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Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Natur

Die Stärke einer Frau

Was macht eine Frau stark? Wie findet sie Kraft in sich?

Ich entdecke mehr und mehr Stärke in mir. Eine Kraft, für die ich keine ganz passenden Begriffe finden kann, eine tiefe Ruhe und Liebe. Und ferner: Stärke in Form von Mich-mehr-Entfalten-Wollen, Vertrauen, Dominanzbedürfnis. Manchmal ängstigt dieses Erleben mich, ich habe Angst davor, von meiner eigenen Kraft überschwemmt zu werden – anders kann ich es nicht ausdrücken. Und gleichzeitig kann ich mich immer tiefer in diese meine Stärke hinein entspannen. Mich fallen lassen. Es gibt Momente, in denen fürchte ich nichts, noch nicht einmal das eigene Ableben.

Den größten Schmerz bereitet mir die Vorstellung, geliebte Menschen verlassen zu müssen, wenn ich sterbe. Unser neunjähriger Sohn fragt mich oft, wie lange ich noch leben würde. Er sagt, er möchte vor mir sterben, denn was solle er denn tun, wenn ich nicht mehr bin. Ich erwidere, schau mich an, ich vermisse Oma und Opa oft wie Hulle, doch gleichzeitig lebe ich ein erfülltes Leben. Ich weiß nicht, ob ihn das überzeugt. Ich ergänze, auch er wird später eventuell eine Partnerin oder einen Partner an seiner Seite haben, vielleicht selbst Vater sein. Auch dieses Bild scheint ihn nicht übermäßig zu beeindrucken.

Die Stärke einer Frau hat für mich viel damit zu tun, dass diese in ihrem eigenen Lebensrhythmus ruht, ihrer eigenen Spur folgt, in sich selbst Sicherheit findet. Eine Frau ist stark, wenn sie es sich erlaubt, auf ihre Intuition zu hören, ihrer inneren Führung zu lauschen. Wenn sie darauf vertraut, Lösungen aus sich selbst heraus zu finden, ohne sich zu sehr im Außen zu orientieren. Guru Rattana, langjährige Schülerin Yogi Bhajans sagt:

„Um einen äußeren Konflikt zu lösen, muss eine Frau ihren inneren Konflikt lösen.“

Aus einem „inneren Raum der Liebe“ können wir uns selbst und andere aus einer Krise emporheben, so Guru Rattana. Ein schönes Bild, finde ich.

Konsequente Praxis von Meditation – sich hinsetzen und überhaupt erstmal wahrnehmen, was es da in uns denkt und sich im besten Fall immer wieder für konstruktive Gedanken entscheiden – hilft uns, uns in einen Zustand des neutralen Geists zu begeben und das Notwendige in der jeweiligen Lage zu tun. Es ist, als würden wir unserer Ausstrahlungs- und Anziehungskraft immer mehr erlauben, für uns zu arbeiten, anstelle uns von selbst kreierten Dramen, die oft auf Angstgedanken basieren, fesseln zu lassen. Häufig kommt es zu „glücklichen Zufällen“, manche sprechen von Synchronizitäten, und die Dinge fügen sich ganz eigenständig ohne dein Zutun. Selbstverständlich gibt es dennoch Phasen, in denen alles zu stocken scheint und gefühlt nichts fließt. Ich mache mir dann klar: Auch diese Phasen gehören dazu, sind Teil des (Lebens-)Flusses.

Auch wenn es in heutigen Zeiten fast provokant klingt: Die wichtigste (Yoga-) Übung für Frauen ist die Tiefenentspannung. Im Idealfall entziehen wir uns zweimal am Tag aus dem Trubel und erleben, dass die Welt sich auch ohne unsere Aktivität weiterdreht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig das oft ist, und gleichzeitig erlebe ich, wenn ich es mache: Welch‘ ein Segen für mich und meine Liebsten!

Was eine Frau besonders stärkt: Lebenszeit mit gleichgesinnten Frauen zu verbringen. Ich war stets ein „Alleine-Macher“, in bestimmten Lebensbezügen sogar auch Außenseiter. Mein Glaubenssatz war „Das schaffe ich auch allein“, resultierend wohlgemerkt aus dem Glaubenssatz „Das muss ich alleine schaffen“. Welch‘ ein Quatsch: Klar liebe ich Allein-Zeit und kann meistens wunderbar für mich sein und sorgen, doch die Kraft eines erhebenden Miteinanders erfahre ich nun immer mehr, zum Beispiel mit anderen yogapraktizierenden Frauen. Auch bin ich in der virtuellen Welt Teil diverser schöner Schwesternschaften, mit denen ich mich austauschen kann.

Wir werden stärker, wenn wir uns regelmäßig in die Natur begeben: Ich kann mich nirgends besser mit mir verbinden als im Wald oder am Meer. Alles Alltägliche relativiert sich und rückt von mir ab.

Wir Frauen verschwenden unsere Energie, wenn wir überwiegend auf äußere Umstände reagieren und uns nach dem Lebensplan anderer (Frauen) ausrichten. Wir verlieren Energie und Kraft, wenn wir uns nicht nach innen fokussieren und unsere Selbstwahrnehmung verlieren. Auch verschwenden wir Energie, wenn wir uns permanent vergleichen, in Konkurrenz treten, wenn wir zetern, jammern, überbewerten. Auch das kennt sicherlich eine jede.

Neulich stolperte ich bei Franziska Schulze über die Frage:

„Wie kann ich mir heute eine gute Mutter sein?

Mit dieser Frage schließe ich meinen Text und wünsche allen eine gute Zeit.

Wobei, eine Frage interessiert mich brennend: Was macht aus Eurer Sicht eine Frau stark?

Wie kann ich mich jetzt bemuttern?

Unsere Yoga-Lehrerin warf neulich diese wunderbare Frage in den Raum. Das Wort “bemuttern” transportiert Liebe, Wärme, Geborgenheit. Und die Frage “Wie kann ich mich jetzt bemuttern?” löst in mir unmittelbar eine Fürsorge-Verantwortung mir selbst gegenüber aus.

Uns selbst – und im gleichen Zuge andere – bemuttern kann bedeuten:

sanft & tief ausatmen, etwas genießen und dabei die Augen schließen, mir selbst & anderen Komplimente machen, meditieren, dankbar sein und es aussprechen, nichts tun und zur Ruhe kommen, in der Natur sein, Ausdauer- oder Kraftsport, möglichst viele Momente mit unseren Liebsten teilen, uns selbst oder andere streicheln

 

Viel Freude dabei!

Sich mit dem Leben verbunden fühlen

Lebensfeude purEine Frage lässt mich in letzter Zeit nicht los: „Was habe ich als Kind gern gemacht?“ Ich muss weiter ausholen. In diesen Wochen widme ich mich oft Beschäftigungen und Themen, die für mich in meiner Kindheit eine zentrale Rolle spielten:

Noch vor der Arbeit stelle ich mein Fahrrad im Wald ab und balanciere barfuß über gefällte Buchenstämme. Oder ich pflücke Kräuter wie Bärlauch und Giersch. Letzteres erinnert mich an unsere Familienurlaube in der Schweiz, in welchen ich nicht müde wurde Walderdbeeren in kleinen Bechern zu sammeln, um der – damals noch kompletten – Familie eine Freude zu  machen. Als Kind war ich wahnsinnig gern allein, am liebsten draußen in der Natur. Später dann war ich mir sicher: Alleinseinwollen kann andere vor den Kopf stoßen. Heute denke ich anders darüber und nehme mir zunehmend Alleinzeiten.

Mein liebster Duft ist der von Heckenrosen, welche auch unter dem Namen Dünen- oder Syltrosen bekannt sind. Auf Sylt-Aufenthalten war und ist die Welt für mich in Ordnung. So suche ich auch heute in hannoverschen Gefilden Heckenrosen-Orte auf, wenn mir danach ist.

Eine besondere Erinnerung kommt mir häufig nachts, wenn ich aufwache. Ich denke an eine der vielen Nächte meiner  Kindheit zurück, in der ich bei meinen Großeltern schlief, nachts zeitgleich mit ihnen erwachte, meine Großmutter mir heiße Milch mit Hong kochte – in Sachen Zahnprophylaxe ungezweifelt haarsträubend –  und mein Großvater von seinem Sofa-Bett aus „Lobe den Herren“ sang. Heute bekomme ich nachts weder heiße Honigmilch noch singt jemand für mich „Lobe den Herren“, doch ich erinnere mich an das erhabene Gefühl von damals und eine tiefe Ahnung, welche Überraschungen die Nacht bereitzuhalten vermag. A propos „Kochen und Großeltern“:  Mein Großvater bereitete mir stets Nudeln mit Butter und Ketchup zu. Kulinarisch nicht die Oberliga, und dennoch heute noch ein mich beruhigendes „Seelenessen“.

Noch etwas fällt mir ein: Früher neigte ich zum Chaos, heute auch – mein Bruder Claus amüsierte sich tierisch darüber, dass Aufräumen für mich hieß, alles diffus Herumliegende wild in meinem Kleiderschrank zu verstauen. Die Eltern haben’s nie erfahren. Wohler jedoch fühlte ich mich, wenn ich mir die Zeit nahm, Sachen auszumisten oder in beschrifteten Kisten zu verstauen. So auch heute. Mit dem Chaos anderer kann ich übrigens ziemlich gut leben.

Zurzeit schreibe ich – für mich, für Menschen in meinem Umfeld – über Themen, die mich bewegen, und andere sicher auch. Früher verfasste ich kleine Gedichte, Kurzgeschichten und liebend gern Briefe und Karten, bis mich die Oberschule dank überwiegend mäßiger Deutschnoten in den Glauben versetzte, das Schreiben sei nicht so mein Ding. Nun bin ich wieder mit Liebe dabei und lasse Schule Schule sein.

Interessanterweise erinnern uns auch Kinder an unsere Lieblingsbeschäftigungen aus früheren Zeiten: Y. kam neulich zu uns und erzählte uns von seinem Vorhaben, seine Origami-Stücke auf dem Spielplatz verkaufen zu wollen. Zunächst war ich davor zu protestieren, doch dann fiel mir ein, dass ich als Kind selbst mit roten Wangen auf einer Decke in der Friedrichsstraße in Westerland saß, um meine selbstbemalten Muscheln an den Mann zu bringen.

Diese Erinnerungen und nun wieder regelmäßig aufgenommenen Tätigkeiten fühlen sich verdammt gut an. Ich bin mir sicher, es lohnt sich, sie wieder aufleben zu lassen und sich die Frage zu stellen: „Was liebte ich als Kind?“ Auf dieser „alten Spur“ können wir uns heute wieder neu entdecken und uns im Flow erleben. Es geht dabei um ein einfaches „Sei kindlicher!“ hinaus.

Natürlich macht es Sinn, auch im Alltag neugierig und präsent zu sein, mit offenen Augen zu träumen. Mir geht es hier jedoch darum, mich zu fragen, was ich damals konkret mochte und machte und dieser Spur zu folgen, um mich mit dem Leben verbunden zu fühlen. Denn das ist es, das ist Flow: Ich verbinde mich mit mir und meinem Leben, tue das was ich kann und was mir Freude bereitet und schaffe dadurch Sinn.

Während ich schreibe, versucht Y. sich an dem Meisterstück der Origami-Faltkunst, der Ratte. Ein hochkompliziertes Ding, doch Y. macht sich gut und kam gerade zu mir mit den Worten: „Es steckt immer noch irgendwas in mir.“ In diesem Sinne,

herzlichst, Eure Carolin, Calli, Calle

P.S.: Y. hat die Ratte tatsächlich geschafft!

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