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Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Kundalini-Yoga

Sich im Nicht-Wissen üben

Vergangenes Wochenende musste ich mich im Nicht-Wissen üben. Das fällt mir schwer: in einer Angelegenheit, die in mir routiert, nicht weiter zu kommen – nicht zu wissen, was richtig oder falsch, was gerade angezeigt ist. Verschiedene Stimmen und Instanzen in mir wahrzunehmen und zu keiner befriedigenden Lösung zu finden, noch nicht. Manchmal bedarf es tatsächlich des Fallenlassens eines schon mehrfach durchgekauten Themas, so dass dieses sich zu einem gegebenen Zeitpunkt wieder neu zeigen kann.

Ich wurde von meiner Yogalehrerin wiederholt gefragt, ob ich sie in bestimmten Stunden vertreten könnte. Nun ist es so, dass ich das theoretisch kann: Schließlich bin ich seit Juni diesen Jahres frischgebackene Kundalini-Yogalehrerin. Als diese Frage mich kürzlich wieder traf, war mein erster Impuls: „Mist, jetzt musst du zugeben, dass du das gerade nicht willst, obwohl du kürzlich noch ’ne andere Ansage gemacht hast.“ Was mir auch immer bewusster wurde: Ich möchte meine Rollen und Aufgaben dieser Tage reduzieren, mich voll auf das fokussieren, was die stärkste Freude in mir entzündet: das Schreiben, die Natur, das Mich-Frei-Fühlen und gleichzeitig Anderen-ein-gutes-Gefühl-Vermitteln. Auch möchte ich mir noch mehr Pausen gönnen, da mein (All-)Tag mit den zum Teil „schwer beeinträchtigten“, blinden Kindern oft sehr anstrengend ist und auch unser Sohn uns fordert. Und einfach, weil’s total Sinn macht, der Freude zu folgen. Meine wöchentliche Yogastunde, in der ich als Schülerin teilnehme, ist ein Wochenhighlight, eine Zeit ganz für mich, in der ich mich fallen lassen kann. Als Lehrerin Verantwortung für diese oder eine andere Stunde zu übernehmen würde sich gerad wie ein weiterer „Stein“ anfühlen.

Zunächst war ich voll fein mit meiner nun formulierten Ansage bzw. Absage, doch am darauffolgenden Tag kamen Zweifel: War das richtig? Darf ich solch eine Chance ziehen lassen? Gehe ich nur (m)einer Angst aus dem Weg? Eine sehr liebgewonnene Bekannte meinte sehr treffend – auch das gab mir zu denken:

Ich bin immer für die Erfahrung, weil der Verstand einen manchmal austrickst.“

Auch das ist wahr – oft hindern uns diverse Mindgames daran, in das für uns stimmige, uns vorwärtsbringende Tun zu kommen. Stichwort Komfortzone-Verlassen.

Dann tat ich, was ich oft tue, wenn ich nicht weiter weiß: Ich kontaktiere – von Aug`zu Aug`, auf dem Schriftweg – Menschen, von denen ich glaube, dass ihre Sicht der Dinge mir weiterhelfen könnte in genau dieser Frage. So fand ich heraus: Meine größte Angst ist nicht, da vorne als Lehrerin zu sitzen, zu unterrichten (das auch!); meine größte Angst ist es, meine Yogalehrerin zu ent-täuschen, Erwartungen von außen nicht zu erfüllen:“Als frischgebackene Lehrerin müsstest du jetzt unterrichten, vor allem, wenn du zum wiederholten Male solche Chancen erhälst!

In der Tiefe geht es stets um die Angst vor Ablehnung. Auch meine Angst, mich „da vorne zum Affen zu machen“, vor der Gruppe sitzend, sprich meine Angst vor Selbstausdruck, ist im Kern die Angst vor Ablehnung: Die Angst sich zu zeigen, be- oder verurteilt zu werden, nicht gut genug zu sein. Verrückt, denn: Warum eigentlich? Oder deutlicher: Was für’n Scheiß!

Nun bin ich innerlich wieder sortierter, wieder im Wissen, ausgerüstet mit den für mich dieser Tage relevanten Antworten – mehr muss ich noch nicht wissen. Und wie das Leben so spielt, habe ich weitere wunderbare Hinweise bekommen: Heute stolperte ich über den Satz:

Wer glaubt, alles im Griff zu haben, entwickelt sich nicht mehr. Lass das Ufer los und werde zum Fluss.“

Auch das fand ich schön und für mich treffend. Darüber hinaus hat mir ein Text zum „Anders-Sein“ von einer mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsenen Yogini  geholfen. Hier tauchte die Frage auf:

Was dient meiner Seele und was nicht?“

Diese Frage finde ich sensationell und in tiefster Tiefe berührend. Sie rührte mich zu Tränen. Für mich ist sie eine DER existentiellen Lebensfragen.

Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht schreiben. Nur noch ergänzend: Ich glaube, es gibt viele Arten und Wege, Kundalini-Yoga zu unterrichten: Sei es, dass ich Artikel schreibe, in denen ich mich auch der Lehre annähere, sei es, dass ich darauf achte, mich klar und liebevoll auszurichten und die Energie zu heben; in einem Gespräch kann ich ferner eine liebevoll-provokative Frage stellen, die den Fokus in eine neue Richtung lenkt; oder indem ich Menschen in meinem Umfeld ausgewählte Übungen oder den tiefen, langen Atem näher bringe.

Ach ja: Meine Yogalehrerin war natürlich nicht enttäuscht, sondern erfreut darüber, dass ich für mich einstand und das, was sie in ihrem Unterricht lehrt, beherzigt habe. Darüber hinaus hat sie eine andere Lösung gefunden. Und für mich wird es sicher alternative Unterrichtsmöglichkeiten und -gruppen geben. In Kürze werde ich dazu auch Gelegenheit habe, nur in einem anderen Rahmen…

Was dient deiner Seele und was nicht? Lass dich mit Hilfe dieser Frage führen und trau dich, dich dem Leben hinzugeben.

 

Kundalini-Yoga

BlumenarrangementEine langjährige Freundin meiner Schwester – und auch ein mir sehr liebgewonnener Mensch – bat mich, Näheres über meine Erfahrungen mit Kundalini-Yoga zu schreiben. Nicht mit der Intention, alle Welt zum Praktizieren von Kundalini-Yoga zu animieren, sondern um meinen eigenen Weg zu mir, in mein Verständnis von innerer Freiheit zu beschreiben. Und sicher auch, um Wege, Werkzeuge, Methoden aufzuzeigen, die uns helfen können, uns in diesen (w)irren Zeiten auszurüsten und zu navigieren.

Hier nun also. Kundalini-Yoga wird oft als das „Yoga des Bewusstseins“ beschrieben. Es beinhaltet zahlreiche dynamische Übungen, Meditationen und das Singen von Mantren. Es geht darum, Bewusstseinsprozesse und –veränderungen zu initiieren, sprich immer klarer und bewusster zu werden, eigene Schleier nach und nach zu lüften. Der Zustand von Shunia, von Leere oder Stille – der sog. „Null-Zustand“, den wir suchen, ist in heutigen Zeiten wichtiger denn je. Kundalini-Energie wird oft als die am unteren Ende der Wirbelsäule, wie eine Schlange zusammengerollte schlafende Kraft beschrieben, welche durch yogische Praktiken erweckt werden und aufsteigen kann. Ich persönlich finde das Bild hilfreicher, die Kundalini-Energie als unsere Lebensenergie zu betrachten, nicht als etwas Mysteriös-Externes. Im Praktizieren geht es um einen graduellen Prozess von Lebendiger- und Bewusster-Werden – es geht darum, immer vollständiger sein eigenes Leben zu leben.

Oft sind Menschen im (Irr-)Glauben, Kundalini-Yoga sei etwas Gefährliches, da immer wieder wilde Geschichten um das Erwachen der Energie kursieren. Das Kundalini-Syndrom gibt es tatsächlich, auch ist es ein feststehender Begriff in der Psychopathologie. Doch in der Tradition des Unterrichts von Yogi Bhajan arbeiten wir daran, die Energie langsam wachsen zu lassen. Die Kriyas (feststehende Übungsreihen) sind so konzipiert, dass „Sicherungen“ eingebaut sind, um sich immer wieder zu erden, sprich nicht abzuheben, so dass die Energie unten“ gesettelt“ bleibt.

Kundalini-Yoga ist eine Technik – vergleichbar mit einem Raketentreibsatz – die auch im Alltag praktikabel ist. Durch die bewegte Komponente kommt etwas Weiteres hinzu: Wir arbeiten am elektromagnetischen Feld, dies wiederum hat eine Rückwirkung auf unser Nervensystem, welches dank Kundalini-Yoga immer stärker wird. Wir lernen, uns immer weniger von den Polaritäten des Lebens hin- und herwerfen zu lassen. Wir lernen auch, selbst Energie generieren zu können und unseren Energielevel aufzufüllen, so dass wir mehr haben als wir brauchen. Unter diesen Umständen ziehen wir auch Menschen an. Voraussetzungen hierfür sind Selbstfürsorge und –liebe.

Satya Singh beschreibt Yoga auch als eine Veränderung in der Gesellschaft, deiner Position in der Gesellschaft – nicht nur als einen innerlichen Prozess. Das Ziel des Yoga, so Satya Singh, sei kein „von anderen losgelöster Erleuchtungszustand“, der dich in einem Ozean von ewigem Frieden schweben lasse, während alle anderen Leute weiter Probleme haben, sondern Ziel sei es, das untere Dreieck, sprich die unteren Chakren mit dem oberen Dreieck, den oberen Chakren, zu verbinden – hin zum Herzchakra. Es gehe darum, so menschlich wie möglich zu sein – Humor, Liebe, Toleranz walten zu lassen. Durch meine Ausstrahlung und Präsenz andere Menschen zu erheben.

Was ich außerdem wunderbar an Kundalini-Yoga finde: Es ist eine hervorragende Möglichkeit, deine Grenzen zu verändern und zu erweitern, mit den körperlichen die geistigen und emotionalen. Wir leben mit und durch Programme(n): „Ich muss pünktlich sein.“ „Ich sollte dies und jenes machen oder können.“ Und, und. Mit Yoga programmieren wir uns neu. Der Körper weiß, was ihm gut tut. Wir achten nur oft nicht darauf, da wir ein anderes Programm fahren. Es heißt, sobald du Kundalini Yoga praktizierst, wirst du wachsen und dich wie eine Schlange alter Häute entledigen müssen, um immer mehr zu dem oder der zu werden, der oder die du bist. Oder einfacher: Wir machen Yoga, um immer mehr wir selbst zu sein.

Die Frage „Welche Dinge stimulieren dich innerlich in deiner Seele?“ klopft dank Kundalini-Yoga immer dringlicher und lauter an. Mich zu trauen zu schreiben, auch öffentlich, ist in diesem Zusammenhang eine weitere „Nebenerscheinung“. Oft spüre ich, dass Menschen neben und mit mir zur Ruhe kommen, sich angenommen fühlen. Neben diesen heilsamen Aspekten konfrontierst du als Kundalini-Yogalehrer auch unbewusst: Du wirst zum Spiegel. Geschieht das Konfrontieren aus Liebe, ist es wunderbar und hat seinen Platz.

Was ich auch merke: Manchmal macht mich die Praxis schlicht glücklich, auch euphorisch – wenn nicht während der Asanas spätestens im Anschluss daran. Wie sagte unsere Ausbilderin so schön? Wir müssen unser Nervensystem auch erst einmal trainieren, es auszuhalten glücklich zu sein. In der Regel überflutet und unser Geist ja mit zahllosen Gedanken, den wenigsten davon zuträglich.

Sobald ich selbst Unterrichtserfahrungen als Kundalini-Yogalehrerin gesammelt habe, lasse ich Euch wissen, welche weiteren Erfahrungen ich mache. Wie hieß es so treffend in der Ausbildung? „Wenn ich selbst eine Erfahrung habe, kann ich meine Erfahrung auch weitergeben.“ Dies gilt sicherlich für viele Lebensbereiche.

Ich hoffe, ich konnte mit Euch das Geschenk teilen, welches mir dank Kundalini-Yoga zuteilwurde.

Alles Liebe von mir.

Domestizierter Hund oder wilder Wolf?

Ich glaube, die meisten Menschen halten sich sehr zurück, wenn es darum geht, ihr Inneres nach Außen zu kehren. Ich frage mich oft, weshalb dem so ist – es muss mit Konditionierungen, ggf. in sehr frühen Zeiten zu tun haben. Wir deckeln uns alle ungemein. Warum? Vermutlich aus Angst.

Ich wage zu behaupten: Wir leben große Teile unseres Lebens unter einer Käseglocke. Wir verlieren – zumindest in unserer Kultur – die Reinheit, das Unschuldige, Spielerische, ja, auch das Wilde auf unserem Weg ins Erwachsenendasein. Wie schade. Und wie erfrischend gleichzeitig, Kinder in ihrer meist ungezügelten Art zu beobachten. Dies heißt keineswegs, dass aus introvertierten Zeitgenossen plötzlich expressive Extrovertierte werden sollen. Ich kann mein Introvertiert-Sein, mein Bedürfnis nach Einkehr und Zeit für mich ja wunderbar leben und gleichzeitig den inneren Regungen in mir neugierig begegnen ohne etwas zu unterdrücken.

An diesem Wochenende – während einer astrologischen Beratung bei „Navigator“ Harry und einem weiteren Ausbildungswochenende im Rahmen meiner Kundaliniyoga-Lehrerausbildung – habe ich sehr viel über mich und zwischenmenschliches Verhalten gelernt. Mir ist klar geworden, wie sehr ich mich selbst noch zurückhalte, wie schwer es mir fällt, mich zu trauen, ganz nah an mich heran zu treten und zu schauen, was da noch alles so in mir schlummert. Da ist immer noch Angst in mir – vor Selbstausdruck, vor Ablehnung durch andere, davor zu entdecken, wie machtvoll ich bin, wieviel Kraft und Energie in mir steckt. Verrückt. Doch wahr. Und ich bin der festen Überzeugung, dass ich damit nicht allein bin.

Es ist eine ungeheuerliche und gleichzeitig tief befreiende Entdeckung, eigenen blinden Flecken auf die Spur zu kommen. Auf einmal verstehe ich auch, weshalb ich einer Weggefährtin vor Jahren wiederholt vorgeworfen habe, sie sei so kontrolliert und hätte Angst, Farbe zu bekennen: Ich bin meiner eigenen Tendenz, Kontrolle ausüben zu wollen, meiner Angst, mich mit Angst und Unzulänglichkeit zu zeigen, auf die Schliche gekommen. Angst wiederum hält mich von bestimmten Gefühlen, beispielsweise Scham, fern, bzw. sie schützt mich vor Gefühlen wie Scham. Ich fühle nicht, doch ich lebe auch nicht. Scham ist das Gefühl, falsch zu sein – im Grunde der Knackpunkt, der uns vom Leben fernhält.

Ich sehne mich nach tiefem Vertrauen. Vertrauen in mich, dieses Leben, eine höhere Macht. Wahnsinnig gerne möchte ich mich hingeben, meinen Kopf ablegen – die ganzen Kopfgespenster und Sorgen Mutter Erde übergeben. (Im Übrigen ist die sog. „Baby Pose“ aus dem Yoga eine schöne Möglichkeit, das Herz über den Kopf „zu stellen“: Auf den Fersen sitzend beugen wir uns nach vorne und legen die Stirn auf den Boden). Das Bekannte für das Unbekannte aufgeben – wie oft trauen wir uns das wirklich?

Sicher können wir auch im Alltag viel spielerischer sein als wir’s oft sind: mit Worten, Bewegungen, Begegnungen und Situationen jonglieren. Eine alltägliche Verrichtung wie das Wasser-Einschenken und Trinken mal im Schneckentempo vollziehen, ganz achtsam. Grundlos Grimassen schneiden. Einem Gegenüber einen ungewöhnlichen Gedanken zuwerfen. Tanzen wenn uns danach ist. Seit diesem Wochenende übe ich mich in Folgendem: Wenn’s in mir denkt „Das ist jetzt aber beknackt“ tu ich’s trotzdem. Oder gerade. Herrlich.

Ich behaupte: Der Blick auf den sog. Ernst des Lebens geht uns dennoch nicht verloren. Da bin ich mir sicher. Die meisten von uns sind mehr als pflichtbewusst. Dinge, die aus selbst gewählter, uns auf unserem Herzensweg unterstützender Disziplin geschehen, sind sinnvoll und wunderbar, doch die von außen auferlegte, mitunter auch unreflektierte Pflichterfüllung darf meines Erachtens immer wieder hinterfragt werden. Dinge aus „innerer Einsicht“, resultierend aus den eigenen Wertmaßstäben heraus zu tun ist etwas anderes, als besinnungslos im Hamsterrad zu laufen, überspitzt formuliert.

Unseren inneren Kritiker können wir immer wenn er zu laut und dominant wird besten Gewissens liebevoll doch deutlich in die Schranken weisen. Wie sagte unser Yogalehrerausbilder Atma Singh kürzlich so treffend: „Gott segne dich, innerer Kritiker – doch ich unterrichte  jetzt Kundalini-Yoga.“ (Sollte unser Verstand beispielsweise während einer Unterrichtsstunde mal wieder zu sehr ins „Rödeln“ geraten und sich in den Vordergrund drängen).

Woran ich uns heute alle erinnern möchte: Lasst uns trauen, unsere Schleier nach und nach zu lüften, immer klarer zu werden und dabei zu denken:

„Das Leben passiert FÜR mich!“

 

Bei sich selbst bleiben und mit dem Herzen spüren

Origami HerzIch schreibe seit letztem Sommer regelmäßig für ein Online-Magazin, in dem es sich zu stöbern lohnt: den compassioner.

Dieses Mal habe ich mich mit den Grundlagen wertschätzender und erfolgreicher Kommunikation beschäftigt: Viele Tage lang habe ich mir über das sog. „Neutral-Werden“, dem Ziel im Yoga, und den Weg dorthin Gedanken gemacht. Worum geht es? Um das Ticken unseres Geistes, das Entstehen von Mitgefühl, um die Vorteile eines „Immer-weniger-Bewertens“ und das sog. Mantra „Sat Nam“, „Wahres Selbst“.

Hier geht es zu meinem Artikel.

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