seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Yogi Bhajan

Kleiner großer Impuls

„If your presence doesn’t work, your words will not work“.

Einfach mal darauf achten: Was denkt es gerade in mir? Wo ist der Fokus meiner Aufmerksamkeit, wo meine Energie? Was fühle ich? Wie fülle ich den Raum: erhebend und liebevoll, oder unruhig und kraftraubend? Und was möchte ich nach draußen schicken?

Liebe Grüße!

 

Bei mir bleiben und den anderen sehen

FreiheitHeute möchte ich ein Zitat von Yogi Bhajan mit Euch teilen und als Schreibanlass nutzen, um verschiedene zwischenmenschliche Phänomene zu beschreiben. Yogi Bhajan brachte Kundalini-Yoga Ende der 60er Jahre in den Westen.

If you are willing to look at another person’s behaviour toward you as a relationship with themselves rather than a statement about your value as a person, then you will, over a period of time, cease to react at all.

Mir bedeutet dieser Satz viel. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, diese Worte mal weniger, mal besser zu verstehen. Ich taste mich mal heran:

Wie oft machen wir uns Gedanken: „Warum hat er sich mir gegenüber so verhalten?“ „Habe ich etwas falsch gemacht?“ „Ob sie etwas gegen mich hat?“ „Warum ist sie heute viel freundlicher als gestern?“

Ich glaube auch, dass das Verhalten des anderen, seine Worte mir gegenüber, meistens viel weniger mit mir zu tun haben als mit ihm selbst: Ob es sich um raues, unfreundliches Auftreten handelt oder aber auch um ausgesprochen freundliche Worte. Auch glaube ich, dass der andere – oder „die anderen“ – deutlich weniger über mich (nach)denken, als ich eventuell vermute. Manchmal wundere ich mich noch über mich selbst – auch wenn es immer weniger wird – wie sehr ich mir einen Kopf darüber mache, was der- oder diejenige gemeint haben oder denken könnte. Wenn wir genau hinschauen und gegebenenfalls auch mal nachfragen, erfahren wir, dass das Gegenüber ganz eigene Motive für sein Handeln hatte, die in erster Linie mit ihm selbst und entsprechend wenig mit uns zu tun haben.

Manchmal landen Frust und Unmut, die einen Mitmenschen umtreiben, ungefiltert bei uns, ohne dass wir irgend etwas mit diesen Zuständen oder dem jeweiligen Auslöser für entsprechende Gefühlszustände zu tun haben müssen. Unter Umständen hat der andere einen ausgesprochen schlechten Tag oder irgend etwas an und in uns triggert ihn. Es tut gut, solche Situationen wach zu betrachten und tatsächlich nicht persönlich zu nehmen.

Bei geäußerter Kritik darf auch sehr genau hingehört werden: Oft ist sie angebracht, enthält wahre Anteile und hilft uns weiter. Häufig kommt es jedoch auch vor, dass der andere ein Verhalten ablehnt oder kritisiert, welches er bei sich sich selbst nicht haben will, oder im Gegenteil, sich dieses nicht zugestehen, nicht erlauben würde – beispielsweise den Eigensinn des Kritisierten, die Großzügigkeit des anderen Schwächen und sog. Fehlern gegenüber. Manchmal ist das Gegenüber auch ein unangenehmer Spiegel, wenn beim anderen Mut und Risikofreude, ein Herausbewegen aus der Komfortzone gesehen wird, vor welchen man sich selbst scheut.

Melde ich mich eine Zeitlang nicht bei einer Freundin oder einem geliebten Menschen, so muss das nicht heißen, dass der andere mir weniger wert ist. Manchmal ist mir schlicht nach Für-mich-Sein, um mich zu sortieren oder der eigenen Entwicklung, den eigenen Veränderungen Raum zu geben. In letzter Zeit nimmt mein Leben so Fahrt auf, dass ich tatsächlich auch nicht immer dazu komme, all das mir Wichtige im Leben, vor allem auch den Menschen, die ihnen gebührende Zeit, den Raum zu geben.

Ich stehe darauf, wenn mir Freiheit geschenkt wird, für Ecken und Kanten, ja, auch für Entwicklung und Rückzug. Diese Freiheit gebe ich auch gerne, bin gleichzeitig mit meinen Gedanken, meiner inneren Haltung oft bei Menschen in meinem Umfeld.

Wenn wiederum der andere sich mal eine Zeitlang zurückhält oder einer Entwicklung in meinem Leben, einer neuen Tätigkeit oder Seite, die ich nun stärker lebe, keine oder wenig Aufmerksamkeit schenkt, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass der andere nicht an mir und dem was mich (noch) ausmacht interessiert ist. Vielleicht hat er oder sie selbst viel um die Ohren oder gerade ganz eigene, auch andere Themen als ich.

Das Zitat von Yogi Bhajan wirft bei mir auch Fragen auf: Was meint dieses „cease to react at all“? Reagiere ich nicht immer in irgend einer Form? Es könnte wie gesagt heißen, dass ich aufhöre, Worte oder Verhalten eines anderen mir gegenüber sofort auf mich zu beziehen und mich unmittelbar mit dem Gesagten zu identifizieren. Wie oft erklären, rechtfertigen, verteidigen wir uns? Mir hilft es oft, Situationen aus der Vogelperspektive zu betrachten, mich auf eine Metebene zu begeben. Ich übe mich darin, mich, den anderen, die Situation zunächst nur zu beobachten. Auch meine Gedanken zu beobachten und wahrzunehmen, welche Gefühle sie auslösen.

Was ich wirklich lernen möchte: berührbar zu sein und gleichzeitig bei mir zu bleiben, zu erspüren, was mich die jeweilige Situation lehren will. Offen zu sein ohne Menschen und Situationen sofort (m)einen Stempel zu verpassen.

Welche ist Eure Assoziation zu dem Zitat von Yogi Bhajan?

 

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