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Erlebtes & Belebendes

Unsere tiefste Absicht

Heute möchte ich zu einem Gedankenexperiment, einem Perspektivwechsel einladen, bei welchem wir Erstaunliches über uns lernen können. Ich habe diesen Blickwinkel bei Veit Lindau aufgeschnappt und viele Tage in mir bewegt, auch damit gehadert und gekämpft. Ich bin verschiedene Situationen und Beziehungen meines Lebens gedanklich und emotional durchgegangen und habe mich gefragt: „Ist dem wirklich so?“

Nun zum Hintergrund:

Kann es sein, dass Dinge tatsächlich so passieren, mir gehäuft widerfahren, da sie meiner tiefsten Absicht entsprechen? Selbst wenn ich etwas bewusst nicht will, mir mein Verstand einredet, dies oder jenes zu wollen oder eben nicht zu wollen – ist es möglich, dass alles was mir bis jetzt passiert ist dennoch meiner tiefsten und wahrsten Absicht entspricht? Und wenn ja: Was ist der verborgene Nutzen?

Ein Beispiel: Angenommen, du gerätst immer wieder in Partnerschaften oder Beziehungen, die dir nicht gut tun, dir Kraft rauben. Du willst diese Beziehung nicht wirklich. Doch gibt es hier – auf der Ebene eines übergeordneten „kosmischen“ Wissens – eine Art größeres, ewiges Feld, an das wir angeschlossen sind – nicht evtl. eine wichtige Aufgabe für dich zu lernen?

Ein anderes Beispiel: Du willst Erfolg, einen ganz bestimmten Erfolg, doch stattdessen erlebst du dauerhaften Misserfolg, den du dir nicht erklären kannst. Kann es sein, dass du dich selbst boykottierst, bzw. ein Teil in dir boykottiert? Wohlmöglich begegnest du hier Ängsten, die dir vielleicht gar nicht bewusst sind. Erfolg könnte auch mehr Sichtbarkeit, Projektionsfläche für Neid und Unmut, neue Aufgaben, denen du dich evtl. noch nicht gewachsen fühlst bedeuten. Ist es möglich, dass ein Teil von dir diese Nebenschauplätze des Erfolgs lieber gar nicht erleben möchte? Oder umgekehrt: Wer sagt, dass bestimmte Dinge in deinem Erleben, die du mit deinem bewussten Verstand als Niederlage erlebst, auf der Ebene des “kosmischen” Wissens vielleicht eine ganz wichtige Lektion sind, die du zu lernen hast?

Angenommen, du kannst dir nicht erklären, weshalb du einen bestimmten Menschen oder eine Situation meidest: Im Grunde siehst du hier nur Vorteile, andere sprechen dir auch gut zu und glauben, der oder das täte dir gut, würde dir zuträglich sein. Und trotzdem schwankst du, etwas in dir zögert. Im Nachhinein wird dir oft klar, dass deine Intuition dir etwas anderes zugeflüstert hat, etwas, das rational nicht zu erklären war und dennoch einer tiefen Wahrheit, deiner Wahrheit entsprach.

Was auch immer gerade schräg oder auf den ersten Blick unbefriedigend läuft in deinem Leben, frag dich doch mal:

Warum könnte dies meine wahre Absicht sein?

Was habe ich davon? Was sind die verborgenen Vorteile an dem, wie es ist?

Ich weiß selbst noch nicht, was ich von dieser Sichtweise halten soll, ob sie immer und überall zutrifft. Auch habe ich keine mathematischen Beweise. Dann sehe ich die Gefahr von „Schuldzuweisungen“, die das Einnehmen dieses Blickwinkels beinhalten könnte: „Ich bin selbst schuld, wenn mir dies und jenes wiederholt widerfährt.“ Ich glaube, darum geht es nicht. Es gibt schlicht zu viele Variablen und Einflüsse, die in die jeweilige Situationen und die Lebensumstände einfließen. Dennoch lohnt es sich, Situationen zu hinterfragen und sich selbst auf die Schliche zu kommen.

Ein Jeder hat sicher schon viele kluge Dinge bei sich erkannt, doch an der Umsetzung hapert es. Dies liegt schlicht daran, dass unser Bewusstsein nicht nur Tages-, sondern auch Unterbewusstsein beinhaltet. Die treibenden Motoren in unserem Leben arbeiten die meiste Zeit über unterbewusst, wir nehmen sie nicht wahr. Selbst wenn wir glauben, etwas verstanden zu haben, lenken uns dennoch unterbewusste Prozesse, weshalb es uns zum Beispiel auch so schwer fällt, bestimmte Vorsätze tatsächlich in die Tat umzusetzen und durchzuhalten. Veit Lindau beschreibt in seinem Buch „Werde verrückt“ Methoden, anhand derer es uns gelingen kann, unser Unterbewusstsein für neue Richtungen zu begeistern.

Ich mache die Erfahrung: Jeder Mensch, der in mein Leben kommt, hilft mir, mich besser zu verstehen und mich weiterzuentwickeln. Interessanterweise verlassen Menschen meine Wirklichkeit auch wieder, oder ich ziehe mit zunehmender Weiterentwicklung andere Leute in mein System – Menschen, die mehr zu mir und meiner Art zu ticken passen.

Ich glaube, die Dinge passieren nicht „einfach so“, sondern entwickeln sich von innen heraus – aus für uns oft unersichtlichen oder erst im Nachhinein verstehbaren Gründen.

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  1. Katinka

    Schwesterherz,

    ich habe den Beitrag von Veit auch gesehen und bin dann wie Du meinen verborgenen Intentionen nachgegangen (die mir übrigens teilweise ziemlich ersichtlich waren)…
    Hier ist wohl nicht der Raum, sich zu outen, oder? Denn erst im Konkreten finde ich den Austausch hierzu interessant!

    Bis später, ich freu mich…

    • Carolin

      Du Liebe, gerne später dazu mehr. Nein, outen im Sinne von etwas Preis Geben, das man lieber in anderem Rahmen teilt, muss sich hier niemand:-). Ich schau bei mir auch ganz genau hin: Was will ich hier schreiben & teilen, und was nicht? Sich-Sichtbar(er)-Machen ist nicht dasselbe wie Alles-im-Netz-Preisgeben.

      Freu mich auf unsere Mucke heut, Kuss Calli

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