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Erlebtes & Belebendes

Was Frauen gut tut

Heute richte ich mich in erster Linie an uns Frauen, was nicht heißt, dass Männer die Themen nicht ebenso interessieren könnten.

Sowohl uns Frauen als auch Männern werden in diesen Zeiten viele Aufgaben und Rollen zuteil, die uns immer wieder an unsere Grenzen bringen. Wir alle beobachten – bei uns selbst und Menschen in unserem Umfeld – wie gestresst, wie überflutet, unruhig und abgelenkt wir oft sind.

In der Yogalehrer-Ausbildung bekamen wir Frauen vor einiger Zeit eine Hausaufgabe, die uns offenbar erstaunlich schwer fällt: Wir sollen – am besten zeitlebens – zwei Mal täglich 11 Minuten komplett entspannen, idealerweise in der Rückenlage, tief ruhend. Im Übrigen wird Männern empfohlen, einmal am Tag für 31 Minuten ein Nickerchen zu machen. Während wir von einem zum nächsten Ausbildungswochenende noch fleißig dabei waren zu entspannen, verlor der Großteil der Gruppe die Aufgabe in den sich anschließenden Wochen aus dem Fokus. Im besten Fall wurde dann einmal am Tag 11 Minuten entspannt. Ähnliches kann ich bei mir selbst beobachten. (Zumal nun auch noch eine 31-minütige Meditation in den Tag mit aufgenommen werden will…).

Tief entspannen und somit die Verteilung von Prana, der vitalen Lebenskraft, im Körper zu verändern, neu auszubalancieren, bedeutet auch: wirklich alles fallen zu lassen, an den Boden abzugeben. Den meisten Menschen fällt Entspannung aufgrund von unterschwellig vorhandenem emotionalen Konflikt oder Aufruhr sehr schwer. Ein Leben in innerem Aufruhr entspricht voll und ganz dem Zeitgeist. So gesehen ist unsere Fähigkeit, uns zu entspannen, umso wichtiger und für das körperliche und geistige Wohlbefinden unentbehrlich. Oft begleitet uns – wenn wir nicht geübt darin sind, innezuhalten und unseren Geist bewusst zu lenken – ein innerer Dialog aus Besorgnis und Angst. Im Yoga heißt es: Frauen denken 6 Dinge gleichzeitig – dies ist der „normale“ Bewusstseinszustand einer Frau und hat zur Folge, dass wir uns auch schnell ablenken lassen. Meine Beobachtung: Eine Frau, die entspannt ist und gut in sich hineinlauscht, erhält jede Antwort.

Jede Antwort, die du in jenem Moment wissen musst und die wirklich relevant ist, findest du in dir, kannst du nur in dir empfangen – nicht im Außen.

Je entspannter du bist, umso klarer, vom Herzen her kannst du kommunizieren. Ich spreche gern und viel mit mir selbst, oft auch laut. Und frage mich: Was ist gerade los? Habe ich Angst, habe ich Stress? Was fehlt mir, oder was traue ich mich gerade nicht zu tun oder zu sagen?

Schau was dir hilft, dich zu entspannen! Neben der Tiefenentspannung in Rückenlage können das Aktivitäten in der Natur sein, das Spielen eines Instruments; einfach nur dazusitzen mit einem Tee oder Kaffee, in der Wanne abzutauchen – all dies kann dich in Kontakt mit dir selbst bringen.

Ein wichtiger Gedanke, der uns Frauen meines Erachtens auch enorm hilft: Sei dir bewusst, dass eine Frau zwischen zwei Polaritäten hin und her schwingt (diese Erkenntnis habe ich auch in meiner Yoga-Ausbildung gewonnen und glaube zutiefst an ihren Wahrheitsgehalt): die der Frau und die der Mutter (der Hegenden und Pflegenden). Die Frau-Seite impliziert eine energische Qualitätklar, analytisch, scharf. Die Mutter-Seite wiederum ist gebender, vergebender und dienender Natur. Auch Frauen ohne eigene Kinder verfügen über diesen mütterlichen Aspekt. Beide Seiten wollen gelebt, beide Aspekte genutzt werden. Selbstverständlich bist du mehr in deiner „Mutter-Energie“, wenn du zwei Kleinkinder hast. Doch eine Frau wird sich sicher ausgeglichener, fröhlicher und auch energiegeladener fühlen, wenn sie sich Zeit für sich selbst nimmt.

Im Übrigen sind auch Männer mit zwei Polaritäten konfrontiert: Mann und Vater. Da ist auf der einen Seite der Familienmensch bzw. „der zivilisierte Mann“, welcher es behaglich mag und ein gemütliches Zuhause schaffen möchte; gleichzeitig wohnt in einem Mann auch der „wilde Mann“ – „maximal mit einem Messer ausgerüstet“, der seine Freiheit leben möchte. Verantwortung versus Frei-Sein – beides muss gelebt werden, damit Mann glücklich werden kann. So wird es sicher auch nicht funktionieren, Männer komplett anzubinden – letztendlich wird so niemand in der Partnerschaft glücklich.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass diese Bilder natürlich klischeehaft wirken. Es gibt pauschale Aussagen, die uns helfen sollen, Tendenzen zu sehen, zu verstehen – und es gibt Individuen.

Uns Frauen tut es auch ausgesprochen gut, uns mit anderen Frauen kraft- und liebevoll zu verbinden. Sich auszutauschen, zu ermutigen, mal in den Arm zu nehmen und sich möglichst wenig miteinander zu vergleichen. Ich genieße z. B. die Power und den Zusammenhalt in unserer Ausbildungsgruppe enorm.

Ich fühle mich innerlich durchflutet mit Leben, wenn es mir gelingt, in Frieden mit mir selbst zu sein, meinem Inneren zu vertrauen und mich vom Leben führen zu lassen. Ich glaube, eine Frau, die in sich ruht, stark in sich selbst steht ist auch ein großes Geschenk für eine Gemeinschaft.

Uns Frauen wünsche ich, dass wir uns trauen, voll und ganz wir selbst zu sein, zu inspirieren, Wachstum zu ermöglichen und zu fördern.

Was bedeutet für Euch Entspannt-Sein? Was macht es mit Euch?

 

 

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Selbsterkenntnis kann wehtun

  1. Liebe Carolin,

    Vielen Dank für Deinen schönen Artikel. Ich stimme Dir mit vollem Herzen zu. Jedoch ist es auch nicht immer einfach zu entspannen. Wenn man voll und ganz in seinem Alltag lebt und sich seither nicht mit Entspannung beschäftigt hat, hört sich Meditation immer einfach an. Nimmt man sich dann die Zeit und probiert es aus, kommt man schnell an seine Grenzen. Zumindest ging es mir damals so. Ich finde es toll, dass Du auch Spaziergänge, musizieren, baden, etc. in Deiner Liste aufführst, denn ich glaube, dass es genau darauf ankommt. Entspannt zu sein, trotz dass wir etwas tun. Oder auch etwas tun, in dem wir völlig entspannen können. Für mich war Yoga der Schlüssel, denn mir fiel es sehr schwer ruhig zu sitzen und zu meditieren. Die Meditation kam nach und nach hinzu und ich kann mir heute einen Morgen ohne Meditation gar nicht mehr vorstellen. Ich denke, jede Frau (und auch jeder Mann) muss den eigenen Weg finden. Die Natur bietet eine erstklassige Umgebung, um einfach loszulassen. Gerade jetzt im Frühling, wo wir es uns gönnen, eine Pause zu machen und unser Gesicht in die Sonne zu strecken.

    Ich wünsche Dir eine schöne Woche.
    Alles Liebe,
    Marisa

    • Carolin

      Liebe Marisa,

      du sagst es: Jede(r) darf da ihren, seinen ganz eigenen Weg finden.
      Schön auch, wie du deinen Weg in die Meditation beschrieben hast. Sehr nachvollziehbar, auch die Hürden!
      Nein, Entspannung und Meditation sind überhaupt nicht einfach, gerade für Ungeübte. Manch eine(r) mag es als Provokation empfinden, wenn ich sage: „Entspann dich mal 2 mal für 11 Minuten am Tag, und am besten meditier auch noch zusätzlich 31 Minuten.“ (Momentan mache ich auch ganz bestimmte Erfahrungen im Rahmen der Ausbildung, wie gesagt verbunden mit diversen Hausaufgaben. Ob dies alles tatsächlich auch langfristig Einzug in meinen Alltag erhält – was ich mir sehr wünsche – wird sich zeigen).
      Einfach mal schauen, was passt! Und wenn’s auf einen kleinen Spaziergang hinausläuft und ggf. noch 3-5 Minuten bewusstes Meditieren – wunderbar.
      Beim Meditieren geht es aus meiner Sicht darum, den Geist zu lenken, indem wir uns z. B. auf bestimmte Punkte (das 3. Auge) oder Wörter konzentrieren. Gedanken sind (fast) immer da, können sie ja auch. Tiefes Entspannen heißt für mich: tatsächlich alles abzugeben, fallen- und loszulassen.

      Alles Gute für dich, genieß den Frühling,
      Carolin

  2. Katinka

    Liebste Schwester,

    was du in deiner Ausbildung so alles lernst, ist ja interessant.
    Ich frage mich: warum genau 11 min? Fragst du mal nach, ob 10 oder 15 min einen anderen Effekt haben und was es mit der 31 auf sich hat?
    Heute fand ich im Human Trust den Hinweis auf die hirnphysiologisch neuesten Entspannungserkenntnisse bzw -produkte, genannt „iwake“. Veit entspannt damit sehr effektiv und empfiehlt es wärmstens. Ich konnte es noch nicht testen, weil das Heruntergeladene auf mp3-Format bringen eine Hürde darstellt. Tata und Technik.

    Beste Entspannung im Harz wünsche ich dir, fühl dich umarmt…

    • Carolin

      Danke, liebe Katinka!
      Ich gestehe, dass ich auf deine Fragen (noch) keine schnellen, griffigen Antworten habe – ich bleibe dran. Was ich weiß: Diese Zeitangaben sind Empfehlungen von Yogi Bhajan. Zum einen wird Zahlen eine bestimmte Symbolik zugeschrieben, darüber hinaus geht’s auch um eine spezifische Wirkung, die mit bestimmten Längen einhergeht.
      Interessant auch was du berichtest..bald mehr.

      Harz-Grüße:-)
      P.S.: Heut waren wir zu 4. (Yossi mit Freund Jonas) im Berkwerk & hatten eine sehr coole Führung!

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