seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Empathie

Bei sich selbst bleiben und mit dem Herzen spüren

Origami HerzIch schreibe seit letztem Sommer regelmäßig für ein Online-Magazin, in dem es sich zu stöbern lohnt: den compassioner.

Dieses Mal habe ich mich mit den Grundlagen wertschätzender und erfolgreicher Kommunikation beschäftigt: Viele Tage lang habe ich mir über das sog. “Neutral-Werden”, dem Ziel im Yoga, und den Weg dorthin Gedanken gemacht. Worum geht es? Um das Ticken unseres Geistes, das Entstehen von Mitgefühl, um die Vorteile eines “Immer-weniger-Bewertens” und das sog. Mantra “Sat Nam”, “Wahres Selbst”.

Hier geht es zu meinem Artikel.

Kontakt findet an Grenzen statt

bild-kontakt-grenzenEine Heilpraktikerin sagte einmal zu mir: „Kontakt findet an Grenzen statt.“ Über diesen Satz habe ich oft nachgedacht und im Laufe der Zeit zahlreiche Beispiele für das Wahre an dieser Aussage gefunden: Beziehung wird immer dann spannend, wenn wir uns in unserer Tiefe begegnen, wenn wir den anderen an einem Punkt berühren, der ihn oder uns bewegt, der noch nachhallt oder einen von beiden in Aufruhr versetzt. Wenn wir den Mut haben, unsere innere Wahrheit mitzuteilen, unsere Bedürfnisse und Werte auf den Tisch zu legen, auch wenn wir dadurch verletzbarer werden und das Gegenüber gegebenenfalls enttäuscht oder ablehnend reagieren könnte.

Oft haben wir ein bestimmtes Bild von jemandem im Kopf, meinen ihn zu kennen und wollen auch keine große Energie aufwenden, dieses Bild zu ändern oder zu erweitern. Gerade in Momenten, in welchen der andere vielleicht nicht in der gewohnten oder erhofften Manier reagiert, können beide Beziehungspartner wachsen, kann die Beziehung reifen. Natürlich wird dann oft auch am Eigenen – an der bestehenden Lebensmethode, dem eigenen Lebensmodell – gerüttelt; das ganze System, das Feld, in dem sich die Beziehung bewegt, gestaltet sich neu. Diese Momente sind Chancen, auch wenn wir es eventuell nicht gleich wahrhaben wollen. Schaffen wir es, uns immer wieder für neue Erkenntnisse und Begegnungen mit uns nahen Menschen „leer“ zu machen, dem anderen immer wieder mit frischem, offenen Blick zu begegnen, so denken und fühlen wir uns frei, und es eröffnen sich ganz neue Spiel- und Begegnungsräume.

Jemand, der seine eigenen Gefühle gut wahrnehmen kann und auch Unangenehmes nicht unterdrückt, kann sich meines Wissens auch leichter und tiefer in andere Menschen einfühlen, wird empathischer. Nehme ich zu meinem eigenen Herzen mitfühlend immer engeren Kontakt auf, fällt es mir auch leichter, einen anderen Menschen so zu akzeptieren, wie er ist. Lerne ich meine dunklen Seiten, meinen tiefsten Schmerz immer besser kennen, so wächst mein Verständnis für den anderen und seine „Abgründe“. Zwischenmenschliche Schwierigkeiten treten oft dann auf, wenn wir in Bezug auf den anderen oder unsere Beziehung eine genaue Vorstellung haben, wie dieser bzw. diese aussehen sollte. Die Beziehung hat hier die Chance, in und an solchen „Grenzmomenten“ zu wachsen, tiefer zu werden, oder aber es trennen sich Wege vorrübergehend oder ganz.

Wenn eine deiner Werte mit denen deines Beziehungs-Gegenübers – Partner, Freund, Kollege – in Konflikt gerät, kann dies Stress erzeugen. Wünschenswert wäre es meines Erachtens, wenn beide Parteien akzeptieren könnten, dass jeder das Recht hat, der zu sein, der er ist. (Während ich den letzten Satz schreibe kommt mir der mich seit Tagen enorm bewegende Berlin-Anschlag in den Sinn und ein Teil von mir zweifelt extrem an dieser Aussage).

Wahrhaftige, tiefe Begegnung bedarf meiner Erfahrung nach des Mutes und der Ehrlichkeit: Lege ich meine Wahrheit möglichst offen auf den Tisch und formuliere meine Werte und ihre konkrete Bedeutung so klar wie möglich, können sich Missverständnisse auflösen.

Was ich auch lerne: Antworten finde ich stets in mir. Habe ich beispielweise einen Konflikt mit einem anderen, kann ich mich sehr auf diesen anderen, seine Fehler und Unzulänglichkeiten konzentrieren und mich immer weiter in das Beziehungsdrama einschwingen. Wirklich helfen wird es mir nicht. Ich darf mich stattdessen fragen: Was soll ich hier lernen? Was ist in mir noch nicht bereinigt? Und auch: Was darf ich getrost- und möglichst mitfühlend –  beim anderen lassen, was gehört nicht zu mir?

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein schönes, gesegnetes Weihnachtsfest!

 

Herzlichst, Carolin

 

Ehrlich direkt – direkt ehrlich

Hände2Seine Wahrheit auszusprechen erfordert Mut. Darf ich das sagen? Wie kommt es an? Bin ich zu keck, zu kühn?

Ich mag Menschen, die sich trauen, ehrlich zu sein, die sich in direkter Ehrlichkeit, ja, auch in ehrlicher Direktheit üben. Ich lerne mehr und mehr, dass klare, nicht verurteilende selbstverantwortliche Ehrlichkeit nicht im Widerspruch stehen muss zu einer einfühlsamen Kommunikation. Selbstverständlich stolpern wir dabei, schießen auch mal über’s Ziel hinaus oder stoßen das Gegenüber vor den Kopf. Ich finde mittlerweile: Das darf auch sein. Wer übt, macht Fehler, oder besser: Erfahrungen. Ich übe und lerne lieber, als dass ich mich nicht vom Fleck bewege und etwas aus Angst vor Ablehnung zurückhalte, etwas, das sich zeigen will (uns das sich dann evtl. nonverbal oder in einem anderen Kontext verstärkt zeigt).

Mein größtes Bedürfnis ist es, mich integer und versöhnt mit mir selbst zu fühlen. Wenn wir denken oder sagen “Ich möchte dem andern aber nicht weh tun!”, so haben wir doch meist Angst vor dem eigenen Schmerz, der durch die Reaktion des Gegenübers ausgelöst werden könnte. Wir umschiffen eine unangenehme Lage zugunsten der eigenen Ruhe, nicht der des anderen. Ja, meist. Es gibt aber auch das Bedürfnis in mir, aus Empathie zu schweigen, dem anderen Kummer zu ersparen – auch aus Respekt vor der Selbstbestimmtheit des Gegenübers bzw. dessen Seele, die am besten weiß, was für sie dran ist und was noch nicht.

Immer stärker jedoch meldet sich der Impuls, frank, frei und laut zu denken, mit meinen Worten mitunter auch zu irritieren, anzuecken. Feste Denkmuster, vor allem die meinen, zu lockern, auf den Kopf zu stellen. Dinge zu benennen, die wohlmöglich unpopulär oder schwer verdaulich sind. Die eigenen Widersprüchlichkeiten und Ambivalenzen nicht nur wahrzunehmen, sondern sie auch mal aus sich herauspurzeln zu lassen.

Ich möchte mich trauen, viel häufiger und klarer “Nein” zu sagen, wenn ich ein “Nein” in mir wahrnehme. Wer es wagt, an den für ihn richtigen Stellen deutlich “Ja” oder “Nein” zu sagen, riskiert etwas, riskiert zu enttäuschen, evtl. selbst verletzt zu werden. Meine Erfahrung zeigt mir: Es gibt keine echte Nähe ohne Verletzlichkeit. Erlaube ich mir selbst, mich stark berühren zu lassen, so schenke ich auch dem anderen die Freiheit selbiges zu tun.

A propos Freiheit: Ich fühle mich pudelwohl, wenn andere mich freilassen, zunächst einmal lauschen, was ich zu sagen habe. Auch ich versuche, den anderen zu lassen, möglichst nicht gleich meine Schublade zu öffnen und zu schließen und davon auszugehen, dass das was für mich gut und richtig ist auch für den anderen so sein muss. Dies erfordert Aufmerksamkeit und Geduld, vor allem mir selbst gegenüber. Manchmal tun wir auch gut daran, ein Gespräch zu beenden, auch das ist ehrlich. Wenn wir uns manipuliert und in die falsche Ecke gedrängt, oder schlicht dann, wenn wir uns zunehmend unwohl fühlen.

Ein Hoch auf ehrliche Worte – mit Anstand und Liebe!

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén