tmp_5435-Bauwagen klein1687693938Neulich im Gespräch mit einer Freundin wurde uns etwas sehr klar: Es lohnt sich, sich freier und freier zu machen von eigenen und fremden Erwartungen, wie etwas zu sein hat. Wie es andere augenscheinlich machen, was andere in meinen Augen gebacken kriegen (und ich im Vergleich nicht), wie’s „sich gehört“. Für mich ist es Lebenskunst, als Individuum und auch als Familie meinem ureigenen Pfad zu folgen, ohne dabei anderen im Wege zu stehen oder andere Wege und Lebensentwürfe zu verurteilen.

Natürlich schauen wir stets auch „mit dem Auge der Öffentlichkeit“ auf uns und unsere Situation, vergleichen untereinander, gerade Mütter: „Wie macht es xy? Wie schafft sie das? Wie kommt es bei xy an, wenn ich „nein“ sage?“

Die Philosophin Rebekka Reinhard spricht vom sog. Zwei-Sphären-Glückberuflichem Erfolg und privater Geborgenheit in Einem – welches sie für einen Mythos hält (vgl. „Raus aus dem Grübelgefängnis“, Gespräch mit Rebekka Reinhard, Spiegel Wissen: „Ich bin ich“, Ausgabe 1, 2016). Reinhard plädiert dafür, sich wahrhaft klar zu werden über das, wofür ich lebe, was Erfolg für mich persönlich bedeutet – und dabei meine Fähigkeit einzusetzen, selbst zu denken, mir ein eigenes Urteil darüber zu bilden, wie ich leben möchte. Über folgenden Satz lohnt es sich nachzudenken:

Die moderne Frau ist die Meisterin der Selbstverausgabung.

(Rebekka Reinhard: Kleine Philosophie der Macht, 2015, S.25). Ich darf mich immer wieder fragen: „Worin möchte ich selbst mein Glück finden?“ Und ferner: „Will ich dies oder jenes nur, weil andere es wollen?“ Anstelle „Schaffe ich es, dies und jenes unter einen Hut zu kriegen?“: „Will ich es überhaupt schaffen?“

Meine kleine Familie und ich unternehmen z. B. vieles zu zweit, in unterschiedlichen Konstellationen. Wir verreisen zur Zeit aus verschiedenen Gründen auch selten als Familie. Wir gestalten seit einigen Jahren die Weihnachtstage in ganz eigener Manier, und immer wieder etwas anders – doch jedes Mal wohlüberlegt.

In unserer Gesellschaft kursieren trotz massiv veränderter (Lebens-) Bedingungen im Vergleich zum Beispiel zur Zeit der Nachkriegsgeneration immer noch sehr „bürgerliche Bilder“ einer „heilen Familie“. Inmitten dieser Bilder und Erwartungen ist’s oft schwer, sich frei zu machen, seinen eigenen (Erziehungs-) Weg zu finden, manchmal auch radikale Entscheidungen zu treffen. Ich bemühe mich immer wieder, neue, kreative Lösungen zu finden für Situationen, die schlicht in der heutigen Zeit nicht einfach zu bewerkstelligen sind.

Ich mag gar nicht so tun, als würde ich stets viele Bälle jonglieren können. Keine Frage, ich wuppe vieles und stehe meist schnell wieder auf, wenn ich gefallen bin, doch akzeptiere ich nun viel eher und stärker meine persönlichen Grenzen und meinen Ruf nach Mich-Freifühlen.