Schlaflager draußenIch finde es ganz wunderbar, mich in einen tiefen, persönlichen Dialog fallen zu lassen. Eine Reihe intensiver Gespräche hatte ich kürzlich mit einer engen Freundin aus Studientagen. Fernab vom Alltag und der Familie hatten wir das Glück, uns ein Wochenende lang auszutauschen und wieder einmal nah zu sein.

Noch heute hallen Ausschnitte unserer Dialoge in mir nach, und ich mache mir Gedanken darüber, was für mich ein gutes Gespräch ausmacht. Voraussetzung ist meiner Erfahrung nach eine Haltung aus „Bei-sich-Sein“ und echtem Interesse am Gegenüber. Ich versuche dem anderen möglichst unvoreingenommen und neugierig zu begegnen, selbst in langjährigen Freundschaften – eine Herausforderung, an der ich auch oft scheitere, da es allzu menschlich und bequem ist, alte Freunde in den bekannten, immer gleichen Schubladen ruhen zu lassen. Als angenehm und wohltuend erlebe ich es, mein Gegenüber möge selbiges tun: mir offen zu begegnen.

Ich möchte den anderen sehen und gesehen werden, bei einem wohlwollenden Gegenüber auch gerne ungeschönt. Vergleichbar mit Prozessen während des gemeinsamen Musizierens und Improvisierens versuche ich, mich auf meinen Kommunikationspartner einzuschwingen. Fragen zu stellen, auch mal unerwartete – für den anderen und manchmal auch mich selbst.

Besonders interessant wird es, wenn wir nichts von uns zurückhalten und uns trauen, uns zu zeigen, auch unsere unliebsamen Seiten und Eigenschaften – unwissend wie der andere reagieren wird. Hier kann das Gespräch nochmal eine ganze besondere Tiefe erlangen, eine neue Dimension gewinnen. Gerade wenn wir Farbe bekennen und offenbaren, uns ist nichts Menschliches fremd, wir alle haben unsere Schwachstellen und wunden Punkte, fühlt sich der andere in der Regel aufgehoben und eingeladen, selbiges zu zeigen -so erfahren beim Tod meines geliebten Bruders:

Als dieser bekannt wurde, erhielt meine Familie zahlreiche liebevolle Reaktionen, auch von Menschen, die uns nur wenig kannten. Diese Resonanz machte deutlich, dass ein jeder unterschiedlich schwer zu tragen hat und es in keiner Familie nur harmonisch zugeht. Wenn auch hier eine Haltung von „Mir ist nichts Menschliches fremd, bei mir läuft auch nicht alles rund, that’s life“ eingenommen werden kann, profitieren meines Erachtens beide Seiten. Der Austausch kann dann als ungemein befreiend erlebt werden.

Es bereichert unser Leben, wenn wir für Glück, Leid und das große Dazwischen bei uns selbst und unserem Umfeld empfänglich bleiben und Erfahrungen, gerade auch jene, denen eine gewisse Schwere innewohnt, immer wieder mit gelassener Ergebenheit und Leichtigkeit nehmen. Wenn wir geradeaus kommunizieren, ohne uns aufzublasen oder klein zu machen, ist für beide viel gewonnen. Indem wir einfach sind, wie und wer wir sind.

Wenn das so einfach wär! Immer wieder probieren können wir es. Das Leben beschenkt uns Tag für Tag.