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Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Mut (Seite 1 von 2)

Alles zu seiner Zeit

Oft will ich vieles sofort. Oder Bestimmtes genau jetzt. Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass Dinge Zeit brauchen, Antworten dann kommen, wenn sie dran sind. Wie häufig tendieren wird dazu, unser Leben fest im Griff haben zu wollen, Dinge beeinflussen und kontrollieren zu wollen!

Das Verrückte ist: Je häufiger ich einen Gang herunter schalte und es mir tatsächlich gelingt, etwas laufen und einfach sein zu lassen, nicht verändern zu wollen, umso eher und schneller kommt die Veränderung auch. Umgekehrt gilt: Je stärker ich die Zügel anziehe, je mehr ich mich krampfhaft, von außen motiviert anstrenge und in einen oft schon übereifrigen Aktionismus verfalle, umso verspannter und blockierter werde ich auch: Die gewünschte Veränderung lässt dann auf sich warten. Wenn ich feststecke in einer Gedankenschleife oder einer sich im Kreis drehenden Handlung gehe ich nun immer häufiger vor die Tür und vertrete mir die Beine im benachbarten Stadtwald. Ich kenne fast nichts – außer manchmal einfach nur dazusitzen – was mich wieder mehr zu mir selbst bringt, den Fokus vom Außen auf das Innen lenkt.

Das Zauberwort heißt Geduld. Oder ein schlichtes: Alles kommt zu seiner Zeit. Alles braucht seine Zeit. Ich weiß nicht, ob wir tatsächlich alles haben können, doch ich glaube, wir können vieles haben – nur nicht sofort, sondern dann wenn die Zeit und wir dafür reif sind. Je mehr ich so denke, umso stärker kann ich mich in mich hinein entspannen, umso tiefer kann ich ausatmen und somit loslassen.

Im Zusammenhang mit dem Tod meiner Mutter kommen nun zahlreiche Aufgaben und Fragen auf meine Geschwister und mich zu. Zu allem Überfluss mussten wir kürzlich einen Wasserschaden im Elternhaus beheben und uns darin üben, die Dinge Schritt für Schritt anzugehen, uns da durch zu ackern und zu atmen. Viele Fragen sind offen, momentan wissen wir nicht, was konkret mit dem Haus geschieht, doch auch hier heißt es: Geduld. Es wird sich finden, und es wird sich fügen.

Manchmal brauchen auch unsere Träume Zeit. Nicht jeder alte Traum erweist sich in der Gegenwart als noch aktuell, gleichzeitig erfüllt sich ein großer Wunsch oft schneller als wir ahnen. Oder aber es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis sich ein Wunschtraum erfüllt. „In Sachen Schreiben“ hat sich für mich ein großer Traum verwirklicht bzw. wird sich voraussichtlich Ende des Jahres erfüllen – dazu mehr, wenn es soweit ist.

Zu unterscheiden, wann es Zeit ist loszulassen und wann es angezeigt ist dranzubleiben, ist oft alles andere als leicht. Von Yogi Bhajan, Meister des Kundalini-Yoga, stammt der Ausspruch „Keep up and you’ll be kept!“, „Halte durch und du wirst gehalten!“, welcher mir schon in vielen Lebenssituationen geholfen hat, nicht nur in meiner Yogapraxis. Es gibt Dinge, z. B. eine 90-tägige Yoga-Kriya, zu denen verpflichte ich mich freiwillig, da ich davon überzeugt bin, dass sie mir zuträglich sind, auch wenn ich zwischendurch aufgeben möchte. Anderes wiederum, oft Dinge von denen wir meinen, sie machen zu müssen, kann ich fallen lassen, wenn sie mich hindern, meine eigene Spur aufzunehmen und zu verfolgen. Für dieses Unterscheiden sensibilisiert zu werden kann ich meiner Erfahrung nach üben. Oft schickt uns das Leben Zeichen, die wir nicht sogleich deuten wollen oder können. Es erfordert auch Mut, diese Zeichen nicht als Humbug abzutun, sondern wach und fein hinzuschauen und zu –spüren:

Was ist es, das sich zeigen will? Was konkret will mir das Leben gerade sagen? Wann darf ich geduldiger sein?

Genießt den Juli.

 

Sich und andere ermutigen

tmp_13927-2017-01-04-14-20-141222771803In der aktuellen Zeitschrift „Maas“ („Ich und Gemeinschaft – in Freiheit verbunden“, No. 4/2016) las ich einen Artikel über das Thema Mut („Mut tut gut!“, ebd., S.46-49). In der Einleitung hieß es:

„Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der sich alle Menschen gegenseitig ermutigen. Wie anders wäre wohl dein Leben?“

Dieses Gedankenexperiment inspirierte mich: Ich stellte mir Szenen im Alltag vor, Begegnungen zwischen sich nah stehenden Menschen und Fremden, in denen gemeinsam größer, kühner, lustvoller und mutiger gedacht und gehandelt wird. Mir kamen Menschen in den Sinn, die sich trauen, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen und Träumen zu gestalten & auf diese Weise auch andere anzustecken. Ich dachte an Menschen, die sich durch mutiges Verhalten anderer – neue Wege zu gehen oder neuentdeckte Fähigkeiten und Talente „auf die Straße zu bringen“ – inspirieren lassen, anstelle mit Argwohn oder Neid zu reagieren.

„Die Fähigkeit zur Ermutigung ist ein ganz besonderer Katalysator für individuelle Entwicklung, für die Gemeinschaftsbildung und für die Welt insgesamt.“ (ebd., S. 48).

Letzteres klang in meinen Ohren etwas verwegen, doch dann stellte ich fest, dass dieser Gedanke auch ein erhebender ist: Durch den eigenen Mut und das Ermutigen anderer einen positiven Beitrag zum gesamtgesellschaflichen Klima beizutragen – eine schöne Vorstellung!

Mut zeigt sich in meinen Augen in Momenten, in denen wir uns auch sanft, verletzbar, unwissend zeigen. Überhaupt das „Sich-Zeigen“, Schicht für Schicht, erlebe ich als äußerst mutig. Mit Angst loszugehen, im Unwissen, was kommen mag, zu scheitern, sich zu schämen, Gegenwind auszuhalten, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Mutig sein, neue Pfade betreten und gegebenenfalls auch scheitern macht dich mit dir bekannt, so meine Erfahrung. Ich entdecke bislang unbekannte Potentiale in mir und lerne – auch im Austausch mit anderen, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten es gibt, glücklich zu sein. Fünfe gerade sein zu lassen, auch wenn Perfektionsdrang und Konkurrenz das Klima beherrschen und Leistungsdenken und -streben hohe Attribute in unserer Gesellschaft sind. Sich und anderen einzugestehen, dass man an einer Stelle partout nicht weiter weiß und kann, mit Kraft und Latein am Ende ist – all dies zeichnet mutiges und gleichzeitig ermutigendes Handeln für mich aus!

Mutig-Sein – und auf diesem Wege auch andere ermutigen – kann auch bedeuten, eine Zeitlang bewusst allein zu sein, seine Gedanken ganz ungehindert auf sich selbst einwirken zu lassen, Klarheit zu gewinnen – aus der Erfahrung, einsam zu sein auch „ein Samen“ für Mitmenschen zu sein.

Ich mache immer öfter die Erfahrung, dass mutiges Handeln ansteckend wirkt. Im Kontext Blog-Erstellen und Schreiben zum Beispiel habe ich im vergangenen Jahr öfter mal gehört: „Wenn du das schaffst, kann ich das auch!“ Das hat mich jedes Mal gefreut. Wenn wir uns bewusst werden, dass wir über unsere – auch unausgesprochenen – Worte, Mimik, Gestik und kreative Ausdrucksformen permanent mit der Außenwelt kommunizieren und Wirkung hinterlassen, macht es Sinn, ermutigendes Handeln an den Tag zu legen.

Einem nahstehenden Menschen in einem Gespräch zu offenbaren, dass man ihn sehr schätzt, Gespräch und Thema einen jedoch nicht interessieren – das ist mutig in meinen Augen, auch wenn der Grad schmal ist zum „Den anderen verletzen“.

Im letzten Jahr habe ich eine tolle Frau kennen gelernt, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Sie und ihre Art zu leben beeindrucken mich in vielerlei Hinsicht: Stark und mutig finde ich zum Beispiel ihre Haltung, mit nahstehenden Menschen aufgeräumt, keine offenen Baustellen zu haben, so dass ein Von-dieser-Erde-Scheiden nicht willkommen jedoch möglich im Sinne von „abgesegnet“ wäre.

Als meine Yogalehrerin einmal gefragt wurde, ob ihr die wachsende Kundaliniyogalehrer-Konkurrenz in Hannover nicht zu schaffen mache, antwortete sie sinngemäß, nein, es finden sich stets die Schüler und Lehrer, die zueinander passen. Auch diese innere Haltung habe ich als ermutigend und großmütig erlebt.

Aus Mut erwächst Mut – im eigenen Leben und im Leben anderer.

Kontakt findet an Grenzen statt

bild-kontakt-grenzenEine Heilpraktikerin sagte einmal zu mir: „Kontakt findet an Grenzen statt.“ Über diesen Satz habe ich oft nachgedacht und im Laufe der Zeit zahlreiche Beispiele für das Wahre an dieser Aussage gefunden: Beziehung wird immer dann spannend, wenn wir uns in unserer Tiefe begegnen, wenn wir den anderen an einem Punkt berühren, der ihn oder uns bewegt, der noch nachhallt oder einen von beiden in Aufruhr versetzt. Wenn wir den Mut haben, unsere innere Wahrheit mitzuteilen, unsere Bedürfnisse und Werte auf den Tisch zu legen, auch wenn wir dadurch verletzbarer werden und das Gegenüber gegebenenfalls enttäuscht oder ablehnend reagieren könnte.

Oft haben wir ein bestimmtes Bild von jemandem im Kopf, meinen ihn zu kennen und wollen auch keine große Energie aufwenden, dieses Bild zu ändern oder zu erweitern. Gerade in Momenten, in welchen der andere vielleicht nicht in der gewohnten oder erhofften Manier reagiert, können beide Beziehungspartner wachsen, kann die Beziehung reifen. Natürlich wird dann oft auch am Eigenen – an der bestehenden Lebensmethode, dem eigenen Lebensmodell – gerüttelt; das ganze System, das Feld, in dem sich die Beziehung bewegt, gestaltet sich neu. Diese Momente sind Chancen, auch wenn wir es eventuell nicht gleich wahrhaben wollen. Schaffen wir es, uns immer wieder für neue Erkenntnisse und Begegnungen mit uns nahen Menschen „leer“ zu machen, dem anderen immer wieder mit frischem, offenen Blick zu begegnen, so denken und fühlen wir uns frei, und es eröffnen sich ganz neue Spiel- und Begegnungsräume.

Jemand, der seine eigenen Gefühle gut wahrnehmen kann und auch Unangenehmes nicht unterdrückt, kann sich meines Wissens auch leichter und tiefer in andere Menschen einfühlen, wird empathischer. Nehme ich zu meinem eigenen Herzen mitfühlend immer engeren Kontakt auf, fällt es mir auch leichter, einen anderen Menschen so zu akzeptieren, wie er ist. Lerne ich meine dunklen Seiten, meinen tiefsten Schmerz immer besser kennen, so wächst mein Verständnis für den anderen und seine „Abgründe“. Zwischenmenschliche Schwierigkeiten treten oft dann auf, wenn wir in Bezug auf den anderen oder unsere Beziehung eine genaue Vorstellung haben, wie dieser bzw. diese aussehen sollte. Die Beziehung hat hier die Chance, in und an solchen „Grenzmomenten“ zu wachsen, tiefer zu werden, oder aber es trennen sich Wege vorrübergehend oder ganz.

Wenn eine deiner Werte mit denen deines Beziehungs-Gegenübers – Partner, Freund, Kollege – in Konflikt gerät, kann dies Stress erzeugen. Wünschenswert wäre es meines Erachtens, wenn beide Parteien akzeptieren könnten, dass jeder das Recht hat, der zu sein, der er ist. (Während ich den letzten Satz schreibe kommt mir der mich seit Tagen enorm bewegende Berlin-Anschlag in den Sinn und ein Teil von mir zweifelt extrem an dieser Aussage).

Wahrhaftige, tiefe Begegnung bedarf meiner Erfahrung nach des Mutes und der Ehrlichkeit: Lege ich meine Wahrheit möglichst offen auf den Tisch und formuliere meine Werte und ihre konkrete Bedeutung so klar wie möglich, können sich Missverständnisse auflösen.

Was ich auch lerne: Antworten finde ich stets in mir. Habe ich beispielweise einen Konflikt mit einem anderen, kann ich mich sehr auf diesen anderen, seine Fehler und Unzulänglichkeiten konzentrieren und mich immer weiter in das Beziehungsdrama einschwingen. Wirklich helfen wird es mir nicht. Ich darf mich stattdessen fragen: Was soll ich hier lernen? Was ist in mir noch nicht bereinigt? Und auch: Was darf ich getrost- und möglichst mitfühlend –  beim anderen lassen, was gehört nicht zu mir?

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein schönes, gesegnetes Weihnachtsfest!

 

Herzlichst, Carolin

 

Den Kontakt wieder finden – Klarheit auf meinem Weg

Heute kommt etwas Neues: Ich veröffentliche meinen ersten Gastbeitrag einer Leserin. Sie hat mir einen sehr persönlichen, erfrischend-inspirierenden Text zukommen lassen. Ich habe Lust, Menschen zusammenzubringen, auch unterschiedlichen Alters, sie anzuregen, sich klarer zu werden, wozu sie „Ja“ sagen im Leben, zu ermutigen, mutig(er) zu werden.

Nun überreiche ich Christina das Wort:

Baum Angkor WatKennst du nicht auch das Gefühl, verloren, verzweifelt, orientierungslos und verwirrt inmitten deines eigentlich relativ normalen Alltaglebens zu stehen? Oft tappt man selbst im Dunkeln, ich konnte lange Zeit selbst nicht begreifen, in welchen konfusen Gefühlszustand ich mich emotional manövriert hatte.

Irgendwann hat es Klick gemacht…Nun ja, irgendwann ist gut. Es gab viele Hinweise und Menschen auf diesem Weg und auch viele Versuche meinerseits den Kontakt zu mir (wieder?) zu finden. Ich habe es mehr oder weniger erfolgreich mit Yoga, Joggen, Fasten, veganem Leben versucht. Doch ich spürte nicht den Kontakt, den ich mir gewünscht hatte. Ich hatte nicht begriffen, dass es um etwas anderes geht: Um lebendige Essenz, um mein Leben. Dies wurde mir glasklar, als ich ein Buch von Veit Lindau durch schicksalhafte Fügungen in die Hand bekam und dort die Frage las: „Was ist, wenn alles möglich ist? Was ist wenn du jetzt schon alles sein kannst, was du dir wünschst? Was ist es, was du dir eigentlich wünschst?“

Ich begann darüber nachzudenken, was ich mir eigentlich wünsche und wer ich eigentlich sein möchte. Klingt nach einer banalen Freizeitbeschäftigung, doch tatsächlich ist es dies nicht: Ganz klar zu formulieren was man möchte, kann einen ganz schön unter Druck setzen. Man misst sich natürlich auch immer an dieser formulierten, „perfekten“ Vision im Alltag. Jeden Tag! Fast 30 Tage habe ich täglich daran gesessen, um dies herauszufinden und feile noch heute an vielen Themen. Nun steht sie formuliert auf Papier:

Ich sehe strahlend und gesund aus, leuchte von Innen vor Liebe, Attraktivität und tanze die Weiblichkeit. Ich liebe mich selbst und bin mit allem verbunden. Ich bin frei, selbst bestimmt, mutig und wage neugierig neue Schritte. Ich erlebe die Gegenwart als Chance, und kann schwierige Situationen akzeptieren und wieder loslassen. Ich bin voll im Kontakt mit mir, lebe im Jetzt, spüre meine innere Ruhe und habe Vertrauen in die Schöpfung. Ich lache, erlebe positiv, humorvoll, lebendig, leidenschaftlich-intensiv und dabei entspannt, was mich bewegt.

Eigentlich ganz auf meine Gefühle fokussiert, dabei intim formuliert, kann es so einfach sein? Meine Freundin, die als Psychologin arbeitet, lachte gestern, als ich ihr meine Vision vorgelesen habe. „Einfach“, meinte sie, „das sind die existenziellen und schwierigsten Themen des Lebens, Süße: Selbstliebe, Selbstwirksamkeit, innere Balance und unsere Gefühle“.

Seit ich meine Vision nun vor über 40 Tagen formuliert habe, passieren interessante, schicksalhafte Dinge in meinem Leben, möge man es nun mit Karma oder dem Gesetz der Anziehung erklären, das kann ich nicht rational beantworten, doch es passiert: Plötzlich kommt Klarheit, wo vorher Chaos war, ich spüre fließende Energie statt enge Grenzen in meinem Geist, durch tägliches Meditieren finde ich Kontakt zu meinem inneren Selbst und erlebe existenzielle Momente der Ruhe, Wahrheit und (Eigen-)Liebe.

Das klingt sehr nach einer „positive thinking“-Mentalität, doch das stimmt so nicht. Ich erlebe auch immer noch Rückschläge: Verzweiflung, Trauer, Ablehnung, Selbsthass und Angst sind Teil meines Weges, doch ich versuche sanft und mit frischem, „neugierigem Forschergeist“, die Gefühle anzunehmen und diese auszuhalten statt diese wie früher zu kompensieren oder zu übertünchen – sei es mithilfe von Alkohol, Zigaretten, emotionalem Essen, Beschäftigung mit fremden Problemen privat und beruflich. Ich kümmere mich das erste Mal in meinem Leben wirklich nur um mich und lebe von Innen nach Außen: Selbstzweifel sind durch die Eigenverantwortung für meine Gedanken verschwunden. Kann es so leicht sein? Ich glaube ja! Kann das Leben ein aufregendes Spiel sein? Ich bin ganz fest davon überzeugt, wenn wir es zulassen. Veit Lindau meint hierzu: Niemand weiß genug, um sich den Luxus von Pessimismus zu leisten, es ist immer mehr möglich.

Natürlich gibt es viele Baustellen in meinem Leben, die noch vor mir liegen und mir Angst machen. Doch ich sehe diesen mit mehr Mut, proaktivem Handeln und mehr Neugierde als früher entgegen, neue Möglichkeiten und Sichtweisen präsentieren sich auf meinem Weg. Auch wenn die Angst mich noch häufig besucht und mich zurück drängt, dahin wo es in mir selbst bisher immer gemütlich war.

Jeder Tag ist eine Entscheidung in unserem Leben, wir können nur im Jetzt unser Leben lenken, denn sonst konstruieren wir unsere Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart und Zukunft, jeder Mensch kann klar entscheiden, wer er sein möchte und was er erleben möchte. Permanenter Wandel gehört dazu, hinfallen gehört dazu: Unser selbst konstruiertes Gefängnis können wir nur selbst verlassen! Schreib deine Vision auf, träume dich frei!

chrissy.theodoridou@googlemail.com

Christina (33) arbeitet im Kultur-Marketing in München. Sie interessiert sich für alles, was mit Kommunikation zu tun hat. Am meisten bewegen sie die großen Lebensthemen: Selbstliebe, Selbstwirksamkeit und der tiefere Kontakt zum inneren Selbst. Sie liebt Humor, inspirierende Persönlichkeiten, Meditation, Natur, tolles Essen und ihren Freund, der sie auf allen Schritten begleitet.

Lebendige Gespräche

Cappu in MünsterMich interessiert Kommunikation. Auf vielen Ebenen. Auf verbaler Ebene interessiert mich bewusste, wache Kommunikation. Mich beschäftigen die Fragen: Was macht Kommunikation lebendig? Welche Gespräche beflügeln und befriedigen beide Gesprächspartner?

Ich möchte mich auch einem heiklen Aspekt nähern: Wie verhalte ich mich in Momenten, in denen mich das Zusammensein, ein Gespräch, gehäuft langweilt, so gar nicht berührt? Gespräche mit Fremden, in denen es bei mir nicht „funzt“ und die ich nicht fortführen mag, kann ich mittlerweile recht schnell beenden, indem ich mich einfach abwende oder mich meinem Buch widme, im Zug beispielsweise. Auch darf es meines Erachtens da mal heißen: „Das ist jetzt nicht mein Thema.“
Was aber, wenn wir mit langjährigen Freunden oder Familienmitgliedern zusammensitzen und uns das Szenario vom täglich grüßenden Murmeltier in den Sinn kommt – und dies wiederholt? Wir innerlich abdriften, abschalten, gähnen? Ehrlich gesprochen: Ich weiß es nicht, noch nicht. Doch was ich weiß ist, dass meine Lebenszeit kostbar ist, genau wie die meines Gegenübers. Ich möchte sie nutzen, gestalten, ich wünsche mir echten Austausch, häufig auch neuen Input, eine möglichst lebendige, beide Gesprächspartner bereichernde Kommunikation. Manchmal möchte ich auch einfach nur unterhalten werden, nicht selber senden, mich zurückhalten. Wenn der andere jedoch ausschließlich von sich spricht und mir keine Fragen stellt, löse ich mich nun auch schneller aus diesen Gesprächssituationen und Kontakten. Das hätte ich mich vor einiger Zeit noch nicht getraut.

Ich frage mich: Darf ich nicht häufiger sagen „Du, das Thema interessiert mich gerade nicht so, lass uns doch über etwas anderes sprechen“? Es gehört Mut dazu, den ich bislang in entsprechenden Situationen auch noch nicht hatte. Der andere könnte im ersten Moment irritiert sein oder sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Doch vielleicht bereichert die sich nun anschließende Unterhaltung auch ihn wiederum deutlich mehr. Vielleicht sind beide gottfroh, die alten Pfade mal verlassen zu dürfen und sich auf Neuland zu begeben. Das Gegenüber erhält die Chance, uns wieder neu zu sehen, zu staunen. Wir können den anderen zum Beispiel fragen, was ihn gerade beschäftigt, fernab vom Alltagsgeschehen. Wie er oder sie zurzeit auf’s Leben blickt. Oder wir fragen: „Was macht dich momentan glücklich, was weniger? Hast du zurzeit einen Traum?“

Meine Schwester empfing vor einiger Zeit eine Freundin mit Wein, Nüssen und den Worten: „Heute möchte ich mal nicht über das sprechen, was uns gerade nervt oder was zurzeit alles schief läuft. Lass uns über neue Dinge reden, über das was uns erfreut, über unsere Träume zum Beispiel.“ Es folgte ein intensives, beide beglückendes zehnstündiges Beisammensein, welches im Wald endete. (Meine Schwester lernte gegen Mitternacht, auf einer Eichel zu pfeifen).

Es muss auch nicht immer so „radikal ehrlich“ zugehen. Wir können es ja auch mal probieren, verblüffende, aus dem Kontext springende Fragen zu stellen, wenn uns danach ist, oder Wörter ins Gespräch zu werfen, die im ersten Moment irritieren, wie z. B. Seele, Freiheit oder Zeitgeist – was auch immer. Ich mache hier Vorschläge und bin selbst noch relativ unerprobt – finde das Thema aber spannend und habe Lust, auch in meiner eigenen Kommunikationskultur Neuland zu betreten und – gerne auch mit Euch – darüber in Austausch zu kommen.

Behauptet jemand etwas mit der Inbrunst der Überzeugung, er rede von etwas Allgemeingültigem – in erster Linie sagt der Sprecher doch etwas über sich selbst aus – können wir erwidern: „Wer sagt das?“, oder „Woher weißt du das?“, alternativ: „Bist du dir da so sicher?“ Fragen dieser Art traue ich mich nun schon viel öfter zu stellen und stelle fest: Das Gespräch und mein Gegenüber richten sich manchmal nochmal ganz neu aus. Wenn wir uns vom Rechthaben-Wollen mehr und mehr befreien, können wir ganz wunderbare Dinge erleben.

Mir tut es gut zu wissen, was ich mir von und in einem Gespräch wünsche: Wie gesagt, manchmal erfreuen mich einfach Geschichten und Neuigkeiten. Dann wiederum brauche ich mal ganz dringend ein Ohr und wünsche mir, der andere möge mir offen lauschen. Es ist klug, so denke ich, diesen Wunsch klar zu formulieren: „Kannst du mir mal ein paar Minuten gut zuhören, das ist mir grad sehr wichtig!“

Lebendige Kommunikation zwischen sich nah stehenden Menschen heißt für mich, dass ich mich ganz offen mitteilen kann, wenn mir der Schuh drückt. Und: Ich wünsche mir ebenfalls, der andere möge sich mir gegenüber öffnen. Das geklagte Leid hat auch seinen Platz und seine Berechtigung. Nur wenn ich das Gefühl habe, ich laufe gemeinsam mit einer mir wichtigen Person immer und immer wieder dieselbe Klagemauer ab, dann kann es sein, dass ich auch mal abspringe.

Hier noch eine kleine mutmachende Inspiration: Ich zitiere erneut meine Schwester, die auf einer Party auf die Frage, was sie so mache – natürlich beruflich erfolgsmäßig gemeint – antwortete „Ich esse M&Ms“  (tat sie gerade und kannte die fragende Person im Übrigen auch kam.) Die Frage erlebt wohl jeder als unangenehm beklemmend, wenn er gerade gefühlt nichts gebacken kriegt. Und da ist eine solche Antwort ein wohlig schauriger Befreiungsschlag.

Zum Schluss sei erwähnt, dass es selbstverständlich auch ok ist, wenn Gespräche im Alltagsgeschehen dahin plätschern, oder einfach Smalltalk geschnackt wird, über’s Wetter zum Beispiel – ein Thema, über das schnell Nähe hergestellt werden kann.  Auch diese Form der Konversation ist Teil unserer (Gesprächs-) Kultur.

Ich spüre, dass ich immer mehr Lust habe auf wache, voll ausgekostete Gespräche mit Menschen, die ähnlich ticken. Wie geht’s Euch damit?

P.S.: Ich freue mich, dass dieser Artikel im Online-Magazin compassioner erschienen ist:-):

Blog der Woche: die Kunst der lebendigen Gespräche

 

 

Erfolg-Reich

image-jpeg-attachmentIch habe heute Lust, über Erfolg zu schreiben. Nicht zuletzt inspiriert durch das Buch „Werde verrückt von Veit Lindau („Wie du bekommst, was du wirklich-wirklich willst“) mache ich mir momentan Gedanken darüber, was Erfolg für mich bedeutet. Ich meine – wie wahrscheinlich jeder automatisch – den konstruktiven Erfolg, der einen voranbringt. Dass man sich natürlich auch erfolgreich selbst sabotieren kann, lasse ich im Folgenden außer vor. Im Grunde sind wir alle jeden Tag 100%ig erfolgreich, fragt sich nur wie bewusst und in welcher Richtung.

Mir wird immer bewusster, dass mich Erfolg im Sinne von „Karriereleiter empor und viel Besitz Anhäufen“ wenig bis gar nicht tangiert. Erfolgsattribute wie Besitz und Macht – im Sinne von: „in einer hohen Position“, diverse Untergebene unter sich – werden in unserer Gesellschaft von vielen als erstes angeführt, wenn sie „Erfolg“ hören. Dies entsprach aus meinem Erleben auch nicht dem „Erziehungsauftrag“, den Werten meiner Eltern. In meiner Herkunftsfamilie war oder ist niemand „überdurchschnittlich erfolgreich“ – im oben beschriebenen bzw. „landläufigen“ Sinne; in unserer Großfamilie wiederum schon, interessanterweise.

Entscheidend ist meines Erachtens die Frage: „Was bedeutet Erfolg für mich persönlich?“

Für mich ist Erfolg in erster Linie die Gestaltung eines gelingenden Lebens, ein Leben in Fülle und Dankbarkeit, das ich voll ausschöpfen kann und in dem ich einen hohen Grad an Selbstbestimmung, ja an Freiheit, leben darf. Erfolg bedeutet für mich, ein Leben meinen Werten und Bedürfnissen entsprechend zu gestalten – Felder zu kreieren, in denen ich „erblühen“ und optimal dienen kann, mir und anderen. Immer mehr so zu leben, dass alles leicht und natürlich geschieht. Ich glaube, dass jeder weiß, wie sich (sein) Erfolg anfühlt.

Ich fühle mich erfolgreich, wenn ich auf vielen „Kanälen“ schöpferisch tätig sein, mich ausdrücken kann, wenn ich spielend leicht Dinge bewerkstellige. Meine Gaben und Talente erkunde und diese zur Blüte bringe. Ich spüre Erfolg, wenn ich mit meiner Schwester und unserer Musik die Zuhörer selig stimmen kann, ein Klient in einer Musiktherapiestunde etwas Neues erfahren durfte oder die Stunde zufrieden verlässt.

Reich an Erfolg fühle ich mich, wenn ich den Mut aufbringe, mich in unbekanntes Terrain zu wagen oder Träume beginne zu leben. Diesen Blog ins Leben gerufen zu haben und darüber immer mehr Resonanz zu erfahren bedeutet Erfolg für mich. Mich nun tatsächlich zur Yogalehrerin ausbilden zu lassen entspricht voll meinem Bild von Erfülltheit und Erfolg, unabhängig davon, wie konkret es weiter geht, ob ich tatsächlich einmal unterrichten und Schüler um mich scharen werde.

Und ich werde mir immer klarer darüber, dass Erfolg auch mit Disziplin zu tun hat – Disziplin nicht im Sinne von Gehorsam, sondern Disziplin als schrittweises Dranbleiben, als ein Üben und mich dem Unterordnen, was ich für wesentlich halte. Yogi Bhajan sagte, Disziplin mache dich kreativ. Nach spätestens 20 Tagen innerhalb einer sich 40 Tage lang wiederholenden Meditation habe ich meist keinen Bock mehr – und bleibe in der Regel dennoch dran. Die Erfahrung ist Gold wert, und ich ernte am Schluss viele Früchte.

Erfolg zu leben bedeutet für mich, als Mensch sichtbar(er) zu werden, aus mir heraus zu leben, zu wachsen, an Tiefe und Reife zu gewinnen.

So ganz kann man das liebe Geld ja nun auch nicht herausnehmen aus der „Erfolgsgleichung“: Natürlich fühlt sich ein Leben, in dem ich – auf vielen Ebenen – satt werde, mir etwas gönnen oder leisten kann und nicht jeden Cent umdrehen muss, leichter und angenehmer an. Ökonomischer Erfolg ist nicht unerheblich. Und selbstverständlich hat ein jeder hier unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche. Unser persönlicher „Luxus“ ist gutes (Bio-) Essen. Und meine ganz persönliche Präferenz ist die Möglichkeit zu verreisen, mobil zu sein, mir mehrmals im Jahr eine Ferienwohnung leisten zu können. „Freude ist die Essenz von Erfolg“ stand heute morgen auf meinem „Teebeutel-Fähnchen“. Da ist was dran.

Was macht für Euch Erfolg aus? Wie fühlt sich dieser an? Ich freue mich über Austausch!

Meine Werte

Dem eigenen Pfad folgenIn letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Werte. Was sind Werte, welche sind meine Werte, die mir dieser Tage wichtig sind? Wofür möchte ich in der Welt stehen, was konkret macht mein Leben aus?
Werte sind aus meiner Sicht ein Fundament, auf dem ich lebe – eine Art Leitstern in meinem ganz persönlichen In-der-Welt-Sein.

Momentan ist Freiheit ein sehr wichtiger Wert für mich: frei sein von Enge, von selbst auferlegten Zwängen und Erwartungen, zu hohen Ansprüchen, frei sein von einengender Routine, ja, und frei sein für Weite, für ungeahnte Möglichkeiten, Menschen und neue Begegnungen, für Erfahrungen. Mich und andere frei lassen. Wenn ich „Freiheit“ höre oder lese, geht etwas in mir auf und ich werde innerlich ganz weit.
Ehrlichkeit ist mir wichtig: Meine Wahrheit denken und aussprechen dürfen, mir selbst auf die Schliche kommen, aufrichtig mir selbst und anderen gegenüber sein – auch wenn dies oft sehr schwer ist und je nach Kontext fein abgestimmt werden darf. Nicht alles immer sagen müssen, doch das was ich sage, ehrlich meinen.
Freude ist für mich wie ein Motor, eine Kraft, der ich folge: innerlich heiter und bewegt sein, im „Kleinen“ – Reisen, Rituale, Ruhemomente, Sich-was-Gönnen – sowie im „Großen“ – Sinnfragen, Sehnsüchte, Beruf(ung), Pläne, Ziele. Unter Freude fällt für mich auch Leichtigkeit. Dinge mit Kraft und Leichtigkeit anzugehen – was auf den ersten Blick paradox erscheinen mag – lässt mich „erblühen“.
Herzlichkeit ist mir wichtig: auf Herz- & Augenhöhe kommunizieren, mir und anderen Komplimente machen, freundlich und mitfühlend sein, Dinge mit und von Herzen tun.
Ein weiterer elementarer Wert für mich ist Dankbarkeit. Während Freude einem Motor gleicht, ist Dankbarkeit für mich ein Fundament, ein Boden, auf den alle meine Erfahrungen, auch die weniger schönen und die schmerzvollen, fallen.
Mut tut gut. Mut ist herrlich, vielleicht nicht in den ersten Momenten, in denen oft Angst dominiert, doch stets im Nachhinein, wenn ich mich getraut habe. Mut zu Ehrlichkeit und Unbequemsein, zum Anecken, Ecken und Kanten Zeigen. Ein Wert, eine Haltung, die nun immer öfter bei mir anklopft und mich herauslockt, mich sichtbarer werden lässt. Neugier fällt für mich auch unter Mut.
Humor find ich großartig. Fein, englisch, schwarz, trocken – je nachdem was gerade aus meinem Erleben stimmig ist, möglichst ohne dabei andere zu verletzen. Dinge und Situationen aus der Vogelperspektive zu betrachten und dabei so viel gesunde Distanz zu haben, dass ich’s mit Humor nehmen kann. Übrigens schwingt auch hier wieder die Leichtigkeit für mich mit, die einem Menschen oder einer Situation manchmal die Schwere nimmt, was auch gut tun und angemessen sein kann. Über sich selbst lachen – wenn man’s kann, sehr schön.
Mein achter und letzter Wert – zu viele Werte verwirren eher und lassen mich Orientierung verlieren – ist Kreativität. Sie ist für mich Ausdruck, mein Schöpferisch-Tätigsein – in der Musik, im Schreiben, Fotografieren – einfach im Sein.

Rebecca Reinhards philosophische Position zur Frage nach Werten in einem authentischen Leben besagt, dass es wichtig sei, eine Balance zu finden zwischen „subjektiven und objektiven Werten“ (in: Spiegel Wissen, „Ich bin ich“, Ausgabe 1/2016, S. 33). Sprich Zufriedenheit und Ausgeglichenheit haben auch mit Verantwortung anderen gegenüber zu tun – Tugenden wie Verantwortung und Hilfsbereitschaft sind laut Reinhard wichtiger Bestandteil eines gelingenden Lebens.

Werte sind auch nicht in Stein gemeißelt. Ich darf immer wieder prüfen, ob der eine oder andere Wert momentan noch stimmig für mich ist, noch Sinn macht, gerade ansteht. Oder ob sich Werte nicht auch zusammenfassen lassen – unter einen „Hauptwert“. Ich kann mich von Zeit zu Zeit anderen Werten widmen – jenen, die noch Entwicklungschancen für mich bereithalten. Und ich darf mich fragen, was ich ganz konkret unter einem bestimmten Wert verstehe, welche persönliche Bedeutung dieser für mich gerade hat, wie ich und andere erkennen können, dass mein Handeln auf diesen Werten fußt. Großzügigkeit war längere Zeit ein Wert für mich – zurzeit schenke ich ihm keine besondere Aufmerksamkeit: Großzügigkeit ist für mich gerade einfach da, in meinem Leben – und fällt darüber hinaus unter Herzlichkeit im Sinne von Großherzigkeit.
Klarheit, Gemütlichkeit, Wildheit, Wachstum – es gibt noch so einige wertvolle Werte, die ich spannend finde und die sicher nochmal näher an mich heranrücken werden.

Werte Leser, habt’s gut & genießt diese herrliche Jahreszeit!

Schräg und exzentrisch – Mut zum Anderssein

Vom Auto zum FahrradInspiriert vom Brigitte-Dossier „Du bist doch nicht normal!“ Wenn Frauen in kein Schema passen“ schreibe ich ein paar Zeilen über das Phänomen Exzentrik.

Besagtes Dossier hat mir viel (Lese-)Freude bereitet: Eine Frau berichtet von ihrem Leben als asexuell und aromantisch veranlagtes Geschöpf, eine andere bezeichnet sich selbst als Autistin und ADHSlerin (ich wusste nicht, dass beide Phänomene gleichzeitig auftreten können). Eine dritte Frau beschreibt, wie gerne sie alleine ist und welchen Stress Gruppensituationen in ihr auslösen, eine weitere Schreiberin wiederum reist seit geraumer Zeit mit einem Wohnmobil durch die Lande  und bezeichnet sich selbst als „angekommen“.

In dem Artikel heißt es, dass „gnadenlose Schrägheit“ der Vergangenheit angehöre und mehr denn je die Norm regiere, die Gesellschaft in den letzten Jahren wieder konformer geworden sei.

Die viel gepriesene Individualität scheint oft nur eine als Individualismus getarnte Konformität zu sein.

Als Beispiel wird das Phänomen „Hipster“ genannt: Leute, die ihr Kind Konrad nennen und sich einen Anker tätowieren lassen:

Individualismus light, ohne die Peinlichkeit und den Schmerz, den das Anders sein bedeutet.

Auch ich beobachte starke Tendenzen in unserer Gesellschaft, sich auf bürgerliche Werte (zurück-) zu besinnen. Gleichzeitig tummeln sich viele originelle Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld, sodass ich schon fast den Blick dafür verliere, was eigentlich „normal“ ist. (Gibt es überhaupt ein „normal“?)

Ich bin ein großer Freund von Schrägheit und ungewöhnlichen Lebensstilen und interessiere mich sehr für originelle Biografien. Ich gestehe, Menschen, die in irgend einer Form anders unterwegs sind – ich meine wirklich anders – üben eine starke Anziehungskraft auf mich aus. Ich behaupte mal: In meiner Herkunftsfamilie gibt’s zahlreiche unkonventionelle Persönlichkeiten – allein über meinen Vater könnte ich viel Ungewöhnliches berichten. Im Umfeld des Onkels unseres Sohnes, im Stadtbezirk Linden in Hannover – bekannt für viele bunte Vögel – fallen auch zahlreiche Erdenbürger durch einen außergewöhnlichen Lifestyle auf: Es gibt „Totengräber-C.“, K., den Schrauber, der in seiner einem Kunstwerk gleichenden Wohnung aus verschiedensten Teilen eine Art „Fahrrad-Auto“ (s. Bild) gebaut hat; das ist „Metal-M.“, der Schrott sammelt und verkauft und mittlerweile relativ bodenständig in einem Kleingartenhäuschen lebt. Ich freue mich stets, neue Geschichten zu erfahren.

In meiner Arbeit als Musiktherapeutin für sog. mehrfachbehinderte, blinde Menschen treffe ich tagtäglich auf völlig andersartige Denk- und Verhaltensweisen. Ich habe mich mittlerweile so daran gewöhnt, dass diese Begegnungen total „normal“ für mich geworden sind. Neulich hat eine Jugendliche eine ganze Schulveranstaltung geschmissen und auf’s heftigste protestiert, als das ihr bekannte Lied anstelle mit Klavier mit Akkordeon begleitet wurde. Ich kenne ähnliches Verhalten von besagtem Mädchen aus vergangenen Musiktherapiestunden: Eine Zeit lang brüllte sie „falsch“ oder „falsches Lied“, bis ich geblickt habe, dass schlicht die Tonart eine andere war als die von ihr erwartete. Es gibt Kinder, die aus Wurt ihre Glasaugen herausnehmen und gegen die Wand schmeißen. Momente, für die ich mittlerweile sehr dankbar sind, da sie mein Bewusstsein stark erweitert haben.

Was ich mitunter so herrlich an meiner Arbeit finde: Die Begegnung mit Menschen, die einfach so sind wie sie sind – authentisch, wie’s so schön heißt. Die meisten Kinder und Jugendliche hier erlebe ich als erfrischend anders, sehr geradeaus, mich wenig manipulierend.

Das Spektrum zwischen „hundsnormal“ und völlig abgedreht ist groß (das pathologische Verhalten klammere ich hier aus). Das ist auch gut so, finde ich. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die „einen möglichst großen Spielraum an Normalität zulässt“ (Psychiater und Autor Dr. Joseph Aldenhoff, zitiert im Brigitte-Dossier), in der „Andersartige“ unbeugsam leben können, sprich sich nicht verbiegen müssen. Wir alle profitieren davon, wenn Menschen eigensinnig sind und ungewöhnlich leben: Sie beleben uns, können uns Mut und geistige Freiheit lehren, irritieren unsere eigenen Lebensentwürfe und spiegeln uns mitunter auch eigenen (unausgelebten) Eigensinn, was uns nicht selten auch neidisch auf ein Andersartig-Leben reagieren lässt.

Immer mal wieder größer und freier von uns selbst und anderen zu denken bekommt uns gut, so mein Eindruck. Es macht uns klüger und weiter, wenn wir offen Fragen stellen, wirklich an einem Dialog interessiert sind. Das Sich-Öffnen für das Fremde ist eine Haltung, die wir meines Erachtens aktuell und in Zukunft dringend brauchen.

Ein kleiner Exkurs zum Schluss: Für diejenigen unter uns, die sich selbst als „recht normal“ beschreiben würden: Voll ok! Wer hin und wieder Lust hat, neue Lebensbühnen zu betreten und in fremde Rollen zu schlüpfen, sich und seine Mitmenschen zu überraschen, dem sei empfohlen den Mut aufzubringen, sich öfter mal out of character zu verhalten – sprich ein für sie oder ihn uncharakteristisches Verhalten zu zeigen. Persönlichkeitspsychologe Brian Little bezeichnet entsprechende Verhaltensmuster als freie Eigenschaften – Verhaltensweisen, die der genetisch bzw. soziokulturell geprägten Natur eines Menschen widersprechen. Es lohnt sich meiner Erfahrung nach auch, sich öfter mal zu fragen: Was würde ich (noch) tun, wenn ich keine Angst vor Fehlern hätte?

Lasst uns wach und neugierig bleiben – uns selbst und anderen gegenüber, auch den „schrägen“ Seiten in uns und anderen!

 

 

Vertrauensvorschuss – „Leap of faith“

Vertrauen lernenBei den unterschiedlichsten Gegebenheiten fallen mir drei Worte ein: „Leap of faith“. Ich stolperte über diesen Ausdruck in einem Buch einer großen, ich würde sagen weisen Kundalini-Yogalehrerin, Gurmukh (Gurmukh: Die 8 Gaben des Menschen, 2015). Gurmukh beschreibt „Leap of faith“ als einen Vertrauensvorschuss, einen Sprung ins Ungewisse, im Vertrauen darauf, dass alles gut endet. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass dieses „Leap of faith“ eine große Bedeutung für mich hat, dass mir Situationen etwas sagen wollen, in denen es in mir denkt: Vertraue(n)!

Häufig betrifft es kleine Alltagsmomente: Ist das jetzt richtig? Ob ich das wohl schaffe? Wird das heute noch was? Oder größere Fragen: Wird das überhaupt was? Wie gestaltet sich die Situation „Y. & Schule“? Kommt mein Vater wieder in seine Kraft? Wo soll’s für mich und uns mal hingehen (gerne wortwörtlich oder im übertragenen Sinne)? Immer wieder fordert uns das Leben auf, uns hinzugeben, manchmal auch einfach nur abzuwarten. Dann wieder: den nächsten, naheliegenden Schritt zu tun – oft im Unwissen, wie der darauffolgende Schritt aussehen wird.

Wie gerne haben wir alles im Griff! Wie vermeintlich sicher fühlen wir uns, wenn Kontrolle die unsere ist! Spannend jedoch wird es an den Brüchen, den Schnittstellen zwischen „Alles ist fein gerade und soll bitte so bleiben“ und „Oh nein, bloß das nicht!“ Manchmal hilft es schon, Angst und andere unangenehme Empfindungen einfach kommen und wieder ziehen zu lassen, sie nicht „wegzudrücken“, sondern als selbstverständliche, uns prägende und uns etwas mitteilen wollende Erscheinungen zu begreifen.

Sich überhaupt darüber bewusst zu werden, dass da Stimmen in uns sind, die uns sagen wollen: Irgendetwas ist gerade absolut nicht in Ordnung. Den Widerstand gegen das was ist zu spüren und anzuerkennen. Die „Vogelperspektive“ einzunehmen und den unterschiedlichen Stimmen in uns zu lauschen.

Wenn es uns gelingt, innezuhalten und still zu werden, spricht’s leise aus uns heraus: Eine Stimme meldet sich, die uns Mut zuflüstert und ermuntert, vielleicht doch diesen neuen gewagten Schritt zu gehen – oder ihn gerade nicht zu gehen, auch wenn das Umfeld ihn möglicherweise erwartet. Entscheidungen zu treffen, bevor das Leben für uns entscheidet. (Auch letzteres stellt sich oft als stimmig heraus).

Mehr und mehr lerne ich – Yoga und Meditation in welcher Form auch immer sind hierbei wunderbare Werkzeuge – meiner (Herzens-) Stimme zu vertrauen, ihr zunehmend Gehör zu schenken, intuitiver zu werden. Dankend zu beobachten, dass diese Stimme lauter wird, je mehr und öfter ich ihr meine Aufmerksamkeit schenke.

Unabhängig davon wie unerträglich die äußeren Umstände manchmal auch sein mögen: Da war und ist stets etwas in mir, das unantastbar ist, das immer da ist. Ich nenne es „meinen Kern“ und trage hierfür das Bild einer goldenen Kugel in mir, ungefähr auf Höhe des Zwerchfells. Dieses Bild nutze ich, um mich wieder aufzurichten und neu auszurichten, wenn ich einsacke oder mich zerstreue. Dort „reinzuatmen“ hilft mir, überhaupt: bewusst zu atmen. Ich bin mir sicher: Wir alle haben einen unantastbaren Kern in uns, eine Kraft, die wir wahrnehmen, indem wir vertrauen und uns sagen: Es wird sich finden.

Gurmukh beschreibt in diesem Zusammenhang die Vorstellung von „tröstenden Arme(n) eines liebendes Gottes“, der sie auffängt und tröstet. Wie oder an was auch immer wir glauben: Wir alle können lernen, uns und dem was da kommen mag zu vertrauen.

In Sachen „Y. & Schule“ tun sich im Übrigen zurzeit viele Perspektiven auf, auch konkretere Chancen und Alternativen zur jetzigen Situation zeigen sich. Und was meinen geliebten nicht mehr taufrischen Vater angeht: Hier schätze und genieße ich einfach das was wir jetzt haben und teilen. Darauf kommt es an.

Bei sich selbst zu Hause sein

TraumhäuschenDas Einkehren bei sich selbst ist für die meisten ein lebenslanger Prozess. Wie sagte eine enge Freundin vor Jahren zu mir? „Du hast’s gut – du hast immer dich!“  Sicher hat es damit zu tun, dass ich gut für mich sein kann, ja, dass ich den Rückzug auch brauche, um mich wieder zu sortieren und meinem inneren Kompass zu folgen. Um fein zu spüren, was gerade ist. Kürzlich stieß ich auf ein Zitat von Erich Fromm:

Bei sich selbst zu Hause zu sein, ist die notwendige Voraussetzung, damit man sich zu anderen in Beziehung setzen kann.

Diese Worte resonierten stark in mir. Im Grunde ein alter Hut, und offenbar doch so schwer in der Umsetzung: Sorge zunächst für dich selbst, nur dann kannst du auch anderen helfen.

Manchmal müssen uns liebe Menschen im Umfeld schubsen, den Spiegel vorhalten mit den Worten: „Mach doch mal wieder etwas für dich!“ oder – wie in meinem Fall neulich: „Komm, fahr mal alleine weg!“ Jeder kennt es: Alltagspflichten und -sorgen, viele hausgemacht, erdrücken uns, wir verlieren uns selbst immer mehr aus dem Blick und landen irgendwo, nur nicht bei uns. Selbstfürsorge kann dann zunächst einmal heißen: Den Mut aufbringen, sich dieser Schieflage bewusst zu werden. Und dann zu handeln. Wenn’s mit dem Wegfahren nicht klappt, können die Schritte auch kleiner ausfallen, Hauptsache, ich setze mich oder etwas in Bewegung. Und suche den Kontakt zu mir: Auf Spaziergängen, im Wald, am Meer, manchmal auch im Gespräch mit einem guten Freund können wir uns selbst wieder auf die Schliche kommen.

Aufrichtig mir selbst gegenüber zu sein bringt mich zu mir nach Haus. Sicher leichter gesagt als getan. Für mich bedeutet die Einkehr bei mir, mein Bedürfnis nach Ruhe, Rückzug und Mich-innerlich-Sortieren wertzuschätzen. Es bedeutet Verantwortung für dieses Bedürfnis und seine Erfüllung zu übernehmen. Herauszufinden was mir wahrlich gut tut und mir dies regelmäßig zu schenken. Da lang zu gehen, wo’s sich wirklich richtig gut anfühlt. Ich selbst brauche dafür vor allem Pausen: vom schnellen, überladenen Alltagsgeschehen, von meinen sich überlappenden Gedanken, ja, manchmal auch von Menschen und lieben Kontakten.

Bei sich selbst zu Hause zu sein bedeutet, mir Liebe in Form von Freundlichkeit, Milde-Sein, ausreichend Schlaf, gutem Essen und Bewegung an frischer Luft zu schenken.

Wenn ich mich selbst ausreichend beschenke fällt es mir besonders leicht, mich auch an andere zu verschenken: in liebevollen Gesten, Worten und Taten.

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