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Erlebtes & Belebendes

Kategorie: Selbstfürsorge (Seite 1 von 3)

Sich etwas erlauben

Zurzeit begegnet mir immer öfter das Thema „Sich etwas erlauben“. Aus  meinem Erleben liegt im zunehmenden Sich-Erlauben der Schlüssel zu vielem:  Ich komme in meine Kraft und Größe, wenn ich meinen natürlichen Raum einnehme. Wenn ich mir erlaube, die zu sein, die ich sein will. Ich umgebe mich mit Menschen, die vollends zu mir passen, und entsprechende Menschen umgeben sich mit mir. Ich werde gesünder und innerlich freier. In Beziehungen ruckelt sich oftmals vieles neu zurecht.

Noch staune ich immer, wie oft ich mich frage: „Darf ich das?“ Darf ich mir mehr Raum nehmen? Darf ich etwas wohlmöglich Triggerndes sagen oder schreiben? Darf ich Bilder von mir teilen, oder kommt das arrogant rüber? Darf ich bekannter werden wollen mit meinen (Blog-) Zeilen? Kürzlich konnte ich mich im Kreise starker, schöner Frauen erneut mit diesen Fragen und dahinterliegenden Glaubenssätzen auseinandersetzen: Ich weiß nicht genau, woher es kommt, dieses „Darf ich?“ Uns wurde bewusst, dass die Frauengenerationen vor uns sicher vieles, von dem was für uns heute selbstverständlich ist, überhaupt nicht durften, sich die Frage vermutlich auch viel seltener stellte – und wenn, waren es Ausnahmen von Frauen, die sehr mutig ihres Weges gingen. Auf meiner Fensterbank steht ein Foto meiner Mutter, meiner Gruß- und meiner Urgroßmutter. Alle drei sitzen nebeneinander auf einem Sofa, meine Mutter in der Mitte. Es ist ein herrliches Bild, da alle lachen und Oma Erna ganz rot ist vor Freude. Dieses Bild berührt mich gerade sehr. Oft sitze ich davor, schaue es mir einfach an, verbinde mich mit ihnen, bevor ich meditiere.

Es war unglaublich befreiend, als meine Yogalehrerin mir nahelegte, zukünftig „Darf ich das?“ durch „Ich darf“ zu ersetzen. Ja, ich darf! Und es ist Zeit, dieses alte – vermutlich in allen Zellen sitzende – Muster endgültig  zu durchbrechen um einem neuen, mir entsprechenden Muster Platz zu machen.

Wenn es von Herzen kommt, darf ich das. Punkt.

Ein weiteres Muster ist mir bewusst geworden, dank eines Gesprächs mit meiner Vorgesetzen und einem Kollegen: In einem Zusammenhang fiel die Frage, wie ich etwas aushielte. Auf den Inhalt möchte ich hier nicht näher eingehen, doch die Frage ist bemerkenswert. „Wie halte ich das aus?“ Bemerkenswert ist ferner, dass mir gar nicht immer bewusst wird, dass ich da offenbar etwas für andere Schwer-Auszuhaltendes tue oder erlebe, dass ich etwas hinnehme, auch wenn es mir vielleicht in der Tiefe gar nicht schmeckt oder mir nicht (mehr) entspricht.

Hier möchte ich zukünftig viel feiner werden, in meiner Wahrnehmung, noch viel stärker auf mich Acht geben, mir gewahr werden, was wirklich gerade angebracht ist. Das Dumme ist, dass ich Konflikt und Disharmonie so überhaupt nicht mag, um nicht zu sagen: Es fällt meinem dünnhäutigen System noch sehr schwer, Dissens zu ertragen, die Dynamik, die Ablehnung oder was auch immer da kommen kann, auszuhalten, wenn ich andere enttäusche – beispielsweise, wenn da ein „Nein“ von mir kommt: Nein, ich werde nicht da sein. Nein, ich möchte das nicht. Nein, da kann ich nicht. Einfach nein. Auch punkt.

Dieses Etwas-Aushalten wiederum geht einher mit dem Sich-nicht-erlauben. Sich nicht zugestehen, Dinge fortan anders zu machen. Ich stelle meine Bedürfnisse hintan, wenn ich mich selbst übergehe. Meine kühne These: Wir Frauen müssen nicht alles aushalten, es wurde schon genug ausgehalten in den Generationen vor uns. Vieles darf auch leicht sein. Ich kenne fast niemanden, der heutzutage nicht über zu viel Anstrengung klagt. Jede Frauengeneration hat sicher ihre Themen und Anstrengungen, doch mein Eindruck ist, dass die meisten Frauen unserer Zeit unheimlich viele Spagate machen. Eins reicht doch. Keins ist vermutlich noch gesünder.

Vielleicht fragst auch du dich hin und wieder „Darf ich das?“ Entscheidend ist tatsächlich – und hier wiederhole ich mich gerne – dass du dir selbst die Erlaubnis gibst, genauso zu leben, wie du es für richtig hälst. Je mehr du dies tust und je häufiger du dich darin übst, umso weniger störst du dich am Widerstand, am Zweifel der anderen. Natürlich dürfen wir offen und berührbar bleiben für Kritik, Ängste und Widerstand. Doch sollten wir dabei auch bedenken, dass starke, leuchtende Zeitgenossen auch erst einmal von ihrem Umfeld ausgehalten werden müssen: Erinnert es manch anderen wohlmöglich daran, dass auch in seinem Leben mehr möglich ist, dass er mehr Potential entfalten darf, ich wage zu behaupten, dass es vielleicht sogar seine Pflicht dem kostbaren Geschenk Leben gegenüber ist, innerlich weiter zu werden und Herzensprojekte zu verwirklichen.

Wer sich angesprochen fühlt und sich noch unsicher ist:

Wir dürfen:-).

Wenn das Leben uns viel abverlangt

Weißes Tantra Yoga

Eine Erfahrung der ganz besonderen Art konnte ich vergangenen Samstag beim Weißen Tantra Yoga in Hamburg machen: Paare in weißer Kleidung sitzen sich in langen Reihen gegenüber, nehmen bestimmte Hand- und Armhaltungen ein, singen Mantren oder schweigen, oft auch mit direktem Augenkontakt. Die Meditationen haben eine Länge von 31 oder 62 Minuten. Es heißt, Weißes Tantra Yoga bewirke eine effektive innere Reinigung und das Lösen tiefliegender innerer Blockaden.

Letztes Jahr in Berlin bei meiner Tantra-Premiere saß mir ein fremder, Mitte 30-jähriger Typ gegenüber, zum Glück sehr sympathisch und lustig. Spannend war’s, diese doch auch intime und extreme Situation miteinander zu teilen, sich hinzugeben ohne auch nur im Entferntesten zu wissen, was einen erwartet. Jemandem so lang und intensiv in die Augen und somit in die Seele zu schauen, kann dir neue Welten eröffnen – und dich vor allem deine eigene innere Welt erschließen lassen.

Dieses Jahr teilte ich die Erfahrung mit einer mir bekannten Person, einer Yogalehrerin aus meiner Ausbildungstruppe. Es war schön, sie wiederzusehen und bereichernd, mich gemeinsam mit ihr durch die Kriyas zu atmen. Spannend fand ich, mit meinen Grenzen zu spielen, meinen Geist zu beobachten, der mal wild am Schimpfen war („Wann ist der Scheiß hier endlich vorbei?“ „Was mache ich jetzt mit meinem rechten Bein?“ „Ich kann nicht mehr!“), mir dann wieder sehr gut und liebevoll zusprach („Das schaffst du – nur noch 4 Minuten!“, „Es tut dir gut.“).

In den Augen meines Gegenübers konnte ich mich selbst erkennen: meine Hingabe, mein Genervtsein, meine Verletzlichkeit und meinen Schmerz. Wieder einmal kam mir Yogi Bhajans „Recognize the other person is you“ in den Sinn. Wie wahr. Sich verletzbar zu zeigen, nicht nur mit dem Kopf zu denken, sondern auch mit dem Herzen wahrzunehmen eröffnet unglaublich schöne Erfahrungsräume – das wurde mir hier erneut bewusst. Vermutlich kann ich auch nur dann in Beziehungen heilen, wenn ich mich eben nicht von meiner Schokoladenseite zeige, sondern auch meine Schwächen unter ein Vergrößerungsglas halte und dem anderen das, was ich sehe, nicht vorenthalte.

Beim Tantra wurde mir genau dies nochmal sehr klar: Es geht nicht darum, da möglichst glatt und konfliktfrei durchzukommen, sondern es geht um das „Sich-Einlassen“ und „Alles-da-sein-Lassen“ was da ist. So gesehen ist die Essenz des Weißen Tantras ein heilender Entgiftungsprozess auf vielen Ebenen: Körperlich-energetisch wird das System durchgepustet und wieder mit neuer Kraft aufgeladen; in der unmittelbaren Nähe zum Gegenüber können einem Muster und Glaubenssätze bewusst werden, die aus dem eigenen System ausgeschieden und verabschiedet werden dürfen, so zum Beispiel: „Ich muss das alleine schaffen“ oder: „Ich muss jetzt dabeibleiben und durchhalten.“

Das Spiel mit Grenzen ist eine sehr essentielle Erfahrung, die besonders intensiv beim Weißen Tantra erfahren werden kann: Eine Stunde lang eine bestimmte Haltung einzunehmen kann deinen Geist tanzen und fluchen lassen. Sich immer wieder auf das, was zu tun ist, zu fokussieren, immer wieder zurückzukehren zu diesem Fokus, gleichzeitig seinen Schmerz im Arm wahrzunehmen, kann wahrlich herausfordernd sein. Da durchzugehen, und da auch durchzukommen kann wiederum sehr befreiend und ekstatisch sein.

A propos Ekstase: Meine tiefe Überzeugung ist, dass jeder nach Ekstase, nach stimulierenden Momenten und Begeisterung in einem selbst sucht – gerade hierzulande sind die meisten oft etwas zu ernst und verbissen unterwegs, so mein Eindruck. Man muss nicht zwangsläufig am Weißen Tantra Yoga teilnehmen, um ekstatische Momente zu erleben – der Alltag bietet uns hier ausreichend Spielraum, vorausgesetzt wir öffnen uns für das Spielerische und Unerwartete. Ekstase erlebe ich stets dann, wenn ich Begeisterung zulasse, mein Potential entdecke und entfalte und mir auch erlaube, dieses zu tun. Wenn ich wach und kreativ bin, schöpferisch und offen. Und wenn ich immer mal wieder etwas ‘ein klein wenig’ anders tue als bisher.

Neulich in der Sauna, kurz vor Weihnachten, als gefühlt die meisten um mich herum gestresst waren, wurde ich erneut in der Überzeugung bestärkt, wir brauchen hierzulande mehr Ekstase: Ich saß eng an eng mit anderen Saunierenden auf einen Aufguss wartend. Der Mann, der für den Aufguss verantwortlich war, wedelte sich mit seinem Handtuch geradezu in Rage – sehr kunstvoll und ästhetisch wohlgemerkt. Die schwitzende Meute fing plötzlich an, im Beat seines Wedel-Rhythmus‘ mitzuklatschen. Tempo und Lautstärke stiegen und kulminerten in ein lautes Gegröle und Gestampfe. Ich war überrascht und zugleich mitgerissen – hatte ich Sauna bislang eher als Ort der Ruhe kennengelernt. Hinterher dachte ich: Das tat allen gut – sich so körperlich und fast archaisch zu erleben.

In diesem Sinne: Auf mehr Beziehung, Grenzerfahrung und Ekstase:-)! Und ich kann mich die kommenden Wochen auf mehr Energie und Kraft freuen – ein wunderbarer Nebeneffekt des Weißen Tantras, welches einem Aufladen und Auftanken gleicht. Momentan bin ich innerlich kristallklar, was ich sehr genieße.

Alles Liebe zu Euch!

Was ist wesentlich?

Heute möchte ich daran erinnern, dass wir uns nicht permanent selbst antreiben sollten. Nicht ständig Aktionismus an den Tag legen müssen. Was so einfach klingt ist wortwörtlich in der Tat nicht leicht. Und ich spreche nicht nur von alltäglichen To-Do-Listen, sondern auch von selbst gesteckten Zielen und Vorsätzen, die hin und wieder ruhen oder neu “über-spürt” werden dürfen. Das Spannende im Leben sind Um- und Abwege, auch wenn sie uns auf dem Pfad selbst mit Unbehagen und Ungeklärtem erfüllen mögen.

In den vergangenen Wochen war ich sehr ambitioniert und manchmal auch verbissen mit meinen Schreibprojekten beschäftigt: unentwegt in Gedanken bei meinen Blog, Besucherzahlen und möglichen Verbesserungen, darüber am Nachdenken wo – für welche Magazine, welche “Plattformen” – ich noch schreiben kann, aktiv in diversen Facebook-Gruppen. Alles gut und schön. Doch das Leben spielt sich auch und vor allem woanders ab. Das ist mir nochmal mehr bewusst geworden.

Das Wertvollste, was wir haben, ist unser Fokus: Was ruft jetzt gerade nach meiner Aufmerksamkeit? Wie möchte ich meinen Geist füttern? Und was kann ich jetzt in diesem Moment schlicht fallen und bleiben lassen? Energie folgt der Aufmerksamkeit. Ein alter Hut. So wahr, doch ebenso wenig leicht umzusetzen. Wie oft teilen wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit – sind hier und da, ständig im Smartphone, in Sorgenschleifen, wo auch immer. Für mich hat sich in letzter Zeit ein neuer Wert herauskristallisiert: Präsenz. Sprich Anwesenheit. Bin ich klar, wach und aufmerksam in diesem Moment? Bin ich mir gerade bewusst darüber, was mich hier und jetzt bewegt?

Bei meiner liebgewonnenen Gwynnefer Kinne las ich, gute Ideen werden ausgebrütet. Ziele benötigen einen geschützten, nährenden Raum und Zeit, um heranzuwachsen und zu reifen (Kraftvolle Weiblichkeit: Ziele – ein starkes Wollen funktioniert nicht?). Diese Zeilen schlugen bei mir ein. Erneut wurde mir bewusst: Ziele können sich auch ändern oder ausdifferenzieren. “Gewinn geschieht” kam mir in den Sinn – ein Ausspruch eines weiteren sehr liebgewonnenen Menschens, “Navigator” Harry Hömpler. Sprich: Im besten Fall komme ich über eine “Win-Win-Situation” hinaus, und die Dinge gestalten sich zum Nutzen aller Beteiligten, es gebärdet sich etwas Neues. Je besser ich mich kenne, je klarer ich in meinem Leben werde und je tiefer ich vertraue, umso eher kann sich eine “Gewinn-geschieht-Situation” einstellen, so meine Erfahrung.

Ich lerne nun wieder, mehr zu empfangen, das viele Schöne, auch kleine Schöne bewusst und dankend anzunehmen. Davon auszugehen, dass Dinge sich finden und fügen. Oft kommen mir neue Impulse – Wünsche, Pläne, Geistesblitze, ja auch Ziele – während der Yoga- & Meditationspraxis, wenn man so will absichtslos. “Was ist wesentlich?” Diese wunderbare Frage hörte ich kürzlich bei Franziska Schulze und ihrem “Soul-Sunday”. Und sie passt so gut zu meiner momentanen Situation: Ich möchte immer wieder wach hinschauen, was sich genau in diesem Moment zeigen will. Was jetzt gerade dran ist. Wie ich mich fühlen möchte. Und dabei auch all die Dinge bewerkstelligen, die erledigt werden wollen: erdig-erdende Themen wie Aufräumen, Kümmern um Instrumentenreparatur und -Neuanschaffung, Klavier üben, PR für unser Duo Bluetwos.

Was wir also nicht vergessen sollten: Alles braucht seine Zeit. Manchmal auch eine lange Zeit. Sofort auf’s Ziel springen zu wollen haut erfahrungsgemäß nicht hin. Vieles darf reifen, auch wenn uns in dieser unserer schnellen Zeit suggeriert wird, wir könnten das meiste schnell bewerkstelligen. Es braucht eine gewisse Entwicklung um etwas zu verändern. Um wirklich zu wachsen.

Meine Frage: Kennt Ihr es auch, dass Ihr meint etwas sehr zu wollen und dabei zu viel Aktivismus an den Tag legt? Dass Ihr “herumrödelt” und das So-Lassen und Empfangen, ja, das Ruhen-Lassen aus dem Sinn verliert?

 

Die Stärke einer Frau

Was macht eine Frau stark? Wie findet sie Kraft in sich?

Ich entdecke mehr und mehr Stärke in mir. Eine Kraft, für die ich keine ganz passenden Begriffe finden kann, eine tiefe Ruhe und Liebe. Und ferner: Stärke in Form von Mich-mehr-Entfalten-Wollen, Vertrauen, Dominanzbedürfnis. Manchmal ängstigt dieses Erleben mich, ich habe Angst davor, von meiner eigenen Kraft überschwemmt zu werden – anders kann ich es nicht ausdrücken. Und gleichzeitig kann ich mich immer tiefer in diese meine Stärke hinein entspannen. Mich fallen lassen. Es gibt Momente, in denen fürchte ich nichts, noch nicht einmal das eigene Ableben.

Den größten Schmerz bereitet mir die Vorstellung, geliebte Menschen verlassen zu müssen, wenn ich sterbe. Unser neunjähriger Sohn fragt mich oft, wie lange ich noch leben würde. Er sagt, er möchte vor mir sterben, denn was solle er denn tun, wenn ich nicht mehr bin. Ich erwidere, schau mich an, ich vermisse Oma und Opa oft wie Hulle, doch gleichzeitig lebe ich ein erfülltes Leben. Ich weiß nicht, ob ihn das überzeugt. Ich ergänze, auch er wird später eventuell eine Partnerin oder einen Partner an seiner Seite haben, vielleicht selbst Vater sein. Auch dieses Bild scheint ihn nicht übermäßig zu beeindrucken.

Die Stärke einer Frau hat für mich viel damit zu tun, dass diese in ihrem eigenen Lebensrhythmus ruht, ihrer eigenen Spur folgt, in sich selbst Sicherheit findet. Eine Frau ist stark, wenn sie es sich erlaubt, auf ihre Intuition zu hören, ihrer inneren Führung zu lauschen. Wenn sie darauf vertraut, Lösungen aus sich selbst heraus zu finden, ohne sich zu sehr im Außen zu orientieren. Guru Rattana, langjährige Schülerin Yogi Bhajans sagt:

„Um einen äußeren Konflikt zu lösen, muss eine Frau ihren inneren Konflikt lösen.“

Aus einem „inneren Raum der Liebe“ können wir uns selbst und andere aus einer Krise emporheben, so Guru Rattana. Ein schönes Bild, finde ich.

Konsequente Praxis von Meditation – sich hinsetzen und überhaupt erstmal wahrnehmen, was es da in uns denkt und sich im besten Fall immer wieder für konstruktive Gedanken entscheiden – hilft uns, uns in einen Zustand des neutralen Geists zu begeben und das Notwendige in der jeweiligen Lage zu tun. Es ist, als würden wir unserer Ausstrahlungs- und Anziehungskraft immer mehr erlauben, für uns zu arbeiten, anstelle uns von selbst kreierten Dramen, die oft auf Angstgedanken basieren, fesseln zu lassen. Häufig kommt es zu „glücklichen Zufällen“, manche sprechen von Synchronizitäten, und die Dinge fügen sich ganz eigenständig ohne dein Zutun. Selbstverständlich gibt es dennoch Phasen, in denen alles zu stocken scheint und gefühlt nichts fließt. Ich mache mir dann klar: Auch diese Phasen gehören dazu, sind Teil des (Lebens-)Flusses.

Auch wenn es in heutigen Zeiten fast provokant klingt: Die wichtigste (Yoga-) Übung für Frauen ist die Tiefenentspannung. Im Idealfall entziehen wir uns zweimal am Tag aus dem Trubel und erleben, dass die Welt sich auch ohne unsere Aktivität weiterdreht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig das oft ist, und gleichzeitig erlebe ich, wenn ich es mache: Welch‘ ein Segen für mich und meine Liebsten!

Was eine Frau besonders stärkt: Lebenszeit mit gleichgesinnten Frauen zu verbringen. Ich war stets ein „Alleine-Macher“, in bestimmten Lebensbezügen sogar auch Außenseiter. Mein Glaubenssatz war „Das schaffe ich auch allein“, resultierend wohlgemerkt aus dem Glaubenssatz „Das muss ich alleine schaffen“. Welch‘ ein Quatsch: Klar liebe ich Allein-Zeit und kann meistens wunderbar für mich sein und sorgen, doch die Kraft eines erhebenden Miteinanders erfahre ich nun immer mehr, zum Beispiel mit anderen yogapraktizierenden Frauen. Auch bin ich in der virtuellen Welt Teil diverser schöner Schwesternschaften, mit denen ich mich austauschen kann.

Wir werden stärker, wenn wir uns regelmäßig in die Natur begeben: Ich kann mich nirgends besser mit mir verbinden als im Wald oder am Meer. Alles Alltägliche relativiert sich und rückt von mir ab.

Wir Frauen verschwenden unsere Energie, wenn wir überwiegend auf äußere Umstände reagieren und uns nach dem Lebensplan anderer (Frauen) ausrichten. Wir verlieren Energie und Kraft, wenn wir uns nicht nach innen fokussieren und unsere Selbstwahrnehmung verlieren. Auch verschwenden wir Energie, wenn wir uns permanent vergleichen, in Konkurrenz treten, wenn wir zetern, jammern, überbewerten. Auch das kennt sicherlich eine jede.

Neulich stolperte ich bei Franziska Schulze über die Frage:

„Wie kann ich mir heute eine gute Mutter sein?

Mit dieser Frage schließe ich meinen Text und wünsche allen eine gute Zeit.

Wobei, eine Frage interessiert mich brennend: Was macht aus Eurer Sicht eine Frau stark?

Von Anmut und Würde

Das letzte Wochenende im Oktober verbrachte ich mit einigen wunderbaren Frauen im Wendland, genauer in Zargleben in einem urigen, denkmalgeschützten Bauernhaus. Wir kamen zu einem privaten Frauen-Kundalini-Yoga-Camp zusammen, teilten Yoga, unsere schöpferischen Kräfte und unser Können.

Eine bereichernde Erfahrung war, dass wir kein Konzept im engeren Sinne hatten und es dennoch – oder gerade deshalb – mehr als ertragreich war: Es gab keinen Zeitplan – kein konkretes, zeitlich gegliedertes Programm – sondern lediglich die Idee, dass eine jede das in die Runde wirft, was sie weitergeben möchte: Wir teilten Yoga-Comedy, Breath-Walk an der frischen, stürmischen Luft, Fuß- & Klangmassagen, ausgewählte Meditationen und Yoga-Kriyas. Ich selbst brachte meine Liebe zur Musik mit ein und sang Mantren mit den anderen. Meine ätherischen Öle, die mich immer mehr in meinem Alltag unterstützen, fanden ebenfalls Resonanz.

Auch kulinarisch versorgten wir uns bestens – mit köstlicher Kürbis-Rote-Beete-Suppe, warmem Apple-Crumble, Energiebällchen, Frischkornbrei und Chai-Tea. Ich erinnerte mich einmal mehr, wie gut es tut, in Gesellschaft zu genießen und das Essen bewusst zu segnen.

Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Tage zog, lautete wie folgt: „Mit Anmut und Würde gestärkt durch den Wandel“. Anmut und Würde sind Qualitäten, die uns Frauen ausmachen und dennoch in vielen von uns noch zurückgehalten werden. Für mich haben Anmut und Würde mit Integrität – sprich der Übereinstimmung meiner Werte mit meinem Tun – und darüber hinaus mit einem inneren Strahlen, der eigenen Selbstsicherheit zu tun. „Wandel“ kann vieles bedeuten und steht für Übergang, Veränderung: der Übergang in die Wechseljahre, in eine unbekannte Kraft und Stärke, einen neuen Lebensabschnitt oder auch ein ganz neues Zeitalter. Guru Rattana, eine langjährige Schülerin Yogi Bhajans, sagt, eine Frau habe ein großes Reservoir an Widerstandskraft und ein fast grenzenloses Potential, Dinge geschehen zu lassen. Ihre Energie könne jedoch durch zu viel Stress erschöpft werden. Umso wichtiger, sich hin und wieder Auszeiten zu nehmen, um in die eigene Kraft zu kommen.

Eine Yogini erzählte von ihrem vier-jährigen Sohn, der oft wenn er etwas verzapft hatte und daraufhin “Schimpfe bekam”, klar und deutlich entgegnete: „Das hab’ ICH gemacht“, woraufhin seine Mutter nichts wirklich Sinnvolles erwidern konnte. Wie herrlich selbstbewusst, die eigene Verantwortung übernehmend! Von dieser Haltung wollten wir uns nun etwas abschneiden und immer wenn wir uns vorschnell für jeden Pup entschuldigen, „Das hab’ ICH gemacht!“ in den Raum werfen. Das Ganze gestaltete sich sehr spielerisch und lustig, vor allem: erhellend. Es ist unglaublich, wie schnell wir Frauen ein „Entschuldige bitte“ aussprechen! In den meisten Fällen ist dies schlicht nicht nötig und transportiert ein überflüssiges „Sich-klein-Machen“. Und nicht nur das: Es kann das Gegenüber auch aggressiv machen, wenn sich jemand ständig entschuldigt.

Wir tauschten uns über all das aus, was uns dankbar macht, ferner über (Yoga-) Literatur, Yoga-Unterricht, Ernährung, den Alltag, Träume und Visionen. Was ich besonders schätze: Wir kamen auf Augen- und Herzhöhe zusammen, lachten viel und begegneten uns sehr authentisch. Ich finde nichts angenehmer, als wenn Menschen sich untereinander wertschätzen, Komplimente machen, sich gegenseitig erheben. Gerade bei uns Frauen potenziert sich meiner Erfahrung nach unsere schöpferische Kraft, unser Können, wenn wir gemeinsam für etwas gehen, uns unterstützen und liebevoll begleiten. Dies ist sicher nicht die Regel – oft blockieren wir uns gegenseitig durch Konkurrenzdenken und Sich-etwas-Neiden – doch eine jede, die die Erfahrung des sich Miteinander-Stärker-Fühlens gemacht hat, wird diese nicht missen wollen und immer öfter Felder mit dieser schönen Energie aufsuchen.

Natürlich war da nicht nur Konsens unter uns: Nicht jede steht auf die früh morgens praktizierte sog. Sadhana, und auch Vorstellungen darüber, wie konkret das Japji, Teil der Sadhana, rezitiert wird, variierten. In diesen Momenten ist es interessant genauer hinzuschauen und zu –spüren, was ich aus der jeweiligen Situation mitnehmen kann. Authentische, offene Frauen sind hervorragende Spiegel füreinander.

Ich fühlte beim Ankommen daheim einen tiefen Frieden in mir, eine Weite und Ruhe. Zu Hause stellte ich fest, dass ich bei Kleinigkeiten oder Worten nicht sofort reagierte, beispielweise mit einer Erklärung oder Rechtfertigung, sondern dass es da tatsächlich eine Lücke in mir gab zwischen Reiz und Reaktion. Am folgenden Tag war dann wieder viel Aufruhr in mir, und “meine Themen” – wunde Punkte, Dinge, die mich in der Tiefe bewegen – begegneten mir wie unter einem Vergrößerungsglas.

Es bleibt spannend. Ich wünsche mir, diese dort erlebte Authentizität mit in den Alltag zu nehmen.

Allen Gefühlen Raum geben

allen Gefühlen Raum gebenNimmst du dir Zeit, deine Gefühle zu leben, sie wirklich wahrzunehmen, mit und aus ihnen zu lernen? Wie gut gelingt es dir, deine Gefühlspalette zu zeigen und zu teilen? In den vergangenen 96 Stunden war ich in sehr nahem Kontakt mit meinen Gefühlen, allen voran den unangenehmen. Mir fällt auf, dass es zwei für mich typische emotionale Schwerpunkte gibt – Zustände, die immer wieder kehren, emotionale Frequenzfelder, die ich mit meinen Emotionen um mich herum erzeuge: Ganz oft fühle ich mich freudig-energetisiert. Es sind Momente, in denen ich vieles aufnehme, in mir bewege, mich inspirieren lasse, mich auch ein wenig hektisch oder aufgeladen fühle. Dieses Befinden ist meist angenehm; manchmal ist es auch ein nervöses Wachsein, wenn ich mich zu “kribbelig” fühle.

Ein weiterer für mich typischer Zustand ist ein Empfinden von Frust-Stagnation-Unzufriedenheit. Was erst einmal unschön und wenig erstrebenswert klingt, hat wiederum auch seine ganz eigene Qualität und wirkt wie ein Triebwerk: Meistens säe ich in Zeiten, die überwiegend von diesem Zustand geprägt sind, neue Ideen, Impulse, Projekte, die dann zu einem späteren Zeitpunkt zum Leben erweckt und manifestiert werden. In der Tat empfinde ich oft so etwas wie Schöpfungsstau, wenn meine kreative Kraft keinen Kanal findet, sich auszudrücken: Ich brauche das Schreiben, mich Schriftlich-Sortieren, das „Etwas-ins-Bild-Rücken“, beispielweise während des Fotografierens, und auch das Stimmlich-Musikalisch-Aktiv-Sein. Ich suche das (Selbst-) Gespräch genauso wie ich mich immer wieder mit essentiellen, philosophischen Fragen beschäftigen muss.

Zurück zu den Erkenntnissen der vergangenen Tage: Mir wurden Dinge bewusst, die mir zuvor nicht so klar waren wie zu jenen Stunden. Ich ertappte mich dabei, dass ich in den vergangenen Wochen gekämpft habe an verschiedenen Fronten. Das große Reizthema dieser Tage ist der Tablet-Gebrauch unseres Sohnes. Sicher können hier einige Eltern diverse Lieder singen: Wie oft, wie lange, was konkret darf gespielt, gezockt werden? Ich kämpfte den Tablet-Kampf, und kämpfe ihn immer noch, wenn momentan auch etwas entspannter.

Mir ist einmal mehr bewusst geworden, dass ich, die mir Freiheit, Freilassen und Freigelassen-Werden so wichtig sind, sehr wohl dazu neige, andere beeinflussen, sie zu etwas bringen zu wollen, was ich für richtig halte. Während ich das schreibe, kommt Scham in mir hoch. Übrigens eins der unangenehmsten, negativsten Emotionen, neben Schuld. Und dennoch zu uns gehörend und uns Verschiedenes lehrend.

Ein Beispiel: Wie gerne würde ich mit meinem Mann Kundalini-Yoga-Kriyas  teilen, die Übungsreihen inklusive gemeinsamem Ein- und Ausstimmen mit einem Mantra, entspannen, meditieren an ihn weitergeben, so wie sie mir nahegebracht wurden? Es ist nicht so, dass ihn Lehre und Praxis nicht interessieren; darüber hinaus ist er auch alles andere als blutiger Anfänger, doch bestimmte Aspekte irritieren, missfallen ihm. Oder anders: Er möchte selbst frei entscheiden dürfen, was er machen will und was nicht. Logo. Und doch für mich manchmal schwer zu verdauen, gerade wenn ich das Gefühl habe: Es tät ihm gut. Am Sonntag, als ich auch mit dem Vorschlag einer gemeinsamen Familien-Radtour bei kaiserlichstem Oktoberwetter nicht landen konnte und letztendlich allein losfuhr, wurde es plötzlich sehr still in mir. Ich spürte Müdigkeit ob dieses Kämpfens, auch: Frust, Traurigkeit. Und dahinter: Schmerz und Ohnmacht. Erinnerungen an meinen verstorbenen Bruder, den ich nicht habe „retten“ können, der schlicht seine ganz eigenen Erfahrungen machen musste, kamen hoch.

Unter dieser ganzen „kampf-betonten Betriebsamkeit“ lagen sie nun also: Schichten von Traurigkeit und Ohnmacht, von altem Schmerz. Im Wahr- und Annehmen dieser Gefühle kam plötzlich auch ein starker Frieden zu mir, eine Ruhe, die mich ausfüllte. Das ist das Schöne: Wenn ein Gefühl seinen ihm gebührenden Raum erhält, wenn es sein darf, kann es auch losgelassen werden. Und es kann wieder Platz entstehen für andere, nach oben ausgerichtete Emotionen – wie Mut, Hingabe, Liebe. Plötzlich kann eine Kraft in uns entfacht werden, die uns wieder in neue Höhen katapultiert: Gerade indem ich mich durch dunkle Ecken meiner selbst navigiere und nicht innerlich kämpfe, komme ich wieder mit meiner Stärke in Kontakt; es ist, als hätte ein Reinigungsprozess auf emotionaler und mentaler Ebene stattgefunden, der wieder Platz für Neues schafft. Ich ahne, warum es heißt, ein Großteil deiner Kraft liegt im Schatten. Spannend.

Lasst uns trauen, zu fühlen, uns zu fühlen – all das zu spüren, was in unserem schnelltaktigen, leistungsbetonten Alltag oft keinen Raum erhält.

Mach mal Pause

Heute zum Ende der Woche möchte ich gern daran erinnern, wie wichtig & – ich wage zu behaupten – überlebensnotwendig Pausen für unser System sind. Ich weiß, es klingt abgedroschen, doch wenn wir nicht pausieren, drehen wir hohl, routieren wir bis ins Unermessliche, bis uns unser Körper oft unerbittlich daran erinnern muss, dass Grenzen erreicht sind.

Pausen sind für mich: kurzes Innehalten, bewusst einen bestimmten Duft, z. B. ein ätherisches Öl riechen, einfach eine Runde “um den Block” gehen, oder noch effektiver: ein Waldbad nehmen, sprich mal ab den Wald; wenige gymnastische- oder Yogaübungen, ein paar Minuten aus dem Fenster schauen, Musik an & tanzen…Da fällt uns sicher allen etwas ein!

Ein letzter kleiner Tipp: Positiv besetzte, wohltuende einzelne Wörter denken, bewusst laut aussprechen hilft mir oft enorm! Neulich testete ich, wie sich das Wort „Geduld“ anfühlt, und ich stellte fest: gut, entschleunigend. So transportiert das Foto für mich (siehe oben, herzlicher Gruß aus dem Südschwarzwald!) ein ganz wohliges, Geborgenheit schenkendes Gefühl.

 

In diesem entspannten Sinne, gehabt Euch wohl!

Kundalini-Yoga

BlumenarrangementEine langjährige Freundin meiner Schwester – und auch ein mir sehr liebgewonnener Mensch – bat mich, Näheres über meine Erfahrungen mit Kundalini-Yoga zu schreiben. Nicht mit der Intention, alle Welt zum Praktizieren von Kundalini-Yoga zu animieren, sondern um meinen eigenen Weg zu mir, in mein Verständnis von innerer Freiheit zu beschreiben. Und sicher auch, um Wege, Werkzeuge, Methoden aufzuzeigen, die uns helfen können, uns in diesen (w)irren Zeiten auszurüsten und zu navigieren.

Hier nun also. Kundalini-Yoga wird oft als das „Yoga des Bewusstseins“ beschrieben. Es beinhaltet zahlreiche dynamische Übungen, Meditationen und das Singen von Mantren. Es geht darum, Bewusstseinsprozesse und –veränderungen zu initiieren, sprich immer klarer und bewusster zu werden, eigene Schleier nach und nach zu lüften. Der Zustand von Shunia, von Leere oder Stille – der sog. „Null-Zustand“, den wir suchen, ist in heutigen Zeiten wichtiger denn je. Kundalini-Energie wird oft als die am unteren Ende der Wirbelsäule, wie eine Schlange zusammengerollte schlafende Kraft beschrieben, welche durch yogische Praktiken erweckt werden und aufsteigen kann. Ich persönlich finde das Bild hilfreicher, die Kundalini-Energie als unsere Lebensenergie zu betrachten, nicht als etwas Mysteriös-Externes. Im Praktizieren geht es um einen graduellen Prozess von Lebendiger- und Bewusster-Werden – es geht darum, immer vollständiger sein eigenes Leben zu leben.

Oft sind Menschen im (Irr-)Glauben, Kundalini-Yoga sei etwas Gefährliches, da immer wieder wilde Geschichten um das Erwachen der Energie kursieren. Das Kundalini-Syndrom gibt es tatsächlich, auch ist es ein feststehender Begriff in der Psychopathologie. Doch in der Tradition des Unterrichts von Yogi Bhajan arbeiten wir daran, die Energie langsam wachsen zu lassen. Die Kriyas (feststehende Übungsreihen) sind so konzipiert, dass „Sicherungen“ eingebaut sind, um sich immer wieder zu erden, sprich nicht abzuheben, so dass die Energie unten“ gesettelt“ bleibt.

Kundalini-Yoga ist eine Technik – vergleichbar mit einem Raketentreibsatz – die auch im Alltag praktikabel ist. Durch die bewegte Komponente kommt etwas Weiteres hinzu: Wir arbeiten am elektromagnetischen Feld, dies wiederum hat eine Rückwirkung auf unser Nervensystem, welches dank Kundalini-Yoga immer stärker wird. Wir lernen, uns immer weniger von den Polaritäten des Lebens hin- und herwerfen zu lassen. Wir lernen auch, selbst Energie generieren zu können und unseren Energielevel aufzufüllen, so dass wir mehr haben als wir brauchen. Unter diesen Umständen ziehen wir auch Menschen an. Voraussetzungen hierfür sind Selbstfürsorge und –liebe.

Satya Singh beschreibt Yoga auch als eine Veränderung in der Gesellschaft, deiner Position in der Gesellschaft – nicht nur als einen innerlichen Prozess. Das Ziel des Yoga, so Satya Singh, sei kein „von anderen losgelöster Erleuchtungszustand“, der dich in einem Ozean von ewigem Frieden schweben lasse, während alle anderen Leute weiter Probleme haben, sondern Ziel sei es, das untere Dreieck, sprich die unteren Chakren mit dem oberen Dreieck, den oberen Chakren, zu verbinden – hin zum Herzchakra. Es gehe darum, so menschlich wie möglich zu sein – Humor, Liebe, Toleranz walten zu lassen. Durch meine Ausstrahlung und Präsenz andere Menschen zu erheben.

Was ich außerdem wunderbar an Kundalini-Yoga finde: Es ist eine hervorragende Möglichkeit, deine Grenzen zu verändern und zu erweitern, mit den körperlichen die geistigen und emotionalen. Wir leben mit und durch Programme(n): „Ich muss pünktlich sein.“ „Ich sollte dies und jenes machen oder können.“ Und, und. Mit Yoga programmieren wir uns neu. Der Körper weiß, was ihm gut tut. Wir achten nur oft nicht darauf, da wir ein anderes Programm fahren. Es heißt, sobald du Kundalini Yoga praktizierst, wirst du wachsen und dich wie eine Schlange alter Häute entledigen müssen, um immer mehr zu dem oder der zu werden, der oder die du bist. Oder einfacher: Wir machen Yoga, um immer mehr wir selbst zu sein.

Die Frage „Welche Dinge stimulieren dich innerlich in deiner Seele?“ klopft dank Kundalini-Yoga immer dringlicher und lauter an. Mich zu trauen zu schreiben, auch öffentlich, ist in diesem Zusammenhang eine weitere „Nebenerscheinung“. Oft spüre ich, dass Menschen neben und mit mir zur Ruhe kommen, sich angenommen fühlen. Neben diesen heilsamen Aspekten konfrontierst du als Kundalini-Yogalehrer auch unbewusst: Du wirst zum Spiegel. Geschieht das Konfrontieren aus Liebe, ist es wunderbar und hat seinen Platz.

Was ich auch merke: Manchmal macht mich die Praxis schlicht glücklich, auch euphorisch – wenn nicht während der Asanas spätestens im Anschluss daran. Wie sagte unsere Ausbilderin so schön? Wir müssen unser Nervensystem auch erst einmal trainieren, es auszuhalten glücklich zu sein. In der Regel überflutet und unser Geist ja mit zahllosen Gedanken, den wenigsten davon zuträglich.

Sobald ich selbst Unterrichtserfahrungen als Kundalini-Yogalehrerin gesammelt habe, lasse ich Euch wissen, welche weiteren Erfahrungen ich mache. Wie hieß es so treffend in der Ausbildung? „Wenn ich selbst eine Erfahrung habe, kann ich meine Erfahrung auch weitergeben.“ Dies gilt sicherlich für viele Lebensbereiche.

Ich hoffe, ich konnte mit Euch das Geschenk teilen, welches mir dank Kundalini-Yoga zuteilwurde.

Alles Liebe von mir.

Alles zu seiner Zeit

Oft will ich vieles sofort. Oder Bestimmtes genau jetzt. Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass Dinge Zeit brauchen, Antworten dann kommen, wenn sie dran sind. Wie häufig tendieren wird dazu, unser Leben fest im Griff haben zu wollen, Dinge beeinflussen und kontrollieren zu wollen!

Das Verrückte ist: Je häufiger ich einen Gang herunter schalte und es mir tatsächlich gelingt, etwas laufen und einfach sein zu lassen, nicht verändern zu wollen, umso eher und schneller kommt die Veränderung auch. Umgekehrt gilt: Je stärker ich die Zügel anziehe, je mehr ich mich krampfhaft, von außen motiviert anstrenge und in einen oft schon übereifrigen Aktionismus verfalle, umso verspannter und blockierter werde ich auch: Die gewünschte Veränderung lässt dann auf sich warten. Wenn ich feststecke in einer Gedankenschleife oder einer sich im Kreis drehenden Handlung gehe ich nun immer häufiger vor die Tür und vertrete mir die Beine im benachbarten Stadtwald. Ich kenne fast nichts – außer manchmal einfach nur dazusitzen – was mich wieder mehr zu mir selbst bringt, den Fokus vom Außen auf das Innen lenkt.

Das Zauberwort heißt Geduld. Oder ein schlichtes: Alles kommt zu seiner Zeit. Alles braucht seine Zeit. Ich weiß nicht, ob wir tatsächlich alles haben können, doch ich glaube, wir können vieles haben – nur nicht sofort, sondern dann wenn die Zeit und wir dafür reif sind. Je mehr ich so denke, umso stärker kann ich mich in mich hinein entspannen, umso tiefer kann ich ausatmen und somit loslassen.

Im Zusammenhang mit dem Tod meiner Mutter kommen nun zahlreiche Aufgaben und Fragen auf meine Geschwister und mich zu. Zu allem Überfluss mussten wir kürzlich einen Wasserschaden im Elternhaus beheben und uns darin üben, die Dinge Schritt für Schritt anzugehen, uns da durch zu ackern und zu atmen. Viele Fragen sind offen, momentan wissen wir nicht, was konkret mit dem Haus geschieht, doch auch hier heißt es: Geduld. Es wird sich finden, und es wird sich fügen.

Manchmal brauchen auch unsere Träume Zeit. Nicht jeder alte Traum erweist sich in der Gegenwart als noch aktuell, gleichzeitig erfüllt sich ein großer Wunsch oft schneller als wir ahnen. Oder aber es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis sich ein Wunschtraum erfüllt. „In Sachen Schreiben“ hat sich für mich ein großer Traum verwirklicht bzw. wird sich voraussichtlich Ende des Jahres erfüllen – dazu mehr, wenn es soweit ist.

Zu unterscheiden, wann es Zeit ist loszulassen und wann es angezeigt ist dranzubleiben, ist oft alles andere als leicht. Von Yogi Bhajan, Meister des Kundalini-Yoga, stammt der Ausspruch „Keep up and you’ll be kept!“, „Halte durch und du wirst gehalten!“, welcher mir schon in vielen Lebenssituationen geholfen hat, nicht nur in meiner Yogapraxis. Es gibt Dinge, z. B. eine 90-tägige Yoga-Kriya, zu denen verpflichte ich mich freiwillig, da ich davon überzeugt bin, dass sie mir zuträglich sind, auch wenn ich zwischendurch aufgeben möchte. Anderes wiederum, oft Dinge von denen wir meinen, sie machen zu müssen, kann ich fallen lassen, wenn sie mich hindern, meine eigene Spur aufzunehmen und zu verfolgen. Für dieses Unterscheiden sensibilisiert zu werden kann ich meiner Erfahrung nach üben. Oft schickt uns das Leben Zeichen, die wir nicht sogleich deuten wollen oder können. Es erfordert auch Mut, diese Zeichen nicht als Humbug abzutun, sondern wach und fein hinzuschauen und zu –spüren:

Was ist es, das sich zeigen will? Was konkret will mir das Leben gerade sagen? Wann darf ich geduldiger sein?

Genießt den Juli.

 

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