TraumhäuschenDas Einkehren bei sich selbst ist für die meisten ein lebenslanger Prozess. Wie sagte eine enge Freundin vor Jahren zu mir? „Du hast’s gut – du hast immer dich!“  Sicher hat es damit zu tun, dass ich gut für mich sein kann, ja, dass ich den Rückzug auch brauche, um mich wieder zu sortieren und meinem inneren Kompass zu folgen. Um fein zu spüren, was gerade ist. Kürzlich stieß ich auf ein Zitat von Erich Fromm:

Bei sich selbst zu Hause zu sein, ist die notwendige Voraussetzung, damit man sich zu anderen in Beziehung setzen kann.

Diese Worte resonierten stark in mir. Im Grunde ein alter Hut, und offenbar doch so schwer in der Umsetzung: Sorge zunächst für dich selbst, nur dann kannst du auch anderen helfen.

Manchmal müssen uns liebe Menschen im Umfeld schubsen, den Spiegel vorhalten mit den Worten: „Mach doch mal wieder etwas für dich!“ oder – wie in meinem Fall neulich: „Komm, fahr mal alleine weg!“ Jeder kennt es: Alltagspflichten und -sorgen, viele hausgemacht, erdrücken uns, wir verlieren uns selbst immer mehr aus dem Blick und landen irgendwo, nur nicht bei uns. Selbstfürsorge kann dann zunächst einmal heißen: Den Mut aufbringen, sich dieser Schieflage bewusst zu werden. Und dann zu handeln. Wenn’s mit dem Wegfahren nicht klappt, können die Schritte auch kleiner ausfallen, Hauptsache, ich setze mich oder etwas in Bewegung. Und suche den Kontakt zu mir: Auf Spaziergängen, im Wald, am Meer, manchmal auch im Gespräch mit einem guten Freund können wir uns selbst wieder auf die Schliche kommen.

Aufrichtig mir selbst gegenüber zu sein bringt mich zu mir nach Haus. Sicher leichter gesagt als getan. Für mich bedeutet die Einkehr bei mir, mein Bedürfnis nach Ruhe, Rückzug und Mich-innerlich-Sortieren wertzuschätzen. Es bedeutet Verantwortung für dieses Bedürfnis und seine Erfüllung zu übernehmen. Herauszufinden was mir wahrlich gut tut und mir dies regelmäßig zu schenken. Da lang zu gehen, wo’s sich wirklich richtig gut anfühlt. Ich selbst brauche dafür vor allem Pausen: vom schnellen, überladenen Alltagsgeschehen, von meinen sich überlappenden Gedanken, ja, manchmal auch von Menschen und lieben Kontakten.

Bei sich selbst zu Hause zu sein bedeutet, mir Liebe in Form von Freundlichkeit, Milde-Sein, ausreichend Schlaf, gutem Essen und Bewegung an frischer Luft zu schenken.

Wenn ich mich selbst ausreichend beschenke fällt es mir besonders leicht, mich auch an andere zu verschenken: in liebevollen Gesten, Worten und Taten.