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Schlagwort: Intuition

„Kalte Depression“ – von der Seele entfernt

Menschen unserer Zeit werden in Folge eines Riesenangebots an äußeren Stimuli und zahlreicher Herausforderungen immer rast- und orientierungsloser. Viele Erdenbürger wirken abgeschnitten, geradezu entfremdet. Nie war die Menge an verfügbaren Informationen größer als dieser Tage. Unsere Gesellschaft tut so, als sei ein hoher und andauernder Level an Stress völlig normal. Wenn du keinen Stress hast, gehörst du nicht zum produktiven Teil der Gesellschaft. So denkt es auch oft in mir. Zum Glück immer seltener.

Mir ist durchaus bewusst, dass Stress auch Flow, Freude und Dranbleiben bedeuten kann und phasenweise absolut Sinn macht. Mir ist auch klar, dass es Umstände gibt, die einem nicht immer erlauben, „Fünfe gerade sein zu lassen“. Doch ehrlich gesprochen gehört nicht viel dazu zu erkennen, dass viele Menschen in eine extreme Schieflage geraten sind und sich weit von ihrer Seele entfernen. Die eigene Lebendigkeit und Vitalität, die Lebenskraft kann nicht mehr gespürt werden.

Der yogische Begriff der „kalten Depression“ beschreibt einen Zustand vor einer „echten“ Depression bzw. einem Burn Out: Äußerlich ist dieser Zustand nicht als Depression erkennbar. Innerlich zeichnet er sich dadurch aus, dass Menschen gefühllos sich selbst gegenüber sind und innere Impulse nicht mehr spüren. Es besteht ein Konflikt zwischen dem was deine Seele dir sagt und dem was von Außen kommt. Folgst du „dem Außen“ und reagierst darauf – Smartphone, Werbung, Meinungen, „falsche“ bzw. fremde Ziele – so kannst du innere Impulse nicht mehr spüren; du fühlst dich leer und getrennt. Von „kalter Depression“ gebeutelte Menschen kreieren Gefühle der Lebendigkeit, indem sie das Maß an äußeren Stimuli erhöhen: Sie entwickeln eine Wahrnehmung, die gewissermaßen nicht real ist und glauben, dass Stress ihre Lebenskraft ist. Fehlende Lebendigkeit wird durch Adrenalin kompensiert – eine entsprechende Umgebung wird geschaffen, indem Spannung erzeugt und erhöht wird, extreme Erlebnisse und Sportarten aufgesucht und hohe Risiken eingegangen werden.

Überspitzt formuliert: Ohne Adrenalin fühlen wir uns taub. Aus Taubheit resultiert ein Verlangen, zu fühlen. Es kann erschreckend und gleichzeitig hilfreich sein, sein eigenes Verhalten zu beobachten: Wo und wann fühle ich mich getrennt von meinen Seelenimpulsen? Wie schwer fällt es mir, dass Smartphone oder Tablet mal für eine Zeit lang ruhen zu lassen?

Das Fatale ist, dass Leistung bzw. Leisten und grenzenloser Stress in unserer Gesellschaft anerkannt sind und belohnt werden. Produktiv-Sein sieht gut aus. Wir bleiben dabei und glauben, dies sei Erfolg. Problem dabei ist, dass uns Zustände von „kalter Depression“ auch körperlich krank machen und unser Immunsystem schwächen. Adrenalinreserven sind endlich, sprich unsere Nebennieren sind irgendwann „durchgeritten“.

Ich glaube fest daran, dass der natürliche Zustand des Menschen im Verlangen besteht, mit seiner Seele verbunden zu sein. Das Singen von Mantren ist eine wunderbare Möglichkeit, sich wieder mit sich selbst zu verbinden. Wir können „nach innen führende Bahnen wieder freischwingen“, uns wieder spüren.

Wir haben alles, was uns zufrieden macht in uns selbst. Sich aus sich selbst heraus vollständig zu fühlen – wenn uns dies gelingt, sind wir wahrhaft zufrieden. Wenn du es immer wieder schaffst, das zu tun, was dich mit deinen inneren Impulsen verbindetmeditieren, tanzen, spazieren, sich ausruhen, gut ernähren – erfährst du Lebenssinn und -glück. Im Übrigen hilft uns eine starke Intuition uns im Informationsüberfluss zu navigieren.

Ich schließe mit einem Zitat von Rumi:

„Suche das Licht nicht im Außen. Finde es in dir und lass es aus deinem Herzen strahlen.“

 

Selbstliebe und gesunder Egoismus

Der dieser Tage fast inflationär gebrauchte Begriff Selbstliebe lässt die einen an etwas Erstrebenswertesdie Grundlage allen Seins, aller Beziehungen denken; die anderen wiederum assoziieren schnell und meist unreflektiert Egoismus mit diesem Begriff, etwas „das man nicht haben darf“.

Insbesondere christlich geprägte Frauen-Generationen unserer Mütter und Großmütter hatten mit Selbstliebe wenig am Hut: Es ging eher um’s Schaffen, die Familie-Zusammenhalten, Funktionieren, Sich-Zurückstellen. Heute, in einer Zeit, in der jeder scheinbar alles sein oder verwirklichen kann, in der wir hierzulande materiell sehr gesättigt sind und es oft um das Befriedigen schnellen, hedonistischen Glücks geht, rückt die Selbstliebe immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Was ist dran an der Selbstliebe, inwieweit hilft und fördert sie uns? Und warum haben wir solche Angst davor, egoistisch zu sein bzw. als egoistisch zu gelten, wenn wir uns um uns selbst kümmern?

Es ist offenbar unrühmlich, egoistisch zu sein. Veit Lindau brachte kürzlich in einem Interview auf die Frage, wie man Menschen klar machen könne, dass Selbstliebe eben nichts mit Egoismus zu tun habe, die kühne Antwort: Es habe miteinander zu tun, Selbstliebe sei egoistisch. Und weiter – diese Worte bringen Klärung:

Gesunder (!) Egoismus sei seines Erachtens Pflicht – es stelle sich also die Frage: „Wie kann ich Egoismus gesund etablieren und weiter entwickeln?“ Wie kann ich von einer Egozentrik, im Übrigen eine wichtige Entwicklungsphase in der Kindheit, in eine „Ethnozentrik“ kommen, wo ich anfange, auch immer mehr die anderen mit einzubeziehen – sich weiter entwickelnd in eine „Welt- bzw. Kosmo-Zentrik“, in der ich beginne, alles zu sehen? Interessante Fragen.

Da ich Lindaus Ansicht zum Thema „Selbstliebe“ teile, hier ein schönes Zitat:

„Gesunde Selbstliebe schafft immer Raum für andere Menschen. Ich entspanne mich. Und sehe Menschen um mich herum. Mehr Mitgefühl entsteht.“

Ich glaube, darum geht es: sich zunächst selbst aufzufüllen – mit dem, was ich brauche, insbesondere Liebe, aus dieser Fülle heraus durchflutet zu sein mit Leben und ein „Mehr“ an Energie auch für andere einzusetzen. Meine Intuition immer wieder zu fragen: „Was brauche ich gerade?“. Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen anstelle still und heimlich zu erwarten, der andere möge dies oder jenes tun und merke doch, was man selber wolle. Ganz ehrlich: Eine solche Erwartungshaltung, ein solches Verhalten nervt schlicht! Du kannst dich darin üben, Dinge aus innerer Klarheit und einem reinem Gewissen heraus zu sagen, zu begründen anstelle zu rechtfertigen.

Diese Haltung der Selbstliebe bzw. -fürsorge hat nichts mit Ellenbogen-Egoismus oder gar Narzissmus zu tun, im Gegenteil: Menschen mit einem ausgewogenen, gesunden Egoismus sind meiner Erfahrung nach entspannte Zeitgenossen. Wenn jemand von sich behauptet, nein, er sei nicht egoistisch, sondern denke in erster Linie an andere, so kann man sich fragen: Ist dieser jemand nicht genauso egoistisch, wählt jedoch eine andere Strategie um auf diesem Wege Anerkennung zu erhaschen?

Ich glaube fest daran: Wir haben alle mehr voneinander, wenn wir gut für uns und unsere Gesundheit sorgen, mit dem was wir lieben erfolgreich sind und diese Gaben großzügig teilen. Wenn wir unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten zum Wohle anderer einsetzen.

Falls du Angst oder Bedenken haben solltest, gegenüber einem anderen, um Hilfe oder einen Gefallen bittenden Menschen ein „Nein“ auszusprechen hilft der Gedanke: „Ich bin mit meinem „Nein“ nicht egoistischer als mein Gegenüber, das meine Hilfe erbittet.“ Ich darf und muss oft auch „Nein“ sagen. Was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass du nicht um Hilfe bitten sollst. Vielleicht dürfen wir alle mit der Zuschreibung „egoistisch“ etwas freundlicher und milder umgehen und uns selbst auch eine angemessene Portion Egoismus zugestehen.

Eine Erfahrung aus meiner Yoga-Praxis ist: Je stärker meine Ausstrahlung, meine Aura ist, umso stärker strahlen meine Bedürfnisse nach außen und werden mir oft von meinen Mitmenschen erfüllt.

Ich versuche immer mehr, Situationen zum Wohle aller Beteiligten zu lösen – zu meinem Wohl und zu dem meines Umfelds. Was paradox klingt und natürlich nicht immer gelingt ist doch möglich, wenn wir unseren Geist dehnen und neue Gedanken denken, neue Ideen entstehen lassen. Es müssen und können auch nicht stets alle Bedürfnisse aller auf einmal erfüllt werden, doch ich kann mit gewissem Weitblick Situationen so gestalten, dass möglichst viele auf ihre Kosten kommen, frei nach dem Motto: „Heut bin ich dran, morgen du – oder umgekehrt.“

 

 

 

 

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