Trollinger & Landjäger - KopieGestern war ich mit meinem Mann per pedes im Wald unterwegs, genauer: auf dem Anstieg zur Gipfelburg Teck, südlich der Stadt Kirchheim unter Teck im schönen Schwabenland. A propos schön, es wird vermutet, dass der Name Teck aus dem keltischen Wort “tec” gleich schön oder einem Felsvorsprung “die Eck” entstanden ist.

Nach einer langen Regennacht und einem Fall der Temperaturen zeigte sich der dieser Lande sog. Schonwald mit seinen seltenen Baum- und Pflanzenarten von einer besonderen Seite: Das satte Grün wirkte dank der hohen Luftfeuchtigkeit verschleiert. Mir war trotz Schwitzen und der mit dem Anstieg verbundenen Anstrengung ganz wunderbar zumute – ich empfand die Welt als dermaßen schön, dass mir Tränen kamen. Der ganze Irrsinn, der einen sonst umtreibt, war weit weg. Wilde Orchideen konnte ich leider nicht entdecken, meine Mutter wäre begeistert gewesen.

Hin und wieder versuchte ich innezuhalten und einfach nur zu schauen, ohne etwas zu fixieren. Das machen wir manchmal im Yoga nach einer Meditation, wenn wir sehr fein wahrnehmen und innerlich ruhig sind. Gar nicht leicht, doch für kurze Momente möglich.

Wir erreichten die Burg über eine kleine Abkürzung und kraxelten steil aufwärts über Wurzeln und allerlei Gestrüpp, zuletzt schwangen wir uns über einen Mauervorsprung. Eine für mich typische Aktion, so mein Mann: potentiell strapaziös und nicht ganz ungefährlich. Ich finde, ein bisschen verwegen Abenteuer Leben darf sein. Frei nach dem Motto: Tue immer wieder dich selbst überraschende Dinge.
(Und ich ergänze: auch andere überraschende Dinge…)

Das Burg-Restaurant hatte leider Ruhetag, doch wir genehmigten uns Landjäger, Bier und Trollinger, die am Burg-Kiosk verkauft wurden. Es regnete erneut, das störte uns nicht. Ich genoss diesen Moment und rief mir wieder einmal ins Bewusstsein, wie sinnvoll, wie befriedigend es ist, das Leben auszukosten und Momente in sich aufzusaugen. Für die Freuden des Lebens empfänglich zu sein. “Einmal am Tag schwitzen und lachen” – so heißt es im Yoga.

Der Trollinger lief mir gut rein und erleichterte den Abstieg. Dieser Tag schenkte mir tiefe Seelenruhe. Ich sage “danke”.

Wann oder wo erlebt Ihr Seelenruhe im Sinne von tiefem inneren Frieden?