seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Sinn

Dem Sinn auf der Spur

Wer kennt sie nicht – diese Gedankenspiele: Warum ist mir damals dieses oder jenes widerfahren? Was wäre, wenn ich an der Stelle anders abgebogen wäre? Weshalb musste ich durch diese bestimmte Situation oder Zeit hindurch? Und warum passiert mir dieses oder jenes gerade jetzt?

Vor ca. 4, 5 Jahren war ich – ohne mir so bewusst darüber zu sein – auf der Suche: nach meinen Aufgaben im Leben, einem tieferen Sinn über die bisherigen Aufgaben und Rollen, insbesondere der der Mutter und Musiktherapeutin hinaus. Es war eine Zeit, in der für viele Familien mit einem Kind sicherlich ein zweites „angestanden hätte“ – doch dies war nicht unser Weg, aus verschiedenen Gründen. Nicht immer war ich glücklich und voll eins mit den Begebenheiten, und auch heute noch denke ich öfter darüber nach, wie Yossi sich mit einem Bruder oder einer Schwester entwickelt hätte.

Gleichzeitig weiß ich hier & heute: Es ist gut wie’s ist. Und: Offenbar sollte es so sein. Ich hadere nicht, auch wenn mich hin und wieder die Sehnsucht nach einem weiteren Kind heimsucht. Ich akzeptiere diese Sehnsucht mittlerweile und finde dieser Tage so viel Stimmigkeit und Fülle in meinem Leben, dass ich in erster Linie sehr dankbar und selig bin, für all das, was ist.
Was nicht heißen muss, dass diese Akzeptanz immer da sein wird: Eventuell bin ich irgendwann wieder einmal traurig, wenn ich darüber nachdenke, wie es mit weiteren Kindern gewesen wäre – auch das ist Teil des Lebens.

Vor besagten 4, 5 Jahren wusste ich noch nicht, dass ich einmal öffentlich schreiben würde, dass ich mich zur Yoga-Lehrerin ausbilden lasse und sehr intensive Zeiten und wunderschöne Unternehmungen mit unserem Sohn – wir haben schon ein besonderes Verhältnis – genießen würde. Sehr gespannt bin ich, was nach so kommen mag. Ich fühle mich immer mehr verbunden, was ganz sicher auch Auswirkung des Kundalini-Yogas ist.

Damals gab es auch – der Engländer würde sagen – viel ‚struggle‚ in unserer kleinen Familie. Was da jedoch auch immer war: zum einen ein Gefühl von ‚Es soll so‘, ‚wir dürfen hier alle lernen und wachsen‘, zum anderen eine Ahnung von: ‚Da warten noch viele schöne Aufgaben für mich im Leben‘. Und diese Aufgaben, dieser tiefe Sinn in allem, der wird mir nun zunehmend bewusst.

Manchmal brauchen wir offenbar einen langen Atem, was nicht immer leicht ist. Wir dürfen aushalten lernen, dass uns nicht ständig zuteil wird, warum dies oder jenes gerade geschieht oder nicht geschieht, weshalb sich auch Träume gegebenenfalls nicht erfüllen. Oft kommen wieder neue Träume um die Ecke, oder aber der alte Traum entpuppt sich als eine Illusion, als etwas Fremdes, das offenbar doch nicht zu uns gehört.

Neulich hatte ich einen spannenden Emailaustausch mit einer sehr lieben Bekannten: In ihrem Leben haben sich innerhalb sehr kurzer Zeit gleich zwei sehr große Träume erfüllt – sie schien davon schon regelrecht benommen, und wir diskutierten die Frage, was dann eigentlich passiert, wenn Träume plötzlich geballt wahr werden. Gewissermaßen muss man sich davon erst mal erholen, fühlt sich gegebenenfalls auch leer, und fragt sich etwas ängstlich: „War’s das jetzt, oder folgen noch neue Träume?“

Ich glaube fest daran, dass auf erfüllte Träume auch neue Träume folgen. Überhaupt glaube ich daran, dass wir Träume leben und auf die Straße bringen sollten, dass wir uns zumindest immer wieder auf den Weg, auf (Sinn-) Suche begeben sollten. Die Seele will wachsen, reifen, fliegen. Das Leben will erfahren und voll ausgekostet werden. Nur zu.

Ganz liebe Grüße von mir

Wunschgefühle

Origami-DracheZiele sind gut und schön. Welche zu haben und zu verfolgen macht oft Sinn. Doch noch sinnvoller kann es sein, darüber nachzudenken und in sich aufzuspüren, weshalb ich bestimmte Dinge erreichen will, was konkret mich antreibt.

Leitfaden sind unsere GefühleWunschgefühle, die wir immer wieder bewusst oder unbewusst suchen, bestimmte emotionale Zustände, die uns erfüllen.

„Empfindungsglück“ – hedonistische Freude oder Genuss im Augenblick – erleben wir, wenn wir etwas Schönes erfahren, ja, wenn wir genießen. Hier erleben wir Freude, Lust, Zufriedenheit, Wohlbehagen: Ein Spa- oder Saunabesuch, ein kulinarischer Moment oder eine herzliche Umarmung können uns diese Form des Glücks bescheren.

„Erfüllungsglück“ – das Erleben eines guten, sinnhaften Lebens – hat viel mit auf mich zugeschnittenen Tätigkeiten und damit verbundener intrinsischer Motivation zu tun. Darüber hinaus erfüllt es mich, meine Talente und Träume „auf die Straße zu bringen“ und mich bewusst an andere zu verschenken, in einer mir und meinem Umfeld zuträglichen Weise zu dienen.

Veit Lindau spricht vom inneren und äußeren Ruf – wenn es mir gelingt, diesen zu finden, erlebe ich meines Erachtens auch „Erfüllungsglück“: Meinem inneren Ruf komme ich auf die Spur, wenn ich mich frage, was – insbesondere auch langfristig – Freude und Kraft in mir auslöst, was sich richtig anfühlt. Gleichzeitig kann ich mich fragen, wann andere stärker mit Anerkennung und Freude auf mich reagieren – wann sie mich sehen, und was genau sie sehen (äußerer Ruf).

Zurück zu den Wunschgefühlen. Meine absoluten Wunschgefühle sind: frei, voller Liebe, geborgen, verbunden (mit Menschen und einer „höheren Kraft“), mutig, freudig-erregt, begeistert, reich (im Sinne von „voller Fülle“). Darüber hinaus fühle ich mich gerne dankbar, tief entspannt, sortiert (klar), weit, großzügig, sanft, ekstatisch.

Oft bin ich auch gerne melancholisch oder sentimental, ja, hin und wieder kann ich ebenso der Wehmut einiges abgewinnen. Wut kann unangenehm sein, setzt gleichzeitig jedoch auch oft eine starke Kraft in mir frei. Trauer hat auch ihren Platz, nur scheinbar grundlos traurig sein lässt mich einsam und verloren fühlen. Scham und Ohnmacht sind „Zustände“, die ich ganz fürchterlich finde, auch auf Angst kann ich meistens gut verzichten, es sei denn, es gelingt mir, diese in „freudige Erregung“ umzuwandeln, umzudeuten.

Autorin und Lifecoach Franziska Schulze formulierte in einem ihrer Videobeiträge folgenden Satz:

Äußere Ziele sind immer eine Projektion von Zuständen, die wir fühlen wollen.

Womit wir wieder beim Anfang meines Textes wären:-).

Bevor wir nun also wild Vorsätze und Ziele für 2017 oder wann auch immer formulieren, dürfen wir zunächst einen genauen Blick auf unsere Gefühle richten.

Welche sind Eure Wunschgefühle?

P.S.: Auf dem Bild neben dem Beitrag seht Ihr einen gefalteten Origami-Drachen unseres Sohnes – dieser entstand im absoluten Flow, passend zum Thema.

Das Leben trägt

winterwaldDie folgenden Zeilen fallen mir schwer, gehen mir nicht wie so oft leicht von der Hand. Ganz einfach, da mir Worte fehlen und ich gleichzeitig etwas beschreiben und teilen möchte, das mir so wichtig ist: Im Grunde eine Art Lebensmotto, ein mir innewohnendes „In-der-Welt-Sein“:

Ich fühle mich vom Leben getragen. Nicht immer, doch zunehmend erlebe ich: Es kann noch so unangenehm zugehen, noch so schmerzhaft sein – das Leben trägt mich. Je länger ich lebe, je tiefer ich mir begegne, umso deutlicher spüre ich dieses Getragen-Werden.
Es heißt selbstverständlich nicht, dass mir das Leben nur das schenkt, was ich möchte. Und es heißt auch nicht, dass ich nicht oft auch tierisch großen Schiss habe, mich ins Ungewisse zu stürzen. Für mich heißt es, dass ich auch im Moment des Fallens, am Tiefpunkt einer Krise, im größten Schmerz spüre, dass es so sein darf, dass es Sinn macht, auch wenn dieser sich oft nicht sofort erschließt. Dass es zum Mutig-Losgehen der Angst bedarf, dass ich gerade in den Momenten, in denen ich keine Ahnung habe, was folgt, ja, getragen werde. Ich lerne: Ich kann mich dem Leben hingeben, seiner Weisheit vertrauen. Karoline Herfurth sagte einmal in einem Interview, das Leben sei oft klüger als man selbst.
Viele kleine oder große Sprünge ins Ungewisse lehren mich die Erfahrung des Getragen-Werdens. Ich lerne auch: Ich muss gar nicht alles hier und heute und sofort wissen. Gerade in diesem Nicht-Wissen, in dieser Leere, werden neue Erkenntnisse und Impulse geboren. Ich mache immer öfter die Erfahrung: Ich weiß alles was jetzt gerade wirklich wichtig für mich ist! Scheinbar paradox, und doch wieder gar nicht.
Kierkegaards Satz

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts

hat sich für mich schon viele Male als wahr erwiesen. Oft reicht es mir einfach zu wissen: „Du musst es zu diesem Zeitpunkt nicht verstehen – es wird der Moment kommen, in dem du das Vergangene einordnen kannst.“
In meinem vor einiger Zeit besuchten „Liebe statt Angst“-Yogaworkshop machte eine Teilnehmerin eine für sie prägende Erfahrung:

Während einer 11-minütigen Meditation, in der es darum geht, sich selbst zu segnen, indem eine Hand auf das Herzzentrum gelegt wird und die andere den höchsten Punkt am Kopf, den Scheitelpunkt, berührt, hatte sie das Gefühl, dass nicht sie ihren Arm und ihre Hand hochhält, sondern dass diese getragen werden.
Die Frage „Was will das Leben von mir ?“ breitet sich mehr und mehr in mir aus, weniger: „Was will ich vom Leben?“ Mich zieht es immer mehr dahin, mich hinzugeben, zu empfangen – nicht permanent etwas zu wollen und wieder zu wollen, sondern auch mal abzuwarten, still zu werden, zu lauschen, was sich da leise – in mir, um mich – offenbaren möchte. In dieser Haltung beschenkt mich das Leben meist in besonders wertvoller Weise. Danke Leben!

Kennt Ihr diese Momente des Getragen-Werdens?

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