seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Vom Lästern und sich erheben

Heute vor drei Jahren habe ich innerhalb meiner Ausbildung zur Kundalini-Yoga-Lehrerin eine Präsentierstunde gegeben. Aufgeregt war ich damals. Gleichzeitig selig, freudig erregt, wissend: das wird. Es hat mich schon immer fasziniert – ob musizierend, Yoga praktizierend oder einfach seiend mit Menschen einen Raum der gemeinsamen Erfahrung zu teilen. Selbstverständlich macht jeder dabei seine ganz eigene Erfahrung, und gleichzeitig wird etwas geteilt und gemeinsam gestaltet.

Für mich gibt es nichts Schöneres, als alleine zu sein, den Dingen nachzugehen, die mich gerade rufen. Genauso liebe ich es, mit Menschen zu sein und Zeit zu verbringen, denen auch daran gelegen ist, eine schöne, entspannte Zeit zu haben. Da ich schon immer mir sehr unterschiedlichen Menschen in Kontakt war, da meine Familie ein unkonventioneller Haufen ist und ich wiederum sehr offen, wurde und werde ich auch gerne zu dritten, nicht anwesenden Personen befragt. Höflich wie ich lange Zeit war, habe ich fast reflexartig geantwortet. Mittlerweile habe ich eher Lust, mit den Anwesenden über das, was uns verbindet, was denjenigen selbst gerade umtreibt, zu sprechen. Ich spüre nun sehr genau hin: Will ich antworten, was ist meine Intention? Gerade, wenn’s etwas tratschiger, sensationsgeiler zugeht frage ich mich: Ist es wirklich notwendig, das jetzt zu teilen?

Vielleicht ergeht es dem einen oder anderen ähnlich. Natürlich kann es dem besseren Verständnis dienen, sich hin und wieder auch über andere auszutauschen. Das machen wir alle. Entscheidend ist für mich: Wie fühlt es sich an? Was macht es mit meiner Energie, mit der Energie im Raum? Erhebt es mich und uns, oder fängt es an, unruhig, eng, nervig zu werden? Das spür ich sehr genau. Und während ich früher um der (Schein-) Harmonie willen dennoch Rede und Antwort stand, wahre ich nun immer öfter meine Integrität und sage – je nachdem wie gut ich den anderen kenne – ach komm, es gibt Spannenderes. Lass uns über etwas anderes reden.

Auch im Internet-Äther – und hier besonders, da die Hemmschwelle sinkt – beobachte ich, wie schnell andere eine negative Bewertung raushauen. Wie schnell Frauen andere Frauen, die sich etwas Ungewöhnliches trauen oder erlauben zu teilen, diskreditieren. Viele scheinen es immer noch nicht auszuhalten, wenn andere sich aufrichten und sich trauen, sich groß zu zeigen. Dabei haben wir alle am meisten davon, wenn wir uns gegenseitig erheben, weder uns selbst noch andere deckeln. Worte haben eine starke Macht – es lohnt sich, sehr genau darauf zu achten, was du denkst, sprichst und was du hörst!

Anstelle also mit deinem Fokus, deiner Energie vermehrt nach außen zu gehen, prüfe doch lieber öfter, was genau sich gerade in dir abspielt! Wie sagte Bahar Yilmaz neulich so treffend in einem Video zum Lästern und zur Missgunst? Wir lästern, da wir nicht den Arsch in der Hose haben, mal Tacheles mit uns selbst zu reden.  Als Übung empfiehlt sie, eine Runde ordentlich über sich selbst und sein wohlmöglich langweiliges Leben zu lästern. Da ich weiß, dass schlecht über andere reden auch viel mit Angst zu tun hat, finde ich auch immer wieder schnell in mein Mitgefühl zurück.

Und an dieser Stelle zurück zum Anfang meines Textes: Mir ist es wichtig, dass Menschen sich in meiner Gegenwart in sich selbst hineinentspannen können – sowohl beruflich als auch privat ist das immer wieder Thema für mich. Ich liebe es, Räume von Geborgenheit und Nestwärme zu schaffen – mit viel Humor, so sein lassen, auch die Tiefen und Abgründe auslotend, sprich nichts ausklammernd. Bis ich jemanden mal so richtig ätzend finde, muss schon viel passiert sein. Da ich mich oft und stark mit meinen unterdrückten Aspekten auseinander setze, begegnen mir diese auch nicht mehr so oft – und vor allem mich nicht störend – im Außen.

Ich schließe meine Zeilen mit einem weiteren Zitat von Bahar aus besagtem Video:

„Lass dich selbst wieder in dein Herz hinein!“

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Nase im Wind

  1. Liebe Carolin, alle Deine letzen Texte, und insbesondere dieser hier, haben mich sehr berührt und ich habe gemerkt, dass sie auch etwas mit mir und meinem Weg zu tun haben. Ich mag, nein, ich liebe tatsächlich Deine klare, direkte und doch liebevolle und warme Ansprache. Du drängst Dich nicht auf, sondern bietest frei-lassend an. Und das ist wirklich sehr schön! Daher sei Dir von mir mal aus ganzem Herzen dafür gedankt!
    Eckhard

    • Carolin

      Lieber Eckhard, ich danke dir vielmals für diese so wertschätzende, ja, klare Rückmeldung! Das Frei-Lassende ist mir sehr wichtig, in der Tat. Und manchmal – oder nein: meistens – können wir auch sagen, was Sache ist. Was wirklich gerad Sache ist für uns. Welcher Meinung wird sind. Ich wünsche dir einen Dienstag in deinem Sinne, mach’s dir schön!

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