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Erlebtes & Belebendes

Kategorie: Selbstfürsorge (Seite 1 von 2)

Freundschaften und Felder

Ich frage mich, wie schnell oder tief andere Frauen meiner Generation – ich bin Baujahr‘ 77 – neue Freundschaften schließen. Und hiermit meine ich keine 392. Facebook-Freundschaft, sondern ein wahrhaftiges, waches Sich-Einlassen auf ein Gegenüber. Ein Sich-Zeit-Nehmen, ein geduldiges, liebevolles Sich-Abtasten: Wie tickt der andere? Wie steht er oder sie im Leben? Was berührt den anderen in der Tiefe? Wovon flüstert seine Sehnsucht? Abgesehen davon mache ich im Übrigen auch die Erfahrung, dass tiefe, berührende Verbindungen ebenso im und via Internet möglich sind. Auch auf schriftlichem Wege können wir uns begegnen und essentielle, gemeinsame Themen kommunizieren – vorausgesetzt beide schreiben gern.

Dennoch: Analog lebt sich’s intensiver, sprich der Austausch von Aug‘ zu Aug‘ bleibt doch konkurrenzlos.

Ich war viele Jahre lang in dem Glauben, ich bräuchte keine neuen Freunde – fühlte ich mich doch in Sachen Freundschaften reich beschenkt. Meine engen Freunde kenne ich mitunter auch seit Jahrzehnten und schätze diese tragenden Verbindungen. Nun verändern sich Menschen und Umstände auch im Laufe der Zeit – ich glaube, dies ist der natürliche und für mich auch wünschenswerte Gang der Dinge – so dass Menschen, die einem eine Zeit lang nah standen, das eigene Leben, den eigenen Radius auch wieder verlassen können.

Ich finde: Das darf auch sein. Die Qualität der Beziehung kann trotzdem eine starke, eine intensive gewesen sein. Wir dürfen unserer Wahrnehmung trauen und uns unsere Freundschaften genauer ansehen, in unseren Freundschaften aufräumen: Tut uns diese Freundschaft gut? Gehe ich – allein wenn ich an diesen anderen Menschen denke – innerlich auf, fühle ich mich ermutigt und inspiriert? Unterstützen mich Freunde in meiner persönlichen Weiterentwicklung und akzeptieren sie diese? Können sie mit mir nicht nur Leid sondern auch meine Erfolge teilen? Oder geht meine Energie eher runter (auch wenn ich diesen Menschen lieb habe, auch das gibt es ja)? Werde ich eher in meinen Ängsten und Zweifeln bestärkt? Unser Körper gibt uns meist sehr schnell und eindeutig darüber Auskunft, wie wir uns in Gegenwart des anderes fühlen: Sind wir erschöpft, werden wir müde, oder auch innerlich eng? Oder geht unser Herz auf, fühlen wir uns weit und gelöst?

Es geht nicht darum, Menschen unbedacht und unreflektiert „aus unserem Leben zu schmeißen“, doch wir dürfen uns trauen uns zu fragen: Nährt oder erschöpft mich diese Freundschaft? Ist da evtl. etwas, das mir dauerhaft nicht gut tut, bedarf es eines gesunden Grenzensetzens? Manchmal passt es auch nach einer Zeit lang wieder, oder aber wir sind auch mal eine Weile allein, und es kommen Freunde nach. Ich hatte im Laufe meines Lebens auch schon die Erkenntnis von: Das Alte trägt nicht mehr. Wir dürfen loslassen. Oder vielmehr: Die Beziehung lässt uns offenbar los.

Veit Lindau sagt:

„Da jede deiner Beziehungen ein Feld ist, welches dich stärkt oder schwächt, ist es dein gesundes Recht zu wählen, mit wem du deine kostbare Lebenszeit verbringen möchtest.“

Für mich heißt dies: Ich habe das Recht und auch die Pflicht, dafür zu sorgen, mir ein Umfeld zu suchen, welches mir wohlgesonnen, welches unterstützend ist. Ich darf mich fragen: Welche Felder erheben mich? Welche zocken mir Energie ab? Fairerweise sollte ich das natürlich umgekehrt genauso fragen: Erhebe oder schwäche ich den anderen bzw. den Raum, den ich betrete?

Ich möchte mich so sicher fühlen, dass ich mich entspannen kann und gleichzeitig so frei fühlen, dass ich mich entfalten kann. Gesunde Beziehungen möchte ich pflegen und schützen, ungesunde ziehen bzw. fallen lassen.

Zurück an den Anfang meines Textes: Ich habe dieser Tage das Glück – so empfinde ich es – in eine neue Freundschaft hinein wachsen zu dürfen. Im Herbst letzten Jahres habe ich eine tolle Frau auf Sylt kennen gelernt, zusammen mit unseren fast gleichaltrigen Söhnen. Sie wächst mir mehr und mehr ans Herz, mein Empfinden sagt mir, ihr geht es ähnlich. Und was herrlich ist: Ich traue mich – vielleicht zum ersten Mal – jemandem von Beginn an mit all meinen Ecken, Kanten und auch unliebsamen Eigenschaften zu begegnen, mich ihr zuzumuten und mich meiner Angst vor Ablehnung zu stellen. Ich lerne, klar zu zeigen, was ich will und was ich nicht will. Da Ehrlichkeit und wahrhaftige Kommunikation ihr offenbar genauso wichtig sind wie mir, wir gleichzeitig jedoch in vielen Bereichen auch unterschiedlich ticken, erschaffen wir uns beide ein wunderbares Feld des gemeinsamen Wachsens. Wir sind beide sehr wach und neugierig und freigiebig mit Wertschätzung und Freude. Und ich spüre: Wir lösen beide Kraft ineinander aus und unterstützen uns, unser Potential zu entfalten.

Auf die Freundschaft.

Was Frauen gut tut

Heute richte ich mich in erster Linie an uns Frauen, was nicht heißt, dass Männer die Themen nicht ebenso interessieren könnten.

Sowohl uns Frauen als auch Männern werden in diesen Zeiten viele Aufgaben und Rollen zuteil, die uns immer wieder an unsere Grenzen bringen. Wir alle beobachten – bei uns selbst und Menschen in unserem Umfeld – wie gestresst, wie überflutet, unruhig und abgelenkt wir oft sind.

In der Yogalehrer-Ausbildung bekamen wir Frauen vor einiger Zeit eine Hausaufgabe, die uns offenbar erstaunlich schwer fällt: Wir sollen – am besten zeitlebens – zwei Mal täglich 11 Minuten komplett entspannen, idealerweise in der Rückenlage, tief ruhend. Im Übrigen wird Männern empfohlen, einmal am Tag für 31 Minuten ein Nickerchen zu machen. Während wir von einem zum nächsten Ausbildungswochenende noch fleißig dabei waren zu entspannen, verlor der Großteil der Gruppe die Aufgabe in den sich anschließenden Wochen aus dem Fokus. Im besten Fall wurde dann einmal am Tag 11 Minuten entspannt. Ähnliches kann ich bei mir selbst beobachten. (Zumal nun auch noch eine 31-minütige Meditation in den Tag mit aufgenommen werden will…).

Tief entspannen und somit die Verteilung von Prana, der vitalen Lebenskraft, im Körper zu verändern, neu auszubalancieren, bedeutet auch: wirklich alles fallen zu lassen, an den Boden abzugeben. Den meisten Menschen fällt Entspannung aufgrund von unterschwellig vorhandenem emotionalen Konflikt oder Aufruhr sehr schwer. Ein Leben in innerem Aufruhr entspricht voll und ganz dem Zeitgeist. So gesehen ist unsere Fähigkeit, uns zu entspannen, umso wichtiger und für das körperliche und geistige Wohlbefinden unentbehrlich. Oft begleitet uns – wenn wir nicht geübt darin sind, innezuhalten und unseren Geist bewusst zu lenken – ein innerer Dialog aus Besorgnis und Angst. Im Yoga heißt es: Frauen denken 6 Dinge gleichzeitig – dies ist der „normale“ Bewusstseinszustand einer Frau und hat zur Folge, dass wir uns auch schnell ablenken lassen. Meine Beobachtung: Eine Frau, die entspannt ist und gut in sich hineinlauscht, erhält jede Antwort.

Jede Antwort, die du in jenem Moment wissen musst und die wirklich relevant ist, findest du in dir, kannst du nur in dir empfangen – nicht im Außen.

Je entspannter du bist, umso klarer, vom Herzen her kannst du kommunizieren. Ich spreche gern und viel mit mir selbst, oft auch laut. Und frage mich: Was ist gerade los? Habe ich Angst, habe ich Stress? Was fehlt mir, oder was traue ich mich gerade nicht zu tun oder zu sagen?

Schau was dir hilft, dich zu entspannen! Neben der Tiefenentspannung in Rückenlage können das Aktivitäten in der Natur sein, das Spielen eines Instruments; einfach nur dazusitzen mit einem Tee oder Kaffee, in der Wanne abzutauchen – all dies kann dich in Kontakt mit dir selbst bringen.

Ein wichtiger Gedanke, der uns Frauen meines Erachtens auch enorm hilft: Sei dir bewusst, dass eine Frau zwischen zwei Polaritäten hin und her schwingt (diese Erkenntnis habe ich auch in meiner Yoga-Ausbildung gewonnen und glaube zutiefst an ihren Wahrheitsgehalt): die der Frau und die der Mutter (der Hegenden und Pflegenden). Die Frau-Seite impliziert eine energische Qualitätklar, analytisch, scharf. Die Mutter-Seite wiederum ist gebender, vergebender und dienender Natur. Auch Frauen ohne eigene Kinder verfügen über diesen mütterlichen Aspekt. Beide Seiten wollen gelebt, beide Aspekte genutzt werden. Selbstverständlich bist du mehr in deiner „Mutter-Energie“, wenn du zwei Kleinkinder hast. Doch eine Frau wird sich sicher ausgeglichener, fröhlicher und auch energiegeladener fühlen, wenn sie sich Zeit für sich selbst nimmt.

Im Übrigen sind auch Männer mit zwei Polaritäten konfrontiert: Mann und Vater. Da ist auf der einen Seite der Familienmensch bzw. „der zivilisierte Mann“, welcher es behaglich mag und ein gemütliches Zuhause schaffen möchte; gleichzeitig wohnt in einem Mann auch der „wilde Mann“ – „maximal mit einem Messer ausgerüstet“, der seine Freiheit leben möchte. Verantwortung versus Frei-Sein – beides muss gelebt werden, damit Mann glücklich werden kann. So wird es sicher auch nicht funktionieren, Männer komplett anzubinden – letztendlich wird so niemand in der Partnerschaft glücklich.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass diese Bilder natürlich klischeehaft wirken. Es gibt pauschale Aussagen, die uns helfen sollen, Tendenzen zu sehen, zu verstehen – und es gibt Individuen.

Uns Frauen tut es auch ausgesprochen gut, uns mit anderen Frauen kraft- und liebevoll zu verbinden. Sich auszutauschen, zu ermutigen, mal in den Arm zu nehmen und sich möglichst wenig miteinander zu vergleichen. Ich genieße z. B. die Power und den Zusammenhalt in unserer Ausbildungsgruppe enorm.

Ich fühle mich innerlich durchflutet mit Leben, wenn es mir gelingt, in Frieden mit mir selbst zu sein, meinem Inneren zu vertrauen und mich vom Leben führen zu lassen. Ich glaube, eine Frau, die in sich ruht, stark in sich selbst steht ist auch ein großes Geschenk für eine Gemeinschaft.

Uns Frauen wünsche ich, dass wir uns trauen, voll und ganz wir selbst zu sein, zu inspirieren, Wachstum zu ermöglichen und zu fördern.

Was bedeutet für Euch Entspannt-Sein? Was macht es mit Euch?

 

 

Sich erheben und dabei berührbar bleiben

Skorpion der lächelt (Origami, gefaltet)Im Kontakt zueinander wird es meistens an den Grenzen spannend: an den Punkten, in den Momenten, in welchen wir stark durch die Worte oder das Verhalten des anderen berührt, bewegt oder auch verletzt werden. „Kontakt findet an Grenzen statt“, heißt es in der Gestalttherapie. Wir werden berührt, wenn wir in unserer Gänze gesehen werden, wenn das Gegenüber uns wirklich erkennt – manchmal vielleicht sogar, bevor wir selbst jenen Zug an uns entdeckt haben. Wir alle wünschen uns, so gesehen zu werden, wie wir wirklich sind. Ich glaube, dies ist unser tiefstes Bedürfnis und auch das, was uns am meisten Angst macht.

Wir fühlen uns aufgebrochen und gleichzeitig höchst verletzbar, wenn ein anderer unsere Scham – das Gefühl nicht liebenswert und nicht gut genug zu sein – wahrnimmt; gleichzeitig kann hier eine Nähe entstehen, ein tiefes Verständnis füreinander, welches uns bereichern, unsere Beziehung reifen lassen kann.

Unsere Verletzlichkeit ist der Weg zueinander“

sagt Autorin Brené Brown (Psychologie Heute, März 2017, Heft 3). Das denke ich auch. Immer mehr. Natürlich kann und möchte ich nicht jedem mein Herz ausschütten. Wir dürfen bewusst wählen, wen wir wann an welcher Thematik, an welchem Punkt unseres Lebens und dem was uns in der Tiefe beschäftigt teilhaben lassen. Viele Menschen gestehen sich nur schwer eigene Schwächen zu: Ihre Angst davor, was andere über sie denken könnten, ist so groß, dass sie auch nicht gut mit der Verletzlichkeit oder der Fehler-Toleranz anderer sich selbst gegenüber umgehen können. Brown rät dazu, uns zu fragen, ob die Beziehung das Gewicht der Geschichte aushält, bevor wir jemandem unser Herz ausschütten.

Wie sollen andere mir etwas zugestehen, was sie sich selbst nicht erlauben können? Oftmals fahren Menschen ihre Krallen aus oder senden Pfeile auf’s Gegenüber, die eigentlich ihnen selbst gelten: Unter Umständen triggert ein Verhalten den anderen an einem Punkt, an einem wunden Punkt. Bin ich auf dem Weg der Selbstfürsorge und –liebe, stelle ich mein Wohlergehen mehr und mehr ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit, so stößt das nicht überall auf Gegenliebe: Die Fürsorge sich selbst gegenüber ist wohlmöglich im System des anderen, sich stark kritisierenden Menschen (noch) gar nicht präsent. Daher fehlt hier vermutlich auch das Vermögen sich einzufühlen. Ein Mensch auf dem Weg in die innere Freiheit, in einen gesunden Egoismus kann zur Projektionsfläche, zur Zielscheibe unausgegorener Gedanken und unverarbeiteter Emotionen werden. Insofern würde es uns alle in unserer Entwicklung weiterbringen, wenn wir uns mehr und mehr trauen würden, uns „unseren Dämonen“ zu stellen, uns  unsere Schattenseiten anzuschauen und uns gleichzeitig darin zu üben, immer mehr unser Licht nach außen zu tragen.

Wenn wir uns erheben – ohne uns über andere zu erheben – wenn wir in unsere Kraft kommen, unsere Wahrheit kennen und nach außen tragen, halten wir unserem Umfeld einen klaren Spiegel vor: Wir strahlen aus, dass Veränderung ansteht, wir nicht mehr bereit sind, gewisse Glaubenssätze zu akzeptieren, oder wir zeigen, dass wir nicht weiter in selbst oder gesellschaftlich auferlegten Grenzen leben wollen und nicht mehr bereit sind, eine Art von „Kleinheit“ hinzunehmen. Dadurch irritieren wir den einen oder anderen, ruckeln an seinem Lebensmodell und sind auch weniger manipulierbar – unser Verhalten kann Unbehagen und Angst beim anderen auslösen.

Hier berührbar und offen zu bleiben, offen auch für konstruktive Kritik, kann meines Erachtens alle Beteiligten wachsen lassen; sich nicht angegriffen zu fühlen und sofort zurückzuschießen, gleichzeitig bewusst seine eigene Spur weiter aufzunehmen, ist eine Kunst. Klarheit zu transportieren, sich klar auszudrücken muss man üben und sich auch erlauben, denn: Klarheit bringt Präsenz und Sichtbarkeit mit sich, und nicht jeder in meinem Umfeld ist für (meine) Klarheit bereit.

Ich beobachte, dass viele von uns ihr Licht unter den Scheffel stellen. Vor Jahren habe ich mich beispielweise nicht getraut, für unser Schwesternduo Bluetwos – meine Schwester Kati & ich treten unter diesem Namen auf – verstärkt Werbung zu machen. „Verrückt“, denke ich heute. Oder aber ich war mir unsicher, wie Menschen in meinem nahen Umfeld auf diese Seite, seisofrei-lebenskunst und mein neues Sein als Schreiberling reagieren würden. Mittlerweile denke ich: Es muss ja nicht jede(r) etwas damit anfangen können. Dass ich viel Freude dabei habe, ist sicher niemandem entgangen. Das viele Schöne, das auch durch diesen Blog Einzug in mein Leben erhält, spricht für sich. Zurück zum Licht: Ich möchte dazu ermutigen, kühner zu denken, sich Großes zu wünschen und zu einer warmen, gütigen, selbstbewussten Sonne zu werden, die ihre Mitmenschen dazu inspiriert, sich auch zu ihrer Größe zu bekennen.

Ich bin mir sicher: Tief im Innern ist ein Ort in uns, der stets voller Vertrauen ist und nicht müde wird, Vertrauen in die Welt zu tragen. Deshalb: Trauen wir uns, unseren ganz eigenen Weg zu gehen.

 

Selbstliebe und gesunder Egoismus

Der dieser Tage fast inflationär gebrauchte Begriff Selbstliebe lässt die einen an etwas Erstrebenswertesdie Grundlage allen Seins, aller Beziehungen denken; die anderen wiederum assoziieren schnell und meist unreflektiert Egoismus mit diesem Begriff, etwas „das man nicht haben darf“.

Insbesondere christlich geprägte Frauen-Generationen unserer Mütter und Großmütter hatten mit Selbstliebe wenig am Hut: Es ging eher um’s Schaffen, die Familie-Zusammenhalten, Funktionieren, Sich-Zurückstellen. Heute, in einer Zeit, in der jeder scheinbar alles sein oder verwirklichen kann, in der wir hierzulande materiell sehr gesättigt sind und es oft um das Befriedigen schnellen, hedonistischen Glücks geht, rückt die Selbstliebe immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Was ist dran an der Selbstliebe, inwieweit hilft und fördert sie uns? Und warum haben wir solche Angst davor, egoistisch zu sein bzw. als egoistisch zu gelten, wenn wir uns um uns selbst kümmern?

Es ist offenbar unrühmlich, egoistisch zu sein. Veit Lindau brachte kürzlich in einem Interview auf die Frage, wie man Menschen klar machen könne, dass Selbstliebe eben nichts mit Egoismus zu tun habe, die kühne Antwort: Es habe miteinander zu tun, Selbstliebe sei egoistisch. Und weiter – diese Worte bringen Klärung:

Gesunder (!) Egoismus sei seines Erachtens Pflicht – es stelle sich also die Frage: „Wie kann ich Egoismus gesund etablieren und weiter entwickeln?“ Wie kann ich von einer Egozentrik, im Übrigen eine wichtige Entwicklungsphase in der Kindheit, in eine „Ethnozentrik“ kommen, wo ich anfange, auch immer mehr die anderen mit einzubeziehen – sich weiter entwickelnd in eine „Welt- bzw. Kosmo-Zentrik“, in der ich beginne, alles zu sehen? Interessante Fragen.

Da ich Lindaus Ansicht zum Thema „Selbstliebe“ teile, hier ein schönes Zitat:

„Gesunde Selbstliebe schafft immer Raum für andere Menschen. Ich entspanne mich. Und sehe Menschen um mich herum. Mehr Mitgefühl entsteht.“

Ich glaube, darum geht es: sich zunächst selbst aufzufüllen – mit dem, was ich brauche, insbesondere Liebe, aus dieser Fülle heraus durchflutet zu sein mit Leben und ein „Mehr“ an Energie auch für andere einzusetzen. Meine Intuition immer wieder zu fragen: „Was brauche ich gerade?“. Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen anstelle still und heimlich zu erwarten, der andere möge dies oder jenes tun und merke doch, was man selber wolle. Ganz ehrlich: Eine solche Erwartungshaltung, ein solches Verhalten nervt schlicht! Du kannst dich darin üben, Dinge aus innerer Klarheit und einem reinem Gewissen heraus zu sagen, zu begründen anstelle zu rechtfertigen.

Diese Haltung der Selbstliebe bzw. -fürsorge hat nichts mit Ellenbogen-Egoismus oder gar Narzissmus zu tun, im Gegenteil: Menschen mit einem ausgewogenen, gesunden Egoismus sind meiner Erfahrung nach entspannte Zeitgenossen. Wenn jemand von sich behauptet, nein, er sei nicht egoistisch, sondern denke in erster Linie an andere, so kann man sich fragen: Ist dieser jemand nicht genauso egoistisch, wählt jedoch eine andere Strategie um auf diesem Wege Anerkennung zu erhaschen?

Ich glaube fest daran: Wir haben alle mehr voneinander, wenn wir gut für uns und unsere Gesundheit sorgen, mit dem was wir lieben erfolgreich sind und diese Gaben großzügig teilen. Wenn wir unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten zum Wohle anderer einsetzen.

Falls du Angst oder Bedenken haben solltest, gegenüber einem anderen, um Hilfe oder einen Gefallen bittenden Menschen ein „Nein“ auszusprechen hilft der Gedanke: „Ich bin mit meinem „Nein“ nicht egoistischer als mein Gegenüber, das meine Hilfe erbittet.“ Ich darf und muss oft auch „Nein“ sagen. Was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass du nicht um Hilfe bitten sollst. Vielleicht dürfen wir alle mit der Zuschreibung „egoistisch“ etwas freundlicher und milder umgehen und uns selbst auch eine angemessene Portion Egoismus zugestehen.

Eine Erfahrung aus meiner Yoga-Praxis ist: Je stärker meine Ausstrahlung, meine Aura ist, umso stärker strahlen meine Bedürfnisse nach außen und werden mir oft von meinen Mitmenschen erfüllt.

Ich versuche immer mehr, Situationen zum Wohle aller Beteiligten zu lösen – zu meinem Wohl und zu dem meines Umfelds. Was paradox klingt und natürlich nicht immer gelingt ist doch möglich, wenn wir unseren Geist dehnen und neue Gedanken denken, neue Ideen entstehen lassen. Es müssen und können auch nicht stets alle Bedürfnisse aller auf einmal erfüllt werden, doch ich kann mit gewissem Weitblick Situationen so gestalten, dass möglichst viele auf ihre Kosten kommen, frei nach dem Motto: „Heut bin ich dran, morgen du – oder umgekehrt.“

 

 

 

 

Wunschgefühle

Origami-DracheZiele sind gut und schön. Welche zu haben und zu verfolgen macht oft Sinn. Doch noch sinnvoller kann es sein, darüber nachzudenken und in sich aufzuspüren, weshalb ich bestimmte Dinge erreichen will, was konkret mich antreibt.

Leitfaden sind unsere GefühleWunschgefühle, die wir immer wieder bewusst oder unbewusst suchen, bestimmte emotionale Zustände, die uns erfüllen.

„Empfindungsglück“ – hedonistische Freude oder Genuss im Augenblick – erleben wir, wenn wir etwas Schönes erfahren, ja, wenn wir genießen. Hier erleben wir Freude, Lust, Zufriedenheit, Wohlbehagen: Ein Spa- oder Saunabesuch, ein kulinarischer Moment oder eine herzliche Umarmung können uns diese Form des Glücks bescheren.

„Erfüllungsglück“ – das Erleben eines guten, sinnhaften Lebens – hat viel mit auf mich zugeschnittenen Tätigkeiten und damit verbundener intrinsischer Motivation zu tun. Darüber hinaus erfüllt es mich, meine Talente und Träume „auf die Straße zu bringen“ und mich bewusst an andere zu verschenken, in einer mir und meinem Umfeld zuträglichen Weise zu dienen.

Veit Lindau spricht vom inneren und äußeren Ruf – wenn es mir gelingt, diesen zu finden, erlebe ich meines Erachtens auch „Erfüllungsglück“: Meinem inneren Ruf komme ich auf die Spur, wenn ich mich frage, was – insbesondere auch langfristig – Freude und Kraft in mir auslöst, was sich richtig anfühlt. Gleichzeitig kann ich mich fragen, wann andere stärker mit Anerkennung und Freude auf mich reagieren – wann sie mich sehen, und was genau sie sehen (äußerer Ruf).

Zurück zu den Wunschgefühlen. Meine absoluten Wunschgefühle sind: frei, voller Liebe, geborgen, verbunden (mit Menschen und einer „höheren Kraft“), mutig, freudig-erregt, begeistert, reich (im Sinne von „voller Fülle“). Darüber hinaus fühle ich mich gerne dankbar, tief entspannt, sortiert (klar), weit, großzügig, sanft, ekstatisch.

Oft bin ich auch gerne melancholisch oder sentimental, ja, hin und wieder kann ich ebenso der Wehmut einiges abgewinnen. Wut kann unangenehm sein, setzt gleichzeitig jedoch auch oft eine starke Kraft in mir frei. Trauer hat auch ihren Platz, nur scheinbar grundlos traurig sein lässt mich einsam und verloren fühlen. Scham und Ohnmacht sind „Zustände“, die ich ganz fürchterlich finde, auch auf Angst kann ich meistens gut verzichten, es sei denn, es gelingt mir, diese in „freudige Erregung“ umzuwandeln, umzudeuten.

Autorin und Lifecoach Franziska Schulze formulierte in einem ihrer Videobeiträge folgenden Satz:

Äußere Ziele sind immer eine Projektion von Zuständen, die wir fühlen wollen.

Womit wir wieder beim Anfang meines Textes wären:-).

Bevor wir nun also wild Vorsätze und Ziele für 2017 oder wann auch immer formulieren, dürfen wir zunächst einen genauen Blick auf unsere Gefühle richten.

Welche sind Eure Wunschgefühle?

P.S.: Auf dem Bild neben dem Beitrag seht Ihr einen gefalteten Origami-Drachen unseres Sohnes – dieser entstand im absoluten Flow, passend zum Thema.

In die Ruhe finden

den-wald-vor-lauter-baeumen-nichtGerade aus einer Yogastunde kommend möchte ich heute gerne etwas mit Euch teilen. Die Yogalehrerin Dorte Strehlow begann die Stunde mit der Frage, wie es uns dieser Tage ginge, wie wir die vorweihnachtliche Zeit erleben. Was letzteres betrifft hieß es ganz oft: „Schön doch anstrengend“. Ich vermute, dass gerade dieses „anstrengend“ viele betrifft, dass ein jeder viel zu tun hat und sich höchstwahrscheinlich mehr zumutet und aufhalst als es ihm tatsächlich gut tut.

Dorte meinte, es sei in der Tat eine große Herausforderung, in diesen letzten Wochen des Jahres in die Ruhe zu kommen und in der Ruhe zu bleiben. Sie habe in ihren Kursen die letzten Tage sehr gute Erfahrungen damit gemacht, in diese Ruhe zu gehen. Das konnte ich in der heutigen Yogastunde auch wunderbar wahrnehmen – einen Ort des Friedens inmitten toller Frauen, die allesamt viel um die Ohren haben und sich dennoch oder gerade deshalb auf sich und ein friedvolles Miteinander einließen. Ehrlich, teilend und schöpferisch zusammenzukommen ist dieser Tage, in denen es im Kleinen und Großen oft sehr turbulent zugeht und wahnsinnig viel um uns herum geschieht, eine sehr wohltuende, uns stärkende Erfahrung.

Insbesondere auch das gemeinsame Singen von Mantren tat uns ungemein gut. Auch in meinen Musiktherapiestunden mache ich die Erfahrung, dass das Mantren-Singen mich und auch meinen Klienten zentriert. Es transportiert für mein Empfinden Wärme und Geborgenheit und fokussiert den Geist, so dass die vielen uns mitunter auch nicht zuträglichen Gedanken mal beiseite geschoben werden können. Welche Wohltat, gerade dieser Tage! Im Yoga heißt es auch, dass das (Mantren-) Singen das Kehlchakra stimuliert und balanciert: Wir üben uns darin, immer klarer unsere Bedürfnisse zu kommunizieren, „vom Herzen aus“ zu sprechen – etwas, das den meisten Menschen in unserer Gesellschaft meines Erachtens sehr schwer fällt.

Ich kann Euch nur ans Herz legen, Euch sowohl immer wieder Zeit für Euch selbst einzuräumen, um beispielweise zu meditieren oder spazieren zu gehen (das kann man auch kombinieren!), als auch Räume für Euch nährende Begegnungen aufzusuchen.

Dorte erwähnte schmunzelnd, sie habe neulich eine Mail mit den ehrlich gemeinten Worten „Ich wünsche dir eine ruhige & gesegnete Weihnachszeit“ geschlossen und kam sich anschließend kühn, schon fast provokativ vor.

Was ich Euch wünsche: ein für Euch stimmiges „In-die-Ruhe-Finden“, immer mal wieder, und: wache und gleichzeitig sehr zarte, weiche Momente!

Herzliche Grüße,

Carolin

Tu dir gut!

duenen-wegWährend einer Yogastunde machen wir Übenden immer wieder die Erfahrung, dass genau die zentralen Themen auftauchen, die uns gerade verstärkt beschäftigen. Es ist, als seien wir während der Praxis durch nichts Äußeres abgelenkt sondern ganz bei uns, ob wir wollen oder nicht. Ich schätze dieses Sein sehr, auch wenn ich Tage habe, an denen ich gar nicht so ganz genau hinschauen mag, an denen ich einfach nur funktionieren möchte – möchte, dass „es“ funktioniert.

In meiner gestrigen Yogastunde wurde mir etwas bewusst: Ich beobachte bei mir und anderen immer wieder Kampf. Wir kämpfen in unseren Beziehungen, unserem beruflichen Kontext, wir kämpfen gegen Krankheitenvor allem kämpfen wir in uns. Ich bin mir sicher: Wir sind des Kampfes müde und sehnen uns viel häufiger als wir es uns ein- und zugestehen nach Frieden in und um uns, nach viel mehr Pausen und Muße-Momenten, gerade jetzt, in der bevorstehenden Weihnachtszeit.

In mir steckt auch ein Löwe, und ich habe auch viele positiv konnotierte Kampfesszenen und -bilder in mir: Situationen, in denen ich hartnäckig bleibe, wenn mir etwas wirklich wichtig ist – es handelt sich hier eher um ein leidenschaftliches, lustvolles Kämpfen, Mich-Einsetzen FÜR, weniger DAGEGEN.

Das Kämpfen, von dem ich hier und heute schreibe, ist eher ein „Abkämpfen“, das immer müder und erschöpfter macht und unsere leistungsorientierte Gesellschaft dieser Tage so sehr auszeichnet – die „To-do-Liste“ abarbeiten, möglichst keine Zeit verlieren, sich betäuben. Es gibt Tage, an denen ich glaube, das Erwachsenen-Leben ist Betrug – es kann doch nicht sein, dass wir so sehr am „Rödeln“ sind! Ich bezweifle, dass uns jemand am Sterbebett auf die Schulter klopft und sagt: „Schön, dass du dich so abgemüht und immer funktioniert hast!“ Davon abgesehen, dass ich das beileibe nicht hören wollte!

Dem Kämpfen zugrunde liegt meines Erachtens ein mangelndes Sich-Selbst-Annehmen, in der Tiefe. Wir können noch so sehr in verschiedenen Kontexten glänzen, äußerlich und augenscheinlich noch so erfolgreich sein – wenn wir uns in der Tiefe nicht annehmen, wenn wir meinen, wir seien erst gut, wenn…, kommt es immer wieder zum Kampf.

Milder mit sich werden, nicht auch noch gegen das Kämpfen kämpfen, sondern stattdessen immer feiner beobachten, spüren, körperliche Reaktionen benennen und für einen Moment aussteigen aus der Verkrampfung – das macht meines Erachtens Sinn, lässt uns entspannen, und mit uns andere. Die leisen, verletzlichen Seiten in uns wahrnehmen und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Ich erlebe es als großes Geschenk, mit der Zartheit eines anderen in Berührung zu kommen. In brenzligen Momenten, in denen ich starken Widerstand zu einer Situation aufbaue, frage ich mich immer häufiger: „Was würde mein Herz mir jetzt raten? Was brauche ich?“

In besagter Yogastunde sprach unsere Lehrerin während einer Übung die Aufforderung „Tu dir gut!“ aus. Dieser Satz berührte mich tief, ich möchte ihn heute gerne mit Euch teilen.

 

Alles erdenklich Gute wünscht

Carolin

 

 

Vom Wachsen

Sich-EntfaltenHeut behandle ich ein schönes Thema: Es geht um’s Wachsen, um unser menschliches Bedürfnis nach Wachstum – Entwicklung, Lernen, Selbsterkenntnis. Wir alle drängen darauf, uns auszudehnen und Neuland zu betreten.

Ich habe lange Zeit nicht verstanden, weshalb ich mich immer wieder frustriert fühlte. Ja, Frustzustände sind mir sehr bekannt, dieser Tage deutlich seltener – dazu gleich mehr. Nun ist mir klar, dass sich in diesen Zuständen ein „Schöpfungsstau“ zeigt. Ich bin jetzt umso glücklicher darüber, viele Kanäle gefunden zu haben, um all meine Kräfte, Erkenntnisse & Ideen zum Ausdruck, auf die Straße zu bringen. Ich bin sehr gerne Mutter und Musiktherapeutin, doch ich bin auch liebend gerne noch vieles mehr: Jetzt, da ich beispielsweise zu schreiben angefangen habe, da ich in der Kundalini-Yogalehrer-Ausbildung tief in diese Technik des Bewusstseins eintauche und mich weiterentwickle, besucht mich der Frust deutlich seltener.

Ich glaube, ich habe mich lange Zeit auch selbst beschränkt, wie viele von uns: Ich habe mich von meiner oberen Grenze einschüchtern, ja begrenzen lassen. Zum Beispiel hatte ich oft Angst – und habe sie immer noch – mich mit sehr persönlichen Gedanken, ja auch mit klaren Standpunkten zu zeigen. Auch war mir nicht nur wohl dabei, mich voll und ganz zur „Kundalini-Yogini“ zu bekennen, wohlmöglich eines Tages noch Turban zu tragen – die Leute könnten denken, ich hab‘ nicht alle Latten am Zaun.

Nun weiß ich: Wachsen und Sich-Entfalten sind lebensnotwendig und wichtig. Wenn wir es nicht freiwillig tun, schüttelt uns das Leben hin und wieder ordentlich durch, manchmal auch auf sehr unangenehme Weise. Ich möchte mich nicht mit Immer-Gleichem, mit einem auf ein bestimmtes Niveau eingependelten Maß an Lebendigkeit zufrieden geben. Oft habe ich den Eindruck, viele Erwachsene schrauben ihr Level an Lebendigkeit herab und zeigen je nach Kontext nur ausgewählte Facetten ihres Erwachsenen-Ichs – sich möglichst auf sicherem, gesellschaftlich akzeptiertem Terrain bewegend: um nicht (negativ) aufzufallen, das Umfeld nicht zu nerven, nicht anzuecken, um nicht als überheblich, größenwahnsinnig, zu sehr nach den Sternen greifend rüberzukommen. Eine obere Grenze an Gedankenfreiheit und Freude liegt bei den meisten Erwachsenen sicherlich weit unter dem, was sie als Kind erfahren haben.

Doch mal ehrlich: Was soll das? Aus welchem Grund sollte ich mein schöpferisches Potential nicht optimal für das einsetzen, was ich liebe? Ich freue mich für mich, dass ich nun immer mehr meine Spur aufnehme, und ich freue mich auch für andere, wenn sie von der Bremse gehen, sprich in ein Leben hineinwachsen, auf das sie richtig Bock haben. Mir ist klar, dass nicht immer alles und nicht alles für jeden möglich und greifbar ist. Mir ist ebenso klar, dass es – je nach aktueller Lebenssituation – tausend Sachzwänge geben kann, die einem das Voranschreiten erschweren. Und mir ist auch bewusst, dass es extrem viel leidvolles und gebeuteltes Leben und sehr unterschiedliche (Start-) Bedingungen gibt. Und dennoch habe ich den Eindruck, dass der Großteil in unserer Gesellschaft viel geübter darin ist, Probleme durchzukauen anstelle sich gegenseitig zu beflügeln und zu erheben.

Ich danke Euch für’s Lesen! Ein Hoch auf’s Wachsen!

Was meint Ihr?

 

Den Kontakt wieder finden – Klarheit auf meinem Weg

Heute kommt etwas Neues: Ich veröffentliche meinen ersten Gastbeitrag einer Leserin. Sie hat mir einen sehr persönlichen, erfrischend-inspirierenden Text zukommen lassen. Ich habe Lust, Menschen zusammenzubringen, auch unterschiedlichen Alters, sie anzuregen, sich klarer zu werden, wozu sie „Ja“ sagen im Leben, zu ermutigen, mutig(er) zu werden.

Nun überreiche ich Christina das Wort:

Baum Angkor WatKennst du nicht auch das Gefühl, verloren, verzweifelt, orientierungslos und verwirrt inmitten deines eigentlich relativ normalen Alltaglebens zu stehen? Oft tappt man selbst im Dunkeln, ich konnte lange Zeit selbst nicht begreifen, in welchen konfusen Gefühlszustand ich mich emotional manövriert hatte.

Irgendwann hat es Klick gemacht…Nun ja, irgendwann ist gut. Es gab viele Hinweise und Menschen auf diesem Weg und auch viele Versuche meinerseits den Kontakt zu mir (wieder?) zu finden. Ich habe es mehr oder weniger erfolgreich mit Yoga, Joggen, Fasten, veganem Leben versucht. Doch ich spürte nicht den Kontakt, den ich mir gewünscht hatte. Ich hatte nicht begriffen, dass es um etwas anderes geht: Um lebendige Essenz, um mein Leben. Dies wurde mir glasklar, als ich ein Buch von Veit Lindau durch schicksalhafte Fügungen in die Hand bekam und dort die Frage las: „Was ist, wenn alles möglich ist? Was ist wenn du jetzt schon alles sein kannst, was du dir wünschst? Was ist es, was du dir eigentlich wünschst?“

Ich begann darüber nachzudenken, was ich mir eigentlich wünsche und wer ich eigentlich sein möchte. Klingt nach einer banalen Freizeitbeschäftigung, doch tatsächlich ist es dies nicht: Ganz klar zu formulieren was man möchte, kann einen ganz schön unter Druck setzen. Man misst sich natürlich auch immer an dieser formulierten, „perfekten“ Vision im Alltag. Jeden Tag! Fast 30 Tage habe ich täglich daran gesessen, um dies herauszufinden und feile noch heute an vielen Themen. Nun steht sie formuliert auf Papier:

Ich sehe strahlend und gesund aus, leuchte von Innen vor Liebe, Attraktivität und tanze die Weiblichkeit. Ich liebe mich selbst und bin mit allem verbunden. Ich bin frei, selbst bestimmt, mutig und wage neugierig neue Schritte. Ich erlebe die Gegenwart als Chance, und kann schwierige Situationen akzeptieren und wieder loslassen. Ich bin voll im Kontakt mit mir, lebe im Jetzt, spüre meine innere Ruhe und habe Vertrauen in die Schöpfung. Ich lache, erlebe positiv, humorvoll, lebendig, leidenschaftlich-intensiv und dabei entspannt, was mich bewegt.

Eigentlich ganz auf meine Gefühle fokussiert, dabei intim formuliert, kann es so einfach sein? Meine Freundin, die als Psychologin arbeitet, lachte gestern, als ich ihr meine Vision vorgelesen habe. „Einfach“, meinte sie, „das sind die existenziellen und schwierigsten Themen des Lebens, Süße: Selbstliebe, Selbstwirksamkeit, innere Balance und unsere Gefühle“.

Seit ich meine Vision nun vor über 40 Tagen formuliert habe, passieren interessante, schicksalhafte Dinge in meinem Leben, möge man es nun mit Karma oder dem Gesetz der Anziehung erklären, das kann ich nicht rational beantworten, doch es passiert: Plötzlich kommt Klarheit, wo vorher Chaos war, ich spüre fließende Energie statt enge Grenzen in meinem Geist, durch tägliches Meditieren finde ich Kontakt zu meinem inneren Selbst und erlebe existenzielle Momente der Ruhe, Wahrheit und (Eigen-)Liebe.

Das klingt sehr nach einer „positive thinking“-Mentalität, doch das stimmt so nicht. Ich erlebe auch immer noch Rückschläge: Verzweiflung, Trauer, Ablehnung, Selbsthass und Angst sind Teil meines Weges, doch ich versuche sanft und mit frischem, „neugierigem Forschergeist“, die Gefühle anzunehmen und diese auszuhalten statt diese wie früher zu kompensieren oder zu übertünchen – sei es mithilfe von Alkohol, Zigaretten, emotionalem Essen, Beschäftigung mit fremden Problemen privat und beruflich. Ich kümmere mich das erste Mal in meinem Leben wirklich nur um mich und lebe von Innen nach Außen: Selbstzweifel sind durch die Eigenverantwortung für meine Gedanken verschwunden. Kann es so leicht sein? Ich glaube ja! Kann das Leben ein aufregendes Spiel sein? Ich bin ganz fest davon überzeugt, wenn wir es zulassen. Veit Lindau meint hierzu: Niemand weiß genug, um sich den Luxus von Pessimismus zu leisten, es ist immer mehr möglich.

Natürlich gibt es viele Baustellen in meinem Leben, die noch vor mir liegen und mir Angst machen. Doch ich sehe diesen mit mehr Mut, proaktivem Handeln und mehr Neugierde als früher entgegen, neue Möglichkeiten und Sichtweisen präsentieren sich auf meinem Weg. Auch wenn die Angst mich noch häufig besucht und mich zurück drängt, dahin wo es in mir selbst bisher immer gemütlich war.

Jeder Tag ist eine Entscheidung in unserem Leben, wir können nur im Jetzt unser Leben lenken, denn sonst konstruieren wir unsere Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart und Zukunft, jeder Mensch kann klar entscheiden, wer er sein möchte und was er erleben möchte. Permanenter Wandel gehört dazu, hinfallen gehört dazu: Unser selbst konstruiertes Gefängnis können wir nur selbst verlassen! Schreib deine Vision auf, träume dich frei!

chrissy.theodoridou@googlemail.com

Christina (33) arbeitet im Kultur-Marketing in München. Sie interessiert sich für alles, was mit Kommunikation zu tun hat. Am meisten bewegen sie die großen Lebensthemen: Selbstliebe, Selbstwirksamkeit und der tiefere Kontakt zum inneren Selbst. Sie liebt Humor, inspirierende Persönlichkeiten, Meditation, Natur, tolles Essen und ihren Freund, der sie auf allen Schritten begleitet.

Rat-Schläge

Strapazi gelbIch bin kein großer Fan von Ratschlägen. Vor allem ungefragten. Wenn ich konkret um eine (andere) Meinung bitte, verhält es sich anders – dann ist die Sicht, die Wahrnehmung des anderen durchaus erwünscht. Ich bin mir sicher, dass der andere es meist gut meint, es gut mit mir meint, wenn er mir vermittelt, was aus seiner Sicht gut für mich wäre.

Das Problem ist das „Aus-seiner-Sicht“: Wir projizieren alle – meist wild und unbewusst – auf unser Gegenüber. Wir gehen von UNS aus, maßgeblich ist das, was WIR wahrnehmen, finden, meinen. Wir stülpen dem anderen nur allzu gerne „unsers“ drüber. Da bin ich auch nicht frei von und versuche nun immer öfter, es schlicht zu unterlassen.

Es ist oft sauschwer, sich zurückzuhalten, gerade wenn’s uns „unter den Nägeln brennt“, wir etwas loswerden, den anderen bekehren wollen. Wenn wir fest davon überzeugt sind, im Recht zu sein. Das Rechthaben loszulassen, zwei oder mehrere Wahrheiten einfach nebeneinander stehen zu lassen, ist aus meinem Erleben eine unserer schwierigsten Übungen. Sich dies zu eigen zu machen, mal nicht rechthaben zu wollen, lohnt sich, macht uns frei, und: Ja, man kann es lernen.

Ich bin kein Coach, doch ich vermute, dass ein guter Coach gute Fragen stellt und seinen Klienten wie ein „Geburtshelfer“ dabei begleitet, dessen eigene Wahrheiten zu finden und entsprechende Schritte zu gehen.

Als Beispiel Paarphänomene/ -probleme: Niemand kann von außen ein Beziehungssystem einschätzen. Da bin ich mir sicher. Rat von außen hilft daher nicht weiter. Vielmehr: Lauschen, fragen, abwarten. Wertschätzen, bestätigen, ermutigen. Wenn’s gut läuft. Oft bratzen wir ja doch dazwischen. Der eine mehr, der andere weniger.

Auch können wir die Meinung des anderen, wenn sie einen Rat beinhaltet, viel öfter einfach so stehen lassen„danke, dass du mir deine Gedanken mitteilst“ oder, etwas deutlicher: „danke und nein“ – freundlich und dennoch klar. Das braucht Mut, und ich fühle mich hier auch noch am Anfang. Gerne erkläre oder gar rechtfertige ich mich und meine jeweilige Situation hingegen – deutlich seltener als noch vor einigen Jahren, doch immer noch. Anschließend spüre ich einen Energieverlust bei mir, ich fühle mich erschöpft. Und da mir meine Energie, mein „Bei-mir-Bleiben“ wichtig und wertvoll ist, werd ich nicht müde, weiter zu üben: klare Grenzen zu setzen, wenn ich es für nötig erachte.

Das „Helfen-Wollen“ steckt tief in uns, gerade uns Frauen. Ich glaube, es wäre klug, den anderen zu fragen, ob er meine Hilfe auch möchte, sonst wird es evtl. eine „unterlassene Hilfeleistung zur Selbstentwicklung“ oder zur unerwünschten Bevormundung. Kümmern und entmündigen liegen dicht beieinander. Hier ist Feingefühl gefragt, ferner: ein waches, aufrichtiges Miteinander.

Ich muss nicht alles gutfinden, gutheißen, was Partner oder Freund machen oder unterlassen. Natürlich ist es auch hin und wieder angezeigt, zu sagen „Das ist nicht meins“, oder „Das würde ich anders machen“. Wenn das Gegenüber dann aber signalisiert, es erwünsche keine weiteren Ausführungen, keinen Rat, sollte ich es meines Erachtens auch so belassen. Es lohnt sich, Menschen zu beobachten und sich zu fragen: „Was bringt die Augen dieses Menschen zum Leuchten? Was bewegt die Menschen in meiner Umgebung?“

Hand auf’Herz: Wie haltet Ihr es mit dem Rat: Wann darf er sein und macht evtl. sogar Sinn, wann weniger? Ich würde mich sehr über Austausch freuen, da mich das Thema seit Jahren beschäftigt.

 

 

 

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