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Erlebtes & Belebendes

Vom Manipulieren

Was verbindet ihr mit dem Begriff Manipulation? Sicher nichts Gutes! Ich behaupte, Manipulation ist in den meisten Köpfen negativ konnotiert – im Sinne von „heuchlerisch vorgehen, um sich einen Vorteil zu verschaffen“. Wenn wir sagen „Die oder derjenige ist aber ganz schön manipulativ“ ist das sicher kein Kompliment. Der Ursprung jedoch, das lateinische Wort manipulus, bedeutet ganz wertfrei „eine Handvoll“. Manipulatio heißt auch „Handgriff, Verfahren, Kunstgriff“. Und hier schließen sich die Fragen an: Ist Manipulation also nicht etwas Wertfreies, zutiefst Menschliches, unaufhörlich Stattfindendes?

Inspiriert wurde ich durch Kommunikations-Impulse von Veit Lindau. Dieser sagt, wir würden alle permanent manipulieren, dies sei auch nichts Schlimmes, im Gegenteil: In unserer Kommunikation versuchen wir in der Regel etwas zu erreichen oder eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Die Frage ist nur: Wie erfolgreich und ethisch integer manipulieren wir? Denn gewiss: Wir können auch hinterrücks, unethisch manipulieren. Dann etwa, wenn Heuchelei im Spiel ist – wenn wir so tun, also ob wir nicht manipulieren wollen und nicht zu dem stehen, was mir mit unserer Manipulation erreichen möchten. Oder aber wir üben Druck auf den anderen aus, wollen unser Gegenüber unbedingt von etwas überzeugen. Rat-Schläge können auch – ungefragt und zu massiv daherkommend – nach hinten losgehen, so dass der andere „dicht macht“ oder mit Gegendruck reagiert, selbst wenn der Ratschlag noch so gut gemeint und eventuell sogar hilfreich gewesen wäre. Sinnvoller ist es für mein Empfinden, den anderen zu fragen, ob er offen für Feedback ist.

Veit Lindau meint, oft würden wir auch extrinsisch, sprich von außen manipulieren – davon ausgehend, dass den anderen dieselben Sachen motivieren und begeistern wie einen selbst.

Warum nicht also von vornherein die Karten auf den Tisch legen? Sich gegenseitig möglichst authentisch und klar zu begegnen, Transparenz zu leben lässt die Kommunikation deutlich lebendiger und konstruktiver werden. Voraussetzung hierbei ist, dass du selbst klar bist, wie du manipulieren möchtest. Manipulation an sich ist wie gesagt nichts Verwerfliches, wir müssen nur wissen, was wir wollen.

Ich erinnere mich, dass ich mich als Kind in manchen Kinderfreundschaften nicht getraut habe, verliehene Sachen wieder zurück zu verlangen. Meist habe ich mich gewunden und fadenscheinige Gründe gesucht, weshalb ich dieses oder jenes gerade wieder bräuchte, anstelle einfach zu sagen: „Bitte gib mir das zurück!“ Auch gerade in der Beziehung zum Partner formulieren wir Wünsche oft sehr gestelzt und unklar, anstelle zu kommunizieren: „Ich würde mich irre freuen, wenn du heute für uns kochst.“ Oder auch: „Was bräuchtest du, um das gerne zu tun?“ Häufig habe ich es schon erlebt, dass Menschen versuchen, mir irgendetwas schmackhaft zu machen, mich zu irgendetwas zu bewegen, die eigentliche Message jedoch umschiffen. Heute bin ich mir sicher: Hätte der andere klar formuliert, worum es ihm geht und offen zugegeben, dass ich etwas Bestimmtes für ihn tun sollte – es wäre wahrscheinlich völlig ok und machbar gewesen.

Wenn ich klar, bewusst und direkt manipuliere, Wünsche und Karten offen auf den Tisch lege, spare ich mir auch Irrtümer und vor allem (Gedanken-) Energie. Wichtig ist, dass die Manipulation einladend geschehen sollte, wie gesagt ohne Druck und Heuchelei. Das bringt mit sich, dass ich auch ein „Nein“ meines Gegenübers aushalten können muss, denn einladen bedeutet auch freilassen. Hier werde ich unter Umständen mit meiner eigenen Verletzlichkeit konfrontiert, denn ich mache mich mit meinen klar geäußerten Manipulationen und Wünschen auch sichtbar. Das „Nein“ des Gegenübers sollte meines Erachtens auch nicht zu persönlich genommen werden – er wird ja seine Gründe haben.

Veit Lindau brachte zum Thema „Wünschen“ mal einen wunderbaren Impuls, den ich in vergangener Zeit schon oft beherzigt habe. Er lautet wie folgt:

„Offen wünschen bedeutet: Der andere sieht wirklich, was in dir vorgeht und was du dir genau wünschst. Respektvoll wünschen bedeutet: Du wünschst es dir in dem Wissen, dass niemand verpflichtet ist dir deinen Wusch zu erfüllen.“

Ich finde: Das kann man regelrecht üben. So kann ich mir auch alle indirekten Wunschäußerungen wie zum Beispiel „Es müsste mal wieder das Bad geputzt werden“ oder ähnlich sparen.

Letztendlich geht es wie so oft in Beziehungen um ein liebevolles Aushandeln: Es geht darum, Schritte aufeinander zuzugehen und Schnittmengen zwischen meinen Wünschen und denen des anderen zu finden. Viel Freude dabei, und keine Angst vor’m Manipulieren!

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  1. Brigitta

    Liebe Carolin,

    welch ein interessantes Thema! Passt auch sehr gut zu mir, denn wie ich dir bereits zum letzten Thema schrieb, haben wir momentan mit jemandem zu tun, der nicht unbedingt gute Gefühle in uns auslöst – um es mal so zu beschreiben. ….und dieser Mensch versucht uns zu manipulieren. Von daher wieder ein Thema, das mich berührt/ betrifft.

    Bis dato hatte ich das Wort „Manipulation“ – wie du es auch beschreibst – als immer nur negativ behaftet wahrgenommen. Ich habe auf Wikipedia gegoogelt und dort fand ich – auch wie du es beschreibst – die positive Seite der Manipulation.

    Die Lehre der Neuro- Linguistischen- Programmierung geht sogar davon aus, dass jedes Gespräch durch Manipulation geprägt ist; allerdings im positiven Sinn. Jeder stellt sich auf sein Gegenüber ein und sendet durch Sprache, Mimik, Gestik verbale und körperliche Signale, die den anderen manipulieren. Die Schlussfolgerung: Manipulation ist völlig normal.

    Wenn alles so läuft, ist ja auch nichts gegen die Manipulation zu sagen. Im negativen Sinn ist sie etwas sehr Subtiles, das dem Empfänger entweder garnicht bewusst ist oder aber erst im Nachhinein bewusst wird. Im letzteren Fall fühlt man sich benutzt – kein schönes Gefühl und wir alle kennen es bestimmt. Ich möchte auch garnicht ausschließen, dass jeder von uns sowohl schon Täter als auch Opfer war.

    Wer in einer solchen Form manipuliert, will Macht über andere ausüben – zu seinem eigenen Vorteil. Dies stellt einen Machtmissbrauch dar, weil man seinem Gegenüber nicht auf Augenhöhe begegnen will; man stellt sich über ihn/sie. Typische Beispiele hierfür sind, wenn diese Manipulation in Abhängigkeitsverhältnissen geschieht: Eltern/Kind, Vorgesetzter/ Mitarbeiter.

    Eine andere Form des Machmissbrauches ist die Erpressung. Sie funktioniert ähnlich wie die Manipulation, nur wird hier (wenigstens!) mit offenen Karten gespielt. An den Empfänger wird eine Bedingung gestellt: Wenn….dann bzw. wenn nicht….dann nicht. Der Empfänger weiß, dass er in einer Falle sitzt, hat aber objektiv noch die Möglichkeit der Entscheidung….subjektiv eher nicht. Können wir uns davon freisprechen, unsere Kinder in der Erziehung NICHT erpresst zu haben? Sicher nicht. Mir klingen heute noch die Worte unseres Sohnes in den Ohren. Wie oft warf er mir imTeenager Alter vor: „Mama, das ist voll gemein; das ist Erpressung!“ Asche über mein Haupt……;-) Heute können wir im Rückblick darüber lachen.

    Eine Manipulation, die mit Druck geschieht ist in meinen Augen die Übergriffigkeit; frei nach dem Motto: Du machst das jetzt so, weil ich das so entschieden habe. Ist auch eine unschöne Sache und hinterläst ein Gefühl großer Wut und Ohnmacht. Mit Sicherheit auch eine Art der Manipulation, die ich bei unserem Sohn angewandt habe. Mag sein in guter Absicht, aber die Gefühle der Übergriffigkeit und der Fremdbestimmung waren trotzdem bei ihm da……

    Dann gibt es da noch die Manipulation, die mit der Angst arbeitet. Etwa im Verhältnis Arzt/ Patient. Wenn es um die Angst an der Gesundheit geht, wird manch ein Patient schnell „weich“ und lässt eventuell Behandlungen über sich ergehen, die bei genauerem Hinsehen üerflüssig wären, die jedoch z.B. für Röntgeninstitute/ Krankenhäuser lukrative Einnahmequellen darstellen.

    Dann gibt es noch die Werbung, die uns ständig manipuliert. Ich denke da u.a. so an „Product Placement“. Psychologisch ein wunderbares, ausgeklügeltes System Menschen so zu manipulieren, dass sie auf ein bestimmtes Produkt aufmerksam werden.

    In einem Artikel habe ich einmal gelesen, dass wir nicht erst IM Supermarkt durch die Plazierung der Ware (ich denke hier u.a. an die platzierten Süßigkeiten vor den Kassen) und durch die Musik manipuliert werden, sondern auch schon gleich im Eingang. Jeder Supermarkt hat diese Schranken, die sich automatisch öffnen, wenn wir mit unserem Einkaufswagen davorfahren. Ich dachte immer, sie seien da, um dem Kunden optisch zu zeigen: hier beginnt der Supermarkt. Fehlanzeige!!! Sie dienen dazu, den Kunden zu zwingen, langsam zu gehen und nicht im Sauseschritt in den Supermarkt zu stürmen, um dann vielleicht die bewusst im Eingang platzierte Ware nicht zu bemerken.

    Außerdem gibt es in jedem Supermarkt das Prinzip, dass sein Besuch immer gegen den Uhrzeigersinn beginnt. Wenn wir die Schranken passiert haben, geht der weitere Weg immer links herum. Warum das so ist, habe ich vergessen, aber auch dies hat einen Sinn…..eine Art der Manipulation, die ich sehr interessant finde…..

    Fassen wir zusammen: es gibt also viele Arten der Manipulation. Schön wäre es, wenn wir uns auf die positive Art konzentrieren würden, da sie wertschätzend, kommunikativ, und einladend ist – wie du auch so schön beschreibst. Man begegnet seinem Gegenüber auf Augenhöhe; eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Gespräch. Denn daraus gehen zum Schluss beide Parteien postiv und bestärkt heraus und mit einem guten Gefühl.

    Je mehr wir in der Klarheit sind, bewusst sind, aufmerksam sind mit all unseren Sinnen, um so schneller können wir in uns spüren, wenn unser Bauchgefühl anfängt zu grummeln. Denn dann spüren wir, dass hier gerade etwas nicht stimmt und wir manipuliert werden. Idealerweise lassen wir uns dann nicht auf den Manipulationsversuch ein.

    Nun wünsche ich dir noch einen schönen Abend und einen entspannten Start ins Wochenende.

    Wir lesen wieder voneinender;-)))))

    Viele liebe Grüße,

    Brigitta

    • Carolin

      Danke, Brigitta, dass du die vielen Facetten der Manipulation so differenziert aufgefächert hast! Bietet viele Impulse zum Nachdenken! Auch das teilweise subtile Manipulieren in der Werbeindustrie – echt spannend, da lohnt es sich, stets wach & kritisch zu bleiben!
      Auch herrlich ehrlich die Beispiele mit deinem Sohn!! Ja, so ist das Leben!

      Alles Liebe,
      Carolin

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