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Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: gemeinsam wachsen

Was Beziehung wertvoll macht

Mit einem engen, langjährigen Freund habe ich mich kürzlich darüber ausgetauscht, was unsere Freundschaft ausmacht, was Freundschaft generell wertvoll macht. Wir sind übereingekommen, dass wir beide viel Wert darauflegen, den anderen so zu lassen.  Ich habe unsere Freundschaft mit den Worten „innig und gleichzeitig Freiräume lassend“ betitelt. Er sagte, ihm ginge es genauso: Er genieße unsere Begegnung und unseren Austausch, fühle sich fest und Herz-verbunden und gleichzeitig frei mit mir. Was für Freundschaften gilt, ist ebenso in Partnerschaften und Ehen von Bedeutung: Ich glaube, wir wollen ganz gesehen, zutiefst respektiert und wertgeschätzt werden.

Enge Beziehungen sind für mich jene, in denen wir uns entfalten dürfen, gemeinsam wachsen können und keine Feigheit vor dem Freund haben. Was Letzteres betrifft, so bin auch ich am Üben, immer wieder. Manchmal ist einem großen Teil in mir mehr nach So-Stehenlassen. Mehr danach, Altes loszulassen – alte Beziehungsmuster, die immer gleichen Fragen und Antworten an den anderen, gewohnte Reaktionen – als nach Konfrontieren, Aufklären. Vieles klärt sich meiner Erfahrung nach auch von selbst und in einem selbst. Eine veränderte innere Haltung sorgt für Wandel im Außen. Nicht jeder mag in deine Richtung mitlaufen, und wer es mag, hat eventuell ein anderes Tempo. Meine Entfaltung in Richtung „Schreiben, Bloggen, Mich-auch-hier-Zeigen“ hat manche mir nahstehende Menschen auch zum Schweigen über diese Entwicklung meinerseits gebracht.

Ich wünsche mir, mit meinen Macken und auch mit dem, was mich jubeln lässt, erkannt zu werden. Ich wünsche mir, dass gesehen wird, wie gut mir das Schreiben und Veröffentlichen tun – dass da etwas mit mir passiert, was wirklich aus mir heraus geschieht und geschöpft werden will.  Wenn jemand sagt, ich freue mich für dich, doch mit (d)einem Blog oder dem und dem Thema kann ich nichts anfangen, akzeptiere ich das. Auch wenn da Kritik ist, Unmut, Desinteresse: Die Wertschätzung und Liebe zu mir als Person ist davon hoffentlich unberührt. Natürlich macht es mir besonders großen Spaß, auch meine Blogthemen mit anderen zu teilen, im Gespräch zum Beispiel. Doch wenn dies aus welchen Gründen auch immer nicht geht, gibt es sicher andere Schnittmengen. Und wenn die Schnittmengen sehr klein werden oder gar ganz verschwinden, dürfen Menschen auch gehen. In einer guten Freundschaft oder Beziehung versuchen beide, die Freude des anderen zu mehren – auch ein Wert, der für mich elementar ist.

Manche meiner Freundschaften und Verbindungen sind enger als je zuvor. Dies hat meiner Beobachtung nach damit zu tun, dass beide sich trauen, sich zu entkrampfen, sich auch nackt und ungeschützt zu begegnen, und auch vor schmerzvollen Erfahrungen nicht zurückweichen. Wenn dies gelingt – in Freiheit tief verbunden zu sein – halten wir einen Schatz in der Hand, den wir entsprechend anerkennen und lieben sollten. Wenn beide Mut zur Wahrheit, zu ihrer ganz eigenen Wahrheit haben, kann diese Beziehung nicht nur einen Mehrwert für die Betreffenden selbst bedeuten, sondern darüber hinaus auch andere öffnen und inspirieren. Zu den schönsten Momenten zählen jene, in denen es uns gelingt, dem anderen dabei zu helfen, die Wahrheit selbst zu gebären. Es ist eine Herausforderung, im engen Beisammensein mit einem Menschen seine eigene kleine Welt zu verlassen, wirklich zu lauschen, was da aus dem anderen heraus fließen will, was auch zwischen den Zeilen, nonverbal zum Ausdruck kommen möchte. Sich darauf einzulassen ohne sofort auf dem Eigenen, der eigenen Anschauung oder Meinung, zu beharren. Nicht mehr auf Teufel komm raus Recht haben zu müssen – auch das kann geübt werden und ist unheimlich befreiend, wie ich finde.

Ich glaube von mir selbst, freilassend anderen gegenüber zu sein, dem anderen nichts aufzudrücken. Doch hin und wieder wird mir der Spiegel vorgehalten, dass da auch eine „Ich-weiß-wie‘s-geht“- Seite in mir wohnt. Mein Großvater war Prediger, vielleicht habe ich manchmal auch etwas Predigendes in mir. Offenbar ist auch dies ein Teil von mir: Botschaften auszusenden – doch immer mit der Intention, andere zum Selbst-Hinschauen, -Reflektieren anzuregen. Ein Astrologe sagte mir mal, ich sei eine alte Seele, und ich könne mich auf mich, meine Intuition, auf das was mein Körper aussendet, verlassen. Ich spüre, dass es seine Richtigkeit hat, wie ich meinen Weg gehe. Und probiere aus. Wenn etwas gar nicht passt, merke ich recht schnell, dass ich auf dem Holzweg bin. Auch stört der Holzweg mich nicht, ich gehe ihn tatsächlich immer unerschrockener, als Teil meines Weges.

Mit zu meinen schönsten Momenten der letzten Zeit gehören jene, in denen neue Menschen in mein Leben gepurzelt sind – Menschen, denen ähnliche Werte wie zum Beispiel Ehrlichkeit, Freiheit, Freude und Dankbarkeit enorm wichtig sind. Darüber freue ich mich tierisch.

Was macht für Euch Beziehung und Freundschaft wertvoll?

Ich wünsche uns allen wunderbare Tage!

Freundschaften und Felder

Ich frage mich, wie schnell oder tief andere Frauen meiner Generation – ich bin Baujahr‘ 77 – neue Freundschaften schließen. Und hiermit meine ich keine 392. Facebook-Freundschaft, sondern ein wahrhaftiges, waches Sich-Einlassen auf ein Gegenüber. Ein Sich-Zeit-Nehmen, ein geduldiges, liebevolles Sich-Abtasten: Wie tickt der andere? Wie steht er oder sie im Leben? Was berührt den anderen in der Tiefe? Wovon flüstert seine Sehnsucht? Abgesehen davon mache ich im Übrigen auch die Erfahrung, dass tiefe, berührende Verbindungen ebenso im und via Internet möglich sind. Auch auf schriftlichem Wege können wir uns begegnen und essentielle, gemeinsame Themen kommunizieren – vorausgesetzt beide schreiben gern.

Dennoch: Analog lebt sich’s intensiver, sprich der Austausch von Aug‘ zu Aug‘ bleibt doch konkurrenzlos.

Ich war viele Jahre lang in dem Glauben, ich bräuchte keine neuen Freunde – fühlte ich mich doch in Sachen Freundschaften reich beschenkt. Meine engen Freunde kenne ich mitunter auch seit Jahrzehnten und schätze diese tragenden Verbindungen. Nun verändern sich Menschen und Umstände auch im Laufe der Zeit – ich glaube, dies ist der natürliche und für mich auch wünschenswerte Gang der Dinge – so dass Menschen, die einem eine Zeit lang nah standen, das eigene Leben, den eigenen Radius auch wieder verlassen können.

Ich finde: Das darf auch sein. Die Qualität der Beziehung kann trotzdem eine starke, eine intensive gewesen sein. Wir dürfen unserer Wahrnehmung trauen und uns unsere Freundschaften genauer ansehen, in unseren Freundschaften aufräumen: Tut uns diese Freundschaft gut? Gehe ich – allein wenn ich an diesen anderen Menschen denke – innerlich auf, fühle ich mich ermutigt und inspiriert? Unterstützen mich Freunde in meiner persönlichen Weiterentwicklung und akzeptieren sie diese? Können sie mit mir nicht nur Leid sondern auch meine Erfolge teilen? Oder geht meine Energie eher runter (auch wenn ich diesen Menschen lieb habe, auch das gibt es ja)? Werde ich eher in meinen Ängsten und Zweifeln bestärkt? Unser Körper gibt uns meist sehr schnell und eindeutig darüber Auskunft, wie wir uns in Gegenwart des anderes fühlen: Sind wir erschöpft, werden wir müde, oder auch innerlich eng? Oder geht unser Herz auf, fühlen wir uns weit und gelöst?

Es geht nicht darum, Menschen unbedacht und unreflektiert „aus unserem Leben zu schmeißen“, doch wir dürfen uns trauen uns zu fragen: Nährt oder erschöpft mich diese Freundschaft? Ist da evtl. etwas, das mir dauerhaft nicht gut tut, bedarf es eines gesunden Grenzensetzens? Manchmal passt es auch nach einer Zeit lang wieder, oder aber wir sind auch mal eine Weile allein, und es kommen Freunde nach. Ich hatte im Laufe meines Lebens auch schon die Erkenntnis von: Das Alte trägt nicht mehr. Wir dürfen loslassen. Oder vielmehr: Die Beziehung lässt uns offenbar los.

Veit Lindau sagt:

„Da jede deiner Beziehungen ein Feld ist, welches dich stärkt oder schwächt, ist es dein gesundes Recht zu wählen, mit wem du deine kostbare Lebenszeit verbringen möchtest.“

Für mich heißt dies: Ich habe das Recht und auch die Pflicht, dafür zu sorgen, mir ein Umfeld zu suchen, welches mir wohlgesonnen, welches unterstützend ist. Ich darf mich fragen: Welche Felder erheben mich? Welche zocken mir Energie ab? Fairerweise sollte ich das natürlich umgekehrt genauso fragen: Erhebe oder schwäche ich den anderen bzw. den Raum, den ich betrete?

Ich möchte mich so sicher fühlen, dass ich mich entspannen kann und gleichzeitig so frei fühlen, dass ich mich entfalten kann. Gesunde Beziehungen möchte ich pflegen und schützen, ungesunde ziehen bzw. fallen lassen.

Zurück an den Anfang meines Textes: Ich habe dieser Tage das Glück – so empfinde ich es – in eine neue Freundschaft hinein wachsen zu dürfen. Im Herbst letzten Jahres habe ich eine tolle Frau auf Sylt kennen gelernt, zusammen mit unseren fast gleichaltrigen Söhnen. Sie wächst mir mehr und mehr ans Herz, mein Empfinden sagt mir, ihr geht es ähnlich. Und was herrlich ist: Ich traue mich – vielleicht zum ersten Mal – jemandem von Beginn an mit all meinen Ecken, Kanten und auch unliebsamen Eigenschaften zu begegnen, mich ihr zuzumuten und mich meiner Angst vor Ablehnung zu stellen. Ich lerne, klar zu zeigen, was ich will und was ich nicht will. Da Ehrlichkeit und wahrhaftige Kommunikation ihr offenbar genauso wichtig sind wie mir, wir gleichzeitig jedoch in vielen Bereichen auch unterschiedlich ticken, erschaffen wir uns beide ein wunderbares Feld des gemeinsamen Wachsens. Wir sind beide sehr wach und neugierig und freigiebig mit Wertschätzung und Freude. Und ich spüre: Wir lösen beide Kraft ineinander aus und unterstützen uns, unser Potential zu entfalten.

Auf die Freundschaft.

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