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Erlebtes & Belebendes

Hochs und Tiefs und das Dazwischen

drei MuschelnIm Folgenden möchte ich über verschiedene Phasen und dazugehörige Gefühle schreiben.

Wenn ich mich an manchen Tagen so dumpf und unerfüllt fühle, es spürbar nicht weiter geht, kann ich dieses Sein nur schwer akzeptieren. Dann frag ich mich: “Warum ist das so? Was konkret fehlt mir, was frustet mich gerade?” Genaugenommen kämpfe ich dann oft gegen diesen Zustand an, will das so nicht. Mittlerweile weiß ich zumindest: Diese Phasen, dieses gefühlte Stagnieren, gehören zum Leben.

Es gibt Tage, da strotzen wir vor Energie, surfen hohe Wellen, dann gibt es tiefe Täler, die jeder unterschiedlich tief  und lang erlebt, und es gibt auch diese Plateauphasen, dieses “Weder-noch”, dem es manchmal auch an emotionaler Intensität mangelt. Letztere Zustände finde ich persönlich fast am unbefriedigsten. Das Gute an diesen Zeiten ist, dass sie erfahrungsgemäß oft Nährboden für neue kreative Prozesse sind, dass meist wieder aktivere, beglückendere Zustände folgen.

Letztes Jahr gab es einige Phasen, in denen spürte ich, dass etwas Neues kommt, doch wusste ich noch nicht, was genau. Ich hatte Lust auf Veränderung, es gab einige Momente, in denen ich Altes loslassen konnte – oder es vielmehr mich losließ. Das Neue war jedoch noch nicht voll da, es schlich sich eher langsam an. In diesen “Zwischen-Phasen” ist es meiner Erfahrung nach klug, auf innere Bilder oder somatische Marker zu achten, die uns manchmal ganz plötzlich und unerwartet heimsuchen: Welche Vorstellung beflügelt mich? Was blitzt da plötzlich auf, welches Bild, welcher alte Traum? Woher rührt dieses spontane Kribbeln, was lässt mich plötzlich so frei und weit fühlen? Wovon flüstert meine Sehnsucht?

Ende letzten Jahres, im Oktober und im Dezember, machte ich dann zwei große Schritte nach vorn und beschloss, meine Texte in Form dieses Blogs zu veröffentlichen und mich für die Yogalehrer-Ausbildung anzumelden. Dieses Jahr bin ich nun aktiv dabei, diesbezüglich Taten folgen zu lassen. Das Schreiben macht so richtig Spaß, ich schreibe liebend gern für mich und darüber hinaus für andere: Mir ist es ein Anliegen, zur Selbst-Beobachtung und zum Mit-Reflektieren anzuregen. Ich liebe es, Menschen anzustecken, über ihren Sinn nachzudenken und über, das was ihnen am Herzen liegt nachzuspüren. Immer mehr freue ich mich auch über Austausch und ein gemeinsames “In-die-Tiefe-Gehen”.

Die Yogalehrer-Ausbildung schüttelt mich ordentlich durch, auf vielen Ebenen. Ich werde mir selbst wieder ein Stück fremd, stoße an Grenzen, stecke diese wieder neu. Am zweiten Ausbildungswochenende nach einer sehr kraftaufwendigen Meditation mit Feueratem sang unsere Gruppe ein Lied mit dem einfachen Text “I am”. Draußen lag Gewitter in der Luft, und ich erinnere, dass ich dachte: “Ich bin nun fast 39, habe einiges erlebt, doch dies ist das Abgefahrenste, das ich je gemacht habe.” Ein bewegender Moment.

Mir wird immer bewusster, dass es stets bestimmte Gefühlszustände sind, die wir suchen. Warum wollen wir dieses oder jenes? Um uns so oder so zu fühlen. Wir gehen bestimmte Schritte, erfüllen uns Wünsche oder setzen etwas in die Tat um, um etwas Bestimmtes zu fühlen. Ich liebe es zum Beispiel, mich berührt-begeistert zu fühlen. Glückselig-erfüllt. Klar-wissbegierig. Wohlig-vertrauensvoll. Diese Seins-Zustände suche ich immer wieder.

Gleichzeitig meiden wir selbstverständlich auch bestimmte Situationen und Szenen, um etwas nicht zu fühlen: Ich kann es gar nicht leiden, mich eng oder eingeengt zu fühlen; in unangenehmer Weise aufgeregt, ängstlich-aufgeregt – im Vergleich zu freudig-erregt – bin ich auch äußerst ungern. Immer häufiger versuche ich nun, mein “Ängstlich-Aufgeregt” in ein “Freudig-Erregt” umzudeuten – im Sinne von: die Angst willkommen heißen, was mir mal mehr, mal weniger gut gelingt. Ohnmacht finde ich äußerst schwer auszuhalten, oder heftige Wut mit Schaum vor’m Mund. In diesen zu Beginn beschriebenen Plateauphasen fühle ich oft auch eine unangenehme Leere – im Gegensatz zu einer oft nach Yoga-Übungsreihen und Meditationen einsetzenden “angenehmen Leere”, wenn es plötzlich still und weit in einem wird.

Sich kennenzulernen und anzunehmen bedeutet vor allem, zu lernen wie man wann tickt, sich fein zu beobachten, die große Breite der eigenen Gefühle wahrzunehmen und je nach Situation auszudrücken. Es bedeutet auch, Frustration und Missmut auszuhalten und zu reflektieren:Was genau will sich da zeigen?

Hochs und Tiefs kennen wir alle: Wie geht Ihr mit dem “Dazwischen” um?

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  1. Katinka

    Liebste Schwester,
    danke für deinen anregenden Artikel!
    Ich les ja grad das ” SeelenGevögelt” von Veit. Und da las ich etwas,
    von dem ich denke, das hilft dir über die Langeweile und Zähigkeit der Plateauphasen hinweg, die du so wenig magst. Also:
    “Sei einfach nur wahrhaftig, um den Rest kümmert sich das Leben. Du brauchst dir keine künstlichen Mutproben und Kicks einfallen zu lassen.(…)
    Ein wach und achtsam erfahrener Alltag ist das ultimative Abenteuer – eine intelligente Aneinanderreihung natürlicher und spannender Reifungstests.” (Veit Lindau, SeelenGevögelt, S.93 f.)
    Und damit ist er bei der Frage der Angst, die du in deinem Text ja auch beleuchtest. Und hierzu möchte ich, was das Umwandeln der Angst in freudige Erregung betrifft, auch noch den Weg dahin zitieren. Nämlich:
    “1. Unterdrücke die Angst nicht. Fühle sie im ganzen Körper.
    2. Dann denke: “O Gott, was hier gleich alles passieren kann. Ich hab solch eine Angst! Spüre die Phänomene, die dieser Gedanke in deinem Körper auslöst.
    3. Nun sage zu dir (wenn es passt, sogar laut): “Wow, ich nehme schon wieder diese gewisse freudige Erregung in mir wahr. Meine Beine zittern, mein Herz flattert. Das heißt, ich stehe kurz vor einem weiteren Abenteuer meines Lebens. Ich setze den nächsten Schritt mit wachem Respekt vor dem Unbekannten.”
    Das ist kein billiger Trick. Es ist eine schlaue Form, mit dir selbst zu kommunizieren. Du erlaubst deinem Verstand, vorhandene energetische Phänomene konstruktiv zu inerpretieren.” (ebd., S.97 f.)

    Und nun wünsche ich uns Erfolg und Mut bei der Umsetzung, denn an dem Thema (wahrhaftig sein) bin ich ja auch dran, wie du weißt.
    Schwesterherz, alles Gute dir/euch in Süddeutschland! Viel Freude und spannende Erregung! Southside greetings from Hangover :o)
    Happy earthday! (heute zitiere ich offensichtlich gerne. Die Abschiedsfloskeln waren Crisi und Bubble )
    Kuß, Katinka Wonderwoman (nochmal Bubble :o))

    • Carolin

      Tatamaus, merci beaucoup für so wertvolle Gedanken & Tipps! Irre! Ein wacher & achtsamer Alltag als tägliches Abenteuer – eine wunderbare Vorstellung! Gut, sich daran zu erinnern, dass jeder Tag voll ausgekostet und -geschöpft werden darf! Auch wenn’s dennoch Scheißtage gibt. Die darf’s auch geben! Dieses “Empfangen was kommt” & eine Haltung von Vertrauen, das Leben mal machen lassen, find ich höchst erstrebenswert, wenn auch nicht immer leicht.
      Auch schön, welche (Veit Lindau-)Impulse du zum Thema “Angst kommt auf” bringst. Das üb’ ich:-).
      Hab’s gut, auf bald, alles Liebe!!

  2. Thomas

    Hallo Carolin,

    zum Thema „Angst“ fiel mir ganz spontan (schon wieder 😉 so manches ein, wie ich selbst mit meiner eigenen im Lauf der Zeit gelernt habe umzugehen.
    Vermutlich will die Niemand haben, ich konnte irgendwann allerdings für mich feststellen: Letztendlich will mich die Angst immer warnen. Sei vorsichtig, paß’ auf!
    Das heißt nicht, dass wir die Dinge nicht machen sollen, sondern das wir das Bewusstsein bzw. unsere Einstellung zur Angst ändern (wie Deine Schwester ja auch schon Veit zitiert hat), indem wir sie annehmen.
    Ich habe sie irgendwann als Helfer angenommen. Der mir auch immer wieder zeigt, an welchen Stellen im Leben ich sicher bin, und an welchen unsicher. Und vielleicht auch manchmal schmerzhaft, an welchen Stellen ich in mir vielleicht doch noch etwas genauer hinsehen muß, weil ich noch nicht so weit bin, wie ich dachte.
    Also eine Art Helfer, Wegweise, Tester. Vielleicht ist da ja auch für Dich was dabei.

    In jedem Fall hat mir diese Erkenntnis den Umgang mit Ängsten viel bewusster gemacht. Ich versuche nicht mehr, sie wegzudrücken oder zu betäuben (wenn man das für den Moment schaffen würde, dann kämen sie sowieso auf einer anderen Ebene/in einer anderen Situation wieder).
    Letztlich kommt sie solange, bis wir das dahinterliegende Thema in uns gelöst haben. Meine These.

    Naja, und das „Dazwischen“, das Du beschreibst – das wollte ich früher auch nie haben. Dann lieber schlecht gehen – oder eben Positives suchen, im Zweifel „erzwingen“ (was natürlich nicht funktioniert). In den beiden extremeren Zuständen konnte ich mich viel mehr spüren.
    Und das habe ich dann irgendwann als Warnsignal für mein Leben entlarvt – und kann mittlerweile auch ganz gut damit umgehen, wenn mein Leben mal eine Phase lang so dahinplätschert (in Wahrheit passiert ja in diesen Phasen auch immer was: Dinge sortieren sich, wir sammeln Energie, etc.).

    Herzlichen Sonntagsgruß + gute Zeit für Dich

    Thomas

  3. Thomas

    Zum Thema Angst ist mir noch eingefallen:

    Ich habe mich irgendwann, wenn Angst hochkam, immer gefragt: “Was könnte schlimmstenfalls passieren? Und wenn das passieren würde, wäre das dann wirklich so schlimm?”

    Fast immer: Nö.

    Angenehmen Sonntagabend

    Thomas

    • Carolin

      Guten Abend Thomas,

      hab herzlichen Dank – da sind viele tolle Impulse dabei, die werd ich erst mal sacken lassen…
      “Das Bewusstsein zur Angst ändern” & die eigene Angst als Wegweiser zu betrachten – das sind gute, hilfreiche Bilder (die einen auch wieder weit(er) werden lassen, wo Angst uns doch eher eng macht).
      Alles Gute dir & einen angenehmen Start in den August,

      Carolin

      • Thomas

        Ich glaube, die Angst macht auch eng, die Du schreibst, weil wir so konditioniert sind, dass Angst etwas Schlimmes ist (was man am Besten möglichst weit wegschiebt).

        Gute Zeit

        Thomas

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