seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Vom Wachsen

Sich-EntfaltenHeut behandle ich ein schönes Thema: Es geht um’s Wachsen, um unser menschliches Bedürfnis nach Wachstum – Entwicklung, Lernen, Selbsterkenntnis. Wir alle drängen darauf, uns auszudehnen und Neuland zu betreten.

Ich habe lange Zeit nicht verstanden, weshalb ich mich immer wieder frustriert fühlte. Ja, Frustzustände sind mir sehr bekannt, dieser Tage deutlich seltener – dazu gleich mehr. Nun ist mir klar, dass sich in diesen Zuständen ein „Schöpfungsstau“ zeigt. Ich bin jetzt umso glücklicher darüber, viele Kanäle gefunden zu haben, um all meine Kräfte, Erkenntnisse & Ideen zum Ausdruck, auf die Straße zu bringen. Ich bin sehr gerne Mutter und Musiktherapeutin, doch ich bin auch liebend gerne noch vieles mehr: Jetzt, da ich beispielsweise zu schreiben angefangen habe, da ich in der Kundalini-Yogalehrer-Ausbildung tief in diese Technik des Bewusstseins eintauche und mich weiterentwickle, besucht mich der Frust deutlich seltener.

Ich glaube, ich habe mich lange Zeit auch selbst beschränkt, wie viele von uns: Ich habe mich von meiner oberen Grenze einschüchtern, ja begrenzen lassen. Zum Beispiel hatte ich oft Angst – und habe sie immer noch – mich mit sehr persönlichen Gedanken, ja auch mit klaren Standpunkten zu zeigen. Auch war mir nicht nur wohl dabei, mich voll und ganz zur „Kundalini-Yogini“ zu bekennen, wohlmöglich eines Tages noch Turban zu tragen – die Leute könnten denken, ich hab‘ nicht alle Latten am Zaun.

Nun weiß ich: Wachsen und Sich-Entfalten sind lebensnotwendig und wichtig. Wenn wir es nicht freiwillig tun, schüttelt uns das Leben hin und wieder ordentlich durch, manchmal auch auf sehr unangenehme Weise. Ich möchte mich nicht mit Immer-Gleichem, mit einem auf ein bestimmtes Niveau eingependelten Maß an Lebendigkeit zufrieden geben. Oft habe ich den Eindruck, viele Erwachsene schrauben ihr Level an Lebendigkeit herab und zeigen je nach Kontext nur ausgewählte Facetten ihres Erwachsenen-Ichs – sich möglichst auf sicherem, gesellschaftlich akzeptiertem Terrain bewegend: um nicht (negativ) aufzufallen, das Umfeld nicht zu nerven, nicht anzuecken, um nicht als überheblich, größenwahnsinnig, zu sehr nach den Sternen greifend rüberzukommen. Eine obere Grenze an Gedankenfreiheit und Freude liegt bei den meisten Erwachsenen sicherlich weit unter dem, was sie als Kind erfahren haben.

Doch mal ehrlich: Was soll das? Aus welchem Grund sollte ich mein schöpferisches Potential nicht optimal für das einsetzen, was ich liebe? Ich freue mich für mich, dass ich nun immer mehr meine Spur aufnehme, und ich freue mich auch für andere, wenn sie von der Bremse gehen, sprich in ein Leben hineinwachsen, auf das sie richtig Bock haben. Mir ist klar, dass nicht immer alles und nicht alles für jeden möglich und greifbar ist. Mir ist ebenso klar, dass es – je nach aktueller Lebenssituation – tausend Sachzwänge geben kann, die einem das Voranschreiten erschweren. Und mir ist auch bewusst, dass es extrem viel leidvolles und gebeuteltes Leben und sehr unterschiedliche (Start-) Bedingungen gibt. Und dennoch habe ich den Eindruck, dass der Großteil in unserer Gesellschaft viel geübter darin ist, Probleme durchzukauen anstelle sich gegenseitig zu beflügeln und zu erheben.

Ich danke Euch für’s Lesen! Ein Hoch auf’s Wachsen!

Was meint Ihr?

 

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Ein herzliches Danke

  1. Brigitta

    Hallo liebe Carolin,

    ich sitze gemütlich auf der Terrasse, die Vögel singen und unser Kater liegt faul vor meinen Füßen in der Sonne und macht sein Nickerchen. Was für eine schöne Atmosphäre, um mich mit dem Thema WACHSEN zu beschäftigen!

    Ich glaube, dass wir unter anderem hier auf der Erde sind, um zu wachsen; um uns weiter zu entwickeln auf allen drei Ebenen – seelisch, physisch und mental. Dadurch werden wir leichter, weil wir uns dem Fluss des Lebens öffnen. Wir bleiben dadurch flexibel – ebenfalls auf allen drei Ebenen. Wir nehmen an und wir lassen los; das bedeutet auch, tiefes Vertrauen in das Leben zu haben.

    Genau das Gegenteil davon ist die Starre, dieses sich nicht bewegen wollen, festgefahren in einer Situation zu verharren. Nicht selten äußert sich diese Haltung im Körperlichen durch Krankheiten, die „steif und starr“ machen wie z.B. Rheuma und Gicht.

    Nun gehört aber auch Mut dazu, das Wachsen zuzulassen. Man ändert sich, entwickelt sich – das stößt nicht unbedingt auf freudige Zustimmung – sei es nun in der Familie, im Freundeskreis oder bei Kollegen. Hier dürfen wir lernen, uns selbst treu zu bleiben; auf unser Herz zu hören, auf das, was sich stimmig anfühlt und was nicht. Denn nur so bleiben wir uns selbst treu, verbiegen uns nicht, um nur ja nicht anzuecken, nicht aufzufallen und ausgegrenzt zu werden.

    Ich sehe es genau so wie du: ich kann mich eine Zeit lang verbiegen, mein Herz verraten, aber irgendwann sagt das Leben STOPP SO GEHT ES NICHT WEITER! Und dies sind dann die Situationen, in denen wir durch Krankheit „flach gelegt“ werden, in denen das Leben uns die Chance gibt, in Ruhe nach innen zu gehen und zu erkennen, dass wir ein Leben leben, das wir eigentlich überhaupt nicht (mehr) leben wollen. Es ist die Zeit der Selberkenntnis, der Selbstreflexion und wenn wir schlau sind, ändern wir unseren Lebenskurs. Wenn nicht, werden sich noch öfter die Zeiten der „zwangsweise inneren Einkehr“ wiederholen…..das wollen wir nicht wirklich!

    Nun gehört Mut dazu, wirklich SEINEN Weg des Herzens zu gehen und damit in Kauf zu nehmen, dass man auf Unverständnis oder Ablehnung stößt…..Stichwort: nicht mehr alle Latten am Zaun zu haben!
    Bei mir hat sich dadurch viel geändert: Teile von Familie und Freunden wollten diese Veränderung partout nicht. Letztendlich habe ich mich dann liebevoll von ihnen getrennt. Aber wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf: ich habe mittlerweile liebe Menschen in meinem Leben, die gerade deshalb mit mir zusammen sind, weil sie mein Wachstum schätzen und dadurch auch neue Impulse im Umgang miteinander entstehen. Mein Wachsen kann andere morivieren und inspirieren, selbst auch zu wachsen.

    Leider wurde den meisten von uns als Kinder nicht mit auf den Weg gegeben, dass Wachstum etwas Positives ist. Den meisten von uns wurde gesagt, dass sie immer schön in der Norm bleiben und nicht auffallen sollen. Bloß nicht „aus der Reihe tanzen“! Wer nach diesen alten, überholten Regeln lebt, steht leider seinem persönlichen Wachstum selbst im Weg.

    Deshalb: Wachstum ist richtig und wichtig und deshalb lasst uns in diesem Blog durch den gedanklichen Austausch ein Stückchen weiter wachsen;-)!!!

    Viele liebe Grüße und danke, liebe Carolin, dass du uns mit den Themen in deinem Blog immer wieder dazu einlädst, eine Weile innezuhalten, zu reflektieren und die Gedanken in Worte zu fassen!

    Brigitta

  2. Carolin

    Liebe Brigitta,

    ich antworte prompt & bringe dir meinen Dank entgegen: für den Einblick in dein Leben, für dein Plädoyer für’s Wachsen & den Mut, Gegenwind auszuhalten und neue Türen als Chancen zu begreifen! Ja, auch ich glaube, dass es nicht primäres Erziehungsgut der meisten Eltern war, ihre Kinder dazu anzuregen, nach den Sternen zu greifen. „Sei schön lieb“ oder „Mach gut mit!“ waren sicher nicht selten Sätze, die viele von uns zu hören bekamen. Ersten kenne ich auch gut, insgesamt habe ich das Gefühl, dass meine Eltern mich als Nesthäkchen von vier Kinder doch recht großzügig und freilassend begleitet haben. Wie dem auch sei: Auch ich darf jeden Tag lernen, mir selbst auf die Schliche zu kommen und „meins“ zu machen – im besten Fall mit den anderen, die ich schätze und die mich schätzen, im Boot.

    Nun wünsche ich dir ein richtig schönes Wochenende:-)!
    Es grüßt Carolin

  3. Brigitta

    Danke, liebe Carolin, für deine schnelle Antwort;-)!

    Mir fällt zu dem Thema WACHSEN, in Verbindung mit sich etwas zuzutrauen, sich auszuprobieren, seine persönlichen Grenzen nach „oben“zu verschieben, aus der eingefahrenen „Komfort-Zone“ herauszukommen, noch ein Spruch ein, den ich mal gelesen habe: WHEN WAS THE LAST TIME YOU DID SOMETHING FOR THE FIRST TIME?
    Ich finde, dieser Spruch bringt es auf den Punkt.

    Dir auch ein schönes, sonniges Wochenende und liebe Grüße,

    Brigitta

  4. Carolin

    Brigitta, ja, eine schöne Frage, in der Tat.
    Ich hab neulich etwas Spannendes bei Veit Lindau gehört:
    Dein Gegenüber reagiert bei Veränderungen deinerseits nicht „per se anti“ bezogen auf deine Person oder deine Entwicklung. Vielmehr ist es so, dass das Gehirn des anderen durch deinen Wachstumsschub in seinem „Kohärenzgefühl“ (Stimmigkeit) gestört wird. Sprich: Du passt nicht mehr in das alte vertraute Schema.
    Wir alle kennen ja das Phänomen, dass auf Neues schnell mit Ablehnung anstelle – oft wünschenswerter Weise – mit Neugier reagiert wird. Veit Lindaus Tip dazu: Verführ das Gehirn des anderen auf smarte Weise, dich auf deine neuen Themen einzulassen;-).

    Lieben Gruß, Carolin

  5. Katinka

    Meine liebe Schwester,

    danke für das Wachstumsthema – das betrifft mich gerade ganz persönlich:
    In meinem Leben passiert und initiiere ich ja zur Zeit ganz viel Neues – der Bankwechsel (hin zu einer ethischeren Bank) ist da nur der vergleichsweise unaufregende Anfang. Diesem Wechsel folgt nächsten Monat der Wechsel des Wohnorts – von Stadt nach Pampa , des Domizils (von meiner „10jährigen“ Wohnung in den von Usedom zu holenden Bauwagen) sowie der Wechsel der Tätigkeit (arbeiten und lernen auf nem Demeter- &Archehof, wobei ich mir meine Feinmotorik für die Geige zu erhalten hoffe)…
    Dieses Wachsen mag über meine gewohnten Fähigkeiten weit hinausgehen – ich hoffe, ich komme klar mit den Kühen und dem Mist und dem Muskelkater und dem Hahnwecker neben meinem Wagen!? Das ist auch Transition pur und kommt meiner Aktivistenarbeit sehr entgegen.
    Ich werde also eine Menge Dinge zum ersten Mal tun und einige vorerst zum letzten Mal, z.B. meinen Yossi-Schatzi spontan rüberholen bzw. aus der Schule empfangen – das steht mir ein bißchen bevor, wie auch, daß ich dich nicht mehr um die Ecke wohnen hab.
    Ich hoffe, diese meine Veränderungen lassen dich und euch eine neue, nicht minder gute Balance finden und neue Vorteile entdecken: Yossi und Can haben bald eine Landlebenspielfläche mehr (und so nahe!), und du kriegst ne Schwester voller neuer Kompetenzen von Permakultur bis Wildniswissen…
    Auf das Wachsen, ja! Prost, zum Gemeinwohl!

    Dein Schwesterherz mit allen guten Wünschen für dein Wachsen und Wechseln der Wohnung, juhu!

    • Carolin

      Ja, liebe Maus, da sagste was! Danke erst mal voll herzlich – für diese Zeilen voller Inspiration. A propos, die Kapriolen, die dein Leben in letzter Zeit & insbesondere dieser Tage schlägt, erlebe ich als fett inspirierend und erfrischend…, so ganz anders als – ich sag mal – typischere Lebensläufe für Frauen aus „bürgerlichen Verhältnissen“;-).
      Natürlich ist & wird auch vieles für mich gewöhnungsbedürftig, gerade was unsere bisherige Hannover-Nähe angeht. Doch das Leben ist & bleibt Veränderung, da können wir uns noch so querstellen:-).
      Und: Ich freu mich so für dich!!!

      Bis denne, Cellegruß von deiner Schwester

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