seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Kategorie: Bewusste Kommunikation (Seite 1 von 2)

Kleiner großer Impuls

„If your presence doesn’t work, your words will not work“.

Einfach mal darauf achten: Was denkt es gerade in mir? Wo ist der Fokus meiner Aufmerksamkeit, wo meine Energie? Was fühle ich? Wie fülle ich den Raum: erhebend und liebevoll, oder unruhig und kraftraubend? Und was möchte ich nach draußen schicken?

Liebe Grüße!

 

Sich erheben und dabei berührbar bleiben

Skorpion der lächelt (Origami, gefaltet)Im Kontakt zueinander wird es meistens an den Grenzen spannend: an den Punkten, in den Momenten, in welchen wir stark durch die Worte oder das Verhalten des anderen berührt, bewegt oder auch verletzt werden. „Kontakt findet an Grenzen statt“, heißt es in der Gestalttherapie. Wir werden berührt, wenn wir in unserer Gänze gesehen werden, wenn das Gegenüber uns wirklich erkennt – manchmal vielleicht sogar, bevor wir selbst jenen Zug an uns entdeckt haben. Wir alle wünschen uns, so gesehen zu werden, wie wir wirklich sind. Ich glaube, dies ist unser tiefstes Bedürfnis und auch das, was uns am meisten Angst macht.

Wir fühlen uns aufgebrochen und gleichzeitig höchst verletzbar, wenn ein anderer unsere Scham – das Gefühl nicht liebenswert und nicht gut genug zu sein – wahrnimmt; gleichzeitig kann hier eine Nähe entstehen, ein tiefes Verständnis füreinander, welches uns bereichern, unsere Beziehung reifen lassen kann.

Unsere Verletzlichkeit ist der Weg zueinander“

sagt Autorin Brené Brown (Psychologie Heute, März 2017, Heft 3). Das denke ich auch. Immer mehr. Natürlich kann und möchte ich nicht jedem mein Herz ausschütten. Wir dürfen bewusst wählen, wen wir wann an welcher Thematik, an welchem Punkt unseres Lebens und dem was uns in der Tiefe beschäftigt teilhaben lassen. Viele Menschen gestehen sich nur schwer eigene Schwächen zu: Ihre Angst davor, was andere über sie denken könnten, ist so groß, dass sie auch nicht gut mit der Verletzlichkeit oder der Fehler-Toleranz anderer sich selbst gegenüber umgehen können. Brown rät dazu, uns zu fragen, ob die Beziehung das Gewicht der Geschichte aushält, bevor wir jemandem unser Herz ausschütten.

Wie sollen andere mir etwas zugestehen, was sie sich selbst nicht erlauben können? Oftmals fahren Menschen ihre Krallen aus oder senden Pfeile auf’s Gegenüber, die eigentlich ihnen selbst gelten: Unter Umständen triggert ein Verhalten den anderen an einem Punkt, an einem wunden Punkt. Bin ich auf dem Weg der Selbstfürsorge und –liebe, stelle ich mein Wohlergehen mehr und mehr ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit, so stößt das nicht überall auf Gegenliebe: Die Fürsorge sich selbst gegenüber ist wohlmöglich im System des anderen, sich stark kritisierenden Menschen (noch) gar nicht präsent. Daher fehlt hier vermutlich auch das Vermögen sich einzufühlen. Ein Mensch auf dem Weg in die innere Freiheit, in einen gesunden Egoismus kann zur Projektionsfläche, zur Zielscheibe unausgegorener Gedanken und unverarbeiteter Emotionen werden. Insofern würde es uns alle in unserer Entwicklung weiterbringen, wenn wir uns mehr und mehr trauen würden, uns „unseren Dämonen“ zu stellen, uns  unsere Schattenseiten anzuschauen und uns gleichzeitig darin zu üben, immer mehr unser Licht nach außen zu tragen.

Wenn wir uns erheben – ohne uns über andere zu erheben – wenn wir in unsere Kraft kommen, unsere Wahrheit kennen und nach außen tragen, halten wir unserem Umfeld einen klaren Spiegel vor: Wir strahlen aus, dass Veränderung ansteht, wir nicht mehr bereit sind, gewisse Glaubenssätze zu akzeptieren, oder wir zeigen, dass wir nicht weiter in selbst oder gesellschaftlich auferlegten Grenzen leben wollen und nicht mehr bereit sind, eine Art von „Kleinheit“ hinzunehmen. Dadurch irritieren wir den einen oder anderen, ruckeln an seinem Lebensmodell und sind auch weniger manipulierbar – unser Verhalten kann Unbehagen und Angst beim anderen auslösen.

Hier berührbar und offen zu bleiben, offen auch für konstruktive Kritik, kann meines Erachtens alle Beteiligten wachsen lassen; sich nicht angegriffen zu fühlen und sofort zurückzuschießen, gleichzeitig bewusst seine eigene Spur weiter aufzunehmen, ist eine Kunst. Klarheit zu transportieren, sich klar auszudrücken muss man üben und sich auch erlauben, denn: Klarheit bringt Präsenz und Sichtbarkeit mit sich, und nicht jeder in meinem Umfeld ist für (meine) Klarheit bereit.

Ich beobachte, dass viele von uns ihr Licht unter den Scheffel stellen. Vor Jahren habe ich mich beispielweise nicht getraut, für unser Schwesternduo Bluetwos – meine Schwester Kati & ich treten unter diesem Namen auf – verstärkt Werbung zu machen. „Verrückt“, denke ich heute. Oder aber ich war mir unsicher, wie Menschen in meinem nahen Umfeld auf diese Seite, seisofrei-lebenskunst und mein neues Sein als Schreiberling reagieren würden. Mittlerweile denke ich: Es muss ja nicht jede(r) etwas damit anfangen können. Dass ich viel Freude dabei habe, ist sicher niemandem entgangen. Das viele Schöne, das auch durch diesen Blog Einzug in mein Leben erhält, spricht für sich. Zurück zum Licht: Ich möchte dazu ermutigen, kühner zu denken, sich Großes zu wünschen und zu einer warmen, gütigen, selbstbewussten Sonne zu werden, die ihre Mitmenschen dazu inspiriert, sich auch zu ihrer Größe zu bekennen.

Ich bin mir sicher: Tief im Innern ist ein Ort in uns, der stets voller Vertrauen ist und nicht müde wird, Vertrauen in die Welt zu tragen. Deshalb: Trauen wir uns, unseren ganz eigenen Weg zu gehen.

 

Kommunikation und ihre Hürden

Welche Hürden und Herausforderungen gibt es in der zwischenmenschlichen Kommunikation? Wann misslingt Verständigung? Was passiert, wenn ich etwas mir Wichtiges verschweige? Wann kann es Sinn machen, sich zurückzuziehen?

Diese und andere Fragen erörtere ich in meinem neuesten Beitrag im compassioner.

Bei sich selbst bleiben und mit dem Herzen spüren

Origami HerzIch schreibe seit letztem Sommer regelmäßig für ein Online-Magazin, in dem es sich zu stöbern lohnt: den compassioner.

Dieses Mal habe ich mich mit den Grundlagen wertschätzender und erfolgreicher Kommunikation beschäftigt: Viele Tage lang habe ich mir über das sog. „Neutral-Werden“, dem Ziel im Yoga, und den Weg dorthin Gedanken gemacht. Worum geht es? Um das Ticken unseres Geistes, das Entstehen von Mitgefühl, um die Vorteile eines „Immer-weniger-Bewertens“ und das sog. Mantra „Sat Nam“, „Wahres Selbst“.

Hier geht es zu meinem Artikel.

Sich und andere ermutigen

tmp_13927-2017-01-04-14-20-141222771803In der aktuellen Zeitschrift „Maas“ („Ich und Gemeinschaft – in Freiheit verbunden“, No. 4/2016) las ich einen Artikel über das Thema Mut („Mut tut gut!“, ebd., S.46-49). In der Einleitung hieß es:

„Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der sich alle Menschen gegenseitig ermutigen. Wie anders wäre wohl dein Leben?“

Dieses Gedankenexperiment inspirierte mich: Ich stellte mir Szenen im Alltag vor, Begegnungen zwischen sich nah stehenden Menschen und Fremden, in denen gemeinsam größer, kühner, lustvoller und mutiger gedacht und gehandelt wird. Mir kamen Menschen in den Sinn, die sich trauen, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen und Träumen zu gestalten & auf diese Weise auch andere anzustecken. Ich dachte an Menschen, die sich durch mutiges Verhalten anderer – neue Wege zu gehen oder neuentdeckte Fähigkeiten und Talente „auf die Straße zu bringen“ – inspirieren lassen, anstelle mit Argwohn oder Neid zu reagieren.

„Die Fähigkeit zur Ermutigung ist ein ganz besonderer Katalysator für individuelle Entwicklung, für die Gemeinschaftsbildung und für die Welt insgesamt.“ (ebd., S. 48).

Letzteres klang in meinen Ohren etwas verwegen, doch dann stellte ich fest, dass dieser Gedanke auch ein erhebender ist: Durch den eigenen Mut und das Ermutigen anderer einen positiven Beitrag zum gesamtgesellschaflichen Klima beizutragen – eine schöne Vorstellung!

Mut zeigt sich in meinen Augen in Momenten, in denen wir uns auch sanft, verletzbar, unwissend zeigen. Überhaupt das „Sich-Zeigen“, Schicht für Schicht, erlebe ich als äußerst mutig. Mit Angst loszugehen, im Unwissen, was kommen mag, zu scheitern, sich zu schämen, Gegenwind auszuhalten, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Mutig sein, neue Pfade betreten und gegebenenfalls auch scheitern macht dich mit dir bekannt, so meine Erfahrung. Ich entdecke bislang unbekannte Potentiale in mir und lerne – auch im Austausch mit anderen, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten es gibt, glücklich zu sein. Fünfe gerade sein zu lassen, auch wenn Perfektionsdrang und Konkurrenz das Klima beherrschen und Leistungsdenken und -streben hohe Attribute in unserer Gesellschaft sind. Sich und anderen einzugestehen, dass man an einer Stelle partout nicht weiter weiß und kann, mit Kraft und Latein am Ende ist – all dies zeichnet mutiges und gleichzeitig ermutigendes Handeln für mich aus!

Mutig-Sein – und auf diesem Wege auch andere ermutigen – kann auch bedeuten, eine Zeitlang bewusst allein zu sein, seine Gedanken ganz ungehindert auf sich selbst einwirken zu lassen, Klarheit zu gewinnen – aus der Erfahrung, einsam zu sein auch „ein Samen“ für Mitmenschen zu sein.

Ich mache immer öfter die Erfahrung, dass mutiges Handeln ansteckend wirkt. Im Kontext Blog-Erstellen und Schreiben zum Beispiel habe ich im vergangenen Jahr öfter mal gehört: „Wenn du das schaffst, kann ich das auch!“ Das hat mich jedes Mal gefreut. Wenn wir uns bewusst werden, dass wir über unsere – auch unausgesprochenen – Worte, Mimik, Gestik und kreative Ausdrucksformen permanent mit der Außenwelt kommunizieren und Wirkung hinterlassen, macht es Sinn, ermutigendes Handeln an den Tag zu legen.

Einem nahstehenden Menschen in einem Gespräch zu offenbaren, dass man ihn sehr schätzt, Gespräch und Thema einen jedoch nicht interessieren – das ist mutig in meinen Augen, auch wenn der Grad schmal ist zum „Den anderen verletzen“.

Im letzten Jahr habe ich eine tolle Frau kennen gelernt, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Sie und ihre Art zu leben beeindrucken mich in vielerlei Hinsicht: Stark und mutig finde ich zum Beispiel ihre Haltung, mit nahstehenden Menschen aufgeräumt, keine offenen Baustellen zu haben, so dass ein Von-dieser-Erde-Scheiden nicht willkommen jedoch möglich im Sinne von „abgesegnet“ wäre.

Als meine Yogalehrerin einmal gefragt wurde, ob ihr die wachsende Kundaliniyogalehrer-Konkurrenz in Hannover nicht zu schaffen mache, antwortete sie sinngemäß, nein, es finden sich stets die Schüler und Lehrer, die zueinander passen. Auch diese innere Haltung habe ich als ermutigend und großmütig erlebt.

Aus Mut erwächst Mut – im eigenen Leben und im Leben anderer.

Kommunikative Feinheiten: Mit der Kommunikation spielen

img_0499Sich seiner eigenen Kommunikationsmuster und seiner Art zu ticken immer bewusster zu werden ermöglicht uns, neue (Kommunikations-) Räume zu betreten. Wir können mit Kommunikation auch spielerisch umgehen: lauschen, spüren, abwarten, mal schweigen oder anderweitig reagieren. Oft braucht es keine Worte. Hierüber schreibe ich in meinem neuesten Compassioner-Artikel.

Den anderen sehen und erheben

img_0600Ihr Lieben,

heute möchte ich gern erneut auf einen Artikel von mir im Online-Magazin compassioner aufmerksam machen. Die Zeilen passen, wie ich finde, sehr in die jetztige vorweihnachtliche Zeit, im Grunde jedoch in jede Zeit.

Es geht darum, wie ich meine Mitmenschen wirklich sehen, sie erheben und ihnen eine Freude machen kann.

Mir macht Ihr eine Freude, wenn Ihr Euch den Moment nehmt, den Artikel zu lesen. Hier geht es zu meinen neusten Zeilen im compassioner.

Ein herzliches Danke

celebration2Liebe Familie, Freunde, Bekannte, Unbekannte!

Liebe Leser!

Ich möchte heute einfach nur mal ganz herzlich „Danke“ sagen! Für’s Mitlesen & -bewegen, Resonanz-Zeigen – auf vielen Wegen!

Der „Seisofrei-Lebenskunst“-Blog macht mir total Freude: Das Schreiben, mich dabei Sortieren, Reflektieren, das Andere-Anstecken, wenn’s denn stattfindet, das Lesen der Kommentare & Darauf-Reagieren, der Austausch…

Gerade habe ich eine total schöne Email einer ehemaligen Hospitantin (Musiktherapie) und mittlerweile liebgewonnenen „Wegbegleiterin“ erhalten – mit sehr persönlichen Worten zu ihrer aktuellen Lebenssituation und auch mit einer mich berührenden Stellungnahme zu meinen Texten.

Ich freue mich, mit Menschen über meine geschriebenen Worte in Kontakt zu kommen, die eine oder andere – auch verwandschaftliche – Beziehung wieder aufblühen zu lassen und auch neue Menschen, z. B. andere Schreiberlinge im Netz kennen zu lernen.

Ich freue mich riesig über jeden Abonnenten – Ihr Lieben: Ich bin auch neugierig, was Ihr so treibt! Wer mag, kann gerne zu mir Kontakt aufnehmen. Vielleicht gibt es jemanden, der auch mal gerne selbst eigene Zeilen zu ähnlichen Themen veröffentlichen würde – ich bin durchaus bereit, etwas „Fremdes“ mit hinzu zunehmen, wenn es gut „funzt“ (mit dem Inhalt und dem Autor:-)!).

Jeder Kommentar von Euch erfreut mich sehr – dieser kann selbstverständlich auch sehr kurz ausfallen, ein schlichtes „Hallo“ oder eine Frage, auch eine kritische Bemerkung. Es muss ja auch nicht unbedingt inhaltlich drauf eingegangen werden – mir ist schon sehr bewusst, dass (Eure) Zeit wertvoll ist und Schreiben und etwas „online hinterlassen“ auch nicht jedermanns Sache ist.

Was ich mir wünsche ist ein Gefühl von Verbunden-Sein, ich glaube, dass dies auch „online“ möglich ist.

Und Ihr lieben „stillen“ Mitleser: Schön, dass Ihr da seid:-)!

Lasst uns das Leben, unsere kleinen und großen Erfolge so oft wie möglich feiern! Das kann auch in der Stille geschehen, wie’s gerade passt…

 

Ganz herzlich,

Eure Calle, Calli, Carolin

Lebendige Gespräche

Cappu in MünsterMich interessiert Kommunikation. Auf vielen Ebenen. Auf verbaler Ebene interessiert mich bewusste, wache Kommunikation. Mich beschäftigen die Fragen: Was macht Kommunikation lebendig? Welche Gespräche beflügeln und befriedigen beide Gesprächspartner?

Ich möchte mich auch einem heiklen Aspekt nähern: Wie verhalte ich mich in Momenten, in denen mich das Zusammensein, ein Gespräch, gehäuft langweilt, so gar nicht berührt? Gespräche mit Fremden, in denen es bei mir nicht „funzt“ und die ich nicht fortführen mag, kann ich mittlerweile recht schnell beenden, indem ich mich einfach abwende oder mich meinem Buch widme, im Zug beispielsweise. Auch darf es meines Erachtens da mal heißen: „Das ist jetzt nicht mein Thema.“
Was aber, wenn wir mit langjährigen Freunden oder Familienmitgliedern zusammensitzen und uns das Szenario vom täglich grüßenden Murmeltier in den Sinn kommt – und dies wiederholt? Wir innerlich abdriften, abschalten, gähnen? Ehrlich gesprochen: Ich weiß es nicht, noch nicht. Doch was ich weiß ist, dass meine Lebenszeit kostbar ist, genau wie die meines Gegenübers. Ich möchte sie nutzen, gestalten, ich wünsche mir echten Austausch, häufig auch neuen Input, eine möglichst lebendige, beide Gesprächspartner bereichernde Kommunikation. Manchmal möchte ich auch einfach nur unterhalten werden, nicht selber senden, mich zurückhalten. Wenn der andere jedoch ausschließlich von sich spricht und mir keine Fragen stellt, löse ich mich nun auch schneller aus diesen Gesprächssituationen und Kontakten. Das hätte ich mich vor einiger Zeit noch nicht getraut.

Ich frage mich: Darf ich nicht häufiger sagen „Du, das Thema interessiert mich gerade nicht so, lass uns doch über etwas anderes sprechen“? Es gehört Mut dazu, den ich bislang in entsprechenden Situationen auch noch nicht hatte. Der andere könnte im ersten Moment irritiert sein oder sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Doch vielleicht bereichert die sich nun anschließende Unterhaltung auch ihn wiederum deutlich mehr. Vielleicht sind beide gottfroh, die alten Pfade mal verlassen zu dürfen und sich auf Neuland zu begeben. Das Gegenüber erhält die Chance, uns wieder neu zu sehen, zu staunen. Wir können den anderen zum Beispiel fragen, was ihn gerade beschäftigt, fernab vom Alltagsgeschehen. Wie er oder sie zurzeit auf’s Leben blickt. Oder wir fragen: „Was macht dich momentan glücklich, was weniger? Hast du zurzeit einen Traum?“

Meine Schwester empfing vor einiger Zeit eine Freundin mit Wein, Nüssen und den Worten: „Heute möchte ich mal nicht über das sprechen, was uns gerade nervt oder was zurzeit alles schief läuft. Lass uns über neue Dinge reden, über das was uns erfreut, über unsere Träume zum Beispiel.“ Es folgte ein intensives, beide beglückendes zehnstündiges Beisammensein, welches im Wald endete. (Meine Schwester lernte gegen Mitternacht, auf einer Eichel zu pfeifen).

Es muss auch nicht immer so „radikal ehrlich“ zugehen. Wir können es ja auch mal probieren, verblüffende, aus dem Kontext springende Fragen zu stellen, wenn uns danach ist, oder Wörter ins Gespräch zu werfen, die im ersten Moment irritieren, wie z. B. Seele, Freiheit oder Zeitgeist – was auch immer. Ich mache hier Vorschläge und bin selbst noch relativ unerprobt – finde das Thema aber spannend und habe Lust, auch in meiner eigenen Kommunikationskultur Neuland zu betreten und – gerne auch mit Euch – darüber in Austausch zu kommen.

Behauptet jemand etwas mit der Inbrunst der Überzeugung, er rede von etwas Allgemeingültigem – in erster Linie sagt der Sprecher doch etwas über sich selbst aus – können wir erwidern: „Wer sagt das?“, oder „Woher weißt du das?“, alternativ: „Bist du dir da so sicher?“ Fragen dieser Art traue ich mich nun schon viel öfter zu stellen und stelle fest: Das Gespräch und mein Gegenüber richten sich manchmal nochmal ganz neu aus. Wenn wir uns vom Rechthaben-Wollen mehr und mehr befreien, können wir ganz wunderbare Dinge erleben.

Mir tut es gut zu wissen, was ich mir von und in einem Gespräch wünsche: Wie gesagt, manchmal erfreuen mich einfach Geschichten und Neuigkeiten. Dann wiederum brauche ich mal ganz dringend ein Ohr und wünsche mir, der andere möge mir offen lauschen. Es ist klug, so denke ich, diesen Wunsch klar zu formulieren: „Kannst du mir mal ein paar Minuten gut zuhören, das ist mir grad sehr wichtig!“

Lebendige Kommunikation zwischen sich nah stehenden Menschen heißt für mich, dass ich mich ganz offen mitteilen kann, wenn mir der Schuh drückt. Und: Ich wünsche mir ebenfalls, der andere möge sich mir gegenüber öffnen. Das geklagte Leid hat auch seinen Platz und seine Berechtigung. Nur wenn ich das Gefühl habe, ich laufe gemeinsam mit einer mir wichtigen Person immer und immer wieder dieselbe Klagemauer ab, dann kann es sein, dass ich auch mal abspringe.

Hier noch eine kleine mutmachende Inspiration: Ich zitiere erneut meine Schwester, die auf einer Party auf die Frage, was sie so mache – natürlich beruflich erfolgsmäßig gemeint – antwortete „Ich esse M&Ms“  (tat sie gerade und kannte die fragende Person im Übrigen auch kam.) Die Frage erlebt wohl jeder als unangenehm beklemmend, wenn er gerade gefühlt nichts gebacken kriegt. Und da ist eine solche Antwort ein wohlig schauriger Befreiungsschlag.

Zum Schluss sei erwähnt, dass es selbstverständlich auch ok ist, wenn Gespräche im Alltagsgeschehen dahin plätschern, oder einfach Smalltalk geschnackt wird, über’s Wetter zum Beispiel – ein Thema, über das schnell Nähe hergestellt werden kann.  Auch diese Form der Konversation ist Teil unserer (Gesprächs-) Kultur.

Ich spüre, dass ich immer mehr Lust habe auf wache, voll ausgekostete Gespräche mit Menschen, die ähnlich ticken. Wie geht’s Euch damit?

P.S.: Ich freue mich, dass dieser Artikel im Online-Magazin compassioner erschienen ist:-):

Blog der Woche: die Kunst der lebendigen Gespräche

 

 

Ausreden sind auch unhöflich

Ausreden-2Ich lerne immer mehr, klar zu kommunizieren, zu sagen, was ich sagen möchte, was ausgesprochen werden will. Dies ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich wünsche mir immer besseres Gelingen dabei, aufrichtig zu sein – auch im wahrsten Sinne des Wortes: Im Gespräch mache ich gute Erfahrungen, wenn ich mich aufrichte, kurz lockere, den Rücken lang mache, mich atmend weite und in mich hinein lächle. Oft klärt und entspannt diese Haltung mich und die Konversation mit dem jeweils anderen.
Ich möchte mich immer wieder auf den Weg machen, den anderen wirklich zu verstehen, genauer nachzufragen, was er aus seiner Sicht, aus seinem Erleben, meint. Kommunikation gelingt meines Erachtens auch dann besonders gut, wenn ich darauf achte, mehr zu fragen, anstelle zu sagen. Oft hören wir gar nicht genau hin und formulieren im Geiste schon die Erwiderung oder das folgende Thema.
Das Thema Ehrlichkeit beschäftigt mich sehr, und auch Situationen wie diese: Mal angenommen jemand, der mir selbst nicht so nahe steht, signalisiert, dass er oder sie sich mehr Kontakt mit mir wünscht, mir jedoch ist nicht danach. Warum nicht einfach sagen: „Du, ich mag dich gern, doch mir ist nicht nach einem Treffen.“ Wir meinen, wir wollen nicht unhöflich sein, den anderen nicht vor den Kopf stoßen.

Moralpsychologe Horst Heidbrink, der sich näher mit dem Thema Freundschaft auseinandergesetzt hat, behauptet, auch Ausreden seien unhöflich. Etwas Ähnliches denke ich schon lange: Ich bin fest davon überzeugt, dass sich (m)eine Unwahrheit oder eine Aussage, die ich verschweige, dennoch transportiert – wenn nicht über ausgesprochene Worte dann nonverbal, feinstofflich.Wenn ich einen Teil meines Wesens zurückhalte, wenn ich meine wahre Absicht nicht ausspreche, störe ich – ich formulier’s mal so – das Feld meiner Beziehung.
In mir nahen Freundschaften und Beziehungen sammle ich zunehmend tolle Erfahrungen damit, mich zu trauen, etwas zu sagen, wovor ich Angst habe. Auch Dinge, die den anderen betreffen, die wohlmöglich für den anderen unangenehm sein könnten, da sie seinen Schatten berühren. Wir kommen erfahrungsgemäß weiter, wenn wir über unseren Schatten springen.

Dass ein Sich-ehrlich-Hinauswagen in einer Partnerschaft oder Ehe immer wieder für frischen Wind und neue Nähe sorgen kann, beschreibt Rüdiger Dahlke in seinem Buch „Das Schattenprinzip“ am Beispiel eines Paares, das nach einem Seitensprung lernt sich selbst und dem anderen wieder aufrichtig zu begegnen.: „Der Grund (..) ist, dass Ehrlichkeit immer anmachend wirkt und die Durchlichtung des Schattens erst recht.“ (in: Rüdiger Dahlke, Das Schattenprinzip, 2014, S. 93).

Ja, Ehrlichkeit macht uns auch attraktiv, finde ich.
Ich habe großen Respekt vor jemandem, der mir geradeheraus gegenüber tritt, der sich traut, zu seiner Größe zu stehen und gleichzeitig auch Schwachstellen und wunde Punkte offenlegen kann. Im Alltag drücken wir vieles weg, lassen unsere Seele nicht allzu oft zu Wort kommen: Keine Zeit. Keinen Nerv jetzt. Doch unser Leben ist kostbar.

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