seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Angst vor Ablehnung

Kennt Ihr das auch? Ihr unterlasst bestimmte Schritte – Schritte des Sich-Zeigens, Sich-neu-Erprobens – aus Angst vor Ablehnung? Ich erinnere mich, dass ich im 5. Schuljahr meine komplette Klasse zu meiner Geburtstagsfeier eingeladen habe, nicht da mir alle wer weiß wie am Herzen lagen, sondern da ich mich bei niemandem unbeliebt machen wollte.

Die Angst nicht gemocht zu werden, zu missfallen, begleitete mich sehr lange. Mittlerweile ist es mir meist wurscht – abgesehen von mir sehr nah stehenden Menschen – was andere denken und meinen, wem ich gefalle und wem nicht. Im Gegenteil, ich erlebe es als völlig “normal” und auch wichtig, nicht von allen gemocht zu werden (denn letzteres wäre geradezu verdächtig und auch uninteressant). Das für mich mittlerweile Furchtbarste ist es, heuchlerisch oder kriecherisch zu sein. Lieber nehme ich in Kauf, dass meine manchmal auch schonungslose Ehrlichkeit nicht gut ankommt.

Ich erlebe es immer wieder: Wenn du zu neuen Ufern aufbrechen willst, musst du durch diese Angst hindurch, wiederholt und wiederholt. Spannend und auch befreiend wird es, wenn du erkennst, dass du und deine Schritte wohlmöglich gar nicht abgelehnt werden. Die These, dass Ablehnung eine Illusion sei, habe ich kürzlich bei Veit Lindau aufgeschnappt und lange in mir bewegt. Veit unterscheidet zwischen Ablehnung und etwas anderes wählen. Das habe ich mir auf der Zunge zergehen lassen: Der andere lehnt es oder dich nicht ab, er wählt an dieser Stelle nur etwas anderes! Das heißt ferner: Die Wahl des anderen ist kein Urteil über dich oder deinen Wert. Veit sagt, der einzige Mensch, der die Wahl habe, dich in solchen Momenten abzulehnen, bist du. In dich irritierenden oder auch schmerzhaften Momenten kannst du dich also fragen:

Bin ich von meinem Weg überzeugt? Von meinen Zielen und auch von meiner Vision? Kenne ich meine Werte?”

Momente, in denen ich zweifle – zum Beispiel daran, so offen und ehrlich öffentlich zu schreiben – Momente, in denen ich mich mit mir nah stehenden Menschen austausche, beispielsweise darüber, dass sie nicht möchten, dass irgendetwas über sie im Internet steht – sind also wahre Lehrmeister, wenn auch keine angenehmen. Ich bleibe bei dem Beispiel “private Dinge im Internet veröffentlichen”: Eine liebgewonnene Vertraute schrieb mir neulich – nachdem sie lange und interessiert in meinem Blog gestöbert hatte – sie würde private Dinge nicht ins Internet stellen. Gleichzeitig fragte sie sich selbst: Warum eigentlich nicht? Ich kann sie aus ihrer Warte – sie ist außerdem ein völlig “un-digitaler” Mensch – verstehen. Ich erwiderte, ich würde mein Schreiben als das mit Schönste und Abenteuerlichste erleben, dass ich bislang gestaltet habe. Abgesehen davon, dass mir das Schreiben irre viel Spaß macht, erfahre ich immer wieder, dass meine Zeilen auch anderen Mut machen: Von sich erzählen kann andere ermutigen, es kann sie zum Beispiel spüren lassen, sie sind nicht allein.

Gleichzeitig kann ich nachvollziehen, wenn andere das nicht wollen, sprich sich hier an dieser Stelle für “anders leben” entscheiden. Aus vielfältigsten Gründen. Zurück zum Anfang meines Textes – Ablehnung ist eine Illusion. Natürlich mag der eine oder andere das, was wir tun, ablehnen. Doch ich glaube, viel öfter, als dass etwas abgelehnt wird, wird schlicht anders gewählt, anders gelebt. Die meisten Menschen stecken, so meine Beobachtung, sehr tief und busy in ihrem eigenen Leben, sie registrieren gar nicht alles, was du tust, es interessiert auch nicht jeden alles. Geht mir doch genauso!

Daher meine Empfehlung: Mach doch einfach! Oder wie Veit so schön sagt: “Die, die genau auf dich gewartet haben, werden kommen!” Oft ist es so, dass ich selbst auch viel zu beschäftigt bin, als mir permanent über das Leben anderer Gedanken zu machen: Ich bin super neugierig, lasse mich gerne inspirieren, ich verschenke mich sehr gern – das ‘anderen Dienen und ihnen eine Freude machen’ ist für mich Teil und Konsequenz gelebter Selbstliebe. Da komme ich gar nicht zum ständigen “Abscannen”, Vergleichen und mich fragen, was der andere denn evtl. besser macht als ich. Soll heißen: Ich verbringe kaum bis keine Zeit mit Tratschen, Lästern, Ablehnen. Und frage mich: Warum sollten andere dies tun, Zeit mit Ablehnen verbringen;-)? Im Übrigen glaube ich, dass Selbstliebe, sprich die Qualität der Beziehung zu dir selbst DER Schlüssel ist in diesem ganzen “Werde-ich gemocht/abgelehnt-Spiel”.

Mir ist erneut klar geworden: Ich möchte meine Schritte gehen, sie nicht unterlassen. Der Schritt, mich nun mehr und mehr mit den ätherischen Ölen, die ich sehr liebe, zu zeigen, andere hier zu beraten, ihnen die Möglichkeit zu geben, die Öle über mich zu beziehen, ist mir auch nicht ganz leicht gefallen. Doch ich sage mir: Wenn es mich ruft, sollte ich folgen. Unbedingt. Und wenn es dann doch nicht meins ist, wird sich genau dies zeigen.

Und was das öffentliche Schreiben, den Einblick in mein Leben angeht: Mir ist es wichtig, offen zu sein und gleichzeitig genau hinzuspüren, wo sind Grenzen – meine eigenen und die des anderen. In die Tiefe gehen, ohne dass es für eine Seite unangenehm wird.

Und wenn du oder das, was du tust, dann doch abgelehnt werden, kannst du dich fragen: Über wen sagt diese Ablehnung etwas aus? In der Regel über denjenigen, der ablehnt – es ist Ausdruck seiner Werte, seiner Ansichten, seiner Moral, seines Geschmacks, seiner Ästhetik und Weltanschauung.

Welche Erfahrungen machst du mit der Angst vor Ablehnung? Kannst du recht entspannt durch sie hindurch gehen? Oder bremst sie dich oft?

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Ins Spüren kommen

  1. Bill

    Ja die Angst bremst mich oft aUS. Und es konnte mir noch niemand den Weg daraus zeigen. Immer nur mein Ding machen und mich im WidersTand befinden ist ja auch keine Lösung. Ich komm einfach nicht an die Selbstliebe ran.

    • Carolin

      Liebe(r) Bill,

      ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Zeilen zu lesen. Mein erster Impuls, als ich deine Zeilen las:
      Vielleicht hilft es dir, dich einer dir nah stehenden Person anzuvertrauen & sie zu bitten, dir einfach mal nur zu lauschen. Jemandem, dem du vertraust und der, die auch eine hohe Kompetenz hat, dich zu sehen. Ich spüre bei dir ein wenig – vielleicht liege ich völlig falsch – die Tendenz, “es” alleine schaffen zu wollen. In der Regel sind wir nie völlig allein, und es hilft wenn ein anderer uns spiegelt: unsere hellen Seiten, unsere Nöte. Und noch eine kleine Empfehlung: Ich find das Buch “Heirate dich selbst” von Veit Lindau sehr hilfreich und konkret in diesem Zusammenhang.
      Ich wünsche dir alles alles Gute auf deinem Weg, Carolin

  2. Liebe Carolin,
    es ist immer wieder schön, von dir zu lesen. Über das Thema “sich zeigen” bin ich ja auf deinen Blog gekommen.
    Ich kann wesentlich besser als früher damit umgehen, dass ich manchmal auf Unverständnis stoße, wenn ich für mich einstehe. Weil ich weiß, dass es gut und richtig für mich ist.
    In anderen Bereichen, z.B. wenn es darum geht, meine Werte nach außen zu zeigen, spüre ich immer noch eine gewisse Zurückhaltung und Ängstlichkeit. Hier übe ich, meine Grenzen auf eine mir angemessene Weise auszuweiten, schaue aber auch immer, dass ich das nur tue, wenn genug Energie zur Verfügung steht.
    Sei herzlich gegrüßt
    Sabine

    • Carolin

      Liebe Sabine,

      das freut mich sehr, dass du gerne von mir liest! Das geht mir mit deinen Beitragen entsprechend. Sich peu a peu (mehr) zeigen, auch und gerade in und mit seinen Werten, ist auch mir ein Anliegen. Und auch ich übe:-).
      Ich glaube wir zwei sind auch feine Naturen, mit allen Vor- und Nachteilen. In jedem Fall kommen wir, so meine Annahme, sehr unmittelbar und tief ins Spüren, so dass unser Körper uns über uns und unsere Grenzen auch schnell Auskunft gibt.
      Und weißt du, was ich mir immer wieder sage? Ich halte den Schmerz, unter Umständen abgelehnt worden zu sein, tausend mal besser und lieber aus, als die Traurigkeit, den Schmerz darüber, nicht vollständig meins gelebt zu haben. Und dazu gehört für mich auch und insbesondere das Aussprechen meiner Wahrheit.

      Alles Liebe! Deine Carolin

      • Liebe Carolin,
        das hast du schön gesagt! Ich werde weiter üben:-)
        Ein Geschenk finde ich, dass wir uns selbst dabei beoobachten können, wie wir uns entwickeln – ein wirklich spannender Prozess.
        Ganz liebe Grüße
        Sabine

        • Carolin

          Ja du, das stimmt! Und über das eigene Beobachten hinaus können wir an der Entwicklung des anderen teilhaben – wie schön! Hoffe bei dir in der Heide gab’s schon ‘ne Abkühlung. Hier in Hannover lässt sie noch auf sich warten…;-)

  3. Ich kann damit ganz gut umgehen, im Bewusstsein zu sein, dass mich nicht jeder mögen muss. Ich habe den Perfektionismusdrang der Gesellschaft abgelegt und gebe mich heutzutage so wie ich bin. Mit meinen Ecken und Kanten. Das ist Freiheit. Manchmal ecke ich auch an, obwohl ich bewusst niemanden verletzen möchte. Ich riskiere eine Ablehnung und ich habe kein Problem mehr damit.

    • Carolin

      Hallo Günter,
      das klingt gesund (abgegrenzt) und selbst bewusst. Bin deiner Meinung: Auch ich ecke manchmal an, obgleich ich bewusst niemanden verletzen will. Ahne aber, dass immer mal wieder etwas aus mir heraus will, mit der vielleicht auch unbewussten Motivation, den anderen anzustupsen, wach zu rütteln, manchmal auch zu pieksen. Auch das gibt es, und diesen Teil in mir habe ich noch nicht so umarmt;-). Schaue ihn mir, diesen Teil in mir, weiter wohlwollend an.
      Hab’s gut, Carolin

  4. Katinka

    Hallo in die Runde,happy earthday!

    nun gebe ich doch mal Aspekte ins Diskutierfeld,die in der Gesellschaft Tabus betreffen und meistens Ablehnung hervorrufen: öffentlich pupsen, popeln,sich im Schritt kratzen müssen sowie den Achselgeruch prüfen.
    Hier greift die These nicht, oder?

    Herzlich,Kati

    • Carolin

      Oh ja du, das sind in der Tat delikate Themen;-).
      Hm. Gestehe, dass ich hier auch gehemmt bin und mir gleichzeitig unsicher, ob ich ständig andere pupsen hören (riechen) oder popeln sehen wollte. Denn so sexy find ich das nicht – irgendwas stößt mich da tatsächlich ab;-).
      Da ist nicht nur die Angst vor Ablehnung – vielleicht betrifft es schlicht auch sehr intime Bereiche, auch Bereiche, die mit Scham und Ekel nah verwandt sind, wo man einfach nicht gerne “auf macht”!
      Wie auch immer: ein heißes Thema, Schwesterherz!
      Kann mir auch vorstellen, dass man im Alter auch hier entspannter wird und es auf’s Gegenüber ankommt, wie tolerant und offen damit umgegangen wird: Wenn beide pupsen (wollen), ist’s vielleicht wieder fein:-).
      In diesem Sinne, frohes Sein, Wirken, Schaffen & P…!

  5. Liebe Carolin,
    das ist mal wieder einer dieser Artikel von dir, die mir aus der Seele sprechen und in dem ich mich (zumindest in meiner Vergangenheit) wiederfinde.
    Inzwischen ist es mir ebenfalls “wurscht”, was andere von mir und meinem Weg halten. Denn ich lebe (darf leben) in der sicheren Überzeugung, dass mein Weg für mich der absolut richtige ist! Aber er ist eben nur für mich, aber nicht zwangsläufig für die anderen.
    Was mich darin bestätigt ist, dass mir seit einiger Zeit Menschen (so auch du) begegnen, die meinen Weg mit großem Interesse und Anteilnahme begleiten. Und dafür bin ich ausgesprochen dankbar, so wie dir für diesen wundervollen Text!
    Herzlichst, Eckhard

    • Carolin

      Ich freue mich sehr, lieber Eckhard, dass wir zwei uns über den compassioner begegnet sind! Erlebe deine Art – sowohl in deinen Texten als auch im Kontakt – als sehr wertschätzend, aufrichtig und freundlich. Und ich freue mich auch, dass du offenbar so gut und stimmig auf deinem Weg unterwegs bist. Wenn dann noch Resonanz, Bestätigung im Außen erfahren werden kann, ist das ganz wunderbar! Lass uns verbunden bleiben und uns gegenseitig bereichern und unterstützen.
      Herzlich zurück, Carolin

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