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Erlebtes & Belebendes

Kategorie: Lebenskunst-Texte (Seite 1 von 9)

Mich um meine Angelegenheiten kümmern


Die fremde Baustelle ist unglaublich attraktiv: Das, was der andere alles falsch macht – bitte besser, grundsätzlich anders, im besten Fall meinen Vorstellungen entsprechend machen könnte, lässt sich schnell benennen. Ich glaube, die meisten von uns sind sehr pfiffig darin zu erkennen, was beim anderen schlicht schief läuft. Da nehme ich mich nicht aus.

Gleichzeitig bin ich ein großer Freund der Selbstreflexion: Ich werde nicht müde, mir meine Baustellen sehr genau anzuschauen. Für mich heißt das, in meine Unterwelten abzutauchen, mir all das Unerwünschte, Unangenehme, Kleingeistige, Beschämte genauso anzuschauen wie meine lichtvollen Seiten. Alles kommen und da sein zu lassen. Ich liebe es, Menschen anzustecken, sich auch in der Tiefe zu begegnen. Und natürlich darf ich auch aufpassen, hier nicht missionarisch zu werden.

Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich mir das genaue Hinschauen auch von meinem Gegenüber wünsche, insbesondere von Menschen, die mir nah stehen. Dann denkt es in mir – und manchmal spreche ich es auch aus: „Ich will, dass du das jetzt endlich mal siehst.“ Einem anderen Teil von mir ist vollkommen klar, dass das Ganze so nicht funktioniert: Ich kann vom anderen schlicht nicht erwarten und schon gar nicht fordern, dass dieser bitte auch an sich arbeiten möge, in welcher Form auch immer. Auch ist und bleibt meine Sicht der Dinge eben meine Sicht der Dinge, nicht mehr und nicht weniger. Ich kann nur meine eigenen Themen bearbeiten und mit meinem liebenden Beispiel vorangehen bzw. meinen Weg fortsetzen.

Was kann ich noch tun? An dieser Stelle möchte ich sehr herzlich Gestalttherapeutin Andrea Löffler danken, deren Fragen und sehr feines Hinspüren mich immer wieder lehren, mein eigenes Gewahrsein feiner und feiner zu schulen. Auch mein Austausch mit Astrologin Bernarda Schmid und Emotionshebamme Lidia Schladt hat mich tief und nachhaltig bewegt. Danke Euch! Ja, was kann ich also tun? Meistens: nichts. Im Sinne von: mich hingeben, mich dort hineinentspannen, wo es sich gut anfühlt. Geduld haben, mit mir und anderen. Sanft sein und bleiben.

Was mir auch hilft (danke, Andrea!): Immer wieder zu mir zurückkehren, mich zu fragen: Was genau macht es mit mir, wenn der andere sich – aus meiner Sicht – seine Themen nicht anschaut, sich nicht ganz zeigen oder sich nur von seinen Schokoladenseiten zeigen mag? Was geht da in mir vor? Erinnert mich dieses Erleben an eine alte Ohnmacht, die ich nicht nochmal fühlen will? Oder habe ich vielleicht Verlustängste, wenn ich weiter ziehe, den anderen auf meinem Weg nicht mehr mitnehmen kann? Für uns beide eventuell unterschiedliche Wege vorgesehen sind?

Was mir persönlich wichtig ist – und ich weiß mit meiner Klarheit mache ich mir nicht nur Freunde: keine Feigheit vor dem Freund zu haben. Ein schwieriger Grad: meinen Werten Ehrlichkeit und Klarheit treu zu bleiben und gleichzeitig den anderen so zu lassen, wie er ist: Unter Umständen möchte mein Gegenüber, dass alles „beim Alten bleibt“, sowohl sich selbst als auch unsere Beziehung betreffend. Mein Wunsch nach Mich-Entwickeln und Verändern – nicht weil das im Außen so erwartet wird, sondern weil ich es will – kann sich also sehr wohl beißen mit der Art und Weise, wie der andere tickt.

Auch wenn es für viele sicher ein alter Hut ist: Mir bleibt nur, meiner eigenen inneren Stimme zu trauen und dieser zu folgen. Wie Gabby Bernstein so schön sagt: „Kümmere dich um deine Angelegenheiten und sei das Licht!“ (aus: Judgement Detox). Im Yoga heißt es, wir brauchen nur 9 Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen. In den meisten Fällen wissen wir sehr genau, was wir wollen und brauchen, was uns gut tut und was nicht. Die Antwort schmeckt uns selbstverständlich nicht immer, doch wenn wir ehrlich sind, ist uns sehr wohl bewusst, was gerade ansteht. Das „In-9-Sekunden-Entscheiden“ gilt natürlich nicht für die Frage, wie genau wir mit langjährigen Verbindungen umgehen können, doch was ich sagen will:

Wir können jeden Tag Integrität und Uns-Stärken kultivieren. Wir können unseren Weg jeden Tag, Schritt für Schritt, in unsere Richtung fortsetzen. Ob gemeinsame Wege dann weiter führen, kurz- oder mittelfristig ausgesetzt werden oder sich  ganz trennen, das wird sich meines Erachtens zeigen, wenn wir uns treu bleiben und unserer Spur folgen. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Auch ist es in Ordnung, wenn einst sehr enge Kontakte auch mal weniger eng sind: Wenn es beiden gelingt, sich so zu lassen, kann auch die nun kleinere Schnittmenge geteilt werden.

So lerne ich also immer wieder von neuem: Lieben bedeutet für mich, das für den anderen zu wollen, was dieser für sich will. Ihn sein zu lassen, wer er wirklich ist – selbst wenn das bedeutet, ihn frei zu geben. Es geht nicht darum, den anderen nach unseren Vorstellungen zu formen. Manchmal, wenn ich nicht weiter weiß, hilft es auch, meine Angelegenheiten einer höheren Macht zu übergeben.

Ent-Wickeln, wie bei einer Garnspule

Ihr Lieben da draußen, ich wünsche Euch einen wunderbaren, klaren Start in dieses noch so frische Jahr! Möget Ihr es in Eurem Sinne beginnen. Ich selbst starte mit Neugier und Freude, spüre ich.

Lange habe ich hier keinen Text mehr in Artikel-Länge veröffentlicht. Mir war eher danach, im “wahren” Analog-Leben und auch auf Facebook in einen lebendigen, mich weiterbringenden Austausch zu kommen. Oft verhält es sich ja auch so, dass sich in äußerlich stilleren, mal anders als sonst gestalteten Phasen sehrwohl einiges tut.

So habe ich für mich noch klarer feststellen können, dass ich nicht “nur” mit Schriftzeilen zum bewussteren, mutigen Leben anstecken, sondern auch weitere “Seins-Formen” und Kanäle nutzen kann, um mich auszudrücken und zu verschenken: Im Herbst habe ich angefangen, Kundalini Yoga zu unterrichten, was mir erstaunlich viel Freude macht und mich zutiefst erfüllt. Seitdem kommt es gehäuft zu Situationen, in denen mein Wissen und meine Erfahrung zu dieser Technologie immer öfter erfragt werden.

“Das Universum lauscht”, sprich es antwortet, wenn wir uns neu hinauswagen und wirklich unseren Weg gehen. Wir können auch sagen: Unser Unterbewusstsein oder unser Beweisführer hört uns und unseren Wünschen zu und wird uns in entsprechende Richtungen lenken. Der Sinn offenbart sich, so meine Erfahrung, mit jedem mutigen Schritt, den wir gehen – gerne auch sanft und sachte. Gelenkt von dem, was uns anspricht, können wir langsame und behutsame Veränderung bewirken. Ent-Wickeln ist vergleichbar mit einer Garnspule, bei der am Schluss nur der Kern, das Herz, übrigbleibt. Danke, Harry, für dieses wunderschöne und hilfreiche Bild!

Meine ätherische-Öle-Leidenschaft will auch immer mehr gelebt und geteilt werden. Hier Verbindungen zu schaffen – zur Yoga- und Meditationspraxis, zum Schreiben, zur bewussten Alltagsgestaltung – wird mir immer mehr zum Anliegen und zur Aufgabe.

Musik ist und bleibt mein mir und anderen dienliches Medium, durch welches Selbstwirksamkeit und –wert und tiefe Verbindung untereinander erfahren werden können. Immer öfter spüre ich: Es reicht auch, einfach da zu sein, präsent im jeweiligen Moment, lang und tief atmend, sich selbst in eine höhere Schwingung bringend, um andere zu erreichen und zu erheben. Letztere ist eine der für mich kostbarsten Erfahrungen, die ich im vergangenen Jahr machen konnte. In mir ist viel Optimismus, eine sehr positive Einstellung zum Leben. Mit dieser Haltung möchte ich sein und leben und liebend gern auch für andere da sein. Vorausgesetzt, ich finde mich in Situationen wieder, in denen ich einfach ich selbst sein kann, in denen niemand versucht, Kontrolle über mich zu haben. Als freier Geist, der es liebt, im Fluss des Lebens zu sein, ist mir dies besonders wichtig.

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, noch stärker als bisher zu den richtigen Dingen “ja” zu sagen und weiter meinem Bauchgefühl zu folgen. Was auch meins ist und sicher immer mehr werden wird: ganz unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, on- & offline, um ein starkes Feld zu schaffen, in welchem sich ehrlich und tiefgehend ausgetauscht werden kann.

Sicher werde ich mich noch “schonungslos ehrlicher” ausdrücken und meinem Instinkt auch für delikate persönliche und gesellschaftliche Themen folgen. Die Vergangenheit zeigte mir, dass ich einen ganz guten Riecher für Tabu- und Triggerthemen und auch neue Themen habe, in die ich andere immer wieder gerne einführe. Falls jemand schon einmal etwas vom Human Design System gehört hat – aufgepasst, jetzt wird’s abgefahren: Mir wohnt das sog. “Tor des Erregenden” inne, sprich die Gabe, Überraschungen zu bewirken.

Na dann, ich bin selbst gespannt.

Immer schöner lieben

Woher weiß ich, dass ich gerade liebevoll mit mir selbst umgehe? Ich spüre es. Mich macht es weit, frei, wohlig. Und ich es spüre es, wenn ich ehrlich bin, auch genau, wann dies nicht der Fall ist: Wenn ich über einen allerersten, körperlichen Impuls, ein klares Ja oder Nein, “drüber bürste” und mir mein Verstand etwas anderes einbläuen will.

Liebevoll mit mir selbst umgehen hat für mich damit zu tun, dass ich mich nicht schuldig fühle, wenn es mir gut geht oder ich Freude am Leben habe. Es zeigt sich dann, wenn ich mir das Recht zugestehe, glücklich zu sein, auch wenn die Menschen in meiner Umgebung gerade nicht so gut dran sind oder sich unglücklich fühlen. Wenn ich es schaffe, um Hilfe zu bitten – was mir nicht immer leicht fällt, so weiß ich: Dies ist ein Moment, in dem ich mir Liebe schenke.

Mein Bruder sagt, ich baue ihn immer so schön auf. Das mache ich von Herzen gern, und gleichzeitig erlaube ich mir auch, wenn er sich ein Telefonat mit mir wünscht, „Nein, heute nicht, doch gerne ein andermal“ zu erwidern. Das hätte ich mir vor einigen Jahren noch nicht zugestanden. Seine eigenen Bedürfnisse hin und wieder hintan zu stellen, sich in den Dienst für den anderen zu stellen, können wunderbare und wichtige Erfahrungen sein.

Ich finde, es wird dann unangemessen und sowohl für mich als auch den anderen schwierig, wenn ich aus einem Pflicht- oder Schuldgefühl heraus agiere oder weil mich jemand entsprechend beeinflusst hat. Wenn ich hingegen das, was ich für andere tue, freiwillig und freudig tue – aus einer liebevollen Haltung zu mir selbst heraus, nimmt Liebe exponentiell zu. Ich lerne: Ich kann nur geben, wenn ich aufgefüllt bin. Alles was ich an Überfüllung habe, kann ich dann rausgeben. So stelle ich mir immer wieder die Frage: „Was würde ich jetzt tun, in diesem Augenblick, wenn ich mich selbst wirklich lieben würde?“

Schöne, nackte Liebe erfahre ich, wenn ich mich aufrichtig für andere freue, wenn diese neue Seiten an sich entdecken oder in irgendeiner Form wachsen – und ich keine Angst habe, wie sich das auf mich auswirken könnte. Manchmal schäme ich mich im Nachhinein, wenn ich einer mir nahstehenden Person gegenüber missionarisch aufgetreten bin („Dieser oder jener Schritt könnte dir auch gut tun!“) – meist dann, wenn ich selbst noch am Einüben neuer Muster war und dabei eher mich als den anderen im Fokus hatte. Oder es tut mir im Nachhinein leid, wenn ich zu hart, zu kritisch, verletzend war oder bin.

Doch sich wirklich selbst lieben heißt: Erkennen, dass offenbar genau dieses Verhalten zum jeweiligen Zeitpunkt das richtige war. Dass es meistens – auch wenn oft erst zu einem späteren Zeitpunkt erkennbar – aus einer Haltung von Liebe heraus geschah. Es musste so sein! Entwicklung läuft keinesfalls linear, hin und wieder stoßen wir eine geliebte Person vor den Kopf. Während wir uns neu erproben, schlägt das Pendel manchmal zu stark in eine Richtung aus, was auch für das Umfeld irritierend oder unangenehm sein kann.

Lieben, sich und andere heißt: Immer weicher werden, mit mir und anderen. Verletzlichkeit zulassen. Tränen lassen. Etwas lösen. Im Kern heißt Lieben für mich: immer mehr lassen. Für den anderen das zu wollen, was dieser für sich will, und ihn sein lassen, wer er wirklich ist – selbst wenn das bedeutet, ihn frei zu geben. Es heißt nicht, dass wir versuchen, ihn nach unseren Vorstellungen zu formen. Je mehr ich dies erkenne und lebe, umso schöner und reicher werden meine Tage. Ich kann aus mir heraus, unabhängig der äußeren Irrungen und Wirrungen, glückselig sein. Diese Erfahrung ist Gold wert. Und auch wenn’s pathetisch klingt: Je offener ich bin, um zu empfangen, umso stärker schüttet das Leben sein Füllhorn über mich aus.

Wenn jemand anders dich drängen will, zu tun, was er sagt, dann mache dir klar, dass dahinter vor allem seine Ängste stehen. Wenn ich in der Vergangenheit den Rat erhielt, „Geh damit doch mal zum Arzt“, ich tief in mir jedoch wusste, dass dies nicht der passende Schritt für mich war, so ließ ich mich entweder überreden oder ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich den Besuch beim Arzt vermied. Heute könnte ich in entsprechender Situation den Rat beim andern lassen, mich bedanken, dass er sich um mich sorgt, und gleichzeitig mit reinem Gewissen den für mich passenden Schritt wählen.

Eine für mich wichtige Voraussetzung einer lebendigen Beziehung ist die Haltung von: „Ich habe bereits alles, was ich brauche.“ Ich mache mir immer wieder bewusst: Ich bin nicht für die Gefühle und das seelische Wohlbefinden anderer verantwortlich. Je freier, unabhängiger und zentrierter ich werde, desto einfacher wird es für mich auch, immer tiefer und schöner zu lieben.

Ich schließe mit einem Zitat von Yogi Bhajan, das aus meiner Sicht nochmal betont, dass wir auch Fehler machen (dürfen), wenn und während wir lieben:

Es gibt drei Dinge im Leben zu tun: Lieben, Lernen und Leben. Nur zu lieben reicht nicht  – Liebe ist nicht alles. Wenn du nicht lernst, kannst du nicht lieben – du wirst Fehler über Fehler machen und durch eine Neurose nach der anderen gehen. Liebe, lerne und lebe!”

An den Ergebnissen erkennst du deine Absicht

Heute möchte ich “außer der Reihe” auf meinen aktuellen compassioner-Artikel aufmerksam machen: Die Welt gibt dir Feedback. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Thema bei vielen Resonanz findet, daher teile ich ihn hier.

Das Leben schenkt uns unentwegt Feedback. Die Welt kann zu einem großen, lehrreichen Spiegel werden, wenn wir uns trauen, hineinzublicken und wenn wir bereit sind, niemanden außer uns selbst für die eigenen Lebensumstände verantwortlich zu machen.

Viel Freude & Erkenntnisse beim Lesen, eine schöne Herbstzeit und alles Gute!

Die Welt gibt dir Feedback

Geschichten über mich und andere

Ich beschäftige mich dieser Tage intensiver mit dem Possibility Management. Dieser Ansatz kann dir dabei helfen, ungewohnt neuartig zu denken und Veränderungen zu initiieren. Es gibt die Möglichkeit, für sich selbst die sog. SPARKs – Übungen bzw. Experimente – zu machen, oder an mehrtägigen, transformatorischen Trainings teilzunehmen. Heute möchte ich zwei SPARKs vorstellen, die sich der Thematik Beziehung und Entwicklung in Beziehungen widmen.

Los geht’s:

“Du kannst verändern, wer du bist, indem du die Geschichten anderer Menschen über dich veränderst.”

Das fand ich spannend und fragte mich: Wie geht das? Eine Überlegung vorweg, vielleicht kennt Ihr das auch: Ihr seid der Meinung, ihr hättet eine bestimmte Entwicklung vollzogen, ein spezielles immer wieder kehrendes Thema nun endlich durchgekaut und verdaut, und dennoch begegnet Euch im Außen immer noch derselbe Käse – in Form von den gleichen unerwünschten Situationen und Reaktionen Eurer Mitmenschen. Der Beweis, dass du dich tatsächlich geändert hast, wird sich darin zeigen, dass andere Menschen auch anders auf dich reagieren. So liegt es an dir selbst, zu ändern, auf welche Weise dich deine Mitmenschen wahrnehmen, indem du die Geschichten veränderst, die sie über dich erzeugen. Um die Geschichten über dich zu verändern, musst du deinen Mitmenschen nun also neue Beweise liefern, und hierfür ist es erforderlich, dass du einige Eigenschaften deines Wesens wirklich änderst.

Ich erinnere mich an ein gemeinsames Essen mit meiner Herkunftsfamilie im Sommer 2016, als ich auf meinen Erfolg – es erschien gerade mein erster Artikel im Online-Magazin compassioner – anstoßen wollte. Allein das Wort “Erfolg” hat die eine oder andere Irritation hervorgerufen. Erfolg ist kein Begriff, der in meiner Familie oft benutzt wurde, oder anders: Auf Erfolg im engeren Sinn – Karriere, materieller Natur – wurde nie sonderlich großen Wert gelegt. Auch wenn ich mich noch etwas ungelenk fühlte beim Heben meines Glases, so war es doch ein schöner, spielerischer Moment, der seine Wirkung zeigte. A propos spielerisch: Du denkst vielleicht, hm, Wesenseigenschaften ändern, gar nicht so leicht, bin ich denn dann noch authentisch? Sieh das Ganze doch als bewusstes Theater, sprich zeig dein neues Verhalten als Theater – zum Zweck deiner eigenen Entwicklung. Das denke ich immer mehr: Warum oft so bierernst und immer gleich? Mir macht es Spaß, mit Rollen und Erwartungen zu spielen und nicht immer dasselbe Verhalten an den Tag zu legen. Im Possibility Management heißt es, du musst dich dazu verpflichten, eine Wesenseigenschaft zu verändern.

Mittlerweile reagiert mein Umfeld ganz eindeutig anders auf mich als noch vor 2,3 Jahren: Bestimmte Kontakte schlafen, andere sind von meinem Radar verschwunden, neue Menschen sind hinzugekommen, einige Verbindungen zu schon lange bestehenden, liebgewonnenen Menschen sind deutlich tiefer und intensiver geworden. Auch werden andere Themen und Fragen an mich herangetragen, ich werde viel öfter zu mir wirklich am Herzen liegenden Themen befragt, so z. B. zum Kundalini-Yoga und zu meinen ätherischen Ölen.

Hier ein Vorschlag, ein Experiment zu wagen: Du kannst bei einem Verhalten, das du ablegen möchtest, genau das gegenteilige Verhalten an den Tag legen und im Alltag mit Situationen spielen. Natürlich bedeutet das anfangs Herzklopfen und gefühlt eine große Risikobereitschaft, doch es beinhaltet starkes Transformationspotenzial. Laut sein wo du sonst leise bist. Sprechen wenn du normalerweise in der Zuhörerrolle bist. Bewusst nicht lächeln, wenn dir nicht danach ist und du es für gewöhnlich tust.

Der andere SPARK, der mich umtrieben hat die vergangenen Tage, lautet:

“Du kannst Menschen verändern, indem du deine Geschichten über sie veränderst.”

Mindestens genauso interessant. Auch das kennen wir sicherlich alle: Wir erzählen uns – in Form eines inneren Monologes oder auch im Austausch – stets dieselben Geschichten über Menschen, die wir gut zu kennen glauben. Wir stecken Menschen mit Vorliebe in Schubladen und sind oft viel zu bequem, um sie dort wieder herauszuholen – selbst wenn es noch so offensichtlich ist, dass es hier Neues zu entdecken gibt. Wir halten diese immergleichen Geschichten, die wir über andere erzählen, für wahr. Sprich die Art, wie ich eine andere Person erlebe, wird zwangsweise über meine Geschichten über diese Person beschränkt. Wenn wir davon ausgehen, dass JEDE Geschichte, die ich erfinde, auch als “wahr” bewiesen werden kann, so kann ich auch neu erfinden, wie Menschen sind, indem ich Geschichten neu erfinde, die ich über sie erzeuge. Klingt erstmal schräg und wirft Fragen auf. Doch auch mit diesem Ansatz lässt sich kreativ und spielerisch experimentieren, ohne dass ich mir untreu werden muss. Indem ich Beweise finde, mit denen ich eine neue Geschichte über jemanden stütze, ist diese Person verändert!

Gerade über Menschen, über die ich Geschichten erfunden habe, die tendenziell negativ besetzt sind, kann ich nun beginnen, Neues zu erzählen. Ich kann neue Aspekte am anderen beobachten und bemerken und wiederholt diese neuen Geschichten – auch Dritten gegenüber – erzählen. In diesem Prozess verändert sich auch meine innere Wahrnehmung. Ich habe mir vorgenommen, Menschen immer wieder neu zu sehen – ich glaube, das wird meinem Gegenüber zum einen gerechter, wenn wir bedenken, dass Menschen komplexe und auch widersprüchliche Wesen sind; zum anderen erhebe und ermächtige ich uns beide, wenn ich den anderen in seiner Größe und Vielfalt betrachte.

Wer Lust hat, mehr zu experimentieren, den möchte ich herzlich dazu einladen – ich mache mit und freue mich über Austausch!

Sich und seinen Fokus schützen

Kundalini-Yoga hilft mir enorm, in meinem Alltag einen Anker und Fokus zu finden. Es ist interessant zu beobachten, wie überreizt und übererregt sich heutzutage viele Menschen durch’s Leben bewegen. Mich selbst oft eingeschlossen. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, während dieser Beobachtungen, wenn es mir also bewusst wird, erst recht langsam zu werden, innerlich zu lächeln oder aufmunternd in ein gestresstes oder ängstliches Gesicht zu schauen.

Letzteres kann nicht jeder nehmen, manch einer reagiert irritiert oder überfordert – suchen wir meiner Erfahrung nach, und ich vermute auch evolutionär bedingt, doch stets nach gleich-schwingenden Emotionen. Die meisten Menschen freuen sich jedoch über ein Lächeln und werden für einen Moment wieder aufmerksam und wach, so mein Erleben.

Wir alle tragen Wunden und Entwicklungstraumata in uns, so dass unsere Selbstregulationsfähigkeit natürlich oft zu wünschen übrig lässt. Wir brauchen heute mehr denn je ein starkes, schwingungsfähiges Nervensystem, das sich flexibel an die herausfordernden Begebenheiten des Lebens anpassen kann. Starke Nerven bedeuten auch, eine starke Aura bzw. Ausstrahlung zu haben, die sowohl von anderen wahrgenommen wird als auch uns selbst zugute kommt, um uns sicher und aufgerichtet zu fühlen.

Kundalini-Yoga ist hier prädestiniert, außerdem hilfreich sind andere Entspannungsverfahren, Spaziergänge oder ätherische Öle, die mich tagtäglich unterstützen. Gerade wenn wir uns in Zeitdruck, Arbeitsstress und Informationsflut eingespannt fühlen, uns der tägliche Spielraum für die freie Entfaltung minimal erscheint, brauchen wir Handwerkszeuge, um wieder in Kontakt mit uns, unserem Körper, unseren Gefühlen und den uns wichtigen Zielen zu gelangen.

Dennoch bin auch ich oft überreizt: Dann greife ich vemehrt zum Smartphone, spüre innere Unruhe, auch Orientierungslosigkeit. Im Sommerurlaub auf der Schwäbischen Alb konnte ich beobachten, dass es mir oft schwerfiel, eine lange Zeit nur analog unterwegs zu sein. Der Grad zwischen “sich von anderen inspirieren lassen”, beispielsweise via Facebook, und dem “Sich-Verlieren-im Mitteilungsstrom” ist schmal. Wenn ich meinen Körper als erfahrenes, weises Instrument zur Selbsterkenntnis nutze und diesem vertraue, kann ich sehr genau spüren, wann ich noch im Flow bin, mich wohl und angemessen stimuliert fühle, und wann ich beginne, unbewusst, hektisch und orientierungslos zu werden.

Was ich oft mache: Mich einfach hinsetzen, auf einen Stuhl oder im Schneidersitz auf meine Matte. Sitzen, Wirbelsäule aufrichten, mich intuitiv bewegen und einfach für ein paar Atemzüge lang und tief atmen. Es ist unglaublich, was allein das bewirkt.

Wenn wir in Menschengruppen unterwegs sind – sei es in einer Teambesprechung oder auf der Straße, in der Stadt – und zudem noch feinfühlig sind, dürfen wir erst recht gut auf uns Acht geben. Ich schütze hier – mit Hilfe von Visualisierungen oder Pranayama-Übungen, sprich Atemtechniken, meine Grenzen und auch meinen Fokus. Immer wieder atme ich tief in den Bauch oder stelle mir eine helle, goldene Bubble vor, in der ich sicher und geborgen bin. Es ist nicht immer leicht, sich von der Hektik im Außen nicht anstecken zu lassen, sich hier abzugrenzen – von negativer Stimmungsmache oder Drama-Sucht. Doch es ist möglich. Und wie ich finde sehr erstrebenswert, um geistig, seelisch und körperlich gesund zu bleiben.

Noch etwas wird mir immer klarer: Manchmal bin ich genervt von meiner eigenen Höflichkeit, meinem Verständnis für viele(s). Denn was ich immer weniger dulde sind Lästerein und Sticheleien – sie verletzen meine eigene Integrität, wenn ich Teil der Szene bin. Sprich vor Menschen, die aus welchen Gründen auch immer gerne gehäuft sticheln, lästern oder ihr Gegenüber versuchen klein zu halten, schütze ich mich zunehmend bzw. halte ich mich fern. Ich spüre dies in Form von Unbehagen und Enge sehr genau, richte mich dann innerlich auf, lächle in mich hinein. Das funktioniert immer besser, davon abgesehen, dass mir wirklich negativ gesinnte Leute immer seltener begegnen. Meine Erfahrung: Es sind in erster Linie unsere – oft unbewussten – Überzeugungen, die Menschen anziehen, die uns schlecht behandeln.

Und hier möchte ich Mut machen, seinen ureigenen, schönen Weg zu gehen, in ganz eigenem Tempo, mit individueller Ausrüstung und mit eigenem Fokus. Denn: Je mehr Liebe und Verständnis ich für mich selbst habe, umso schöner und reicher gestaltet sich mein Leben, auf allen Ebenen.

Habt Ihr in diesen herausfordernden Zeiten manchmal auch das Gefühl, Euch, Euren Fokus – das was für Euch wesentlich oder Herzensanliegen ist – schützen zu müssen, um Euch nicht zu verlieren?

Angst vor Ablehnung

Kennt Ihr das auch? Ihr unterlasst bestimmte Schritte – Schritte des Sich-Zeigens, Sich-neu-Erprobens – aus Angst vor Ablehnung? Ich erinnere mich, dass ich im 5. Schuljahr meine komplette Klasse zu meiner Geburtstagsfeier eingeladen habe, nicht da mir alle wer weiß wie am Herzen lagen, sondern da ich mich bei niemandem unbeliebt machen wollte.

Die Angst nicht gemocht zu werden, zu missfallen, begleitete mich sehr lange. Mittlerweile ist es mir meist wurscht – abgesehen von mir sehr nah stehenden Menschen – was andere denken und meinen, wem ich gefalle und wem nicht. Im Gegenteil, ich erlebe es als völlig “normal” und auch wichtig, nicht von allen gemocht zu werden (denn letzteres wäre geradezu verdächtig und auch uninteressant). Das für mich mittlerweile Furchtbarste ist es, heuchlerisch oder kriecherisch zu sein. Lieber nehme ich in Kauf, dass meine manchmal auch schonungslose Ehrlichkeit nicht gut ankommt.

Ich erlebe es immer wieder: Wenn du zu neuen Ufern aufbrechen willst, musst du durch diese Angst hindurch, wiederholt und wiederholt. Spannend und auch befreiend wird es, wenn du erkennst, dass du und deine Schritte wohlmöglich gar nicht abgelehnt werden. Die These, dass Ablehnung eine Illusion sei, habe ich kürzlich bei Veit Lindau aufgeschnappt und lange in mir bewegt. Veit unterscheidet zwischen Ablehnung und etwas anderes wählen. Das habe ich mir auf der Zunge zergehen lassen: Der andere lehnt es oder dich nicht ab, er wählt an dieser Stelle nur etwas anderes! Das heißt ferner: Die Wahl des anderen ist kein Urteil über dich oder deinen Wert. Veit sagt, der einzige Mensch, der die Wahl habe, dich in solchen Momenten abzulehnen, bist du. In dich irritierenden oder auch schmerzhaften Momenten kannst du dich also fragen:

Bin ich von meinem Weg überzeugt? Von meinen Zielen und auch von meiner Vision? Kenne ich meine Werte?”

Momente, in denen ich zweifle – zum Beispiel daran, so offen und ehrlich öffentlich zu schreiben – Momente, in denen ich mich mit mir nah stehenden Menschen austausche, beispielsweise darüber, dass sie nicht möchten, dass irgendetwas über sie im Internet steht – sind also wahre Lehrmeister, wenn auch keine angenehmen. Ich bleibe bei dem Beispiel “private Dinge im Internet veröffentlichen”: Eine liebgewonnene Vertraute schrieb mir neulich – nachdem sie lange und interessiert in meinem Blog gestöbert hatte – sie würde private Dinge nicht ins Internet stellen. Gleichzeitig fragte sie sich selbst: Warum eigentlich nicht? Ich kann sie aus ihrer Warte – sie ist außerdem ein völlig “un-digitaler” Mensch – verstehen. Ich erwiderte, ich würde mein Schreiben als das mit Schönste und Abenteuerlichste erleben, dass ich bislang gestaltet habe. Abgesehen davon, dass mir das Schreiben irre viel Spaß macht, erfahre ich immer wieder, dass meine Zeilen auch anderen Mut machen: Von sich erzählen kann andere ermutigen, es kann sie zum Beispiel spüren lassen, sie sind nicht allein.

Gleichzeitig kann ich nachvollziehen, wenn andere das nicht wollen, sprich sich hier an dieser Stelle für “anders leben” entscheiden. Aus vielfältigsten Gründen. Zurück zum Anfang meines Textes – Ablehnung ist eine Illusion. Natürlich mag der eine oder andere das, was wir tun, ablehnen. Doch ich glaube, viel öfter, als dass etwas abgelehnt wird, wird schlicht anders gewählt, anders gelebt. Die meisten Menschen stecken, so meine Beobachtung, sehr tief und busy in ihrem eigenen Leben, sie registrieren gar nicht alles, was du tust, es interessiert auch nicht jeden alles. Geht mir doch genauso!

Daher meine Empfehlung: Mach doch einfach! Oder wie Veit so schön sagt: “Die, die genau auf dich gewartet haben, werden kommen!” Oft ist es so, dass ich selbst auch viel zu beschäftigt bin, als mir permanent über das Leben anderer Gedanken zu machen: Ich bin super neugierig, lasse mich gerne inspirieren, ich verschenke mich sehr gern – das ‘anderen Dienen und ihnen eine Freude machen’ ist für mich Teil und Konsequenz gelebter Selbstliebe. Da komme ich gar nicht zum ständigen “Abscannen”, Vergleichen und mich fragen, was der andere denn evtl. besser macht als ich. Soll heißen: Ich verbringe kaum bis keine Zeit mit Tratschen, Lästern, Ablehnen. Und frage mich: Warum sollten andere dies tun, Zeit mit Ablehnen verbringen;-)? Im Übrigen glaube ich, dass Selbstliebe, sprich die Qualität der Beziehung zu dir selbst DER Schlüssel ist in diesem ganzen “Werde-ich gemocht/abgelehnt-Spiel”.

Mir ist erneut klar geworden: Ich möchte meine Schritte gehen, sie nicht unterlassen. Der Schritt, mich nun mehr und mehr mit den ätherischen Ölen, die ich sehr liebe, zu zeigen, andere hier zu beraten, ihnen die Möglichkeit zu geben, die Öle über mich zu beziehen, ist mir auch nicht ganz leicht gefallen. Doch ich sage mir: Wenn es mich ruft, sollte ich folgen. Unbedingt. Und wenn es dann doch nicht meins ist, wird sich genau dies zeigen.

Und was das öffentliche Schreiben, den Einblick in mein Leben angeht: Mir ist es wichtig, offen zu sein und gleichzeitig genau hinzuspüren, wo sind Grenzen – meine eigenen und die des anderen. In die Tiefe gehen, ohne dass es für eine Seite unangenehm wird.

Und wenn du oder das, was du tust, dann doch abgelehnt werden, kannst du dich fragen: Über wen sagt diese Ablehnung etwas aus? In der Regel über denjenigen, der ablehnt – es ist Ausdruck seiner Werte, seiner Ansichten, seiner Moral, seines Geschmacks, seiner Ästhetik und Weltanschauung.

Welche Erfahrungen machst du mit der Angst vor Ablehnung? Kannst du recht entspannt durch sie hindurch gehen? Oder bremst sie dich oft?

Oh die Liebe

Ich schreibe selten zu “Mann-Frau-Beziehungs-Themen”, Geschlechterdiskussionen, Emanzipation. Letzteres hat mich nie wer weiß wie interessiert, vielleicht auch, da ich mich meistens als autonom, weder benachteiligt noch bevorzugt, wahrgenommen habe.

In letzter Zeit stoße ich immer wieder auf interessante Aspekte zum Thema Beziehung – in Gesprächen und auch durch das kürzlich erschienene Buch “Königin und Samurai” von Veit und Andrea Lindau. So möchte ich mich heut diesem schönen Thema widmen. Mir fällt es selbstverständlich leichter, aus Sicht der Frauen zu schauen und zu sprechen, was mich zum großen Thema “Beziehung” derzeit bewegt. Also los.

Zur Zeit erlebe ich diverse Trennungen in meinem Umfeld, bin bewegt von Geschichten über verletzendes Miteinander, sicher auch eine Konsequenz einer Überforderung und tiefen Erschöpfung, von der viele Familien heutzutage betroffen sind. Sowohl Männer als auch Frauen wirken vielerorts auf der Suche – nach (neuen) Rollen, dem Ausdruck und der Integration sowohl männlicher als auch weiblicher Anteile in sich. Ich stelle immer wieder fest: Die Begriffe “männlich” und “weiblich” werfen Fragen auf – ich ahne, was für mich “weiblich” oder “männlich” bedeutet, gleichzeitig laufe ich Gefahr, schnell in alten Klisches zu landen.

Tief verunsichert erscheint mir dabei der, die eine oder andere. Frauen wie Männer halten und jonglieren heute mehrere Bälle in der Hand – alles unter einen Hut zu kriegen scheint tendenziell immer noch eher Frauenintention zu sein. Mir hilft das Bild, möglichst spielerisch verschiedene Hüte zu tragen – je nach Situation und Anforderung, oder auch je nach Lust und Laune Mutter, Wegbegleiterin, Schwester, Ehefrau, Musiktherapeutin, Duo-Partnerin, Autorin, Öle-Beraterin oder auch einfach mal Närrin zu sein. Natürlich verkrampfe auch ich manchmal dabei und komme regelmäßig aus meiner Mitte.

Merkwürdigerweise habe ich mir nie groß Gedanken darüber gemacht, ob ich eher klassisch Familie oder schwerpunktmäßig beruflich unterwegs sein will. Kinder wollte ich im Grunde immer, Karriere machen war zu keiner Zeit mein Ding. Ich folgte stets meiner Intuition, ferner meinem Prinzip “Versuch und Irrtum”. Den ganz großen Lebensentwurf hatte ich nie, auch suchte ich – zumindest nicht bewusst – keinen Mann, der mir (finanzielle) Sicherheit schenkte. Wonach ich stets geradezu dürstete waren und sind: immer tiefer werdende Selbsterkenntnis, schöpferischer Ausdruck – lange Zeit über die Musik, nun auch über Schrift und Wort – und ein Erleben von Freiheit.

Eine Herausforderung für Frauen dieser Zeit besteht meines Erachtens darin, ihre Weiblichkeit in einer immer noch stark leistungsbetonten Gesellschaft zu leben, sprich Mutterschaft zu leben, was nicht gleichzusetzen ist mit “ein Kind gebären”: Ich spreche eher von Qualitäten wie Dienen, Hingabe, Beziehungsgestaltung. Eine Frau kann gleichzeitig weich und empfangend sowie kristallklar und stark sein. All dies sind unsere Qualitäten, ich habe den Eindruck, wir müssen uns nur trauen und auch erlauben, sie herauszuholen und auch zu zeigen.

Eine weitere große Herausforderung für Frauen besteht darin, sich nicht permanent auf den Baustellen der anderen zu verlieren: Natürlich dürfen wir links und rechts schauen und helfen, wo unsere Hilfe benötigt wird. Gleichzeitig sollten wir unsere eigene Baustelle erkennen und uns zunächst selbst auffüllen – mit Kraft, Fürsorge, liebevoller Zuwendung, mit vielen vielen Pausen – bevor wir uns um andere kümmern.

Kürzlich sprach ich mit einer Freundin darüber, dass viele von uns Frauen irre viele Talente haben, sich jedoch immer noch schwer damit tun, mit diesen sichtbar zu werden, sanft und gleichzeitig stark in ihre Größe zu finden und dazu zu stehen, was sie ausmacht. Aufgerichtet und wirklich klar heraus. Auch für mich eine tägliche Übungsmatte, doch ich gewinne an Sicherheit und auch an Lust am Tun und Wirken.

Das Verbinden mit anderen Frauen, das Austauschen und sich gegenseitig Emporheben erlebe ich als immer wertvoller, je älter ich werde. Es macht mir Spaß, mir Vorbilder zu suchen, zu schauen, wie leben andere – ohne sofort in dieses Vergleichen zu kommen, womöglich noch gepaart mit Schwesternneid und –gezicke. Es kann so wohltuend sein, nicht gefallen zu wollen, zu sich zu stehen und würdevoll dieses Frausein zu zelebrieren – mit allem, was dazugehört, mit dem Männlichen und dem zutiefst Weiblichen in uns.

Wenn Frau und Mann immer mehr in ihre Kraft kommen, sich verletzlich zeigen, sich dabei im anderen erkennen und gesehen werden, kann ganz Wunderbares daraus enstehen und wachsen. Lasst uns einander wertschätzen und damit beginnen, den anderen nicht mehr für den eigenen Schmerz verantwortlich zu machen: Wenn wir uns nicht mehr brauchen, um eigene Mängel zu kompensieren, sondern wenn wir einfach Tag für Tag dafür gehen, immer tiefer zu lieben, dann sind wir meines Erachtens auf einem guten Weg. Das gilt meiner Erfahrung nach für alle engeren Beziehungen, die wir in unserem Leben gestalten: Wirklich lebendige Beziehungen leben von diesem “Nähetanz” – sich zeigen, den anderen sehen, da sein für den anderen, und ihn gleichzeitig nicht festhalten zu wollen.

Eine Frage habe ich heute nicht. Dennoch freu ich mich riesig über Rückmeldung und Austausch zu dem großen Thema Beziehung.

 

Deinen Neid willkommen heißen

Heute möchte ich erneut auf meine Artikel, die einmal monatlich regelmäßig im Online-Magazin compassioner erscheinen, aufmerksam machen. Diesen Monat ging es um das spannende und delikate Thema Neid: Wann taucht er auf? Was macht er mit uns? Und sollten wir ihn nicht einfach willkommen heißen?

Hier geht es zum Artikel!

Auf diese Zeilen habe ich schon zahlreiche Reaktionen, u.a. bei facebook, erhalten. Wenn Ihr mir hier noch ein paar Rückmeldungen, Impulse, Erfahrungen hinterlassen wollt, freu ich mich sehr! Auch freu ich mich über das persönliche Anschreiben:-)!

Potentialentfaltung und Umgebung

Dank eines Eckart von Hirschhausen-Videos stieß ich kürzlich auf das “Pinguin-Prinzip”: Im Kern ging es darum, dass die Umgebung wichtig ist, damit das, was du kannst, überhaupt zum Vorschein kommt. Ein Pinguin wird auch auch nach etlichen Jahren Psychotherapie keine Giraffe werden. Hirschhausen meinte, wir würden permanent Urteile fällen und könnten damit komplett danebenliegen, gerade wenn wir Menschen nur in einer bestimmten Situation gesehen haben.

Und ich ergänze: Umgekehrt ist es schon verrückt, dass wir uns unseren (Selbst-)Wert auch als autonome Erwachsene ständig durch andere Menschen spiegeln lassen und uns viel zu oft davon abhängig machen, was andere uns zurückspiegeln.

Auf dem Weg zum Erkenne-dich-selbst geht es doch im Kern immer um die Fragen: “Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Was sind meine Stärken?” Aus mir wird sicher nie eine beflissene Finanzbuchhalterin werden, auch keine Top-Managerin in einem Chemiekonzern. Ich bin eher ein kreativer Chaot, und meine Stärken liegen in anderen Bereichen. Auch bin ich definitiv kein Workaholic im “klassischen” Sinne, dafür genieße ich zu gern und habe furchtbar gern möglichst viel Freizeit. Doch wenn ich für etwas brenne oder spüre, dass etwas – auch Unangenehmes – wirklich getan werden muss, kann ich zum Arbeitstier werden.

Diese meine Stärken und auch Schwachstellen zu erkennen, zu akzeptieren und sich gleichzeitig nicht selbst in Stein zu meißeln, halte ich für erstrebenswert. Sich selbst Schicht für Schicht freizulegen, sich zu häuten und zu dem vorzudringen, was ich meine Essenz, meine Seele nenne, ist ein solch’ schöner Weg, den ich mit immer mehr Lust und Hingabe gehe. Potential, von lateinisch “Stärke, Macht”, ist die Fähigkeit zur Entwicklung – es beinhaltet noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten. Diese Idee, dass da immer noch viel mehr geht, dass noch vieles mehr in mir schlummert, ich auch Wunder erleben und für Wunder offen sein darf, beflügelt mich.

Es stärkt den Selbstwert ungemein, sich Stück für Stück aus dieser oft schon in Kindheitstagen antrainierten Spiegelung – Wie komme ich an? Werde ich gemocht? Bin ich (gut) genug? – zu lösen. Dies ist nicht einfach, doch möglich. Sich tatsächlich auf seine eigenen Gedanken und Gefühle, auf das, was einen ausmacht, zu besinnen, erfordert den bewussten Prozess der Reflektion. Ich muss mich hinsetzen, es wirklich tun: reflektieren, Dinge notieren, neue Leitgedanken deklarieren. Es reicht nicht, wenn ich es mal gehört habe, wie es geht, nein, ich muss es machen, in den Alltag integrieren, wenn ich den Boden für etwas Neues säen möchte.

Unsere Potentialentfaltung ist also abhängig von unserer Umgebung. Wenn ich Menschen dabei unterstützen möchte, dass ihr Potential aufgeht, anstelle sich zu verschließen, kann ich sie z. B. ermutigen, etwas zu wagen: Etwas zu tun, das sie am anderen bewundern. Sich nicht zurückzuhalten, sondern ihre ganze Kraft zu entfalten. Meine Stärke ist es, Besonderheiten im anderen zu erkennen, außerdem Mut zu machen, sich zu zeigen, zu sich zu stehen und auch immer mal wieder im eigenen Dreck zu wühlen – sprich seine Schatten eizuladen.

Jetzt da ich es weiß, wie sehr meine Entwicklung von meiner Umgebung abhängt, suche ich immer öfter Felder auf, in denen ich erblühen kann: In meinem Umfeld gibt es einige Menschen, die sich sehr frei denken können: Die um die Ecke denken. Gemeinsam schwingen wir uns empor, kreieren neue Ideen und Projekte. Ich brauche Freigeister mit Tiefgang, humorvolle und auch mutige Menschen um mich, um weiter zu kommen, um die nächste Zone der (geistigen) Entwicklung zu erklimmen. Da ich gerne schreibe, suche ich auch hier Menschen auf, die diesen Kanal ebenso lieben und sich mit mir austauschen wollen.

Spannend ist es auch, sich in Felder zu begeben, in denen Menschen etwas leben, wovon man selbst träumt: Autoren, die an ihrem Buch sitzen, Reisende, die Yoga-Retreats aufsuchen, große Wanderungen auf sich nehmen oder sich eine längere Zeit aus dem Alltag lösen. Sprich Menschen, die einen Weg bereits gegangen sind, den man sich selbst für sich vorstellen kann. Gleichzeitig finde ich es wichtig, auch immer mal wieder mit Leuten in Kontakt zu kommen und sich wirklich auf ein Gespräch, eine Szene einzulassen, die einem normalerweise fremd sind: Neulich tobte ich mich gemeinsam mit anderen Müttern während eines Fußball-Punktspiels unserer Söhne auf dem Platz aus – eine höchst interessante Erfahrung! Auch hier kann man sich neu entdecken, in Rollen schlüpfen, die man für gewöhnlich meidet.

Zu guter Letzt: Wenn unsere Angst vor Ablehnung oder unsicherem Terrain zu groß wird, kann es helfen, sich auf eine gesunde Art und Weise selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen. Auf einer Party z. B. fühlt sich die eine oder andere unbehaglich, doch die eigene Person wird von anderen Menschen überhaupt nicht so fokussiert wahrgenommen, wie man sich selbst wahrnimmt.

Also: Auf zu neuen Ufern und neuen Fehlern;-)!

Mich interessiert brennend, in welcher Umgebung, unter welchen Bedingungen Euer Potential aufgeht? Was braucht es, damit Ihr Euch in für Euch wünschenswerte Richtungen entfalten könnt?

 

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