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Erlebtes & Belebendes

Allen Gefühlen Raum geben

allen Gefühlen Raum gebenNimmst du dir Zeit, deine Gefühle zu leben, sie wirklich wahrzunehmen, mit und aus ihnen zu lernen? Wie gut gelingt es dir, deine Gefühlspalette zu zeigen und zu teilen? In den vergangenen 96 Stunden war ich in sehr nahem Kontakt mit meinen Gefühlen, allen voran den unangenehmen. Mir fällt auf, dass es zwei für mich typische emotionale Schwerpunkte gibt – Zustände, die immer wieder kehren, emotionale Frequenzfelder, die ich mit meinen Emotionen um mich herum erzeuge: Ganz oft fühle ich mich freudig-energetisiert. Es sind Momente, in denen ich vieles aufnehme, in mir bewege, mich inspirieren lasse, mich auch ein wenig hektisch oder aufgeladen fühle. Dieses Befinden ist meist angenehm; manchmal ist es auch ein nervöses Wachsein, wenn ich mich zu „kribbelig“ fühle.

Ein weiterer für mich typischer Zustand ist ein Empfinden von Frust-Stagnation-Unzufriedenheit. Was erst einmal unschön und wenig erstrebenswert klingt, hat wiederum auch seine ganz eigene Qualität und wirkt wie ein Triebwerk: Meistens säe ich in Zeiten, die überwiegend von diesem Zustand geprägt sind, neue Ideen, Impulse, Projekte, die dann zu einem späteren Zeitpunkt zum Leben erweckt und manifestiert werden. In der Tat empfinde ich oft so etwas wie Schöpfungsstau, wenn meine kreative Kraft keinen Kanal findet, sich auszudrücken: Ich brauche das Schreiben, mich Schriftlich-Sortieren, das „Etwas-ins-Bild-Rücken“, beispielweise während des Fotografierens, und auch das Stimmlich-Musikalisch-Aktiv-Sein. Ich suche das (Selbst-) Gespräch genauso wie ich mich immer wieder mit essentiellen, philosophischen Fragen beschäftigen muss.

Zurück zu den Erkenntnissen der vergangenen Tage: Mir wurden Dinge bewusst, die mir zuvor nicht so klar waren wie zu jenen Stunden. Ich ertappte mich dabei, dass ich in den vergangenen Wochen gekämpft habe an verschiedenen Fronten. Das große Reizthema dieser Tage ist der Tablet-Gebrauch unseres Sohnes. Sicher können hier einige Eltern diverse Lieder singen: Wie oft, wie lange, was konkret darf gespielt, gezockt werden? Ich kämpfte den Tablet-Kampf, und kämpfe ihn immer noch, wenn momentan auch etwas entspannter.

Mir ist einmal mehr bewusst geworden, dass ich, die mir Freiheit, Freilassen und Freigelassen-Werden so wichtig sind, sehr wohl dazu neige, andere beeinflussen, sie zu etwas bringen zu wollen, was ich für richtig halte. Während ich das schreibe, kommt Scham in mir hoch. Übrigens eins der unangenehmsten, negativsten Emotionen, neben Schuld. Und dennoch zu uns gehörend und uns Verschiedenes lehrend.

Ein Beispiel: Wie gerne würde ich mit meinem Mann Kundalini-Yoga-Kriyas  teilen, die Übungsreihen inklusive gemeinsamem Ein- und Ausstimmen mit einem Mantra, entspannen, meditieren an ihn weitergeben, so wie sie mir nahegebracht wurden? Es ist nicht so, dass ihn Lehre und Praxis nicht interessieren; darüber hinaus ist er auch alles andere als blutiger Anfänger, doch bestimmte Aspekte irritieren, missfallen ihm. Oder anders: Er möchte selbst frei entscheiden dürfen, was er machen will und was nicht. Logo. Und doch für mich manchmal schwer zu verdauen, gerade wenn ich das Gefühl habe: Es tät ihm gut. Am Sonntag, als ich auch mit dem Vorschlag einer gemeinsamen Familien-Radtour bei kaiserlichstem Oktoberwetter nicht landen konnte und letztendlich allein losfuhr, wurde es plötzlich sehr still in mir. Ich spürte Müdigkeit ob dieses Kämpfens, auch: Frust, Traurigkeit. Und dahinter: Schmerz und Ohnmacht. Erinnerungen an meinen verstorbenen Bruder, den ich nicht habe „retten“ können, der schlicht seine ganz eigenen Erfahrungen machen musste, kamen hoch.

Unter dieser ganzen „kampf-betonten Betriebsamkeit“ lagen sie nun also: Schichten von Traurigkeit und Ohnmacht, von altem Schmerz. Im Wahr- und Annehmen dieser Gefühle kam plötzlich auch ein starker Frieden zu mir, eine Ruhe, die mich ausfüllte. Das ist das Schöne: Wenn ein Gefühl seinen ihm gebührenden Raum erhält, wenn es sein darf, kann es auch losgelassen werden. Und es kann wieder Platz entstehen für andere, nach oben ausgerichtete Emotionen – wie Mut, Hingabe, Liebe. Plötzlich kann eine Kraft in uns entfacht werden, die uns wieder in neue Höhen katapultiert: Gerade indem ich mich durch dunkle Ecken meiner selbst navigiere und nicht innerlich kämpfe, komme ich wieder mit meiner Stärke in Kontakt; es ist, als hätte ein Reinigungsprozess auf emotionaler und mentaler Ebene stattgefunden, der wieder Platz für Neues schafft. Ich ahne, warum es heißt, ein Großteil deiner Kraft liegt im Schatten. Spannend.

Lasst uns trauen, zu fühlen, uns zu fühlen – all das zu spüren, was in unserem schnelltaktigen, leistungsbetonten Alltag oft keinen Raum erhält.

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Manchmal werden Träume wahr

  1. Liebe Carolin,

    so ein schönere Artikel der aus dir heraus geflossen ist. Ja, wir Deutschen dürfen wieder lernen zu fühlen. Viele von uns, oder in bestimmten Zeiten denken mit dem Kopf ihre Gefühle. Doch Gefühle spürt man im Herzen und das wahrnehmen derer, benötigt Zeit und Herzenspflege. Und da liegt schon der Hase im Pfeffer begraben. Wer keine Zeit hat seine Gefühle zu leben, kann nur schwer glücklich sein. Und wer von uns hat Zeit oder nimmt sie sich für die eigene Gefühlspflege? Besonders wir Frauen sollten unbedingt mit unseren eigenen, tiefen Gefühlen verbunden sein, sonst brennen wir aus.
    Ich wünsche uns allen immer wieder INNE zu halten, sich SELBST die Zeit zu schenken und ganz für sich zu sein!

    Danke für deinen wertvollen Beitrag, deine Offenheit und deine Inspiration.
    Alles Liebe Gwynnefer Sylvia

    • Carolin

      Liebe Gwynnefer, ganz lieben Dank für deine ermutigenden Worte!“Gefühle mit dem Kopf denken“, wozu wir deiner Beobachtung nach neigen: interessant, und sicher viel Wahres dran. Auch ich habe den Eindruck, wir neigen hierzulande extrem dazu, möglichst gut zu funktionieren und unseren Verstand als Allheilsbringer zu begreifen. Tiefes Fühlen bleibt sicher bei den meisten total auf der Strecke.
      Auch aus diesem Grund liebe ich die Yogastunden so sehr, da hier oft eine große Zartheit den Raum erfüllt. Es ist erstaunlich, wie viel wir alle, & ich behaupte mal Frauen insbesondere, erdulden, da hört man nicht selten: „Kopf und Nacken schmerzen, ich hatte einiges zu verarbeiten die vergangene Zeit, aber eigentlich geht’s mir gut.“ Hm.

      Du Liebe, genieß das herrliche Herbstwetter & danke dir auch für deine schönen Komplimente & deine mal kraftvolle, mal sanfte, mal wilde Art:-)!
      Herzlichst, Carolin

  2. Liebe Carolin,
    ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll für diesen Artikel!!! Du schreibst mir so aus der Seele – fasst das in Worte, was ich nicht ausdrücken konnte – so dass ich endlich weinen konnte… weinen und trauern um all das, was nicht leben konnte… um die Freundin, die sich letzte Woche umgebracht hat… um die Ideen, die ich nicht verwirklichen konnte… um die Kinder, dich ich nicht lebend zur Welt bringen konnte… um die Ansprüche, die ich mir selber nicht erfüllen kann… um das so oft nicht-fühlen-können und statt dessen Verspannungen spüren müssen… darum, dass ich meinem Mann nicht „helfen“ kann – und das Einsehen, dass es doch eigenltich darum geht, mir selbst zu helfen…
    So konnte ich mich heute mal wieder selbst in den Arm nehmen, die Tränen fließen lassen, einfach spüren, was es da eben zu spüren gibt an Schuld, Trauer, Hilflosigkeit, Wut, Selbstmitleid… und dann auch: Liebe für mich selbst und die Menschen, die mir nahe sind… Mut, meinen Herzens-Weg weiterzugehen… Lust, aufzustehen und dir zu schreiben und dann die anderen Dinge anzugehen, die heute eben noch dran sind 🙂
    Und dann fällt mir noch so viel mehr ein, was geschrieben werden möchte… und den Rahmen eines Kommentars hier sicherlich sprengen würde 😉 und so werde ich nun doch endlich meinen Blog mit Leben füllen, der schon so lange auf meiner Homepage vorbereitet ist 😉 Ein Text steht schon zum Thema “ Meine Wechseljahre und ICH“ – der wird am 6.11. im Rahmen einer Blogparade veröffentlicht. Und dann…? Es wird nur so aus mir heraussprudeln und ich werde mich trauen, mich damit noch weiter sichtbar zu machen! 🙂
    Und jetzt im Moment spürbar sind in mir noch ein bisschen Trauer und ganz viel Freude 🙂
    Herzlichst
    Andrea

    • Carolin

      Liebste Andrea,

      da hast du mich zu Tränen gerührt – auch ich danke dir ganz ganz herzlich für diese deine Offenheit, für deinen Mut, diese so tiefen, auch schmerzbesetzten Themen auf’s Papier bzw. in den Äther zu bringen. Da ziehe ich den Hut. Und nur zu: Mach all die Dinge, die jetzt anstehen, das klingt sehr vielversprechend, kraftvoll, inspirierend – hau’s raus:-)! Und halte mich mit deinem Wirken & Schaffen auf dem Laufenden, es interessiert mich.

      Alles Liebe zu dir, Carolin

  3. Sabine Lange

    Liebe Carolin, ich bin sehr berührt von deinen Worten. Du teilst deine Erfahrung, den Gefühlen Raum zu geben … auch die „schlechten“ Gefühle zuzulassen, sie mit Neugierde und Offenheit betrachten und anzunehmen. Es erfordert Mut hinzusehen, sich einzufühlen und durch den Schmerz zu gehen. Und es ist eine wertvolle und bereichernde Erfahrung – das Licht dahin fließen zu lassen, wo es dunkel ist. Es ist ein Stück des Weges auf der Suche nach uns selbst, nach der Quelle. Danke für diese Inspiration und deine Gabe dich in Worten auszudrücken.

    • Carolin

      Liebe Sabine,

      und ich danke dir für deine schöne Rückmeldung!
      Deine Offenheit & differenzierte Sichtweise, & dafür, dass du neulich in unserem Konzert warst mit deiner Freundin. Ihr wart uns ein sehr angenehmes, rückmeldendes Publikum.
      Schön, dass wir uns kennen lernen durften und: gerne nächste Woche Donnerstag treffen!

      Herzlichst, Carolin

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