seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Sich dem Partner nähern

Von Jens Corssen, Verhaltenstherapeut und Spezialist für mentale Selbstführung, stammt der Satz “Die Beziehung ist kein Erlösungsort”. Sprich: Dein Partner ist nicht dafür zuständig, deinen Mangel an Glück, Zufriedenheit, Erfülltheit auszugleichen. Dein Partner ist nicht dafür da, dich von Leid zu befreien, dich aufzufüllen. Letztere sind deine Aufgaben. Darüber hinaus soll und darf es natürlich auch Spaß machen, die Freude deines Partners, deines Gegenübers generell, zu mehren. Den anderen dabei zu unterstützen, Glück zu erfahren, sich als selbstwirksam zu erleben.

Corssen meint, wenn du bei dir anfängst, dich selbst entwickelst, laufe die Beziehung. Ich gebe ihm dahingehend recht, dass wir das Glück des anderen steigern können, wenn wir uns selbst in eine gehobene Gestimmtheit bringen, wenn wir schlicht dafür sorgen, dass es uns gut geht, dass unsere Bedürfnisse erfüllt sind – auch ohne, dass unser Partner uns dabei behilflich ist. Was nicht heißt, dass wir uns nicht selbstverständlich vom anderen wünschen können, er möge uns ein bestimmtes Bedürfnis erfüllen. Das Sich-Selbst-Entwickeln kann natürlich auch Unruhe in die Partnerschaft bringen. Oft höre oder lese ich den Satz, bei dem ich schmunzeln muss:“Mein Mann ist so unspirituell, ich habe mich viel mehr entwickelt als er.” Das mag die eine oder andere so empfinden. Auch ich kenne den Gedanken oder auch die Angst in mir,  über andere hinauszuwachsen. Was sowieso nie voll umfänglich geschieht, sondern meist nur in einem Bereich.

 

Wenn ich möchte, dass die Beziehung wieder blüht, muss ich in mich selbst investieren, meinen eigenen Energielevel heben. Mein Mann und ich haben in letzter Zeit sehr spannende Gespräche geführt und tiefe, innige Momente geteilt. Ich merke: Auch wenn ich mich in den letzten Jahren sicher verändert und entfaltet habe, und auch wenn er nicht jede Welle mitsurft, so finden wir doch immer wieder zusammen. Manchmal auf Umwegen: Wir sprechen zum Beispiel selten über meine Blogtexte (da ich auch kritikempfindlich bin, und mein Mann ein großer wenn auch feinsinniger Kritiker ist;-)), finden dennoch auch in meinen (Blog-) Themen zueinander, diskutieren, tauschen uns aus, reflektieren gemeinsam. Mittlerweile teilen wir sogar das Kundalini-Yoga, welches mein Mann bisher durchaus interessiert, doch nicht praktizierend an meiner Seite verfolgte. Darüber freue ich mich natürlich besonders.

 

Und was ich auch lerne: Es bringt nichts und kann sogar nach hinten losgehen, wenn ich versuche, dem anderen meins überzustülpen, ihn wohlmöglich zu missionieren (“Jetzt mach das doch auch mal so!”, “Dies oder jenes würde dir so gut tun!” o.ä.). Ich glaube, was wirklich überzeugt, ist das was du selbst tust in deinem Leben – für dich, für andere, den anderen freilassend in dem was er tut. Eine starke, schöne Präsenz zu haben, in seine Kraft zu kommen, sich selbst zu bemuttern, Liebe ins Feld einzuspeisen – das ist meines Erachtens der größte Gewinn für alle. Da mag der andere auch gerne folgen, vorausgesetzt er fühlt sich durch dich inspiriert, traut sich selbst, zu wachsen.

 

Eine schöne Partnerschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ich mich so sicher fühle, dass ich mich entspannen kann, und mich gleichzeitig so frei fühle, dass ich mich entfalten kann. Ich möchte mir selbst immer wieder fremd werden, und ich lade auch die Fremdheit des anderen ein, sich mir zu zeigen. Denn Beziehung braucht stets beides, wenn sie lebendig bleiben soll – Vertrautheit und Fremdheit. Und sollte der andere mal plötzlich zu fremd werden, hilft Humor ungemein.

 

Es gab viele Momente in den letzten Wochen, in denen ich mich getraut habe, mich meinem Mann gegenüber auch mit schambesetzten Themen zu öffnen. Von mir zu erzählen, Worte auszuspucken und währenddessen wahrzunehmen, dass mir heiß wird, dass da alte Ängste hochkommen, dass ich gerad selbst nicht weiß, wie ich mich finde. Und zu erleben: Auch das geht, ist möglich, der andere ist immer noch da, und nicht nur das: Er ist ganz präsent, hört wirklich zu. Im Anschluss an solche Momente fühlen wir uns oft sensibilisiert und gleichzeitig tief gestärkt. Auch teilen wir unserem Unbewussten, unserem ganzen System mit: Wir stehen wirklich für uns ein und leben Integrität, leben unsere WerteEhrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut zum Beispiel. Wir reden nicht nur davon, dass diese und jene unsere Werte sind, sondern lassen Taten folgen, auch wenn’s unbequem wird.

 

So begebe ich mich also wie wir alle jeden Tag auf die Übungsmatte des Lebens, experimentiere und halte es mit Goethe:

“Und so lang du das nicht hast, dieses Stirb und Werde,

bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.”

Gehabt Euch wohl, schöne Tage, Raunächte, schönes Einkehren & einen wunderbaren Start ins neue Jahr!

Herzlichst, Carolin

 

 

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Was Beziehung wertvoll macht

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Vom Entwicklen und Verändern

  1. Brigitta

    Liebe Carolin,

    ja, eine lebendige Beziehung ist etwas sehr Schönes. Man fühlt sich getragen, verstanden, geliebt um seiner selbst Willen.

    Aber – so, wie du es auch empfindest – ist die Voraussetzung hierfür eine lebendige Beziehung zu sich selbst. Ich muss mich erst selbst (er)kennen und annehmen, um dies auch in eine Partnerschaft tragen zu können. Ich muss wissen, wer ich bin, um auch den anderen in sich selbst und auch ein Stück weit in mir erkennen zu können…..denn alles ist mit allem verbunden. So werden mir meine Schattenseiten von meinem Partner ( und nicht nur vom Partner, sondern von allen Menschen, mit denen ich zu tun habe) gespiegelt.

    Wahre Liebe lässt frei – ein schönes Buch von Robert Betz. Bei ihm wird die Beziehung erst dann zur lebendigen Beziehung, wenn der Partner seine Freiräume hat und sie leben kann. Wie z.B. Zeit mit sich selbst zu verbringen, ohne dass der andere sich zurückgesetzt fühlt. Sein eigenes “Ding” zu machen; vielleicht mit einem Mädels- bzw. einem Männerabend, in dem das andere Geschlecht nichts zu suchen hat. Vielleicht auch einen kurzen Urlaub nur mit der Freundin oder der Schwester. Hier bekommt man einen neues Horizont, neue Impulse, die dann die Partnerschaft wieder bereichern.

    Ich denke, eine innige Partnerschaft lebt von den Momenten des Loslassens und des Sich- Wieder – Aufeindner – Einlassens. Wie ein Gummiband, das man mal spannt und dann wieder loslässt, um neu gespannt zu werden.

    Eine Partnerschaft lebt enenfalls vom lebendigen, verbalen Austausch. Hier findet Kommunikation statt, auch ein Sich- Einlassen auf den anderen.

    Nicht zu vergessen ist auch die körperliche Nähe. Es tut gut, den anderen zu spüren, sich geborgen zu fühlen. Ihm zu signalisieren: Hey, ich bin für dich da!

    Das sind einige Aspekte, die eine Partnerschaft lebendig halten. Allerdings ist es ein Stückchen Arbeit. Wir sind immer wieder aufgerufen, uns selbst zu überdenken und uns dann mit unseren Gedanken neu in die Partnerschaft einzubringen.

    Da ist es auch nicht von Bedeutung, wenn die Partner sich nicht zeitgleich entwickeln. Solange eine Balance bestehen bleibt, ist alles gut. Mal geht der eine einen Schritt und mal der andere. Das Schöne daran ist, dass der eine den anderen auf seinem Schritt ja auch mitnehmen und inspirieren kann. Und wenn es mal nicht so passt, ist es auch ok. Eine Partnerschaft bedeutet ja nicht, dass man zu einem “Einheitsbrei” mutiert. Jeder lebt seine Individualität weiter und man trifft sich in der “Schnittmenge “.

    Hab einen schönen Jahreswechsel, behalte deine lebendige Partnerschaft, und erlebe ein kraftvolles und gesundes 2018!

    Herzliche Grüße,

    Brigitta

    • Carolin

      Och Brigitta, wie schön, von dir zu hören bzw. zu lesen. Ich habe original heute an dich gedacht & wollte dir noch schreiben. Nun kontaktier ich dich auf diesem Weg und danke dir gleichzeitig ganz herzlich für deine guten Impulse und schönen, bildhaften Beschreibungen. Und ich danke dir dafür, dass du meinen Seisofrei-Blog so interessiert und teilhabend mitverfolgst und -bereicherst.
      Mir gefällt das Bild des Loslassens und wieder aufeinander Einlassens! Auch die Bedeutung von Freiräumen, vom Sich-frei-Lassen, die du auch beschreibst! Neulich las ich etwas, dem Sinn nach, es braucht beide Partner, dass die Beziehung stagniert, doch es bedarf nur einer Person, wenn sich die Beziehung entwickelt, entwickeln soll. Dem stimme ich zu. Natürlich kann ich den anderen nicht ändern, doch ich ändere etwas in ihm mit, wenn ich mich bewege.
      Was ich auch schön finde: immer wieder den Versuch zu unternehmen, alles aus dem anderen herauszulieben. Das las ich mal bei Veit Lindau und fand die Beschreibung sehr schön.
      In diesem Sinne, auf die Liebe & das Leben, liebe Brigitta!
      Auch für dich schöne Zeiten & einen für dich und Euch stimmigen Start ins neue Jahr wünscht
      Carolin

  2. Brigitta

    Liebe Carolin,

    da haben gestern wohl unsere Energien miteinader geschwungen!
    Danke für deine lieben Worte!
    Wie schön deine Worte sind über das, was du über die Partnerschaft gelesen hast, die stagniert. Ja, wenn beide jeweils in ihrem eigenen Raum bleiben, dort ausharren und darauf warten, dass ihre Partnerschaft lebendig auf diese Weise wird, dann können sie lange warten. In dem Moment, wo sich einer von ihnen bewegt, kommt auch die Bewegung in die Partnerschaft. Ob sie nun immer so ausfällt, wie gewünscht, sei dahingestellt. Es gibt auch die Möglichkeit, dass ein Partner feststellt, dass es keine gemeinsame Schnittmenge mehr gibt.

    Auch dein Beispiel von Veit Lindau gefällt mir gut: aus dem anderen alles herauszulieben. Ich verstehe darunter, den anderen so anzunehmen, wie er ist; ihn nicht verändern zu wollen; ja, ihn bedingungslos zu lieben. Ich bewundere da die kleinen Kinder, denn auch sie lieben bedingungslos. Mögen wir es ihnen gleichtun – und wenn es “nur” unsere Lieben in unserem nächsten Umfeld sind! Da bestätigt sich für mich wieder: Kinder sind unsere größten Lehrmeister!

    Dir und deinen Lieben ein schönes letztes Wochenende im alten Jahr!

    Liebe Grüße,

    Brigitta

    • Carolin

      Liebe Brigitta,
      dem ist nichts hinzuzufügen:-) – vielen Dank dir!
      Und: Ja, da waren wir wohl connected. Hab du auch einen schönen Jahreswechsel!
      Bin gerad ganz selig: Hatte gestern einen tollen Auftritt mit meiner Schwester, bei dem wir das “Goldene-Hochzeits-Paar” und die Gäste offenbar sehr glücklich machen konnten. Nun muss ich weiter packen, da ich heut nach Sylt aufbreche. Mich zieht’s ans Meer…

      Nochmals alles Liebe,
      Carolin

  3. Sabine Lange

    Sehr sehr schön dieser Artikel und auch euer Austausch in den Kommentaren. Ich nehme mir den Satz mit “Eine schöne Partnerschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ich mich so sicher fühle, dass ich mich entspannen kann, und mich gleichzeitig so frei fühle, dass ich mich entfalten kann.” Danke euch für eure Gedanken.

    • Carolin

      Liebe Sabine,

      hab herzlichen Dank für deine Gedanken! Ich sehe gerad dich & deinen Mann vor mir – Ihr seid ein schönes Paar, und ich freue mich für Euch, dass Ihr einander habt.
      Kommste bald mit zum Kundalini-Yoga:-)? Ich freu mich!

      Drück dich, Carolin

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