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Erlebtes & Belebendes

Kategorie: Selbstfürsorge (Seite 2 von 3)

Vom Wachsen

Sich-EntfaltenHeut behandle ich ein schönes Thema: Es geht um’s Wachsen, um unser menschliches Bedürfnis nach Wachstum – Entwicklung, Lernen, Selbsterkenntnis. Wir alle drängen darauf, uns auszudehnen und Neuland zu betreten.

Ich habe lange Zeit nicht verstanden, weshalb ich mich immer wieder frustriert fühlte. Ja, Frustzustände sind mir sehr bekannt, dieser Tage deutlich seltener – dazu gleich mehr. Nun ist mir klar, dass sich in diesen Zuständen ein „Schöpfungsstau“ zeigt. Ich bin jetzt umso glücklicher darüber, viele Kanäle gefunden zu haben, um all meine Kräfte, Erkenntnisse & Ideen zum Ausdruck, auf die Straße zu bringen. Ich bin sehr gerne Mutter und Musiktherapeutin, doch ich bin auch liebend gerne noch vieles mehr: Jetzt, da ich beispielsweise zu schreiben angefangen habe, da ich in der Kundalini-Yogalehrer-Ausbildung tief in diese Technik des Bewusstseins eintauche und mich weiterentwickle, besucht mich der Frust deutlich seltener.

Ich glaube, ich habe mich lange Zeit auch selbst beschränkt, wie viele von uns: Ich habe mich von meiner oberen Grenze einschüchtern, ja begrenzen lassen. Zum Beispiel hatte ich oft Angst – und habe sie immer noch – mich mit sehr persönlichen Gedanken, ja auch mit klaren Standpunkten zu zeigen. Auch war mir nicht nur wohl dabei, mich voll und ganz zur „Kundalini-Yogini“ zu bekennen, wohlmöglich eines Tages noch Turban zu tragen – die Leute könnten denken, ich hab‘ nicht alle Latten am Zaun.

Nun weiß ich: Wachsen und Sich-Entfalten sind lebensnotwendig und wichtig. Wenn wir es nicht freiwillig tun, schüttelt uns das Leben hin und wieder ordentlich durch, manchmal auch auf sehr unangenehme Weise. Ich möchte mich nicht mit Immer-Gleichem, mit einem auf ein bestimmtes Niveau eingependelten Maß an Lebendigkeit zufrieden geben. Oft habe ich den Eindruck, viele Erwachsene schrauben ihr Level an Lebendigkeit herab und zeigen je nach Kontext nur ausgewählte Facetten ihres Erwachsenen-Ichs – sich möglichst auf sicherem, gesellschaftlich akzeptiertem Terrain bewegend: um nicht (negativ) aufzufallen, das Umfeld nicht zu nerven, nicht anzuecken, um nicht als überheblich, größenwahnsinnig, zu sehr nach den Sternen greifend rüberzukommen. Eine obere Grenze an Gedankenfreiheit und Freude liegt bei den meisten Erwachsenen sicherlich weit unter dem, was sie als Kind erfahren haben.

Doch mal ehrlich: Was soll das? Aus welchem Grund sollte ich mein schöpferisches Potential nicht optimal für das einsetzen, was ich liebe? Ich freue mich für mich, dass ich nun immer mehr meine Spur aufnehme, und ich freue mich auch für andere, wenn sie von der Bremse gehen, sprich in ein Leben hineinwachsen, auf das sie richtig Bock haben. Mir ist klar, dass nicht immer alles und nicht alles für jeden möglich und greifbar ist. Mir ist ebenso klar, dass es – je nach aktueller Lebenssituation – tausend Sachzwänge geben kann, die einem das Voranschreiten erschweren. Und mir ist auch bewusst, dass es extrem viel leidvolles und gebeuteltes Leben und sehr unterschiedliche (Start-) Bedingungen gibt. Und dennoch habe ich den Eindruck, dass der Großteil in unserer Gesellschaft viel geübter darin ist, Probleme durchzukauen anstelle sich gegenseitig zu beflügeln und zu erheben.

Ich danke Euch für’s Lesen! Ein Hoch auf’s Wachsen!

Was meint Ihr?

 

Den Kontakt wieder finden – Klarheit auf meinem Weg

Heute kommt etwas Neues: Ich veröffentliche meinen ersten Gastbeitrag einer Leserin. Sie hat mir einen sehr persönlichen, erfrischend-inspirierenden Text zukommen lassen. Ich habe Lust, Menschen zusammenzubringen, auch unterschiedlichen Alters, sie anzuregen, sich klarer zu werden, wozu sie „Ja“ sagen im Leben, zu ermutigen, mutig(er) zu werden.

Nun überreiche ich Christina das Wort:

Baum Angkor WatKennst du nicht auch das Gefühl, verloren, verzweifelt, orientierungslos und verwirrt inmitten deines eigentlich relativ normalen Alltaglebens zu stehen? Oft tappt man selbst im Dunkeln, ich konnte lange Zeit selbst nicht begreifen, in welchen konfusen Gefühlszustand ich mich emotional manövriert hatte.

Irgendwann hat es Klick gemacht…Nun ja, irgendwann ist gut. Es gab viele Hinweise und Menschen auf diesem Weg und auch viele Versuche meinerseits den Kontakt zu mir (wieder?) zu finden. Ich habe es mehr oder weniger erfolgreich mit Yoga, Joggen, Fasten, veganem Leben versucht. Doch ich spürte nicht den Kontakt, den ich mir gewünscht hatte. Ich hatte nicht begriffen, dass es um etwas anderes geht: Um lebendige Essenz, um mein Leben. Dies wurde mir glasklar, als ich ein Buch von Veit Lindau durch schicksalhafte Fügungen in die Hand bekam und dort die Frage las: „Was ist, wenn alles möglich ist? Was ist wenn du jetzt schon alles sein kannst, was du dir wünschst? Was ist es, was du dir eigentlich wünschst?“

Ich begann darüber nachzudenken, was ich mir eigentlich wünsche und wer ich eigentlich sein möchte. Klingt nach einer banalen Freizeitbeschäftigung, doch tatsächlich ist es dies nicht: Ganz klar zu formulieren was man möchte, kann einen ganz schön unter Druck setzen. Man misst sich natürlich auch immer an dieser formulierten, „perfekten“ Vision im Alltag. Jeden Tag! Fast 30 Tage habe ich täglich daran gesessen, um dies herauszufinden und feile noch heute an vielen Themen. Nun steht sie formuliert auf Papier:

Ich sehe strahlend und gesund aus, leuchte von Innen vor Liebe, Attraktivität und tanze die Weiblichkeit. Ich liebe mich selbst und bin mit allem verbunden. Ich bin frei, selbst bestimmt, mutig und wage neugierig neue Schritte. Ich erlebe die Gegenwart als Chance, und kann schwierige Situationen akzeptieren und wieder loslassen. Ich bin voll im Kontakt mit mir, lebe im Jetzt, spüre meine innere Ruhe und habe Vertrauen in die Schöpfung. Ich lache, erlebe positiv, humorvoll, lebendig, leidenschaftlich-intensiv und dabei entspannt, was mich bewegt.

Eigentlich ganz auf meine Gefühle fokussiert, dabei intim formuliert, kann es so einfach sein? Meine Freundin, die als Psychologin arbeitet, lachte gestern, als ich ihr meine Vision vorgelesen habe. „Einfach“, meinte sie, „das sind die existenziellen und schwierigsten Themen des Lebens, Süße: Selbstliebe, Selbstwirksamkeit, innere Balance und unsere Gefühle“.

Seit ich meine Vision nun vor über 40 Tagen formuliert habe, passieren interessante, schicksalhafte Dinge in meinem Leben, möge man es nun mit Karma oder dem Gesetz der Anziehung erklären, das kann ich nicht rational beantworten, doch es passiert: Plötzlich kommt Klarheit, wo vorher Chaos war, ich spüre fließende Energie statt enge Grenzen in meinem Geist, durch tägliches Meditieren finde ich Kontakt zu meinem inneren Selbst und erlebe existenzielle Momente der Ruhe, Wahrheit und (Eigen-)Liebe.

Das klingt sehr nach einer „positive thinking“-Mentalität, doch das stimmt so nicht. Ich erlebe auch immer noch Rückschläge: Verzweiflung, Trauer, Ablehnung, Selbsthass und Angst sind Teil meines Weges, doch ich versuche sanft und mit frischem, „neugierigem Forschergeist“, die Gefühle anzunehmen und diese auszuhalten statt diese wie früher zu kompensieren oder zu übertünchen – sei es mithilfe von Alkohol, Zigaretten, emotionalem Essen, Beschäftigung mit fremden Problemen privat und beruflich. Ich kümmere mich das erste Mal in meinem Leben wirklich nur um mich und lebe von Innen nach Außen: Selbstzweifel sind durch die Eigenverantwortung für meine Gedanken verschwunden. Kann es so leicht sein? Ich glaube ja! Kann das Leben ein aufregendes Spiel sein? Ich bin ganz fest davon überzeugt, wenn wir es zulassen. Veit Lindau meint hierzu: Niemand weiß genug, um sich den Luxus von Pessimismus zu leisten, es ist immer mehr möglich.

Natürlich gibt es viele Baustellen in meinem Leben, die noch vor mir liegen und mir Angst machen. Doch ich sehe diesen mit mehr Mut, proaktivem Handeln und mehr Neugierde als früher entgegen, neue Möglichkeiten und Sichtweisen präsentieren sich auf meinem Weg. Auch wenn die Angst mich noch häufig besucht und mich zurück drängt, dahin wo es in mir selbst bisher immer gemütlich war.

Jeder Tag ist eine Entscheidung in unserem Leben, wir können nur im Jetzt unser Leben lenken, denn sonst konstruieren wir unsere Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart und Zukunft, jeder Mensch kann klar entscheiden, wer er sein möchte und was er erleben möchte. Permanenter Wandel gehört dazu, hinfallen gehört dazu: Unser selbst konstruiertes Gefängnis können wir nur selbst verlassen! Schreib deine Vision auf, träume dich frei!

chrissy.theodoridou@googlemail.com

Christina (33) arbeitet im Kultur-Marketing in München. Sie interessiert sich für alles, was mit Kommunikation zu tun hat. Am meisten bewegen sie die großen Lebensthemen: Selbstliebe, Selbstwirksamkeit und der tiefere Kontakt zum inneren Selbst. Sie liebt Humor, inspirierende Persönlichkeiten, Meditation, Natur, tolles Essen und ihren Freund, der sie auf allen Schritten begleitet.

Rat-Schläge

Strapazi gelbIch bin kein großer Fan von Ratschlägen. Vor allem ungefragten. Wenn ich konkret um eine (andere) Meinung bitte, verhält es sich anders – dann ist die Sicht, die Wahrnehmung des anderen durchaus erwünscht. Ich bin mir sicher, dass der andere es meist gut meint, es gut mit mir meint, wenn er mir vermittelt, was aus seiner Sicht gut für mich wäre.

Das Problem ist das „Aus-seiner-Sicht“: Wir projizieren alle – meist wild und unbewusst – auf unser Gegenüber. Wir gehen von UNS aus, maßgeblich ist das, was WIR wahrnehmen, finden, meinen. Wir stülpen dem anderen nur allzu gerne „unsers“ drüber. Da bin ich auch nicht frei von und versuche nun immer öfter, es schlicht zu unterlassen.

Es ist oft sauschwer, sich zurückzuhalten, gerade wenn’s uns „unter den Nägeln brennt“, wir etwas loswerden, den anderen bekehren wollen. Wenn wir fest davon überzeugt sind, im Recht zu sein. Das Rechthaben loszulassen, zwei oder mehrere Wahrheiten einfach nebeneinander stehen zu lassen, ist aus meinem Erleben eine unserer schwierigsten Übungen. Sich dies zu eigen zu machen, mal nicht rechthaben zu wollen, lohnt sich, macht uns frei, und: Ja, man kann es lernen.

Ich bin kein Coach, doch ich vermute, dass ein guter Coach gute Fragen stellt und seinen Klienten wie ein „Geburtshelfer“ dabei begleitet, dessen eigene Wahrheiten zu finden und entsprechende Schritte zu gehen.

Als Beispiel Paarphänomene/ -probleme: Niemand kann von außen ein Beziehungssystem einschätzen. Da bin ich mir sicher. Rat von außen hilft daher nicht weiter. Vielmehr: Lauschen, fragen, abwarten. Wertschätzen, bestätigen, ermutigen. Wenn’s gut läuft. Oft bratzen wir ja doch dazwischen. Der eine mehr, der andere weniger.

Auch können wir die Meinung des anderen, wenn sie einen Rat beinhaltet, viel öfter einfach so stehen lassen„danke, dass du mir deine Gedanken mitteilst“ oder, etwas deutlicher: „danke und nein“ – freundlich und dennoch klar. Das braucht Mut, und ich fühle mich hier auch noch am Anfang. Gerne erkläre oder gar rechtfertige ich mich und meine jeweilige Situation hingegen – deutlich seltener als noch vor einigen Jahren, doch immer noch. Anschließend spüre ich einen Energieverlust bei mir, ich fühle mich erschöpft. Und da mir meine Energie, mein „Bei-mir-Bleiben“ wichtig und wertvoll ist, werd ich nicht müde, weiter zu üben: klare Grenzen zu setzen, wenn ich es für nötig erachte.

Das „Helfen-Wollen“ steckt tief in uns, gerade uns Frauen. Ich glaube, es wäre klug, den anderen zu fragen, ob er meine Hilfe auch möchte, sonst wird es evtl. eine „unterlassene Hilfeleistung zur Selbstentwicklung“ oder zur unerwünschten Bevormundung. Kümmern und entmündigen liegen dicht beieinander. Hier ist Feingefühl gefragt, ferner: ein waches, aufrichtiges Miteinander.

Ich muss nicht alles gutfinden, gutheißen, was Partner oder Freund machen oder unterlassen. Natürlich ist es auch hin und wieder angezeigt, zu sagen „Das ist nicht meins“, oder „Das würde ich anders machen“. Wenn das Gegenüber dann aber signalisiert, es erwünsche keine weiteren Ausführungen, keinen Rat, sollte ich es meines Erachtens auch so belassen. Es lohnt sich, Menschen zu beobachten und sich zu fragen: „Was bringt die Augen dieses Menschen zum Leuchten? Was bewegt die Menschen in meiner Umgebung?“

Hand auf’Herz: Wie haltet Ihr es mit dem Rat: Wann darf er sein und macht evtl. sogar Sinn, wann weniger? Ich würde mich sehr über Austausch freuen, da mich das Thema seit Jahren beschäftigt.

 

 

 

Seelenruhe im Schonwald

Trollinger & Landjäger - KopieGestern war ich mit meinem Mann per pedes im Wald unterwegs, genauer: auf dem Anstieg zur Gipfelburg Teck, südlich der Stadt Kirchheim unter Teck im schönen Schwabenland. A propos schön, es wird vermutet, dass der Name Teck aus dem keltischen Wort „tec“ gleich schön oder einem Felsvorsprung „die Eck“ entstanden ist.

Nach einer langen Regennacht und einem Fall der Temperaturen zeigte sich der dieser Lande sog. Schonwald mit seinen seltenen Baum- und Pflanzenarten von einer besonderen Seite: Das satte Grün wirkte dank der hohen Luftfeuchtigkeit verschleiert. Mir war trotz Schwitzen und der mit dem Anstieg verbundenen Anstrengung ganz wunderbar zumute – ich empfand die Welt als dermaßen schön, dass mir Tränen kamen. Der ganze Irrsinn, der einen sonst umtreibt, war weit weg. Wilde Orchideen konnte ich leider nicht entdecken, meine Mutter wäre begeistert gewesen.

Hin und wieder versuchte ich innezuhalten und einfach nur zu schauen, ohne etwas zu fixieren. Das machen wir manchmal im Yoga nach einer Meditation, wenn wir sehr fein wahrnehmen und innerlich ruhig sind. Gar nicht leicht, doch für kurze Momente möglich.

Wir erreichten die Burg über eine kleine Abkürzung und kraxelten steil aufwärts über Wurzeln und allerlei Gestrüpp, zuletzt schwangen wir uns über einen Mauervorsprung. Eine für mich typische Aktion, so mein Mann: potentiell strapaziös und nicht ganz ungefährlich. Ich finde, ein bisschen verwegen Abenteuer Leben darf sein. Frei nach dem Motto: Tue immer wieder dich selbst überraschende Dinge.
(Und ich ergänze: auch andere überraschende Dinge…)

Das Burg-Restaurant hatte leider Ruhetag, doch wir genehmigten uns Landjäger, Bier und Trollinger, die am Burg-Kiosk verkauft wurden. Es regnete erneut, das störte uns nicht. Ich genoss diesen Moment und rief mir wieder einmal ins Bewusstsein, wie sinnvoll, wie befriedigend es ist, das Leben auszukosten und Momente in sich aufzusaugen. Für die Freuden des Lebens empfänglich zu sein. „Einmal am Tag schwitzen und lachen“ – so heißt es im Yoga.

Der Trollinger lief mir gut rein und erleichterte den Abstieg. Dieser Tag schenkte mir tiefe Seelenruhe. Ich sage „danke“.

Wann oder wo erlebt Ihr Seelenruhe im Sinne von tiefem inneren Frieden?

 

Hochs und Tiefs und das Dazwischen

drei MuschelnIm Folgenden möchte ich über verschiedene Phasen und dazugehörige Gefühle schreiben.

Wenn ich mich an manchen Tagen so dumpf und unerfüllt fühle, es spürbar nicht weiter geht, kann ich dieses Sein nur schwer akzeptieren. Dann frag ich mich: „Warum ist das so? Was konkret fehlt mir, was frustet mich gerade?“ Genaugenommen kämpfe ich dann oft gegen diesen Zustand an, will das so nicht. Mittlerweile weiß ich zumindest: Diese Phasen, dieses gefühlte Stagnieren, gehören zum Leben.

Es gibt Tage, da strotzen wir vor Energie, surfen hohe Wellen, dann gibt es tiefe Täler, die jeder unterschiedlich tief  und lang erlebt, und es gibt auch diese Plateauphasen, dieses „Weder-noch“, dem es manchmal auch an emotionaler Intensität mangelt. Letztere Zustände finde ich persönlich fast am unbefriedigsten. Das Gute an diesen Zeiten ist, dass sie erfahrungsgemäß oft Nährboden für neue kreative Prozesse sind, dass meist wieder aktivere, beglückendere Zustände folgen.

Letztes Jahr gab es einige Phasen, in denen spürte ich, dass etwas Neues kommt, doch wusste ich noch nicht, was genau. Ich hatte Lust auf Veränderung, es gab einige Momente, in denen ich Altes loslassen konnte – oder es vielmehr mich losließ. Das Neue war jedoch noch nicht voll da, es schlich sich eher langsam an. In diesen „Zwischen-Phasen“ ist es meiner Erfahrung nach klug, auf innere Bilder oder somatische Marker zu achten, die uns manchmal ganz plötzlich und unerwartet heimsuchen: Welche Vorstellung beflügelt mich? Was blitzt da plötzlich auf, welches Bild, welcher alte Traum? Woher rührt dieses spontane Kribbeln, was lässt mich plötzlich so frei und weit fühlen? Wovon flüstert meine Sehnsucht?

Ende letzten Jahres, im Oktober und im Dezember, machte ich dann zwei große Schritte nach vorn und beschloss, meine Texte in Form dieses Blogs zu veröffentlichen und mich für die Yogalehrer-Ausbildung anzumelden. Dieses Jahr bin ich nun aktiv dabei, diesbezüglich Taten folgen zu lassen. Das Schreiben macht so richtig Spaß, ich schreibe liebend gern für mich und darüber hinaus für andere: Mir ist es ein Anliegen, zur Selbst-Beobachtung und zum Mit-Reflektieren anzuregen. Ich liebe es, Menschen anzustecken, über ihren Sinn nachzudenken und über, das was ihnen am Herzen liegt nachzuspüren. Immer mehr freue ich mich auch über Austausch und ein gemeinsames „In-die-Tiefe-Gehen“.

Die Yogalehrer-Ausbildung schüttelt mich ordentlich durch, auf vielen Ebenen. Ich werde mir selbst wieder ein Stück fremd, stoße an Grenzen, stecke diese wieder neu. Am zweiten Ausbildungswochenende nach einer sehr kraftaufwendigen Meditation mit Feueratem sang unsere Gruppe ein Lied mit dem einfachen Text „I am“. Draußen lag Gewitter in der Luft, und ich erinnere, dass ich dachte: „Ich bin nun fast 39, habe einiges erlebt, doch dies ist das Abgefahrenste, das ich je gemacht habe.“ Ein bewegender Moment.

Mir wird immer bewusster, dass es stets bestimmte Gefühlszustände sind, die wir suchen. Warum wollen wir dieses oder jenes? Um uns so oder so zu fühlen. Wir gehen bestimmte Schritte, erfüllen uns Wünsche oder setzen etwas in die Tat um, um etwas Bestimmtes zu fühlen. Ich liebe es zum Beispiel, mich berührt-begeistert zu fühlen. Glückselig-erfüllt. Klar-wissbegierig. Wohlig-vertrauensvoll. Diese Seins-Zustände suche ich immer wieder.

Gleichzeitig meiden wir selbstverständlich auch bestimmte Situationen und Szenen, um etwas nicht zu fühlen: Ich kann es gar nicht leiden, mich eng oder eingeengt zu fühlen; in unangenehmer Weise aufgeregt, ängstlich-aufgeregt – im Vergleich zu freudig-erregt – bin ich auch äußerst ungern. Immer häufiger versuche ich nun, mein „Ängstlich-Aufgeregt“ in ein „Freudig-Erregt“ umzudeuten – im Sinne von: die Angst willkommen heißen, was mir mal mehr, mal weniger gut gelingt. Ohnmacht finde ich äußerst schwer auszuhalten, oder heftige Wut mit Schaum vor’m Mund. In diesen zu Beginn beschriebenen Plateauphasen fühle ich oft auch eine unangenehme Leere – im Gegensatz zu einer oft nach Yoga-Übungsreihen und Meditationen einsetzenden „angenehmen Leere“, wenn es plötzlich still und weit in einem wird.

Sich kennenzulernen und anzunehmen bedeutet vor allem, zu lernen wie man wann tickt, sich fein zu beobachten, die große Breite der eigenen Gefühle wahrzunehmen und je nach Situation auszudrücken. Es bedeutet auch, Frustration und Missmut auszuhalten und zu reflektieren:Was genau will sich da zeigen?

Hochs und Tiefs kennen wir alle: Wie geht Ihr mit dem „Dazwischen“ um?

Erfolg-Reich

image-jpeg-attachmentIch habe heute Lust, über Erfolg zu schreiben. Nicht zuletzt inspiriert durch das Buch „Werde verrückt von Veit Lindau („Wie du bekommst, was du wirklich-wirklich willst“) mache ich mir momentan Gedanken darüber, was Erfolg für mich bedeutet. Ich meine – wie wahrscheinlich jeder automatisch – den konstruktiven Erfolg, der einen voranbringt. Dass man sich natürlich auch erfolgreich selbst sabotieren kann, lasse ich im Folgenden außer vor. Im Grunde sind wir alle jeden Tag 100%ig erfolgreich, fragt sich nur wie bewusst und in welcher Richtung.

Mir wird immer bewusster, dass mich Erfolg im Sinne von „Karriereleiter empor und viel Besitz Anhäufen“ wenig bis gar nicht tangiert. Erfolgsattribute wie Besitz und Macht – im Sinne von: „in einer hohen Position“, diverse Untergebene unter sich – werden in unserer Gesellschaft von vielen als erstes angeführt, wenn sie „Erfolg“ hören. Dies entsprach aus meinem Erleben auch nicht dem „Erziehungsauftrag“, den Werten meiner Eltern. In meiner Herkunftsfamilie war oder ist niemand „überdurchschnittlich erfolgreich“ – im oben beschriebenen bzw. „landläufigen“ Sinne; in unserer Großfamilie wiederum schon, interessanterweise.

Entscheidend ist meines Erachtens die Frage: „Was bedeutet Erfolg für mich persönlich?“

Für mich ist Erfolg in erster Linie die Gestaltung eines gelingenden Lebens, ein Leben in Fülle und Dankbarkeit, das ich voll ausschöpfen kann und in dem ich einen hohen Grad an Selbstbestimmung, ja an Freiheit, leben darf. Erfolg bedeutet für mich, ein Leben meinen Werten und Bedürfnissen entsprechend zu gestalten – Felder zu kreieren, in denen ich „erblühen“ und optimal dienen kann, mir und anderen. Immer mehr so zu leben, dass alles leicht und natürlich geschieht. Ich glaube, dass jeder weiß, wie sich (sein) Erfolg anfühlt.

Ich fühle mich erfolgreich, wenn ich auf vielen „Kanälen“ schöpferisch tätig sein, mich ausdrücken kann, wenn ich spielend leicht Dinge bewerkstellige. Meine Gaben und Talente erkunde und diese zur Blüte bringe. Ich spüre Erfolg, wenn ich mit meiner Schwester und unserer Musik die Zuhörer selig stimmen kann, ein Klient in einer Musiktherapiestunde etwas Neues erfahren durfte oder die Stunde zufrieden verlässt.

Reich an Erfolg fühle ich mich, wenn ich den Mut aufbringe, mich in unbekanntes Terrain zu wagen oder Träume beginne zu leben. Diesen Blog ins Leben gerufen zu haben und darüber immer mehr Resonanz zu erfahren bedeutet Erfolg für mich. Mich nun tatsächlich zur Yogalehrerin ausbilden zu lassen entspricht voll meinem Bild von Erfülltheit und Erfolg, unabhängig davon, wie konkret es weiter geht, ob ich tatsächlich einmal unterrichten und Schüler um mich scharen werde.

Und ich werde mir immer klarer darüber, dass Erfolg auch mit Disziplin zu tun hat – Disziplin nicht im Sinne von Gehorsam, sondern Disziplin als schrittweises Dranbleiben, als ein Üben und mich dem Unterordnen, was ich für wesentlich halte. Yogi Bhajan sagte, Disziplin mache dich kreativ. Nach spätestens 20 Tagen innerhalb einer sich 40 Tage lang wiederholenden Meditation habe ich meist keinen Bock mehr – und bleibe in der Regel dennoch dran. Die Erfahrung ist Gold wert, und ich ernte am Schluss viele Früchte.

Erfolg zu leben bedeutet für mich, als Mensch sichtbar(er) zu werden, aus mir heraus zu leben, zu wachsen, an Tiefe und Reife zu gewinnen.

So ganz kann man das liebe Geld ja nun auch nicht herausnehmen aus der „Erfolgsgleichung“: Natürlich fühlt sich ein Leben, in dem ich – auf vielen Ebenen – satt werde, mir etwas gönnen oder leisten kann und nicht jeden Cent umdrehen muss, leichter und angenehmer an. Ökonomischer Erfolg ist nicht unerheblich. Und selbstverständlich hat ein jeder hier unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche. Unser persönlicher „Luxus“ ist gutes (Bio-) Essen. Und meine ganz persönliche Präferenz ist die Möglichkeit zu verreisen, mobil zu sein, mir mehrmals im Jahr eine Ferienwohnung leisten zu können. „Freude ist die Essenz von Erfolg“ stand heute morgen auf meinem „Teebeutel-Fähnchen“. Da ist was dran.

Was macht für Euch Erfolg aus? Wie fühlt sich dieser an? Ich freue mich über Austausch!

Sich frei machen von dem wie’s andere machen

tmp_5435-Bauwagen klein1687693938Neulich im Gespräch mit einer Freundin wurde uns etwas sehr klar: Es lohnt sich, sich freier und freier zu machen von eigenen und fremden Erwartungen, wie etwas zu sein hat. Wie es andere augenscheinlich machen, was andere in meinen Augen gebacken kriegen (und ich im Vergleich nicht), wie’s „sich gehört“. Für mich ist es Lebenskunst, als Individuum und auch als Familie meinem ureigenen Pfad zu folgen, ohne dabei anderen im Wege zu stehen oder andere Wege und Lebensentwürfe zu verurteilen.

Natürlich schauen wir stets auch „mit dem Auge der Öffentlichkeit“ auf uns und unsere Situation, vergleichen untereinander, gerade Mütter: „Wie macht es xy? Wie schafft sie das? Wie kommt es bei xy an, wenn ich „nein“ sage?“

Die Philosophin Rebekka Reinhard spricht vom sog. Zwei-Sphären-Glückberuflichem Erfolg und privater Geborgenheit in Einem – welches sie für einen Mythos hält (vgl. „Raus aus dem Grübelgefängnis“, Gespräch mit Rebekka Reinhard, Spiegel Wissen: „Ich bin ich“, Ausgabe 1, 2016). Reinhard plädiert dafür, sich wahrhaft klar zu werden über das, wofür ich lebe, was Erfolg für mich persönlich bedeutet – und dabei meine Fähigkeit einzusetzen, selbst zu denken, mir ein eigenes Urteil darüber zu bilden, wie ich leben möchte. Über folgenden Satz lohnt es sich nachzudenken:

Die moderne Frau ist die Meisterin der Selbstverausgabung.

(Rebekka Reinhard: Kleine Philosophie der Macht, 2015, S.25). Ich darf mich immer wieder fragen: „Worin möchte ich selbst mein Glück finden?“ Und ferner: „Will ich dies oder jenes nur, weil andere es wollen?“ Anstelle „Schaffe ich es, dies und jenes unter einen Hut zu kriegen?“: „Will ich es überhaupt schaffen?“

Meine kleine Familie und ich unternehmen z. B. vieles zu zweit, in unterschiedlichen Konstellationen. Wir verreisen zur Zeit aus verschiedenen Gründen auch selten als Familie. Wir gestalten seit einigen Jahren die Weihnachtstage in ganz eigener Manier, und immer wieder etwas anders – doch jedes Mal wohlüberlegt.

In unserer Gesellschaft kursieren trotz massiv veränderter (Lebens-) Bedingungen im Vergleich zum Beispiel zur Zeit der Nachkriegsgeneration immer noch sehr „bürgerliche Bilder“ einer „heilen Familie“. Inmitten dieser Bilder und Erwartungen ist’s oft schwer, sich frei zu machen, seinen eigenen (Erziehungs-) Weg zu finden, manchmal auch radikale Entscheidungen zu treffen. Ich bemühe mich immer wieder, neue, kreative Lösungen zu finden für Situationen, die schlicht in der heutigen Zeit nicht einfach zu bewerkstelligen sind.

Ich mag gar nicht so tun, als würde ich stets viele Bälle jonglieren können. Keine Frage, ich wuppe vieles und stehe meist schnell wieder auf, wenn ich gefallen bin, doch akzeptiere ich nun viel eher und stärker meine persönlichen Grenzen und meinen Ruf nach Mich-Freifühlen.

 

Tage voller Leben – vom Glück der Fülle

Das Leben feiernIn meinem Leben wünsche ich mir vor allem eins: Tage voller Leben zu leben. Das „Glück der Fülle“, wie es Wilhelm Schmid beschreibt, wahrzunehmen und zu schätzen – die hohen, heftigen Glücksspitzen, eine tiefe, manchmal unspektakuläre Zufriedenheit und auch das bewusste Aufnehmen von Leid und Schmerz. Der Herbst naht, und oft empfinde ich in dieser Zeit auch (Abschieds-)Wehmut und Melancholie. All dies lässt mich wach und lebendig fühlen – ich mag das, auch wenn’s nicht immer angenehm ist.

Tage voller Leben leben kann ganz vieles bedeuten. Für mich zeigt es sich z. B. darin, sich auch im sog. Alltag Zeit für sich und Schönes zu nehmen, für die Freuden des Lebens empfänglich zu sein. Den Tee oder Kaffee zu genießen, zwischendurch Beine und Seele baumeln zu lassen, seine Gedanken ans Meer zu schicken. Es bedeutet, Verbindung zu einem mir nah stehenden Menschen zu suchen – wenn auch „nur“ über ein liebevolle Kurznachricht. Sich auszutauschen, gemeinsam zu lachen. Sich selbst, seine kleinen und großen Erfolge und das Leben zu feiern, immer wieder.

Einen Geburtstag mehrmals mit lieben Menschen zu begießen – auch das sind Freudentage, wie ich in den letzten Wochen erfahren durfte. Sich morgens – wenn auch nur für zehn Minuten – Zeit für sich zu nehmen, bewusst zu atmen und zu agieren. In neue Rollen und Aufgaben zu schlüpfen – beispielweise beim Holzhacken oder Reiten.

Stunden voller Leben zu gestalten lernte ich auch durch meinen Vater: Was uns mitunter verbindet ist eine kühne Neugier. Wir schauen in fremde Fenster, Löcher und Luken. Dabei male ich mir aus, wie die Menschen dort leben, was sie treiben, was sie treibt. Auf Spaziergängen sammeln wir vieles und zeigen es uns gegenseitig. Diese Gepflogenheit gebe ich nun an unserem Sohn weiter. Ich liebe es, mich zu unbekannten Orten, Szenen und Menschen aufzumachen– zu gucken, zu staunen. Meine Mutter gab uns Kindern eine – wie es meine Schwester nennt – unkonventionelle Herzlichkeit mit auf den Weg. Auch diese macht Tage sehr lebendig: fremde Menschen ansprechen, ihnen Komplimente machen, Fragen stellen, spontan sein.

Tage voller Leben leben heißt vor allem auch, mich zu fragen, wann, wo oder bei wem mein Herz aufgeht und ich mich wohl, weit und frei fühle. Es bedeutet, dass ich mich frage, was ich wirklich will, welche Werte ich lebe, wie ich schöpferisch tätig werden möchte, wer oder was mir wichtig ist, welchen Fußabdruck ich hinterlassen will.

Ich möchte so wenig wie möglich aufschieben, Momente mit meinen Eltern und anderen Herzensmenschen bewusst genießen, auch in dem Wissen, dass nichts selbstverständlich und von Ewigkeit ist. Ich will mich bewegen, auch indem ich mich traue Fehler zu machen, mehr und mehr sichtbar zu werden.

Der Vollständigkeit halber möchte ich einräumen, dass sich auch meine Tage selbstverständlich nicht immer voller Leben anfühlen: Manchmal fühle ich mich innerlich nervös und überfordert, dumpf und gelangweilt oder schlicht nicht zu Hause bei mir. Auch das ist Leben.

In dem Roman „Aller Liebe Anfang“ von Judith Hermann spricht die 82-jährige Esther in der Verabschiedungsszene zu Stella, der weiblichen Hauptperson, die Worte: „Zögern Sie nie! Das ganze Leben ist ein Abgrund, und je weniger Sie sich fürchten, je länger Sie hineinschauen, desto mehr haben Sie davon.“ (in: Aller Liebe Anfang, Judith Hermann, 2014, S. 200).

Mit diesen denkwürdigen Worten schließe ich und wünsche allen alles Liebe durch die Zeiten!

Vertrauensvorschuss – „Leap of faith“

Vertrauen lernenBei den unterschiedlichsten Gegebenheiten fallen mir drei Worte ein: „Leap of faith“. Ich stolperte über diesen Ausdruck in einem Buch einer großen, ich würde sagen weisen Kundalini-Yogalehrerin, Gurmukh (Gurmukh: Die 8 Gaben des Menschen, 2015). Gurmukh beschreibt „Leap of faith“ als einen Vertrauensvorschuss, einen Sprung ins Ungewisse, im Vertrauen darauf, dass alles gut endet. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass dieses „Leap of faith“ eine große Bedeutung für mich hat, dass mir Situationen etwas sagen wollen, in denen es in mir denkt: Vertraue(n)!

Häufig betrifft es kleine Alltagsmomente: Ist das jetzt richtig? Ob ich das wohl schaffe? Wird das heute noch was? Oder größere Fragen: Wird das überhaupt was? Wie gestaltet sich die Situation „Y. & Schule“? Kommt mein Vater wieder in seine Kraft? Wo soll’s für mich und uns mal hingehen (gerne wortwörtlich oder im übertragenen Sinne)? Immer wieder fordert uns das Leben auf, uns hinzugeben, manchmal auch einfach nur abzuwarten. Dann wieder: den nächsten, naheliegenden Schritt zu tun – oft im Unwissen, wie der darauffolgende Schritt aussehen wird.

Wie gerne haben wir alles im Griff! Wie vermeintlich sicher fühlen wir uns, wenn Kontrolle die unsere ist! Spannend jedoch wird es an den Brüchen, den Schnittstellen zwischen „Alles ist fein gerade und soll bitte so bleiben“ und „Oh nein, bloß das nicht!“ Manchmal hilft es schon, Angst und andere unangenehme Empfindungen einfach kommen und wieder ziehen zu lassen, sie nicht „wegzudrücken“, sondern als selbstverständliche, uns prägende und uns etwas mitteilen wollende Erscheinungen zu begreifen.

Sich überhaupt darüber bewusst zu werden, dass da Stimmen in uns sind, die uns sagen wollen: Irgendetwas ist gerade absolut nicht in Ordnung. Den Widerstand gegen das was ist zu spüren und anzuerkennen. Die „Vogelperspektive“ einzunehmen und den unterschiedlichen Stimmen in uns zu lauschen.

Wenn es uns gelingt, innezuhalten und still zu werden, spricht’s leise aus uns heraus: Eine Stimme meldet sich, die uns Mut zuflüstert und ermuntert, vielleicht doch diesen neuen gewagten Schritt zu gehen – oder ihn gerade nicht zu gehen, auch wenn das Umfeld ihn möglicherweise erwartet. Entscheidungen zu treffen, bevor das Leben für uns entscheidet. (Auch letzteres stellt sich oft als stimmig heraus).

Mehr und mehr lerne ich – Yoga und Meditation in welcher Form auch immer sind hierbei wunderbare Werkzeuge – meiner (Herzens-) Stimme zu vertrauen, ihr zunehmend Gehör zu schenken, intuitiver zu werden. Dankend zu beobachten, dass diese Stimme lauter wird, je mehr und öfter ich ihr meine Aufmerksamkeit schenke.

Unabhängig davon wie unerträglich die äußeren Umstände manchmal auch sein mögen: Da war und ist stets etwas in mir, das unantastbar ist, das immer da ist. Ich nenne es „meinen Kern“ und trage hierfür das Bild einer goldenen Kugel in mir, ungefähr auf Höhe des Zwerchfells. Dieses Bild nutze ich, um mich wieder aufzurichten und neu auszurichten, wenn ich einsacke oder mich zerstreue. Dort „reinzuatmen“ hilft mir, überhaupt: bewusst zu atmen. Ich bin mir sicher: Wir alle haben einen unantastbaren Kern in uns, eine Kraft, die wir wahrnehmen, indem wir vertrauen und uns sagen: Es wird sich finden.

Gurmukh beschreibt in diesem Zusammenhang die Vorstellung von „tröstenden Arme(n) eines liebendes Gottes“, der sie auffängt und tröstet. Wie oder an was auch immer wir glauben: Wir alle können lernen, uns und dem was da kommen mag zu vertrauen.

In Sachen „Y. & Schule“ tun sich im Übrigen zurzeit viele Perspektiven auf, auch konkretere Chancen und Alternativen zur jetzigen Situation zeigen sich. Und was meinen geliebten nicht mehr taufrischen Vater angeht: Hier schätze und genieße ich einfach das was wir jetzt haben und teilen. Darauf kommt es an.

Entdecke(l)n

Mach mal Pause

Als ich im Februar dieses Jahres durch Hannovers Eilenriede fuhr, amüsierte mich ein Freudscher  Versprecher, den ich laut denkend aussprach: „Ich habe Lust, noch viel mehr zu entdeckeln.“ Gemeint habe ich: zu entdecken. Mir gefiel spontan das Wort entdeckeln – assoziierte ich damit „etwas freilegen, öffnen“. Entdeckeln als Möglichkeit, sich selbst neu zu begegnen, als Chance innerlich zu wachsen. Zu Hause entdeckte ich, dass es ein Entdeckeln tatsächlich gibt: In der Imkersprache ist damit das Entfernen der Wachsdeckel von den Honigwaben gemeint.

Zurück zu meinen Assoziationen: In der Praxis kann es heißen, mich mutig in Situationen zu begeben, in denen ich Dinge üben kann, die mir im Alltag, in meinen Beziehungen oder in meinem Berufsleben Schwierigkeiten bereiten. Was mich angeht zum Beispiel das Aussprechen unbequemer Wahrheiten – unbequem für mich, den anderen oder beide. Oder auch das „Mich-mal-nicht-in Bescheidenheit-Üben“, wenn es darum geht, bei meiner Arbeit als Musiktherapeutin etwas einzufordern, beispielweise die Neubeschaffung von Instrumenten.

Für sehr sicherheitsbetonte, übervorsichtige oder auch zum Perfektionismus neigende Menschen kann ein Entdeckeln darin bestehen, einfach mal „Fünfe gerade sein zu lassen“, an irgendeiner Stelle weniger zu geben oder zu tun, öfter zu delegieren. Es kann auch schlicht bedeuten, „seinen Geist zu lockern“, um mit Veit Lindau zu sprechen: neue Wörter zu erfinden, einen neuen, für mich ungewöhnlichen Gedanken zu denken, zu einem Buch zu greifen, das sonst nicht in meinen Händen landet oder mich mit einem Menschen außerhalb meines Dunstkreises zu unterhalten.

Mehr von seinem Potential zu entdecke(l)n und zu entwickeln kann heißen, unterschiedliche, auch scheinbar gegensätzlich (Schatten-)Aspekte seiner selbst wahrzunehmen und zu integrieren, indem ich beispielweise mit angstbesetzten Situationen experimentiere. Hierbei kann ruhig auch klein angefangen werden: So kann ich mich wiederholt in Situationen begeben, in denen ich bereits gute, mich voranbringende Erfahrungen mit dem „Mich-nicht-meiner-gewohnten-Muster-Bedienen“ gemacht habe. Kommen wir den uns zugrundeliegenden, mitunter auch einschränkenden Denkmustern auf die Spur, so können wir mit Hilfe von achtsamer Beobachtung alternative, lebensdienlichere Denk- und Handlungsweisen finden, die mehr Flexibilität und innere Freiheit nach sich ziehen.

Bei mir selbst fällt mir auf, dass ich oft sehr gefällig bin und es mich noch sehr verunsichert, wenn jemand mich oder mein Verhalten offenbar ablehnt. Als Beispiel eine banale Alltagssituation: Ich fühle mich gleich unwohl und „unpassend“, wenn die Dame an der Käsetheke das Gesicht verzieht, nur weil mir das von ihr angebotene Stück Allgäuer Kümmelkäse zu groß ist und ich lediglich 100-150g wünsche. Mittlerweile spüre ich oft eine freudige Erregung, wenn ich gegenüber der Dame an der Käsetheke oder wem auch immer unbequem bin.

Nehmen wir eine offene Haltung von Neugier, Freude an der Erfahrung und Vertrauen ein, so können wir mehr von uns und unserem Potential leben, ja, mehr entdecke(l)n. Vielleicht werde ich in diesem Leben ja nochmal Hobbyimkerin;-). Oder Querulantin:-). Dann lieber ersteres.

Ich stecke gerade mitten in dem neuen Buch von Veit Lindau: „Werde verrückt. Wie du bekommst, was du wirklich-wirklich willst.“ Kann ich wärmstens ans Herz legen, auch wenn das Buch an der einen oder anderen Stelle unverdaulich ist und vieles auf den Kopf stellt.

Es bleibt spannend.

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