seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Autor: Carolin (Seite 1 von 8)

Eigensinn macht Sinn

Die Eigenschaft Eigensinn hatte in der Vergangenheit vielerorts kein gutes Image, und auch heute noch attestiert man eigensinnigen Menschen nicht selten einen unbeugsamen Willen oder gar Rücksichtslosigkeit und Egoismus.

Aus meiner Sicht ist Eigensinn eine Tugend, die unser Leben bereichert, uns stärker und freier macht. In meinem Vater fand ich ein gutes Vorbild für Eigensinn. Heute stelle ich immer wieder fest, wie ähnlich ich ihm in vielen Hinsichten bin, oft erst auf den zweiten Blick: Stur und hartnäckig, von einer Sache überzeugt, gelingt es mir oft, mich trotz Gegenwind in einer Sache durchzusetzen, beispielweise mit einer innovativen Idee innerhalb meiner Familie. Meinen Vater zeichnete eine „gelassene Unabhängigkeit“ aus, ein Widersprechen, wenn etwas für ihn keinen Sinn machte. Er hatte keine Angst, Konfrontation und Spannungen auszuhalten. Letzteres fällt mir meist noch schwer: An den Ecken – so meine Annahme – können andere sich stoßen und verletzen, was Schmerzen zur Folge hat. Doch wer seine Ecken versteckt kann sich nicht voll zeigen und sich somit auch nicht ganz (im anderen) erkennen.

Im Grunde würde ich alle Familienmitglieder meiner Herkunftsfamilie als eigensinnig bezeichnen. Unsere Mutter transportierte gleichzeitig den Erziehungs-Anspruch eines möglichst „Lieb-Seins“: Einerseits sollten wir selbstbewusst sein, andererseits auch bescheiden, uns zurückhaltend. Das biss sich aus meinem Erleben oft, was dazu führte, dass ich häufig unsicher war: Darf ich mich jetzt so zeigen? Darf ich auffallen, mich auffallend verhalten? Bin ich auch ok, wenn ich mich den Wünschen meiner Mutter widersetze?

Unser Sohn ist für mich ein Lehrmeister in Sachen Eigensinn: Er macht nicht den Eindruck, als interessiere es ihn groß, was andere über ihn denken. Auf seine Art ist er schlicht autonom. Das imponiert mir, gleichzeitig macht mich sein permanentes Widersetzen – stets Opposition-Sein – schier wahnsinnig.

Eigensinn zu leben bedeutet, sich für seine Rechte und Interessen einzusetzen, ohne dabei die Rechte und Gefühle anderer zu verletzen. Entscheidend ist, dass sowohl die eigenen Rechte, Wünsche, Bedürfnisse als auch jene anderer berücksichtigt werden. Es hat also nichts damit zu tun, egoistisch im Sinne von ellenbogen-ausfahrend, auf Kosten anderer, andere herabsetzend zu agieren.

Meine Schwester ist mir hier ein gutes Vorbild: Sie ist – ich glaube ich darf das sagen – sehr eigensinnig, gleichzeitig irre herzlich, tolerant und freilassend, was die Eigenarten anderer angeht. Ich erlebe es so gut wie nie, dass sie tratscht oder sich negativ-herabsetzend über andere äußert.

Eigensinn üben können wir, indem wir – angefangen in kleinen Schritten – in Situationen anders handeln als bisher: auf relativierende Floskeln verzichten, bewusst nein sagen, Einladungen oder Forderungen ablehnen, ohne sich zu entschuldigen oder Gründe anzugeben. Sich auch mal unbeliebt zu machen, ein Nein zu wagen ist auch eine Investition in unsere Weiterentwicklung und unsere Gesundheit: Neue Erlebnisse und Herausforderungen führen zu neuen Erfahrungen, sprich zu neuen Verhaltensmustern insbesondere auch in zukünftigen, schwierigen Situationen.

Fazit dieses Plädoyers für Eigensinn: Dieser macht hier und da durchaus Sinn. Welche Erfahrungen habt Ihr mit Eigensinn, was macht Eigensinn für Euch aus?

Potential und Berufung

Unser Sohn besucht ein Montessori Bildungshaus in Hannover, mittlerweile die 4. Klasse. Ich glaube weder, dass dieser pädagogische Ansatz für jeden Heranwachsenden der richtige, noch dass die „Staatsschule“ das Nonplusultra ist. Sicher kommt es auf den Schüler, die Schüler-Lehrer-Situation und vieles mehr an, ob ein Kind oder Jugendlicher in seiner schulischen Laufbahn „gut gedeiht“ oder nicht. Was uns betrifft: Es passt.

Was mir auffällt, wenn ich unseren Sohn und sein Schulleben beobachte: Er wird in seiner Persönlichkeit erkannt, entsprechend seiner Art zu ticken behandelt und gefördert. Die Lehrkräfte sorgen sowohl dafür, dass elementarer Schulstoff vermittelt, als auch, dass eine Lernumgebung geschaffen wird, die es dem Schüler ermöglicht, sich selbstständig Unterrichtsinhalte zu erschließen, die für diesen von Bedeutung, sprich intrinsisch sind. Ferner sind die Lehrer in der Lage, die Marotten unseres Sohnes wie beispielsweise sein permanentes „In-Bewegung-Sein“ aufzufangen.

Ein taktiles Be-Greifen mit Hilfe der Montessori-Materialien und auch das Origami-Falten legten bei unserem Sohn die Grundsteine für das Erkennen von Mustern: Mittlerweile ist er sehr „analytisch“, stark in Mathe und Schach. Auch ein individualisiertes Lernsetting – alleine arbeiten, zu zweit, zu zweit im Klassenkontext, mitunter auch in benachbarten Räumlichkeiten – und die Möglichkeit, Unterrichtsgegenstand plus die Art der Auseinandersetzung mit diesem selbst zu wählen, kommem unserem Sohn entgegen. Gut finde ich‘s ebenso, dass die Kinder lernen, ihre eigene Arbeitsweise zu reflektieren und, gegebenenfalls mit Hilfe des Lehrers, Strategien zur Verbesserung zu entwickeln.

Ich achte sehr genau auf die Atmosphäre, die von Häusern und Räumen ausgeht. In der Montessori-Schule hatte ich sogleich das Gefühl, hier würde auch ich gerne lernen: Die Stimmung, das Treiben dort sind lebendig, gleichzeitig entspannt; Gebäude und Räumlichkeiten verströmen keinen Schulmief. Schule ist in unserer Gesellschaft sicher ein Auslese-Instrument, auch die Montessori-Schule; doch zeichnet es diese Schule meines Erachtens aus, dass Kontrolle abgegeben und dadurch gleichzeitig die Lernbereitschaft erhöht wird. Für sehr leistungsorientierte, sicherheitsbetonte Eltern mag das eventuell nicht passend oder unbefriedigend sein.

Mein Mann und ich sind von der Pike auf Grund- und Hauptschullehrer, so dass uns das ganze große Feld „Schule und Lernen“ nicht fremd ist. Wir wünschen uns Lehrer, die auch „um die Ecke denken“ können: Menschen mit Feingefühl, differenziertem Denken und einem breiten Horizont. Wenn ich mich umhöre in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind es nur wenige, die ihre eigene Schulzeit als schön und angenehm in Erinnerung haben. Mir selbst ergeht es da nicht anders. Natürlich hatte ich auch gute, charismatische Lehrer, doch habe ich heute nicht den Eindruck, dass mich das Gros meiner Lehrer dazu bestärkt hat, mein Potential zu entdecken geschweige denn zu entfalten. Einen guten Lehrer zeichnet meines Erachtens aus, dass er die Interessen eines Kindes erkennt und es schafft – neben dem „Stoff“, der transportiert werden muss – diese in welcher Form auch immer zu berücksichtigen.

Statt uns zu ermutigen, unser Potential von innen nach außen zu leben, wurden viele – so mein Eindruck – in Schubladen gesteckt: Wir alle haben uns mit demselben Zensurenspiegel auseinander setzen müssen und wurden an demselben Maßstab gemessen. So haben die meisten meiner Erfahrung nach nicht gelernt, ein feines Gefühl, ein Wissen darüber zu erlangen, wer sie sind und wie sie ticken. Dies hatte zur Folge, dass wir eher von der Frage „Wo passe ich rein?“ motiviert wurden, anstelle uns zu fragen:

„Was bin ich für ein System? Was sind die Rollen in meinem Leben, und bin ich mir bewusst, wie ich diese am besten ausfüllen kann?“

Heute weiß ich: Wir finden dieses ganz tiefe Seelenglück nur, wenn wir den Mut haben, immer wieder neu auf uns zu schauen und breitgetrampelte Wege zu verlassen. Wenn wir unseren Alltag daraufhin untersuchen, wer oder was uns Kraft, Freude und Anerkennung schenkt. So kommen wir auch dem was sich Berufung nennt auf die Schliche. Berufung ist meiner Vorstellung nach nicht deckungsgleich mit dem Job, der mir meinen Lebensunterhalt sichert: Berufung bezieht sich auch auf meine ganz unterschiedlichen Rollen und Aufgaben, die ich aus- und erfülle.

Ich zum Beispiel erfahre ein Mehr an Kraft, Freude und Anerkennung, wenn ich aufschreibe, was mich bewegt und dieses teile, wenn ich Menschen durch meine Worte oder meine Präsenz – vorausgesetzt ich bin entspannt und offen – Mut mache und sie inspiriere. Wenn ich für eine humorvolle, heitere Atmosphäre sorge, die andere als einladend erleben und sich so wertgeschätzt fühlen. Wenn ich musikalisch in Aktion trete, meine eigene Spielfreude transportiere und einen Raum auf diese Weise erhelle.

Gelingt es uns herauszufinden – und dies wünsche ich der jetzigen Schülergeneration von Herzen – wie wir unsere Kräfte, die wir in uns tragen, auch wirklich einsetzen können, erlangen wir tiefe Zufriedenheit. Ferner rutschen wir nicht mehr so schnell in die Muster des Vergleichens, des „Auf-den-andern-Schielens“. Dieses „Schauen, wie’s die anderen machen“ wird meiner Erfahrung nach weniger und unwichtiger.  Ich gehe sogar so weit zu behaupten: Auf der Suche nach unserem Potential können wir gleichermaßen dem Frieden in unserem Umfeld als auch dem Frieden in uns selbst dienlich sein.

Sich im Nicht-Wissen üben

Vergangenes Wochenende musste ich mich im Nicht-Wissen üben. Das fällt mir schwer: in einer Angelegenheit, die in mir routiert, nicht weiter zu kommen – nicht zu wissen, was richtig oder falsch, was gerade angezeigt ist. Verschiedene Stimmen und Instanzen in mir wahrzunehmen und zu keiner befriedigenden Lösung zu finden, noch nicht. Manchmal bedarf es tatsächlich des Fallenlassens eines schon mehrfach durchgekauten Themas, so dass dieses sich zu einem gegebenen Zeitpunkt wieder neu zeigen kann.

Ich wurde von meiner Yogalehrerin wiederholt gefragt, ob ich sie in bestimmten Stunden vertreten könnte. Nun ist es so, dass ich das theoretisch kann: Schließlich bin ich seit Juni diesen Jahres frischgebackene Kundalini-Yogalehrerin. Als diese Frage mich kürzlich wieder traf, war mein erster Impuls: „Mist, jetzt musst du zugeben, dass du das gerade nicht willst, obwohl du kürzlich noch ’ne andere Ansage gemacht hast.“ Was mir auch immer bewusster wurde: Ich möchte meine Rollen und Aufgaben dieser Tage reduzieren, mich voll auf das fokussieren, was die stärkste Freude in mir entzündet: das Schreiben, die Natur, das Mich-Frei-Fühlen und gleichzeitig Anderen-ein-gutes-Gefühl-Vermitteln. Auch möchte ich mir noch mehr Pausen gönnen, da mein (All-)Tag mit den zum Teil „schwer beeinträchtigten“, blinden Kindern oft sehr anstrengend ist und auch unser Sohn uns fordert. Und einfach, weil’s total Sinn macht, der Freude zu folgen. Meine wöchentliche Yogastunde, in der ich als Schülerin teilnehme, ist ein Wochenhighlight, eine Zeit ganz für mich, in der ich mich fallen lassen kann. Als Lehrerin Verantwortung für diese oder eine andere Stunde zu übernehmen würde sich gerad wie ein weiterer „Stein“ anfühlen.

Zunächst war ich voll fein mit meiner nun formulierten Ansage bzw. Absage, doch am darauffolgenden Tag kamen Zweifel: War das richtig? Darf ich solch eine Chance ziehen lassen? Gehe ich nur (m)einer Angst aus dem Weg? Eine sehr liebgewonnene Bekannte meinte sehr treffend – auch das gab mir zu denken:

Ich bin immer für die Erfahrung, weil der Verstand einen manchmal austrickst.“

Auch das ist wahr – oft hindern uns diverse Mindgames daran, in das für uns stimmige, uns vorwärtsbringende Tun zu kommen. Stichwort Komfortzone-Verlassen.

Dann tat ich, was ich oft tue, wenn ich nicht weiter weiß: Ich kontaktiere – von Aug`zu Aug`, auf dem Schriftweg – Menschen, von denen ich glaube, dass ihre Sicht der Dinge mir weiterhelfen könnte in genau dieser Frage. So fand ich heraus: Meine größte Angst ist nicht, da vorne als Lehrerin zu sitzen, zu unterrichten (das auch!); meine größte Angst ist es, meine Yogalehrerin zu ent-täuschen, Erwartungen von außen nicht zu erfüllen:“Als frischgebackene Lehrerin müsstest du jetzt unterrichten, vor allem, wenn du zum wiederholten Male solche Chancen erhälst!

In der Tiefe geht es stets um die Angst vor Ablehnung. Auch meine Angst, mich „da vorne zum Affen zu machen“, vor der Gruppe sitzend, sprich meine Angst vor Selbstausdruck, ist im Kern die Angst vor Ablehnung: Die Angst sich zu zeigen, be- oder verurteilt zu werden, nicht gut genug zu sein. Verrückt, denn: Warum eigentlich? Oder deutlicher: Was für’n Scheiß!

Nun bin ich innerlich wieder sortierter, wieder im Wissen, ausgerüstet mit den für mich dieser Tage relevanten Antworten – mehr muss ich noch nicht wissen. Und wie das Leben so spielt, habe ich weitere wunderbare Hinweise bekommen: Heute stolperte ich über den Satz:

Wer glaubt, alles im Griff zu haben, entwickelt sich nicht mehr. Lass das Ufer los und werde zum Fluss.“

Auch das fand ich schön und für mich treffend. Darüber hinaus hat mir ein Text zum „Anders-Sein“ von einer mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsenen Yogini  geholfen. Hier tauchte die Frage auf:

Was dient meiner Seele und was nicht?“

Diese Frage finde ich sensationell und in tiefster Tiefe berührend. Sie rührte mich zu Tränen. Für mich ist sie eine DER existentiellen Lebensfragen.

Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht schreiben. Nur noch ergänzend: Ich glaube, es gibt viele Arten und Wege, Kundalini-Yoga zu unterrichten: Sei es, dass ich Artikel schreibe, in denen ich mich auch der Lehre annähere, sei es, dass ich darauf achte, mich klar und liebevoll auszurichten und die Energie zu heben; in einem Gespräch kann ich ferner eine liebevoll-provokative Frage stellen, die den Fokus in eine neue Richtung lenkt; oder indem ich Menschen in meinem Umfeld ausgewählte Übungen oder den tiefen, langen Atem näher bringe.

Ach ja: Meine Yogalehrerin war natürlich nicht enttäuscht, sondern erfreut darüber, dass ich für mich einstand und das, was sie in ihrem Unterricht lehrt, beherzigt habe. Darüber hinaus hat sie eine andere Lösung gefunden. Und für mich wird es sicher alternative Unterrichtsmöglichkeiten und -gruppen geben. In Kürze werde ich dazu auch Gelegenheit habe, nur in einem anderen Rahmen…

Was dient deiner Seele und was nicht? Lass dich mit Hilfe dieser Frage führen und trau dich, dich dem Leben hinzugeben.

 

Was würde die Liebe tun?

Diese beiden Fragen helfen mir, mich durch den (All-)Tag zu navigieren – ich finde sie herrlich hilfreich und einfach schön.

In kleinen und großen Entscheidungsmomenten.

Wie kann ich Liebevolles in den Alltag einspeisen & beziehungsfördernd handeln? Wo & wem kann ich gerade helfen? Welchem Menschen kann ich etwas ernstgemeint Nettes sagen, wie kann ich dem Leben dienen, so dass alle Beteiligten erblühen?

Das Schöne ist: Ich erhebe damit nicht „nur“ den anderen, sondern schenke auch mir selbst Liebe.

Ein wunderbares Wochenende wünsche ich uns allen!

Sichtbar-Werden – auch öffentlich

Dieser Text richtet sich vor allem an Leser*innen, die sich hinaus in eine Öffentlichkeit begeben und Menschen, die etwas Neues in ihrem Leben wagen, das Präsenz erfordert. Leute, die eine Bühne betreten und auf dieser mit vielen anderen in Kontakt kommen.

Meine Worte richten sich auch an Zeitgenossen, die Neugier und Lust, gleichzeitig Angst verspüren, in irgendeiner Form mehr von sich zu zeigen. Selbstverständlich kann auch jemand, der sich vom „In-die-Öffentlichkeit-Stellen“ nicht angesprochen fühlt, mit meinen Zeilen in Resonanz gehen. Und darüber hinaus betreten wir alle – selbst wenn wir noch so authentisch und wahrhaftig sein wollen – ständig irgendwelche Bühnen, nehmen verschiedene Rollen ein, sei es im Büro, in einer Besprechung, im Sportverein, wo auch immer.

Wenn Menschen bewusst eine Bühne betreten und sichtbarer werden als im „normalen“ Alltagsgeschehen – sei es als Musiker, der sein Publikum in der Tiefe berühren möchte, sei es als Autor oder Blogger, der etwas Preis gibt, das wiederum ihn in der Tiefe berührt -, kommen sie auch mit ihrer Verletzbarkeit in Kontakt. Diese Menschen können außerdem zur Projektionsfläche für Wünsche und Träume, jedoch auch für Schattenseiten werden. Sie können mehr als bisher bewundert oder kritisiert werden; anderen wiederum ist das, was sie tun, egal.

Mir ist im Laufe der vergangenen Jahre bewusst geworden, dass wir gut in uns verankert, weitestgehend mit uns im Reinen sein sollten, wenn wir viel von uns Preis geben oder Seiten zeigen, die wir bislang im Verborgenen gehalten haben. Wenn wir uns unserer selbst sicher sind oder es immer mehr werden, so können uns Projektionen anderer wenig anhaben – sowohl die Stärken als auch die Schwächen (m)einer Person betreffend. Ich stelle es mir äußert schwierig vor, als „unreife“ sprich weitestgehend unbewusste Persönlichkeit plötzlich ins Rampenlicht geworfen zu werden. Hier bedarf es sicher eines „Nachreifens“, welches nicht immer schmerzfrei ist.

Wenn du – aus welchen Gründen auch immer – eine Öffentlichkeit suchst, musst du auch mit Ablehnung rechnen. Wenn du in deinem Umfeld zur Veränderung wirst, kannst du damit rechnen, dass Menschen dich entweder begleiten, mit dir gemeinsam in ähnliche Richtungen wachsen und Freude daran haben, deine Entwicklung zu unterstützen, oder aber sie verlassen deine Wirklichkeit, deinen Radius, zeitweise oder auch langfristig.

Kundalini-Yoga hat mich zweifelsohne verändert, das spüre ich, das erlebe ich in und durch meine(n) Beziehungen. Ich bin klarer und mutiger geworden, zeige mehr Präsenz, auch mehr Kanten. Ich traue mich auch mit meinen Schwächen hinaus in der Hoffnung, dass andere, insbesondere mir nahstehende Menschen, es mir gleichtun. Denn dann kann etwas Neues entstehen und die Beziehung wachsen. Was mir auch schon öfter gesagt wurde: Ich sei ruhiger geworden, könne besser zuhören. Das freut mich zu hören.

Zurück zu den Schwächen, von denen ja eine besondere Faszination ausgeht, wie ich finde. Schwächen zu akzeptieren und zu integrieren ist etwas sehr Wohltuendes und Befreiendes. Es muss aber nicht heißen, dass du plötzlich weniger Projektionen auf dich ziehst: Wenn ich meine Schwäche, die ich selbst okay finde, zeige und auf einen Menschen treffe, der diese Schwäche auch hat, sie jedoch in sich (noch) ablehnt, projiziert mein Gegenüber evtl. negativ auf mich. Auch ist ein offener Austausch dann schwierig, wenn einer seine Schattenseiten sehr ungern preisgibt, der andere jedoch keine Schwierigkeiten damit hat. Wahrnehmungscoach Claudia Heipertz sagt, wenn du dich authentisch zeigst, wirst du mehr polarisieren – eine der Wachstumsaufgaben, die ein authentischer Auftritt mit sich bringt.

Eine weitere Beobachtung, die ich im Netz und auch im realen Leben mache: Menschen, die Stärke und Selbstbewusstsein zeigen, die eine gewisse Unabhängigkeit an den Tag legen, können auch als überheblich wahrgenommen werden. Zeitgenossen, die dazu neigen, sich klein zu machen, denken unter Umständen: „Was nimmt der oder die sich heraus?“ Bei mir landete die Zuschreibung überheblich auch schon, und ich erkannte: Manchmal bin ich auch arrogant, dann z. B. wenn ich meine zu wissen, was für den anderen richtig ist, in welche Richtung er sich meiner Vorstellung nach entwickeln sollte. Selbst wenn wir mit unserer Vermutung, was dem anderen gut täte, oft nicht ganz falsch liegen, so ist es doch anmaßend zu meinen zu wissen: So und so ist es richtig. Mittlerweile bin ich da deutlich vorsichtiger und zurückhaltender. Gleichzeitig hat es nichts mit Arroganz zu tun, seine Stärken und Talente zu leben.

Arrogant und stark sind also ganz verschiedene Eigenschaften und Qualitäten. Aus Angst davor als arrogant oder egozentrisch wahrgenommen zu werden, kann es passieren, dass wir unsere Größe – unser Potential, unsere Gaben und Talente – zurückhalten: Wir halten uns selbst klein, weil wir Angst haben, der andere könne diese unsere Größe nicht ertragen. Wir wollen verhindern, Neid auf uns zu ziehen, wenn wir zufrieden und uns-zeigend im Leben stehen. Manchmal denkt’s auch in mir noch: Ich darf nicht „hoch hinaus“, ich darf mich beispieweise noch nicht „Autorin“ nennen – andere könnten mich für anmaßend halten. Nun denke ich immer öfter: „Und wenn schon, wen juckst’s?“

Als ich Claudia Heipertz Folgendes fragte: „Kannst du mir sagen, woran es liegt, dass ich, je sichtbarer ich werde, auch immer mehr zur Projektionsfläche, auch für die Schattenseiten des anderen werde? Vielleicht auch, da Stärke und Selbstbewusstsein oft als Überheblichkeit gedeutet wird?“ antwortete sie mir wie folgt: „Arrogant und überheblich ist eine Bewertung des anderen (oder eine vermutete Bewertung in dir). Ich prüfe in solchen Fällen, ob es in mir eine Angst oder Ablehnung dagegen gibt, über andere hinauszuwachsen. Was sowieso nie voll umfänglich geschieht, sondern meist nur in einem Bereich.“

Ich fänd’s wunderbar, wir würden uns alle mit genau diesem Sich-Hinaus-Trauen anstecken, uns ermutigen, noch schlafendes Potential zu entfalten. Dies heißt nicht, dass plötzlich jeder einen Blog ins Leben rufen soll oder ähnliches: Es wäre doch allein sehr schön, wir würden dem anderen ernst- und ehrlich gemeinte Komplimente machen, ihn dazu ermutigen, sich zu trauen, dies oder jenes zu tun. Wir würden ein angstfreies Feld kreieren, in dem alle Beteiligten wachsen und erblühen können, sich frei und angenommen fühlen und in dem möglichst wenig und wenn dann wohlwollend verglichen wird. Das wünsche ich mir. Und das erlebe ich glücklicherweise auch immer mehr.

Ich frage Euch: Welche Erfahrungen macht Ihr, die Ihr Euch in irgend einer Form hinaus traut, Euch zeigt, Bühnen betretet, mit und in Eurem Umfeld?

Das Maas-Magazin – profund, bunt, inspirierend

Ihr lieben Leute,

ich möchte heute gern sowohl auf ein wunderbares Magazin als auch eine mit diesem in Zusammenhang stehende Crowdfundingaktion hinweisen.

Schaut Euch doch bitte das Video an – es lohnt sich!

Das Maas-Magazin hat’s mir angetan:

Dort finde ich profunde, anregende Artikel zu elementaren LebensthemenBeruf & Berufung, Körper & Geist, Ich & Gemeinschaft, Frauen & Männer, Leben & Sterben, Glück & Geld. Maas ist tatsächlich konkurrenzlos und vielseitig, auch philosophisch – kein Schnickschnack & Tamtam, stattdessen gute, tiefe Inhalte, die sowohl weltlich-naturwissenschaftlich als auch spirituell gesonnene Zeitgenossen begeistern. Wobei sich die Maas sicher in keine Schublade stecken lässt: gut so.

Ganz verschiedene Autoren*innen kommen in diesem Magazin zu Wort und teilen ihre persönlichen Erfahrungen. Maas legt den Schwerpunkt auf positive Entwicklungen in der Welt, was ich auch sehr erfrischend finde.

Anita Maas hat da etwas ganz Feines, Mutiges & wirklich Schönes ins Leben gerufen. Dafür danke ich ihr.

Um die Maas zu unterstützen, so dass diese sich durchsetzen kann, bedarf es der Hilfe. Ihr könnt Teil dieser Hilfe sein, mit jedem noch so kleinen Betrag. Wir & ich würden uns sehr freuen!

Hier der Link zur Crowdfundingaktion:

https://www.startnext.com/maas-mag

Herzlich, Carolin

 

Wie kann ich mich jetzt bemuttern?

Unsere Yoga-Lehrerin warf neulich diese wunderbare Frage in den Raum. Das Wort „bemuttern“ transportiert Liebe, Wärme, Geborgenheit. Und die Frage „Wie kann ich mich jetzt bemuttern?“ löst in mir unmittelbar eine Fürsorge-Verantwortung mir selbst gegenüber aus.

Uns selbst – und im gleichen Zuge andere – bemuttern kann bedeuten:

sanft & tief ausatmen, etwas genießen und dabei die Augen schließen, mir selbst & anderen Komplimente machen, meditieren, dankbar sein und es aussprechen, nichts tun und zur Ruhe kommen, in der Natur sein, Ausdauer- oder Kraftsport, möglichst viele Momente mit unseren Liebsten teilen, uns selbst oder andere streicheln

 

Viel Freude dabei!

Von der Herausforderung guter Entscheidungen

TraumwohnenWann sind Entscheidungen gut? Oder sind Entscheidungen immer gut – frei nach den Motti: „Der Weg ist das Ziel“, „Entscheide, sonst entscheidet das Leben für dich“?

Gute Entscheidungen basieren meines Erachtens auf – in die Tat umgesetzte – klugen Gedanken, welche einem wachen, entspannten Moment entspringen. Ich treffe auf mich und die Situation zugeschnittene Entscheidungen, wenn Herz und Kopf sich einig sind und es plötzlich eine ruhige Gewissheit in mir gibt: Das ist es. Gute Entscheidungen beinhalten ferner die Erfahrung des Wachsens, das Über-mich-Hinauswachsen – das Berühren der nächsten Zone der Entwicklung. Integer entscheide ich, wenn ich sicher bin, dass ich auch in einigen Jahren mit der Entscheidung und ihren Konsequenzen werde leben können.

Meine Intention ist es, Entscheidungen so zu treffen, dass möglichst niemand dabei zu Schaden kommt. Sicher gelingt mir das nicht immer, doch ich bemühe mich, möglichst viele Perspektiven mit einzubeziehen. Was sich gewiss nicht immer vermeiden lässt: dass ich andere ent-täusche, mir nah stehende Menschen auch hin und wieder vor den Kopf stoße. Grenzen-Setzen bedeutet auch Trennungen vorzunehmen, zu desillusionieren: Sei es, dass ich einer Feier, zu der ich eingeladen bin, fernbleibe und somit riskiere, den Gastgeber zu verstimmen; sei es, dass ich meine Hilfe verwehre, da ich es vorziehe, mit meinen Kraftreserven zu haushalten. Ein solch ehrenwertes „Amt“ wie das der Patentante oder Trauzeugin abzulehnen, aus für mich sehr wohl überlegten und guten Gründen, löst sicherlich nicht nur Wohlwollen und Verständnis beim anderen aus. Für sich einzustehen kann das eine oder andere Mal auch einsam machen. All dies habe ich bereits erlebt, all dies hat mir auch arges Kopfzerbrechen beschert, und: Natürlich habe ich getroffene Entscheidungen auch schon bereut.

Mir wohnt das Prinzip „Versuch und Irrtum“ inne: Ich entdecke immer wieder Neues für mich – neue Tätigkeiten und Wege, ich probiere aus. Manchmal liegt die Betonung auch auf ‚Irrtum‘, doch das ist fein für mich, damit kann ich gut leben. Ich behaupte sogar: Durch das Versuchen und auch Irren bekomme ich im Leben eine ganz breite Perspektive. Ich glaube, unsere Angst davor Fehler zu machen hält uns oft davon ab, uns „ganz“ zu leben: Lieber unterdrücken wir einen Impuls und halten uns in selbstgesteckten Grenzen, als dass wir uns hinauswagen, auch auf die Gefahr hin, zu fallen.

Wenn ich Angst davor habe, jemanden zu enttäuschen, Ablehnung zu erfahren, hilft mir der Gedanke: Es ist nicht GEGEN dich, sondern FÜR mich.

Wie bereits beschrieben: Selbstverständlich funktioniert ein Entscheiden, das für alle gut und passend ist, nicht immer. Und worüber wir uns auch bewusst sein sollten: Oft zahlen wir einen Preis, wenn wir für uns entscheiden. Wir zahlen nicht nur den Preis, Ablehnung und empfundenen Liebesentzug zu erfahren, sondern wir müssen auch Schuldgefühle in uns selbst aushalten und integrieren lernen. Hier ein Beispiel, welches mir kürzlich begegnete:

Eine Tochter wählt Abstand zu ihrer Mutter, da diese ihr – nach zahlreichen gescheiterten Versuchen auf diese zuzugehen und mit ihr ins Reine zu kommen – schlicht nicht gut tut. Um ihr eigenes Seelenheil zu retten hält die Tochter ihre Mutter auf Distanz. Das  Schuldgefühl der Tochter ist der Preis, den sie zahlt, wenn sie einen Abstand wählt, der für sie gesund ist. Wenn wir tunlichst vermeiden wollen, bloß niemandem gegenüber schuldig zu werden, zahlen wir ebenfalls einen hohen Preis: Wir entfernen uns von uns selbst, werden uns selbst gegenüber schuldig. Ich lerne: Schuldgefühle auszuhalten ist oft der Preis für die Freiheit, die ich durch ein Handeln für mich gewinne.

Der Alltag und sein Übermaß verlangen uns im Großen und Kleinen permanent Entscheidungen ab. In der Optionenvielfalt, mit der wir heutzutage konfrontiert sind, ist es ungemein schwer, sich nicht zu verirren und sich dem Entscheidungsdruck zu entziehen. Daher halte ich es für umso wichtiger, dass wir uns selbst und unseren sogenannten Fehlern gegenüber nachsichtiger und milder werden. Denn Leben heißt auch: irren, fallen, scheitern. Und Leben heißt immer: lernen.

Was macht für Euch ein gutes Entscheiden aus? Wann habt Ihr das Gefühl,  auf Euch und Eure Situation zugeschnitten entschieden zu haben? Ich bin dankbar für Austausch und Kommentare!

 

Der Mensch will tätig sein

Mein Mann Andreas hat sich über Jahre einem Projekt gewidmet:

Er hat mit verschiedenen Gitarren – angefangen mit einer E-Gitarre und einem analogen Aufnahmegerät, einer Konzert-Gitarre, einer 7-Saitigen, einer Bariton- &  einer JazzgitarreJohann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ eingespielt und aufgenommen. 7 Jahre – 5 Gitarren. Spur für Spur, Ton für Ton, Takt für Takt.  Zwischendurch floss Kaffee über das Aufnahmegerät und Andreas fand im Netz alternative Aufnahmemöglichkeiten.

Diese Version ist „die lebendigste“, so Andreas.

Ich habe gestaunt, mit wieviel Ausdauer & Hingabe, Flow & Spiellust er da am Werke war! Und dachte: Bewundernswert. Offenbar macht es tiefen Sinn, das zu tun, was wir direkt aus uns schöpfen. Dinge, die wir voller Leidenschaft, ja im besten Sinne zwanghaft tun müssen. Auch wenn andere manchmal meinen, wir hätten nicht alle Latten am Zaun;-).

Wir freuen uns sehr, wenn Ihr Euch Andreas‘ Werk mal anhört, Euch den Moment nimmt. Ich finde: Es lohnt sich!

Mach mal Pause

Heute zum Ende der Woche möchte ich gern daran erinnern, wie wichtig & – ich wage zu behaupten – überlebensnotwendig Pausen für unser System sind. Ich weiß, es klingt abgedroschen, doch wenn wir nicht pausieren, drehen wir hohl, routieren wir bis ins Unermessliche, bis uns unser Körper oft unerbittlich daran erinnern muss, dass Grenzen erreicht sind.

Pausen sind für mich: kurzes Innehalten, bewusst einen bestimmten Duft, z. B. ein ätherisches Öl riechen, einfach eine Runde „um den Block“ gehen, oder noch effektiver: ein Waldbad nehmen, sprich mal ab den Wald; wenige gymnastische- oder Yogaübungen, ein paar Minuten aus dem Fenster schauen, Musik an & tanzen…Da fällt uns sicher allen etwas ein!

Ein letzter kleiner Tipp: Positiv besetzte, wohltuende einzelne Wörter denken, bewusst laut aussprechen hilft mir oft enorm! Neulich testete ich, wie sich das Wort „Geduld“ anfühlt, und ich stellte fest: gut, entschleunigend. So transportiert das Foto für mich (siehe oben, herzlicher Gruß aus dem Südschwarzwald!) ein ganz wohliges, Geborgenheit schenkendes Gefühl.

 

In diesem entspannten Sinne, gehabt Euch wohl!

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