seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Freiheit

Zeig dich verletzlich

Ich habe viele Fragen. Neulich dachte ich: Warum nicht mal ein Interview führen, mit einem spannenden Menschen zu Themen, die hier in meinen Lebenskunst-Blog passen? Da kam mir Harry in den Sinn: Harry brachte mich schon zu diversen Erkenntnissen. Ich habe an Horoskopberatungen bei ihm teilgenommen. Gemeinsam mit ihm und meiner Schwester habe ich tiefe, interessante Gespräche geführt – über Gott und die Welt, anders kann ich es nicht ausdrücken. Harry hat sich mit vielen Aspekten und Tiefen des Lebens auseinandergesetzt, bietet neben seinen astrologischen Beratungen Wutarbeit und Feuerlauf für Gruppen an. Auch arbeitet er mit Runen als Orakel, bzw. mit Runenstellen, ähnlich wie Yoga. Und was ich besonders an ihm schätze: Ich habe das Gefühl, alles im Miteinander darf sein – Harrys Worte und Impulse öffnen dich, zeigen dir Chancen auf, zu welchen Möglichkeiten dich das Leben einlädt. Ich kann mich wunderbar in ein Gespräch mit ihm hineinentspannen und das gemeinsame Emporschwingen im Miteinander genießen.  Solche Menschen und Momente sind Gold wert. Los geht’s:

 

Harry, magst du dich und deine Arbeit kurz vorstellen?

Ich verstehe mich als Raumhalter für einen Raum, in den du sprechen kannst – ohne  Unterbrechung, ohne Urteil, ohne Tipps und Ratschläge. Ferner als Navigator: Ich weise die Richtung. Ich bin Reisebegleiter, auf dem Weg zu dir selbst. Geburtshelfer, beim Aus-dem-Ei-Schlüpfen. Ein gefährlicher Fragensteller, dessen Fragen zu AHA-Effekten führen können. Ein Heiler, dessen Medizin die Klarheit ist. Und immer mehr ein Krieger des Lichts, in der Domäne des „Nichtwissens“. Das ist meine größte Herausforderung. Ich bin so geboren, da war kein besonderes Ereignis. Ich bin da immer mehr hineingewachsen. Mit all den Schmerzen, wie jeder andere Mensch auch. Ich habe erstmal lernen müssen, dass ich so bin – meinen Job anzunehmen. Es begeistert mich, all dies an Interessierte weiterzugeben.

Ja, und ich bin eine davon🙂. Du meinst also, wir kommen mit bestimmten Fähigkeiten und auch Aufgaben zur Welt, die uns das Leben dann zuteil werden lässt? Sprich denen wir folgen sollten?

 Ja. Nur merken wir das nicht immer sofort, oder wir wehren uns sogar dagegen. Meiner Meinung nach ist Karma/ Bestimmung unpersönlich. Wenn ich es nicht annehme, macht es wer anders. So wie meine Vorfahren. Jetzt kann ich wählen, ob ich den Job annehme. Das geht aber erst, wenn ich vorher aufgebe. Mich ergebe. Mich verpflichte. Das geht sogar bevor ich weiß WIE. Das bezeichne ich als Domäne des Nichtwissens.

Wir haben schon häufiger, auch zu dritt mit Kati (Anmerkung: meine Schwester) über Un-Verschämtsein im wahrsten Sinne des Wortes gesprochen. Was verstehst du darunter?

Unverschämtsein meint „schamlos, ohne Scham, frei von Scham“ sein, und dies führt zu mehr Verletzlichkeit. Zum Sichtbarer-Werden. Genauso mit Mitgefühl: Du kannst auch FREI von Mitgefühl sein, was nicht heißt, dass du OHNE Mitgefühl bist. Wenn du nicht FREI von Mitgefühl bist, zieht es dir Energie ab, weil dich das andere System, das des anderen, am Haken hat. Frei sein bedeutet: Bleibe dem Haken fern. Von etwas frei zu sein heißt nicht, dass du es nicht mehr haben kannst. Du kannst es jederzeit haben, ES hat dich aber nicht mehr. Das ist die Freiheit.

Wow, noch kann ich folgen. Sprich ich kann frei entscheiden, was ich in den Raum gebe…

Du kannst grundlos handeln, sprich ohne Trigger von außen. Keine roten Knöpfe mehr haben. Aktion, statt Reaktion. Das ist kreieren. Das ist für mich radikale Verantwortung: Du bist kein Opfer mehr. Du brauchst keine Gründe. Gleichzeitig ist alles möglich, wenn du willst. Das ist nicht egoistisch, nicht rücksichtslos. Wenn sich jemand verletzt fühlen will, ist das SEINE Entscheidung. Er will Opfer sein. Er gibt die Verantwortung ab. Das muss nicht bewusst sein. Sich dessen bewusst zu werden, kann man lernen und trainieren, z.B. bei mir. Dieser Prozess kann schmerzhaft sein, niemanden mehr zu haben, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann.

Warum trauen sich viele nicht, Wut zu zeigen und damit evtl. anzuecken?

Wenn Wut da ist, wollen wir sie oft nicht sehen geschweige denn zeigen. Doch Energien wollen fließen. Nicht gewollte Wut ist wie ein ungeliebtes Kind. Auch die ungeliebten Kinder brauchen Umarmung, wollen gesehen werden. Ist die Angst anzuecken wirklich die Angst, anzuecken? Oder ist es die Angst vor der Angst? Wieder nicht fühlen zu wollen? Ich kann mich fragen: Ist da wirklich eine Bedrohung? Habe ich das überprüft oder ist es eine unbestätigte Annahme? Hier kann Transformation stattfinden. Wenn du wirklich willst, dass sich etwas ändert und du neue Möglichkeiten schaffen willst, fühle die Angst. Zeig sie, zeig dich verletzt und lass dich überraschen, was dann alles möglich ist. Lass dich auf das Abenteuer ein. Auf das Abenteuer des Lebens. Löse deine Bremsen. Vertraue. Lass dich führen. Hab den Mut dich zu zeigen wie du bist. Auch oder gerade vor dir selbst. Du kannst zufrieden, in Frieden sein. Jetzt. Nicht erst im Himmel. Nicht erst wenn du die Regeln kennst oder befolgst. Es sind nicht deine. Die Belohnung ist die Freude, du selbst zu sein.

Zum Anecken: Was ist denn anecken? Dem anderen gefallen wollen? Nicht gut dazustehen beim anderen? Sein SelbstBILD aufrechterhalten wollen? So sein wollen wie es der andere (vermutlich) will, weil man Angst vor dem Verlassenwerden hat? Ich habe ein BILD erzeugt, eine Maske, in die sich der Partner verliebt hat, und es kostet zunehmend mehr Energie dieses BILD aufrechtzuerhalten. Ich habe höllische Angst, durch mein Verhalten erkannt zu werden, wer ich wirklich bin. Der Preis ist, dass ich mich immer einsamer und unverstandener fühle. Doch womit ich beim einem anecke, ist vielleicht das, was ein anderer an mir liebt. Ohne gefallen zu wollen, lebt es sich viel entspannter. Genau diese Erkenntnisse sind heilsam. Zu erkennen, wie unsicher ich wirklich bin. Wie verletzlich. Wie menschlich. DAS verbindet.

Harry, das sind genau meine Themen: innerlich frei werden, sich trauen, sich erlauben, du selbst zu sein. Zurück zu deiner Arbeit: Wie konkret kann Wutarbeit, die du anbietest, ablaufen?

Entscheiden kannst du immer nur im Jetzt. Nicht in der Vergangenheit und auch nicht in der Zukunft. Wir alle haben – um uns zu schützen – in einer Situation, die nicht sicher oder unerträglich war, eine Entscheidung getroffen – und sie dann vergessen. Ich biete dir einen sicheren Raum an und begleite dich dorthin zurück. Dazu musst du nicht unbedingt konkret wissen was da war, sondern es reicht, das damalige Gefühl zu fühlen, es zu Ende zu fühlen. Jetzt bist du ja erwachsen und nicht mehr so hilflos wie damals und DANN bist du in der Lage, dich NEU zu entscheiden. Das alte Programm läuft dann nicht mehr. Zwischendurch ist Platz für den theoretischen Teil und Fragen.

Wunderbar, das macht neugierig. Meine vorletzte Frage: Welche, glaubst du, sind die größten Tabus hierzulande in der zwischenmenschlichen Kommunikation?

Ein Tabu ist die Gewalt. Wer Aufmerksamkeit haben will, wer gesehen werden will, wendet Gewalt an. Das sieht man bei Jugendlichen, sowie auch bei Terroristen. Gewalt lässt sich nicht ignorieren. Sie ist das letzte Mittel, wenn man sich hilflos fühlt. Auch gibt es Gewalt in Beziehungen: Sich nicht trauen sich zu äußern, nicht NEGATIV sein dürfen. Erwartungen erfüllen wollen. Sich nicht gesehen fühlen. Etwas in sich hineinfressen. Und dann explodiert ES und trifft die, die wir lieben. Erwachsene Wut ist dazu da, die Dinge zu erreichen, die ich erreichen will. Was ist, wenn ich mich nicht traue wütend zu sein? (Tabu: Sowas macht man nicht). Ich werde immer ärgerlicher, aber die Wut geht nicht weg.

Ein weiteres Tabu ist es, herausragend zu sein. Die Angst vor dem Neid der anderen. Die Menschheit kann sich aber besser weiterentwickeln, wenn alle versuchen so herausragend wie möglich zu sein. Noch ein Tabu ist Verletzlichkeit. Immer cool sein zu wollen. Alles im Griff zu haben. Alles zu wissen und die Kontrolle nicht zu verlieren, scheint für viele das Ziel zu sein. Der Preis dafür ist der Verlust von Beziehung und Intimität.

Hattest du ein Schlüsselerlebnis, welches sich dir im Zusammenhang mit Un-Verschämtsein(dürfen) eingeprägt hat?

Ich habe mehrere Erlebnisse gehabt, wo sich jemand so benommen hat, wie ich mich das zum damaligen Zeitpunkt noch nicht getraut hätte. Jemand zeigte ein Verhalten, welches ich als peinlich empfunden hätte. Ich fand das sehr beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit diese Personen die schrecklichsten Dinge gesagt oder getan haben und habe mich gefragt, was mich davon abhält das genauso zu tun. Beispiel: Ich als Deutscher traue mich nicht oder habe mindestens ein komisches Gefühl, wenn ich einen Judenwitz erzählen würde. Im Urlaub in der Türkei, beim Plaudern mit einem Busfahrer sagt dieser, ganz selbstverständlich (unverschämt), dass alle Kurden Verbrecher sind und umgebracht werden sollten. Ein weniger krasses Beispiel: Beim Vorbereiten einer Party schnappt sich einer ein großes Stück vom Geburtstagskuchen und wird angesprochen: „Du hättest ja wenigstens vorher fragen können.“  Antwort: „Wenn ich gefragt hätte, hättest du doch sowieso ja gesagt. Warum soll ich also fragen?“

Oh ja, herrlich. Harry, das war viel Tobak;-) – doch sehr wertvoller und wichtiger Stoff. Ich danke dir von Herzen für diese spannenden Ausführungen und freue mich sehr auf weiteren Austausch. Gehab dich so richtig wohl.

 

Wenn Ihr Fragen habt, zu Harry, zum Interview, gerne her damit! Auch kann ich Euch Sitzungen bei ihm wärmstens empfehlen!

Harry Hömpler

05105 5912772

KHAMIEL@WEB.DE

 

Freiheit ist…

Vom Glück der Freiheit

P1000618Hallo zusammen!

Heute schicke ich Euch – mit einem Text von mir – auf die Seite von Claudia Heipertz, die sich selbst als “Wahrnehmungsguide” bezeichnet.

Ich bin beim Stöbern oder genauer durch ein Interview, welches Claudia mit Andrea Lindau geführt hat, auf sie und ihre Arbeit aufmerksam geworden. Es lohnt sich, Claudias sehr differenzierten und neue Sichtweisen zu den Themen Kommunikation, innere Freiheit, Beziehungen eröffnenden Zeilen zu lesen.

Hier geht es zu meinen Zeilen “Vom Glück der Freiheit”

Herzlichen Gruß von mir

Meine Werte

Dem eigenen Pfad folgenIn letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Werte. Was sind Werte, welche sind meine Werte, die mir dieser Tage wichtig sind? Wofür möchte ich in der Welt stehen, was konkret macht mein Leben aus?
Werte sind aus meiner Sicht ein Fundament, auf dem ich lebe – eine Art Leitstern in meinem ganz persönlichen In-der-Welt-Sein.

Momentan ist Freiheit ein sehr wichtiger Wert für mich: frei sein von Enge, von selbst auferlegten Zwängen und Erwartungen, zu hohen Ansprüchen, frei sein von einengender Routine, ja, und frei sein für Weite, für ungeahnte Möglichkeiten, Menschen und neue Begegnungen, für Erfahrungen. Mich und andere frei lassen. Wenn ich „Freiheit“ höre oder lese, geht etwas in mir auf und ich werde innerlich ganz weit.
Ehrlichkeit ist mir wichtig: Meine Wahrheit denken und aussprechen dürfen, mir selbst auf die Schliche kommen, aufrichtig mir selbst und anderen gegenüber sein – auch wenn dies oft sehr schwer ist und je nach Kontext fein abgestimmt werden darf. Nicht alles immer sagen müssen, doch das was ich sage, ehrlich meinen.
Freude ist für mich wie ein Motor, eine Kraft, der ich folge: innerlich heiter und bewegt sein, im „Kleinen“ – Reisen, Rituale, Ruhemomente, Sich-was-Gönnen – sowie im „Großen“ – Sinnfragen, Sehnsüchte, Beruf(ung), Pläne, Ziele. Unter Freude fällt für mich auch Leichtigkeit. Dinge mit Kraft und Leichtigkeit anzugehen – was auf den ersten Blick paradox erscheinen mag – lässt mich „erblühen“.
Herzlichkeit ist mir wichtig: auf Herz- & Augenhöhe kommunizieren, mir und anderen Komplimente machen, freundlich und mitfühlend sein, Dinge mit und von Herzen tun.
Ein weiterer elementarer Wert für mich ist Dankbarkeit. Während Freude einem Motor gleicht, ist Dankbarkeit für mich ein Fundament, ein Boden, auf den alle meine Erfahrungen, auch die weniger schönen und die schmerzvollen, fallen.
Mut tut gut. Mut ist herrlich, vielleicht nicht in den ersten Momenten, in denen oft Angst dominiert, doch stets im Nachhinein, wenn ich mich getraut habe. Mut zu Ehrlichkeit und Unbequemsein, zum Anecken, Ecken und Kanten Zeigen. Ein Wert, eine Haltung, die nun immer öfter bei mir anklopft und mich herauslockt, mich sichtbarer werden lässt. Neugier fällt für mich auch unter Mut.
Humor find ich großartig. Fein, englisch, schwarz, trocken – je nachdem was gerade aus meinem Erleben stimmig ist, möglichst ohne dabei andere zu verletzen. Dinge und Situationen aus der Vogelperspektive zu betrachten und dabei so viel gesunde Distanz zu haben, dass ich’s mit Humor nehmen kann. Übrigens schwingt auch hier wieder die Leichtigkeit für mich mit, die einem Menschen oder einer Situation manchmal die Schwere nimmt, was auch gut tun und angemessen sein kann. Über sich selbst lachen – wenn man’s kann, sehr schön.
Mein achter und letzter Wert – zu viele Werte verwirren eher und lassen mich Orientierung verlieren – ist Kreativität. Sie ist für mich Ausdruck, mein Schöpferisch-Tätigsein – in der Musik, im Schreiben, Fotografieren – einfach im Sein.

Rebecca Reinhards philosophische Position zur Frage nach Werten in einem authentischen Leben besagt, dass es wichtig sei, eine Balance zu finden zwischen “subjektiven und objektiven Werten” (in: Spiegel Wissen, “Ich bin ich”, Ausgabe 1/2016, S. 33). Sprich Zufriedenheit und Ausgeglichenheit haben auch mit Verantwortung anderen gegenüber zu tun – Tugenden wie Verantwortung und Hilfsbereitschaft sind laut Reinhard wichtiger Bestandteil eines gelingenden Lebens.

Werte sind auch nicht in Stein gemeißelt. Ich darf immer wieder prüfen, ob der eine oder andere Wert momentan noch stimmig für mich ist, noch Sinn macht, gerade ansteht. Oder ob sich Werte nicht auch zusammenfassen lassen – unter einen „Hauptwert“. Ich kann mich von Zeit zu Zeit anderen Werten widmen – jenen, die noch Entwicklungschancen für mich bereithalten. Und ich darf mich fragen, was ich ganz konkret unter einem bestimmten Wert verstehe, welche persönliche Bedeutung dieser für mich gerade hat, wie ich und andere erkennen können, dass mein Handeln auf diesen Werten fußt. Großzügigkeit war längere Zeit ein Wert für mich – zurzeit schenke ich ihm keine besondere Aufmerksamkeit: Großzügigkeit ist für mich gerade einfach da, in meinem Leben – und fällt darüber hinaus unter Herzlichkeit im Sinne von Großherzigkeit.
Klarheit, Gemütlichkeit, Wildheit, Wachstum – es gibt noch so einige wertvolle Werte, die ich spannend finde und die sicher nochmal näher an mich heranrücken werden.

Werte Leser, habt’s gut & genießt diese herrliche Jahreszeit!

Ehrlich direkt – direkt ehrlich

Hände2Seine Wahrheit auszusprechen erfordert Mut. Darf ich das sagen? Wie kommt es an? Bin ich zu keck, zu kühn?

Ich mag Menschen, die sich trauen, ehrlich zu sein, die sich in direkter Ehrlichkeit, ja, auch in ehrlicher Direktheit üben. Ich lerne mehr und mehr, dass klare, nicht verurteilende selbstverantwortliche Ehrlichkeit nicht im Widerspruch stehen muss zu einer einfühlsamen Kommunikation. Selbstverständlich stolpern wir dabei, schießen auch mal über’s Ziel hinaus oder stoßen das Gegenüber vor den Kopf. Ich finde mittlerweile: Das darf auch sein. Wer übt, macht Fehler, oder besser: Erfahrungen. Ich übe und lerne lieber, als dass ich mich nicht vom Fleck bewege und etwas aus Angst vor Ablehnung zurückhalte, etwas, das sich zeigen will (uns das sich dann evtl. nonverbal oder in einem anderen Kontext verstärkt zeigt).

Mein größtes Bedürfnis ist es, mich integer und versöhnt mit mir selbst zu fühlen. Wenn wir denken oder sagen “Ich möchte dem andern aber nicht weh tun!”, so haben wir doch meist Angst vor dem eigenen Schmerz, der durch die Reaktion des Gegenübers ausgelöst werden könnte. Wir umschiffen eine unangenehme Lage zugunsten der eigenen Ruhe, nicht der des anderen. Ja, meist. Es gibt aber auch das Bedürfnis in mir, aus Empathie zu schweigen, dem anderen Kummer zu ersparen – auch aus Respekt vor der Selbstbestimmtheit des Gegenübers bzw. dessen Seele, die am besten weiß, was für sie dran ist und was noch nicht.

Immer stärker jedoch meldet sich der Impuls, frank, frei und laut zu denken, mit meinen Worten mitunter auch zu irritieren, anzuecken. Feste Denkmuster, vor allem die meinen, zu lockern, auf den Kopf zu stellen. Dinge zu benennen, die wohlmöglich unpopulär oder schwer verdaulich sind. Die eigenen Widersprüchlichkeiten und Ambivalenzen nicht nur wahrzunehmen, sondern sie auch mal aus sich herauspurzeln zu lassen.

Ich möchte mich trauen, viel häufiger und klarer “Nein” zu sagen, wenn ich ein “Nein” in mir wahrnehme. Wer es wagt, an den für ihn richtigen Stellen deutlich “Ja” oder “Nein” zu sagen, riskiert etwas, riskiert zu enttäuschen, evtl. selbst verletzt zu werden. Meine Erfahrung zeigt mir: Es gibt keine echte Nähe ohne Verletzlichkeit. Erlaube ich mir selbst, mich stark berühren zu lassen, so schenke ich auch dem anderen die Freiheit selbiges zu tun.

A propos Freiheit: Ich fühle mich pudelwohl, wenn andere mich freilassen, zunächst einmal lauschen, was ich zu sagen habe. Auch ich versuche, den anderen zu lassen, möglichst nicht gleich meine Schublade zu öffnen und zu schließen und davon auszugehen, dass das was für mich gut und richtig ist auch für den anderen so sein muss. Dies erfordert Aufmerksamkeit und Geduld, vor allem mir selbst gegenüber. Manchmal tun wir auch gut daran, ein Gespräch zu beenden, auch das ist ehrlich. Wenn wir uns manipuliert und in die falsche Ecke gedrängt, oder schlicht dann, wenn wir uns zunehmend unwohl fühlen.

Ein Hoch auf ehrliche Worte – mit Anstand und Liebe!

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