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Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Wohlbefinden

Immer schöner lieben

Woher weiß ich, dass ich gerade liebevoll mit mir selbst umgehe? Ich spüre es. Mich macht es weit, frei, wohlig. Und ich es spüre es, wenn ich ehrlich bin, auch genau, wann dies nicht der Fall ist: Wenn ich über einen allerersten, körperlichen Impuls, ein klares Ja oder Nein, “drüber bürste” und mir mein Verstand etwas anderes einbläuen will.

Liebevoll mit mir selbst umgehen hat für mich damit zu tun, dass ich mich nicht schuldig fühle, wenn es mir gut geht oder ich Freude am Leben habe. Es zeigt sich dann, wenn ich mir das Recht zugestehe, glücklich zu sein, auch wenn die Menschen in meiner Umgebung gerade nicht so gut dran sind oder sich unglücklich fühlen. Wenn ich es schaffe, um Hilfe zu bitten – was mir nicht immer leicht fällt, so weiß ich: Dies ist ein Moment, in dem ich mir Liebe schenke.

Mein Bruder sagt, ich baue ihn immer so schön auf. Das mache ich von Herzen gern, und gleichzeitig erlaube ich mir auch, wenn er sich ein Telefonat mit mir wünscht, „Nein, heute nicht, doch gerne ein andermal“ zu erwidern. Das hätte ich mir vor einigen Jahren noch nicht zugestanden. Seine eigenen Bedürfnisse hin und wieder hintan zu stellen, sich in den Dienst für den anderen zu stellen, können wunderbare und wichtige Erfahrungen sein.

Ich finde, es wird dann unangemessen und sowohl für mich als auch den anderen schwierig, wenn ich aus einem Pflicht- oder Schuldgefühl heraus agiere oder weil mich jemand entsprechend beeinflusst hat. Wenn ich hingegen das, was ich für andere tue, freiwillig und freudig tue – aus einer liebevollen Haltung zu mir selbst heraus, nimmt Liebe exponentiell zu. Ich lerne: Ich kann nur geben, wenn ich aufgefüllt bin. Alles was ich an Überfüllung habe, kann ich dann rausgeben. So stelle ich mir immer wieder die Frage: „Was würde ich jetzt tun, in diesem Augenblick, wenn ich mich selbst wirklich lieben würde?“

Schöne, nackte Liebe erfahre ich, wenn ich mich aufrichtig für andere freue, wenn diese neue Seiten an sich entdecken oder in irgendeiner Form wachsen – und ich keine Angst habe, wie sich das auf mich auswirken könnte. Manchmal schäme ich mich im Nachhinein, wenn ich einer mir nahstehenden Person gegenüber missionarisch aufgetreten bin („Dieser oder jener Schritt könnte dir auch gut tun!“) – meist dann, wenn ich selbst noch am Einüben neuer Muster war und dabei eher mich als den anderen im Fokus hatte. Oder es tut mir im Nachhinein leid, wenn ich zu hart, zu kritisch, verletzend war oder bin.

Doch sich wirklich selbst lieben heißt: Erkennen, dass offenbar genau dieses Verhalten zum jeweiligen Zeitpunkt das richtige war. Dass es meistens – auch wenn oft erst zu einem späteren Zeitpunkt erkennbar – aus einer Haltung von Liebe heraus geschah. Es musste so sein! Entwicklung läuft keinesfalls linear, hin und wieder stoßen wir eine geliebte Person vor den Kopf. Während wir uns neu erproben, schlägt das Pendel manchmal zu stark in eine Richtung aus, was auch für das Umfeld irritierend oder unangenehm sein kann.

Lieben, sich und andere heißt: Immer weicher werden, mit mir und anderen. Verletzlichkeit zulassen. Tränen lassen. Etwas lösen. Im Kern heißt Lieben für mich: immer mehr lassen. Für den anderen das zu wollen, was dieser für sich will, und ihn sein lassen, wer er wirklich ist – selbst wenn das bedeutet, ihn frei zu geben. Es heißt nicht, dass wir versuchen, ihn nach unseren Vorstellungen zu formen. Je mehr ich dies erkenne und lebe, umso schöner und reicher werden meine Tage. Ich kann aus mir heraus, unabhängig der äußeren Irrungen und Wirrungen, glückselig sein. Diese Erfahrung ist Gold wert. Und auch wenn’s pathetisch klingt: Je offener ich bin, um zu empfangen, umso stärker schüttet das Leben sein Füllhorn über mich aus.

Wenn jemand anders dich drängen will, zu tun, was er sagt, dann mache dir klar, dass dahinter vor allem seine Ängste stehen. Wenn ich in der Vergangenheit den Rat erhielt, „Geh damit doch mal zum Arzt“, ich tief in mir jedoch wusste, dass dies nicht der passende Schritt für mich war, so ließ ich mich entweder überreden oder ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich den Besuch beim Arzt vermied. Heute könnte ich in entsprechender Situation den Rat beim andern lassen, mich bedanken, dass er sich um mich sorgt, und gleichzeitig mit reinem Gewissen den für mich passenden Schritt wählen.

Eine für mich wichtige Voraussetzung einer lebendigen Beziehung ist die Haltung von: „Ich habe bereits alles, was ich brauche.“ Ich mache mir immer wieder bewusst: Ich bin nicht für die Gefühle und das seelische Wohlbefinden anderer verantwortlich. Je freier, unabhängiger und zentrierter ich werde, desto einfacher wird es für mich auch, immer tiefer und schöner zu lieben.

Ich schließe mit einem Zitat von Yogi Bhajan, das aus meiner Sicht nochmal betont, dass wir auch Fehler machen (dürfen), wenn und während wir lieben:

Es gibt drei Dinge im Leben zu tun: Lieben, Lernen und Leben. Nur zu lieben reicht nicht  – Liebe ist nicht alles. Wenn du nicht lernst, kannst du nicht lieben – du wirst Fehler über Fehler machen und durch eine Neurose nach der anderen gehen. Liebe, lerne und lebe!”

Was Frauen gut tut

Heute richte ich mich in erster Linie an uns Frauen, was nicht heißt, dass Männer die Themen nicht ebenso interessieren könnten.

Sowohl uns Frauen als auch Männern werden in diesen Zeiten viele Aufgaben und Rollen zuteil, die uns immer wieder an unsere Grenzen bringen. Wir alle beobachten – bei uns selbst und Menschen in unserem Umfeld – wie gestresst, wie überflutet, unruhig und abgelenkt wir oft sind.

In der Yogalehrer-Ausbildung bekamen wir Frauen vor einiger Zeit eine Hausaufgabe, die uns offenbar erstaunlich schwer fällt: Wir sollen – am besten zeitlebens – zwei Mal täglich 11 Minuten komplett entspannen, idealerweise in der Rückenlage, tief ruhend. Im Übrigen wird Männern empfohlen, einmal am Tag für 31 Minuten ein Nickerchen zu machen. Während wir von einem zum nächsten Ausbildungswochenende noch fleißig dabei waren zu entspannen, verlor der Großteil der Gruppe die Aufgabe in den sich anschließenden Wochen aus dem Fokus. Im besten Fall wurde dann einmal am Tag 11 Minuten entspannt. Ähnliches kann ich bei mir selbst beobachten. (Zumal nun auch noch eine 31-minütige Meditation in den Tag mit aufgenommen werden will…).

Tief entspannen und somit die Verteilung von Prana, der vitalen Lebenskraft, im Körper zu verändern, neu auszubalancieren, bedeutet auch: wirklich alles fallen zu lassen, an den Boden abzugeben. Den meisten Menschen fällt Entspannung aufgrund von unterschwellig vorhandenem emotionalen Konflikt oder Aufruhr sehr schwer. Ein Leben in innerem Aufruhr entspricht voll und ganz dem Zeitgeist. So gesehen ist unsere Fähigkeit, uns zu entspannen, umso wichtiger und für das körperliche und geistige Wohlbefinden unentbehrlich. Oft begleitet uns – wenn wir nicht geübt darin sind, innezuhalten und unseren Geist bewusst zu lenken – ein innerer Dialog aus Besorgnis und Angst. Im Yoga heißt es: Frauen denken 6 Dinge gleichzeitig – dies ist der „normale“ Bewusstseinszustand einer Frau und hat zur Folge, dass wir uns auch schnell ablenken lassen. Meine Beobachtung: Eine Frau, die entspannt ist und gut in sich hineinlauscht, erhält jede Antwort.

Jede Antwort, die du in jenem Moment wissen musst und die wirklich relevant ist, findest du in dir, kannst du nur in dir empfangen – nicht im Außen.

Je entspannter du bist, umso klarer, vom Herzen her kannst du kommunizieren. Ich spreche gern und viel mit mir selbst, oft auch laut. Und frage mich: Was ist gerade los? Habe ich Angst, habe ich Stress? Was fehlt mir, oder was traue ich mich gerade nicht zu tun oder zu sagen?

Schau was dir hilft, dich zu entspannen! Neben der Tiefenentspannung in Rückenlage können das Aktivitäten in der Natur sein, das Spielen eines Instruments; einfach nur dazusitzen mit einem Tee oder Kaffee, in der Wanne abzutauchen – all dies kann dich in Kontakt mit dir selbst bringen.

Ein wichtiger Gedanke, der uns Frauen meines Erachtens auch enorm hilft: Sei dir bewusst, dass eine Frau zwischen zwei Polaritäten hin und her schwingt (diese Erkenntnis habe ich auch in meiner Yoga-Ausbildung gewonnen und glaube zutiefst an ihren Wahrheitsgehalt): die der Frau und die der Mutter (der Hegenden und Pflegenden). Die Frau-Seite impliziert eine energische Qualitätklar, analytisch, scharf. Die Mutter-Seite wiederum ist gebender, vergebender und dienender Natur. Auch Frauen ohne eigene Kinder verfügen über diesen mütterlichen Aspekt. Beide Seiten wollen gelebt, beide Aspekte genutzt werden. Selbstverständlich bist du mehr in deiner „Mutter-Energie“, wenn du zwei Kleinkinder hast. Doch eine Frau wird sich sicher ausgeglichener, fröhlicher und auch energiegeladener fühlen, wenn sie sich Zeit für sich selbst nimmt.

Im Übrigen sind auch Männer mit zwei Polaritäten konfrontiert: Mann und Vater. Da ist auf der einen Seite der Familienmensch bzw. „der zivilisierte Mann“, welcher es behaglich mag und ein gemütliches Zuhause schaffen möchte; gleichzeitig wohnt in einem Mann auch der „wilde Mann“ – „maximal mit einem Messer ausgerüstet“, der seine Freiheit leben möchte. Verantwortung versus Frei-Sein – beides muss gelebt werden, damit Mann glücklich werden kann. So wird es sicher auch nicht funktionieren, Männer komplett anzubinden – letztendlich wird so niemand in der Partnerschaft glücklich.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass diese Bilder natürlich klischeehaft wirken. Es gibt pauschale Aussagen, die uns helfen sollen, Tendenzen zu sehen, zu verstehen – und es gibt Individuen.

Uns Frauen tut es auch ausgesprochen gut, uns mit anderen Frauen kraft- und liebevoll zu verbinden. Sich auszutauschen, zu ermutigen, mal in den Arm zu nehmen und sich möglichst wenig miteinander zu vergleichen. Ich genieße z. B. die Power und den Zusammenhalt in unserer Ausbildungsgruppe enorm.

Ich fühle mich innerlich durchflutet mit Leben, wenn es mir gelingt, in Frieden mit mir selbst zu sein, meinem Inneren zu vertrauen und mich vom Leben führen zu lassen. Ich glaube, eine Frau, die in sich ruht, stark in sich selbst steht ist auch ein großes Geschenk für eine Gemeinschaft.

Uns Frauen wünsche ich, dass wir uns trauen, voll und ganz wir selbst zu sein, zu inspirieren, Wachstum zu ermöglichen und zu fördern.

Was bedeutet für Euch Entspannt-Sein? Was macht es mit Euch?

 

 

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