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Erlebtes & Belebendes

Kategorie: Lebenskunst-Texte Seite 1 von 10

An schlechten Tagen

Gestern kam mir ein Gedanke, den ich in meinem Facebook-Feld teilte:

Mir bekommt es nicht, mich jedem überall anzuvertrauen, wenn es mir nicht gut geht. Wenn die Scheiße gerade richtig am Dampfen ist. Ich in meinem Leid, meinem Drama sitze. Denn was oft passiert, wenn wir zu häufig, gegenüber vielen Menschen und „an überforderten Stellen kommunizieren, wenn es uns nicht gut geht“ (ich zitiere Transformations-Coach Petra Methner, aus unserem schriftlichen Austausch. Danke Petra!): Unser empfundenes Leid wird größer, erhält mehr Aufmerksamkeit, mehr Energie – respektive wird unbewusst durch die Aufmerksamkeit genährt. Hier frage ich mich: Wer hat was konkret davon?

Während ich vor Jahren noch dazu tendierte, mein Herz sehr auf der Zunge zu tragen, bin ich nun also deutlich vorsichtiger, wem ich mich anvertraue. Ich frage mich offen und ehrlich: Worum geht es mir gerade, was ist meine Absicht? Lange Zeit saß ich dem Irrglauben auf, es entspräche meinem Wert der Ehrlichkeit, der Wahrhaftigkeit, mich anderen möglichst vollständig mitzuteilen. Was ich jedoch oft spüren konnte: Mir ging es überhaupt nicht besser nach dem einen oder anderen Gespräch, nach einem: „Oh Gott, du Arme“! Das Negative, Schwierige hat für viele einen besonderen Reiz, ich nehme mich da nicht aus: Auch ich ertappe mich manchmal dabei, besonders sensationsgeil  zu sein, eine Diskussion, einen Disput mit lustvoller Erregung zu verfolgen. Vermutlich kennt das jeder – es hat eventuell damit zu tun, dass wir dabei sehr stimuliert, auch vom Eigenen abgelenkt werden.

Mittlerweile, da ich in erster Linie mir selbst gegenüber sehr ehrlich bin – und daraus resultiert auch die Ehrlichkeit gegenüber anderen – wähle ich bewusst, wo ich meinen Schmerz, meine Traurigkeit, meine Wut lasse. Das empfinde ich nicht mehr als unehrlich, sondern als einen wohlwollenden Akt der Selbstzuwendung.

Ich bin ein – viele würden sagen – sehr positiver Mensch: Mir gelingt es, auch auf schwierige, auf den ersten Blick aussichtslose Situationen positiv zu schauen, sprich den Situationen Lehrreiches, Gutes abzugewinnen – mögen sie noch so kompliziert sein. Mein Gegenüber mag das hin und wieder als schönredend, „das Negative ausblendend“, naiv betrachten. Auch ich selbst zweifle immer wieder an mir und meiner Wahrnehmung. Doch wenn ich auf mein Leben blicke, fällt mir auf, dass die Tage, die ich als schön, bereichernd, genussvoll erlebe, deutlich in der Mehrzahl liegen. Oder anders: Ich kann tatsächlich (fast) jedem Tag etwas Schönes abgewinnen.

Kontemplation ist eine Möglichkeit, mich in schwierigen Phasen zu navigieren. Mir helfen Yoga, meine Öle, Aufenthalt im Wald und viel Bewegung. Natürlich mag und schätze ich auch den Austausch mit anderen bewussten Menschen, die mich gut und tief kennen. Mir hilft es außerdem, mich meinem Mann, engen Freunden oder Familienmitgliedern anzuvertrauen, die um die Ecke denken können, meine Geschichte nicht mit ihrem eigenen Drama, das eventuell durch meine Schilderung berührt wird, verwechseln und mir dabei helfen, mit anderen Augen auf mich und meine Situation zu blicken. Auch möchte ich nicht unmittelbar Rat hören, sondern wünsche mir oft nur ein Ohr. Während wird aussprechen, was es in uns denkt und fühlt, gewinnen wir bereits Klarheit und mit ihr Heilung.

Es kann ebenso angemessen und stimmig sein, bestimmte sensible Themen – bei mir ist es zum Beispiel das Thema Familie, Erziehung, Muttersein – nur mit ausgewählten Menschen, die mich und meine kleine Familie schon lange begleiten, zu teilen. Es bringt mir nichts, die Konfliktpalette, die sich auch oft wiederholt und wiederholt, jedem unter die Nase zu reiben.

Fühl dich eingeladen, da mal genauer hinzuschauen und zu –spüren, was für dich stimmig ist, was du wem gegenüber teilst. In diesem Sinne, alles Liebe für deine Prozesse!

Vom Lästern und sich erheben

Heute vor drei Jahren habe ich innerhalb meiner Ausbildung zur Kundalini-Yoga-Lehrerin eine Präsentierstunde gegeben. Aufgeregt war ich damals. Gleichzeitig selig, freudig erregt, wissend: das wird. Es hat mich schon immer fasziniert – ob musizierend, Yoga praktizierend oder einfach seiend mit Menschen einen Raum der gemeinsamen Erfahrung zu teilen. Selbstverständlich macht jeder dabei seine ganz eigene Erfahrung, und gleichzeitig wird etwas geteilt und gemeinsam gestaltet.

Für mich gibt es nichts Schöneres, als alleine zu sein, den Dingen nachzugehen, die mich gerade rufen. Genauso liebe ich es, mit Menschen zu sein und Zeit zu verbringen, denen auch daran gelegen ist, eine schöne, entspannte Zeit zu haben. Da ich schon immer mir sehr unterschiedlichen Menschen in Kontakt war, da meine Familie ein unkonventioneller Haufen ist und ich wiederum sehr offen, wurde und werde ich auch gerne zu dritten, nicht anwesenden Personen befragt. Höflich wie ich lange Zeit war, habe ich fast reflexartig geantwortet. Mittlerweile habe ich eher Lust, mit den Anwesenden über das, was uns verbindet, was denjenigen selbst gerade umtreibt, zu sprechen. Ich spüre nun sehr genau hin: Will ich antworten, was ist meine Intention? Gerade, wenn’s etwas tratschiger, sensationsgeiler zugeht frage ich mich: Ist es wirklich notwendig, das jetzt zu teilen?

Vielleicht ergeht es dem einen oder anderen ähnlich. Natürlich kann es dem besseren Verständnis dienen, sich hin und wieder auch über andere auszutauschen. Das machen wir alle. Entscheidend ist für mich: Wie fühlt es sich an? Was macht es mit meiner Energie, mit der Energie im Raum? Erhebt es mich und uns, oder fängt es an, unruhig, eng, nervig zu werden? Das spür ich sehr genau. Und während ich früher um der (Schein-) Harmonie willen dennoch Rede und Antwort stand, wahre ich nun immer öfter meine Integrität und sage – je nachdem wie gut ich den anderen kenne – ach komm, es gibt Spannenderes. Lass uns über etwas anderes reden.

Auch im Internet-Äther – und hier besonders, da die Hemmschwelle sinkt – beobachte ich, wie schnell andere eine negative Bewertung raushauen. Wie schnell Frauen andere Frauen, die sich etwas Ungewöhnliches trauen oder erlauben zu teilen, diskreditieren. Viele scheinen es immer noch nicht auszuhalten, wenn andere sich aufrichten und sich trauen, sich groß zu zeigen. Dabei haben wir alle am meisten davon, wenn wir uns gegenseitig erheben, weder uns selbst noch andere deckeln. Worte haben eine starke Macht – es lohnt sich, sehr genau darauf zu achten, was du denkst, sprichst und was du hörst!

Anstelle also mit deinem Fokus, deiner Energie vermehrt nach außen zu gehen, prüfe doch lieber öfter, was genau sich gerade in dir abspielt! Wie sagte Bahar Yilmaz neulich so treffend in einem Video zum Lästern und zur Missgunst? Wir lästern, da wir nicht den Arsch in der Hose haben, mal Tacheles mit uns selbst zu reden.  Als Übung empfiehlt sie, eine Runde ordentlich über sich selbst und sein wohlmöglich langweiliges Leben zu lästern. Da ich weiß, dass schlecht über andere reden auch viel mit Angst zu tun hat, finde ich auch immer wieder schnell in mein Mitgefühl zurück.

Und an dieser Stelle zurück zum Anfang meines Textes: Mir ist es wichtig, dass Menschen sich in meiner Gegenwart in sich selbst hineinentspannen können – sowohl beruflich als auch privat ist das immer wieder Thema für mich. Ich liebe es, Räume von Geborgenheit und Nestwärme zu schaffen – mit viel Humor, so sein lassen, auch die Tiefen und Abgründe auslotend, sprich nichts ausklammernd. Bis ich jemanden mal so richtig ätzend finde, muss schon viel passiert sein. Da ich mich oft und stark mit meinen unterdrückten Aspekten auseinander setze, begegnen mir diese auch nicht mehr so oft – und vor allem mich nicht störend – im Außen.

Ich schließe meine Zeilen mit einem weiteren Zitat von Bahar aus besagtem Video:

„Lass dich selbst wieder in dein Herz hinein!“

Wo ich hin will

Gerad schau ich auf mein 2019 zurück und spüre nach: Was hat sich getan, ent-wickelt, verändert? Ich stelle fest: Ich lebe immer radikaler im Sinne von: an meiner Wurzel. Die Frage „Was würde ich tun, wenn ich nur noch xy Tage zu leben hätte?“ birgt die Schwierigkeit, dass wir uns in der Situation selbst, in der sich die Frage stellte, mit Sicherheit gänzlich anders fühlen würden, als wir jetzt glauben, dass wir uns fühlen. Abgesehen davon, dass es sicherlich keine Garantie für eine bestimmte, vorhersagbare Lebensdauer gibt. Vermutlich reduzierte sich unser Sein auf ein Sein, dass Meilen von unserer Vorstellungskraft entfernt liegt.

Und doch haben wir eine Ahnung, was für uns wirklich zählt, je länger wir hier auf Erden verweilen. Ganz oft blitzt eine solch‘ krasse Liebe in mir auf – zum Leben, meinen Lieben und Menschen im Allgemeinen – dass mich die Vorstellung, zumindest dieses Dasein hier irgendwann verlassen zu müssen, schmerzt. Ich liebe mein Leben sehr, ich liebe das, was sich durch mich ausdrücken will – schöpferisches, musikalisches Tun, Dienen mit meinen Werkzeugen Yoga und ätherischen Ölen, wertschätzende Räume der Geborgenheit kreieren. Was ich festgestellt habe: Je näher ich mir komme und mich ausdrücke, umso magnetischer werde ich auch. Je klarer ich bin, was ich leben will und je mehr ich mich lebe, umso mehr fühle ich mich als Pionierin für Ehrlichkeit und Offenheit – Qualitäten, die es meiner Ansicht nach dringend braucht in unserer Gesellschaft. Gerade in Zeiten von Digitalisierung, Selbstoptimierung und viel Fake.

Meine Schwester beschäftigt sich derzeit intensiver mit Astrologie und erzählte mir heute, 2020 sei eine Zeit, in der ich noch stärker als sonst ein Wissen, ein Gefühl dafür haben würde, was anderen gut tut – dem Zeitgeist entsprechend. Das resonierte stark bei mir, und ich dachte: Ja, das wird so sein, so kommen. Ich bin zum Beispiel sicher, dass immer mehr Menschen nach alternativen, sicheren, Körper, Geist und Seele vereinenden Wegen und Mitteln suchen werden, um in ihre Kraft zu kommen und Selbstermächtigung zu erfahren. Kundalini-Yoga und hochwertige ätherische Öle sind meine Werkzeuge, und ich glaube, ich werde diese Werkzeuge mit immer mehr Menschen teilen.

Ich habe Lust, sowohl kleine als auch große Bühnen zu betreten, mich auszuprobieren und andere auf eine schöne, mir entsprechende Weise dabei mitzunehmen, sie anzustecken. Ich habe Lust, jeden Tag neu zu sein. Und am nächsten Tag wieder zu entscheiden, neu zu sein. Wenn ich ganz klar für mich einstehe, mir erlaube, nicht nur etwas neu zu beginnen, sondern auch etwas abzuschließen – mich aus Gruppen oder unter Umständen auch Beziehungen zu verabschieden oder mich rar zu machen – öffnen sich meiner Erfahrung nach neue Türen: Mein Blog hat dieser Zeit eine deutlich höhere Besucherzahl als noch vor ca. einem Vierteljahr. Ich habe meinen Newsletter eingestellt und schreibe nur noch wann ich will, und das, was direkt aus mir herausströmt. Ich lege Ängste nach und nach ab, ob ich jemanden mit meinen Zeilen auf die Füße treten könnte oder nicht.

An guten Tagen, an denen ich mich versorgt und geführt fühle, ist dies ein leichtes für mich. Doch natürlich gibt es hin und wieder Zweifel, es gibt Rückschläge. Es stört mich nur weniger. Ich störe mich deutlich weniger.

Als ich kürzlich eine Kundalini-Yoga-Stunde für meine Kolleginnen an meiner Blindenschule gab, bedankte sich anschließend eine Teilnehmerin mit den Worten: „Du bist eine wunderbare Frau mit besonderer Aura.“ Ich fühlte mich sehr beschenkt und dankbar. Und dachte: Wir können uns alle so oft wie möglich gegenseitig erheben, uns Mut machen.

„Der erste Schritt besteht darin zu lernen, gute Schwingungen auszusenden. Werde ein Leuchtfeuer deiner Seelenkräfte und berühre unendlich viele Ufer.“

(Yogi Bhajan)

Auf und ab und vor allem tief

Mit dem Thema Grenzen habe ich mich schon oft und ausgiebig auseinander gesetzt. Ich entdecke hier immer Neues: Noch viel häufiger kann ich Grenzen setzen, wenn sie benötigt werden. Für ein „Nein“ glaube ich immer noch hin und wieder, mich rechtfertigen oder zumindest erklären zu müssen. Doch nein: Es ist vollkommen in Ordnung, nein zu sagen.

In den letzten Wochen und Tagen schaue ich nochmal genauer hin, wenn es darum geht, meine Zeit mir entsprechend zu gestalten und zu füllen. Auf meine erste Bauchreaktion kann ich mich stets verlassen. Oft bügelt mein Verstand jedoch über einen ersten Impuls hinweg („Ach, das kannst du doch machen, da freut sich der andere, „Das passt schon noch“). Menschen ticken schlicht unterschiedlich. Oder leben ein vollkommen anderes Leben als man selbst. Ich habe sehr liebgewonnene Menschen in meinem Feld, die einen komplett anderen Lebenswandel haben als ich: Manch eine hat irre viel Freizeit, wenig Pflichten. Das kann sie ja auch, doch ich selbst reagiere allergisch, wenn ich das Gefühl bekomme, jemand greift arg auf mich und meine Zeit zu – nicht berücksichtigend, dass mein Leben ganz andere Dinge und Aufgaben beinhaltet oder dass ich in jedem Moment nicht die Kraft habe, um dem Wunsch des anderen nachzukommen.

Ich neige dazu, viele Bühnen gleichzeitig zu bespielen, es möglichst für viele angenehm und schön zu machen. Diesen Zug möchte ich mir unbedingt erhalten, und dennoch muss ich erst selbst aufgefüllt sein, um zu geben. Ich spüre sehr schnell, wenn ein Kontakt sich als anstrengend und kompliziert gestaltet – insbesondere auch in meiner Arbeit mit den ätherischen Ölen. Gerne gebe ich Impulse raus und berate so gut ich kann, doch nimmt der andere zu viel meiner Zeit in Anspruch, setze ich eine Grenze. Die Öle-Arbeit ist ein wundervolles Übungsfeld in Sachen Persönlichkeitsentwicklung. Ich persönlich mag Worte, Zuschreibungen wie zum Beispiel „Energievampir“ oder „Zeitfresser“ nicht. Doch wenn uns diese Qualitäten begegnen, können wir besondere Achtsamkeit walten lassen.

Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, meinen Blog-Newsletter zu canceln. Bin hier meinem Gefühl gefolgt, es gab keine wirklich rationalen Gründe für diesen Schritt. Auch dazu möchte ich ermutigen: Wenn etwas für uns nicht mehr stimmt, sich nicht mehr richtig anfühlt, können wir es bleiben lassen. Wir müssen auch nicht stets wissen, was uns zu diesem oder jenem Schritt veranlasst. Es reicht oft ein schales Gefühl von „Das will ich nicht mehr“.

Mein Eindruck dieser Tage ist, dass viele Menschen durch tiefe, emotionale Prozesse gehen, die sie erneut mit sich und alten Wunden konfrontieren. Ich habe mir von astrologisch bewanderten Menschen sagen lassen, dass dieses Prozessieren auch Entsprechungen in der aktuellen Zeitqualität bzw. der momentanen Planetenkonstellation findet: Es scheint eine Zeit zu sein, in der wir stark gefordert sind, es emotional auf und ab und vor allem tief geht.

Oft lassen wir zu vieles in uns einströmen: Social Media, (An-)Fragen, Einladungen, Erwartungen anderer und vieles mehr. Diese Zeit fordert uns heraus, kristallklar zu werden und unsere ureigene Spur wieder aufzunehmen, sollten wir sie zwischenzeitlich verloren haben. Ich kann jeden Tag sehr bewusst starten und wirklich nur das angehen, was gerade Priorität hat. Was mich nicht ruft, lasse ich. Was ich will, tue ich. Wen ich treffen mag, treffe ich.

Nicht nur unseren Körper können wir reinigen, sondern auch unseren Geist und unser Seelisches können wir tagtäglich einem Reinigungsprozess unterziehen, in dem wir – seien es nur 3 oder 5 Minuten – täglich meditieren. Ich halte es für so enorm wichtig, sich sehr regelmäßig mit sich selbst hinzusetzen und nur zu spüren. Zu fühlen, was es gerad zu fühlen gibt. Das reicht meist schon, um wieder bei sich anzukommen. Uns nicht mehr Dienliches sollten wir aus unserem System entlassen, wenn wir weiter gehen und wachsen wollen.

Alles Gute für Euch & Eure Prozesse!

Ausdrücken was da ist

Immer mal wieder besucht mich mein Schatten. Auch auf die Gefahr hin, dass es in dem einen oder anderen nun denkt: „Jetzt schreibt sie schon wieder über Schatten!“ – das Thema ist so essentiell, für mich, für andere. Und ich glaube, es ist wesentlich für uns alle: Wir kommen nicht drum herum, uns ehrlich zu begegnen. Vor allem nicht, uns selbst in unseren Kellerräumen zu besuchen.

Soziale Medien sind eine äußerst interessante Spielwiese. Wir können uns hier auf mannigfache Weise begegnen: Wir können der Welt ein ganz bestimmtes Gesicht hinhalten, wir können uns jedoch auch sehr offen und verletzlich zeigen, wenn wir das wollen und den Mut dazu haben.

Mir sagte kürzlich ein sehr liebgewonnener Mensch, ich hätte eine starke Persönlichkeit, im positivsten Sinne“, und dadurch könne ich auch schnell angegriffen werden (Danke, Heidi!). Im Laufe der Jahre des Sich-mehr-Zeigens, Sich-und-seine-Stärken-Ausdehnens und auch des Selbstbestimmt-Lebens – hin und wieder auch Regeln, Konventionen, Tabus brechend – konnte ich feststellen, dass ich viel positive Resonanz erhalte, jedoch mir auch immer wieder Gegenwind entgegenbläst.

Veit Lindau spricht davon, dass die Angst vor Wirk-Kraft eine der Hauptblockaden auf dem Weg zum Erfolg darstellt: Es mag leichter und bekömmlicher erscheinen, sich, seine Meinung und auch sein Potenzial zurückzuhalten, als sichtbar und selbstbestimmt zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Denn Erfolg – in welchem Bereich auch immer – bedeutet auch, mehr Macht anzunehmen.

Wenn ich nun also stark und für mich einstehend auftrete, kann es passieren, dass manch einer mein Licht und meine Kraft verkleinern möchte – vielleicht, da er Verunsicherung spürt. Je mehr ich jedoch in die Selbstliebe komme und dadurch insgesamt viel Liebe in mir trage, umso weniger macht Gegenwind mir auch etwas aus. Verletzlich bin ich natürlich dennoch, bzw. meine Persönlichkeit, mein Ego, wenn man so will. Doch je öfter ich meine Gefühlswahrheiten (Danke, Harry!) ausdrücke, sprich dass was es in mir fühlt – gerade Angst ist so unangenehm! – umso besser lerne ich mich kennen. Ausdrücken was da ist – unabhängig der Konsequenzen, das ist der Schlüssel für wahrhaftige Kommunikation und Intimität. Meine Wahrheit kann so ans Licht kommen und tiefe Begegnung stattfinden.

Wie antwortet Ilan Stephanie, Autorin und Körperforscherin, so treffend auf die Frage: „Können wir kommunizieren, ohne zu verletzen?“ Dem Sinn nach sagt sie, nein, denn wir seien ja alle bereits verletzt – was uns davon abhält, unsere Wahrheit auszusprechen, sei die Angst, für diese angegangen, kritisiert zu werden. Weniger die Angst, den anderen zu verletzen. Wir kommen um die Punkte Verwundung, Verletztheit und jemanden verletzen können, verletzt werden können, nicht drum herum. Es ist nicht möglich, niemanden zu verletzen.

Und wenn wir uns nun also – ob analog oder digital – wirklich begegnen, kann es natürlich vorkommen, dass sich unser Schatten meldet. Es ist sogar mehr als wahrscheinlich. Ich spürte neulich Scham in mir aufkommen, als mir bewusst wurde, dass ich in einer Facebook-Korrespondenz, die dazu auch noch für alle sichtbar war, die „goldene Regel der Kommunikation“ missachtete und nicht mit einer Person, sondern gewissermaßen über diese sprach: Als ich Dinge zum Ausdruck brachte, die noch, ausgelöst durch unseren Austausch, in mir nachhallten und verarbeitet werden wollten – jedoch Dritten gegenüber. Auf die direkte Konfrontation mit der entsprechenden Person hingegen hatte ich keine Lust. Letzen Endes ist genau das mir klar geworden – ich ließ die Angst, als „falsch“, hinterlistig wahrgenommen werden zu können, Angst sein und fasste mir ein Herz: Ich nahm Kontakt auf und sagte alles, was es in mir dazu zu sagen gab. Das war gut. Befreiend uns sehr bereinigend, sicher für beide. Im Anschluss dachte ich: Wir haben alle Angst davor, mit diesen ganzen „unschönen“ und gleichzeitig so total menschlichen Eigenschaften gesehen zu werden. Lästern, tratschen, meckern, sich nicht mit Ruhm zu bekleckern – all dies ist nicht immer leicht in sich selbst zu erkennen und zu bejahen, oder anders: Wir lieben unsere Schokoladenseiten und das Zeigen selbiger. Verständlich. Doch ist das halt nur die halbe Wahrheit.

Noch ein wichtiger Hinweis zur Kommunikation – auch als Musiktherapeutin mache ich immer wieder diese Erfahrung: Wir kommunizieren hauptsächlich unterhalb von Worten. Entscheidend ist die Energie, mit der wir Dinge sagen. Wir erspüren sehr deutlich die Energie, die manchmal nicht zum Gesagten passt: So wird manch in der Tiefe passiv-aggressiver Ausdruck, manche Feindlichkeit unter Umständen geschickt mit Zucker übergossen. Wenn wir feinfühlig sind, enttarnen wir dies schnell und können dann entscheiden, ob und welche Energie wir in die Kommunikation stecken.

Vom Teilen und Heilen

Ihr Lieben, ein neuer compassioner-Artikel von mir ist online:

Es geht um den Zusammenhang von Teilen und Heilen: Wir können auf so vielen verschiedenen Wegen und Kanälen zur Genesung anderer beitragen: “Vom Helfen zum Dienen” , so brachte ein guter Freund und Astrologe (m)einen Weg, zu dem mich das Universum einlädt, auf einen Nenner. Ich spüre auch deutlich: Ja, passt.

Es macht mir zunehmend Freude, meine Gaben und meine Qualitätenenergetisch, über Musik, Worte, Kundalini-Yoga, ätherische Öle – zu teilen und andere dabei zu unterstützen, in ihre Kraft zu kommen und mutig ihres Weges zu gehen.

Mehr erfahrt Ihr hier:

Sein Herz in die Hand nehmen*

(* Redewendung “das Herz in die Hand nehmen” stammt aus einem persönlichen, mündlichen Austausch im April 2019 mit Heidi Weiss, karmischer Astrologin und Rückführungsleiterin).

Hin und wieder spür ich Widerstände und tu mich schwer, einen Text zu schreiben. Das hat auch damit zu tun, dass ich in meinen Zeilen immer ehrlicher werde, dadurch auch anecke oder jemanden in seiner “streng gehüteten “Truhe der Schatten” berühre” (Heidi Weiss, s.o.). Oder aber ich öffne selbst meine Truhe, was mir Angst macht.

Wieder einmal waren Heidi Weiss‘ Impulse mir in den vergangenen Wochen sehr dienlich. Überhaupt habe ich derzeit viele wunderbare Lehrer und Mentoren Harry, Ute, Ulrike, Regula, Sarah, Laura, Andrea, Bernarda, Tanja, Lidia, Eckhard, Karo, Olli, Tata – fühlt Euch angesprochen, ich danke Euch.

Manchmal berühren wir wie gesagt einen anderen in seiner gut gehüteten “Truhe der Schatten”. Das wiederum will der andere meist nicht, da dort all das Unbearbeitete liegt, das nicht gerne gezeigt wird. Derjenige, den ich in seiner Schattentruhe berührt habe, kann dies als Geschenk betrachten: Nähe und Intimität, der Mut, sich auch in den tiefsten Tiefen berühren zu lassen, fruchtbare Gespräche können folgen. Wenn jedoch aus dem Ego regaiert wird, kann es rasant in die Rechtfertigung, die Verteidigung, die Ablehnung gehen. Wie sagt Harry so treffend?

Jemand, der IN seinen Emotionen ist, ist oft unerreichbar. Das kenne ich auch: Es gibt Situationen, da treffen mich Menschen, oft sehr nahstehende, so unerwartet tief und schmerzhaft, dass ich sofort zurückschlage. Mittlerweile habe ich immer weniger Angst vor meinen dunklen Seiten, so dass ich mir die Zeit nehme, innzuhalten, zu atmen und vor allem: zu fühlen. Die Angst zu fühlen. Die Wut. Die Scham.

Die ultimative Herausforderung für Wachstum wartet in genau solchen Situationen, in denen der andere nicht erreichbar ist: Das und ihn so anzunehmen, wie er ist, nicht wie ich ihn mir wünsche, ist nicht leicht. Wenn wir uns wirklich begegnen wollen – in einer (Paar-) Beziehung, einer engen Freundschaft, so ist es unerlässlich, sich auch und gerade mit seinen Schattenseiten zu zeigen. Mit der eigenen Verletzlichkeit nach draußen zu gehen.

Gleichzeitig dürfen wir – und auch das finde ich wichtig – entscheiden, wem wir die Erlaubnis geben, in unserer “Truhe der Schatten” herumzustochern. Hier helfen uns Achtsamkeit mit uns selbst und Selbstverantwortung. Mein Körper-Geist-Seele-System ist sehr sensibel, wie mir immer mehr auffällt. Je mehr ich mich zeige, umso mehr spiegeln mir dies auch andere Menschen. Mit meiner hohen Sensibilität geht auch eine große Verletzlichkeit einher: Etwas in mir fühlt sich getroffen, vielleicht sogar gekränkt, wenn es sich nicht gesehen fühlt – in seiner Vewundbarkeit, seiner Tiefgründigkeit.

Heidi machte mir deutlich, dass nur das Ego, die Persönlichkeit – das wo wir Identität und Sicherheit erfahren – verletzt werden kann. Die Seele wiederum ist unberührt davon, kann nicht verletzt werden. Dieses Bild finde ich äußerst schön und hilfreich. So gelingt es mir in aufrührenden, emotionalen Momenten auch immer wieder, zu dem Teil in mir zurückkehren, der ruhig und liebevoll ist. Dann werde ich plötzlich ganz weich, leise, manchmal auch traurig. Doch im aufrichtigen Austausch sind unsere “schwachen”, weichen Gefühle genau die Qualitäten, die beide Kommunikationspartner zusammenführen, die Verbindung schenken.

Zurück zur hohen Sensibilität: Ich reagiere auch auf kritische Äußerungen sehr differenziert, gleichzeitig nehme ich alle Zwischentöne einer Botschaft fein wahr und muss dies alles zuerst stimmig sortieren und für mich einordnen. Da kann es vorkommen, dass ich entscheide, eine mir auffallende Unstimmigkeit nicht sofort verbal zum Ausdruck zu bringen. Auch dies ist möglich und in Ordnung: sich selbst Zeit zu geben zwischen wahrnehmen und handeln. Sich seiner selbst und der Situation bewusst zu werden. Zu wählen: Ich lasse das jetzt zunächst so. Früher habe ich Dinge und Themen in mir angestaut, bis sie sich manches Mal voller Ärgerenergie entluden – ganz zum Erstaunen und wiederum Ärger meiner Mitmenschen. Mittlerweile kann ich Dinge so klar für mich wahrnehmen, meinem Instinkt folgend, dass ich sie zu einem Zeitpunkt meiner Wahl auch ruhig und besonnen zur Sprache bringen kann, selbst wenn der andere dann dennoch ent-täuscht oder gar ärgerlich auf meine Worte reagieren mag.

Im Miteinander ist es wichtig, sich seiner Werte immer wieder bewusst zu werden und diese auch zu kommunizieren: Wenn ich auf Herzlichkeit und “Den-anderen-Erheben” stehe, so kann ich mir Menschen und Szenen suchen, die diese meine Werte teilen. Wenn der Ton, der bekanntlich die Musik macht, mir wiederum nicht zusagt, so kann ich mich auch aus diesem Kontakt lösen. Wie sagt Yogi Bahjan so schön? Wenn deine Gegenwart nichts bewirkt, bewirkt dein Wort auch nichts. Ich lerne mir immer mehr selbst zu vertrauen – meinen Gefühlen, meinen Körperreaktionen – und an das zu glauben, was sich für mich richtig anfühlt.

 Wie sich ein Mensch mir gegenüber verhält, sagt immer etwas über ihn aus, nicht über mich. Die Art, wie ich emotional darauf reagiere, das Gefühl, das dieses Verhalten in mir weckt, hat immer etwas mit mir zu tun, nicht mit dem anderen. Hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen und zu spüren, was gerade geschieht: Ob ich wohlmöglich auf einen anderen projiziere, oder ob ein anderer seine Thematik auf mich projiziert. Wenn letzteres der Fall ist, deute ich dies als Aufforderung an mich, diesen Menschen weiterhin mit den Augen der Liebe zu betrachten, sprich ihm Liebe im Geiste zu schenken. Was wir nicht tun brauchen: Uns einen verbalen Schlagabtausch liefern, uns in “Diskussionen” begeben, in denen wir uns gegenseitig die Worte im Munde verdrehen – dies führt meist zu nichts. Manchmal dürfen Dinge so stehen bleiben und (nach)wirken. Wenn Rechthaberei im Spiel ist, wird intimer Austausch schwierig, so meine Erfahrung. Das “Liebe-im-Geiste-Schenken”gelingt mir immer mehr, was mich sehr froh und dankbar stimmt – auch wenn es eine Herausforderung ist.

Das Schöne und Wertvolle an diesen Situationen, in denen es bei dem einen oder anderen heiß hergeht, ist: Wir wachsen buchstäblich über uns hinaus. Welcher mich treffende Satz begegnete mir kürzlich? ” Wahres Licht leuchtet da, wo wir unsere Dunkelheiten ins Herz schließen.” Wenn wir uns trauen, unser Herz im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand zu nehmen, werden wir vom Leben reich beschenkt.

Zur Ehrlichkeit und zum Loslassen

In den letzten Wochen durfte ich nochmal ein paar Ebenen tiefer gehen und mir erneut auf die Schliche kommen.
Ich danke insbesondere Heidi Weiss, die mir zahlreiche wertvolle Impulse schenkte und bei diesem Tieftauchen behilflich war.
In meinem neuesten compassioner-Artikel geht es um das Thema Ehrlichkeit und dem unterschiedlichen Umgang mit dieser.
“Wie umgehen mit Menschen, die mit den Werten Ehrlichkeit und Offenheit anders umgehen?” – u.a. dieser Frage bin ich auf den Grund gegangen.

Hier geht es zum Artikel.

Was wir zu tun und zu lassen haben

Wisst Ihr, was mich tierisch nervt? Wenn andere mich damit behelligen – und dies auf eine insistierende, dogmatische Art – was ich zu tun und zu lassen habe. Sicher habe auch ich einen kleinen Missionierer in mir sitzen, einen Weltverbesserer, eine Besser-Wisserin. Mein Mann spiegelt mir das ab und an – wiederum humorvoll und sehr differenziert, so dass ich es meistens gut nehmen kann.

Doch was ich höchstwahrscheinlich nicht oder selten mache: In schwarz-weiß-getönter Stammtisch-Manier anderen erzählen, wie sie doch besser und sinnvoller ihre Kinder erziehen sollten. Meine Mitmenschen davon überzeugen, warum es Sinn macht, ein, zwei oder drei Kinder zu haben. Oder keins. Ich halte mich insbesondere beim Thema Erziehung sehr zurück, da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie verdammt schwer das sein kann – insbesondere als jemand, der noch in internetfreien Zeiten groß geworden ist und Digitalisierung auch kritisch sieht. Was ich auch möglichst vermeide: Einem anderen verklickern, dass er doch bitteschön sein Kind auf diese oder jene Schule schicken sollte, die Vielfliegerei unterlassen oder seinen Fleischkonsum reduzieren oder möglichst gänzlich canceln darf. Problematisch ist auch die Kombination aus „gute Ratschläge verteilen“ und „wenig Empathie aufbringen, keinen Perspektivwechsel einnehmen können“. Da wird’s dann obernervig.

Natürlich macht vieles, was wir in uns denken, wie wir – ethisch – handeln, durchaus Sinn. Auch dürfen wir immer wieder Vorbild sein, liebevoll anstupsen, uns immer wieder neu entscheiden, uns der Umwelt möglichst zuträglich und ihr dienend zu verhalten. Doch es gibt so viele Themen, die den ganz individuellen Lebensstil, die Lebensmethode eines einzelnen oder eines Systems betreffen, wo wir uns meines Erachtens schlicht heraushalten sollten. Leben ist furchtbar komplex, und schnelle, sehr einfache Lösungen gibt es leider nicht immer, eher selten – je nach Kontext.

Ich bin davon nicht frei: Meinen zu wissen, was für mein Gegenüber oder ein System gut ist. In meinem Schatten sitzt ein Teil, der sehr hart und ungefragt auch mal Lebensstil und Verhaltensweisen eines anderen verurteilen kann. Zum Glück reflektiere ich sehr tief und gründlich, auch bin ich mir nicht zu schade, mich zu entschuldigen. Brenzligen, unangenehmen Situationen – sowohl jenen, in denen ich selbst jemanden vor den Kopf gestoßen habe, als auch jenen, in denen mir ein anderer etwas vor die Füße geworfen hat – spüre ich sehr genau nach.

Social Media ist voll von dummem Geschwätz und guten Ratschlägen. Sicher ist hier die Hemmschwelle, seinen Standpunkt in den Äther zu werfen, bei vielen herabgesetzt. Umso wichtiger, finde ich ist es, Worte sehr bedacht und bewusst zu wählen und genau zu schauen, was will ich sagen. Mich zu fragen: Kann ich mit meinen Worten, meinen Impulsen etwas Gutes tun, andere erheben, inspirieren? Oder gebe ich Mitmenschen und -lesenden eher ein schlechtes Gefühl oder Gewissen? Letzteres hilft meines Erachtens niemandem.

Ich gehe immer mehr dazu über, wirklich mein Leben zu leben. Unser Leben als Familie. Radikal zu leben. Mit den ganz eigenen Entscheidungen, einem eigenen Kodex. Es wird mir zunehmend gleich-gültig, ob andere das nun gutheißen oder nicht. Es muss für uns passen, für niemanden sonst. Wenn die eigenen Eltern sterben, ist neben der nicht enden wollenden Trauer, dem Vermissen auch ein Stück Befreiung eine mögliche Konsequenz: Die alten Rollen und Muster dürfen nun noch einmal mehr hinterfragt und abgelegt werden.

Im selben Zuge versuche ich möglichst, auch andere zu lassen. Sie ihr Leben – solange sie mir oder anderen nicht bewusst schaden – leben zu lassen. „Jedem Tierchen sein Plaisierchen“, wie meine Schwester so schön sagt. A propos Schwester: An ihr schätze und bewundere ich mitunter, wie mühelos es ihr gelingt, andere wirklich zu lassen. Ich glaub sie macht sich auch wenig negativen Kopp‘ um andere. Es juckt sie schlicht nicht, wenn ein anderer anders lebt als sie; ich habe sie sich so gut wie nie über andere auslassen, echauffieren oder gar lästern hören. Find ich großartig.

Kürzlich habe ich mit meinem Mann einen Wandertag in Nienburg an der Weser verbracht. Wir haben unseren Sohn so gut wie erstmals einige Stunden allein gelassen – in dem Wissen oder dem Glauben, dass er viel Zeit am PC verbringen wird. Etwas, wogegen wir gefühlt schon lange ankämpfen. Meistens richten wir uns nach ihm, gehen schwimmen, in die Trampolinhalle, drängen ihm einen Museumsbesuch auf und, und. Doch gestern wollten wir schlicht mal wieder genau das tun, was wir, als Paar, irre gerne tun, und was wir uns selten erlauben. Nicht immer lassen sich Kompromisse finden: Zu dritt loszuziehen hätte bedeutet, mit einem stinkstiefeligen, boykottierenden Jungen durch die Lande zu ziehen. Schon tausendfach erlebt. Nein, nun wollten wir es mal anders. Und ehrlich gesprochen: Es tat saugut.  Was wir uns wirklich wünschen: mehr Unterstützung – meistens sind wir diejenigen, die andere Kinder daheim aufnehmen – doch Tipps und gute Ratschläge können andere herzlich gern behalten.

In diesem Sinne: Lebt wirklich Euer Leben (jetzt habe ich auch einen Tipp;-)) und lasst andere.

“Ich fühle mich frei”

Heute erwartet Euch seit langem mal wieder ein Interview: Die wunderbare Yoga-Lehrerin und Yoga-Komikerin Patricia Jagatpal Kaur Legrand hat meine Fragen beantwortet, worüber ich mich irre freue.

Ich habe sie einfach so gern – als Mensch, Frau, Schwester, Wegbegleiterin, Inspirationspersönlichkeit. Für mich verkörpert Patricia eine Frau, die ich als stark, kraftvoll, echt und gleichzeitig fein, zärtlich und sehr hingebungsvoll erlebe. Genug der einleitenden Worte, lasst uns starten!

Liebe Jagatpal, liebe Patricia, mit welcher Anrede fühlst du dich gerad wohler?

Am wohlsten fühle ich mich, wenn Du mich mit dem Namen anredest mit dem DU Dich am wohlsten fühlst. Ich bin mit beiden Namen ins Reine gekommen. In der Öffentlichkeit bevorzuge ich PATRICIA, weil das für die meisten Menschen hier leichter ist zu merken, zu sagen und zu schreiben. Es ist mir unangenehm, wenn sich Leute nicht trauen mich direkt anzusprechen, weil sie nicht wissen, wie sie meinen Namen (also Jagatpal) aussprechen sollen… Sprache sollte dienen in Kontakt zu kommen.

Wer und wie bist du?

Ich bin.

Und ich bin Yogalehrerin und Yoga-Komikerin.

Wie: Ich fühle mich frei. Um in diesem angenehmen Zustand zu kommen und zu bleiben, ist es notwendig, dass ich mich täglich aufs Neue von den verrückten Affen in meinem Verstand befreie. Da hilft mir mein Talent für Comedy sehr.

Das glaube ich. Wir haben uns auf dem Frauen-Kundalini-Yoga-Camp im Herbst 2015 in der Lüneburger Heide kennen gelernt. Du bist mir gleich ins Herz gefallen. Ich fand dich auf eine wunderschöne Art direkt, geradeaus, echt, selbstbewusst und gleichzeitig unprätentiös. Sowohl deine Art, Yoga und Meditation anzuleiten als auch dein erfrischendes, so herrlich komisches Sein auf der Bühne haben mich tief berührt. Kannst du sagen, was dir derzeit mehr Freude macht: Yoga zu unterrichten oder als Comedian auf der Bühne zu stehen?

Beides ist für mich wichtig. Nach dem letzten Auftritt am 14.2 in der CD-Kaserne, hatte ich gleich am nächsten Tag am Vormittag ein Yogakurs für Senioren und es tat sehr gut dadurch auf dem Boden zu bleiben bzw. zu kommen. Und anders herum ist es genauso. Das Spüren der inneren Quelle durchs Yoga ist himmlisch und dann möchte ich diese Erfahrung auch auf die Erde bringen und die Freude verteilen.

Wie konkret bist du zur Yoga Comedy gekommen? Ehrlich gesprochen kannte ich den Begriff bis dato nicht.

Yoga-Comedy ist während der speziellen Yogaausbildung Karam Kriya entstanden. Dort geht es darum, die 5 Stimmen in einem wahrzunehmen und die entsprechenden 10 Energiekörper zu erkennen und zu trainieren. Das hat mir unheimlich geholfen mit den vielen Aspekten des Lebens klar zu kommen und sie positiv zu nutzen. Ein Surfbrett um auf den Wellen des Lebens zu schwimmen anstatt darin zu ertrinken. Und dadurch konnte ich klarer sehen, für was ich hier bin und dass da etwas in mir ist, das rauswollte und immer wieder raus will. Das Konzept von Yoga-Comedy ist ganz einfach: Ich habe ein Problem. Dieses mache ich richtig groß in dem ich alle Emotionen dazu fühle und mich da ganz hingebe, es auch übertreibe. Dann spüre und meditiere ich in mich hinein und warte. Und dann nehme ich den Laptop und fange an einen Sketch darüber zu schreiben. Und wenn ich ins Stocken komme, geht es wieder von vorne los. Und der rote Faden sind die Weisheiten aus dem Karam Kriya an denen ich mich orientiere und die ich fein dosiert auch auf die Bühne bringe.

Sehr spannende Herangehensweise. Ich find’s irre, deine Entwicklung zu beobachten: Ein paar deiner Auftritte habe ich ja nun auch begeistert verfolgt. Dein neues Programm, das du am Valentinstag in Celles CD-Kaserne dargeboten hast, hat mich nochmal schwer beeindruckt: Fand dich krass cool, ja auch professionell, authentisch, so voll da und präsent. Was bedeutet für dich Erfolg, auch wenn du deine eigene Entwicklung der letzten 5-10 Jahre anschaust?

Am Anfang, also vor 5 Jahren, habe ich mich selbst noch viel versteckt, bin mehr in verschiedene Rollen geschlüpft. Im letzten Jahr im Mai kam dann der entscheidende Hinweis von Willem Wittstamm auf dem Kundalini-Yoga-Festival in Oberlethe. Es ging um authentisch sein und die eigene Stimme finden und zeigen. Und dann habe ich mich endlich getraut pur auf die Bühne zu gehen. Und das ist etwas ganz anderes. Da habe ich viel mehr Herzklopfen. Es erfordert viel mehr Mut. Gleichzeitig ist es viel leichter, weil ich keine Rollen mehr üben muss, was sehr viel Arbeit macht und ich ziehe meinen Hut vor jeder Schauspielerin, die das kann. Ich persönlich bin mit meinem pure auf der Bühne sein bisher am erfolgreichsten.

Neulich schrieb mir eine liebgewonnene Bekannte, wir Frauen hätten um „Gleichberechtigung“ zu erreichen, dies lange Zeit leider in einer sehr männlichen Energie getan. Nun sei es Zeit, in ein Gleichgewicht vom Männlichen und Weiblichen in uns allen, Männern wie Frauen, zu kommen. Aus Sicht einer Frau: Was glaubst du, brauchen wir Frauen heute mehr denn je, was tut uns gut?

Unsere Bedürfnisse ernster nehmen (egal ob Mann oder Frau) und genau fühlen, was will ich wirklich. Und damit lernen zu unterscheiden, was tut mir gut und wo erfülle ich nur irgendwelche Vorstellungen oder folge einem Muster. Das ist eine tägliche Herausforderung und ich persönlich schaffe das ohne regelmäßiges Kundalini-Yoga nicht so gut.

Das versteh ich – auch ich brauche meine regelmäßige Praxis. Verrätst du uns einen deiner großen Träume?

Mit meinem Yoga-Comedy tausende von Menschen zu erreichen und sie zu unterstützen, sich selbst zu initiieren.

Ich danke dir von Herzen für diesen wunderbaren Austausch!

Ich danke Dir für Deine wunderbaren Fragen, sie haben mich sehr zu positiver Selbstreflexion angeregt. Danke DIR!

Und hier geht’s zu Jagatpal:

https://www.yoga-comedy.de/

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