seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Integrität

Sich und seinen Fokus schützen

Kundalini-Yoga hilft mir enorm, in meinem Alltag einen Anker und Fokus zu finden. Es ist interessant zu beobachten, wie überreizt und übererregt sich heutzutage viele Menschen durch’s Leben bewegen. Mich selbst oft eingeschlossen. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, während dieser Beobachtungen, wenn es mir also bewusst wird, erst recht langsam zu werden, innerlich zu lächeln oder aufmunternd in ein gestresstes oder ängstliches Gesicht zu schauen.

Letzteres kann nicht jeder nehmen, manch einer reagiert irritiert oder überfordert – suchen wir meiner Erfahrung nach, und ich vermute auch evolutionär bedingt, doch stets nach gleich-schwingenden Emotionen. Die meisten Menschen freuen sich jedoch über ein Lächeln und werden für einen Moment wieder aufmerksam und wach, so mein Erleben.

Wir alle tragen Wunden und Entwicklungstraumata in uns, so dass unsere Selbstregulationsfähigkeit natürlich oft zu wünschen übrig lässt. Wir brauchen heute mehr denn je ein starkes, schwingungsfähiges Nervensystem, das sich flexibel an die herausfordernden Begebenheiten des Lebens anpassen kann. Starke Nerven bedeuten auch, eine starke Aura bzw. Ausstrahlung zu haben, die sowohl von anderen wahrgenommen wird als auch uns selbst zugute kommt, um uns sicher und aufgerichtet zu fühlen.

Kundalini-Yoga ist hier prädestiniert, außerdem hilfreich sind andere Entspannungsverfahren, Spaziergänge oder ätherische Öle, die mich tagtäglich unterstützen. Gerade wenn wir uns in Zeitdruck, Arbeitsstress und Informationsflut eingespannt fühlen, uns der tägliche Spielraum für die freie Entfaltung minimal erscheint, brauchen wir Handwerkszeuge, um wieder in Kontakt mit uns, unserem Körper, unseren Gefühlen und den uns wichtigen Zielen zu gelangen.

Dennoch bin auch ich oft überreizt: Dann greife ich vemehrt zum Smartphone, spüre innere Unruhe, auch Orientierungslosigkeit. Im Sommerurlaub auf der Schwäbischen Alb konnte ich beobachten, dass es mir oft schwerfiel, eine lange Zeit nur analog unterwegs zu sein. Der Grad zwischen “sich von anderen inspirieren lassen”, beispielsweise via Facebook, und dem “Sich-Verlieren-im Mitteilungsstrom” ist schmal. Wenn ich meinen Körper als erfahrenes, weises Instrument zur Selbsterkenntnis nutze und diesem vertraue, kann ich sehr genau spüren, wann ich noch im Flow bin, mich wohl und angemessen stimuliert fühle, und wann ich beginne, unbewusst, hektisch und orientierungslos zu werden.

Was ich oft mache: Mich einfach hinsetzen, auf einen Stuhl oder im Schneidersitz auf meine Matte. Sitzen, Wirbelsäule aufrichten, mich intuitiv bewegen und einfach für ein paar Atemzüge lang und tief atmen. Es ist unglaublich, was allein das bewirkt.

Wenn wir in Menschengruppen unterwegs sind – sei es in einer Teambesprechung oder auf der Straße, in der Stadt – und zudem noch feinfühlig sind, dürfen wir erst recht gut auf uns Acht geben. Ich schütze hier – mit Hilfe von Visualisierungen oder Pranayama-Übungen, sprich Atemtechniken, meine Grenzen und auch meinen Fokus. Immer wieder atme ich tief in den Bauch oder stelle mir eine helle, goldene Bubble vor, in der ich sicher und geborgen bin. Es ist nicht immer leicht, sich von der Hektik im Außen nicht anstecken zu lassen, sich hier abzugrenzen – von negativer Stimmungsmache oder Drama-Sucht. Doch es ist möglich. Und wie ich finde sehr erstrebenswert, um geistig, seelisch und körperlich gesund zu bleiben.

Noch etwas wird mir immer klarer: Manchmal bin ich genervt von meiner eigenen Höflichkeit, meinem Verständnis für viele(s). Denn was ich immer weniger dulde sind Lästerein und Sticheleien – sie verletzen meine eigene Integrität, wenn ich Teil der Szene bin. Sprich vor Menschen, die aus welchen Gründen auch immer gerne gehäuft sticheln, lästern oder ihr Gegenüber versuchen klein zu halten, schütze ich mich zunehmend bzw. halte ich mich fern. Ich spüre dies in Form von Unbehagen und Enge sehr genau, richte mich dann innerlich auf, lächle in mich hinein. Das funktioniert immer besser, davon abgesehen, dass mir wirklich negativ gesinnte Leute immer seltener begegnen. Meine Erfahrung: Es sind in erster Linie unsere – oft unbewussten – Überzeugungen, die Menschen anziehen, die uns schlecht behandeln.

Und hier möchte ich Mut machen, seinen ureigenen, schönen Weg zu gehen, in ganz eigenem Tempo, mit individueller Ausrüstung und mit eigenem Fokus. Denn: Je mehr Liebe und Verständnis ich für mich selbst habe, umso schöner und reicher gestaltet sich mein Leben, auf allen Ebenen.

Habt Ihr in diesen herausfordernden Zeiten manchmal auch das Gefühl, Euch, Euren Fokus – das was für Euch wesentlich oder Herzensanliegen ist – schützen zu müssen, um Euch nicht zu verlieren?

 

 

 

 

 

 

Sich dem Partner nähern

Von Jens Corssen, Verhaltenstherapeut und Spezialist für mentale Selbstführung, stammt der Satz “Die Beziehung ist kein Erlösungsort”. Sprich: Dein Partner ist nicht dafür zuständig, deinen Mangel an Glück, Zufriedenheit, Erfülltheit auszugleichen. Dein Partner ist nicht dafür da, dich von Leid zu befreien, dich aufzufüllen. Letztere sind deine Aufgaben. Darüber hinaus soll und darf es natürlich auch Spaß machen, die Freude deines Partners, deines Gegenübers generell, zu mehren. Den anderen dabei zu unterstützen, Glück zu erfahren, sich als selbstwirksam zu erleben.

Corssen meint, wenn du bei dir anfängst, dich selbst entwickelst, laufe die Beziehung. Ich gebe ihm dahingehend recht, dass wir das Glück des anderen steigern können, wenn wir uns selbst in eine gehobene Gestimmtheit bringen, wenn wir schlicht dafür sorgen, dass es uns gut geht, dass unsere Bedürfnisse erfüllt sind – auch ohne, dass unser Partner uns dabei behilflich ist. Was nicht heißt, dass wir uns nicht selbstverständlich vom anderen wünschen können, er möge uns ein bestimmtes Bedürfnis erfüllen. Das Sich-Selbst-Entwickeln kann natürlich auch Unruhe in die Partnerschaft bringen. Oft höre oder lese ich den Satz, bei dem ich schmunzeln muss:“Mein Mann ist so unspirituell, ich habe mich viel mehr entwickelt als er.” Das mag die eine oder andere so empfinden. Auch ich kenne den Gedanken oder auch die Angst in mir,  über andere hinauszuwachsen. Was sowieso nie voll umfänglich geschieht, sondern meist nur in einem Bereich.

 

Wenn ich möchte, dass die Beziehung wieder blüht, muss ich in mich selbst investieren, meinen eigenen Energielevel heben. Mein Mann und ich haben in letzter Zeit sehr spannende Gespräche geführt und tiefe, innige Momente geteilt. Ich merke: Auch wenn ich mich in den letzten Jahren sicher verändert und entfaltet habe, und auch wenn er nicht jede Welle mitsurft, so finden wir doch immer wieder zusammen. Manchmal auf Umwegen: Wir sprechen zum Beispiel selten über meine Blogtexte (da ich auch kritikempfindlich bin, und mein Mann ein großer wenn auch feinsinniger Kritiker ist;-)), finden dennoch auch in meinen (Blog-) Themen zueinander, diskutieren, tauschen uns aus, reflektieren gemeinsam. Mittlerweile teilen wir sogar das Kundalini-Yoga, welches mein Mann bisher durchaus interessiert, doch nicht praktizierend an meiner Seite verfolgte. Darüber freue ich mich natürlich besonders.

 

Und was ich auch lerne: Es bringt nichts und kann sogar nach hinten losgehen, wenn ich versuche, dem anderen meins überzustülpen, ihn wohlmöglich zu missionieren (“Jetzt mach das doch auch mal so!”, “Dies oder jenes würde dir so gut tun!” o.ä.). Ich glaube, was wirklich überzeugt, ist das was du selbst tust in deinem Leben – für dich, für andere, den anderen freilassend in dem was er tut. Eine starke, schöne Präsenz zu haben, in seine Kraft zu kommen, sich selbst zu bemuttern, Liebe ins Feld einzuspeisen – das ist meines Erachtens der größte Gewinn für alle. Da mag der andere auch gerne folgen, vorausgesetzt er fühlt sich durch dich inspiriert, traut sich selbst, zu wachsen.

 

Eine schöne Partnerschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ich mich so sicher fühle, dass ich mich entspannen kann, und mich gleichzeitig so frei fühle, dass ich mich entfalten kann. Ich möchte mir selbst immer wieder fremd werden, und ich lade auch die Fremdheit des anderen ein, sich mir zu zeigen. Denn Beziehung braucht stets beides, wenn sie lebendig bleiben soll – Vertrautheit und Fremdheit. Und sollte der andere mal plötzlich zu fremd werden, hilft Humor ungemein.

 

Es gab viele Momente in den letzten Wochen, in denen ich mich getraut habe, mich meinem Mann gegenüber auch mit schambesetzten Themen zu öffnen. Von mir zu erzählen, Worte auszuspucken und währenddessen wahrzunehmen, dass mir heiß wird, dass da alte Ängste hochkommen, dass ich gerad selbst nicht weiß, wie ich mich finde. Und zu erleben: Auch das geht, ist möglich, der andere ist immer noch da, und nicht nur das: Er ist ganz präsent, hört wirklich zu. Im Anschluss an solche Momente fühlen wir uns oft sensibilisiert und gleichzeitig tief gestärkt. Auch teilen wir unserem Unbewussten, unserem ganzen System mit: Wir stehen wirklich für uns ein und leben Integrität, leben unsere WerteEhrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut zum Beispiel. Wir reden nicht nur davon, dass diese und jene unsere Werte sind, sondern lassen Taten folgen, auch wenn’s unbequem wird.

 

So begebe ich mich also wie wir alle jeden Tag auf die Übungsmatte des Lebens, experimentiere und halte es mit Goethe:

“Und so lang du das nicht hast, dieses Stirb und Werde,

bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.”

Gehabt Euch wohl, schöne Tage, Raunächte, schönes Einkehren & einen wunderbaren Start ins neue Jahr!

Herzlichst, Carolin

 

 

Mit Haltung leben

Vorweihnachtszeit bedeutet für die meisten von uns in der Regel ein „Zuviel“ an und von: zu viel Stress, zu viele Termine, zu viele Besorgungen, zu viel Hektik, zu viele Reize. Umso wichtiger ist es mir, meinen eigenen inneren Kompass nicht aus dem Blick, aus dem Gefühl zu verlieren. Hierbei hilft mir die das Bild, die Idee von „Haltung einnehmen“. In einem Interview mit Philosophin Rebekka Reinhardt, das ich kürzlich verfolgte, fiel der Satz:

„Philosophisch leben heißt mit Haltung leben, mit einem Ethos leben.“

Ethos begreife ich als innere Stimme, ethisches Bewusstsein, auch Verantwortungsbewusstsein. „Mit Haltung leben“ – das sprang mich sofort an: Ja, das will ich auch! Das macht Sinn, das möchte ich tun – für mich und andere, insbesondere unseren Sohn. Reinhardt ergänzte, es ginge darum, sich in jeder Lebenssituation gleichmäßig zu verhalten. Authentizität nicht im Sinne von „überall alles raushauen“, sondern, so habe ich es begriffen, im Sinne von Integrität – sich seiner Werte und Rollen gegenüber bewusst zu sein und gleichzeitig keine Angst zu haben, sich mutig selbst zu begegnen und Ehrlichkeit zu trainieren.

Mit Haltung leben heißt für mich: Selbstmächtigkeit zu entdecken, Mut zur Wahrheit zu haben, zu meiner Wahrheit – und diese auch nach außen zu bringen. Häufiger mal ein „Nein“ auszusprechen. Mich mehr und mehr zu entkrampfen, neue Räume in mir selbst zu entdecken und auch das Dunkle auszuhalten. Haltung einnehmen kann ganz wörtlich aufgefasst werden: Wir richten uns auf, öffnen den Brustraum, unser Herz, und atmen tief. Ich übe dies immer wieder, insbesondere auch in Situationen, in denen mir andere spiegeln, das ich gestresst bin – in der Schlange an der Kasse, im Auto, in der City. Es ist fast erschreckend, wie viele Menschen eine „Ich-muss-Haltung“ ausstrahlen, aus jeder Pore.

Ich versuche, mich selbst an meine Entscheidung für gehobene Gestimmtheit – eine das Leben bejahende Haltung – zu erinnern und Mitgefühl in mir zu generieren. Was mir auch hilft: Mir zu erlauben, mein Programm herunterzufahren, im Dezember wirklich nur wenige Verabredungen zu machen und mindestens ein Wochenende komplett frei zu halten. Mit Haltung leben bedeutet für mich vor allem: leben anstelle gelebt zu werden. Reinhardt behauptet, wir würden heute wieder in einem Zeitalter des Konformismus leben, sprich Außenlenkung würde das Leben vieler bestimmen („Ich muss…“, „Ich lebe für meinen Verein, meinen Job, System xy“). Das fand ich interessant. Und dachte: Bei allen guten Tendenzen hinzu mehr Selbstliebe, mehr sinnvollem, selbstbestimmten Tun, mehr (Co-) Kreativität werden wahrscheinlich noch viel zu viele Menschen schlicht gelebt, von außen gelenkt, abgeschnitten vom inneren Kompass.

„Ich habe keine Zeit“ heißt doch auch, seien wir mal ehrlich: „Ich lebe nicht“. Reinhardt sagt es sei unsere Aufgabe, Wert zu schaffen, für uns, für die Nachwelt – und dies nicht nur im monetären Sinne. Leben sei eine Übung, ein Experiment, in dem es darum gehe, das Beste aus sich herauszuholen, nicht unter seinem Niveau zu leben. Letzteres hat, so deute ich Reinhardt, nichts mit Selbstoptimierung und einem Höher, Schneller, Weiter zu tun, im Gegenteil: Es geht um einen lebenslangen Prozess des Ehrlich-Werdens, des Entspannens, des Übens und des sich immer wieder Herausforderns. Dies alles ist das Gegenteil einer „Ich-muss-Haltung“.

Eine Haltung einnehmen bedeutet auch, etwas bewusst, nicht halbherzig, sprich mit ganzem Herzen zu tun. Meine Erfahrung ist: Je mehr ich Dinge ganzherzig tue, umso stärker trägt mein Tun und Wirken den Samen des glücklichen Gelingens in sich. Sich Entscheiden ist nicht leicht, gerade in dieser überfluteten Vorweihnachtszeit. Ich hörte mal den Tipp: „Nimm das Erste.“ Sprich das was dir als erstes durch’s System spukt. Mir ist es gar nicht so wichtig, welche konkrete Entscheidung ich treffe, ich lerne: Wenn ich voll hinter einer Entscheidung stehe, wenn die Energie hinter den Handlungen für mich stimmt und ich dem Leben vertraue, dann stimmt das Ganze für mich. Dann lebe ich wirklich mein Leben, und Dinge sind von Wert.

Ich wünsche uns allen einen Dezember in unserem Sinne – eine Zeit, die eher durch Innen- als durch Außenlenkung geprägt ist und in der wir uns und andere wirklich spüren können!

Von Anmut und Würde

Das letzte Wochenende im Oktober verbrachte ich mit einigen wunderbaren Frauen im Wendland, genauer in Zargleben in einem urigen, denkmalgeschützten Bauernhaus. Wir kamen zu einem privaten Frauen-Kundalini-Yoga-Camp zusammen, teilten Yoga, unsere schöpferischen Kräfte und unser Können.

Eine bereichernde Erfahrung war, dass wir kein Konzept im engeren Sinne hatten und es dennoch – oder gerade deshalb – mehr als ertragreich war: Es gab keinen Zeitplan – kein konkretes, zeitlich gegliedertes Programm – sondern lediglich die Idee, dass eine jede das in die Runde wirft, was sie weitergeben möchte: Wir teilten Yoga-Comedy, Breath-Walk an der frischen, stürmischen Luft, Fuß- & Klangmassagen, ausgewählte Meditationen und Yoga-Kriyas. Ich selbst brachte meine Liebe zur Musik mit ein und sang Mantren mit den anderen. Meine ätherischen Öle, die mich immer mehr in meinem Alltag unterstützen, fanden ebenfalls Resonanz.

Auch kulinarisch versorgten wir uns bestens – mit köstlicher Kürbis-Rote-Beete-Suppe, warmem Apple-Crumble, Energiebällchen, Frischkornbrei und Chai-Tea. Ich erinnerte mich einmal mehr, wie gut es tut, in Gesellschaft zu genießen und das Essen bewusst zu segnen.

Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Tage zog, lautete wie folgt: „Mit Anmut und Würde gestärkt durch den Wandel“. Anmut und Würde sind Qualitäten, die uns Frauen ausmachen und dennoch in vielen von uns noch zurückgehalten werden. Für mich haben Anmut und Würde mit Integrität – sprich der Übereinstimmung meiner Werte mit meinem Tun – und darüber hinaus mit einem inneren Strahlen, der eigenen Selbstsicherheit zu tun. „Wandel“ kann vieles bedeuten und steht für Übergang, Veränderung: der Übergang in die Wechseljahre, in eine unbekannte Kraft und Stärke, einen neuen Lebensabschnitt oder auch ein ganz neues Zeitalter. Guru Rattana, eine langjährige Schülerin Yogi Bhajans, sagt, eine Frau habe ein großes Reservoir an Widerstandskraft und ein fast grenzenloses Potential, Dinge geschehen zu lassen. Ihre Energie könne jedoch durch zu viel Stress erschöpft werden. Umso wichtiger, sich hin und wieder Auszeiten zu nehmen, um in die eigene Kraft zu kommen.

Eine Yogini erzählte von ihrem vier-jährigen Sohn, der oft wenn er etwas verzapft hatte und daraufhin “Schimpfe bekam”, klar und deutlich entgegnete: „Das hab’ ICH gemacht“, woraufhin seine Mutter nichts wirklich Sinnvolles erwidern konnte. Wie herrlich selbstbewusst, die eigene Verantwortung übernehmend! Von dieser Haltung wollten wir uns nun etwas abschneiden und immer wenn wir uns vorschnell für jeden Pup entschuldigen, „Das hab’ ICH gemacht!“ in den Raum werfen. Das Ganze gestaltete sich sehr spielerisch und lustig, vor allem: erhellend. Es ist unglaublich, wie schnell wir Frauen ein „Entschuldige bitte“ aussprechen! In den meisten Fällen ist dies schlicht nicht nötig und transportiert ein überflüssiges „Sich-klein-Machen“. Und nicht nur das: Es kann das Gegenüber auch aggressiv machen, wenn sich jemand ständig entschuldigt.

Wir tauschten uns über all das aus, was uns dankbar macht, ferner über (Yoga-) Literatur, Yoga-Unterricht, Ernährung, den Alltag, Träume und Visionen. Was ich besonders schätze: Wir kamen auf Augen- und Herzhöhe zusammen, lachten viel und begegneten uns sehr authentisch. Ich finde nichts angenehmer, als wenn Menschen sich untereinander wertschätzen, Komplimente machen, sich gegenseitig erheben. Gerade bei uns Frauen potenziert sich meiner Erfahrung nach unsere schöpferische Kraft, unser Können, wenn wir gemeinsam für etwas gehen, uns unterstützen und liebevoll begleiten. Dies ist sicher nicht die Regel – oft blockieren wir uns gegenseitig durch Konkurrenzdenken und Sich-etwas-Neiden – doch eine jede, die die Erfahrung des sich Miteinander-Stärker-Fühlens gemacht hat, wird diese nicht missen wollen und immer öfter Felder mit dieser schönen Energie aufsuchen.

Natürlich war da nicht nur Konsens unter uns: Nicht jede steht auf die früh morgens praktizierte sog. Sadhana, und auch Vorstellungen darüber, wie konkret das Japji, Teil der Sadhana, rezitiert wird, variierten. In diesen Momenten ist es interessant genauer hinzuschauen und zu –spüren, was ich aus der jeweiligen Situation mitnehmen kann. Authentische, offene Frauen sind hervorragende Spiegel füreinander.

Ich fühlte beim Ankommen daheim einen tiefen Frieden in mir, eine Weite und Ruhe. Zu Hause stellte ich fest, dass ich bei Kleinigkeiten oder Worten nicht sofort reagierte, beispielweise mit einer Erklärung oder Rechtfertigung, sondern dass es da tatsächlich eine Lücke in mir gab zwischen Reiz und Reaktion. Am folgenden Tag war dann wieder viel Aufruhr in mir, und “meine Themen” – wunde Punkte, Dinge, die mich in der Tiefe bewegen – begegneten mir wie unter einem Vergrößerungsglas.

Es bleibt spannend. Ich wünsche mir, diese dort erlebte Authentizität mit in den Alltag zu nehmen.

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