seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Was ist wesentlich?

Heute möchte ich daran erinnern, dass wir uns nicht permanent selbst antreiben sollten. Nicht ständig Aktionismus an den Tag legen müssen. Was so einfach klingt ist wortwörtlich in der Tat nicht leicht. Und ich spreche nicht nur von alltäglichen To-Do-Listen, sondern auch von selbst gesteckten Zielen und Vorsätzen, die hin und wieder ruhen oder neu “über-spürt” werden dürfen. Das Spannende im Leben sind Um- und Abwege, auch wenn sie uns auf dem Pfad selbst mit Unbehagen und Ungeklärtem erfüllen mögen.

In den vergangenen Wochen war ich sehr ambitioniert und manchmal auch verbissen mit meinen Schreibprojekten beschäftigt: unentwegt in Gedanken bei meinen Blog, Besucherzahlen und möglichen Verbesserungen, darüber am Nachdenken wo – für welche Magazine, welche “Plattformen” – ich noch schreiben kann, aktiv in diversen Facebook-Gruppen. Alles gut und schön. Doch das Leben spielt sich auch und vor allem woanders ab. Das ist mir nochmal mehr bewusst geworden.

Das Wertvollste, was wir haben, ist unser Fokus: Was ruft jetzt gerade nach meiner Aufmerksamkeit? Wie möchte ich meinen Geist füttern? Und was kann ich jetzt in diesem Moment schlicht fallen und bleiben lassen? Energie folgt der Aufmerksamkeit. Ein alter Hut. So wahr, doch ebenso wenig leicht umzusetzen. Wie oft teilen wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit – sind hier und da, ständig im Smartphone, in Sorgenschleifen, wo auch immer. Für mich hat sich in letzter Zeit ein neuer Wert herauskristallisiert: Präsenz. Sprich Anwesenheit. Bin ich klar, wach und aufmerksam in diesem Moment? Bin ich mir gerade bewusst darüber, was mich hier und jetzt bewegt?

Bei meiner liebgewonnenen Gwynnefer Kinne las ich, gute Ideen werden ausgebrütet. Ziele benötigen einen geschützten, nährenden Raum und Zeit, um heranzuwachsen und zu reifen (Kraftvolle Weiblichkeit: Ziele – ein starkes Wollen funktioniert nicht?). Diese Zeilen schlugen bei mir ein. Erneut wurde mir bewusst: Ziele können sich auch ändern oder ausdifferenzieren. “Gewinn geschieht” kam mir in den Sinn – ein Ausspruch eines weiteren sehr liebgewonnenen Menschens, “Navigator” Harry Hömpler. Sprich: Im besten Fall komme ich über eine “Win-Win-Situation” hinaus, und die Dinge gestalten sich zum Nutzen aller Beteiligten, es gebärdet sich etwas Neues. Je besser ich mich kenne, je klarer ich in meinem Leben werde und je tiefer ich vertraue, umso eher kann sich eine “Gewinn-geschieht-Situation” einstellen, so meine Erfahrung.

Ich lerne nun wieder, mehr zu empfangen, das viele Schöne, auch kleine Schöne bewusst und dankend anzunehmen. Davon auszugehen, dass Dinge sich finden und fügen. Oft kommen mir neue Impulse – Wünsche, Pläne, Geistesblitze, ja auch Ziele – während der Yoga- & Meditationspraxis, wenn man so will absichtslos. “Was ist wesentlich?” Diese wunderbare Frage hörte ich kürzlich bei Franziska Schulze und ihrem “Soul-Sunday”. Und sie passt so gut zu meiner momentanen Situation: Ich möchte immer wieder wach hinschauen, was sich genau in diesem Moment zeigen will. Was jetzt gerade dran ist. Wie ich mich fühlen möchte. Und dabei auch all die Dinge bewerkstelligen, die erledigt werden wollen: erdig-erdende Themen wie Aufräumen, Kümmern um Instrumentenreparatur und -Neuanschaffung, Klavier üben, PR für unser Duo Bluetwos.

Was wir also nicht vergessen sollten: Alles braucht seine Zeit. Manchmal auch eine lange Zeit. Sofort auf’s Ziel springen zu wollen haut erfahrungsgemäß nicht hin. Vieles darf reifen, auch wenn uns in dieser unserer schnellen Zeit suggeriert wird, wir könnten das meiste schnell bewerkstelligen. Es braucht eine gewisse Entwicklung um etwas zu verändern. Um wirklich zu wachsen.

Meine Frage: Kennt Ihr es auch, dass Ihr meint etwas sehr zu wollen und dabei zu viel Aktivismus an den Tag legt? Dass Ihr “herumrödelt” und das So-Lassen und Empfangen, ja, das Ruhen-Lassen aus dem Sinn verliert?

 

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Wahrhaftige Kommunikation

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Das Leiden sagte zum Humor

  1. Liebe Carolin,

    ich kenne diesen Aktionismus und die damit verbundenen Gefühle ziemlich gut. Vieles habe ich mir abgewöhnt, aber manchmal lasse ich mich eben doch mitreißen – von meinen eigenen Zielen und Ideen oder von dem, was andere sagen, was “man” so alles tun und erreichen müsste.

    Letztlich bin ich privat und beruflich immer am besten damit gefahren, auf mein Herz und meine Intuition zu hören und Geduld zu haben. Mich darauf zu besinnen, gelingt mir zum Glück immer besser.

    Auch loszulassen und Vertrauen zu haben, will gelernt sein. 🙂

    Herzlichste Grüße
    Simone

    • Carolin

      Liebe Simone,
      wenn ich deine Zeilen lese, kommt mir ein schönes Bild: Als stündest du sehr klar und fest am Boden und seist gleichzeitig nach oben offen ausgerichtet – für alles, was da kommen möge. Sprich du hast vemutlich gute, feine Antennen für das, was für dich ansteht. Und immer mal wieder abzukommen von meinen Wegen oder sich zu sehr vom Außen beeinflussen zu lassen, kenne ich auch. Meist bedarf es dann einfach eines kurzen Rückzugs meinerseits – in die Stille, den Wald oder einfach an einen schönen Platz daheim.
      Schön, dass es dir immer besser gelingt, geduldig und besonnen zu sein.

      Einen guten Donnerstag für dich, ich grüße herzlich zurück!
      Carolin

  2. Liebe Carolin,

    ich liebe dich!

    Ich danke dir von Herzen, dass du dich berühren lässt.

    Ein tief berühren Gruss
    Gwynnefer

    • Carolin

      Oh Gwynnefer, sehr gern lasse ich mich berühren. Ich danke auch dir & schicke dir einen Liebesgruß zurück! Auf viele weitere bewegende Momente, hab’s gut und komm gut ins Wochenende, Carolin

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