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Erlebtes & Belebendes

Von Anmut und Würde

Das letzte Wochenende im Oktober verbrachte ich mit einigen wunderbaren Frauen im Wendland, genauer in Zargleben in einem urigen, denkmalgeschützten Bauernhaus. Wir kamen zu einem privaten Frauen-Kundalini-Yoga-Camp zusammen, teilten Yoga, unsere schöpferischen Kräfte und unser Können.

Eine bereichernde Erfahrung war, dass wir kein Konzept im engeren Sinne hatten und es dennoch – oder gerade deshalb – mehr als ertragreich war: Es gab keinen Zeitplan – kein konkretes, zeitlich gegliedertes Programm – sondern lediglich die Idee, dass eine jede das in die Runde wirft, was sie weitergeben möchte: Wir teilten Yoga-Comedy, Breath-Walk an der frischen, stürmischen Luft, Fuß- & Klangmassagen, ausgewählte Meditationen und Yoga-Kriyas. Ich selbst brachte meine Liebe zur Musik mit ein und sang Mantren mit den anderen. Meine ätherischen Öle, die mich immer mehr in meinem Alltag unterstützen, fanden ebenfalls Resonanz.

Auch kulinarisch versorgten wir uns bestens – mit köstlicher Kürbis-Rote-Beete-Suppe, warmem Apple-Crumble, Energiebällchen, Frischkornbrei und Chai-Tea. Ich erinnerte mich einmal mehr, wie gut es tut, in Gesellschaft zu genießen und das Essen bewusst zu segnen.

Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Tage zog, lautete wie folgt: „Mit Anmut und Würde gestärkt durch den Wandel“. Anmut und Würde sind Qualitäten, die uns Frauen ausmachen und dennoch in vielen von uns noch zurückgehalten werden. Für mich haben Anmut und Würde mit Integrität – sprich der Übereinstimmung meiner Werte mit meinem Tun – und darüber hinaus mit einem inneren Strahlen, der eigenen Selbstsicherheit zu tun. „Wandel“ kann vieles bedeuten und steht für Übergang, Veränderung: der Übergang in die Wechseljahre, in eine unbekannte Kraft und Stärke, einen neuen Lebensabschnitt oder auch ein ganz neues Zeitalter. Guru Rattana, eine langjährige Schülerin Yogi Bhajans, sagt, eine Frau habe ein großes Reservoir an Widerstandskraft und ein fast grenzenloses Potential, Dinge geschehen zu lassen. Ihre Energie könne jedoch durch zu viel Stress erschöpft werden. Umso wichtiger, sich hin und wieder Auszeiten zu nehmen, um in die eigene Kraft zu kommen.

Eine Yogini erzählte von ihrem vier-jährigen Sohn, der oft wenn er etwas verzapft hatte und daraufhin „Schimpfe bekam“, klar und deutlich entgegnete: „Das hab‘ ICH gemacht“, woraufhin seine Mutter nichts wirklich Sinnvolles erwidern konnte. Wie herrlich selbstbewusst, die eigene Verantwortung übernehmend! Von dieser Haltung wollten wir uns nun etwas abschneiden und immer wenn wir uns vorschnell für jeden Pup entschuldigen, „Das hab‘ ICH gemacht!“ in den Raum werfen. Das Ganze gestaltete sich sehr spielerisch und lustig, vor allem: erhellend. Es ist unglaublich, wie schnell wir Frauen ein „Entschuldige bitte“ aussprechen! In den meisten Fällen ist dies schlicht nicht nötig und transportiert ein überflüssiges „Sich-klein-Machen“. Und nicht nur das: Es kann das Gegenüber auch aggressiv machen, wenn sich jemand ständig entschuldigt.

Wir tauschten uns über all das aus, was uns dankbar macht, ferner über (Yoga-) Literatur, Yoga-Unterricht, Ernährung, den Alltag, Träume und Visionen. Was ich besonders schätze: Wir kamen auf Augen- und Herzhöhe zusammen, lachten viel und begegneten uns sehr authentisch. Ich finde nichts angenehmer, als wenn Menschen sich untereinander wertschätzen, Komplimente machen, sich gegenseitig erheben. Gerade bei uns Frauen potenziert sich meiner Erfahrung nach unsere schöpferische Kraft, unser Können, wenn wir gemeinsam für etwas gehen, uns unterstützen und liebevoll begleiten. Dies ist sicher nicht die Regel – oft blockieren wir uns gegenseitig durch Konkurrenzdenken und Sich-etwas-Neiden – doch eine jede, die die Erfahrung des sich Miteinander-Stärker-Fühlens gemacht hat, wird diese nicht missen wollen und immer öfter Felder mit dieser schönen Energie aufsuchen.

Natürlich war da nicht nur Konsens unter uns: Nicht jede steht auf die früh morgens praktizierte sog. Sadhana, und auch Vorstellungen darüber, wie konkret das Japji, Teil der Sadhana, rezitiert wird, variierten. In diesen Momenten ist es interessant genauer hinzuschauen und zu –spüren, was ich aus der jeweiligen Situation mitnehmen kann. Authentische, offene Frauen sind hervorragende Spiegel füreinander.

Ich fühlte beim Ankommen daheim einen tiefen Frieden in mir, eine Weite und Ruhe. Zu Hause stellte ich fest, dass ich bei Kleinigkeiten oder Worten nicht sofort reagierte, beispielweise mit einer Erklärung oder Rechtfertigung, sondern dass es da tatsächlich eine Lücke in mir gab zwischen Reiz und Reaktion. Am folgenden Tag war dann wieder viel Aufruhr in mir, und „meine Themen“ – wunde Punkte, Dinge, die mich in der Tiefe bewegen – begegneten mir wie unter einem Vergrößerungsglas.

Es bleibt spannend. Ich wünsche mir, diese dort erlebte Authentizität mit in den Alltag zu nehmen.

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Auf liebe Art frech sein

  1. Liebe Carolin, du schreibst mir wieder direkt aus dem Herzen. Deine Zeilen sind so wunderbar feinfühlig wahr genommen und dennoch auf den Punkt gebracht. Zuhause angekommen habe ich mich über all die Dinge gewundert, die ich meine zu brauchen, die ich in Zargleben kein Stück vermisst habe. Natürlich holt auch mich der Alltag wieder ein. Vielleicht bleibt ein wenig das Bewusstsein “ wozu, das habe ich in Zargleben doch auch nicht gebraucht“. Stattdessen lieber einmal sich selbst die Füße massieren, ist eine Idee , die ich gestern tatsächlich schon mal umgesetzt habe. Oder mal wieder das Ofenfeuer entfachen. Mein Herz ging auf durch diese Art des ursprünglichen Lebens und natürlich durch die Gemeinschaft mit euch, der Möglichkeit, dass jede sich auf ihre ganz eigene kreative Weise einbringen kann und durch das, was uns alle verbindet, das Kundaliniyoga.

    Euch allen eine zauberhafte Zeit, bis irgendwann mal wieder in neuer oder alter Runde. Liebe Grüße und Sat Nam

    Dietlind

    • Carolin

      Liebe Dietlind,

      oh ja – da sagste viel Wahres, danke dafür!
      Glaube auch, wir brauchen viel weniger als wir meinen. Gut, dieses sehr ursprüngliche Leben in Zargleben erfahren zu haben. Deinen Breath-Walk fand ich auch klasse, in diesem Wind, welch‘ ästhetisches Erlebnis! Den werde ich das nächste mal an den Westerländer Strand übertragen. Ach was: Lieber schon vorher mal testen, auf dem nächsten Wald-Spaziergang.
      Füße-Massieren ist so einfach und gleichzeitig wirkungsvoll. Das mache ich tatsächlich fast täglich, während ich lese oder irgend was schaue.
      Ich würde mich riesig freuen, ein solches Wochenende erneut und regelmäßig erleben zu dürfen.

      Alles Liebe zu dir & Euch, Carolin

  2. Liebe Carolin,

    ganz lieben Dank für Deine wunderbaren Zeilen. Sie zu lesen ist für mich wie eine Reise dorthin zurück und das wirkt wie ein Jungbrunnen! Für mich war dieses Wochenende lebensverändernd. Über einen längeren Zeitraum als eine Yogastunde absolut im Moment zu sein ohne Planung, ohne festes Konzept, einfach nur Frau sein. Herrlich! Seit diesem Wochenende fällt es mir viel leichter im Jetzt zu sein. Das Bewusstsein darüber hilft mir, mehr auf mich zu achten, mich zu spüren und vor allem im Spüren zu bleiben, auch wenn der Mind rumrattern will.

    Eigentlich gaaaanz einfach 😉

    Alles Liebe von Patricia Jagatpal 🙂

    • Carolin

      Oh wie schön, Jagatpal! Im Spüren bleiben – das klingt fantastisch. Das möchte ich auch immer & immer wieder üben.
      Mir hat die Gemeinschaft, das „Kräfte-Vereinen“ unglaublich gut getan – das möchte ich noch viel mehr und häufiger haben in meinem Leben. Dafür werde ich meine Kräfte mobilisieren – gerade im „Yoga-Feld“ und selbstverständlich auch anderswo gibt es viele tolle Felder & Gelegenheiten zum „Gemeinsam-für-etwas-Gehen“. Dieser Tage bin ich mit meinen Geschwistern eine gut zusammen haltende & -wirkende Gemeinschaft.
      Schönes Wochenende & herzliche Celle-Grüße, hoffentlich auf bald,
      deine Carolin

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