seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Pausen

Mach mal Pause

Heute zum Ende der Woche möchte ich gern daran erinnern, wie wichtig & – ich wage zu behaupten – überlebensnotwendig Pausen für unser System sind. Ich weiß, es klingt abgedroschen, doch wenn wir nicht pausieren, drehen wir hohl, routieren wir bis ins Unermessliche, bis uns unser Körper oft unerbittlich daran erinnern muss, dass Grenzen erreicht sind.

Pausen sind für mich: kurzes Innehalten, bewusst einen bestimmten Duft, z. B. ein ätherisches Öl riechen, einfach eine Runde „um den Block“ gehen, oder noch effektiver: ein Waldbad nehmen, sprich mal ab den Wald; wenige gymnastische- oder Yogaübungen, ein paar Minuten aus dem Fenster schauen, Musik an & tanzen…Da fällt uns sicher allen etwas ein!

Ein letzter kleiner Tipp: Positiv besetzte, wohltuende einzelne Wörter denken, bewusst laut aussprechen hilft mir oft enorm! Neulich testete ich, wie sich das Wort „Geduld“ anfühlt, und ich stellte fest: gut, entschleunigend. So transportiert das Foto für mich (siehe oben, herzlicher Gruß aus dem Südschwarzwald!) ein ganz wohliges, Geborgenheit schenkendes Gefühl.

 

In diesem entspannten Sinne, gehabt Euch wohl!

Tu dir gut!

duenen-wegWährend einer Yogastunde machen wir Übenden immer wieder die Erfahrung, dass genau die zentralen Themen auftauchen, die uns gerade verstärkt beschäftigen. Es ist, als seien wir während der Praxis durch nichts Äußeres abgelenkt sondern ganz bei uns, ob wir wollen oder nicht. Ich schätze dieses Sein sehr, auch wenn ich Tage habe, an denen ich gar nicht so ganz genau hinschauen mag, an denen ich einfach nur funktionieren möchte – möchte, dass „es“ funktioniert.

In meiner gestrigen Yogastunde wurde mir etwas bewusst: Ich beobachte bei mir und anderen immer wieder Kampf. Wir kämpfen in unseren Beziehungen, unserem beruflichen Kontext, wir kämpfen gegen Krankheitenvor allem kämpfen wir in uns. Ich bin mir sicher: Wir sind des Kampfes müde und sehnen uns viel häufiger als wir es uns ein- und zugestehen nach Frieden in und um uns, nach viel mehr Pausen und Muße-Momenten, gerade jetzt, in der bevorstehenden Weihnachtszeit.

In mir steckt auch ein Löwe, und ich habe auch viele positiv konnotierte Kampfesszenen und -bilder in mir: Situationen, in denen ich hartnäckig bleibe, wenn mir etwas wirklich wichtig ist – es handelt sich hier eher um ein leidenschaftliches, lustvolles Kämpfen, Mich-Einsetzen FÜR, weniger DAGEGEN.

Das Kämpfen, von dem ich hier und heute schreibe, ist eher ein „Abkämpfen“, das immer müder und erschöpfter macht und unsere leistungsorientierte Gesellschaft dieser Tage so sehr auszeichnet – die „To-do-Liste“ abarbeiten, möglichst keine Zeit verlieren, sich betäuben. Es gibt Tage, an denen ich glaube, das Erwachsenen-Leben ist Betrug – es kann doch nicht sein, dass wir so sehr am „Rödeln“ sind! Ich bezweifle, dass uns jemand am Sterbebett auf die Schulter klopft und sagt: „Schön, dass du dich so abgemüht und immer funktioniert hast!“ Davon abgesehen, dass ich das beileibe nicht hören wollte!

Dem Kämpfen zugrunde liegt meines Erachtens ein mangelndes Sich-Selbst-Annehmen, in der Tiefe. Wir können noch so sehr in verschiedenen Kontexten glänzen, äußerlich und augenscheinlich noch so erfolgreich sein – wenn wir uns in der Tiefe nicht annehmen, wenn wir meinen, wir seien erst gut, wenn…, kommt es immer wieder zum Kampf.

Milder mit sich werden, nicht auch noch gegen das Kämpfen kämpfen, sondern stattdessen immer feiner beobachten, spüren, körperliche Reaktionen benennen und für einen Moment aussteigen aus der Verkrampfung – das macht meines Erachtens Sinn, lässt uns entspannen, und mit uns andere. Die leisen, verletzlichen Seiten in uns wahrnehmen und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Ich erlebe es als großes Geschenk, mit der Zartheit eines anderen in Berührung zu kommen. In brenzligen Momenten, in denen ich starken Widerstand zu einer Situation aufbaue, frage ich mich immer häufiger: „Was würde mein Herz mir jetzt raten? Was brauche ich?“

In besagter Yogastunde sprach unsere Lehrerin während einer Übung die Aufforderung „Tu dir gut!“ aus. Dieser Satz berührte mich tief, ich möchte ihn heute gerne mit Euch teilen.

 

Alles erdenklich Gute wünscht

Carolin

 

 

Bei sich selbst zu Hause sein

TraumhäuschenDas Einkehren bei sich selbst ist für die meisten ein lebenslanger Prozess. Wie sagte eine enge Freundin vor Jahren zu mir? „Du hast’s gut – du hast immer dich!“  Sicher hat es damit zu tun, dass ich gut für mich sein kann, ja, dass ich den Rückzug auch brauche, um mich wieder zu sortieren und meinem inneren Kompass zu folgen. Um fein zu spüren, was gerade ist. Kürzlich stieß ich auf ein Zitat von Erich Fromm:

Bei sich selbst zu Hause zu sein, ist die notwendige Voraussetzung, damit man sich zu anderen in Beziehung setzen kann.

Diese Worte resonierten stark in mir. Im Grunde ein alter Hut, und offenbar doch so schwer in der Umsetzung: Sorge zunächst für dich selbst, nur dann kannst du auch anderen helfen.

Manchmal müssen uns liebe Menschen im Umfeld schubsen, den Spiegel vorhalten mit den Worten: „Mach doch mal wieder etwas für dich!“ oder – wie in meinem Fall neulich: „Komm, fahr mal alleine weg!“ Jeder kennt es: Alltagspflichten und -sorgen, viele hausgemacht, erdrücken uns, wir verlieren uns selbst immer mehr aus dem Blick und landen irgendwo, nur nicht bei uns. Selbstfürsorge kann dann zunächst einmal heißen: Den Mut aufbringen, sich dieser Schieflage bewusst zu werden. Und dann zu handeln. Wenn’s mit dem Wegfahren nicht klappt, können die Schritte auch kleiner ausfallen, Hauptsache, ich setze mich oder etwas in Bewegung. Und suche den Kontakt zu mir: Auf Spaziergängen, im Wald, am Meer, manchmal auch im Gespräch mit einem guten Freund können wir uns selbst wieder auf die Schliche kommen.

Aufrichtig mir selbst gegenüber zu sein bringt mich zu mir nach Haus. Sicher leichter gesagt als getan. Für mich bedeutet die Einkehr bei mir, mein Bedürfnis nach Ruhe, Rückzug und Mich-innerlich-Sortieren wertzuschätzen. Es bedeutet Verantwortung für dieses Bedürfnis und seine Erfüllung zu übernehmen. Herauszufinden was mir wahrlich gut tut und mir dies regelmäßig zu schenken. Da lang zu gehen, wo’s sich wirklich richtig gut anfühlt. Ich selbst brauche dafür vor allem Pausen: vom schnellen, überladenen Alltagsgeschehen, von meinen sich überlappenden Gedanken, ja, manchmal auch von Menschen und lieben Kontakten.

Bei sich selbst zu Hause zu sein bedeutet, mir Liebe in Form von Freundlichkeit, Milde-Sein, ausreichend Schlaf, gutem Essen und Bewegung an frischer Luft zu schenken.

Wenn ich mich selbst ausreichend beschenke fällt es mir besonders leicht, mich auch an andere zu verschenken: in liebevollen Gesten, Worten und Taten.

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