seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Frieden

Potential und Berufung

Unser Sohn besucht ein Montessori Bildungshaus in Hannover, mittlerweile die 4. Klasse. Ich glaube weder, dass dieser pädagogische Ansatz für jeden Heranwachsenden der richtige, noch dass die „Staatsschule“ das Nonplusultra ist. Sicher kommt es auf den Schüler, die Schüler-Lehrer-Situation und vieles mehr an, ob ein Kind oder Jugendlicher in seiner schulischen Laufbahn „gut gedeiht“ oder nicht. Was uns betrifft: Es passt.

Was mir auffällt, wenn ich unseren Sohn und sein Schulleben beobachte: Er wird in seiner Persönlichkeit erkannt, entsprechend seiner Art zu ticken behandelt und gefördert. Die Lehrkräfte sorgen sowohl dafür, dass elementarer Schulstoff vermittelt, als auch, dass eine Lernumgebung geschaffen wird, die es dem Schüler ermöglicht, sich selbstständig Unterrichtsinhalte zu erschließen, die für diesen von Bedeutung, sprich intrinsisch sind. Ferner sind die Lehrer in der Lage, die Marotten unseres Sohnes wie beispielsweise sein permanentes „In-Bewegung-Sein“ aufzufangen.

Ein taktiles Be-Greifen mit Hilfe der Montessori-Materialien und auch das Origami-Falten legten bei unserem Sohn die Grundsteine für das Erkennen von Mustern: Mittlerweile ist er sehr „analytisch“, stark in Mathe und Schach. Auch ein individualisiertes Lernsetting – alleine arbeiten, zu zweit, zu zweit im Klassenkontext, mitunter auch in benachbarten Räumlichkeiten – und die Möglichkeit, Unterrichtsgegenstand plus die Art der Auseinandersetzung mit diesem selbst zu wählen, kommem unserem Sohn entgegen. Gut finde ich‘s ebenso, dass die Kinder lernen, ihre eigene Arbeitsweise zu reflektieren und, gegebenenfalls mit Hilfe des Lehrers, Strategien zur Verbesserung zu entwickeln.

Ich achte sehr genau auf die Atmosphäre, die von Häusern und Räumen ausgeht. In der Montessori-Schule hatte ich sogleich das Gefühl, hier würde auch ich gerne lernen: Die Stimmung, das Treiben dort sind lebendig, gleichzeitig entspannt; Gebäude und Räumlichkeiten verströmen keinen Schulmief. Schule ist in unserer Gesellschaft sicher ein Auslese-Instrument, auch die Montessori-Schule; doch zeichnet es diese Schule meines Erachtens aus, dass Kontrolle abgegeben und dadurch gleichzeitig die Lernbereitschaft erhöht wird. Für sehr leistungsorientierte, sicherheitsbetonte Eltern mag das eventuell nicht passend oder unbefriedigend sein.

Mein Mann und ich sind von der Pike auf Grund- und Hauptschullehrer, so dass uns das ganze große Feld „Schule und Lernen“ nicht fremd ist. Wir wünschen uns Lehrer, die auch „um die Ecke denken“ können: Menschen mit Feingefühl, differenziertem Denken und einem breiten Horizont. Wenn ich mich umhöre in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind es nur wenige, die ihre eigene Schulzeit als schön und angenehm in Erinnerung haben. Mir selbst ergeht es da nicht anders. Natürlich hatte ich auch gute, charismatische Lehrer, doch habe ich heute nicht den Eindruck, dass mich das Gros meiner Lehrer dazu bestärkt hat, mein Potential zu entdecken geschweige denn zu entfalten. Einen guten Lehrer zeichnet meines Erachtens aus, dass er die Interessen eines Kindes erkennt und es schafft – neben dem „Stoff“, der transportiert werden muss – diese in welcher Form auch immer zu berücksichtigen.

Statt uns zu ermutigen, unser Potential von innen nach außen zu leben, wurden viele – so mein Eindruck – in Schubladen gesteckt: Wir alle haben uns mit demselben Zensurenspiegel auseinander setzen müssen und wurden an demselben Maßstab gemessen. So haben die meisten meiner Erfahrung nach nicht gelernt, ein feines Gefühl, ein Wissen darüber zu erlangen, wer sie sind und wie sie ticken. Dies hatte zur Folge, dass wir eher von der Frage „Wo passe ich rein?“ motiviert wurden, anstelle uns zu fragen:

„Was bin ich für ein System? Was sind die Rollen in meinem Leben, und bin ich mir bewusst, wie ich diese am besten ausfüllen kann?“

Heute weiß ich: Wir finden dieses ganz tiefe Seelenglück nur, wenn wir den Mut haben, immer wieder neu auf uns zu schauen und breitgetrampelte Wege zu verlassen. Wenn wir unseren Alltag daraufhin untersuchen, wer oder was uns Kraft, Freude und Anerkennung schenkt. So kommen wir auch dem was sich Berufung nennt auf die Schliche. Berufung ist meiner Vorstellung nach nicht deckungsgleich mit dem Job, der mir meinen Lebensunterhalt sichert: Berufung bezieht sich auch auf meine ganz unterschiedlichen Rollen und Aufgaben, die ich aus- und erfülle.

Ich zum Beispiel erfahre ein Mehr an Kraft, Freude und Anerkennung, wenn ich aufschreibe, was mich bewegt und dieses teile, wenn ich Menschen durch meine Worte oder meine Präsenz – vorausgesetzt ich bin entspannt und offen – Mut mache und sie inspiriere. Wenn ich für eine humorvolle, heitere Atmosphäre sorge, die andere als einladend erleben und sich so wertgeschätzt fühlen. Wenn ich musikalisch in Aktion trete, meine eigene Spielfreude transportiere und einen Raum auf diese Weise erhelle.

Gelingt es uns herauszufinden – und dies wünsche ich der jetzigen Schülergeneration von Herzen – wie wir unsere Kräfte, die wir in uns tragen, auch wirklich einsetzen können, erlangen wir tiefe Zufriedenheit. Ferner rutschen wir nicht mehr so schnell in die Muster des Vergleichens, des „Auf-den-andern-Schielens“. Dieses „Schauen, wie’s die anderen machen“ wird meiner Erfahrung nach weniger und unwichtiger.  Ich gehe sogar so weit zu behaupten: Auf der Suche nach unserem Potential können wir gleichermaßen dem Frieden in unserem Umfeld als auch dem Frieden in uns selbst dienlich sein.

In die Ruhe finden

den-wald-vor-lauter-baeumen-nichtGerade aus einer Yogastunde kommend möchte ich heute gerne etwas mit Euch teilen. Die Yogalehrerin Dorte Strehlow begann die Stunde mit der Frage, wie es uns dieser Tage ginge, wie wir die vorweihnachtliche Zeit erleben. Was letzteres betrifft hieß es ganz oft: „Schön doch anstrengend“. Ich vermute, dass gerade dieses „anstrengend“ viele betrifft, dass ein jeder viel zu tun hat und sich höchstwahrscheinlich mehr zumutet und aufhalst als es ihm tatsächlich gut tut.

Dorte meinte, es sei in der Tat eine große Herausforderung, in diesen letzten Wochen des Jahres in die Ruhe zu kommen und in der Ruhe zu bleiben. Sie habe in ihren Kursen die letzten Tage sehr gute Erfahrungen damit gemacht, in diese Ruhe zu gehen. Das konnte ich in der heutigen Yogastunde auch wunderbar wahrnehmen – einen Ort des Friedens inmitten toller Frauen, die allesamt viel um die Ohren haben und sich dennoch oder gerade deshalb auf sich und ein friedvolles Miteinander einließen. Ehrlich, teilend und schöpferisch zusammenzukommen ist dieser Tage, in denen es im Kleinen und Großen oft sehr turbulent zugeht und wahnsinnig viel um uns herum geschieht, eine sehr wohltuende, uns stärkende Erfahrung.

Insbesondere auch das gemeinsame Singen von Mantren tat uns ungemein gut. Auch in meinen Musiktherapiestunden mache ich die Erfahrung, dass das Mantren-Singen mich und auch meinen Klienten zentriert. Es transportiert für mein Empfinden Wärme und Geborgenheit und fokussiert den Geist, so dass die vielen uns mitunter auch nicht zuträglichen Gedanken mal beiseite geschoben werden können. Welche Wohltat, gerade dieser Tage! Im Yoga heißt es auch, dass das (Mantren-) Singen das Kehlchakra stimuliert und balanciert: Wir üben uns darin, immer klarer unsere Bedürfnisse zu kommunizieren, „vom Herzen aus“ zu sprechen – etwas, das den meisten Menschen in unserer Gesellschaft meines Erachtens sehr schwer fällt.

Ich kann Euch nur ans Herz legen, Euch sowohl immer wieder Zeit für Euch selbst einzuräumen, um beispielweise zu meditieren oder spazieren zu gehen (das kann man auch kombinieren!), als auch Räume für Euch nährende Begegnungen aufzusuchen.

Dorte erwähnte schmunzelnd, sie habe neulich eine Mail mit den ehrlich gemeinten Worten „Ich wünsche dir eine ruhige & gesegnete Weihnachszeit“ geschlossen und kam sich anschließend kühn, schon fast provokativ vor.

Was ich Euch wünsche: ein für Euch stimmiges „In-die-Ruhe-Finden“, immer mal wieder, und: wache und gleichzeitig sehr zarte, weiche Momente!

Herzliche Grüße,

Carolin

Tu dir gut!

duenen-wegWährend einer Yogastunde machen wir Übenden immer wieder die Erfahrung, dass genau die zentralen Themen auftauchen, die uns gerade verstärkt beschäftigen. Es ist, als seien wir während der Praxis durch nichts Äußeres abgelenkt sondern ganz bei uns, ob wir wollen oder nicht. Ich schätze dieses Sein sehr, auch wenn ich Tage habe, an denen ich gar nicht so ganz genau hinschauen mag, an denen ich einfach nur funktionieren möchte – möchte, dass „es“ funktioniert.

In meiner gestrigen Yogastunde wurde mir etwas bewusst: Ich beobachte bei mir und anderen immer wieder Kampf. Wir kämpfen in unseren Beziehungen, unserem beruflichen Kontext, wir kämpfen gegen Krankheitenvor allem kämpfen wir in uns. Ich bin mir sicher: Wir sind des Kampfes müde und sehnen uns viel häufiger als wir es uns ein- und zugestehen nach Frieden in und um uns, nach viel mehr Pausen und Muße-Momenten, gerade jetzt, in der bevorstehenden Weihnachtszeit.

In mir steckt auch ein Löwe, und ich habe auch viele positiv konnotierte Kampfesszenen und -bilder in mir: Situationen, in denen ich hartnäckig bleibe, wenn mir etwas wirklich wichtig ist – es handelt sich hier eher um ein leidenschaftliches, lustvolles Kämpfen, Mich-Einsetzen FÜR, weniger DAGEGEN.

Das Kämpfen, von dem ich hier und heute schreibe, ist eher ein „Abkämpfen“, das immer müder und erschöpfter macht und unsere leistungsorientierte Gesellschaft dieser Tage so sehr auszeichnet – die „To-do-Liste“ abarbeiten, möglichst keine Zeit verlieren, sich betäuben. Es gibt Tage, an denen ich glaube, das Erwachsenen-Leben ist Betrug – es kann doch nicht sein, dass wir so sehr am „Rödeln“ sind! Ich bezweifle, dass uns jemand am Sterbebett auf die Schulter klopft und sagt: „Schön, dass du dich so abgemüht und immer funktioniert hast!“ Davon abgesehen, dass ich das beileibe nicht hören wollte!

Dem Kämpfen zugrunde liegt meines Erachtens ein mangelndes Sich-Selbst-Annehmen, in der Tiefe. Wir können noch so sehr in verschiedenen Kontexten glänzen, äußerlich und augenscheinlich noch so erfolgreich sein – wenn wir uns in der Tiefe nicht annehmen, wenn wir meinen, wir seien erst gut, wenn…, kommt es immer wieder zum Kampf.

Milder mit sich werden, nicht auch noch gegen das Kämpfen kämpfen, sondern stattdessen immer feiner beobachten, spüren, körperliche Reaktionen benennen und für einen Moment aussteigen aus der Verkrampfung – das macht meines Erachtens Sinn, lässt uns entspannen, und mit uns andere. Die leisen, verletzlichen Seiten in uns wahrnehmen und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Ich erlebe es als großes Geschenk, mit der Zartheit eines anderen in Berührung zu kommen. In brenzligen Momenten, in denen ich starken Widerstand zu einer Situation aufbaue, frage ich mich immer häufiger: „Was würde mein Herz mir jetzt raten? Was brauche ich?“

In besagter Yogastunde sprach unsere Lehrerin während einer Übung die Aufforderung „Tu dir gut!“ aus. Dieser Satz berührte mich tief, ich möchte ihn heute gerne mit Euch teilen.

 

Alles erdenklich Gute wünscht

Carolin

 

 

Helles und Dunkles – zum Umgang mit dem Schatten

Yossis Adler 2

 

 

 

Kürzlich präsentierte ich meiner Schwester einen Gedanken von Rüdiger Dahlke, den ich sehr schätze (den Gedanken, Dahlke nicht immer).

Wer nur gut sein will, bleibt der Ganzheit notgedrungen vieles schuldig. Wer ganz werden will, darf ruhig auch gut sein, aber er kann sich obendrein seine weniger guten Seiten ein- und zugestehen und sie anerkennen und lieben. Es macht ihn vollkommener und sein Gutsein echter und natürlicher (in: Rüdiger Dahlke: Das Licht- und Schattentagebuch, S. 8, 2013).

Ich habe schon eine Zeitlang vor, über das Thema ungeliebte Seiten im „Schatten“ zu schreiben, mich jedoch bislang davor gedrückt. Jetzt ist die Zeit reif.

Was meint Dahlke? Ich stelle fest: Je näher ich mir komme, je aufrichtiger und ehrlicher ich mir gegenüber werde, desto mehr Unliebsames, Unbequemes und Kantiges kommt ans Licht. Wir alle wollen vor uns selbst und anderen möglichst gut dastehen, in möglichst hellem Glanz gesehen werden. Menschsein bedeutet jedoch auch, dass wir ebenso „dunkle Anteile“ in uns tragen – Anteile, die auch gesehen werden wollen. Je mehr wir die Bereitschaft entwickeln – vorausgesetzt wir wollen und können dies überhaupt – uns in aller Tiefe zu begegnen, umso mehr dieser „dunklen Anteile“ kommen ans Licht, umso „ganzer“ werden wir, und umso weniger schlimm und dramatisch erscheinen uns auch unsere weniger „sonnigen“ Seiten.

Eigenschaften, die wir selbst an uns nicht sehen wollen, weil wir damals schon als Kind dafür alles andere als wertgeschätzt wurden, und die evtl. gerade unser Sein besonders machen, werden projiziert und übergroß am Gegenüber wahrgenommen. Was uns an anderen stört, ärgert oder zum Lästern veranlasst, ist meist das, was auch wir selbst – verbannt ins Unterbewusste, den sog. „Schatten“ – in uns tragen, jedoch in uns ablehnen, was uns selbst ängstigt oder auch fehlt. Spannend wird es, wenn uns jemand oder etwas in Aufruhr versetzt, uns – wie’s so schön heißt – „die Knöpfe drückt“, wenn wir sehr emotional reagieren, angreifen oder flüchten wollen.

Oftmals geraten wir aus dem Gleichgewicht, wenn jemand etwas tut, was uns an Dinge erinnert, die ich verleugnet, verdrängt, unterdrückt und auf andere übertragen habe. Diese Person zeigt mir genau an, was ich an mir selbst akzeptieren darf. Gelingt mir die Akzeptanz und Integration all dessen was mich ausmacht mehr und mehr, so komme ich zu mir nach Haus, mit mir immer tiefer in Frieden. Selbstverständlich tun diese Prozesse des Erkennens, des Sich-Selbst-Erkennens, auch weh. Manchmal toben wir innerlich oder fühlen uns ohnmächtig – der andere solle bitteschön Schuld sein an meinem Dilemma!

Mir wird immer bewusster: Das eigentliche Leid entsteht nicht durch unsere Wunden, sondern durch unseren krampfhaften Versuch, diese vor Berührung zu schützen. Menschen, die uns nahe stehen, denen gegenüber wir uns öffnen, berühren uns oft völlig überraschend an unseren wunden Punkten. Im ersten Moment möchte ich manchmal zurückschlagen, angreifen, mich rechtfertigen oder davon laufen.

Wenn es mir jedoch gelingt, weiter zu atmen, all das was da hochkommt nicht wegzudrücken, sondern zu beobachten und es da sein zu lassen, ist schon viel getan: Nach und nach klärt und entspannt sich mein eigenes System – Körper, Geist, Seele – und mit der Zeit auch mein Umfeld. Ich erfahre im Übrigen diesen Prozess des „Ganz-Werdens“ viel tiefgreifender transformierend durch zwischenmenschliche Begegnungen und Körperarbeit – in meinem Fall Kundalini-Yoga – als über Bücher.

In besonders aufrüttelnden, heftigen Momenten, wenn wir uns beispielsweise sehr ärgern oder getroffen fühlen, dürfen wir uns fragen: Wo tue oder bin ich das auch, was ich da an meinem Gegenüber kritisiere oder beklage? Wo oder wann bin ich zum Beispiel auch rücksichtslos, verletzend, faul oder arrogant? Oder ich darf mich fragen: Wo verbiete ich mir das, was mir da im Außen entgegenkommt? Wo grenze ich etwas aus, das doch auch zu mir gehört? Wo oder wann darf ich mir zum Beispiel auch mehr Egoismus zugestehen, mehr Dominanz, mehr „Zu-meinem-Eigenen-Stehen“, mehr Individualität gönnen?

Wenn wir erkennen, dass unsere Gefühle immer uns selbst gehören und es kein einziges Gefühl gibt, das mir ein anderer gibt oder nimmt, gewinnen wir innere Freiheit. Wir geben anderen weniger Macht und nehmen ihnen auch die Bürde der Verantwortung für unser Wohlbefinden. Werden wir mit uns selbst großzügiger und milder, ersparen wir uns auch das Sich-Ärgern und Aufregen über das unerwünschte Verhalten des Gegenübers. Und umgekehrt: Je rigider und strenger wir in und mit uns selbst sind, umso mehr sind wir es auch mit anderen, und umso schwerer fällt es uns, über andere nicht zu klagen.

Wenn ich mich mal wieder über jemanden aufrege oder ärgere, hilft mir auch folgendes Bild: Wir alle schauen mit unserem ganz eigenen, die Außenwelt enorm einschränkenden Projektor auf viele viele verschiedene Leinwände. Wir alle glauben zu wissen, was Sache ist – was falsch, richtig, gut, schlecht ist – oft auch für den anderen. Der Nächste wiederum kann jedoch ganz anders ticken, Dinge grundverschieden wahrnehmen, ganz andere Werte haben als ich. Der Nächste ist viel mehr und anders, als wir glauben, dass er ist. Mit den Augen des anderen Sehen und den Ohren des anderen Hören ist verdammt schwer bis unmöglich – das macht wache, tiefe Kommunikation auch zu einer wahren Kunst.

Wie wir etwas vom anderen aufnehmen, hat immer mit uns selbst zu tun, spiegelt stets uns selbst. Noch etwas finde ich wichtig zu erwähnen: Alles was der andere kritisiert an mir, mir vorwirft, anders haben will oder bekämpft, und mich dies nicht berührt, ist sein eigenes Bild, sind seine eigenen ungeliebten Seiten, die er wie gesagt auf mich projiziert. Wir müssen uns auch nicht jeden Schuh anziehen.

Und was ich auch zu akzeptieren lerne: Es ist jedem selbst überlassen, wie er sich, mich und die Welt wahrnimmt, ob und wo genau er näher hinschauen will oder nicht. Wenn wir unser Gegenüber zu stark behelligen, kann er auch verletzt reagieren.

Mein Fazit: Wir sind viel mehr als wir glauben zu sein, und auch nicht nur „gut“. Gut so.

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