duenen-wegWährend einer Yogastunde machen wir Übenden immer wieder die Erfahrung, dass genau die zentralen Themen auftauchen, die uns gerade verstärkt beschäftigen. Es ist, als seien wir während der Praxis durch nichts Äußeres abgelenkt sondern ganz bei uns, ob wir wollen oder nicht. Ich schätze dieses Sein sehr, auch wenn ich Tage habe, an denen ich gar nicht so ganz genau hinschauen mag, an denen ich einfach nur funktionieren möchte – möchte, dass „es“ funktioniert.

In meiner gestrigen Yogastunde wurde mir etwas bewusst: Ich beobachte bei mir und anderen immer wieder Kampf. Wir kämpfen in unseren Beziehungen, unserem beruflichen Kontext, wir kämpfen gegen Krankheitenvor allem kämpfen wir in uns. Ich bin mir sicher: Wir sind des Kampfes müde und sehnen uns viel häufiger als wir es uns ein- und zugestehen nach Frieden in und um uns, nach viel mehr Pausen und Muße-Momenten, gerade jetzt, in der bevorstehenden Weihnachtszeit.

In mir steckt auch ein Löwe, und ich habe auch viele positiv konnotierte Kampfesszenen und -bilder in mir: Situationen, in denen ich hartnäckig bleibe, wenn mir etwas wirklich wichtig ist – es handelt sich hier eher um ein leidenschaftliches, lustvolles Kämpfen, Mich-Einsetzen FÜR, weniger DAGEGEN.

Das Kämpfen, von dem ich hier und heute schreibe, ist eher ein „Abkämpfen“, das immer müder und erschöpfter macht und unsere leistungsorientierte Gesellschaft dieser Tage so sehr auszeichnet – die „To-do-Liste“ abarbeiten, möglichst keine Zeit verlieren, sich betäuben. Es gibt Tage, an denen ich glaube, das Erwachsenen-Leben ist Betrug – es kann doch nicht sein, dass wir so sehr am „Rödeln“ sind! Ich bezweifle, dass uns jemand am Sterbebett auf die Schulter klopft und sagt: „Schön, dass du dich so abgemüht und immer funktioniert hast!“ Davon abgesehen, dass ich das beileibe nicht hören wollte!

Dem Kämpfen zugrunde liegt meines Erachtens ein mangelndes Sich-Selbst-Annehmen, in der Tiefe. Wir können noch so sehr in verschiedenen Kontexten glänzen, äußerlich und augenscheinlich noch so erfolgreich sein – wenn wir uns in der Tiefe nicht annehmen, wenn wir meinen, wir seien erst gut, wenn…, kommt es immer wieder zum Kampf.

Milder mit sich werden, nicht auch noch gegen das Kämpfen kämpfen, sondern stattdessen immer feiner beobachten, spüren, körperliche Reaktionen benennen und für einen Moment aussteigen aus der Verkrampfung – das macht meines Erachtens Sinn, lässt uns entspannen, und mit uns andere. Die leisen, verletzlichen Seiten in uns wahrnehmen und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Ich erlebe es als großes Geschenk, mit der Zartheit eines anderen in Berührung zu kommen. In brenzligen Momenten, in denen ich starken Widerstand zu einer Situation aufbaue, frage ich mich immer häufiger: „Was würde mein Herz mir jetzt raten? Was brauche ich?“

In besagter Yogastunde sprach unsere Lehrerin während einer Übung die Aufforderung „Tu dir gut!“ aus. Dieser Satz berührte mich tief, ich möchte ihn heute gerne mit Euch teilen.

 

Alles erdenklich Gute wünscht

Carolin