seisofrei-lebenskunst

Erlebtes & Belebendes

Sich im Nicht-Wissen üben

Vergangenes Wochenende musste ich mich im Nicht-Wissen üben. Das fällt mir schwer: in einer Angelegenheit, die in mir routiert, nicht weiter zu kommen – nicht zu wissen, was richtig oder falsch, was gerade angezeigt ist. Verschiedene Stimmen und Instanzen in mir wahrzunehmen und zu keiner befriedigenden Lösung zu finden, noch nicht. Manchmal bedarf es tatsächlich des Fallenlassens eines schon mehrfach durchgekauten Themas, so dass dieses sich zu einem gegebenen Zeitpunkt wieder neu zeigen kann.

Ich wurde von meiner Yogalehrerin wiederholt gefragt, ob ich sie in bestimmten Stunden vertreten könnte. Nun ist es so, dass ich das theoretisch kann: Schließlich bin ich seit Juni diesen Jahres frischgebackene Kundalini-Yogalehrerin. Als diese Frage mich kürzlich wieder traf, war mein erster Impuls: „Mist, jetzt musst du zugeben, dass du das gerade nicht willst, obwohl du kürzlich noch ’ne andere Ansage gemacht hast.“ Was mir auch immer bewusster wurde: Ich möchte meine Rollen und Aufgaben dieser Tage reduzieren, mich voll auf das fokussieren, was die stärkste Freude in mir entzündet: das Schreiben, die Natur, das Mich-Frei-Fühlen und gleichzeitig Anderen-ein-gutes-Gefühl-Vermitteln. Auch möchte ich mir noch mehr Pausen gönnen, da mein (All-)Tag mit den zum Teil „schwer beeinträchtigten“, blinden Kindern oft sehr anstrengend ist und auch unser Sohn uns fordert. Und einfach, weil’s total Sinn macht, der Freude zu folgen. Meine wöchentliche Yogastunde, in der ich als Schülerin teilnehme, ist ein Wochenhighlight, eine Zeit ganz für mich, in der ich mich fallen lassen kann. Als Lehrerin Verantwortung für diese oder eine andere Stunde zu übernehmen würde sich gerad wie ein weiterer „Stein“ anfühlen.

Zunächst war ich voll fein mit meiner nun formulierten Ansage bzw. Absage, doch am darauffolgenden Tag kamen Zweifel: War das richtig? Darf ich solch eine Chance ziehen lassen? Gehe ich nur (m)einer Angst aus dem Weg? Eine sehr liebgewonnene Bekannte meinte sehr treffend – auch das gab mir zu denken:

Ich bin immer für die Erfahrung, weil der Verstand einen manchmal austrickst.“

Auch das ist wahr – oft hindern uns diverse Mindgames daran, in das für uns stimmige, uns vorwärtsbringende Tun zu kommen. Stichwort Komfortzone-Verlassen.

Dann tat ich, was ich oft tue, wenn ich nicht weiter weiß: Ich kontaktiere – von Aug`zu Aug`, auf dem Schriftweg – Menschen, von denen ich glaube, dass ihre Sicht der Dinge mir weiterhelfen könnte in genau dieser Frage. So fand ich heraus: Meine größte Angst ist nicht, da vorne als Lehrerin zu sitzen, zu unterrichten (das auch!); meine größte Angst ist es, meine Yogalehrerin zu ent-täuschen, Erwartungen von außen nicht zu erfüllen:“Als frischgebackene Lehrerin müsstest du jetzt unterrichten, vor allem, wenn du zum wiederholten Male solche Chancen erhälst!

In der Tiefe geht es stets um die Angst vor Ablehnung. Auch meine Angst, mich „da vorne zum Affen zu machen“, vor der Gruppe sitzend, sprich meine Angst vor Selbstausdruck, ist im Kern die Angst vor Ablehnung: Die Angst sich zu zeigen, be- oder verurteilt zu werden, nicht gut genug zu sein. Verrückt, denn: Warum eigentlich? Oder deutlicher: Was für’n Scheiß!

Nun bin ich innerlich wieder sortierter, wieder im Wissen, ausgerüstet mit den für mich dieser Tage relevanten Antworten – mehr muss ich noch nicht wissen. Und wie das Leben so spielt, habe ich weitere wunderbare Hinweise bekommen: Heute stolperte ich über den Satz:

Wer glaubt, alles im Griff zu haben, entwickelt sich nicht mehr. Lass das Ufer los und werde zum Fluss.“

Auch das fand ich schön und für mich treffend. Darüber hinaus hat mir ein Text zum „Anders-Sein“ von einer mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsenen Yogini  geholfen. Hier tauchte die Frage auf:

Was dient meiner Seele und was nicht?“

Diese Frage finde ich sensationell und in tiefster Tiefe berührend. Sie rührte mich zu Tränen. Für mich ist sie eine DER existentiellen Lebensfragen.

Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht schreiben. Nur noch ergänzend: Ich glaube, es gibt viele Arten und Wege, Kundalini-Yoga zu unterrichten: Sei es, dass ich Artikel schreibe, in denen ich mich auch der Lehre annähere, sei es, dass ich darauf achte, mich klar und liebevoll auszurichten und die Energie zu heben; in einem Gespräch kann ich ferner eine liebevoll-provokative Frage stellen, die den Fokus in eine neue Richtung lenkt; oder indem ich Menschen in meinem Umfeld ausgewählte Übungen oder den tiefen, langen Atem näher bringe.

Ach ja: Meine Yogalehrerin war natürlich nicht enttäuscht, sondern erfreut darüber, dass ich für mich einstand und das, was sie in ihrem Unterricht lehrt, beherzigt habe. Darüber hinaus hat sie eine andere Lösung gefunden. Und für mich wird es sicher alternative Unterrichtsmöglichkeiten und -gruppen geben. In Kürze werde ich dazu auch Gelegenheit habe, nur in einem anderen Rahmen…

Was dient deiner Seele und was nicht? Lass dich mit Hilfe dieser Frage führen und trau dich, dich dem Leben hinzugeben.

 

Was würde die Liebe tun?

Diese beiden Fragen helfen mir, mich durch den (All-)Tag zu navigieren – ich finde sie herrlich hilfreich und einfach schön.

In kleinen und großen Entscheidungsmomenten.

Wie kann ich Liebevolles in den Alltag einspeisen & beziehungsfördernd handeln? Wo & wem kann ich gerade helfen? Welchem Menschen kann ich etwas ernstgemeint Nettes sagen, wie kann ich dem Leben dienen, so dass alle Beteiligten erblühen?

Das Schöne ist: Ich erhebe damit nicht „nur“ den anderen, sondern schenke auch mir selbst Liebe.

Ein wunderbares Wochenende wünsche ich uns allen!

Sichtbar-Werden – auch öffentlich

Dieser Text richtet sich vor allem an Leser*innen, die sich hinaus in eine Öffentlichkeit begeben und Menschen, die etwas Neues in ihrem Leben wagen, das Präsenz erfordert. Leute, die eine Bühne betreten und auf dieser mit vielen anderen in Kontakt kommen.

Meine Worte richten sich auch an Zeitgenossen, die Neugier und Lust, gleichzeitig Angst verspüren, in irgendeiner Form mehr von sich zu zeigen. Selbstverständlich kann auch jemand, der sich vom „In-die-Öffentlichkeit-Stellen“ nicht angesprochen fühlt, mit meinen Zeilen in Resonanz gehen. Und darüber hinaus betreten wir alle – selbst wenn wir noch so authentisch und wahrhaftig sein wollen – ständig irgendwelche Bühnen, nehmen verschiedene Rollen ein, sei es im Büro, in einer Besprechung, im Sportverein, wo auch immer.

Wenn Menschen bewusst eine Bühne betreten und sichtbarer werden als im „normalen“ Alltagsgeschehen – sei es als Musiker, der sein Publikum in der Tiefe berühren möchte, sei es als Autor oder Blogger, der etwas Preis gibt, das wiederum ihn in der Tiefe berührt -, kommen sie auch mit ihrer Verletzbarkeit in Kontakt. Diese Menschen können außerdem zur Projektionsfläche für Wünsche und Träume, jedoch auch für Schattenseiten werden. Sie können mehr als bisher bewundert oder kritisiert werden; anderen wiederum ist das, was sie tun, egal.

Mir ist im Laufe der vergangenen Jahre bewusst geworden, dass wir gut in uns verankert, weitestgehend mit uns im Reinen sein sollten, wenn wir viel von uns Preis geben oder Seiten zeigen, die wir bislang im Verborgenen gehalten haben. Wenn wir uns unserer selbst sicher sind oder es immer mehr werden, so können uns Projektionen anderer wenig anhaben – sowohl die Stärken als auch die Schwächen (m)einer Person betreffend. Ich stelle es mir äußert schwierig vor, als „unreife“ sprich weitestgehend unbewusste Persönlichkeit plötzlich ins Rampenlicht geworfen zu werden. Hier bedarf es sicher eines „Nachreifens“, welches nicht immer schmerzfrei ist.

Wenn du – aus welchen Gründen auch immer – eine Öffentlichkeit suchst, musst du auch mit Ablehnung rechnen. Wenn du in deinem Umfeld zur Veränderung wirst, kannst du damit rechnen, dass Menschen dich entweder begleiten, mit dir gemeinsam in ähnliche Richtungen wachsen und Freude daran haben, deine Entwicklung zu unterstützen, oder aber sie verlassen deine Wirklichkeit, deinen Radius, zeitweise oder auch langfristig.

Kundalini-Yoga hat mich zweifelsohne verändert, das spüre ich, das erlebe ich in und durch meine(n) Beziehungen. Ich bin klarer und mutiger geworden, zeige mehr Präsenz, auch mehr Kanten. Ich traue mich auch mit meinen Schwächen hinaus in der Hoffnung, dass andere, insbesondere mir nahstehende Menschen, es mir gleichtun. Denn dann kann etwas Neues entstehen und die Beziehung wachsen. Was mir auch schon öfter gesagt wurde: Ich sei ruhiger geworden, könne besser zuhören. Das freut mich zu hören.

Zurück zu den Schwächen, von denen ja eine besondere Faszination ausgeht, wie ich finde. Schwächen zu akzeptieren und zu integrieren ist etwas sehr Wohltuendes und Befreiendes. Es muss aber nicht heißen, dass du plötzlich weniger Projektionen auf dich ziehst: Wenn ich meine Schwäche, die ich selbst okay finde, zeige und auf einen Menschen treffe, der diese Schwäche auch hat, sie jedoch in sich (noch) ablehnt, projiziert mein Gegenüber evtl. negativ auf mich. Auch ist ein offener Austausch dann schwierig, wenn einer seine Schattenseiten sehr ungern preisgibt, der andere jedoch keine Schwierigkeiten damit hat. Wahrnehmungscoach Claudia Heipertz sagt, wenn du dich authentisch zeigst, wirst du mehr polarisieren – eine der Wachstumsaufgaben, die ein authentischer Auftritt mit sich bringt.

Eine weitere Beobachtung, die ich im Netz und auch im realen Leben mache: Menschen, die Stärke und Selbstbewusstsein zeigen, die eine gewisse Unabhängigkeit an den Tag legen, können auch als überheblich wahrgenommen werden. Zeitgenossen, die dazu neigen, sich klein zu machen, denken unter Umständen: „Was nimmt der oder die sich heraus?“ Bei mir landete die Zuschreibung überheblich auch schon, und ich erkannte: Manchmal bin ich auch arrogant, dann z. B. wenn ich meine zu wissen, was für den anderen richtig ist, in welche Richtung er sich meiner Vorstellung nach entwickeln sollte. Selbst wenn wir mit unserer Vermutung, was dem anderen gut täte, oft nicht ganz falsch liegen, so ist es doch anmaßend zu meinen zu wissen: So und so ist es richtig. Mittlerweile bin ich da deutlich vorsichtiger und zurückhaltender. Gleichzeitig hat es nichts mit Arroganz zu tun, seine Stärken und Talente zu leben.

Arrogant und stark sind also ganz verschiedene Eigenschaften und Qualitäten. Aus Angst davor als arrogant oder egozentrisch wahrgenommen zu werden, kann es passieren, dass wir unsere Größe – unser Potential, unsere Gaben und Talente – zurückhalten: Wir halten uns selbst klein, weil wir Angst haben, der andere könne diese unsere Größe nicht ertragen. Wir wollen verhindern, Neid auf uns zu ziehen, wenn wir zufrieden und uns-zeigend im Leben stehen. Manchmal denkt’s auch in mir noch: Ich darf nicht „hoch hinaus“, ich darf mich beispieweise noch nicht „Autorin“ nennen – andere könnten mich für anmaßend halten. Nun denke ich immer öfter: „Und wenn schon, wen juckst’s?“

Als ich Claudia Heipertz Folgendes fragte: „Kannst du mir sagen, woran es liegt, dass ich, je sichtbarer ich werde, auch immer mehr zur Projektionsfläche, auch für die Schattenseiten des anderen werde? Vielleicht auch, da Stärke und Selbstbewusstsein oft als Überheblichkeit gedeutet wird?“ antwortete sie mir wie folgt: „Arrogant und überheblich ist eine Bewertung des anderen (oder eine vermutete Bewertung in dir). Ich prüfe in solchen Fällen, ob es in mir eine Angst oder Ablehnung dagegen gibt, über andere hinauszuwachsen. Was sowieso nie voll umfänglich geschieht, sondern meist nur in einem Bereich.“

Ich fänd’s wunderbar, wir würden uns alle mit genau diesem Sich-Hinaus-Trauen anstecken, uns ermutigen, noch schlafendes Potential zu entfalten. Dies heißt nicht, dass plötzlich jeder einen Blog ins Leben rufen soll oder ähnliches: Es wäre doch allein sehr schön, wir würden dem anderen ernst- und ehrlich gemeinte Komplimente machen, ihn dazu ermutigen, sich zu trauen, dies oder jenes zu tun. Wir würden ein angstfreies Feld kreieren, in dem alle Beteiligten wachsen und erblühen können, sich frei und angenommen fühlen und in dem möglichst wenig und wenn dann wohlwollend verglichen wird. Das wünsche ich mir. Und das erlebe ich glücklicherweise auch immer mehr.

Ich frage Euch: Welche Erfahrungen macht Ihr, die Ihr Euch in irgend einer Form hinaus traut, Euch zeigt, Bühnen betretet, mit und in Eurem Umfeld?

Das Maas-Magazin – profund, bunt, inspirierend

Ihr lieben Leute,

ich möchte heute gern sowohl auf ein wunderbares Magazin als auch eine mit diesem in Zusammenhang stehende Crowdfundingaktion hinweisen.

Schaut Euch doch bitte das Video an – es lohnt sich!

Das Maas-Magazin hat’s mir angetan:

Dort finde ich profunde, anregende Artikel zu elementaren LebensthemenBeruf & Berufung, Körper & Geist, Ich & Gemeinschaft, Frauen & Männer, Leben & Sterben, Glück & Geld. Maas ist tatsächlich konkurrenzlos und vielseitig, auch philosophisch – kein Schnickschnack & Tamtam, stattdessen gute, tiefe Inhalte, die sowohl weltlich-naturwissenschaftlich als auch spirituell gesonnene Zeitgenossen begeistern. Wobei sich die Maas sicher in keine Schublade stecken lässt: gut so.

Ganz verschiedene Autoren*innen kommen in diesem Magazin zu Wort und teilen ihre persönlichen Erfahrungen. Maas legt den Schwerpunkt auf positive Entwicklungen in der Welt, was ich auch sehr erfrischend finde.

Anita Maas hat da etwas ganz Feines, Mutiges & wirklich Schönes ins Leben gerufen. Dafür danke ich ihr.

Um die Maas zu unterstützen, so dass diese sich durchsetzen kann, bedarf es der Hilfe. Ihr könnt Teil dieser Hilfe sein, mit jedem noch so kleinen Betrag. Wir & ich würden uns sehr freuen!

Hier der Link zur Crowdfundingaktion:

https://www.startnext.com/maas-mag

Herzlich, Carolin

 

Wie kann ich mich jetzt bemuttern?

Unsere Yoga-Lehrerin warf neulich diese wunderbare Frage in den Raum. Das Wort „bemuttern“ transportiert Liebe, Wärme, Geborgenheit. Und die Frage „Wie kann ich mich jetzt bemuttern?“ löst in mir unmittelbar eine Fürsorge-Verantwortung mir selbst gegenüber aus.

Uns selbst – und im gleichen Zuge andere – bemuttern kann bedeuten:

sanft & tief ausatmen, etwas genießen und dabei die Augen schließen, mir selbst & anderen Komplimente machen, meditieren, dankbar sein und es aussprechen, nichts tun und zur Ruhe kommen, in der Natur sein, Ausdauer- oder Kraftsport, möglichst viele Momente mit unseren Liebsten teilen, uns selbst oder andere streicheln

 

Viel Freude dabei!

Von der Herausforderung guter Entscheidungen

TraumwohnenWann sind Entscheidungen gut? Oder sind Entscheidungen immer gut – frei nach den Motti: „Der Weg ist das Ziel“, „Entscheide, sonst entscheidet das Leben für dich“?

Gute Entscheidungen basieren meines Erachtens auf – in die Tat umgesetzte – klugen Gedanken, welche einem wachen, entspannten Moment entspringen. Ich treffe auf mich und die Situation zugeschnittene Entscheidungen, wenn Herz und Kopf sich einig sind und es plötzlich eine ruhige Gewissheit in mir gibt: Das ist es. Gute Entscheidungen beinhalten ferner die Erfahrung des Wachsens, das Über-mich-Hinauswachsen – das Berühren der nächsten Zone der Entwicklung. Integer entscheide ich, wenn ich sicher bin, dass ich auch in einigen Jahren mit der Entscheidung und ihren Konsequenzen werde leben können.

Meine Intention ist es, Entscheidungen so zu treffen, dass möglichst niemand dabei zu Schaden kommt. Sicher gelingt mir das nicht immer, doch ich bemühe mich, möglichst viele Perspektiven mit einzubeziehen. Was sich gewiss nicht immer vermeiden lässt: dass ich andere ent-täusche, mir nah stehende Menschen auch hin und wieder vor den Kopf stoße. Grenzen-Setzen bedeutet auch Trennungen vorzunehmen, zu desillusionieren: Sei es, dass ich einer Feier, zu der ich eingeladen bin, fernbleibe und somit riskiere, den Gastgeber zu verstimmen; sei es, dass ich meine Hilfe verwehre, da ich es vorziehe, mit meinen Kraftreserven zu haushalten. Ein solch ehrenwertes „Amt“ wie das der Patentante oder Trauzeugin abzulehnen, aus für mich sehr wohl überlegten und guten Gründen, löst sicherlich nicht nur Wohlwollen und Verständnis beim anderen aus. Für sich einzustehen kann das eine oder andere Mal auch einsam machen. All dies habe ich bereits erlebt, all dies hat mir auch arges Kopfzerbrechen beschert, und: Natürlich habe ich getroffene Entscheidungen auch schon bereut.

Mir wohnt das Prinzip „Versuch und Irrtum“ inne: Ich entdecke immer wieder Neues für mich – neue Tätigkeiten und Wege, ich probiere aus. Manchmal liegt die Betonung auch auf ‚Irrtum‘, doch das ist fein für mich, damit kann ich gut leben. Ich behaupte sogar: Durch das Versuchen und auch Irren bekomme ich im Leben eine ganz breite Perspektive. Ich glaube, unsere Angst davor Fehler zu machen hält uns oft davon ab, uns „ganz“ zu leben: Lieber unterdrücken wir einen Impuls und halten uns in selbstgesteckten Grenzen, als dass wir uns hinauswagen, auch auf die Gefahr hin, zu fallen.

Wenn ich Angst davor habe, jemanden zu enttäuschen, Ablehnung zu erfahren, hilft mir der Gedanke: Es ist nicht GEGEN dich, sondern FÜR mich.

Wie bereits beschrieben: Selbstverständlich funktioniert ein Entscheiden, das für alle gut und passend ist, nicht immer. Und worüber wir uns auch bewusst sein sollten: Oft zahlen wir einen Preis, wenn wir für uns entscheiden. Wir zahlen nicht nur den Preis, Ablehnung und empfundenen Liebesentzug zu erfahren, sondern wir müssen auch Schuldgefühle in uns selbst aushalten und integrieren lernen. Hier ein Beispiel, welches mir kürzlich begegnete:

Eine Tochter wählt Abstand zu ihrer Mutter, da diese ihr – nach zahlreichen gescheiterten Versuchen auf diese zuzugehen und mit ihr ins Reine zu kommen – schlicht nicht gut tut. Um ihr eigenes Seelenheil zu retten hält die Tochter ihre Mutter auf Distanz. Das  Schuldgefühl der Tochter ist der Preis, den sie zahlt, wenn sie einen Abstand wählt, der für sie gesund ist. Wenn wir tunlichst vermeiden wollen, bloß niemandem gegenüber schuldig zu werden, zahlen wir ebenfalls einen hohen Preis: Wir entfernen uns von uns selbst, werden uns selbst gegenüber schuldig. Ich lerne: Schuldgefühle auszuhalten ist oft der Preis für die Freiheit, die ich durch ein Handeln für mich gewinne.

Der Alltag und sein Übermaß verlangen uns im Großen und Kleinen permanent Entscheidungen ab. In der Optionenvielfalt, mit der wir heutzutage konfrontiert sind, ist es ungemein schwer, sich nicht zu verirren und sich dem Entscheidungsdruck zu entziehen. Daher halte ich es für umso wichtiger, dass wir uns selbst und unseren sogenannten Fehlern gegenüber nachsichtiger und milder werden. Denn Leben heißt auch: irren, fallen, scheitern. Und Leben heißt immer: lernen.

Was macht für Euch ein gutes Entscheiden aus? Wann habt Ihr das Gefühl,  auf Euch und Eure Situation zugeschnitten entschieden zu haben? Ich bin dankbar für Austausch und Kommentare!

 

Der Mensch will tätig sein

Mein Mann Andreas hat sich über Jahre einem Projekt gewidmet:

Er hat mit verschiedenen Gitarren – angefangen mit einer E-Gitarre und einem analogen Aufnahmegerät, einer Konzert-Gitarre, einer 7-Saitigen, einer Bariton- &  einer JazzgitarreJohann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ eingespielt und aufgenommen. 7 Jahre – 5 Gitarren. Spur für Spur, Ton für Ton, Takt für Takt.  Zwischendurch floss Kaffee über das Aufnahmegerät und Andreas fand im Netz alternative Aufnahmemöglichkeiten.

Diese Version ist „die lebendigste“, so Andreas.

Ich habe gestaunt, mit wieviel Ausdauer & Hingabe, Flow & Spiellust er da am Werke war! Und dachte: Bewundernswert. Offenbar macht es tiefen Sinn, das zu tun, was wir direkt aus uns schöpfen. Dinge, die wir voller Leidenschaft, ja im besten Sinne zwanghaft tun müssen. Auch wenn andere manchmal meinen, wir hätten nicht alle Latten am Zaun;-).

Wir freuen uns sehr, wenn Ihr Euch Andreas‘ Werk mal anhört, Euch den Moment nimmt. Ich finde: Es lohnt sich!

Mach mal Pause

Heute zum Ende der Woche möchte ich gern daran erinnern, wie wichtig & – ich wage zu behaupten – überlebensnotwendig Pausen für unser System sind. Ich weiß, es klingt abgedroschen, doch wenn wir nicht pausieren, drehen wir hohl, routieren wir bis ins Unermessliche, bis uns unser Körper oft unerbittlich daran erinnern muss, dass Grenzen erreicht sind.

Pausen sind für mich: kurzes Innehalten, bewusst einen bestimmten Duft, z. B. ein ätherisches Öl riechen, einfach eine Runde „um den Block“ gehen, oder noch effektiver: ein Waldbad nehmen, sprich mal ab den Wald; wenige gymnastische- oder Yogaübungen, ein paar Minuten aus dem Fenster schauen, Musik an & tanzen…Da fällt uns sicher allen etwas ein!

Ein letzter kleiner Tipp: Positiv besetzte, wohltuende einzelne Wörter denken, bewusst laut aussprechen hilft mir oft enorm! Neulich testete ich, wie sich das Wort „Geduld“ anfühlt, und ich stellte fest: gut, entschleunigend. So transportiert das Foto für mich (siehe oben, herzlicher Gruß aus dem Südschwarzwald!) ein ganz wohliges, Geborgenheit schenkendes Gefühl.

 

In diesem entspannten Sinne, gehabt Euch wohl!

Vom Manipulieren

Was verbindet ihr mit dem Begriff Manipulation? Sicher nichts Gutes! Ich behaupte, Manipulation ist in den meisten Köpfen negativ konnotiert – im Sinne von „heuchlerisch vorgehen, um sich einen Vorteil zu verschaffen“. Wenn wir sagen „Die oder derjenige ist aber ganz schön manipulativ“ ist das sicher kein Kompliment. Der Ursprung jedoch, das lateinische Wort manipulus, bedeutet ganz wertfrei „eine Handvoll“. Manipulatio heißt auch „Handgriff, Verfahren, Kunstgriff“. Und hier schließen sich die Fragen an: Ist Manipulation also nicht etwas Wertfreies, zutiefst Menschliches, unaufhörlich Stattfindendes?

Inspiriert wurde ich durch Kommunikations-Impulse von Veit Lindau. Dieser sagt, wir würden alle permanent manipulieren, dies sei auch nichts Schlimmes, im Gegenteil: In unserer Kommunikation versuchen wir in der Regel etwas zu erreichen oder eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Die Frage ist nur: Wie erfolgreich und ethisch integer manipulieren wir? Denn gewiss: Wir können auch hinterrücks, unethisch manipulieren. Dann etwa, wenn Heuchelei im Spiel ist – wenn wir so tun, also ob wir nicht manipulieren wollen und nicht zu dem stehen, was mir mit unserer Manipulation erreichen möchten. Oder aber wir üben Druck auf den anderen aus, wollen unser Gegenüber unbedingt von etwas überzeugen. Rat-Schläge können auch – ungefragt und zu massiv daherkommend – nach hinten losgehen, so dass der andere „dicht macht“ oder mit Gegendruck reagiert, selbst wenn der Ratschlag noch so gut gemeint und eventuell sogar hilfreich gewesen wäre. Sinnvoller ist es für mein Empfinden, den anderen zu fragen, ob er offen für Feedback ist.

Veit Lindau meint, oft würden wir auch extrinsisch, sprich von außen manipulieren – davon ausgehend, dass den anderen dieselben Sachen motivieren und begeistern wie einen selbst.

Warum nicht also von vornherein die Karten auf den Tisch legen? Sich gegenseitig möglichst authentisch und klar zu begegnen, Transparenz zu leben lässt die Kommunikation deutlich lebendiger und konstruktiver werden. Voraussetzung hierbei ist, dass du selbst klar bist, wie du manipulieren möchtest. Manipulation an sich ist wie gesagt nichts Verwerfliches, wir müssen nur wissen, was wir wollen.

Ich erinnere mich, dass ich mich als Kind in manchen Kinderfreundschaften nicht getraut habe, verliehene Sachen wieder zurück zu verlangen. Meist habe ich mich gewunden und fadenscheinige Gründe gesucht, weshalb ich dieses oder jenes gerade wieder bräuchte, anstelle einfach zu sagen: „Bitte gib mir das zurück!“ Auch gerade in der Beziehung zum Partner formulieren wir Wünsche oft sehr gestelzt und unklar, anstelle zu kommunizieren: „Ich würde mich irre freuen, wenn du heute für uns kochst.“ Oder auch: „Was bräuchtest du, um das gerne zu tun?“ Häufig habe ich es schon erlebt, dass Menschen versuchen, mir irgendetwas schmackhaft zu machen, mich zu irgendetwas zu bewegen, die eigentliche Message jedoch umschiffen. Heute bin ich mir sicher: Hätte der andere klar formuliert, worum es ihm geht und offen zugegeben, dass ich etwas Bestimmtes für ihn tun sollte – es wäre wahrscheinlich völlig ok und machbar gewesen.

Wenn ich klar, bewusst und direkt manipuliere, Wünsche und Karten offen auf den Tisch lege, spare ich mir auch Irrtümer und vor allem (Gedanken-) Energie. Wichtig ist, dass die Manipulation einladend geschehen sollte, wie gesagt ohne Druck und Heuchelei. Das bringt mit sich, dass ich auch ein „Nein“ meines Gegenübers aushalten können muss, denn einladen bedeutet auch freilassen. Hier werde ich unter Umständen mit meiner eigenen Verletzlichkeit konfrontiert, denn ich mache mich mit meinen klar geäußerten Manipulationen und Wünschen auch sichtbar. Das „Nein“ des Gegenübers sollte meines Erachtens auch nicht zu persönlich genommen werden – er wird ja seine Gründe haben.

Veit Lindau brachte zum Thema „Wünschen“ mal einen wunderbaren Impuls, den ich in vergangener Zeit schon oft beherzigt habe. Er lautet wie folgt:

„Offen wünschen bedeutet: Der andere sieht wirklich, was in dir vorgeht und was du dir genau wünschst. Respektvoll wünschen bedeutet: Du wünschst es dir in dem Wissen, dass niemand verpflichtet ist dir deinen Wusch zu erfüllen.“

Ich finde: Das kann man regelrecht üben. So kann ich mir auch alle indirekten Wunschäußerungen wie zum Beispiel „Es müsste mal wieder das Bad geputzt werden“ oder ähnlich sparen.

Letztendlich geht es wie so oft in Beziehungen um ein liebevolles Aushandeln: Es geht darum, Schritte aufeinander zuzugehen und Schnittmengen zwischen meinen Wünschen und denen des anderen zu finden. Viel Freude dabei, und keine Angst vor’m Manipulieren!

Von der Falle weiter sein zu wollen

An dieser Stelle möchte ich einfach mal wieder an meine regelmäßig im Online-Magazin compassioner erscheinenden Artikel erinnern.

Dieses Mal habe ich mich folgendem Phänomen gewidmet: „Spirituell gesinnte Zeitgenossen“ wähnen sich oft in ihrer Entwicklung „weiter“ als sie’s tatsächlich sind. So gerne wollen wir oft freundlich, empathisch, liebenswürdig sein, um im Alltag festzustellen, dass wir manchmal auch gar keine Lust darauf haben – und uns gerne mal abgrenzen, vom Acker machen, den anderen sch… finden. Was ich auch nicht will: Stets den eigenen Anteil in einer (delikaten) Situation suchen, auch da ich gar nicht sicher bin, ob das immer sinnvoll ist.

Viel Spaß beim Lesen und weiterhin schöne Sommertage Euch:-)!

Echte Kommunikation – Von der Falle, weiter sein zu wollen, als man ist

 

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