seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Flow

Der Mensch will tätig sein

Mein Mann Andreas hat sich über Jahre einem Projekt gewidmet:

Er hat mit verschiedenen Gitarren – angefangen mit einer E-Gitarre und einem analogen Aufnahmegerät, einer Konzert-Gitarre, einer 7-Saitigen, einer Bariton- &  einer JazzgitarreJohann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ eingespielt und aufgenommen. 7 Jahre – 5 Gitarren. Spur für Spur, Ton für Ton, Takt für Takt.  Zwischendurch floss Kaffee über das Aufnahmegerät und Andreas fand im Netz alternative Aufnahmemöglichkeiten.

Diese Version ist „die lebendigste“, so Andreas.

Ich habe gestaunt, mit wieviel Ausdauer & Hingabe, Flow & Spiellust er da am Werke war! Und dachte: Bewundernswert. Offenbar macht es tiefen Sinn, das zu tun, was wir direkt aus uns schöpfen. Dinge, die wir voller Leidenschaft, ja im besten Sinne zwanghaft tun müssen. Auch wenn andere manchmal meinen, wir hätten nicht alle Latten am Zaun;-).

Wir freuen uns sehr, wenn Ihr Euch Andreas‘ Werk mal anhört, Euch den Moment nimmt. Ich finde: Es lohnt sich!

Wunschgefühle

Origami-DracheZiele sind gut und schön. Welche zu haben und zu verfolgen macht oft Sinn. Doch noch sinnvoller kann es sein, darüber nachzudenken und in sich aufzuspüren, weshalb ich bestimmte Dinge erreichen will, was konkret mich antreibt.

Leitfaden sind unsere GefühleWunschgefühle, die wir immer wieder bewusst oder unbewusst suchen, bestimmte emotionale Zustände, die uns erfüllen.

„Empfindungsglück“ – hedonistische Freude oder Genuss im Augenblick – erleben wir, wenn wir etwas Schönes erfahren, ja, wenn wir genießen. Hier erleben wir Freude, Lust, Zufriedenheit, Wohlbehagen: Ein Spa- oder Saunabesuch, ein kulinarischer Moment oder eine herzliche Umarmung können uns diese Form des Glücks bescheren.

„Erfüllungsglück“ – das Erleben eines guten, sinnhaften Lebens – hat viel mit auf mich zugeschnittenen Tätigkeiten und damit verbundener intrinsischer Motivation zu tun. Darüber hinaus erfüllt es mich, meine Talente und Träume „auf die Straße zu bringen“ und mich bewusst an andere zu verschenken, in einer mir und meinem Umfeld zuträglichen Weise zu dienen.

Veit Lindau spricht vom inneren und äußeren Ruf – wenn es mir gelingt, diesen zu finden, erlebe ich meines Erachtens auch „Erfüllungsglück“: Meinem inneren Ruf komme ich auf die Spur, wenn ich mich frage, was – insbesondere auch langfristig – Freude und Kraft in mir auslöst, was sich richtig anfühlt. Gleichzeitig kann ich mich fragen, wann andere stärker mit Anerkennung und Freude auf mich reagieren – wann sie mich sehen, und was genau sie sehen (äußerer Ruf).

Zurück zu den Wunschgefühlen. Meine absoluten Wunschgefühle sind: frei, voller Liebe, geborgen, verbunden (mit Menschen und einer „höheren Kraft“), mutig, freudig-erregt, begeistert, reich (im Sinne von „voller Fülle“). Darüber hinaus fühle ich mich gerne dankbar, tief entspannt, sortiert (klar), weit, großzügig, sanft, ekstatisch.

Oft bin ich auch gerne melancholisch oder sentimental, ja, hin und wieder kann ich ebenso der Wehmut einiges abgewinnen. Wut kann unangenehm sein, setzt gleichzeitig jedoch auch oft eine starke Kraft in mir frei. Trauer hat auch ihren Platz, nur scheinbar grundlos traurig sein lässt mich einsam und verloren fühlen. Scham und Ohnmacht sind „Zustände“, die ich ganz fürchterlich finde, auch auf Angst kann ich meistens gut verzichten, es sei denn, es gelingt mir, diese in „freudige Erregung“ umzuwandeln, umzudeuten.

Autorin und Lifecoach Franziska Schulze formulierte in einem ihrer Videobeiträge folgenden Satz:

Äußere Ziele sind immer eine Projektion von Zuständen, die wir fühlen wollen.

Womit wir wieder beim Anfang meines Textes wären:-).

Bevor wir nun also wild Vorsätze und Ziele für 2017 oder wann auch immer formulieren, dürfen wir zunächst einen genauen Blick auf unsere Gefühle richten.

Welche sind Eure Wunschgefühle?

P.S.: Auf dem Bild neben dem Beitrag seht Ihr einen gefalteten Origami-Drachen unseres Sohnes – dieser entstand im absoluten Flow, passend zum Thema.

Sich mit dem Leben verbunden fühlen

Lebensfeude purEine Frage lässt mich in letzter Zeit nicht los: „Was habe ich als Kind gern gemacht?“ Ich muss weiter ausholen. In diesen Wochen widme ich mich oft Beschäftigungen und Themen, die für mich in meiner Kindheit eine zentrale Rolle spielten:

Noch vor der Arbeit stelle ich mein Fahrrad im Wald ab und balanciere barfuß über gefällte Buchenstämme. Oder ich pflücke Kräuter wie Bärlauch und Giersch. Letzteres erinnert mich an unsere Familienurlaube in der Schweiz, in welchen ich nicht müde wurde Walderdbeeren in kleinen Bechern zu sammeln, um der – damals noch kompletten – Familie eine Freude zu  machen. Als Kind war ich wahnsinnig gern allein, am liebsten draußen in der Natur. Später dann war ich mir sicher: Alleinseinwollen kann andere vor den Kopf stoßen. Heute denke ich anders darüber und nehme mir zunehmend Alleinzeiten.

Mein liebster Duft ist der von Heckenrosen, welche auch unter dem Namen Dünen- oder Syltrosen bekannt sind. Auf Sylt-Aufenthalten war und ist die Welt für mich in Ordnung. So suche ich auch heute in hannoverschen Gefilden Heckenrosen-Orte auf, wenn mir danach ist.

Eine besondere Erinnerung kommt mir häufig nachts, wenn ich aufwache. Ich denke an eine der vielen Nächte meiner  Kindheit zurück, in der ich bei meinen Großeltern schlief, nachts zeitgleich mit ihnen erwachte, meine Großmutter mir heiße Milch mit Hong kochte – in Sachen Zahnprophylaxe ungezweifelt haarsträubend –  und mein Großvater von seinem Sofa-Bett aus „Lobe den Herren“ sang. Heute bekomme ich nachts weder heiße Honigmilch noch singt jemand für mich „Lobe den Herren“, doch ich erinnere mich an das erhabene Gefühl von damals und eine tiefe Ahnung, welche Überraschungen die Nacht bereitzuhalten vermag. A propos „Kochen und Großeltern“:  Mein Großvater bereitete mir stets Nudeln mit Butter und Ketchup zu. Kulinarisch nicht die Oberliga, und dennoch heute noch ein mich beruhigendes „Seelenessen“.

Noch etwas fällt mir ein: Früher neigte ich zum Chaos, heute auch – mein Bruder Claus amüsierte sich tierisch darüber, dass Aufräumen für mich hieß, alles diffus Herumliegende wild in meinem Kleiderschrank zu verstauen. Die Eltern haben’s nie erfahren. Wohler jedoch fühlte ich mich, wenn ich mir die Zeit nahm, Sachen auszumisten oder in beschrifteten Kisten zu verstauen. So auch heute. Mit dem Chaos anderer kann ich übrigens ziemlich gut leben.

Zurzeit schreibe ich – für mich, für Menschen in meinem Umfeld – über Themen, die mich bewegen, und andere sicher auch. Früher verfasste ich kleine Gedichte, Kurzgeschichten und liebend gern Briefe und Karten, bis mich die Oberschule dank überwiegend mäßiger Deutschnoten in den Glauben versetzte, das Schreiben sei nicht so mein Ding. Nun bin ich wieder mit Liebe dabei und lasse Schule Schule sein.

Interessanterweise erinnern uns auch Kinder an unsere Lieblingsbeschäftigungen aus früheren Zeiten: Y. kam neulich zu uns und erzählte uns von seinem Vorhaben, seine Origami-Stücke auf dem Spielplatz verkaufen zu wollen. Zunächst war ich davor zu protestieren, doch dann fiel mir ein, dass ich als Kind selbst mit roten Wangen auf einer Decke in der Friedrichsstraße in Westerland saß, um meine selbstbemalten Muscheln an den Mann zu bringen.

Diese Erinnerungen und nun wieder regelmäßig aufgenommenen Tätigkeiten fühlen sich verdammt gut an. Ich bin mir sicher, es lohnt sich, sie wieder aufleben zu lassen und sich die Frage zu stellen: „Was liebte ich als Kind?“ Auf dieser „alten Spur“ können wir uns heute wieder neu entdecken und uns im Flow erleben. Es geht dabei um ein einfaches „Sei kindlicher!“ hinaus.

Natürlich macht es Sinn, auch im Alltag neugierig und präsent zu sein, mit offenen Augen zu träumen. Mir geht es hier jedoch darum, mich zu fragen, was ich damals konkret mochte und machte und dieser Spur zu folgen, um mich mit dem Leben verbunden zu fühlen. Denn das ist es, das ist Flow: Ich verbinde mich mit mir und meinem Leben, tue das was ich kann und was mir Freude bereitet und schaffe dadurch Sinn.

Während ich schreibe, versucht Y. sich an dem Meisterstück der Origami-Faltkunst, der Ratte. Ein hochkompliziertes Ding, doch Y. macht sich gut und kam gerade zu mir mit den Worten: „Es steckt immer noch irgendwas in mir.“ In diesem Sinne,

herzlichst, Eure Carolin, Calli, Calle

P.S.: Y. hat die Ratte tatsächlich geschafft!

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