Nein-SagenEin Nein auszusprechen tut uns gut. Es tut nicht nur gut, es ist oft auch bitternötig. Gerade wir Frauen haben offenbar ernorme Schwierigkeiten, “nein” zu sagen. Im Augenblick des Aussprechens und Momente zuvor spüren wir Ängste – zum Beispiel die Angst davor, abgelehnt zu werden und Erwartungen nicht zu entsprechen.

Auf meinem im Oktober 2015 besuchten Frauen Yoga Camp in der Lüneburger Heide (“Frauen feiern Kundalini-Yoga”) kamen wir diesem Nein auf die Spur. Uns wurde klar, dass wir ein deutliches “Nein zum Rumeiern” verspüren:

Nein zu Unklarheit, Nein zum Ducken, zum Ausweichen, ja, wenn ich es für sinnvoll erachte auch ein Nein zur Etikette (“das macht man so”, “das gehört sich so”, “das wird so erwartet”). Was letzteres betrifft: Ich glaube nicht, dass “Authentizität um jeden Preis” immer und überall stimmig ist. Hier versuche ich es mit Friedemann Schulz von Thun zu halten, welches er für entscheidend hält, “der Wahrheit der Situation angemessen” zu handeln (Spiegel Wissen: “Versteh mich nicht falsch! Erfolgreiche Kommunikation in der Liebe, im Beruf, in der digitalen Welt”, 2015, S. 14).

Ein Nein nach Außen bedeutet in der Regel ein Ja nach Innen: zu mir. Ein Ja zur Klarheit meines Wollens und meiner Bedürfnisse, auch meiner Grenzen. Selbstverständlich ist auch hier nicht gemeint, dass wir nun nur noch mit ausgefahrenen Ellenbögen nein brüllen oder jegliche Hilfe verwehren. Ich glaube, wir wissen selbst, wann ein Nein angezeigt ist, wenn wir ganz ehrlich nach innen schauen und spüren. Wir können trainieren auf uns zu achten und “nein” zu sagen.

Das denke ich häufig: Im Grunde kenne ich ganz oft meine Wahrheit, im Grunde weiß ich in vielen Momenten, was gerade Sache ist. Das auch nach außen zu transportieren und zu leben ist nicht immer leicht. Vieles wiederum kann so einfach sein: Wenn wir uns wünschen, umarmt zu werden, reicht es zu sagen: “Ich möchte jetzt gerne umarmt werden.” Sätze an den Partner gerichtet wie zum Beispiel “Eigentlich müsste man jetzt die Wäsche aufhängen” sind total Banane und helfen niemandem!

Ich übe es: klar, schnörkellos und direkt zu transportieren, was ich sagen will, möglichts positiv ausgedrückt. Wünsche statt Forderungen zu formulieren. Emotionen zu zeigen und den Körper dabei entsprechend zu bewegen.

Oder auch mal zu schweigen in Momenten, in denen ich normalerweise kommentiere, mich erkläre, rechtfertige. Das A und O ist meines Erachtens langes, tiefes Atmen. Jemand will etwas von mir? Atmen. Ein. Aus. Wenn ich dann ein deutliches Nein in mir wahrnehme tu ich gut daran, dieses auch auszusprechen.

Was ich auch lerne: immer häufiger zu sagen “Ich weiß es gerade nicht. Sobald ich’s weiß, lass ich’s dich wissen.” Eine schwere Nummer. Hier heißt es aushalten. Aushalten, dass ich tatsächlich gerade keine Antwort parat habe, und auch in Kauf nehmen, dass ich mein Gegenüber gegebenenfalls irritiere, es dem anderen eventuell nicht so schmeckt oder er etwas anderes von mir erwartet.

“Nein, dafür gebe ich jetzt nicht meine Aufmerksamkeit.” Oder: “Nein, ich gehe diesen Pfad jetzt nicht entlang.” Gedanken bzw. Sätze, die ich für enorm wichtig halte.

Auf dem Yoga-Camp kamen wir auch auf das Thema “Wie verhalten in Situationen, in denen andere lästern?” zu sprechen. Ich kenne das auch: Es wird destruktiv über Dritte geredet, und ich fühle mich dabei meist unwohl, eng, unruhig. Natürlich müssen wir uns auch hin und wieder bei einer engen Freundin über eine Situation oder jemanden auskotzen. Das passiert und ist menschlich. Einmal raus damit, und dann ist auch wieder gut.

Ich spreche von Gruppensituationen, in denen oft unschön über nicht Anwesende gesprochen wird. Auch hier spüre ich ein “Nein” – ich mag nicht mitmachen. Mache ich es dennoch, vielleicht in der Art “Der oder die ist doch eigentlich ganz ok” bediene ich dieses System “Täter-Opfer-Retter”, wie es in meiner Yoga-Runde formuliert wurde. Die Kunst kann auch einfach darin bestehen, nichts zu sagen und lang und tief zu atmen, kein Feuer in die Situation zu geben. Im besten Fall hört das Lästern nach einer Weile auf. Ich werde es beim nächsten Mal ausprobieren, da ich bislang auch noch keinen für mich stimmigen Weg gefunden habe.

Die kleinen und großen Neins helfen mir und langfristig auch meinen Mitmenschen. Am Anfang steht wie gesagt oft die Angst vor Ablehnung, vor Isolation. Doch es folgen in der Regel Klarheit und Respekt – mir selbst gegenüber und auch Respekt des jeweils anderen mir gegenüber.

Klare Kommunikation erschafft klare Beziehungen.