eigenen Lebensumstände verantwortlich zu machen.

Viel Freude & Erkenntnisse beim Lesen, eine schöne Herbstzeit und alles Gute!

Die Welt gibt dir Feedback

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