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Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Werte (Seite 1 von 2)

Vom Entwicklen und Verändern

Hast du Lust oder spürst du eine Notwendigkeit, dich zu verändern, dich spirituell zu entwickeln, was auch immer das konkret für dich heißt?  Eine Zeit lang dachte ich, es müsse doch in jedermanns Sinne sein, bewusster zu werden, sich in der Tiefe kennen zu lernen und ein verändertes Sein anzustreben. Innere Arbeit, in welcher Form auch immer, zu praktizieren. Mittlerweile beobachte ich: Dem ist nicht so. Und mittlerweile denke ich: Dem muss auch nicht so sein.

Vor einigen Jahren hatte ich stärker als heute die Tendenz, immer mal wieder jemanden zu behelligen, diesen oder jenen Entwicklungsschritt zu unternehmen: Es würde ihm doch gut tun, ihm helfen. Das ist ne schwierige Kiste. Je mehr wir insistieren, je stärker wir versuchen, an den Stellschrauben des anderen zu drehen, uns auf fremden Baustellen aufhalten, umso stärker kann das Gegenüber in den Widerstand gehen und sich von uns distanzieren. Auch ist es anmaßend zu meinen, „erwachte“ oder sehr bewusste Zeitgenossen – wer oder was konkret das auch sein mag – seien die „weiteren“, „reiferen“, wohlmöglich „besseren“ Menschen. Bei irgend so einem elitären Gedanken ertappe auch ich mich immer wieder mal.

Und lerne: Wichtig ist es doch, Menschen nicht in irgendwelche Kasten einzuordnen, sondern ihnen vielmehr mit Respekt vor ihrem So-Sein zu begegnen. Keine Trennungen vorzunehmen, sondern immer wieder zu sich und seinen eigenen Lebensaufgaben zurückzukehren, in seinem eigenen Mitgefühl und Verständnis für den anderen und seine Situation zu bleiben. Und wenn das so gar nicht geht: Den anderen zumindest zu lassen – nicht in Resonanz gehen, sondern sich wieder dem Eigenen widmen.

Inzwischen glaube ich auch zu wissen: Nicht jeder möchte in neue Rollen schlüpfen, sich selbst immer und überall verwirklichen. Manch einer kommt gar nicht in die Verlegenheit oder ist frei von Leidensdruck, so dass Veränderung nicht ansteht. Ein anderer ist wohlmöglich in seinem Tun und Schaffen so sehr eingespannt und wird vom Leben so hart rangenommen, dass ihm Persönlichkeitsentwicklung unter Umständen wie Nabelschau oder Luxus erscheinen mag.

Heutzutage lasse ich den anderen viel häufiger so, wie er ist oder gerade sein will. Jedem Tierchen sein Plaisierchen. Was gleichzeitig geschieht: Menschen fühlen sich mit mir wohl, kommen auf mich zu, wünschen sich mein Ohr oder gegebenenfalls auch mal einen Rat. Dann fühle ich mich frei, einen Impuls zu geben – und nur dann macht dieser meiner Erfahrung nach wirklich Sinn.

Ich weiß gar nicht, ob Veränderung – der ich selbst offen gegenüber stehe – immer und für jeden Sinn macht. Doch ich möchte Lust auf Veränderung machen, selbst wenn einem vielleicht gar nicht danach ist. Denn in der Regel begegnen einem in solchen Prozessen wieder Lebensmut und Lebensfreude, die in der Routine des Alltags häufig verblassen. Sicher kommt es darauf an, wie stark ausgeprägt mein Bedürfnis nach Sicherheit ist, welche meine Werte, meine Sehnsüchte und Ziele im Leben sind. Und, mal ehrlich: Wenn ich hier und heute alles, nur nicht derjenige bin, der ich sein möchte, darf ich ruhig mal über Veränderung nachdenken. Wenn ich unzufrieden oder gar kreuzunglücklich bin, macht es Sinn, bekannte Pfade zu verlassen. Spüre ich Stagnation, die mich mit Frust, Ärger und Anspannung füllt, ist es sicher auch Zeit, meinem Leben eine neue Richtung zu geben.

Die Fragen „Wozu möchte ich mich verändern? Und wohin möchte ich mich verändern?“ können einem helfen, mit sich selbst in Tuchfühlung zu kommen. Für mich waren Veränderungsimpulse im Leben zum Beispiel Beziehungen, in denen ich mich nicht mehr wohl und frei fühlte und in denen ich spürte, dass das Alte nicht mehr trug. Oder aber ich wurde mir zunehmend meiner in mir schlummernden Talente und Gaben gewahr, welche gelebt und feiner ausgepackt werden wollten.

Ambivalenzen – etwas wollen und es auch wieder nicht wollen – machen das Sich-Bewegen und Verändern schwer. Hier darf sorgfältig reflektiert und abgewägt werden, wobei ich persönlich daran glaube, dass das Herz stets weiß, wohin es gehen will: Wem es gelingt, mutig und wirklich in sich hineinzuhören, Angst und Furcht Angst und Furcht sein zu lassen, der wird wahrnehmen, was wirklich wichtig ist und gerade ansteht. Mein Vater sagte oft den Satz: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.“ Sicher. Doch will ich wirklich all meinen alten Gewohnheiten treu bleiben?

Leicht ist es nicht, Veränderungen zu leben. Es bedarf Mut, Disziplin, Verzicht, das Ertragen von Ängsten. Auch muss ich bereit sein, den Preis zu zahlen, den die Veränderung mit sich bringt: Es mögen uns Enttäuschung und Unverständnis entgegenschlagen. Ich muss mich von alten, mitunter liebgewonnenen Glaubenssätzen und Mustern trennen. Ich muss aushalten, dass ich unter Umständen nicht mehr „everybody’s darling“ bin und Menschen auch mit Ablehnung auf mich oder mein Verhalten reagieren.

Zu guter Letzt: Selbst wenn ich keine Notwendigkeit sehe, mich auf neues Terrain zu begeben und Veränderungen im Innen und Außen einzuleiten, so macht es meiner Erfahrung nach tierisch Spaß, seinen Bequemlichkeitsbereich immer mal wieder zu verlassen. Es kann wie ein kleines Abenteuer erlebt werden, jedoch anders als dieses ganze „kick-betonte“ Tun – Computerspiele, Bungeejumping – unserer Zeit. Wir fühlen uns wach, voller Neugier – das Nebeneinander von Angst und Mut macht uns lebendig. Wir überraschen und uns andere. Und seien wir mal ehrlich: Das Leben ist kurz. Warum nicht also mehr Wagnis, mehr schillernden Alltag, mehr Übung und Experiment?

Sich dem Partner nähern

Von Jens Corssen, Verhaltenstherapeut und Spezialist für mentale Selbstführung, stammt der Satz “Die Beziehung ist kein Erlösungsort”. Sprich: Dein Partner ist nicht dafür zuständig, deinen Mangel an Glück, Zufriedenheit, Erfülltheit auszugleichen. Dein Partner ist nicht dafür da, dich von Leid zu befreien, dich aufzufüllen. Letztere sind deine Aufgaben. Darüber hinaus soll und darf es natürlich auch Spaß machen, die Freude deines Partners, deines Gegenübers generell, zu mehren. Den anderen dabei zu unterstützen, Glück zu erfahren, sich als selbstwirksam zu erleben.

Corssen meint, wenn du bei dir anfängst, dich selbst entwickelst, laufe die Beziehung. Ich gebe ihm dahingehend recht, dass wir das Glück des anderen steigern können, wenn wir uns selbst in eine gehobene Gestimmtheit bringen, wenn wir schlicht dafür sorgen, dass es uns gut geht, dass unsere Bedürfnisse erfüllt sind – auch ohne, dass unser Partner uns dabei behilflich ist. Was nicht heißt, dass wir uns nicht selbstverständlich vom anderen wünschen können, er möge uns ein bestimmtes Bedürfnis erfüllen. Das Sich-Selbst-Entwickeln kann natürlich auch Unruhe in die Partnerschaft bringen. Oft höre oder lese ich den Satz, bei dem ich schmunzeln muss:“Mein Mann ist so unspirituell, ich habe mich viel mehr entwickelt als er.” Das mag die eine oder andere so empfinden. Auch ich kenne den Gedanken oder auch die Angst in mir,  über andere hinauszuwachsen. Was sowieso nie voll umfänglich geschieht, sondern meist nur in einem Bereich.

 

Wenn ich möchte, dass die Beziehung wieder blüht, muss ich in mich selbst investieren, meinen eigenen Energielevel heben. Mein Mann und ich haben in letzter Zeit sehr spannende Gespräche geführt und tiefe, innige Momente geteilt. Ich merke: Auch wenn ich mich in den letzten Jahren sicher verändert und entfaltet habe, und auch wenn er nicht jede Welle mitsurft, so finden wir doch immer wieder zusammen. Manchmal auf Umwegen: Wir sprechen zum Beispiel selten über meine Blogtexte (da ich auch kritikempfindlich bin, und mein Mann ein großer wenn auch feinsinniger Kritiker ist;-)), finden dennoch auch in meinen (Blog-) Themen zueinander, diskutieren, tauschen uns aus, reflektieren gemeinsam. Mittlerweile teilen wir sogar das Kundalini-Yoga, welches mein Mann bisher durchaus interessiert, doch nicht praktizierend an meiner Seite verfolgte. Darüber freue ich mich natürlich besonders.

 

Und was ich auch lerne: Es bringt nichts und kann sogar nach hinten losgehen, wenn ich versuche, dem anderen meins überzustülpen, ihn wohlmöglich zu missionieren (“Jetzt mach das doch auch mal so!”, “Dies oder jenes würde dir so gut tun!” o.ä.). Ich glaube, was wirklich überzeugt, ist das was du selbst tust in deinem Leben – für dich, für andere, den anderen freilassend in dem was er tut. Eine starke, schöne Präsenz zu haben, in seine Kraft zu kommen, sich selbst zu bemuttern, Liebe ins Feld einzuspeisen – das ist meines Erachtens der größte Gewinn für alle. Da mag der andere auch gerne folgen, vorausgesetzt er fühlt sich durch dich inspiriert, traut sich selbst, zu wachsen.

 

Eine schöne Partnerschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ich mich so sicher fühle, dass ich mich entspannen kann, und mich gleichzeitig so frei fühle, dass ich mich entfalten kann. Ich möchte mir selbst immer wieder fremd werden, und ich lade auch die Fremdheit des anderen ein, sich mir zu zeigen. Denn Beziehung braucht stets beides, wenn sie lebendig bleiben soll – Vertrautheit und Fremdheit. Und sollte der andere mal plötzlich zu fremd werden, hilft Humor ungemein.

 

Es gab viele Momente in den letzten Wochen, in denen ich mich getraut habe, mich meinem Mann gegenüber auch mit schambesetzten Themen zu öffnen. Von mir zu erzählen, Worte auszuspucken und währenddessen wahrzunehmen, dass mir heiß wird, dass da alte Ängste hochkommen, dass ich gerad selbst nicht weiß, wie ich mich finde. Und zu erleben: Auch das geht, ist möglich, der andere ist immer noch da, und nicht nur das: Er ist ganz präsent, hört wirklich zu. Im Anschluss an solche Momente fühlen wir uns oft sensibilisiert und gleichzeitig tief gestärkt. Auch teilen wir unserem Unbewussten, unserem ganzen System mit: Wir stehen wirklich für uns ein und leben Integrität, leben unsere WerteEhrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut zum Beispiel. Wir reden nicht nur davon, dass diese und jene unsere Werte sind, sondern lassen Taten folgen, auch wenn’s unbequem wird.

 

So begebe ich mich also wie wir alle jeden Tag auf die Übungsmatte des Lebens, experimentiere und halte es mit Goethe:

“Und so lang du das nicht hast, dieses Stirb und Werde,

bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.”

Gehabt Euch wohl, schöne Tage, Raunächte, schönes Einkehren & einen wunderbaren Start ins neue Jahr!

Herzlichst, Carolin

 

 

Von Familienrollen und Bewusstwerdung

In letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Familie. Das Thema ist für mich dieser Tage sehr präsent, da meine Geschwister und ich uns gerade um den elterlichen Nachlass und das Elternhaus kümmern. Wir kommen regelmäßig zusammen, um gemeinsam zu überlegen, welche Aufgaben anstehen, wer welchen Verantwortungsbereich übernehmen kann, wie das Erbe aufgeteilt wird.

Wir bewegen uns aufeinander zu, lassen uns berühren, werden bewegt. Emotionen werden frei, alte Rollen neu reflektiert – eine hochspannende, lehrreiche und nicht zuletzt aufgrund des großen Eltern-Verlustes auch schmerzvolle Zeit.

Bei unserem letzten Zusammenkommen ist mir etwas bewusstgeworden: Menschen, die dir so nahe stehen wie enge Familienmitglieder, können dich – egal wie alt du bist und wie bewusst du bereits unterwegs bist – mit dem was sie sagen und zeigen, innerlich sehr aufwühlen und verletzen. Deine Knöpfe können wunderbar gedrückt werden, auch wenn du glaubtest, das Thema schon längst verarbeitet zu haben. Ich spürte dies in einem Moment, in dem mein ältester Bruder – gefühlt schon tausendfach wiederholte – Worte an mich richtete, die mich erneut mit Trauer und Scham erfüllten. Selbstverständlich haben wir als Erst- und Letztgeborene(r) – dazwischen zwei weitere Geschwister – ganz unterschiedliche Rollen eingenommen:

Während mein Bruder von Beginn an viel Verantwortung trug und auch heute immer noch auf sich lädt, bin ich – auch aufgrund des „einzelkind-ähnlichen“ Aufwachsens (ich kam acht Jahre nach der Geburt meiner Schwester; die drei Geschwister sind wiederum nur jeweils ein Jahr auseinander) wesentlich freier aufgewachsen – aus Sicht meines Bruders entbunden von Aufgaben und Pflichten, die ihm stets zuteilwurden. Ich als Jüngste hatte wie gesagt andere Freiheiten, habe mehr „mein Ding“ machen können und mir nun auch noch „den Luxus einer Yoga-Ausbildung gegönnt, anstelle mich noch stärker um unsere Mutter zu kümmern“ – so in etwa mein Bruder. Worte, die mich verletzten, da ich zwar die Perspektive meines Bruders einnehmen kann und sich gleichzeitig etwas aus mir heraus vollkommen anders anfühlt, ich Dinge auch anders sehe:

Ich habe selten im Leben so vieles gewuppt wie in den vergangenen 2, 3 Jahren: So oft es mir möglich war und meine Kräfte es zuließen, war ich im Celler Elternhaus bei unserer Mutter, bin allen anderen (Mutter- & Job-)Pflichten nachgekommen – und habe gleichzeitig meine Projekte verfolgt, Dinge getan, die für mich waren, für mich gut waren, wie zum Beispiel das (Blog-) Schreiben. Die Yoga-Ausbildung stand einfach an und hat sich nicht als „Luxus“ angefühlt, sondern als elementarer Schritt in meinem Leben. Ich habe eher den Eindruck, der Yoga-Weg bringt auch Heilung – für mich und mein Umfeld. An vielen Stellen spüre ich bereits: Dem ist auch so. Auch vermute ich, dass ich mit meiner neu gewonnenen Klarheit, Zentriertheit und Stärke auch mehr polarisiere als bisher und andere präziser spiegele: In Sachen Selbstliebe und -fürsorge haben die meisten noch einen großen Mangel und dürfen für sich prüfen, wie es um ihre eigenen Bedürfnisse und Werte, ihre eigene Selbstfürsorge steht. Ein gesunder Egoismus darf durchaus sein und macht Sinn.

Zurück zu dem, was mir bewusstgeworden ist: Das Knöpfe-Drücken mir nahstehender Menschen ist eine Sache. Interessanter war fast die Tatsache, dass meine Traurigkeit, mein Schmerz, mein Schuldempfinden viel schneller von dannen zogen als noch vor einigen Jahren. Ich hatte nach unserem Geschwistertreffen wenige sehr gute Gespräche mit meinem Mann und meiner Schwester, und im Anschluss an diese Gespräche standen dann plötzlich wieder ganz andere Sachen an. Jetzt denke ich: Wie schön, dass die Jahre mit Yoga, Meditation und konsequenter Praxis der Selbstliebe und Achtsamkeit – alte Prägungen, Gewohnheiten verlernen, alte Verletzungen heilen – nun ihre Früchte tragen. Das hat mich regelrecht beglückt, und ich begegne meinen Liebsten, allen voran meinem geliebten Bruder, der mir insbesondere in meinen Kindheitsjahren stets ein Vorbild war, wieder mit neuer Frische und Herzlichkeit.

Siehe da: Veränderung ist möglich. Und beginnt immer und ausschließlich in uns.

Mit einer sehr lieb gewonnenen Bekannten, auch Yoga-Lehrerin, hatte ich in den vergangenen Tagen einen lehrreichen, in die Tiefe gehenden Emailaustausch, für den ich ihr sehr dankbar bin. Auch sie beschäftigt sich dieser Tage viel mit ihrer Herkunftsfamilie – die Goldene Hochzeit der Eltern steht kurz vor der Tür, und jeder Geschwisterteil bringt sich unterschiedlich ein. Meine Bekannte als erstgeborene „Familienmanagerin“ stellte für sich fest, und diese Haltung half mir wiederum ungemein: Sie wird nur die Dinge tun, die sie wirklich mit Liebe und mit dem Herzen machen kann – um alles Weitere darf die Mutter die Geschwister bitten. Das fand ich schön: dieses „mit Liebe und dem Herzen Machen“. Wie oft sind insbesondere wir Frauen – häufig sozial, helfend, therapeutisch unterwegs – ständig am Tun und Machen.

Ich glaube wir dürfen uns noch viel ehrlicher die Frage beantworten, ob unsere tiefe Motivation für dieses „Permanent-für-andere-Tun“ tatsächlich einer freien, liebenden Quelle entspringt, oder ob wir doch etwas kompensieren wollen, und Mangel, Schuld, Scham eine Rolle spielen.

Liebes Leben, ich danke dir für diese vielen wertvollen Erkenntnisse der vergangenen Tage und wünsche uns allen nun eine ertragreiche Zeit.

Von der Falle weiter sein zu wollen

An dieser Stelle möchte ich einfach mal wieder an meine regelmäßig im Online-Magazin compassioner erscheinenden Artikel erinnern.

Dieses Mal habe ich mich folgendem Phänomen gewidmet: “Spirituell gesinnte Zeitgenossen” wähnen sich oft in ihrer Entwicklung “weiter” als sie’s tatsächlich sind. So gerne wollen wir oft freundlich, empathisch, liebenswürdig sein, um im Alltag festzustellen, dass wir manchmal auch gar keine Lust darauf haben – und uns gerne mal abgrenzen, vom Acker machen, den anderen sch… finden. Was ich auch nicht will: Stets den eigenen Anteil in einer (delikaten) Situation suchen, auch da ich gar nicht sicher bin, ob das immer sinnvoll ist.

Viel Spaß beim Lesen und weiterhin schöne Sommertage Euch:-)!

Echte Kommunikation – Von der Falle, weiter sein zu wollen, als man ist

 

Kontakt findet an Grenzen statt

bild-kontakt-grenzenEine Heilpraktikerin sagte einmal zu mir: „Kontakt findet an Grenzen statt.“ Über diesen Satz habe ich oft nachgedacht und im Laufe der Zeit zahlreiche Beispiele für das Wahre an dieser Aussage gefunden: Beziehung wird immer dann spannend, wenn wir uns in unserer Tiefe begegnen, wenn wir den anderen an einem Punkt berühren, der ihn oder uns bewegt, der noch nachhallt oder einen von beiden in Aufruhr versetzt. Wenn wir den Mut haben, unsere innere Wahrheit mitzuteilen, unsere Bedürfnisse und Werte auf den Tisch zu legen, auch wenn wir dadurch verletzbarer werden und das Gegenüber gegebenenfalls enttäuscht oder ablehnend reagieren könnte.

Oft haben wir ein bestimmtes Bild von jemandem im Kopf, meinen ihn zu kennen und wollen auch keine große Energie aufwenden, dieses Bild zu ändern oder zu erweitern. Gerade in Momenten, in welchen der andere vielleicht nicht in der gewohnten oder erhofften Manier reagiert, können beide Beziehungspartner wachsen, kann die Beziehung reifen. Natürlich wird dann oft auch am Eigenen – an der bestehenden Lebensmethode, dem eigenen Lebensmodell – gerüttelt; das ganze System, das Feld, in dem sich die Beziehung bewegt, gestaltet sich neu. Diese Momente sind Chancen, auch wenn wir es eventuell nicht gleich wahrhaben wollen. Schaffen wir es, uns immer wieder für neue Erkenntnisse und Begegnungen mit uns nahen Menschen „leer“ zu machen, dem anderen immer wieder mit frischem, offenen Blick zu begegnen, so denken und fühlen wir uns frei, und es eröffnen sich ganz neue Spiel- und Begegnungsräume.

Jemand, der seine eigenen Gefühle gut wahrnehmen kann und auch Unangenehmes nicht unterdrückt, kann sich meines Wissens auch leichter und tiefer in andere Menschen einfühlen, wird empathischer. Nehme ich zu meinem eigenen Herzen mitfühlend immer engeren Kontakt auf, fällt es mir auch leichter, einen anderen Menschen so zu akzeptieren, wie er ist. Lerne ich meine dunklen Seiten, meinen tiefsten Schmerz immer besser kennen, so wächst mein Verständnis für den anderen und seine „Abgründe“. Zwischenmenschliche Schwierigkeiten treten oft dann auf, wenn wir in Bezug auf den anderen oder unsere Beziehung eine genaue Vorstellung haben, wie dieser bzw. diese aussehen sollte. Die Beziehung hat hier die Chance, in und an solchen „Grenzmomenten“ zu wachsen, tiefer zu werden, oder aber es trennen sich Wege vorrübergehend oder ganz.

Wenn eine deiner Werte mit denen deines Beziehungs-Gegenübers – Partner, Freund, Kollege – in Konflikt gerät, kann dies Stress erzeugen. Wünschenswert wäre es meines Erachtens, wenn beide Parteien akzeptieren könnten, dass jeder das Recht hat, der zu sein, der er ist. (Während ich den letzten Satz schreibe kommt mir der mich seit Tagen enorm bewegende Berlin-Anschlag in den Sinn und ein Teil von mir zweifelt extrem an dieser Aussage).

Wahrhaftige, tiefe Begegnung bedarf meiner Erfahrung nach des Mutes und der Ehrlichkeit: Lege ich meine Wahrheit möglichst offen auf den Tisch und formuliere meine Werte und ihre konkrete Bedeutung so klar wie möglich, können sich Missverständnisse auflösen.

Was ich auch lerne: Antworten finde ich stets in mir. Habe ich beispielweise einen Konflikt mit einem anderen, kann ich mich sehr auf diesen anderen, seine Fehler und Unzulänglichkeiten konzentrieren und mich immer weiter in das Beziehungsdrama einschwingen. Wirklich helfen wird es mir nicht. Ich darf mich stattdessen fragen: Was soll ich hier lernen? Was ist in mir noch nicht bereinigt? Und auch: Was darf ich getrost- und möglichst mitfühlend –  beim anderen lassen, was gehört nicht zu mir?

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein schönes, gesegnetes Weihnachtsfest!

 

Herzlichst, Carolin

 

Ehrlich sich selbst gegenüber

Ehrlich sich selbst gegenüberEhrlichkeit ist ja oft ne schwere Nummer. Über’s Ehrlich-Sein im Miteinander habe ich mich schon häufiger geäußert.

Was meines Erachtens noch viel elementarer ist, ist die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Und diese ist häufig nicht weniger schwer: Sich wirklich einzugestehen, was gerade im Argen liegt, in welchem Lebensbereich sich Baustellen befinden, sich selbst gegenüber zuzugeben, wo genau Veränderungsbedarf liegt – das ist manchmal hart. Doch ich glaube, allein das Sich-Eingestehen ist die halbe Miete und ein guter Boden für Veränderungen, Schritt für Schritt, Baustelle für Baustelle – vorausgesetzt, ich möchte wirklich etwas ändern. Manchmal hilft es auch, sich dazu zu bekennen, dass man an einer Stelle (noch) nicht bereit ist, Veränderungen einzuleiten. Zu erkennen, da ist mein Schiss größer – ich bin (noch) nicht so weit, oder meine Bequemlichkeit hat hier die Oberhand. Auf Ausreden zu verzichten – auch das ist ehrlich.

Mir ist zum Beispiel vor kurzem bewusst geworden, dass ich dieser Tage viel im Internet daddle, für mein Empfinden zu viel. Auch in Zeiten – vor’m Schlafengehen beispielsweise – in denen es mir erfahrungsgemäß nicht gut tut. Allein dieses Eingeständnis mir selbst und kurz darauf einer engen Freundin gegenüber brachte Veränderung ins Haus: Ich bin nun wieder etwas bewusster, habe neue Bücher erstanden – optimal für die Herbstzeit, lege im Vorfeld Zeiten fest, in denen ich mir erlaube, im Netz zu stöbern und mache das Smartphone (ja, manchmal vermisse ich auch mein “Old-school-Handy”) meistens mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen aus.

Mein Mann meinte neulich, ich könnte ja auch mal wieder mehr Klavier spielen. Davon abgesehen, dass mir das gut bekommt und ich in intensiven Übezeiten – beispielsweise vor einem wichtigen Auftritt – insgesamt und vor allem mental fit bin, ist das Musizieren ein schöne Tätigkeit für’s Miteinander: Auch unserem Sohn wird dabei ein sinnvolles, ja kulturelles Schaffen nähergebracht. Oft denke ich: Wenn wir Yossi eine Vielfalt an wertvollen Aktivitäten schmackhaft machen wollen, dann sollten wir nicht nur labern (“Der Computer wird in 10 Minuten ausgeschaltet!”), sondern uns auch selbst entsprechend – integer – verhalten.

Was ich auch schwierig finde: nicht “besser” sein zu wollen, als ich tatsächlich bin. Mich nicht weiter in meiner Entwicklung zu machen, als ich’s bin. Neulich am Frühstückstisch habe ich meinem Mann gegenüber einen Gedanken geäußert, der eine gemeinsame Bekannte in ein weniger schönes Licht rücken ließ. Ich spürte in diesem Moment Lust, laut zu denken, und gleichzeitig Scham, da mich diese Äußerung auch nicht wer weiß wie glanzvoll dastehen ließ. Und dennoch denke ich: Auch das ist Leben, auch das bin ich. In diesem Bewusst-Werden und sich selbst die Erlaubnis Geben, auch “hässliche” Gedanken zu denken und ggf. zu äußern kann ich mich gleichzeitig darin üben, eine wohlwollende, großherzige Haltung mir und anderen gegenüber zu kultivieren. Und mich daran erinnern: Der andere bin (auch) ich.

Auch ein Sich-kleiner-Machen, zum Beispiel indem ein empfundener Erfolg zurückgehalten wird, in der Befürchtung, der andere könnte einem diesen missgönnen, bringt niemanden weiter. Eigene Probleme und Baustellen anderen gegenüber dramatischer darzustellen, als ich sie selbst empfinde, nur weil es ggf. leichter ist, Leid zu teilen, als hervorzuheben, was gerade besonders glückt, ist auch nicht redlich.

Ehrlich sein bedeutet auch, mir einzugestehen, dass ich gerade an einer Stelle nicht weiter weiß. Das kann auch sehr befreiend sein. Insbesondere an Tagen, die eh schon voller Unannehmlichkeiten sind, hilft ein Anerkennen dessen was ist, ein Erst-mal-so-Lassen, wieder in Frieden mit sich und der Welt zu kommen.

Mir ist es kein Anliegen, mich ständig zu optimieren – im Sinne von schneller, schlanker, effizienter, leistungsorientierter; ich möchte mich hingegen gerne mehr und mehr selbst erkennen, mich ausprobieren und entfalten und gleichzeitig immer wieder nüchtern betrachten, was in meinem Leben nicht stimmig ist und was ich gerne verändern möchte. Eine gute Richtschnur bieten mir meine Werte, die mir elementar wichtig sind. Es lohnt sich, sich dieser tatsächlich bewusst zu werden, sie aufzuschreiben, in sich zu bewegen und das eigene Leben mit den eigenen Werten in Einklang zu bringen.

Wie schwer oder leicht fällt es Euch, aufrichtig anzuerkennen, was ist?

 

Wahrhaftigkeit im Miteinander – vom Tabu in die Freiheit

ende-september-2016-2Ich bin voller Freude, erneut für den Compassioner schreiben zu dürfen. Wieder einmal widme ich mich dem Thema wache, bewusste Kommunikation. “Spreche ich gerade meine Wahrheit?” “Wie begegne ich dem anderen?” “Höre ich seine Wahrheit?”

Hier geht es zu meinem Artikel “Wahrhaftigkeit im Miteinander – vom Tabu in die Freiheit”…

Erfolg-Reich

image-jpeg-attachmentIch habe heute Lust, über Erfolg zu schreiben. Nicht zuletzt inspiriert durch das Buch „Werde verrückt von Veit Lindau („Wie du bekommst, was du wirklich-wirklich willst“) mache ich mir momentan Gedanken darüber, was Erfolg für mich bedeutet. Ich meine – wie wahrscheinlich jeder automatisch – den konstruktiven Erfolg, der einen voranbringt. Dass man sich natürlich auch erfolgreich selbst sabotieren kann, lasse ich im Folgenden außer vor. Im Grunde sind wir alle jeden Tag 100%ig erfolgreich, fragt sich nur wie bewusst und in welcher Richtung.

Mir wird immer bewusster, dass mich Erfolg im Sinne von „Karriereleiter empor und viel Besitz Anhäufen“ wenig bis gar nicht tangiert. Erfolgsattribute wie Besitz und Macht – im Sinne von: „in einer hohen Position“, diverse Untergebene unter sich – werden in unserer Gesellschaft von vielen als erstes angeführt, wenn sie „Erfolg“ hören. Dies entsprach aus meinem Erleben auch nicht dem „Erziehungsauftrag“, den Werten meiner Eltern. In meiner Herkunftsfamilie war oder ist niemand „überdurchschnittlich erfolgreich“ – im oben beschriebenen bzw. “landläufigen” Sinne; in unserer Großfamilie wiederum schon, interessanterweise.

Entscheidend ist meines Erachtens die Frage: „Was bedeutet Erfolg für mich persönlich?“

Für mich ist Erfolg in erster Linie die Gestaltung eines gelingenden Lebens, ein Leben in Fülle und Dankbarkeit, das ich voll ausschöpfen kann und in dem ich einen hohen Grad an Selbstbestimmung, ja an Freiheit, leben darf. Erfolg bedeutet für mich, ein Leben meinen Werten und Bedürfnissen entsprechend zu gestalten – Felder zu kreieren, in denen ich “erblühen” und optimal dienen kann, mir und anderen. Immer mehr so zu leben, dass alles leicht und natürlich geschieht. Ich glaube, dass jeder weiß, wie sich (sein) Erfolg anfühlt.

Ich fühle mich erfolgreich, wenn ich auf vielen “Kanälen” schöpferisch tätig sein, mich ausdrücken kann, wenn ich spielend leicht Dinge bewerkstellige. Meine Gaben und Talente erkunde und diese zur Blüte bringe. Ich spüre Erfolg, wenn ich mit meiner Schwester und unserer Musik die Zuhörer selig stimmen kann, ein Klient in einer Musiktherapiestunde etwas Neues erfahren durfte oder die Stunde zufrieden verlässt.

Reich an Erfolg fühle ich mich, wenn ich den Mut aufbringe, mich in unbekanntes Terrain zu wagen oder Träume beginne zu leben. Diesen Blog ins Leben gerufen zu haben und darüber immer mehr Resonanz zu erfahren bedeutet Erfolg für mich. Mich nun tatsächlich zur Yogalehrerin ausbilden zu lassen entspricht voll meinem Bild von Erfülltheit und Erfolg, unabhängig davon, wie konkret es weiter geht, ob ich tatsächlich einmal unterrichten und Schüler um mich scharen werde.

Und ich werde mir immer klarer darüber, dass Erfolg auch mit Disziplin zu tun hat – Disziplin nicht im Sinne von Gehorsam, sondern Disziplin als schrittweises Dranbleiben, als ein Üben und mich dem Unterordnen, was ich für wesentlich halte. Yogi Bhajan sagte, Disziplin mache dich kreativ. Nach spätestens 20 Tagen innerhalb einer sich 40 Tage lang wiederholenden Meditation habe ich meist keinen Bock mehr – und bleibe in der Regel dennoch dran. Die Erfahrung ist Gold wert, und ich ernte am Schluss viele Früchte.

Erfolg zu leben bedeutet für mich, als Mensch sichtbar(er) zu werden, aus mir heraus zu leben, zu wachsen, an Tiefe und Reife zu gewinnen.

So ganz kann man das liebe Geld ja nun auch nicht herausnehmen aus der „Erfolgsgleichung“: Natürlich fühlt sich ein Leben, in dem ich – auf vielen Ebenen – satt werde, mir etwas gönnen oder leisten kann und nicht jeden Cent umdrehen muss, leichter und angenehmer an. Ökonomischer Erfolg ist nicht unerheblich. Und selbstverständlich hat ein jeder hier unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche. Unser persönlicher „Luxus“ ist gutes (Bio-) Essen. Und meine ganz persönliche Präferenz ist die Möglichkeit zu verreisen, mobil zu sein, mir mehrmals im Jahr eine Ferienwohnung leisten zu können. “Freude ist die Essenz von Erfolg” stand heute morgen auf meinem “Teebeutel-Fähnchen”. Da ist was dran.

Was macht für Euch Erfolg aus? Wie fühlt sich dieser an? Ich freue mich über Austausch!

Meine Werte

Dem eigenen Pfad folgenIn letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Werte. Was sind Werte, welche sind meine Werte, die mir dieser Tage wichtig sind? Wofür möchte ich in der Welt stehen, was konkret macht mein Leben aus?
Werte sind aus meiner Sicht ein Fundament, auf dem ich lebe – eine Art Leitstern in meinem ganz persönlichen In-der-Welt-Sein.

Momentan ist Freiheit ein sehr wichtiger Wert für mich: frei sein von Enge, von selbst auferlegten Zwängen und Erwartungen, zu hohen Ansprüchen, frei sein von einengender Routine, ja, und frei sein für Weite, für ungeahnte Möglichkeiten, Menschen und neue Begegnungen, für Erfahrungen. Mich und andere frei lassen. Wenn ich „Freiheit“ höre oder lese, geht etwas in mir auf und ich werde innerlich ganz weit.
Ehrlichkeit ist mir wichtig: Meine Wahrheit denken und aussprechen dürfen, mir selbst auf die Schliche kommen, aufrichtig mir selbst und anderen gegenüber sein – auch wenn dies oft sehr schwer ist und je nach Kontext fein abgestimmt werden darf. Nicht alles immer sagen müssen, doch das was ich sage, ehrlich meinen.
Freude ist für mich wie ein Motor, eine Kraft, der ich folge: innerlich heiter und bewegt sein, im „Kleinen“ – Reisen, Rituale, Ruhemomente, Sich-was-Gönnen – sowie im „Großen“ – Sinnfragen, Sehnsüchte, Beruf(ung), Pläne, Ziele. Unter Freude fällt für mich auch Leichtigkeit. Dinge mit Kraft und Leichtigkeit anzugehen – was auf den ersten Blick paradox erscheinen mag – lässt mich „erblühen“.
Herzlichkeit ist mir wichtig: auf Herz- & Augenhöhe kommunizieren, mir und anderen Komplimente machen, freundlich und mitfühlend sein, Dinge mit und von Herzen tun.
Ein weiterer elementarer Wert für mich ist Dankbarkeit. Während Freude einem Motor gleicht, ist Dankbarkeit für mich ein Fundament, ein Boden, auf den alle meine Erfahrungen, auch die weniger schönen und die schmerzvollen, fallen.
Mut tut gut. Mut ist herrlich, vielleicht nicht in den ersten Momenten, in denen oft Angst dominiert, doch stets im Nachhinein, wenn ich mich getraut habe. Mut zu Ehrlichkeit und Unbequemsein, zum Anecken, Ecken und Kanten Zeigen. Ein Wert, eine Haltung, die nun immer öfter bei mir anklopft und mich herauslockt, mich sichtbarer werden lässt. Neugier fällt für mich auch unter Mut.
Humor find ich großartig. Fein, englisch, schwarz, trocken – je nachdem was gerade aus meinem Erleben stimmig ist, möglichst ohne dabei andere zu verletzen. Dinge und Situationen aus der Vogelperspektive zu betrachten und dabei so viel gesunde Distanz zu haben, dass ich’s mit Humor nehmen kann. Übrigens schwingt auch hier wieder die Leichtigkeit für mich mit, die einem Menschen oder einer Situation manchmal die Schwere nimmt, was auch gut tun und angemessen sein kann. Über sich selbst lachen – wenn man’s kann, sehr schön.
Mein achter und letzter Wert – zu viele Werte verwirren eher und lassen mich Orientierung verlieren – ist Kreativität. Sie ist für mich Ausdruck, mein Schöpferisch-Tätigsein – in der Musik, im Schreiben, Fotografieren – einfach im Sein.

Rebecca Reinhards philosophische Position zur Frage nach Werten in einem authentischen Leben besagt, dass es wichtig sei, eine Balance zu finden zwischen “subjektiven und objektiven Werten” (in: Spiegel Wissen, “Ich bin ich”, Ausgabe 1/2016, S. 33). Sprich Zufriedenheit und Ausgeglichenheit haben auch mit Verantwortung anderen gegenüber zu tun – Tugenden wie Verantwortung und Hilfsbereitschaft sind laut Reinhard wichtiger Bestandteil eines gelingenden Lebens.

Werte sind auch nicht in Stein gemeißelt. Ich darf immer wieder prüfen, ob der eine oder andere Wert momentan noch stimmig für mich ist, noch Sinn macht, gerade ansteht. Oder ob sich Werte nicht auch zusammenfassen lassen – unter einen „Hauptwert“. Ich kann mich von Zeit zu Zeit anderen Werten widmen – jenen, die noch Entwicklungschancen für mich bereithalten. Und ich darf mich fragen, was ich ganz konkret unter einem bestimmten Wert verstehe, welche persönliche Bedeutung dieser für mich gerade hat, wie ich und andere erkennen können, dass mein Handeln auf diesen Werten fußt. Großzügigkeit war längere Zeit ein Wert für mich – zurzeit schenke ich ihm keine besondere Aufmerksamkeit: Großzügigkeit ist für mich gerade einfach da, in meinem Leben – und fällt darüber hinaus unter Herzlichkeit im Sinne von Großherzigkeit.
Klarheit, Gemütlichkeit, Wildheit, Wachstum – es gibt noch so einige wertvolle Werte, die ich spannend finde und die sicher nochmal näher an mich heranrücken werden.

Werte Leser, habt’s gut & genießt diese herrliche Jahreszeit!

Unliebsame Eigenschaften

Popler3Heute mache ich unliebsame Eigenschaften zum Thema. Es ist so herrlich menschlich, vor uns und anderen möglichst gut dastehen zu wollen: hehre Eigenschaften wie „freundlich, mitfühlend, klug, erfolgreich, gut gelaunt, optimistisch, ehrlich, mutig, gesellig“ zu verkörpern. Dahingehend verbergen wir gerne unsere kleingeistigen, egoistischen, ängstlichen, eifersüchtigen, neidischen und unwissenden Anteile.
Das kenne ich auch. Und ich lerne: Ich muss auch nicht alles an mir mögen. Von Selbstoptimierung im Sinne von permanent schöner, fitter, höher, weiter halte ich nichts. Selbstakzeptanz finde ich wunderbar – diese geht mit Selbstliebe einher. An bestimmten Zügen und Verhaltensweisen immer wieder zu feilen und sich gleichzeitig auch nicht dafür zu peinigen, wenn man mal wieder „mit niederen Motiven unterwegs war“. Je großzügiger ich mit meinen eigenen Fehlern bin, je mehr sich mein System entspannt, umso relaxter wird auch mein Umfeld. Die Erfahrung mache ich nun immer wieder.
Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn ich Ärger in mir anstaue, meine Klappe nicht aufkriege und sich – nun deutlich mehr Ärger – für das Gegenüber plötzlich unerwartet heftig entlädt. Zum Glück kommen diese Situationen immer seltener vor, je mehr ich mich traue, gleich etwas anzusprechen – auch auf die Gefahr hin, dass der andere not amused ist und die Stimmung zwischen uns getrübt sein könnte.

Manchmal formuliere ich Kritik zu hart, auch wenn ich sehr bemüht bin, passende Worte zu finden. Ich kann auch schonungslos ehrlich sein – die Betonung liegt auf schonungslos. Da Ehrlichkeit einer meiner mir wichtigsten Werte ist, mache ich es mir und dem anderen auch nicht immer leicht. Das weiß ich, und da versuche ich, wach und aufmerksam zu bleiben und einen Weg zu finden, der allen dient.
Ich finde mich nervig, wenn ich zu hektisch werde, von A nach B springe und zig Sachen gleichzeitig angehe. Meistens halte ich mich für wer weiß wie flexibel und anpassungsfähig um dann festzustellen, dass die Sturheit und die Hartnäckigkeit, die ich meinem Sohn vorwerfe, auch die meine ist.
Unser Vater legte viel Wert darauf, Lebensmittel auf eine sehr akribische, eine bestimmte Struktur und Ästhetik verkörpernde Art zu verpacken und zu verschließen – oder Verpackungen auf eine ganz bestimmte Weise zu öffnen. Unglücklicherweise ging diese Marotte weit über den Bereich Lebensmittel hinaus: Ich erinnere mich zum Beispiel, dass es Stunden dauerte, bis unser alter gelber Opel damals urlaubs-abmarschbereit gepackt war: Horsti war es wichtig, Koffer, Taschen und alles andere so zu verstauen, dass es aus seiner Sicht „perfekt“ war. Und das konnte dauern. Auch ich bin manchmal etwas „zwänglich“, wie ich immer wieder erschrocken feststelle, und in mir zieht sich alles zusammen, wenn jemand in meiner Nähe eine neue Verpackung einfach aufreißt.
Diese Belanglosigkeiten mussten gerade raus, was ich sagen will: Seien wir doch milder mit uns! Humor hilft hier ungemein. Über sich selbst Lachen bringt die nötige Entspannung. Und was las ich neulich? Erfolgreiche Menschen unterscheiden sich dadurch von sog. erfolglosen, dass sie ihre Stärken und Schwächen kennen und sich auf die Stärken konzentrieren. Ein anderes Thema – Erfolg ist ein schillernder Begriff und bedeutet ja für jeden etwas anderes.
Das lebenslange Aussöhnen mit sich, all dem „Unschönen“, „Unfertigen“, seinem eigenen Schatten schenkt uns und unserem Leben Tiefe, so meine Erfahrung. Warum mal einfach nicht seinen eigenen Neid zugeben bei der betreffenden Person, ihn ansprechen und als Chance nutzen, daraus etwas zu machen, zu wachsen?
Seine eigenen Schwachstellen, sein eigenes Ungeliebtes kennen zu lernen und zu sich nach Hause zu holen hat auch den ungemeinen Vorteil, dass wir unser Umfeld schlicht weniger nerven: Je besser und tiefer ich mich kenne, umso weniger muss ich meinen eigenen Mist beim anderen abladen, umso weniger projiziere ich.
Und wenn’s mal wieder nicht so läuft wie wir’s gerne hätten: C’est la vie.

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