seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Sich etwas erlauben

Zurzeit begegnet mir immer öfter das Thema „Sich etwas erlauben“. Aus  meinem Erleben liegt im zunehmenden Sich-Erlauben der Schlüssel zu vielem:  Ich komme in meine Kraft und Größe, wenn ich meinen natürlichen Raum einnehme. Wenn ich mir erlaube, die zu sein, die ich sein will. Ich umgebe mich mit Menschen, die vollends zu mir passen, und entsprechende Menschen umgeben sich mit mir. Ich werde gesünder und innerlich freier. In Beziehungen ruckelt sich oftmals vieles neu zurecht.

Noch staune ich immer, wie oft ich mich frage: „Darf ich das?“ Darf ich mir mehr Raum nehmen? Darf ich etwas wohlmöglich Triggerndes sagen oder schreiben? Darf ich Bilder von mir teilen, oder kommt das arrogant rüber? Darf ich bekannter werden wollen mit meinen (Blog-) Zeilen? Kürzlich konnte ich mich im Kreise starker, schöner Frauen erneut mit diesen Fragen und dahinterliegenden Glaubenssätzen auseinandersetzen: Ich weiß nicht genau, woher es kommt, dieses „Darf ich?“ Uns wurde bewusst, dass die Frauengenerationen vor uns sicher vieles, von dem was für uns heute selbstverständlich ist, überhaupt nicht durften, sich die Frage vermutlich auch viel seltener stellte – und wenn, waren es Ausnahmen von Frauen, die sehr mutig ihres Weges gingen. Auf meiner Fensterbank steht ein Foto meiner Mutter, meiner Gruß- und meiner Urgroßmutter. Alle drei sitzen nebeneinander auf einem Sofa, meine Mutter in der Mitte. Es ist ein herrliches Bild, da alle lachen und Oma Erna ganz rot ist vor Freude. Dieses Bild berührt mich gerade sehr. Oft sitze ich davor, schaue es mir einfach an, verbinde mich mit ihnen, bevor ich meditiere.

Es war unglaublich befreiend, als meine Yogalehrerin mir nahelegte, zukünftig „Darf ich das?“ durch „Ich darf“ zu ersetzen. Ja, ich darf! Und es ist Zeit, dieses alte – vermutlich in allen Zellen sitzende – Muster endgültig  zu durchbrechen um einem neuen, mir entsprechenden Muster Platz zu machen.

Wenn es von Herzen kommt, darf ich das. Punkt.

Ein weiteres Muster ist mir bewusst geworden, dank eines Gesprächs mit meiner Vorgesetzen und einem Kollegen: In einem Zusammenhang fiel die Frage, wie ich etwas aushielte. Auf den Inhalt möchte ich hier nicht näher eingehen, doch die Frage ist bemerkenswert. „Wie halte ich das aus?“ Bemerkenswert ist ferner, dass mir gar nicht immer bewusst wird, dass ich da offenbar etwas für andere Schwer-Auszuhaltendes tue oder erlebe, dass ich etwas hinnehme, auch wenn es mir vielleicht in der Tiefe gar nicht schmeckt oder mir nicht (mehr) entspricht.

Hier möchte ich zukünftig viel feiner werden, in meiner Wahrnehmung, noch viel stärker auf mich Acht geben, mir gewahr werden, was wirklich gerade angebracht ist. Das Dumme ist, dass ich Konflikt und Disharmonie so überhaupt nicht mag, um nicht zu sagen: Es fällt meinem dünnhäutigen System noch sehr schwer, Dissens zu ertragen, die Dynamik, die Ablehnung oder was auch immer da kommen kann, auszuhalten, wenn ich andere enttäusche – beispielsweise, wenn da ein „Nein“ von mir kommt: Nein, ich werde nicht da sein. Nein, ich möchte das nicht. Nein, da kann ich nicht. Einfach nein. Auch punkt.

Dieses Etwas-Aushalten wiederum geht einher mit dem Sich-nicht-erlauben. Sich nicht zugestehen, Dinge fortan anders zu machen. Ich stelle meine Bedürfnisse hintan, wenn ich mich selbst übergehe. Meine kühne These: Wir Frauen müssen nicht alles aushalten, es wurde schon genug ausgehalten in den Generationen vor uns. Vieles darf auch leicht sein. Ich kenne fast niemanden, der heutzutage nicht über zu viel Anstrengung klagt. Jede Frauengeneration hat sicher ihre Themen und Anstrengungen, doch mein Eindruck ist, dass die meisten Frauen unserer Zeit unheimlich viele Spagate machen. Eins reicht doch. Keins ist vermutlich noch gesünder.

Vielleicht fragst auch du dich hin und wieder „Darf ich das?“ Entscheidend ist tatsächlich – und hier wiederhole ich mich gerne – dass du dir selbst die Erlaubnis gibst, genauso zu leben, wie du es für richtig hälst. Je mehr du dies tust und je häufiger du dich darin übst, umso weniger störst du dich am Widerstand, am Zweifel der anderen. Natürlich dürfen wir offen und berührbar bleiben für Kritik, Ängste und Widerstand. Doch sollten wir dabei auch bedenken, dass starke, leuchtende Zeitgenossen auch erst einmal von ihrem Umfeld ausgehalten werden müssen: Erinnert es manch anderen wohlmöglich daran, dass auch in seinem Leben mehr möglich ist, dass er mehr Potential entfalten darf, ich wage zu behaupten, dass es vielleicht sogar seine Pflicht dem kostbaren Geschenk Leben gegenüber ist, innerlich weiter zu werden und Herzensprojekte zu verwirklichen.

Wer sich angesprochen fühlt und sich noch unsicher ist:

Wir dürfen:-).

Zurück

Wenn das Leben uns viel abverlangt

Nächster Beitrag

Freiheit ist…

  1. Liebe Carolin, was für ein großartiger Artikel. Du sprichst mir aus der Seele: Wenn ich etwas in meinem Sinne verbessern möchte, ist die Voraussetzung, dass ich es mir selber erlaube. Und daran hapert es oft.
    Wunderbar finde ich deinen Satz “Wenn es von Herzen kommt, darf ich das. Punkt.”
    Ich habe neulich ein paar praktische Tipps aufgeschrieben, die es leichter machen, mit den Reaktionen auf das eigene Grenzen setzen umzugehen: https://de.quora.com/Was-kann-ich-tun-wenn-ich-Grenzen-setzen-m%C3%B6chte-und-mich-vor-negativen-Reaktionen-f%C3%BCrchte/answer/Sabine-Brunke-Reubold

    Habe deinen Artikel auf meiner fb-Seite geteilt, weil ich ihn so toll finde:-)
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Carolin

      Danke dir sehr, Sabine! Schön, dass wir die Liebe zum großen weiten Thema Kommunikation teilen! Es macht Spaß, deine guten, griffigen Artikel zu lesen. Und vieles hallt in mir nach. Schön, dass auch diese meine Zeilen bei dir auf Resonanz stießen. Ich glaube, das Sich-(Nicht-)-Erlauben ist ein fettes Thema – für viele, insbesondere Frauen, meiner Erfahrung nach!
      Mach’s gut:-)

  2. Harry Hömpler

    Liebe Calli,
    wieder viel Stoff zum reden.
    SICH was erlauben. Genau.
    WEN also fragen?
    Wie wäre es, wenn du sagst: ” Ich mach das.” ?

    LG
    Harry

    • Carolin

      Harry, herrlich – ich danke dir! Ja, reden folgt. Freue mich auf dich, erst mal ja am 9.3., ne? Wobei, ob wir da so zum Reden kommen…
      Wie auch immer, freu mich, tierisch, dass es dich gibt! Und ja: “Ich mach das!” klingt phänomenal, das sollte ich zu meinem neuen Mantra erkiesen (heißt das so? Wurscht!). Du merkst, ich tu mich offenbar noch schwer damit, mit dem Sich-Erlauben. Da sind Kati & ich ja bei dir und dem Un-Verschämtsein-Dürfen wunderbar aufgehoben.
      Ich grüße dich, deine Calli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén