seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Schlagwort: Bedürfnisse

Immer schöner lieben

Woher weiß ich, dass ich gerade liebevoll mit mir selbst umgehe? Ich spüre es. Mich macht es weit, frei, wohlig. Und ich es spüre es, wenn ich ehrlich bin, auch genau, wann dies nicht der Fall ist: Wenn ich über einen allerersten, körperlichen Impuls, ein klares Ja oder Nein, “drüber bürste” und mir mein Verstand etwas anderes einbläuen will.

Liebevoll mit mir selbst umgehen hat für mich damit zu tun, dass ich mich nicht schuldig fühle, wenn es mir gut geht oder ich Freude am Leben habe. Es zeigt sich dann, wenn ich mir das Recht zugestehe, glücklich zu sein, auch wenn die Menschen in meiner Umgebung gerade nicht so gut dran sind oder sich unglücklich fühlen. Wenn ich es schaffe, um Hilfe zu bitten – was mir nicht immer leicht fällt, so weiß ich: Dies ist ein Moment, in dem ich mir Liebe schenke.

Mein Bruder sagt, ich baue ihn immer so schön auf. Das mache ich von Herzen gern, und gleichzeitig erlaube ich mir auch, wenn er sich ein Telefonat mit mir wünscht, „Nein, heute nicht, doch gerne ein andermal“ zu erwidern. Das hätte ich mir vor einigen Jahren noch nicht zugestanden. Seine eigenen Bedürfnisse hin und wieder hintan zu stellen, sich in den Dienst für den anderen zu stellen, können wunderbare und wichtige Erfahrungen sein.

Ich finde, es wird dann unangemessen und sowohl für mich als auch den anderen schwierig, wenn ich aus einem Pflicht- oder Schuldgefühl heraus agiere oder weil mich jemand entsprechend beeinflusst hat. Wenn ich hingegen das, was ich für andere tue, freiwillig und freudig tue – aus einer liebevollen Haltung zu mir selbst heraus, nimmt Liebe exponentiell zu. Ich lerne: Ich kann nur geben, wenn ich aufgefüllt bin. Alles was ich an Überfüllung habe, kann ich dann rausgeben. So stelle ich mir immer wieder die Frage: „Was würde ich jetzt tun, in diesem Augenblick, wenn ich mich selbst wirklich lieben würde?“

Schöne, nackte Liebe erfahre ich, wenn ich mich aufrichtig für andere freue, wenn diese neue Seiten an sich entdecken oder in irgendeiner Form wachsen – und ich keine Angst habe, wie sich das auf mich auswirken könnte. Manchmal schäme ich mich im Nachhinein, wenn ich einer mir nahstehenden Person gegenüber missionarisch aufgetreten bin („Dieser oder jener Schritt könnte dir auch gut tun!“) – meist dann, wenn ich selbst noch am Einüben neuer Muster war und dabei eher mich als den anderen im Fokus hatte. Oder es tut mir im Nachhinein leid, wenn ich zu hart, zu kritisch, verletzend war oder bin.

Doch sich wirklich selbst lieben heißt: Erkennen, dass offenbar genau dieses Verhalten zum jeweiligen Zeitpunkt das richtige war. Dass es meistens – auch wenn oft erst zu einem späteren Zeitpunkt erkennbar – aus einer Haltung von Liebe heraus geschah. Es musste so sein! Entwicklung läuft keinesfalls linear, hin und wieder stoßen wir eine geliebte Person vor den Kopf. Während wir uns neu erproben, schlägt das Pendel manchmal zu stark in eine Richtung aus, was auch für das Umfeld irritierend oder unangenehm sein kann.

Lieben, sich und andere heißt: Immer weicher werden, mit mir und anderen. Verletzlichkeit zulassen. Tränen lassen. Etwas lösen. Im Kern heißt Lieben für mich: immer mehr lassen. Für den anderen das zu wollen, was dieser für sich will, und ihn sein lassen, wer er wirklich ist – selbst wenn das bedeutet, ihn frei zu geben. Es heißt nicht, dass wir versuchen, ihn nach unseren Vorstellungen zu formen. Je mehr ich dies erkenne und lebe, umso schöner und reicher werden meine Tage. Ich kann aus mir heraus, unabhängig der äußeren Irrungen und Wirrungen, glückselig sein. Diese Erfahrung ist Gold wert. Und auch wenn’s pathetisch klingt: Je offener ich bin, um zu empfangen, umso stärker schüttet das Leben sein Füllhorn über mich aus.

Wenn jemand anders dich drängen will, zu tun, was er sagt, dann mache dir klar, dass dahinter vor allem seine Ängste stehen. Wenn ich in der Vergangenheit den Rat erhielt, „Geh damit doch mal zum Arzt“, ich tief in mir jedoch wusste, dass dies nicht der passende Schritt für mich war, so ließ ich mich entweder überreden oder ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich den Besuch beim Arzt vermied. Heute könnte ich in entsprechender Situation den Rat beim andern lassen, mich bedanken, dass er sich um mich sorgt, und gleichzeitig mit reinem Gewissen den für mich passenden Schritt wählen.

Eine für mich wichtige Voraussetzung einer lebendigen Beziehung ist die Haltung von: „Ich habe bereits alles, was ich brauche.“ Ich mache mir immer wieder bewusst: Ich bin nicht für die Gefühle und das seelische Wohlbefinden anderer verantwortlich. Je freier, unabhängiger und zentrierter ich werde, desto einfacher wird es für mich auch, immer tiefer und schöner zu lieben.

Ich schließe mit einem Zitat von Yogi Bhajan, das aus meiner Sicht nochmal betont, dass wir auch Fehler machen (dürfen), wenn und während wir lieben:

Es gibt drei Dinge im Leben zu tun: Lieben, Lernen und Leben. Nur zu lieben reicht nicht  – Liebe ist nicht alles. Wenn du nicht lernst, kannst du nicht lieben – du wirst Fehler über Fehler machen und durch eine Neurose nach der anderen gehen. Liebe, lerne und lebe!”

An manchen Tagen

An manchen Tagen fühle ich mich schlapp und bedürftig: Gestern war mir nach Umarmt-Werden, mich fallen lassen, auch mal betüddelt werden. Von Herzen gern gebe ich viel Liebevolles nach (dr)außen – auf der Arbeit mit meinen Klienten, in privaten Feldern. Ich glaube, nach außen transportiere ich das Bild einer starken, wachen Frau, die gut für sich selbst sorgen kann. Diese Frau bin ich auch, doch natürlich nicht nur und immer.
Wenn wir unsere Wünsche auch aussprechen, stehen die Chancen gut, dass Menschen, die uns sehen und lieben auch unseren Bedürfnissen entsprechend reagieren. Und was immer hilft: wertschätzend mit sich selbst zu kommunizieren und sich zu umarmen, mit allem, was gerade da ist.

Sich dem Partner nähern

Von Jens Corssen, Verhaltenstherapeut und Spezialist für mentale Selbstführung, stammt der Satz “Die Beziehung ist kein Erlösungsort”. Sprich: Dein Partner ist nicht dafür zuständig, deinen Mangel an Glück, Zufriedenheit, Erfülltheit auszugleichen. Dein Partner ist nicht dafür da, dich von Leid zu befreien, dich aufzufüllen. Letztere sind deine Aufgaben. Darüber hinaus soll und darf es natürlich auch Spaß machen, die Freude deines Partners, deines Gegenübers generell, zu mehren. Den anderen dabei zu unterstützen, Glück zu erfahren, sich als selbstwirksam zu erleben.

Corssen meint, wenn du bei dir anfängst, dich selbst entwickelst, laufe die Beziehung. Ich gebe ihm dahingehend recht, dass wir das Glück des anderen steigern können, wenn wir uns selbst in eine gehobene Gestimmtheit bringen, wenn wir schlicht dafür sorgen, dass es uns gut geht, dass unsere Bedürfnisse erfüllt sind – auch ohne, dass unser Partner uns dabei behilflich ist. Was nicht heißt, dass wir uns nicht selbstverständlich vom anderen wünschen können, er möge uns ein bestimmtes Bedürfnis erfüllen. Das Sich-Selbst-Entwickeln kann natürlich auch Unruhe in die Partnerschaft bringen. Oft höre oder lese ich den Satz, bei dem ich schmunzeln muss:“Mein Mann ist so unspirituell, ich habe mich viel mehr entwickelt als er.” Das mag die eine oder andere so empfinden. Auch ich kenne den Gedanken oder auch die Angst in mir,  über andere hinauszuwachsen. Was sowieso nie voll umfänglich geschieht, sondern meist nur in einem Bereich.

 

Wenn ich möchte, dass die Beziehung wieder blüht, muss ich in mich selbst investieren, meinen eigenen Energielevel heben. Mein Mann und ich haben in letzter Zeit sehr spannende Gespräche geführt und tiefe, innige Momente geteilt. Ich merke: Auch wenn ich mich in den letzten Jahren sicher verändert und entfaltet habe, und auch wenn er nicht jede Welle mitsurft, so finden wir doch immer wieder zusammen. Manchmal auf Umwegen: Wir sprechen zum Beispiel selten über meine Blogtexte (da ich auch kritikempfindlich bin, und mein Mann ein großer wenn auch feinsinniger Kritiker ist;-)), finden dennoch auch in meinen (Blog-) Themen zueinander, diskutieren, tauschen uns aus, reflektieren gemeinsam. Mittlerweile teilen wir sogar das Kundalini-Yoga, welches mein Mann bisher durchaus interessiert, doch nicht praktizierend an meiner Seite verfolgte. Darüber freue ich mich natürlich besonders.

 

Und was ich auch lerne: Es bringt nichts und kann sogar nach hinten losgehen, wenn ich versuche, dem anderen meins überzustülpen, ihn wohlmöglich zu missionieren (“Jetzt mach das doch auch mal so!”, “Dies oder jenes würde dir so gut tun!” o.ä.). Ich glaube, was wirklich überzeugt, ist das was du selbst tust in deinem Leben – für dich, für andere, den anderen freilassend in dem was er tut. Eine starke, schöne Präsenz zu haben, in seine Kraft zu kommen, sich selbst zu bemuttern, Liebe ins Feld einzuspeisen – das ist meines Erachtens der größte Gewinn für alle. Da mag der andere auch gerne folgen, vorausgesetzt er fühlt sich durch dich inspiriert, traut sich selbst, zu wachsen.

 

Eine schöne Partnerschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ich mich so sicher fühle, dass ich mich entspannen kann, und mich gleichzeitig so frei fühle, dass ich mich entfalten kann. Ich möchte mir selbst immer wieder fremd werden, und ich lade auch die Fremdheit des anderen ein, sich mir zu zeigen. Denn Beziehung braucht stets beides, wenn sie lebendig bleiben soll – Vertrautheit und Fremdheit. Und sollte der andere mal plötzlich zu fremd werden, hilft Humor ungemein.

 

Es gab viele Momente in den letzten Wochen, in denen ich mich getraut habe, mich meinem Mann gegenüber auch mit schambesetzten Themen zu öffnen. Von mir zu erzählen, Worte auszuspucken und währenddessen wahrzunehmen, dass mir heiß wird, dass da alte Ängste hochkommen, dass ich gerad selbst nicht weiß, wie ich mich finde. Und zu erleben: Auch das geht, ist möglich, der andere ist immer noch da, und nicht nur das: Er ist ganz präsent, hört wirklich zu. Im Anschluss an solche Momente fühlen wir uns oft sensibilisiert und gleichzeitig tief gestärkt. Auch teilen wir unserem Unbewussten, unserem ganzen System mit: Wir stehen wirklich für uns ein und leben Integrität, leben unsere WerteEhrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut zum Beispiel. Wir reden nicht nur davon, dass diese und jene unsere Werte sind, sondern lassen Taten folgen, auch wenn’s unbequem wird.

 

So begebe ich mich also wie wir alle jeden Tag auf die Übungsmatte des Lebens, experimentiere und halte es mit Goethe:

“Und so lang du das nicht hast, dieses Stirb und Werde,

bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.”

Gehabt Euch wohl, schöne Tage, Raunächte, schönes Einkehren & einen wunderbaren Start ins neue Jahr!

Herzlichst, Carolin

 

 

Selbstliebe und gesunder Egoismus

Der dieser Tage fast inflationär gebrauchte Begriff Selbstliebe lässt die einen an etwas Erstrebenswertesdie Grundlage allen Seins, aller Beziehungen denken; die anderen wiederum assoziieren schnell und meist unreflektiert Egoismus mit diesem Begriff, etwas „das man nicht haben darf“.

Insbesondere christlich geprägte Frauen-Generationen unserer Mütter und Großmütter hatten mit Selbstliebe wenig am Hut: Es ging eher um’s Schaffen, die Familie-Zusammenhalten, Funktionieren, Sich-Zurückstellen. Heute, in einer Zeit, in der jeder scheinbar alles sein oder verwirklichen kann, in der wir hierzulande materiell sehr gesättigt sind und es oft um das Befriedigen schnellen, hedonistischen Glücks geht, rückt die Selbstliebe immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Was ist dran an der Selbstliebe, inwieweit hilft und fördert sie uns? Und warum haben wir solche Angst davor, egoistisch zu sein bzw. als egoistisch zu gelten, wenn wir uns um uns selbst kümmern?

Es ist offenbar unrühmlich, egoistisch zu sein. Veit Lindau brachte kürzlich in einem Interview auf die Frage, wie man Menschen klar machen könne, dass Selbstliebe eben nichts mit Egoismus zu tun habe, die kühne Antwort: Es habe miteinander zu tun, Selbstliebe sei egoistisch. Und weiter – diese Worte bringen Klärung:

Gesunder (!) Egoismus sei seines Erachtens Pflicht – es stelle sich also die Frage: „Wie kann ich Egoismus gesund etablieren und weiter entwickeln?“ Wie kann ich von einer Egozentrik, im Übrigen eine wichtige Entwicklungsphase in der Kindheit, in eine “Ethnozentrik” kommen, wo ich anfange, auch immer mehr die anderen mit einzubeziehen – sich weiter entwickelnd in eine „Welt- bzw. Kosmo-Zentrik“, in der ich beginne, alles zu sehen? Interessante Fragen.

Da ich Lindaus Ansicht zum Thema „Selbstliebe“ teile, hier ein schönes Zitat:

„Gesunde Selbstliebe schafft immer Raum für andere Menschen. Ich entspanne mich. Und sehe Menschen um mich herum. Mehr Mitgefühl entsteht.“

Ich glaube, darum geht es: sich zunächst selbst aufzufüllen – mit dem, was ich brauche, insbesondere Liebe, aus dieser Fülle heraus durchflutet zu sein mit Leben und ein „Mehr“ an Energie auch für andere einzusetzen. Meine Intuition immer wieder zu fragen: „Was brauche ich gerade?“. Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen anstelle still und heimlich zu erwarten, der andere möge dies oder jenes tun und merke doch, was man selber wolle. Ganz ehrlich: Eine solche Erwartungshaltung, ein solches Verhalten nervt schlicht! Du kannst dich darin üben, Dinge aus innerer Klarheit und einem reinem Gewissen heraus zu sagen, zu begründen anstelle zu rechtfertigen.

Diese Haltung der Selbstliebe bzw. -fürsorge hat nichts mit Ellenbogen-Egoismus oder gar Narzissmus zu tun, im Gegenteil: Menschen mit einem ausgewogenen, gesunden Egoismus sind meiner Erfahrung nach entspannte Zeitgenossen. Wenn jemand von sich behauptet, nein, er sei nicht egoistisch, sondern denke in erster Linie an andere, so kann man sich fragen: Ist dieser jemand nicht genauso egoistisch, wählt jedoch eine andere Strategie um auf diesem Wege Anerkennung zu erhaschen?

Ich glaube fest daran: Wir haben alle mehr voneinander, wenn wir gut für uns und unsere Gesundheit sorgen, mit dem was wir lieben erfolgreich sind und diese Gaben großzügig teilen. Wenn wir unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten zum Wohle anderer einsetzen.

Falls du Angst oder Bedenken haben solltest, gegenüber einem anderen, um Hilfe oder einen Gefallen bittenden Menschen ein „Nein“ auszusprechen hilft der Gedanke: „Ich bin mit meinem „Nein“ nicht egoistischer als mein Gegenüber, das meine Hilfe erbittet.“ Ich darf und muss oft auch „Nein“ sagen. Was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass du nicht um Hilfe bitten sollst. Vielleicht dürfen wir alle mit der Zuschreibung „egoistisch“ etwas freundlicher und milder umgehen und uns selbst auch eine angemessene Portion Egoismus zugestehen.

Eine Erfahrung aus meiner Yoga-Praxis ist: Je stärker meine Ausstrahlung, meine Aura ist, umso stärker strahlen meine Bedürfnisse nach außen und werden mir oft von meinen Mitmenschen erfüllt.

Ich versuche immer mehr, Situationen zum Wohle aller Beteiligten zu lösen – zu meinem Wohl und zu dem meines Umfelds. Was paradox klingt und natürlich nicht immer gelingt ist doch möglich, wenn wir unseren Geist dehnen und neue Gedanken denken, neue Ideen entstehen lassen. Es müssen und können auch nicht stets alle Bedürfnisse aller auf einmal erfüllt werden, doch ich kann mit gewissem Weitblick Situationen so gestalten, dass möglichst viele auf ihre Kosten kommen, frei nach dem Motto: „Heut bin ich dran, morgen du – oder umgekehrt.“

 

Erfolg-Reich

image-jpeg-attachmentIch habe heute Lust, über Erfolg zu schreiben. Nicht zuletzt inspiriert durch das Buch „Werde verrückt von Veit Lindau („Wie du bekommst, was du wirklich-wirklich willst“) mache ich mir momentan Gedanken darüber, was Erfolg für mich bedeutet. Ich meine – wie wahrscheinlich jeder automatisch – den konstruktiven Erfolg, der einen voranbringt. Dass man sich natürlich auch erfolgreich selbst sabotieren kann, lasse ich im Folgenden außer vor. Im Grunde sind wir alle jeden Tag 100%ig erfolgreich, fragt sich nur wie bewusst und in welcher Richtung.

Mir wird immer bewusster, dass mich Erfolg im Sinne von „Karriereleiter empor und viel Besitz Anhäufen“ wenig bis gar nicht tangiert. Erfolgsattribute wie Besitz und Macht – im Sinne von: „in einer hohen Position“, diverse Untergebene unter sich – werden in unserer Gesellschaft von vielen als erstes angeführt, wenn sie „Erfolg“ hören. Dies entsprach aus meinem Erleben auch nicht dem „Erziehungsauftrag“, den Werten meiner Eltern. In meiner Herkunftsfamilie war oder ist niemand „überdurchschnittlich erfolgreich“ – im oben beschriebenen bzw. “landläufigen” Sinne; in unserer Großfamilie wiederum schon, interessanterweise.

Entscheidend ist meines Erachtens die Frage: „Was bedeutet Erfolg für mich persönlich?“

Für mich ist Erfolg in erster Linie die Gestaltung eines gelingenden Lebens, ein Leben in Fülle und Dankbarkeit, das ich voll ausschöpfen kann und in dem ich einen hohen Grad an Selbstbestimmung, ja an Freiheit, leben darf. Erfolg bedeutet für mich, ein Leben meinen Werten und Bedürfnissen entsprechend zu gestalten – Felder zu kreieren, in denen ich “erblühen” und optimal dienen kann, mir und anderen. Immer mehr so zu leben, dass alles leicht und natürlich geschieht. Ich glaube, dass jeder weiß, wie sich (sein) Erfolg anfühlt.

Ich fühle mich erfolgreich, wenn ich auf vielen “Kanälen” schöpferisch tätig sein, mich ausdrücken kann, wenn ich spielend leicht Dinge bewerkstellige. Meine Gaben und Talente erkunde und diese zur Blüte bringe. Ich spüre Erfolg, wenn ich mit meiner Schwester und unserer Musik die Zuhörer selig stimmen kann, ein Klient in einer Musiktherapiestunde etwas Neues erfahren durfte oder die Stunde zufrieden verlässt.

Reich an Erfolg fühle ich mich, wenn ich den Mut aufbringe, mich in unbekanntes Terrain zu wagen oder Träume beginne zu leben. Diesen Blog ins Leben gerufen zu haben und darüber immer mehr Resonanz zu erfahren bedeutet Erfolg für mich. Mich nun tatsächlich zur Yogalehrerin ausbilden zu lassen entspricht voll meinem Bild von Erfülltheit und Erfolg, unabhängig davon, wie konkret es weiter geht, ob ich tatsächlich einmal unterrichten und Schüler um mich scharen werde.

Und ich werde mir immer klarer darüber, dass Erfolg auch mit Disziplin zu tun hat – Disziplin nicht im Sinne von Gehorsam, sondern Disziplin als schrittweises Dranbleiben, als ein Üben und mich dem Unterordnen, was ich für wesentlich halte. Yogi Bhajan sagte, Disziplin mache dich kreativ. Nach spätestens 20 Tagen innerhalb einer sich 40 Tage lang wiederholenden Meditation habe ich meist keinen Bock mehr – und bleibe in der Regel dennoch dran. Die Erfahrung ist Gold wert, und ich ernte am Schluss viele Früchte.

Erfolg zu leben bedeutet für mich, als Mensch sichtbar(er) zu werden, aus mir heraus zu leben, zu wachsen, an Tiefe und Reife zu gewinnen.

So ganz kann man das liebe Geld ja nun auch nicht herausnehmen aus der „Erfolgsgleichung“: Natürlich fühlt sich ein Leben, in dem ich – auf vielen Ebenen – satt werde, mir etwas gönnen oder leisten kann und nicht jeden Cent umdrehen muss, leichter und angenehmer an. Ökonomischer Erfolg ist nicht unerheblich. Und selbstverständlich hat ein jeder hier unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche. Unser persönlicher „Luxus“ ist gutes (Bio-) Essen. Und meine ganz persönliche Präferenz ist die Möglichkeit zu verreisen, mobil zu sein, mir mehrmals im Jahr eine Ferienwohnung leisten zu können. “Freude ist die Essenz von Erfolg” stand heute morgen auf meinem “Teebeutel-Fähnchen”. Da ist was dran.

Was macht für Euch Erfolg aus? Wie fühlt sich dieser an? Ich freue mich über Austausch!

Einfach machen!

Raus aus der KomfortzoneIn letzer Zeit spüre ich zunehmend Lust und Gefallen daran, neue Wege zu gehen. “Great things never came from comfort zone.” Da ist was dran. Ich erlebe es stets als Zugewinn – wenn nicht unmittelbar, dann jedoch längerfristig – mich aus dem Gewohnten herauszubewegen.

Da ist stets das große Bedürfnis nach Sicherheit in uns, und gleichzeitig wollen wir wachsen – beide Bedürfnisse dürfen, ja müssen meines Wissens, erfüllt werden. Manchmal katapultiert uns das  Leben heraus aus dem, was immer war, was wir schon immer dachten oder taten. Hin und wieder schmeißen wir selbst uns ins Ungewisse – aus Neugier, aus Lebenslust.

Dieser Blog, diese Form des Sich-Sichtbarmachens, Farbe-Bekennens ist neu für mich. Es ist für mich auch spannend zu beobachten, wie mein Umfeld reagiert: Mit zahlreichen Menschen erlebe ich einen Zuwachs an Nähe. Es ist, als würden durch meinen Mut zur Klarheit, zum Sichtbarwerden, den ich mehr und mehr lebe, auch Menschen näher an mich heranrücken, die ähnlich ticken. Oder als würden viele sich freuen, mich nun “ganzer” zu sehen. Andere wiederum sind wie ich vermute irritiert, können mit dieser Form – Gedanken in einem Blog zu manifestieren – gegebenenfalls nichts anfangen oder haben eventuell (noch) nicht den Mut zur Klarheit. Manche halten sich ganz zurück – sicherlich aus ganz unterschiedlichen Gründen oder bestimmten Lebenssituationen heraus resultierend.

Jetzt im Mai diesen Jahres findet mein erstes Ausbildungswochenende zur Kundalini-Yogalehrerin statt. Ich träume schon länger davon, diese Ausbildung zu machen. Doch da war und ist auch die Angst, mir kamen Fragen: “Wird es mir nicht zu viel, mit Job und Familie? Bin ich dem (körperlich) gewachsen? Wie erlebe ich die Veränderungen, die dieser Weg zweifelsfrei in mir hervorrufen wird?” Meine Yogalehrerin reagierte auf meinen Wunsch mit den Worten “Einfach machen!” Das fand ich gut – und dachte: Dies könnte ein Lebensmotto werden.

Als ich das erste Mal singend und nicht klavierspielend auf einer Bühne stand ging mir ganz schön die Pumpe – hinter dem Piano kann ich mich gut verstecken, wenn mir danach ist, das Körperinstrument Stimme hingegen macht mich ein Stück nackt.

Das Neue in sein Leben einzuladen kann echt ne feine Sache sein. Ich werde mir selbst ein Stück fremd und staune wieder häufiger. Ich traue mich Gedanken zu denken, die mich vor einiger Zeit noch mit Irritation, Scham oder Widerwillen erfüllt hätten. Ich spreche meine Wahrheit immer häufiger aus und erlebe, wie Ehrlichkeit mich zunehmend freier macht.

In den letzten Monaten war ich, ausgelöst durch den Tod meines Vaters, häufig mit dem Thema Tod beschäftigt. Ich hatte auch den Eindruck, ständig starb irgend jemand aus Politik- & Promiwelt: Genscher, Westerwelle, Roger Cicero, Prince… Das hat mich bewegt und mich wieder einmal mehr mit dem Faktor Zeit auseinandersetzen lassen. Dass Sterbende laut diverser Studien am meisten das bereuen, was sie nicht getan haben, ist wahrscheinlich allseits bekannt. Entsprechende Konsequenzen für sein eigenes Erdenleben daraus zu ziehen, steht wiederum auf einem anderen Blatt. Ich spüre für mich: Ich möchte (am Ende) nicht nur sicher durchkommen, sondern voll geöffnet werden.

Wenn Ihr das nächste Mal nicht wisst, “Soll ich oder soll ich nicht?”, der Gedanke ans Tun jedoch eine unbestimmte Freude, einen Kitzel auslöst – ich würde sagen: “Einfach machen!”🙂

 

Nein zum Rumeiern

Nein-SagenEin Nein auszusprechen tut uns gut. Es tut nicht nur gut, es ist oft auch bitternötig. Gerade wir Frauen haben offenbar ernorme Schwierigkeiten, “nein” zu sagen. Im Augenblick des Aussprechens und Momente zuvor spüren wir Ängste – zum Beispiel die Angst davor, abgelehnt zu werden und Erwartungen nicht zu entsprechen.

Auf meinem im Oktober 2015 besuchten Frauen Yoga Camp in der Lüneburger Heide (“Frauen feiern Kundalini-Yoga”) kamen wir diesem Nein auf die Spur. Uns wurde klar, dass wir ein deutliches “Nein zum Rumeiern” verspüren:

Nein zu Unklarheit, Nein zum Ducken, zum Ausweichen, ja, wenn ich es für sinnvoll erachte auch ein Nein zur Etikette (“das macht man so”, “das gehört sich so”, “das wird so erwartet”). Was letzteres betrifft: Ich glaube nicht, dass “Authentizität um jeden Preis” immer und überall stimmig ist. Hier versuche ich es mit Friedemann Schulz von Thun zu halten, welches er für entscheidend hält, “der Wahrheit der Situation angemessen” zu handeln (Spiegel Wissen: “Versteh mich nicht falsch! Erfolgreiche Kommunikation in der Liebe, im Beruf, in der digitalen Welt”, 2015, S. 14).

Ein Nein nach Außen bedeutet in der Regel ein Ja nach Innen: zu mir. Ein Ja zur Klarheit meines Wollens und meiner Bedürfnisse, auch meiner Grenzen. Selbstverständlich ist auch hier nicht gemeint, dass wir nun nur noch mit ausgefahrenen Ellenbögen nein brüllen oder jegliche Hilfe verwehren. Ich glaube, wir wissen selbst, wann ein Nein angezeigt ist, wenn wir ganz ehrlich nach innen schauen und spüren. Wir können trainieren auf uns zu achten und “nein” zu sagen.

Das denke ich häufig: Im Grunde kenne ich ganz oft meine Wahrheit, im Grunde weiß ich in vielen Momenten, was gerade Sache ist. Das auch nach außen zu transportieren und zu leben ist nicht immer leicht. Vieles wiederum kann so einfach sein: Wenn wir uns wünschen, umarmt zu werden, reicht es zu sagen: “Ich möchte jetzt gerne umarmt werden.” Sätze an den Partner gerichtet wie zum Beispiel “Eigentlich müsste man jetzt die Wäsche aufhängen” sind total Banane und helfen niemandem!

Ich übe es: klar, schnörkellos und direkt zu transportieren, was ich sagen will, möglichts positiv ausgedrückt. Wünsche statt Forderungen zu formulieren. Emotionen zu zeigen und den Körper dabei entsprechend zu bewegen.

Oder auch mal zu schweigen in Momenten, in denen ich normalerweise kommentiere, mich erkläre, rechtfertige. Das A und O ist meines Erachtens langes, tiefes Atmen. Jemand will etwas von mir? Atmen. Ein. Aus. Wenn ich dann ein deutliches Nein in mir wahrnehme tu ich gut daran, dieses auch auszusprechen.

Was ich auch lerne: immer häufiger zu sagen “Ich weiß es gerade nicht. Sobald ich’s weiß, lass ich’s dich wissen.” Eine schwere Nummer. Hier heißt es aushalten. Aushalten, dass ich tatsächlich gerade keine Antwort parat habe, und auch in Kauf nehmen, dass ich mein Gegenüber gegebenenfalls irritiere, es dem anderen eventuell nicht so schmeckt oder er etwas anderes von mir erwartet.

“Nein, dafür gebe ich jetzt nicht meine Aufmerksamkeit.” Oder: “Nein, ich gehe diesen Pfad jetzt nicht entlang.” Gedanken bzw. Sätze, die ich für enorm wichtig halte.

Auf dem Yoga-Camp kamen wir auch auf das Thema “Wie verhalten in Situationen, in denen andere lästern?” zu sprechen. Ich kenne das auch: Es wird destruktiv über Dritte geredet, und ich fühle mich dabei meist unwohl, eng, unruhig. Natürlich müssen wir uns auch hin und wieder bei einer engen Freundin über eine Situation oder jemanden auskotzen. Das passiert und ist menschlich. Einmal raus damit, und dann ist auch wieder gut.

Ich spreche von Gruppensituationen, in denen oft unschön über nicht Anwesende gesprochen wird. Auch hier spüre ich ein “Nein” – ich mag nicht mitmachen. Mache ich es dennoch, vielleicht in der Art “Der oder die ist doch eigentlich ganz ok” bediene ich dieses System “Täter-Opfer-Retter”, wie es in meiner Yoga-Runde formuliert wurde. Die Kunst kann auch einfach darin bestehen, nichts zu sagen und lang und tief zu atmen, kein Feuer in die Situation zu geben. Im besten Fall hört das Lästern nach einer Weile auf. Ich werde es beim nächsten Mal ausprobieren, da ich bislang auch noch keinen für mich stimmigen Weg gefunden habe.

Die kleinen und großen Neins helfen mir und langfristig auch meinen Mitmenschen. Am Anfang steht wie gesagt oft die Angst vor Ablehnung, vor Isolation. Doch es folgen in der Regel Klarheit und Respekt – mir selbst gegenüber und auch Respekt des jeweils anderen mir gegenüber.

Klare Kommunikation erschafft klare Beziehungen.

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