seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Vertrauen

Antworten findest du in dir

Von der Schönheit des Nicht-Wissens

Domestizierter Hund oder wilder Wolf?

Ich glaube, die meisten Menschen halten sich sehr zurück, wenn es darum geht, ihr Inneres nach Außen zu kehren. Ich frage mich oft, weshalb dem so ist – es muss mit Konditionierungen, ggf. in sehr frühen Zeiten zu tun haben. Wir deckeln uns alle ungemein. Warum? Vermutlich aus Angst.

Ich wage zu behaupten: Wir leben große Teile unseres Lebens unter einer Käseglocke. Wir verlieren – zumindest in unserer Kultur – die Reinheit, das Unschuldige, Spielerische, ja, auch das Wilde auf unserem Weg ins Erwachsenendasein. Wie schade. Und wie erfrischend gleichzeitig, Kinder in ihrer meist ungezügelten Art zu beobachten. Dies heißt keineswegs, dass aus introvertierten Zeitgenossen plötzlich expressive Extrovertierte werden sollen. Ich kann mein Introvertiert-Sein, mein Bedürfnis nach Einkehr und Zeit für mich ja wunderbar leben und gleichzeitig den inneren Regungen in mir neugierig begegnen ohne etwas zu unterdrücken.

An diesem Wochenende – während einer astrologischen Beratung bei „Navigator“ Harry und einem weiteren Ausbildungswochenende im Rahmen meiner Kundaliniyoga-Lehrerausbildung – habe ich sehr viel über mich und zwischenmenschliches Verhalten gelernt. Mir ist klar geworden, wie sehr ich mich selbst noch zurückhalte, wie schwer es mir fällt, mich zu trauen, ganz nah an mich heran zu treten und zu schauen, was da noch alles so in mir schlummert. Da ist immer noch Angst in mir – vor Selbstausdruck, vor Ablehnung durch andere, davor zu entdecken, wie machtvoll ich bin, wieviel Kraft und Energie in mir steckt. Verrückt. Doch wahr. Und ich bin der festen Überzeugung, dass ich damit nicht allein bin.

Es ist eine ungeheuerliche und gleichzeitig tief befreiende Entdeckung, eigenen blinden Flecken auf die Spur zu kommen. Auf einmal verstehe ich auch, weshalb ich einer Weggefährtin vor Jahren wiederholt vorgeworfen habe, sie sei so kontrolliert und hätte Angst, Farbe zu bekennen: Ich bin meiner eigenen Tendenz, Kontrolle ausüben zu wollen, meiner Angst, mich mit Angst und Unzulänglichkeit zu zeigen, auf die Schliche gekommen. Angst wiederum hält mich von bestimmten Gefühlen, beispielsweise Scham, fern, bzw. sie schützt mich vor Gefühlen wie Scham. Ich fühle nicht, doch ich lebe auch nicht. Scham ist das Gefühl, falsch zu sein – im Grunde der Knackpunkt, der uns vom Leben fernhält.

Ich sehne mich nach tiefem Vertrauen. Vertrauen in mich, dieses Leben, eine höhere Macht. Wahnsinnig gerne möchte ich mich hingeben, meinen Kopf ablegen – die ganzen Kopfgespenster und Sorgen Mutter Erde übergeben. (Im Übrigen ist die sog. „Baby Pose“ aus dem Yoga eine schöne Möglichkeit, das Herz über den Kopf „zu stellen“: Auf den Fersen sitzend beugen wir uns nach vorne und legen die Stirn auf den Boden). Das Bekannte für das Unbekannte aufgeben – wie oft trauen wir uns das wirklich?

Sicher können wir auch im Alltag viel spielerischer sein als wir’s oft sind: mit Worten, Bewegungen, Begegnungen und Situationen jonglieren. Eine alltägliche Verrichtung wie das Wasser-Einschenken und Trinken mal im Schneckentempo vollziehen, ganz achtsam. Grundlos Grimassen schneiden. Einem Gegenüber einen ungewöhnlichen Gedanken zuwerfen. Tanzen wenn uns danach ist. Seit diesem Wochenende übe ich mich in Folgendem: Wenn’s in mir denkt „Das ist jetzt aber beknackt“ tu ich’s trotzdem. Oder gerade. Herrlich.

Ich behaupte: Der Blick auf den sog. Ernst des Lebens geht uns dennoch nicht verloren. Da bin ich mir sicher. Die meisten von uns sind mehr als pflichtbewusst. Dinge, die aus selbst gewählter, uns auf unserem Herzensweg unterstützender Disziplin geschehen, sind sinnvoll und wunderbar, doch die von außen auferlegte, mitunter auch unreflektierte Pflichterfüllung darf meines Erachtens immer wieder hinterfragt werden. Dinge aus „innerer Einsicht“, resultierend aus den eigenen Wertmaßstäben heraus zu tun ist etwas anderes, als besinnungslos im Hamsterrad zu laufen, überspitzt formuliert.

Unseren inneren Kritiker können wir immer wenn er zu laut und dominant wird besten Gewissens liebevoll doch deutlich in die Schranken weisen. Wie sagte unser Yogalehrerausbilder Atma Singh kürzlich so treffend: „Gott segne dich, innerer Kritiker – doch ich unterrichte  jetzt Kundalini-Yoga.“ (Sollte unser Verstand beispielsweise während einer Unterrichtsstunde mal wieder zu sehr ins „Rödeln“ geraten und sich in den Vordergrund drängen).

Woran ich uns heute alle erinnern möchte: Lasst uns trauen, unsere Schleier nach und nach zu lüften, immer klarer zu werden und dabei zu denken:

„Das Leben passiert FÜR mich!“

 

Sich erheben und dabei berührbar bleiben

Skorpion der lächelt (Origami, gefaltet)Im Kontakt zueinander wird es meistens an den Grenzen spannend: an den Punkten, in den Momenten, in welchen wir stark durch die Worte oder das Verhalten des anderen berührt, bewegt oder auch verletzt werden. „Kontakt findet an Grenzen statt“, heißt es in der Gestalttherapie. Wir werden berührt, wenn wir in unserer Gänze gesehen werden, wenn das Gegenüber uns wirklich erkennt – manchmal vielleicht sogar, bevor wir selbst jenen Zug an uns entdeckt haben. Wir alle wünschen uns, so gesehen zu werden, wie wir wirklich sind. Ich glaube, dies ist unser tiefstes Bedürfnis und auch das, was uns am meisten Angst macht.

Wir fühlen uns aufgebrochen und gleichzeitig höchst verletzbar, wenn ein anderer unsere Scham – das Gefühl nicht liebenswert und nicht gut genug zu sein – wahrnimmt; gleichzeitig kann hier eine Nähe entstehen, ein tiefes Verständnis füreinander, welches uns bereichern, unsere Beziehung reifen lassen kann.

Unsere Verletzlichkeit ist der Weg zueinander“

sagt Autorin Brené Brown (Psychologie Heute, März 2017, Heft 3). Das denke ich auch. Immer mehr. Natürlich kann und möchte ich nicht jedem mein Herz ausschütten. Wir dürfen bewusst wählen, wen wir wann an welcher Thematik, an welchem Punkt unseres Lebens und dem was uns in der Tiefe beschäftigt teilhaben lassen. Viele Menschen gestehen sich nur schwer eigene Schwächen zu: Ihre Angst davor, was andere über sie denken könnten, ist so groß, dass sie auch nicht gut mit der Verletzlichkeit oder der Fehler-Toleranz anderer sich selbst gegenüber umgehen können. Brown rät dazu, uns zu fragen, ob die Beziehung das Gewicht der Geschichte aushält, bevor wir jemandem unser Herz ausschütten.

Wie sollen andere mir etwas zugestehen, was sie sich selbst nicht erlauben können? Oftmals fahren Menschen ihre Krallen aus oder senden Pfeile auf’s Gegenüber, die eigentlich ihnen selbst gelten: Unter Umständen triggert ein Verhalten den anderen an einem Punkt, an einem wunden Punkt. Bin ich auf dem Weg der Selbstfürsorge und –liebe, stelle ich mein Wohlergehen mehr und mehr ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit, so stößt das nicht überall auf Gegenliebe: Die Fürsorge sich selbst gegenüber ist wohlmöglich im System des anderen, sich stark kritisierenden Menschen (noch) gar nicht präsent. Daher fehlt hier vermutlich auch das Vermögen sich einzufühlen. Ein Mensch auf dem Weg in die innere Freiheit, in einen gesunden Egoismus kann zur Projektionsfläche, zur Zielscheibe unausgegorener Gedanken und unverarbeiteter Emotionen werden. Insofern würde es uns alle in unserer Entwicklung weiterbringen, wenn wir uns mehr und mehr trauen würden, uns „unseren Dämonen“ zu stellen, uns  unsere Schattenseiten anzuschauen und uns gleichzeitig darin zu üben, immer mehr unser Licht nach außen zu tragen.

Wenn wir uns erheben – ohne uns über andere zu erheben – wenn wir in unsere Kraft kommen, unsere Wahrheit kennen und nach außen tragen, halten wir unserem Umfeld einen klaren Spiegel vor: Wir strahlen aus, dass Veränderung ansteht, wir nicht mehr bereit sind, gewisse Glaubenssätze zu akzeptieren, oder wir zeigen, dass wir nicht weiter in selbst oder gesellschaftlich auferlegten Grenzen leben wollen und nicht mehr bereit sind, eine Art von „Kleinheit“ hinzunehmen. Dadurch irritieren wir den einen oder anderen, ruckeln an seinem Lebensmodell und sind auch weniger manipulierbar – unser Verhalten kann Unbehagen und Angst beim anderen auslösen.

Hier berührbar und offen zu bleiben, offen auch für konstruktive Kritik, kann meines Erachtens alle Beteiligten wachsen lassen; sich nicht angegriffen zu fühlen und sofort zurückzuschießen, gleichzeitig bewusst seine eigene Spur weiter aufzunehmen, ist eine Kunst. Klarheit zu transportieren, sich klar auszudrücken muss man üben und sich auch erlauben, denn: Klarheit bringt Präsenz und Sichtbarkeit mit sich, und nicht jeder in meinem Umfeld ist für (meine) Klarheit bereit.

Ich beobachte, dass viele von uns ihr Licht unter den Scheffel stellen. Vor Jahren habe ich mich beispielweise nicht getraut, für unser Schwesternduo Bluetwos – meine Schwester Kati & ich treten unter diesem Namen auf – verstärkt Werbung zu machen. „Verrückt“, denke ich heute. Oder aber ich war mir unsicher, wie Menschen in meinem nahen Umfeld auf diese Seite, seisofrei-lebenskunst und mein neues Sein als Schreiberling reagieren würden. Mittlerweile denke ich: Es muss ja nicht jede(r) etwas damit anfangen können. Dass ich viel Freude dabei habe, ist sicher niemandem entgangen. Das viele Schöne, das auch durch diesen Blog Einzug in mein Leben erhält, spricht für sich. Zurück zum Licht: Ich möchte dazu ermutigen, kühner zu denken, sich Großes zu wünschen und zu einer warmen, gütigen, selbstbewussten Sonne zu werden, die ihre Mitmenschen dazu inspiriert, sich auch zu ihrer Größe zu bekennen.

Ich bin mir sicher: Tief im Innern ist ein Ort in uns, der stets voller Vertrauen ist und nicht müde wird, Vertrauen in die Welt zu tragen. Deshalb: Trauen wir uns, unseren ganz eigenen Weg zu gehen.

 

Danke & mehr

An dieser Stelle einfach mal wieder ein herzliches Danke an Euch, liebe Leser! Ich freue mich sehr darüber, dass mein Blog wächst und bekannter wird.

Ich merke, wie gut es ist, sich jeden Tag ein bisschen mehr zu trauen, sich hinauszuwagen. Es geschehen gerade viele schöne Dinge in meinem Leben, für die ich sehr dankbar bin. Auch macht’s Spaß, jeden Tag – auf welcher Ebene auch immer – etwas dazuzulernen  und wach zu bleiben. Ich möchte anderen ans Herz legen, der Freude zu folgen, sich inspirieren zu lassen und selbst auch Inspiration für seine Mitmenschen zu sein. Seiner eigenen Spur zu folgen & „aus sich heraus“, von innen nach außen zu leben. So viel Humor, Liebe & Toleranz zu entwickeln wie möglich. Es ist auch nicht schlimm, wenn wir mal „daneben liegen“ oder sich ein Wegabschnitt als Sackgasse herausstellt.

Ich glaube, die größte Lebenskunst und auch Herausforderung besteht im Vertrauen-Haben, Vertrauen, das wir uns, unserem Leben und anderen schenken – eine empfangende Haltung einzunehmen, darauf zu bauen, dass sich der Sinn wenn nicht sogleich in der Retrospektive erschließt.

Wenn Ihr etwas austauschen oder mich etwas fragen wollt: nur zu, ich freue mich auch über Anregungen!

Nun gehabt Euch wohl,

Eure Carolin

 

Den Kontakt wieder finden – Klarheit auf meinem Weg

Heute kommt etwas Neues: Ich veröffentliche meinen ersten Gastbeitrag einer Leserin. Sie hat mir einen sehr persönlichen, erfrischend-inspirierenden Text zukommen lassen. Ich habe Lust, Menschen zusammenzubringen, auch unterschiedlichen Alters, sie anzuregen, sich klarer zu werden, wozu sie „Ja“ sagen im Leben, zu ermutigen, mutig(er) zu werden.

Nun überreiche ich Christina das Wort:

Baum Angkor WatKennst du nicht auch das Gefühl, verloren, verzweifelt, orientierungslos und verwirrt inmitten deines eigentlich relativ normalen Alltaglebens zu stehen? Oft tappt man selbst im Dunkeln, ich konnte lange Zeit selbst nicht begreifen, in welchen konfusen Gefühlszustand ich mich emotional manövriert hatte.

Irgendwann hat es Klick gemacht…Nun ja, irgendwann ist gut. Es gab viele Hinweise und Menschen auf diesem Weg und auch viele Versuche meinerseits den Kontakt zu mir (wieder?) zu finden. Ich habe es mehr oder weniger erfolgreich mit Yoga, Joggen, Fasten, veganem Leben versucht. Doch ich spürte nicht den Kontakt, den ich mir gewünscht hatte. Ich hatte nicht begriffen, dass es um etwas anderes geht: Um lebendige Essenz, um mein Leben. Dies wurde mir glasklar, als ich ein Buch von Veit Lindau durch schicksalhafte Fügungen in die Hand bekam und dort die Frage las: „Was ist, wenn alles möglich ist? Was ist wenn du jetzt schon alles sein kannst, was du dir wünschst? Was ist es, was du dir eigentlich wünschst?“

Ich begann darüber nachzudenken, was ich mir eigentlich wünsche und wer ich eigentlich sein möchte. Klingt nach einer banalen Freizeitbeschäftigung, doch tatsächlich ist es dies nicht: Ganz klar zu formulieren was man möchte, kann einen ganz schön unter Druck setzen. Man misst sich natürlich auch immer an dieser formulierten, „perfekten“ Vision im Alltag. Jeden Tag! Fast 30 Tage habe ich täglich daran gesessen, um dies herauszufinden und feile noch heute an vielen Themen. Nun steht sie formuliert auf Papier:

Ich sehe strahlend und gesund aus, leuchte von Innen vor Liebe, Attraktivität und tanze die Weiblichkeit. Ich liebe mich selbst und bin mit allem verbunden. Ich bin frei, selbst bestimmt, mutig und wage neugierig neue Schritte. Ich erlebe die Gegenwart als Chance, und kann schwierige Situationen akzeptieren und wieder loslassen. Ich bin voll im Kontakt mit mir, lebe im Jetzt, spüre meine innere Ruhe und habe Vertrauen in die Schöpfung. Ich lache, erlebe positiv, humorvoll, lebendig, leidenschaftlich-intensiv und dabei entspannt, was mich bewegt.

Eigentlich ganz auf meine Gefühle fokussiert, dabei intim formuliert, kann es so einfach sein? Meine Freundin, die als Psychologin arbeitet, lachte gestern, als ich ihr meine Vision vorgelesen habe. „Einfach“, meinte sie, „das sind die existenziellen und schwierigsten Themen des Lebens, Süße: Selbstliebe, Selbstwirksamkeit, innere Balance und unsere Gefühle“.

Seit ich meine Vision nun vor über 40 Tagen formuliert habe, passieren interessante, schicksalhafte Dinge in meinem Leben, möge man es nun mit Karma oder dem Gesetz der Anziehung erklären, das kann ich nicht rational beantworten, doch es passiert: Plötzlich kommt Klarheit, wo vorher Chaos war, ich spüre fließende Energie statt enge Grenzen in meinem Geist, durch tägliches Meditieren finde ich Kontakt zu meinem inneren Selbst und erlebe existenzielle Momente der Ruhe, Wahrheit und (Eigen-)Liebe.

Das klingt sehr nach einer „positive thinking“-Mentalität, doch das stimmt so nicht. Ich erlebe auch immer noch Rückschläge: Verzweiflung, Trauer, Ablehnung, Selbsthass und Angst sind Teil meines Weges, doch ich versuche sanft und mit frischem, „neugierigem Forschergeist“, die Gefühle anzunehmen und diese auszuhalten statt diese wie früher zu kompensieren oder zu übertünchen – sei es mithilfe von Alkohol, Zigaretten, emotionalem Essen, Beschäftigung mit fremden Problemen privat und beruflich. Ich kümmere mich das erste Mal in meinem Leben wirklich nur um mich und lebe von Innen nach Außen: Selbstzweifel sind durch die Eigenverantwortung für meine Gedanken verschwunden. Kann es so leicht sein? Ich glaube ja! Kann das Leben ein aufregendes Spiel sein? Ich bin ganz fest davon überzeugt, wenn wir es zulassen. Veit Lindau meint hierzu: Niemand weiß genug, um sich den Luxus von Pessimismus zu leisten, es ist immer mehr möglich.

Natürlich gibt es viele Baustellen in meinem Leben, die noch vor mir liegen und mir Angst machen. Doch ich sehe diesen mit mehr Mut, proaktivem Handeln und mehr Neugierde als früher entgegen, neue Möglichkeiten und Sichtweisen präsentieren sich auf meinem Weg. Auch wenn die Angst mich noch häufig besucht und mich zurück drängt, dahin wo es in mir selbst bisher immer gemütlich war.

Jeder Tag ist eine Entscheidung in unserem Leben, wir können nur im Jetzt unser Leben lenken, denn sonst konstruieren wir unsere Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart und Zukunft, jeder Mensch kann klar entscheiden, wer er sein möchte und was er erleben möchte. Permanenter Wandel gehört dazu, hinfallen gehört dazu: Unser selbst konstruiertes Gefängnis können wir nur selbst verlassen! Schreib deine Vision auf, träume dich frei!

chrissy.theodoridou@googlemail.com

Christina (33) arbeitet im Kultur-Marketing in München. Sie interessiert sich für alles, was mit Kommunikation zu tun hat. Am meisten bewegen sie die großen Lebensthemen: Selbstliebe, Selbstwirksamkeit und der tiefere Kontakt zum inneren Selbst. Sie liebt Humor, inspirierende Persönlichkeiten, Meditation, Natur, tolles Essen und ihren Freund, der sie auf allen Schritten begleitet.

Vertrauensvorschuss – „Leap of faith“

Vertrauen lernenBei den unterschiedlichsten Gegebenheiten fallen mir drei Worte ein: „Leap of faith“. Ich stolperte über diesen Ausdruck in einem Buch einer großen, ich würde sagen weisen Kundalini-Yogalehrerin, Gurmukh (Gurmukh: Die 8 Gaben des Menschen, 2015). Gurmukh beschreibt „Leap of faith“ als einen Vertrauensvorschuss, einen Sprung ins Ungewisse, im Vertrauen darauf, dass alles gut endet. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass dieses „Leap of faith“ eine große Bedeutung für mich hat, dass mir Situationen etwas sagen wollen, in denen es in mir denkt: Vertraue(n)!

Häufig betrifft es kleine Alltagsmomente: Ist das jetzt richtig? Ob ich das wohl schaffe? Wird das heute noch was? Oder größere Fragen: Wird das überhaupt was? Wie gestaltet sich die Situation „Y. & Schule“? Kommt mein Vater wieder in seine Kraft? Wo soll’s für mich und uns mal hingehen (gerne wortwörtlich oder im übertragenen Sinne)? Immer wieder fordert uns das Leben auf, uns hinzugeben, manchmal auch einfach nur abzuwarten. Dann wieder: den nächsten, naheliegenden Schritt zu tun – oft im Unwissen, wie der darauffolgende Schritt aussehen wird.

Wie gerne haben wir alles im Griff! Wie vermeintlich sicher fühlen wir uns, wenn Kontrolle die unsere ist! Spannend jedoch wird es an den Brüchen, den Schnittstellen zwischen „Alles ist fein gerade und soll bitte so bleiben“ und „Oh nein, bloß das nicht!“ Manchmal hilft es schon, Angst und andere unangenehme Empfindungen einfach kommen und wieder ziehen zu lassen, sie nicht „wegzudrücken“, sondern als selbstverständliche, uns prägende und uns etwas mitteilen wollende Erscheinungen zu begreifen.

Sich überhaupt darüber bewusst zu werden, dass da Stimmen in uns sind, die uns sagen wollen: Irgendetwas ist gerade absolut nicht in Ordnung. Den Widerstand gegen das was ist zu spüren und anzuerkennen. Die „Vogelperspektive“ einzunehmen und den unterschiedlichen Stimmen in uns zu lauschen.

Wenn es uns gelingt, innezuhalten und still zu werden, spricht’s leise aus uns heraus: Eine Stimme meldet sich, die uns Mut zuflüstert und ermuntert, vielleicht doch diesen neuen gewagten Schritt zu gehen – oder ihn gerade nicht zu gehen, auch wenn das Umfeld ihn möglicherweise erwartet. Entscheidungen zu treffen, bevor das Leben für uns entscheidet. (Auch letzteres stellt sich oft als stimmig heraus).

Mehr und mehr lerne ich – Yoga und Meditation in welcher Form auch immer sind hierbei wunderbare Werkzeuge – meiner (Herzens-) Stimme zu vertrauen, ihr zunehmend Gehör zu schenken, intuitiver zu werden. Dankend zu beobachten, dass diese Stimme lauter wird, je mehr und öfter ich ihr meine Aufmerksamkeit schenke.

Unabhängig davon wie unerträglich die äußeren Umstände manchmal auch sein mögen: Da war und ist stets etwas in mir, das unantastbar ist, das immer da ist. Ich nenne es „meinen Kern“ und trage hierfür das Bild einer goldenen Kugel in mir, ungefähr auf Höhe des Zwerchfells. Dieses Bild nutze ich, um mich wieder aufzurichten und neu auszurichten, wenn ich einsacke oder mich zerstreue. Dort „reinzuatmen“ hilft mir, überhaupt: bewusst zu atmen. Ich bin mir sicher: Wir alle haben einen unantastbaren Kern in uns, eine Kraft, die wir wahrnehmen, indem wir vertrauen und uns sagen: Es wird sich finden.

Gurmukh beschreibt in diesem Zusammenhang die Vorstellung von „tröstenden Arme(n) eines liebendes Gottes“, der sie auffängt und tröstet. Wie oder an was auch immer wir glauben: Wir alle können lernen, uns und dem was da kommen mag zu vertrauen.

In Sachen „Y. & Schule“ tun sich im Übrigen zurzeit viele Perspektiven auf, auch konkretere Chancen und Alternativen zur jetzigen Situation zeigen sich. Und was meinen geliebten nicht mehr taufrischen Vater angeht: Hier schätze und genieße ich einfach das was wir jetzt haben und teilen. Darauf kommt es an.

Entdecke(l)n

Mach mal Pause

Als ich im Februar dieses Jahres durch Hannovers Eilenriede fuhr, amüsierte mich ein Freudscher  Versprecher, den ich laut denkend aussprach: „Ich habe Lust, noch viel mehr zu entdeckeln.“ Gemeint habe ich: zu entdecken. Mir gefiel spontan das Wort entdeckeln – assoziierte ich damit „etwas freilegen, öffnen“. Entdeckeln als Möglichkeit, sich selbst neu zu begegnen, als Chance innerlich zu wachsen. Zu Hause entdeckte ich, dass es ein Entdeckeln tatsächlich gibt: In der Imkersprache ist damit das Entfernen der Wachsdeckel von den Honigwaben gemeint.

Zurück zu meinen Assoziationen: In der Praxis kann es heißen, mich mutig in Situationen zu begeben, in denen ich Dinge üben kann, die mir im Alltag, in meinen Beziehungen oder in meinem Berufsleben Schwierigkeiten bereiten. Was mich angeht zum Beispiel das Aussprechen unbequemer Wahrheiten – unbequem für mich, den anderen oder beide. Oder auch das „Mich-mal-nicht-in Bescheidenheit-Üben“, wenn es darum geht, bei meiner Arbeit als Musiktherapeutin etwas einzufordern, beispielweise die Neubeschaffung von Instrumenten.

Für sehr sicherheitsbetonte, übervorsichtige oder auch zum Perfektionismus neigende Menschen kann ein Entdeckeln darin bestehen, einfach mal „Fünfe gerade sein zu lassen“, an irgendeiner Stelle weniger zu geben oder zu tun, öfter zu delegieren. Es kann auch schlicht bedeuten, „seinen Geist zu lockern“, um mit Veit Lindau zu sprechen: neue Wörter zu erfinden, einen neuen, für mich ungewöhnlichen Gedanken zu denken, zu einem Buch zu greifen, das sonst nicht in meinen Händen landet oder mich mit einem Menschen außerhalb meines Dunstkreises zu unterhalten.

Mehr von seinem Potential zu entdecke(l)n und zu entwickeln kann heißen, unterschiedliche, auch scheinbar gegensätzlich (Schatten-)Aspekte seiner selbst wahrzunehmen und zu integrieren, indem ich beispielweise mit angstbesetzten Situationen experimentiere. Hierbei kann ruhig auch klein angefangen werden: So kann ich mich wiederholt in Situationen begeben, in denen ich bereits gute, mich voranbringende Erfahrungen mit dem „Mich-nicht-meiner-gewohnten-Muster-Bedienen“ gemacht habe. Kommen wir den uns zugrundeliegenden, mitunter auch einschränkenden Denkmustern auf die Spur, so können wir mit Hilfe von achtsamer Beobachtung alternative, lebensdienlichere Denk- und Handlungsweisen finden, die mehr Flexibilität und innere Freiheit nach sich ziehen.

Bei mir selbst fällt mir auf, dass ich oft sehr gefällig bin und es mich noch sehr verunsichert, wenn jemand mich oder mein Verhalten offenbar ablehnt. Als Beispiel eine banale Alltagssituation: Ich fühle mich gleich unwohl und „unpassend“, wenn die Dame an der Käsetheke das Gesicht verzieht, nur weil mir das von ihr angebotene Stück Allgäuer Kümmelkäse zu groß ist und ich lediglich 100-150g wünsche. Mittlerweile spüre ich oft eine freudige Erregung, wenn ich gegenüber der Dame an der Käsetheke oder wem auch immer unbequem bin.

Nehmen wir eine offene Haltung von Neugier, Freude an der Erfahrung und Vertrauen ein, so können wir mehr von uns und unserem Potential leben, ja, mehr entdecke(l)n. Vielleicht werde ich in diesem Leben ja nochmal Hobbyimkerin;-). Oder Querulantin:-). Dann lieber ersteres.

Ich stecke gerade mitten in dem neuen Buch von Veit Lindau: „Werde verrückt. Wie du bekommst, was du wirklich-wirklich willst.“ Kann ich wärmstens ans Herz legen, auch wenn das Buch an der einen oder anderen Stelle unverdaulich ist und vieles auf den Kopf stellt.

Es bleibt spannend.

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